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Die Verehrung des schmerzenreichen
Antlitzes Jesu Christi

Imprimatur: Friburgi Helv., 12 Aug. 1937. L. Waeber, vic. gen.

 

Die rührende Andacht zum schmerzenreichen Antlitze Jesu Christi, die unser Heiland am Tage seines Todes selbst eingesetzt zu haben scheint, da er auf wunderbare Weise die Züge seines unbefleckten Antlitzes in das Schweißtuch der hl. Veronika einprägte, war in der Kirche stets bekannt und geübt.

Das heilige Schweißtuch wird zu Rom ehrfurchtsvoll aufbewahrt, und die Päpste haben für die frommen Besucher große Ablässe verliehen. Viele Heilige haben sich durch ihre Andacht zum heiligen Antlitz ausgezeichnet, wie ein heiliger Augustin, ein heiliger Bernhard, eine heilige Gertrud und Mechthild. Die hl. Gertrud empfing vom Himmel eine große Verheißung zu Gunsten der Verehrer des heiligen Antlitzes. Der Heiland sagte zu ihr: "Sie werden in ihrem Innern duch das Bild meiner Menschheit einen lebhaften Glanz meiner Gottheit erhalten, sie werden bis in den Grund der Seele erleuchtet und durch die Ähnlichkeit meines Antlizes glänzender erscheinen als viele andere im ewigen Leben." Und zur hl. Mechthild sprach Christus, daß keiner von denen, die sein Antlitz verehren, von ihm getrennt sein dürfe. Doch bekannt und in Übung war diese Andacht noch nicht so, wie sie es sein sollte. Erst unserem Jahrhundert war diese große Gnade vorbehalten, und dazu war eine heiligmäßige Karmeliterin, Schwester Maria vom hl. Petrus, gewählt, die am 8. Juli 1848 in der Stadt Tours in Frankreich starb. Es war ihre Lebensaufgabe, die Andacht zum heiligen Antlitze zu verkünden. Sie bekam merkwürdige Offenbarungen über diese Andacht und große Verheißungen dafür.

  1. "Unser Herr", sagt Schwester Maria, "hat mir versprochen, den Seelen derjenigen, die sein Antlitz verehren, die Züge seiner Gottheit einzuprägen." (21. Jänner 1845.)
  2. "Dieses anbetungswürdige Antlitz ist wie ein Siegel der Gottheit, das die Eigenschaft besitzt, den Seelen, die sich an dasselbe wenden, das Bild Gottes einzuprägen." (6. November 1845.)
  3. "Durch mein Antlitz werdet ihr Wunderbares wirken." (27. Oktober 1845.)
  4. "Durch mein Antlitz werdet ihr das Heil vieler Sünder erlangen; durch diese Opfergabe wird euch nichts verweigert. Wenn ihr doch wüßtet, wie angenehm meinem Vater der Anblick meines Antlitzes ist." (22. November 1845.)
  5. "So wie man in einem Königreiche mit dem Geldstück, welches das Bild des Fürsten trägt, sich alles Entsprechende verschaffen kann, was man nur will, ebenso werdet ihr mit der kostbaren Münze meiner heiligen Menschheit, die mein Antlitz ist, alles erhalten, was ihr begehrt." (29. Oktober 1845.)
  6. Alle diejenigen, die sich befleißen, mein Antlitz im Geiste der Sühne zu verehren, werden tun, was die hl. Veronika getan." (27. Oktober 1845.)
  7. "Je mehr ihr Sorge tragen werdet, mein Antlitz wiederherzustellen, das durch die Gotteslästerungen verunstaltet wird, desto mehr werde ich auch für das eurigen, das durch die Sünde entstellt wurde, Sorge tragen. Ich werde ihm mein Bild wieder aufdrücken und es ebenso schön herstellen als es in dem Augenblicke war, da man es aus der Taufe hob." (3. November 1845.)
  8. "Wer in diesem Werk der Sühne durch Wort, Gebet oder Schrift seine Rechtssache vertrete, dem werde er bei seinem himmlischen Vater Sachverwalter sein, im Tode das Antlitz seiner Seele abwaschen, es von allen Sündenmakeln reinigen und ihm die ursprüngliche Schönheit zurückgeben." (12. März 1846.)

