Aus dem Immaculata-Archiv:


Ave Maria - Virgo Mater - Amore plena!

DIE APOSTEL DER KÖNIGIN DER LIEBE

Unsere Zeit ruft nach Liebe. Viele Menschen haben Gott verloren und sehnen sich aus der Tiefe ihrer Seele nach Licht und Wärme, nach einem höheren Ziel, nach höheren geistigen Werten. Der Weg zu Gott führt jedoch nur über die Liebe. Zu dieser belebenden, beglückenden und tatkräftigen Liebe muß der Mensch erzogen werden.

Die Aufforderung zur vermehrten, gütigeren Pflege derartiger Liebe erging erneut in eindringlicher Weise am 11. Oktober 1944 durch MARIA, am Feste ihrer Mutterschaft. Das ist der

URSPRUNG
unsere Apostolates der Liebe.

Die Aufforderung Mariens lautet:

"Mein Mutterherz ist ein Feuermeer der Liebe, ein Wunderwerk der Liebe. Mein Mutterherz ist ein Abgrund von Liebe. Kein Menschengeist vermag sie zu erfassen, keine Feder sie zu beschreiben.

Ich bin die Königin der Liebe!

Ich will ein Reich der Liebe gründen. Ich suche Seelen, die meine dienstfertige, zuvorkommende, werktätige, opferwillige, uneigennützige, herablassende, herzliche und übernatürliche Liebe durch Wort und Beispiel hineintragen in die Massen des Volkes. Meine Mutterliebe ist eine Sonne, die alle Geprüften in den Sonnenglanz der wahren Freude zu führen vermag. Ich suche Seelen, die ich senden kann. Diese Gesandten sollen in ihrem Tun, in ihrem Wirkungskreise und in ihrem täglichen Leben jede Gelegenheit ergreifen, um den Nebenmenschen, besonders den Armen und Notleidenden, den Kranken und Leidgeprüften, den Unglücklichen und Verbitterten, sowie den Kindern die Sonnenstrahlen meiner Liebe sein. Durch sie will ich wirken, wohltun, trösten und lieben. Sie werden von meinem Geiste beeinflußt und durch meine Mutterliebe geführt sein. Mein erbarmungsreiches und von Liebe ganz erfülltes Mutterherz soll ihre Zentrale sein. Dort versammeln sie sich im Geiste. Dort schöpfen sie Licht und Kraft. Von dort ziehen sie täglich aus als Gesandte meiner Liebe, um in ihrem Wirkungskreise meinen Geist des Glaubens, des Vertrauens und der Liebe zu pflegen, wodurch ihre Nebenmenschen froh und glücklich werden können."

II. Geist

Die Apostel der Königin der Liebe üben das Apostolat der Liebe, denn die Mutterliebe Mariens sollen sie ausstrahlen lassen und in die Massen des Volkes hineintragen. Wie Jesus, der gütige Erlöser, das erste Mal durch Maria der Welt gegeben wurde, so wird er auch jetzt durch Maria den Seelen mitgeteilt.

Kein Elend entgeht ihr, keine Zudringlichkeit ist ihr zur Last, kein Undank stößt sie ab. Kein Sünder ist so verstockt, daß er nicht ihr Kind bliebe, über das sie wacht und für das sie betet. Sie hat ein weltgroßes Herz in dem alle Menschen ihren Platz und ihre Zuflucht haben, - ein unermüdliches Herz, das die Menge der Unglücklichen gleich gütig aufnimmt, ein wachsames, zartfühlendes Herz, sodaß auch der leiseste Seufzer zu ihm dringt und es rührt. Wahrhaft ein großes und süßes Wort:

Maria ist unser aller Mutter!

Eine Mutter, die uns in den Schmerzen, die sie unter dem Kreuze ausgestanden, geboren, - eine Mutter, die ihre Barmherzigkeit aus dem Herzen Jesu selbst geschöpft hat, - eine Mutter, in der die Liebe des göttlichen Herzens weiterlebt. - Wer wollte zu einem solchen Mutterherzen nicht gern in jeder Not, mit allen Sorgen des Leibes und der Seele Zuflucht nehmen! Wer sollte sich vor ihr fürchten, auch wenn er sich noch so schuldbeladen weiß und es nicht wagt, mit seinen Sünden vor das Angesicht Gottes zu treten!

Maria ist die Verwalterin der Schätze des Herzens Jesu, denn die Verdienste Christi, oder richtiger gesagt, die Gnaden, die uns Christus verdient hat, sind ja die Früchte des kostbaren Erlösungsblutes; dieses Blut aber hat Maria Jesus gegeben. "Du hast in Deinen Händen, seligste Mutter, den Schlüssel der Segnungen Gottes" - ruft Bossuet ihr zu.

Maria hat den Erlösungsschatz mitbegründet.

Darum ist es der Weisheit und Güte Gottes ganz angemessen, daß sie, wie an der Erwerbnung der Gnaden, so auch an ihrer

Zuwendung und Ausspendung

reichen Anteil hat.

Maria wird so die Führerin zum Herzen Jesu. Das Amt einer Führerin zum Herzen Jesu kann Maria umso leichter und besser erfüllen, weil niemand das göttliche Herz Jesu so gut kennen gelernt hat wie sie.

Sie erzieht die Seelen, macht sie dem Herzen Jesu immer ähnlicher, im Denken und Streben und im ganzen Benehmen. Für die Apostel der Königin der Liebe ist das mütterliche Herz Mariens eine Quelle der Liebe und der Freude. Dort schöpfen sie Licht und Kraft zur treuen Erfüllung ihrer Aufgabe als Apostel.

Es ist etwas Schönes, etwas unsagbar Großes, für Christus zu arbeiten, zu werben, zu kämpfen, Apostel zu sein.

Apostel sein heißt eine Sendung, einen Auftrag, einen Befehl haben. Christus spricht zu jedem: Gehe hinaus in die Welt, um vorzumachen, wie ein wahrer Katholik denkt und redet, wie er sich benimmt gegen Arme, Kranke, Geprüfte, wie er arbeitet und lebt. Unser ganzes Leben, all unser Tun und Lassen soll eine stumme, aber eindrucksvolle, beredte, lebendig wirkende Predigt sein, ein Werben für Christus und sein Reich.

Apostel sein heißt Liebe spenden. Bedeutet Sprengen des eigenen Ichs, bedeutet ein Hinausgehen aus dem engen Raum persönlicher Interessen in den großen, weltweiten Raum des

"Corpus Christi mysticum."

Apostel sein heißt Dienst leisten. Dienst an Christus, Dienst an seiner großen Gemeinschaft der Gottesfamilie.

Apostel sein heißt Lichtträger sein. Die Welt ist finster und kalt. Wir müssen sie erhellen durch das Licht der Wahrheit, der Treue, der Reinheit, der Freude, der Liebe.

Apostel haben die große Sendung, das Reich Gottes in anderen Herzen aufzurichten und für dieses Reich zu kämpfen, zu opfern, zu beten und durch christliche Liebe die Fernstehenden für Christus zu gewinnen.

Auch all unser Mühen und Kämpfen um eine gediegene Geistes- und Charakterbildung stellen wir in den Dienst des Reiches Christi!

Apostelgeist bedarf einer ständigen Verbindung mit seiner Quelle, mit der Liebe zu Maria und zu Gott! Es ist darum eine Notwendigkeit, ein ganz inneres und gottverbundenes Leben zu führen. Diese Forderung gilt nicht nur den Ordensleuten; sie gilt allen, die gehalten sind, für die Sache Gottes zu arbeiten. Wir dürfen nicht an der Oberfläche stehen bleiben. Wir müssen in die Tiefe gehen. Nur so werden wir befähigt werden, mitzuarbeiten an der sittlichen und religiösen Erneuerung der Welt in Christus.

III. AUFGABE

Im Abendmahlssaal, im "Coenaculum", hat Maria beim letzten Abendmahl sowie auch bei der Herabkunft des Hl. Geistes gemeinsam mit den Aposteln des Herrn der Gründung der heiligen Kirche beigewohnt.

Wie unser Herr Apostel ausgesandt hat am Anfang, so sendet heute Maria Apostel aus, um der Kirche zu Hilfe zu kommen. Nicht als ob das Werk Christi versagt hätte, sondern weil Christus seiner hl. Mutter diese Aufgabe heute übertragen will. Denn die Kirche ist in großer Not, und Christus will ihr zu Hilfe kommen

durch Maria!

Maria hat von Gott die Macht und die Sendung erhalten, die höllischen Geister zu verfolgen, überall zu bekämpfen, ihre Verwegenheit zuschanden zu machen und sie in den Abgrund zurück zu stoßen.

Maria wird den Gläubigen helfen und ihnen in ihren Drangsalen und Nöten Beistand gewähren. Sie wird für alle wahrhaft Gläubigen eine Mutter, Beschützerin und Führerin sein. Sie wird alle trösten und stärken. Sie ist die Schatzmeisterin aller Güter Gottes. Sie kann die Gnaden austeilen nach ihrem Belieben. Um was sie Gott bitten wird, das wird ihr gewährt werden. Ihre Bitten und Wünsche werden erhört werden, weil Maria sich auf Erden ganz und vollkommen dem Willen Gottes unterworfen hatte.

Mit allen Fähigkeiten unseres menschlichen Geistes und mit allen Kräften eines liebewarmen Herzens können wir uns keinen Begriff machen von der unvergleichlichen Liebesglut, mit der das Herz Mariens bei der Herabkunft des Hl. Geistes verzehrt wurde. Diese Liebe Mariens war ein Wunder der Allmacht Gottes. Maria wurde die Königin der Liebe und erglühte vom Verlangen, die Welt für Christus zu erobern und allen zu helfen.

Dieses marianische Hilfswerk ist ein Ausdruck ihrer Liebe. Es will helfen. Es will seelisch und materiell zu helfen versuchen durch die Apostel der Königin der Liebe.

Es stützt sich ganz fest und unerschütterlich auf die unbegrenzte Liebe Mariens.

Dieses marianische Hilfswerk wird sich nie in die Pfarreiangelegenheiten einmischen. Es wird die Apostelseelen, die Maria zuführt, für ihre Aufgabe erziehen durch Exerzitien, Einkehrtage, Schulungskurse und durch aufklärende Zirkulare.

Die Apostel der Königin der Liebe sind also marianische Hilfskräfte.

Sie sollen Apostel sein in der Familie, in der Werkstatt, in den Fabriken, im Büro, in der Schule, am Krankenbett, im Spital und im öffentlichen Leben, überall dort, wo aufgeschlossene Seelen für das Schöne, Wahre, Gute und Edle erkannt werden. Sie sollen sein Apostel der Presse, der Barmherzigkeit, des Leidens und sogar Apostel im Soldatenrock. Jeder kann ein Apostel der Königin der Liebe sein. Der Höhergestellte und Gebildete, der Reiche und Vornehme, der schlichte Werkmeister, der einfache Arbeiter, das einfache Dienstmädchen, jegliche Berufstochter. Alle können Großartiges wirken zum Heile und Troste der Mitmenschen.

Je selbstloser sie sich ihrer Aufgabe hingeben und je demütiger sie Gott und Maria um ihren Segen bitten, desto umfassender und nachhaltiger wird ihr Wirken. Die besten Apostel der Königin der Liebe sind jene schlichten Seelen, die nur Gottes Ehre und der Mitmenschen Wohl im Auge haben, aber auch kein Opfer und keine Mühe scheuen.

Die Haupteigenschaft des marianischen Hilfswerkes ist und bleibt das feste, unerschütterliche Vertrauen auf die Macht und Güte Mariens,

die immer helfen kann und immer helfen will.

Die Apostel der Königin der Liebe trachten:

I. Die Lebensweise Mariens zu verwirklichen.

  1. Maria lebte ganz aus Christus - Er war die Quelle ihrer Kraft.
  2. Maria lebte ganz wie Christus - Er war Form und Vorbild ihres Strebens.
  3. Maria lebte ganz für Christus - Er war die große Leidenschaft, die glühende Liebe ihres Lebens.

Die Apostel der Königin der Liebe suchen ihr Leben nach dieser Lebensregel zu gestalten. Sie wollen:

II. Die Aufgabe Mariens vollbringen.

Maria hatte eine doppelte Aufgabe.

1. Der Welt Jesus mitteilen.

Die Apostel der Königin der Liebe wollen:

1. Christi Wegbereiter sein. Sie wollen deshalb

  1. wahre Aufklärung verbreiten über brennende Zeitfragen.
  2. Vorurteile beseitigen inbezug auf Kirche, Priester, katholische Wahrheiten, usw.
  3. entschiedene Abwehr leisten gegen Alles, was das Heil der Seelen gefährdet.
  4. Christi Geist, Christi Art und Christi Liebe sichtbar zeigen durch ihr ganzes Wesen und Benehmen.

2. Christus in die Welt hineintragen

Christus will durch sie leben, reden wohltun, lieben. Er will durch sie Leid lindern, Trost und Freude spenden.

2. Für Andere leben nach dem Grundsatz des "Allen Alles werden - "Omnibus omnia fieri".

  1. durch Gebet, Opfer und Leiden
  2. durch helfende Tat und freudige Bereitschaft Armen, Kranken und Geprüften gegenüber
  3. durch gütiges Verständnis, Herzenstakt und Belehrung für Zweifelnde und Wahrheitsuchende.

IV. DER WEG ZUM ZIEL

Bei den Aposteln der Königin der Liebe soll die Liebe die Sonne sein, die nie untergeht. Nur die Hingabe als helfende, dienende, demütige, opferbereite Liebe vermag die Welt zu erobern.

1. Durch die Liebe des Betens.

Jesus, der uns Maria zur Mutter gab, hat ihrem gütigen Herzen die unzerstörbare Liebe eingeflößt, die eine jede Mutter für ihre Kinder empfindet.

Mit festem und unerschütterlichem Vertrauen, aus triefster Dankbarkeit verrichten daher die Apostel öfters am Tage folgendes wirksame Gebet für alle Notleidenden, für alle Kranken, Verlassenen und Geprüften, für die Gemeinschaft des Staates und der Kirche, für sich selbst:

"Erbarmungsreiches Mutterherz Mariens,
von Liebe ganz erfüllt,
gib uns Jesus,
und sei unsere Hilfe, unser Trost und unsere Rettung."

Der christliche Gemeinschaftsgedanke ist dann am besten erfaßt, wenn wir aus Liebe an die Not anderer denken und in zeitlichen wie in seelischen Nöten für alle Brüder und Schwestern in Christus beten.

2. Durch die Liebe des Wirkens.

Mit den Augen der Barmherzigkeit wird der Apostel Mariens dem menschlichen Elend nachgehen und auch überall finden. Der Sorgen und Nöten gibt es ja so reichlich, auch im engsten und kleinsten Kreise. Seine Liebe wird Wege suchen, um zu helfen, helfen zu können.

Christliche Gerechtigkeit frägt nach der Pflicht. Die Liebe aber geht weiter. Diese Liebe schenkt viel Taktgefühl und feines Empfinden vor allem auch der heranwachsenden und gefährdeten Jugend.

Diese edle gütige Liebe sucht auch Einfluß zu gewinnen, damit die heranwachsenden Töchter ernster, stiller, gesitteter, feinfühliger und fraulicher werden, ohne eine gediegene Fröhlichkeit preisgeben zu wollen.

Leitgedanke für all ihre Arbeit ist: "Aus Liebe zu Gott! Aus Liebe zu Maria!" So können sie selbst das Schwere und Harte überwinden. Nicht Lohn, nicht Anerkennung von Seite der Menschen, sondern die Liebe zu Gott treibt sie. Die Liebe gibt ihnen Mut, Kraft, Ansporn und Ausdauer.

Die Apostel Mariens suchen Gelegenheit zur Hilfe, auch mit und unter eigenen Opfern. Liebend wollen sie in den Mitmenschen aufgehen, weil jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist. Sie gedenken der Worte des hl. Apostels Paulus an die Kolosser 3. 12-14:

"Ziehet also an, als Gottes Auserwählte, Heiligkeit und Sanftmut und Geduld. Ertraget einander und verzeihet einander wenn einer wider den anderen Klage hat! Wie euch der Herr vergab, so auch ihr. Über all dies aber habt die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist und der Friede Christi frohlocke in euren Herzen."

3. Durch die Liebe des Helfens.

Wenn wir Liebe zu den unsterblichen Seelen haben, dann werden wir fast unzählige Gelegenheiten zum Helfen finden. Wir werden in der Familie, auf der Werkstätte, im Bureau, im geselligen Verkehr, im öffentlichen Leben helfen können. Wir werden dann gerade in dieser Umgebung mutig die Vorurteile bekämpfen gegen Kirche, Priester und Ordensleute. Wir werden auch wahre Aufklärung verbreiten über die christliche Ehe. Wir werden entschiedene Abwehr üben gegen alles, was immer das Heil der Seelen gefährden kann, als da sind:

"Glaubensfeindliche Schriften und Zeitungen, Mißstände, schlechte Reden und Lieder, unchristliche Kleidung, Entheiligung der Sonntage, öffentliche Vergnügen am Abend der Samstage oder am Morgen der Sonn- und Feiertage."

"Gegenüber der maßlosen Propaganda der Feinde der Kirche, der neuzeitlichen Sekten."

Demgegenüber suchen die Apostel gute religiöse Schriften und Flugblätter überall zu verbreiten. Unzählige Seelen können durch die Mission des gedruckten Wortes zu Gott zurückgeführt weden.

Die Apostel üben helfende Liebe durch Besuche bei Kranken, besonders auch solcher, die ihre religiöse Pflicht vernachlässigt haben. Sie sorgen für rechtzeitigen Empfang der hl. Sakramente seitens derselben.

Sie leisten auch, auf Wunsch und unter Aufsicht der geistlichen Obrigkeit religiöse Nachhilfe bei Kindern, die wegen Gebrechlichkeit oder aus anderen Gründen den regelmäßigen Religionsunterricht nicht besuchen können. Sie leisten Hilfe in der Vorbereitung derselben auf die erste heilige Beicht und Kommunion. Ebenso bei der Verschönerung und Verherrlichung des Gottesdienstes, beim Chorgesang und bei kirchlichen Veranstaltungen sowie beim Ausschmücken von Kirchen und Beschaffung von Paramenten usw.

Die Apostel wollen sich ganz opfern, um Seelen zu retten, die Maria so teuer sind, von denen leider so viele nicht mehr an den lieben Gott glauben können, glauben wollen, weil sie in ihrer Not so wenig Nächstenliebe erfahren durften. Die Apostel der Königin der Liebe werden deshalb besorgt sein, daß die Flamme der Liebe immer heller durch die Finsternis der jetzigen Zeitverhältnisse leuchtet. Aus dem Wurzelboden der Liebe kann nur Gutes kommen.

4. Durch die Liebe des Tröstens.

Maria, unser Aller Mutter weiß so liebreich zu trösten. Die Geschichte aller Wallfahrtsorte legt ein beredtes Zeugnis ab von der mütterlichen Sorge Mariens für alle ihre geprüften Kinder. Der Apostel soll auch helfend und tröstend durch die langen Reihen der Geprüften gehen. Die Liebe hat er nicht nur als Gabe empfangen, sondern auch als Aufgabe. Die Liebe will und muß sein ganzes Leben beseelen. Sie ist bei hm nicht nur am Werk wenn er betet, sondern auch wenn er im Werkraum seines Berufes steht. Sie wirkt, indem er helfend, ratend, tröstend und aufrichtend seine Liebestätigkeit ausübt.

Die Apostel der Königin der Liebe fördern und pflegen im täglichen Verkehr Friede und Freude. Sie suchen nach Möglichkeit Zank und Streit durch gütige Worte zu unterdrücken. Sie üben Sanftmut und Nachsicht, sie tragen keinen Haß nach und keine Rachsucht wegen erlittener Kränkungen oder eines zugefügten Unrechts, sie sind immer bereit zu verzeihen, eingedenk des göttlichen Heilandes, der sterbend am Kreuze für seine Feinde betete. Oder eingedenk der himmlischen Mutter, die am Fuße des Kreuzes für die Kreuziger ihres Sohnes Fürbitte einlegte.

Die Apostel sehen das Christusbild im Nächsten, das vielleicht durch Leidenschaft, durch mangelhafte Erziehung, schlechte Umgebung, erbliche Belastung und Sünde entstellt wurde. Sie sind nicht blind für Elend und Verschuldung, aber sie sind stets zur Barmherzigkeit geneigt. Sie sind nachsichtig mit den Schwächen und Fehlern anderer. Sie heben im Gespräch lieber gute als nachteilige Eigenschaften anderer hervor. Sie haben aufrichtige Gesinnung, gütige, aufrichtende und tröstende Worte für Niedergebeugte und vermeiden alles Rohe und Derbe.

5. Durch die Liebe des Verzichtens.

Die Apostel der Königin der Liebe wollen mit ihrer ganzen Person sich den Mitmenschen hingeben, um zu beweisen, daß das Evangelium die Religion der wahren, vom Himmel herabgestiegenen Liebe ist. Sie wollen den Beweis erbringen, daß sie wahre Apostel der Königin der Liebe sind.

Die Liebe des Verzichtens besteht vor allem im Opferbringen in irgendeiner Form, wie in der Beherrschung der Leidenschaften, der Gemütsstimmungen und des Temperamentes. In der Übung kluger Einschränkungen im Genusse von Speise und Trank, von Ruhe und Erholung und beim Sport.

6. Durch die verzehrende Liebe.

Der Apostel der Königin der Liebe muß auch diese Liebe kennen. Wir brauchen Seelen, die zur Sühne bereit sind, die ihre Leiden in Vereinigung mit dem unendlich verdienstlichen Leiden Christi für die Bekehrung der Sünder aufopfern, die vielleicht noch weiter gehen und freiwillige Werke der Sühne auf sich nehmen, nach dem Beispiel Mariens.

Das Apostolat der verzehrenden Liebe ist das erhabenste Apostolat, weil es am innigsten uns mit dem Erlöser selbst, dem aus Liebe Gekreuzigten vereinigt. - "Wie glücklich bin ich doch; durch mein Leiden kann ich Seelen retten" - sprach eine Kreuzträgerin.

7. Durch die versöhnende Liebe,

die das größte Gnadengeschenk bleibt, das die göttliche Barmherzigkeit und Güte uns bereitet haben. In der überwältigendsten Art erleben wir die Größe dieser versöhnenden Liebe durch das

Kreuzopfer unseres Heilandes

vor Gott, dem Vater.

In der beglückendsten Weise lebt die versöhnende Liebe in der Fürbitte unserer himmlischen Mutter vor dem göttlichen Herzen Jesu, Tag für Tag, immer.

Das Fehlen dieser versöhnenden Liebe unter den Menschen, das Schmerzliche darob lehrt uns jederzeit ein Blick in die zerrissene Welt unserer Tage.

Versöhnung

bleibt das Geheimnis der Liebe von Mensch zu Mensch in treuer Befolgung des Gebotes Gottes über die wahrhafte christliche Nächstenliebe.

Wohl das undankbarste, schwerste Problem versöhnend zu wirken, bleibt der Wunsch, leidende und zu reißen drohende Ehebande zu entspannen, auszugleichen, um langsam mit Behutsamkeit zu versöhnen.

Es bedarf großen Einfühlungsvermögens, sorgfältiger Beobachtungsgabe, großer Zurückhaltung, um den Weg vorzubereiten bei Ehezerwürfnissen und die Harmonie wiederum herzustellen - Geschwätzigkeit, unkluges Reden könnten nur noch größeres Unglück verursachen.

Groß, riesengroß ist die wirtschaftliche und soziale Notlage unserer Zeit. Noch größer aber ist die seelische Not.

Der Apostel der Königin der Liebe soll oft den Ringenden, Leidenden und allen Geprüften Gottes Liebe vor Augen führen. "Gott ist die Liebe". Joh. 1. 4. 8.

ER senkt Liebe in Millionen von Herzen, Mutterliebe, Vaterliebe, Christenliebe! Diese Liebe umfassender Art gilt ihm als höchste Tugend. Da muß ER doch selbst voll Liebe sein!

ER spendet Liebe ohne Maß. Er ist Liebe, ganz Licht. Daher Güte, Milde, Friede, Wohlwollen, Liebe gegen alle. Gottes Liebe brennt darauf, von seiner Fülle mitzuteilen, die menschliche Seele mit seiner Gnade zu beglücken!

Von größter Bedeutung ist das Wirken von Seele zu Seele. Dieses Apostolat kann nur mit dem feinsten Takt und erfüllt mit barmherziger Liebe ausgeübt werden. Nie darf es in religiöse Streitereien ausarten.

Vertrauen, Vertrauen im Schutze des Hl. Geistes, in der Hilfe des Göttlichen Herzens und in der Fürbitte Mariens ist das

Geleitwort,

das sich überall und immer wieder an die Spitze jeglichen Apostolates setzt.

Um aber auch segensreich und wirkungsvoll im Sinne des marianischen Apostolates wirken zu können, muß unbedingt alles vermieden werden, was als Übereifer Anstoß und Ärgernis verschulden kann.

In allem und bei allem aber herrsche die Liebe, jene Liebe von der unser Herr so oft im Evangelium spricht. Jene selbstlose Liebe, die zur Tat drängt und sich freudig den anderen mitteilt. Diese Liebe läßt uns arglos und ohne Mißtrauen untereinander sein, läßt uns Achtung voreinander haben, läßt uns inniger Anteil nehmen an dem Los und Schicksal anderer, lehrt uns gütig verstehend sein.

In der Verehrung Marias schwebt dem Apostel allzeit das Idealbild vor Augen. Bei Maria findet er guten Rat in allen Zweifeln und Bedrängnissen.

Alles Große, Vornehme, Edle, Reine und Heilige findet in Maria die Vollendung.

Ihr Name ist Schlachtruf gegen alles Niedrige, Sündhafte, Unedle. Wer Maria liebt, muß bereit sein, unter ihrer Führung gegen alles Böse zu kämpfen.

Die Apostel der Königin der Liebe sollen stets einen geistigen Juwelen-Schmuck tragen:

Wir, Apostel der Liebe, wollen eine geschlossene Front bilden, um durch eine demütige Marienverehrung uns selbst zu adeln, die Interessen Christi fördern durch den Aufblick zur Ewigen Liebe, durch das Grundgesetz der Liebe.

Maria Königin der Liebe segne uns!

Gebet

Heilige Maria, gütige Mutter unseres Herrn, wer könnte die Ströme der Liebe ermessen, die unaufhörlich Deinem mitfühlenden Mutterherzen entquellen. Die mütterliche Liebe, die Du allzeit zu Deinem Gotteskinde hegst, umfängt auch jeden von uns. - Wir fühlen die Wärme und verstehende Milde Deiner Mutterliebe und wollen sie innig erwidern. - Erfülle daher unsrere Herzen mit Deiner dienstfertigen, werktätigen, opferwilligen, uneigennützigen, herzlichen, teilnehmenden, mitfühlenden und erbamenden Liebe.

Dein Mutterherz ist ein Feuermeer der Liebe, ein Wunderwerk der Liebe. Kein Menschengeist vermag sie zu erfassen, keine Feder zu beschreiben.

Du bist die Königin der Liebe.

Keinen einzigen Menschen schließest Du von Deiner mütterlichen Liebe aus. Täglich überhäufst Du uns mit unzähligen Wohltaten. Dein mächtiger Schutz umgibt uns in jedem Augenblick. Wer könnte die Größe und Tiefe Deiner Liebe ermessen? - Laß uns Apostel Deiner Liebe werden! Erfülle uns mit flammendem Caritasgeist, mit milder Barmherzigkeit und tiefem Mitleid. Wie Deine Liebe keine Grenzen kennt, so laß auch unsere Liebe aufgeschlossen sein. Ganz besondere Liebe aber wollen wir jenen erweisen, die von Not und Kummer heimgesucht sind und unserer Hilfe bedürfen. - Wir wollen Sie erweisen den Armen und allen Hilfsbedürftigen, den Kranken und Leidgeprüften, den Unglücklichen und Verbitterten. Gestalte unsere Seele, auf daß wir voll Liebe einander helfen.

Hilf uns, damit wir in zähem Ringen ankämpfen gegen die Regungen der Lieblosigkeit, der Mißgunst, des Neides und des Hasses. Hilf uns mutig und entschlossen die Schwierigkeiten überwinden, um auf dem Pfade helfender Liebe dem hohen Ziele entgegenzuwandeln als Werkzeuge Deiner Liebe.

Maria, Königin der Liebe - mach uns gütig und hilfsbereit!

Gebet zur Königin der Liebe in besonderen, persönlichen Anliegen.

Maria, Königin der Liebe, Du nie versiegende Gnadenquelle, gedenke der unbegrenzten Macht, welche Dein göttlicher Sohn Dir über sein gütiges Herz verliehen hat. Zeige Du mir die Größe Deiner Macht und Deiner Liebe. Beglücke meinen Geist und mein Herz. Gib mir Gesundheit und Kraft zur Erfüllung meiner Lebensaufgabe. Befreie mich von allen Übeln. Empfiehl mich Deinem göttlichen Kind und sei meine Hilfe, mein Trost und meine Rettung. Amen.

Mit kirchlicher Approbation und Druckerlaubnis des Bischöflichen Ordinariates Basel vom 2. Februar 1947. Dr. Lisibach, Generalvikar.

"Das Bischöfliche Ordinariat von Basel wünscht diesem Apostolat der Liebe großen Erfolg, weil es den Geist des Urchristentums atmet."


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell