WAS IST OFFENHEIT?

Von Paul O. Schenker

 

Natürlich gibt es ganz unterschiedliche "Offenheiten", positive und negative. Aber die Offenheit, die wir hier meinen, ist ein anderer Begriff für Wahrhaftigkeit gepaart mit Bekennermut. Nicht im Verstohlenen und schüchtern und zaghaft wollen wir Zeugnis ablegen für die Wahrheit, sondern in aller Offenheit mit allem Freimut, ohne falsche Rücksicht auf menschliches Urteil, gelegen oder ungelegen, "stets bereit, jedermann Rede und Antwort zu stehen, der von uns Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in uns lebt!" (Vgl. 1 Petr. 3,15, Mt 10, 19), "uns nicht schämend des Gesetzes des Allerhöchsten und seines Bundes und auf niemanden Rücksicht nehmend, damit wir nicht sündigen", "uns nicht schämend, unverständige und törichte Menschen zurechtzuweisen" (vgl. Sir 42, 1 / 8), "uns nicht fürchtend vor denen, die wohl den Leib, nicht aber die Seele töten können; fürchtend vielmehr den, der Leib und Seele ins Verderben der Hölle stürzen kann" (Mt 10,28). "Gott liebt das freimütige Bekenntnis, daß man Ihn liebt und Ihm dienen will, und Er will, daß man sich Seiner und Seines Kreuzes nicht schämt." (Franz von Sales, Philothea 5,18). "Wo Freiheit des Geistes ist, da ist auch Freimütigkeit, die den Großen wie den Kleinen die Wahrheit sagt." (Bischof J.M. Sailer, Regensburg) "Offenheit ist die erste und oberste Pflicht der Freundschaft. Freundschaft ohne Offenheit ist wie ein Messer ohne Klinge. Wie will man damit schneiden? Hat man Wind gegen sich, so ist das nur ein Grund, umso stärker auszuschreiten. Jeder, der in schlechten Zeiten die Wahrheit sagt, ist eine Art Prophet." (Langbehn, Geist 83/98/85)

Diese Offenheit beinhaltet auch den Begriff Mannhaftigkeit. Uns Christen ist geboten, wachsam zu sein, festzustehen im Glauben, männlich zu handeln und stark zu sein" (1 Kor 16,13), "fest zu bleiben bei unserer Überzeugung und unsere Rede immer eine und dieselbe sein zu lassen" (Sir 5,12 (Gr), "nach Gerechtigkeit Frömmigkeit und Glauben zu streben" (1 Tim 6,11), "stark zu sein, kraft der Gnade, die da in Christus Jesus ist" (2 Tim 2, 1). Die Welt braucht Männer; nicht Schöngeisterei und Schönrederei, nicht Fühlen und Träumen rettet sie, sondern Handanlegen und Tun. Nicht durch Fühlen und Träumen wurden die Heiligen heilig, sondern durch Kämpfen, Wagen und Entsagen. Wer nicht mit den Grundsätzen der Welt furchtlos und entschlossen bricht, wird nie mutig und weise. "Tut ihr, was an euch ist, dann wird der Herr euch so mannhaft machen, daß selbst Männer darüber staunen werden." (Die hl. Theresia von Avila zu ihren Ordensschwestern). Wahre Mannheit bedeutet: ein starker Wille, geleitet durch ein zartes Gewissen. Ein frommer und gläubiger Mann hat das rechte Panzerhemd um seine Brust gelegt und die rechten Waffen angetan: das kindliche Vertrauen auf einen allmächtigen Gott und das feste Gewissen in einer treuen Brust. "Es gibt der faulen Frieden zuviel im Land, die Memmen sind hienieden in Überhand. Wir Männer aber nennen höchstes Glück: Vorwärts durch dick und dünn und nie zurück!"

Offenheit steht hier auch für Entschiedenheit. "Nicht nach der Beschaffenheit des Leibes, sondern nach der Entschiedenheit des Willens werden die geistlichen Schlachten entschieden. Deshalb haben oft Frauen weit mutiger gekämpft als Männer und herrliche Siege davongetragen." (Chrysostomos in Mt 8,4.) "Nichts ist bei ernstem Willen schwer, nichts ohne diesen leicht" (derselbe) "In Zeiten des Kampfes rettet kein Kompromiß. Nur der scharfe Schnitt. Nur die rücksichtslose Energie. Nur der Wille zum Eigenen. Stil wollen wir." (Sonnenschein, Notizen 1.3.25)

Und vor allem will diese Offenheit sagen: Zeugnis ablegen in christlicher Freiheit! "Wenn ihr euch an Mein Wort haltet, seid ihr Meine Jünger; dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." (Jo 8,31) Wenn der Sohn (Christus) euch frei macht, seid ihr wahrhaft frei." (Jo 8,36) "Meine Brüder, ihr seid zur Freiheit berufen. Nur gebraucht die Freiheit nicht als einen Freibrief für fleischliche Gelüste." (Gal 5,13) "Wenn ihr euch vom Geiste leiten laßt, so steht ihr nicht mehr unter dem Gesetz." (Gal 5,18) "Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit." (2 Kor 3,17) "Zur Freiheit hat uns Christus befreit. So steht denn fest und laßt euch nicht aufs neue das Joch der Knechtschaft aufbürden." (Gal 5, 1) "Alles ist mir gestattet, aber nicht alles frommt; alles ist mir gestattet, aber ich soll mich von nichts beherrschen lassen." (1 Kor 6,12) "Wer in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinschaut, wer kein vergeßlicher Hörer, sondern ein tatkräftiger Befolger ist, der ist selig in seinem Handeln." (Jak 1,25) "Kurz ist das Gebot, das dir gegeben ist: Liebe (christlich)! Und dann tu, was du willst." (Augustinus in Jo 7,8)

Es ist ganz klar: Heute ist diese Offenheit vonnöten. Wir wollen dieser tugendhaften Offenheit gemäß all dem Stimme geben, was furchtlos für GOTT und Sein Reich und gegen Satan und Sein Gegenreich Zeugnis ablegt. Dazu möge uns der Dreifaltige und Dreieine auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria Sein Licht und Seine Kraft und Seinen Segen spenden.

Paul O. Schenker