Das sind also die herrlichen Verheißungen für diejenigen, die diese Andacht üben. Es ist, wie wenn ein Wehen des Heiligen Geistes über die ganze katholische Welt erginge und ihr ein Mittel anböte, die Wut der Gottlosigkeit niederzuschlagen und uns vor den Geißeln der göttlichen Gerechtigkeit zu schützen.

In der Zeit von 80 Jahren hat sich diese Andacht nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien, Holland, England, Kanada, Amerika, Spanien, Italien, Deutschland, bis in die Mitte Asiens, ja selbst bis an die Grenze des Orients verbreitet. Überall wird sie von frommen Laien, Priestern, heiligen Ordensleuten, Seelsorgern, Theologen und Bischöfen geübt und verbreitet. Darum sollen auch alle frommen Seelen diese Andacht besser kennen lernen, üben und ausbreiten, weil sie eine große, wichtige und heilige Sache ist, sowie eine Quelle unaussprechlicher Gnaden.

Über die Verehrung des schmerzenreichen Antlitzes Jesu Christi

Es ist bemerkenswert, daß unser Erlöser an keinem anderen Teile seines anbetungswürdigen Leibes so viele Mißhandlungen erduldet hat wie an seinem liebenswürdigen Antlitze. Kein Umstand seines Leidens ist so klar von den Propheten vorausverkündet, noch von den Evangelisten so genau beschrieben worden. Alle diese Einzelheiten sind nicht ohne besondere Absicht Gottes in der Heiligen Schrift aufgezeichnet worden. Sie sind eine beredte Mahnung für uns, unter den verschiedenen Geheimnissen des Leidens unseres Erlösers den Schmerzen seines heiligsten Antlitzes eine besondere Stelle einzuräumen.

Vom Ölgarten an, wo dieses anbetungswürdige Antlitz mit Blutschweiß überronnen und von dem verräterischen Kusse eines Judas besudelt wurde, bis zum letzten Augenblicke, wo es in der Stunde des Todes am Kreuze sich neigend den letzten Seufzer aushauchte, gab es keine Erniedrigung, keine Schmach und keinen Schmerz, dem Jesus sein Antlitz nicht freiwillig ausgesetzt hätte. Haupt und Stirne wurden mit Dornen gekrönt, die Augen in bitteren Tränen gebadet; Galle und Essig benetzten seine Lippen; Faustschläge und Anspeiungen, ja selbst die blutigsten Mißhandlungen blieben dem heiligen Antlitze nicht erspart.

Der Prophet sagt: "Wir haben ihn gesehen, kein Glanz und keine Schönheit war mehr an ihm, man verachtete ihn, und unkenntlich war er geworden." Die Evangelisten sagen ausdrücklich, daß die Juden dem Herrn ins Angesicht spien, ihm Faustschläge versetzten und Backenstreiche gaben. Und weiter heißt es: "Sie spien ihn an, verhüllten sein Angesicht, schlugen dasselbe mit Stöcken und sagten: Prophet, weissage uns, wer hat dich geschlagen? Und die Knechte gaben ihm Backenstreiche." Folgendes wurde eines Tages der hl. Gertrud geoffenbart: Unser Erlöser zeigte sich ihr in dem Zustande, worin er sich befand, als man ihn gebunden und an eine Säule gefesselt hatte zwischen zwei Henkern, von denen der eine ihn mit Dornen zerfleischte, während der andere ihn durch Rutenhiebe quälte. Beide schlugen in sein Angesicht, und das göttliche Angesicht erschien der hl. Getrud so entstellt, daß sie dadurch von Schmerz ganz überwältigt wurde. Sie konnte ihre Tränen nicht zurückhalten, so oft der Gedanke an diese Vision sich ihr vor die Seele stellte. Es schien ihr, als ob Jesus Christus sein Antlitz abwendete, daß aber, wenn er sich von dem einen Henker abkehrte, der andere ihn um so grausamer schlage und er darauf, sich zu ihm wendend, sagte: "Hast du nicht gelesen, was von mir geschrieben steht? "Vidimus eum tanquam leprosum" (Is. 53), "wir haben ihn in dem so jammervollen Zustande eines Aussätzigen gesehen."

Die Leiden des heiligen Antlitzes werden in unseren Tagen erneuert

Mit Recht kann man sagen, daß die Gotteslästerer und Irrlehrer an dem heiligsten Antlitz die schmachvollen Mißhandlungen des bitteren Leidens wiederholen. Die Gottlosen, die sündhafte Worte reden und den Namen Gottes lästern, speien gleichsam dem Herrn in sein Antlitz und verunreinigen es mit Unrat, und alle Schläge, welche die Ketzer gegen Kirche und Religion führen, sind eine Wiederholung der unzähligen Backenstreiche, die das heilige Antlitz Jesu erdulden mußte, und die demselben neuen Blutschweiß auspreßten, da sie ja auf nichts anderes abzielen als auf die Vereitelung des ganzen Erlösungswerkes.

Zu den Hauptverbrechen unserer Zeit müssen wir die Gotteslästerungen und die Entheiligung des Sonntags rechnen. Die Entheiligung des Sonntags ist eine große Mißachtung des Willens und der unumschränkten Herrschaft Gottes. Mit einer unerhörten Kühnheit macht sich in unseren Tagen die Gotteslästerung breit. Nicht zufrieden, den über alles verehrungswürdigen Namen des dreimal heiligen Gottes zu mißbrauchen, greift der moderne Gotteslästerer sogar Gott selbst an. Christus befeindet er, indem er die Wahrheit seiner Lehre, die Moral seines Evangeliums, den Gebrauch seiner Sakramente, die Rechte und selbst den Bestand seiner Kirche bekämpft. Der göttliche Heiland sagte zur Schwester Maria vom heiligen Petrus: "Ich habe dein Seufzen gehört und dein Verlangen, mich zu verherrlichen, geschaut. Überall wird mein Name entheiligt, selbst Kinder lästern Gott. Tiefer und schmerzlicher als jede andere verwundet diese gräuliche Sünde mein Herz. Der Gotteslästerer flucht mir ins Angesicht und übt offene Feindschaft gegen mich; er macht das Werk der Erlösung zunichte und spricht sich selbst das Urteil der Verwerfung, der ewigen Verdammnis." Ein anders Mal sagte der Herr zu ihr: "Du kannst die Bosheit und Abscheulichkeit dieser Sünde nicht begreifen. Wenn meine Gerechtigkeit nicht von meiner Barmherzigkeit zurückgehalten würde, so müßte ich den Gotteslästerer zermalmen, und alle Geschöpfe, sogar die leblosen, würden sich an ihm rächen."

Wie man das schmerzreiche Antlitz Jesu Christi im Geiste der Sühne verehren soll

Die Verehrung, die wir dem schmerzenreichen Antlitze unseres Erlösers darbringen, hat einen ganz bestimmten und durchaus praktischen Zweck. Es handelt sich nämlich darum, der beleidigten göttlichen Majestät gebührenden Ersatz zu leisten für die unerhörten Unbilden, welche die Gottlosigkeit unserer Zeit der Majestät des Allerhöchsten, der Gottheit Jesu Christi und allem, was heilig ist, ohne Scheu, im geheimen und öffentlich zufügt, besonders für die schrecklichen Sünden der Gotteslästerung und Entheiligung des Sonntags. Man soll sich bemühen, diese entsetzlichen Sünden zu sühnen und abzubüßen, welche die Lästerer des göttlichen Namens, die Freidenker, die Anhänger der gottlosen Sekten, in unseren Tagen begehen. Wir leben in jenen letzteren unglückseligen Zeiten, wo wieder eine Art Heidentum zum Vorschein kommt, ärger als das alte.

Diese Sühnung ist eine absolut dringende Notwendigkeit. Jeder fromme Katholik, der unsere traurige Zeit betrachtet, fühlt es. Eines Tages fühlte sich die Schwester Maria vom hl. Petrus auf den Weg zum Kalvarienberg versetzt. "Dort", so erzählt sie, "ließ mir der Herr den frommen Liebesdienst der hl. Veronika schauen, wie sie mit ihrem Schleier sein allerheiligstes mit Auswurf, Staub, Schweiß und Blut bedecktes Antlitz abtrocknete. Ich vernahm vom göttlichen Erlöser, daß die Glaubensverächter unserer Tage durch ihre Gotteslästerungen, die während des bitteren Leidens und Sterbens dem allerheiligsten Antlitze angetanen Beschimpfungen erneuern. Alle ihre gegen den Allerhöchsten geschleuderten Lästerungen, die Gottes Majestät nicht zu erniedrigen vermögen, fallen gleich dem Auswurf der Juden zurück auf das Antlitz des göttlichen Heilandes, der sich als Sühnopfer für die Sünden dahingegeben. Ferner sagte er mir, ich müsse den Eifer der frommen Veronika nachahmen, die sich mutig durch die Menge seiner Feinde drängte."

Wer sich bestrebt, die Gotteslästerungen zu sühnen, erweist dem göttlichen Heiland den gleichen Dienst, wie diese heldenmütige Frau, und er schaut auf jene, die also tun, mit demselben Wohlgefallen herab, wie bei seinem bitteren Leiden auf die hl. Veronika. Ein anderesmal sagte er zu ihr: "Ich suche fromme Seelen gleich der hl. Veronika, die mein göttliches Antlitz abtrocknen und verehren." Schwester Maria sagt weiter: "Der göttliche Heiland ließ mich die Vortrefflichkeit des Sühnungswerkes erkennen, wie es alle anderen Andachten übertreffe, wie angenehm es vor Gott, den Engeln und Heiligen und wie nützlich es der Kirche sei. "Ach, wenn du wüßtest, welchen Grad der Himmelsherrlichkeit du mir durch einen einzigen Akt der Sühne für die Gotteslästerungen erwirbst!" sagte mir der göttliche Heiland. Veronika selbst wurde der Schwester Maria des hl. Petrus vom göttlichen Heilande als Vorbild für die sühnenden Seelen aufgestellt, die in unserer Zeit so notwendig geworden sind auf jenem zweiten Kalvarienberg, den jetzt im 20. Jahrhundert die Kirche besteigt. Nur auf die Stimme ihres Mitleides und ihrer Frömmigkeit hörend, achtet die mutige Israelitin nicht auf das Spottgelächeter ihrer Umgebung, trotz der Roheit der Henkersknechte, und durch die Menge sich Bahn brechend, kommt sie bis zum Herrn heran; sie nimmt den weißen Schleier feinster ägyptischer Leinwand von ihrer Stirne, breitet ihn über das schmerzerfüllte Antlitz ihres Erlösers aus, trocknet es sanft und in heiliger Ehrfurcht ab und erleichtert, stärkt und belebt ihn so von neuem. Das war die erste Sühnungshuldigung, die unserem Heiland dargebracht wurde. Er zeigte sich ihr dankbar, denn wie zur Belohnung ließ er seiner Wohltäterin das Bild seines heiligen Antlitzes eingedrückt und zwar in dem Zustande, in dem es bei jener Liebestat sich befand. Die Belohnung, die Veronika ermpfangen, ist das äußere Symbol der geistlichen Gnaden, die wir sicher erlangen, wenn wir an dem Werke der Sühnung tätigen Anteil nehmen. Papst Pius IX. begrüßte dieses Werk der Sühne mit großer Freude; er nannte es ein göttliches Werk, bestimmt, die menschliche Gesellschaft retten zu helfen, und sprach den Wunsch aus, daß eine so fromme und heilige Andachtsübung sich über die ganze Erde täglich mehr und mehr verbreite. Eines Tages sagte der göttliche Heiland über das Werk der Sühne zu Schwester Maria vom hl. Petrus: "Freue dich, meine Tochter, der Tag naht heran, an dem eins der schönsten Werke auf Erden zu Stande kommen wird. Opfere dafür dem himmlischen Vater mein Herz auf!"

Das herrliche Mittel der Sühne

So sehr die Sühne in unserer Zeit notwendig ist und alle frommen Seelen dem Rufe des Heilandes folgen sollen, so ist es doch klar, daß unsere Sühnungen, die wir Gott für die Lästerungen der Jetztzeit und die Entheiligung des Sonntags darbringen, in sich selbst unvollkommen und ungenügend sind. Welche Tränen in der Tat, selbst wenn sie in Strömen den bußfertigsten und reinsten Augen entquellen würden, könnten hinreichen, um die entsetzlichsten Verbrechen gebührend zu beweinen, die vor unseren Augen gegen das Reich und die Majestät Gottes begangen werden! Welche Demütigungen und welche freiwillige Leiden von Seite der heiligsten Seelen würden die Sakrilegien und unerhörten Beschimpfungen sühnen können, die die Freimaurerei und die moderne Gottlosigkeit erfindet! Doch wir haben ein Mittel, es ist das schmerzenreiche Anlitz Jesu Christi. Dieses Antlitz ist der unermeßliche Reichtum aller frommen Seelen, denn der Herr hat es ihnen zum Geschenk gemacht. Der göttliche Heiland sagte eines Tages zur gottseligen Schwester Maria vom hl. Petrus: "Was dich betrifft, so schenke ich dir mein Antlitz zur Belohnung für dein hohes und heiliges Streben. Ich gebe es dir im Namen meines Vaters, durch die Kraft des Heiligen Geistes, in Gegenwart der Engel und Heiligen; ich mache dir dieses Geschenk durch die Hände meiner allerseligsten Mutter und der hl. Veronika, die dich lehren wird, es in würdiger Weise zu verehren. Durch dieses Antlitz werdet ihr Wunderbares wirken." Schwester Maria begriff sogleich, daß dieses kostbare Geschenk nicht für sie allein bestimmt sei, sondern vielmehr dem Sühnungswerke als Kennzeichen und mächtiger Antrieb dienen sollte, und daß ihr dadurch die größte aller Gnaden nächst dem Empfang der heiligen Sakramente zuteil geworden. Die gottselige Schwester sagte weiter: "Nichts ist geeigneter, Gott und seine erzürnte Gerechtigkeit zu entwaffnen, als wenn ihm dieses Antlitz, dessen Haupt die Dornen unserer Sünden durchbohrten, und das wie ein Fels unter den Streichen der strafenden Vergeltung hart gehämmert wurde, aufgeopfert wird. Es hat unsere Schulden bezahlt, es tritt gleichsam als Bürge für uns ein; und darum hat mir der göttliche Heiland befohlen, ohne Aufhören vor dem Thron seines himmlischen Vaters zu verweilen und ihm ungeachtet meiner Unwürdigkeit dieses göttliche Antlitz, den Gegenstand seines Wohlgefallens, aufzuopfern. Dieser liebevolle Erlöser gab mir die tröstliche Verheißung: "So oft du dem Vater mein Antlitz darbietest, ebenso oft wird mein Mund um Barmherzigkeit rufen!" - Darum sollen wir ohne Unterlaß dem ewigen Vater das Antlitz Jesu Christi aufopfern. Die gottsel. Schwester Maria vom hl. Petrus tat es mit den Worten:

"O ewiger Vater, ich opfere dir auf das allerheiligste Antlitz deines geliebten Sohnes. Es ist das unendliche Lösegeld, das allein unsere Schulden zu tilgen vermag. Ewiger Vater, ich opfere dir dieses Antlitz auf, um deinen Unwillen zu besänftigen. Bedenke, daß es die Dornen unserer Sünden getragen und sich gestählt hat, wie ein Fels unter den Schlägen deiner Gerechtigkeit, deren Zeichen es noch trägt. Siehe auf diese göttlichen Wunden, sie rufen unaufhörlich, und mit ihnen will auch ich rufen, Barmherzigkeit, Barmherzigkeit, Barmherzigkeit für die Sünder!"

Der göttliche Heiland forderte die gottselige Schwester immerwährend auf, sein Antlitz dem ewigen Vater aufzuopfern. "Meine Tochter", sprach er einmal zu ihr, "ich erwähle dich heute zu meiner Verwalterin und übergebe dir von neuem mein heiliges Angesicht in deine Hände, damit du es meinem Vater unaufhörlich aufopferst. Bringe diese wertvolle Gabe zur Geltung. Du wirst durch dieses heilige Antlitz die Bekehrung vieler Sünder erlangen; mit einem solchen Opfer wird dir nichts verweigert. O wenn du wüßtest, wie wohlgefällig der Anblick meines Antlitzes meinem himmlischen Vater ist!"

Der goldene Pfeil

Der göttliche Heiland sagte einst zur gottseligen Schwester Maria vom hl. Petrus: "Die Gotteslästerung ist ein vergifteter Pfeil, der immerdar in meinem Herzen haftet. Ich will dir einen goldenen Pfeil geben, um ihm dagegen Wunden der Liebe zu schlagen, und um jene, die ihm die Bosheit der Sünde versetzt, zu heilen." Darauf lehrte sie der Heiland eine ganz merkwürdige Lobpreisung, sie lautet:

"Es sei immerdar gelobt, gepriesen, geliebt, angebetet, verherrlicht, der unaussprechlich heilige Name Gottes im Himmel, auf Erden und unter der Erde, von allen Geschöpfen, die aus der Hand Gottes hervorgegangen sind, und durch das allerheiligste Herz Jesu im hochwürdigsten Sakramente des Altars. Amen."

Das war also der goldene Pfeil, den der Herrr seiner Dienerin mit der Versicherung übergab, daß sie beim jedesmaligen Aussprechen seinem Herzen eine Wunde der Liebe schlage. "Benütze ja diese Gnade", fügte er hinzu, "denn ich werde darüber Rechenschaft von dir verlangen." Im nämlichen Augenblicke schien es ihr, als ob in dem von diesem Gebetspfeile verwundeten Herzen Jesu Ströme der Gnaden zur Bekehrung der Sünder hervorschössen, und sie wagte es, vertrauensvoll den Heiland zu fragen: "Willst du mich denn mit den Gotteslästerungen beladen?" - Darum, ihr frommen Seelen, macht dem heiligsten Herzen Jesu die Freude und verrichtet dieses Gebetlein oft, wenigstens dreimal im Tage. Ihr werdet dadurch große Verdienste erwerben.

Als Schwester Maria vom heiligen Petrus eines Tages unschlüssig war, ob sie sich dem Tisch des Herrn nahen sollte oder nicht, da ergriff sie mit festem Glauben ihr Kruzifix, und sich der Worte des Heilandes erinnernd, daß der goldene Pfeil seinem Herzen eine Wunde der Liebe schlage, sprach sie den goldenen Pfeil 10mal nacheinander aus. Dann faßte sie den Entschluß, die heilige Kommunion zur Sühne der Gotteslästerungen zu empfangen. Das reichte hin, um das Herz des göttlichen Bräutigams zu rühren. Die eifrige Versöhnerin wurde mit Tröstungen überschüttet, und gleichzeitig wurde ihr das Geheimnis des schmerzenreichen Antlitzes Jesu Christi geoffenbart.

Dupont, der heiligmäßige Mann von Tours, hatte für den goldenen Pfeil eine große Verehrung und betrachtete ihn als die Grundlage der Sühneandacht. Ein Gottesmann aus jüngster Zeit sagt vom goldenen Pfeil: "Was mich anbelangt, so muß ich den goldenen Pfeil von Tag zu Tag mehr lieben und bewundern. Dieses Gebet kommt mir ganz unvergleichlich vor"; denn, sagt ein anderer Diener Gottes: "Nichts ist den ewig fluchenden Geistern so verhaßt als das Lob Gottes." Darum können wir den goldenen Pfeil auch gegen die Pfeile der Hölle anwenden und den Satan von uns vertreiben, der den Gerechten immer umlauert.

Darum, ihr frommen Seelen, habet den goldenen Pfeil recht lieb, er sei fortan euer Lieblingsgebet.

Das Bild des heiligsten Antlitzes

Das Bild des heiligsten Antlitzes ist jene Darstellung des hocherhabenen Antlitzes unseres Eerlösers, wie sie im Schleier der heiligen Veronika sichtbar eingedrückt worden war. Dieses Bild wird zu Rom, gleich dem Holz des Kreuzes und dem Eisen der heiligen Lanze, verehrt. Es ist eine jener großen Reliquien, die an gewissen Tagen unter großer Feierlichkeit gezeigt wird. Niemand kann die Ehrfurcht verkennen, womit die Kirche diese Reliquie behandelt. Jedes Jahr geben zwei dazu delegierte Kardinäle mit ihr dem auf den Knien liegenden Volke den Segen wie mit dem heiligsten Sakramente und dem geheiligten Holze des Kreuzes. Der göttliche Heiland wollte seinen Verehrern das Bild seines Antlitzes im Leidenszustand hinterlassen. Wir sollen hier auf Erden Verehrer und Nachfolger seines durch bittere Leidensqualen entstellten Antlitzes sein. Der göttliche Heiland sagte einst zur gottseligen Maria vom hl. Petrus: "Diejenigen, welche die Wunden meines Angesichtes auf Erden betrachten, werden es eines Tages von Herrlichkeit strahlend im Himmel schauen."

Der göttliche Heiland gab der hl. Gertrud eine kostbare Verheißung für jene, die das Bild seines heiligsten Antlitzes verehren. Er sagte zu ihr: "Alle jene, die zum Beweise ihrer Liebe zu mir öfters das Bild betrachten, welches mein heiliges Antlitz darstellt, werden durch den Eindruck, den meine Menschheit ausübt, in sich einen lebhaften Widerschein meiner Gottheit empfangen und durch den Glanz meines Angesichtes, das sich ihnen mitteilen wird, werden sie in hellerem Lichte strahlen als viele andere im ewigen Leben." - Muß diese kostbare Verheißung unsere Andacht zum heiligen Antlitze Jesu Christi nicht neu beleben? Und wenn wir nicht in die Ewige Stadt pilgern können, und deshalb den Trost entbehren müssen, das hochberühmte Bild, das man dort den Gläubigen zeigt, unmittelbar zu verehren, so wollen wir doch wenigstens uns bemühen, eine Nachbildung davon zu erwerben und demselben den schuldigen Tribut unserer Ehrfurcht und Liebe darzubringen. Diese Abbildungen kommen von Rom, wo sie unter gleistlicher Aufsicht bedruckt werden. Diese Nachbildungen auf Seide oder Leinwand genießen, falls sie durch das Siegel als echt beglaubigt sind, dieselben Privilegien wie das Original, und müssen nach der Regel der Liturgie mit denselben Ehrenbezeugungen behandelt werden. Wenn ein Bild des heiligsten Antlitzes an einem der Andacht gewidmeten Orte zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt ist, so scheint es geziemend, daß davor eine Lampe oder Kerze brenne.

Die Nachbildungen des Schleiers der heiligen Veronika sind von ergreifender Wirkung für jede Seele. Man kann diese blutüberronnene Stirne des Erlösers, diese geschwollenen und halbgeschlossenen Augen nicht betrachten, ohne im innersten Herzen gerührt zu werden. Auf der rechten Wange kann man außer den Wunden auch etwas von den Spuren der eisengepanzerten Hand bemerken, die ihn im Hause des Annas so grausam geschlagen hatte, und auf der anderen Seite mehrere Flecken von Speichel. Die Nase ist zerschlagen und blutend, der Mund offen und blutend, die Zähne eingestoßen, der Bart und die Haare an mehreren Stellen ausgerauft. So entstellt, macht das heilige Antlitz einen unaussprechlichen Eindruck.

Der gottselige Dupont sagt: "Jede Seele, welche die heilige Kirche und mit ihr die Lehre von der Gottheit unseres Erlösers liebt, sollte es sich zu einem Gesetzte der Liebe machen, in ihrem Hause, in einem kleinen Betkämmerlein, ein Bild des heiligen Antlitzes zu haben." Dieser große Diener Gottes, der im Jahre 1876 in Tours in Frankreich im Rufe der Heiligkeit starb, wies diesem Bild in seinem Zimmer einen Platz an, der allen sofort in die Augen fallen mußte, hing davor eine Lampe auf, die Tag und Nacht brannte, verehrte es 25 Jahre lang und erlangte dadurch die wunderbarsten Gnaden für sich und andere. Es geschahen vor diesem Bilde große Wunder. Der Zudrang zu Duponts Hause wurde so groß, daß eine förmliche Wallfahrt zum heiligen Antlitz entstand, deren Ruf sich über alle Länder der Erde verbreitete. Die Zahl der dort stattgehabten Heilungen und Gebetserhörungen ist überaus groß. Die Priester vom heiligen Antlitze versichern, daß sie in einem Zeitraume von 8 Jahren mehr als 20.000 Abbildungen vom Schleier der hl. Veronika in den Vatikan versendet haben. Sehr viele derselben wurden in Dom- oder Pfarrkirchen, in Kapellen öffentlich ausgestellt und mit Lampen versehen. Verehren auch wir recht eifrig das Bild des heiligen Antlitzes, es wird auch für uns eine Quelle großer Gnaden werden, wie es der Heiland verheißen hat.

Das heilige Antlitz im allerheiligsten Sakramente

Die gottselige Schwester Maria vom heiligen Petrus, dieses auserwählte Werkzeug Gottes in der Einführung der Andacht zum Antlitz Jesu Christi, hatte eine innige Andacht zum heiligsten Altarssakramente. Im Chor, in Gegenwart dieses erhabenen Geheimnisses, war der Ausdruck ihres Gesichtes, ihrer Haltung und ihrer Blicke ein solcher, als ob sie durch die Hülle der Brotsgestalt hindurch ihren Heiland selbst auf dem Altare erblickte. "Unser göttlicher Heiland", erzählte Schwester Maria, "klagte mir, wie sehr seine Liebe im allerheiligsten Sakramente durch die Glaubenslosigkeit der Christen verkannt werde. Wie glücklich bin ich, daß ich mein Herz und meinen Geist an seine Füße geheftet habe, damit ich ihm in seiner Verlassenheit Gesellschaft leiste und sein allerheiligstes Antlitz unter Brotsgestalt anbete. Ja, durch dieses hochwürdige Sakrament will Jesus, unser Erlöser, den Seelen die Kraft seines allerheiligsten Antlitzes mitteilen. Er ist dort zugegen, glänzender als die Sonne, und er wiederholt von neuem das Versprechen, die Seelen seiner Verehrer seinem göttlichen Bilde ähnlich zu machen."

Der göttliche Heiland forderte die heilige Mechthild einst auf, sein göttliches Herz im allerheiligsten Sakramente, so viel als es ihr nur möglich sei, zu verehren. Eine ebenso große Freude wird der Heiland haben, wenn fromme Seelen eine besondere Andacht zu seinem Antlitz im heiligsten Sakramente haben. Gottliebende Seelen sollen immer mit den Augen des Glaubens das heilige Antlitz in der heiligen Hostie betrachten. So oft wir andachtsvolle Blicke auf die heilige Hostie und auf das verborgene Antlitz Jesu Christi werfen, werden wir vom Heiland angeblickt, und wir erlangen eine höhere Stufe der Glorie im Himmel.

Die hl. Gertrud hatte eine merkwürdige Offenbarung, die sich alle frommen Seelen merken sollten. Es handelt sich um unaussprechliche Verdienste. Diese Offenbarung lautet also: "Die hl. Gertrud empfing von Gott die Versicherung, daß jedesmal, wenn jemand andachtsvolle Blicke auf die heilige Hostie oder auf den unter der sakramentalen Hülle verborgenen Leib Jesu Christi richte, er eine Stufe zu der Glorie hinzufüge, die er im Himmel zu erwarten habe, und er dafür bei der ewigen Anschauung Gottes im Jenseits eine der Zahl seiner frommen Blicke entsprechenden Anzahl von besonderen Wonnen empfangen und genießen werde." Man muß sich Mühe geben, die heilige Hostie zu sehen und sein Auge auf das verborgene Antlitz Jesu Christi zu wenden. Es wird dem Heiland auch sehr wohlgefällig sein, wenn man sein heiliges Antlitz grüßt, besondes im heiligen Sakramente. Als die hl. Gertrud einst die Glieder Jesu Christi grüßte, sah sie, so oft sie eines grüßte, aus demselben sogleich einen göttlichen Glanz hervorgehen, der ihre Seele bestrahlte. In diesem Glanz wurde ihr jene Unschuld mitgeteilt, die der Herr durch das Leiden dieses Gliedes der Kirche erworben hat. Auch sollten sich die frommen Seelen in die Erzbruderschaft vom heiligen Antlitz aufnehmen lassen. Der Heiland hat diese Bruderschaft von der Schwester Maria vom hl. Petrus sehr verlangt, und sie bietet große Gnaden.

(Fortsetzung folgt)


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell