Aus dem Immaculata-Archiv:


P. Robert Quardt, S.C.J.

CHRISTKÖNIG
hoch und hehr

Imprimi potest P. W. Recker S.C.J. de mandato sup. prov. Handrupii, die 9. Novembris 1948
Nr. 23/49 Imprimatur Treveris, die 8. Martii 1949 Dr. v. Maurers Vic. Gen.


Die Königsurkunden

In den Visionen heiliger Seher leuchtete erstmals der Glanz des kommenden Christkönigs über der Welt auf.

Aus Davids königlicher Harfe quollen bereits Königslieder voll Feuer und Glut:

"König sollst du sein auf Sions heiligem Berge" (Ps. 2,6). "Zum Erbe gebe ich dir die Völker bis an des Erdballs Grenzen" (P. 2,8). "Von Meer zu Meer reicht seine Herrschaft" (Ps. 71,8). "Alle Erdenkönige sollen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen" (Ps. 71,11). "Gesegnet sind in ihm alle Stämme, und alle Nationen lobpreisen ihn" (Ps. 71,17).

Isaias erhaschte einen Blick auf den Hermelin der Herrschaft, die auf seinen Schultern ruht (Is. 9,6), und in der hellsten Begeisterung schildert er das zukünftige Friedensreich des Christkönigs:

"Dann wohnt der Wolf beim Lamme, und der Pardel lagert sich zu den Böcklein. Rind, Löwe, Schaf weiden mitsammen, und ein Kind hütet sie. Die Kuh grast neben dem Bären, ihre Jungen liegen ruhig beieinander... Der Säugling spielt mit Lust am Loche der Otter, und in die Höhle des Basilisken steckt der kaum Entwöhnte seine Hand. Nichts schadet und nichts tötet auf meinem ganzen heiligen Berge" (Is. 11,6-9).

Jeremias erscheint, über und über in Leid und Weh versenkt. Doch plötzlich blitzen seine Augen in unbeschreiblicher Freude auf, er sieht den edlen Sproß aus Davids Stamm, "der voller Weisheit herrschen und Gerechtigkeit schaffen wird" (Jer. 23,5).

Daniels Seheraugen schauten bis in die Tiefen der Gottheit: "In meinem nächtlichen Gesichte sah ich noch, daß auf des Himmels Wolken einer wie ein Menschensohn erschien. Er nahte sich dem Hochbetagten und ward zu ihm geführt. Ihm wurde die Macht und die Ehre und das Reich verliehen. Alle Völker und Stämme und Zungen sollen ihm dienen, seine Herrschaft ist ewige Herrschaft, und sein Reich wird nie zerfallen" (Dan. 7, 13, 14).

So sahen die Propheten den Christkönig wie Morgenrot aufleuchten über den Bergen der Jahrtausende vor ihm.

Als dann der Engel seiner begnadeten Mutter die frohe Botschaft der Menschwerdung brachte, sprach er zu ihr: "Gott wird ihm den Thron seines Vaters David geben, er wird herrschen über Jakobs Haus in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende sein" (Luc. 1,32,33).

Kaum ist er geboren, kommen die Könige, die ihren König suchen: "Wo ist der neugeborene König der Juden?" (Matth. 2,2).

Selbst gab er dann Zeugnis von seinem Königtum, als er kurz vor seinem Tode auf die Frage des Pilatus, ob er ein König sei, voll königlicher Hoheit die Antwort gab: "Du sagst es, ich bin König" (Jo. 18,37).

Und noch im letzten Augenblick, da er auf Erden weilte, bestärkt und bekräftigt er sein Königtum mit der Beteuerung: "Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden" (Matth. 28,18).

Christus ist in Wahrheit König.

Übergenug Urkunden sind vorhanden. Christi Königtum liegt verbrieft und beglaubigt im Gotteswort der Heiligen Schrift.

Christus ist König.


Die Königskrone

Christus ist König.

König ist er allerdings nicht nur deswegen, weil die Heilige Schrift, Gottes untrügliches Wort, immer wieder sein Königtum betont. König ist er vielmehr vor allem kraft seiner Natur und Wesenheit, denn er ist Gott.

Christi Gottheit ist vor allem der Quell, aus dem sein Königtum entspringt.

Christus bezeugt selbst seine Gottheit: "Ich und der Vater sind eins" (Jo. 10,30). "Wer mich gesehen hat, hat auch den Vater gesehen" (Jo. 14,9). Auf die Frage des Hohenpriesters: Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagst, ob Du der Messias, der Sohn Gottes bist, antwortet Jesus: "Du hast es gesagt" (Matth. 26,64). Christus hat sich also als Gott ausgegeben, und in Wundern und Weissagungen, in Verklärung, Auferstehung und Himmelfahrt hat er seine Aussage bekräftigt.

Im Jubel des Glaubens bekennen auch die Apostel die Gottheit Christi. Petrus beteuert: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" (Matth. 16,16). Thomas betet ihn an: "Mein Herr und mein Gott!" (Jo. 20,28). Johannes sagt: "Im Anfange war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort (Jo. 1,1). Paulus fügt bei: "Christus ist Gott, hochgelobt in Ewigkeit" (Röm. 9,5).

Und wieder Johannes:

"Alles ist durch ihn erschaffen, und ohne ihn ist nichts erschaffen, was erschaffen worden ist" (Jo. 1,3).

Und wieder Paulus:

"Er ist das Abbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung, in ihm ist ja alles erschaffen, was in den Himmeln und auf Erden ist, das Sichtbare sowie das Unsichtbare, seien es nun Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Kräfte. Das alles ist durch ihn und für ihn erschaffen. Er selber ist jedoch vor allem, und alles hat in ihm allein Bestand" (Kol. 1,15-18).

Mit diesen Worten ist die Gottheit Christi, seine Ebenbürtigkeit mit dem Vater, klar umschrieben.

Christus ist Gott. Daher ist der höchste Königsadel untrennbar mit seiner Person verbunden, denn als Gott ist er der höchste. Es gibt keinen, der höher steht als Gott. Also ist Christus König, der allerhöchste König. Wie könnte es auch sein, daß derjenige nicht König wäre, in dessen Hand alle irdischen Könige Spielzeug sind? Der muß doch in Wahrheit König sein, von dem alle anderen Könige sich den Königsglanz geliehen haben. Christus ist König kraft seiner Gottheit, König in sich. Es ist nicht denkbar, daß er nicht König wäre. Was einer ist, das ist er.

Die Gottheit ist also der Quell, aus dem Christi Königtum entspringt. König ist Christus kraft seiner Natur und Wesenheit.

Daher ist er auch unabsetzbar und unabhängig von aller Anerkennung, unabhängig von aller Gunst und Ungunst der Völker, unabhängig von allen Zeitströmungen und menschlichen Forderungen.

Niemand kann ihn entthronen.

König ist Christus, und die Gottheit ist das Königsdiadem, das hell wie tausend Sonnen über seinem Haupte leuchtet.


Die Reichsgrenzen

Christus ist Gott-König.

Wo mögen da wohl die Grenzen des Christkönigsreiches liegen?

Nirgendwo.

Es gibt nämlich nichts, was nicht durch ihn geworden wäre.

König ist er über die Erde. Über Wälder und Fluren, Berge und Meer, Licht und Luft, Tag und Nacht, Regen und Reif, Blitz und Ungewitter ist er unumschränkter Herr und Gebieter. König ist er über alle Länder und Völker, über alle Reiche der Erde, über Städte und Dörfer, Kaiser und Könige, Herren und Knechte, Soldaten und Arbeiter, König über alle Menschen, die waren, die sind, die sein werden, König über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, König aller Zeiten, denn "alles ist durch ihn gemacht" (Jo. 1,3).

Alexander rückte die Grenzpfähle seiner Herrschaft bis an den Ganges vor. Roms Adler breitete seine Schwingen wohl über hundert Völker aus. In Kaiser Karls V. Reich ging die Sonne nicht unter.

Das Christkönigsreich aber hat überhaupt keine Grenzen. Es gibt keinen Punkt auf der weiten Erde, wo Christus nicht König ist. Es gibt keinen Menschen, der, gewollt oder ungewollt, sein Untertan nicht ist. In Nord und Süd und Ost und West, von Pol zu Pol, in allen Ländern, unter allen Völkern ist Christus König.

Sein Reich, auf Erden unbegrenzt, wächst hinüber in die Sternenwelt mit ihren ungeheuren Zahlen, Maßen und Räumen. Zweiundvierzig Millionen Wegstunden sollen es sein bis zur Sonne, und in der Sonne findet weit über eine Million Erden Platz. Dabei ist die Sonne nur ein kleiner Stern, andere gibt es, deren Durchmesser allein schon hundertmal grrößer ist. Ebenso staunenswert sind die Entfernungen in der Sternenwelt. Eine Billion ist eine so große Zahl, daß ein Mensch Jahrtausende daran zu zählen hätte. Es gibt aber auch Sterne, die nicht nur Billionen, sondern Trillionen Kilometer weit entfernt sind. Die Zahl dieser Welten ist so groß, daß, wenn Gott jedem Menschen, der heute lebt, einen Stern schenken würde, noch Millionen übrig blieben. Gewaltige Entfernungen, unermeßliche Kräfte und Maße liegen im Weltall verborgen.

König über all das ist Christus, denn "alles ist durch ihn erschaffen" (Jo. 1,3). Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre. Ein Stern ruft es dem anderen zu, und durch den Weltenraum braust seit Jahrtausenden der Sterne Jubelsang und Königsruf: "Heil Dir, Christkönig!"

Millionen Welten gibt es. Keine ist darunter, die Christus nicht als ihren König anerkennen muß. Unfaßbar groß und herrlich ist das Weltall, aber die Grenzen des Christkönigsreiches gehen spielend darüber hinweg und umspannen auch die namenlos schönere Welt der seligen Geister im Himmel, die unserem Blick noch entzogen ist.

Nur hin und wieder verlor sich einmal ein Strahl aus jener Lichtwelt auf unsere dunkle Erde. So durfte der Prophet Daniel eines Tages einen Blick in den Himmel werfen, und hingerissen von dieser Vision (Dan. 7,10) berichtet er, daß ungezählte Engelscharen Gott wir ein Meer umwogen. Der heilige Cyrillus von Jerusalem meint, daß die Zahl der Engel die der Menschen weit übersteigt. Auch der Heiland spricht von Legionen von Engeln (Matth. 26,53), die immerdar das Antlitz Gottes schauen (Matth. 18,10) und ihn anbeten und loben in alle Ewigkeit.

In neun Chören, vom Cherub abwärts, bilden die Engel die geziemende Dienerschaft des hohen Himmelshauses. "Feuerflammen" (Hebr. 1,7) nennt sie die Heilige Schrift. Ein einziger Engel erkennt und vermag mehr als alle Menschen. Sie sind umleuchtet von der Herrlichkeit des Herrn (Luc. 2,9). Ihr Antlitz ist wie der Blitz, und ihr Gewand ist weiß wie Schnee (Matth. 28,3). Eine Herrlichkeit ohnegleichen strahlt aus der Engelwelt hervor.

Der Engel König aber ist Christus, der königlich "über Fürsten und Thronen, Kräften und Mächten und über allen steht, die im Diesseits und Jenseits genannt werden" (Eph. 1,20).

So wird der ganze Himmel zu einer unermeßlichen Huldigung für den Christkönig, und die Ewigkeiten hallen wider vom Lob und Dank der endlosen Engelreigen:

"Heilig, heilig, heilig ist der Herr Gott Sabaoth. Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe!"

Alle Engel und Menschen sind des Christkönigs Untertanen. Sein Königreich greift um Sterne und Welten. Nichts gibt es im Himmel und auf Erden, was sich seiner Herrschaft entziehen könnte. Die Grenzen seines Reiches verlieren sich in der Unendlichkeit und enden nirgendwo, denn Christus ist auch König aller Möglichkeiten.

Christus ist der All-König.


Königsglanz

Könige sind wie Sonnenschein.

Um ihre Namen schimmert Gold, strahlt Purpur, blinken Perlen, knistert Seide, blitzen Diamanten. Löwe und Adler sind ihre Wappentiere. Über ihrem Haupte schweben Diademe. Hermelin schmückt ihre Schulter. Zepter und Schwert glänzen in ihren Händen. So schreiten sie durch die Jahrhunderte in Macht und Größe. Sie herrschen über die Völker, und die Geschöpfe sind ihnen untertan. Sie beugen die Menschen unter ihren Willen und schreiben ihnen ihre Wünsche als Gesetze vor. Sie sprechen Recht und strafen und züchtigen. Wo sie stehen, leuchtet die schimmernde Wehr der Waffen auf.

Das sind Könige.

Das ist lichter Königsglanz.

Doch millionenmal herrlicher als aller Königsglanz vereint, der je auf Erden um Könige spielte, ist jene Hoheit, die den Christkönig in Licht und Sonne hüllt.

Gottkönig ist er.

Deshalb ist seine Macht Allmacht.

Ein Wort von ihm, und die Erde stand. In Feuergluten flammte die Sonne auf, und die Sterne begannen den Reigen der Jahrtausende. Er faßt mit seiner hohlen Hand die Wasser der Erde all, und mit seiner Spanne mißt er den Weltenraum ab (Is. 48,13). Nur einen Wink würde es ihn kosten, und das Weltall sinkt ins Nichts zurück. "Die Berge rauchen, wenn er an sie rührt" (Ps. 103,32). "Des Himmels Säulen beben, wenn er ihnen winkt" (Job 26,11) . Seine Macht ist Allmacht.

Voll Wunder ist seine Weisheit.

Die Kornähre baut er Jahr für Jahr millionenmal wie ein Hochhaus mit vielen Stockwerken aus schwankendem Halm hoch in die Luft. Die Vögel sind seine Flugzeuge, die Fische seine Unterseeboote, voll von einer unnachahmbaren Technik und Mechanik. Er kennt alle Sterne, und alle Engel nennt er mit Namen. Jeden Gedanken, der in einem Menschen aufsteigt, weiß er schon, bevor der Mensch sich dieses Gedankens überhaupt bewußt wird. "Des Herrn Augen sind tausendmal heller als die Sonne" (Sir. 23,19). Er sieht Abraham frohlocken, Jerusalem in Trümmer sinken und die Sterne vom Himmel fallen. Das alles - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - sieht er in einem einzigen Blick. Er zählt die Haare unseres Hauptes, und kein Sperling fällt vom Dache, ohne daß er es weiß. Er ist derjenige, der "Herzen und Nieren prüft" (Jer. 17,10). In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft. Licht ist er, Licht vom Lichte, der Abglanz des Vaters, die Weisheit selbst.

Unantastbar heilig ist er. Nur er darf die Frage stellen: "Wer kann mich einer Sünde beschuldigen?" (Jo. 8,46)

Haarscharf ist seine Gerechtigkeit. "Gerecht ist der Herr, und gerecht sind seine Gerichte" (Ps. 118,137).

Ewig ist sein Alter.

"Ein Tag zählt tausend Jahre vor dem Herrn, und tausend Jahre sind ihm wie ein Tag" (Ps. 89,4). Der Kind ward, war schon, als der Anfang wurde. "Ehe die Berge sich auftürmten, und der Erdkreis gebildet wurde, bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit" (Ps. 89,2). "Die Himmel vergehen, du aber bleibst immer derselbe, und alle Dinge veralten wie ein Gewand... du aber bleibst immer derselben, und deine Jahre haben kein Ende" (Ps. 101,28). Keine Zeit kann ihn fassen. In ihm ist keine Vergangenheit und keine Zukunft, kein Anfang und kein Ende. Weit läßt er die Jahrtausende hinter sich zurück, riesengroß wächst er über alle Zeiten hinaus. In erdrückender Majestät steht er da: "Jesus Christus, gestern, heute, ewig" (Hebr. 13,8).

Aller Schönheit sprudelnder Quell ist er, "der Schönste unter den Menschenkindern" (Ps. 44,3). Seine Krone schmücken die glitzernden Diamanten der Sterne. Sein Kleid ist der blaue Himmel, umsäumt vom Hermelin der Alpenberge. Blitz und Sturm und Donner sind seine Diener. Sonne und Mond sind Bälle, die er spielend durch den Weltenraum wirft. "Die Völker sind vor ihm wie ein Tropfen am Eimer, wie ein Stäubchen auf der Waage. Der ganze Libanon mit all seinen Zedernwäldern und all seinem Wild reicht nicht hin, ihm als Brandopfer zu dienen" (Is. 40,16). "Der Himmel ist sein Thron, und die Erde der Schemel seiner Füße" (Is. 66,1). "Ihm jauchzen die Morgensterne, ihm jubeln die Kinder Gottes zu" (Job 38,7). Voll seiner Herrlichkeit sinken Himmel und Erde vor ihm nieder und beten ihn an. In seinem Namen beugen sich die Knie aller:

"Ich schaute und hörte die Stimme vieler Engel rings um den Thron her und um die Wesen und die Ältesten. Ihre Zahl war tausendmal tausend, und sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das getötet worden ist, zu empfangen die Macht und die Gottheit und die Weisheit und die Stärke und die Ehre und die Herrlichkeit und den Lobpreis. Und alle Geschöpfe, die im Himmel und auf Erden sind und unter der Erde und auf dem Meere und in dem Meere, alle hörte ich sagen: "Dem, der auf dem Throne sitzt, und dem Lamme sei Preis und Ehre, Herrlichkeit und Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit" (Geh. Off. 5,12-14).

Allmacht, Weisheit, Heiligkeit, Gerechtigkeit, Ewigkeit und unfaßbare Schönheit, das ist der Königsglanz um Christi Königsthron. Im Glanze dieser Majestät verschwindet alle Erdengröße wie ein Hauch des Mundes, der geht und nicht zurückkommt (Ps. 77,39).

"Der schnellen Schwingen der Gedanken,
Wogegen Zeit und Schall und Wind.
Und selbst des Lichtes Flügel langsam sind,
Ermüden über dir und hoffen keine Schranken.
Ich häufe ungeheure Zahlen,
Gebirge Millionen auf,
Ich wälze Zeit auf Zeit und Welt auf Welten hin
Und wenn ich an der Mark des Endlichen nun bin
Und von der fürchterlichen Höhe
Mit Sehnsucht wieder nach dir sehe,
Ist alle Macht der Zahl,
Vermehrt mit tausend Malen
Noch nicht ein Teil vor dir."

Welch ein König!

Tu solus sanctus, tu solus Dominus, tu solus Altissimus, Jesu Christe!

"Dem Könige der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, sei Ruhm und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit" (1. Tim. 1,17).


Inkognito

Derjenige, der Gott ist, entäußerte sich selbst aller göttlichen Herrlichkeit, nahm Knechtsgestalt an und ist wie einer von uns geworden (Phil. 2,7).

Christus wurde Mensch.

Doch immer wieder durchbrechen die Strahlen seiner Gottheit das Inkognito seines menschlichen Leibes, und auch in der Knechtsgestalt des Menschen bleibt Christus der einzig herrliche Gottkönig.

Erhaben über alle Schriftgelehrten steht er wie ein König vor dem Volke und "lehrt wie einer, der Macht hat" (Matth. 7,29).

Als Gesetzgeber tritt er auf. Derjenige, welcher der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, hat zunächst das zu toten Buchstaben erstarrte Gesetz des Alten Bundes zum Wohle der gesamten Menschheit von neuem mit Leben, Licht und Glut erfüllt. Dann erließ er sein eigenes Gesetz, das Gesetz seines Reiches, das Reichsgesetz der acht Seligkeiten: "Selig die Sanftmütigen... Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit... Selig die Friedensstifter..." (Matth. 5). Wenn dieses Gesetz der Güte und Gerechtigkeit von allen Menschen anerkannt und durchgefüht würde, so gäbe es auf Erden weder Lug noch Trug, weder Raub noch Mord, weder Krieg noch Bomben. Daß es nicht so ist, daß die Welt ohne Christi Reichsgesetz den Frieden sucht und ihn nie finden wird, das ist menschliche Schuld und Tragik.

Nicht nur als oberster Gesetzgeber tritt Christus schon zu seinen Lebzeiten auf, sondern auch als höchster Richter. Er belohnt das Gute und bestraft das Böse. Neben dem achtmaligen Selig der Bergpredigt steht das siebenfache Wehe über die Pharisäer. Den Schächer zur Rechten rettet er, und der Schächer zur Linken geht verloren. Zwar übt Christus in freiem Verzicht das weltliche Recht nicht aus, was aber keinem irdischen Könige je einfallen wird, tut er, er läßt Sünden nach. Frei und groß verfügt er über Lohn und Strafe, Himmel und Hölle, ewigen Segen und ewigen Fluch.

Derjenige, der "im Äußeren als Mensch befunden" (Phil. 2,7) wurde, ist und bleibt der höchste König, der als Gesetzgeber und als Richter königliche Gewalten ausübt.

König, unumschränkter Herr und Gebieter über alle Kreatur ist Christus auch in den Wundern, die er wirkt. Alle Elemente sind seines Befehls gewärtig und dienen ihm. Wasser wandelt sich in Wein. Mit wenig Broten sättigt der Alllgütige die Scharen des Volkes. Ein Wort nur wirft er in den tosenden Meeresturm, und die wilden Wogen kuschen sich wie schmeichelnde Hunde zu seinen Füßen. Ein anderes Mal wird das Wasser zur festen Straße, über die er hinschreitet. Ein verlorener Strahl seiner Majestät läßt den Tabor aufblühen in heller Seligkeit. Bald geht ein Jubel ohnegleichen und ohne Ende durch das Land, denn Blinde sehen, Taube hören, Stumme reden, Lahme hüpfen auf wie Lämmer. Verdorrte Hände blühen wieder. Gichtgekrümmte Glieder strecken sich und werden biegsam weich. Die ewige Nacht des Blindgeborenen entknospet sich zum vollen Tag. Aussätzige werden rein. Selbst Tote hören seinen Königsruf und kehren auf sein Wort aus Grab und Verwesung in Licht und Leben zurück. Als er stirbt, gibt die Sonne Zeugnis für ihn ab. Ihm zum Zeugnis geht bei seinem Tode ein Zittern durch die Erde und wieder bebt die Ede ihm zum Zeugnis am Ostermorgen jubelnd auf.

Inkognito schritt der Gottkönig über die Erde, aber Wasser und Wind, Not und Tod, Erde und Sonne erkannten ihn doch, und voll ehrfürchtiger Scheu beugten die Elemente sich dienend vor seiner göttlichen Königswürde.

Nicht minder durchschauten die Menschen sein Inkognito.

Hirten und Königen gewährt er huldvoll die ersten Audienzen.

Dann wird es still um ihn, drei Jahrzehnte lang. Nur einmal blitzen in all den Jahren einige wenige Strahlen seiner königlichen Hoheit auf, da er zwölfjährig im Tempel zu Jerusalem die Augen aller auf sich zieht. Dann verschwindet er wieder in Nazareths verschwiegener Heimlichkeit.

Kaum tritt er öffentlich auf, da wird es lebendig um ihn. Man spricht von ihm in Hütten und Palästen, an den Dorfbrunnen, auf allen Wegen und Stegen, abends beim Lagerfeuer der Hirten, bei Hoch und Niedrig, überall. Man sagt, er sei ein Prophet, groß in Wort und Tat. Eine Volksbewegung kündet sich an. Schon sind es Massen, die sich um ihn scharen. Alle Menschenherzen reißt er mit sich fort, so daß einmal Tausende drei Tage bei ihm ausharren.

Da begab es sich, daß der Herr mit fünf Broten und zwei Fischen Tausende sättigt. Gewaltig ist der Eindruck dieses Wunders auf die Menge. Im Glanze seiner Worte und Werke war bei manchen der Glaube längst herangewachsen, nun ist er eine reife Frucht. Langgestaute Inbrunst bricht alle Dämme. Hoch gehen die Wogen der Begeisterung: "Auf nach Jerusalem, wir wollen ihn dort zum König ausrufen am nahen Osterfeste."

Vergebens - der Herr entzieht sich dem Volke, denn seine Stunde ist noch nicht gekommen.

Diese Stunde kam ein Jahr später, als der König Christus seinen königlichen Einzug in Jerusalem hielt.

Da hat er für einen Augenblick sein Inkognito gelüftet.

Schön wie ein Edelstein liegt Jerusalem da mit seinen Mauern und Türmen. In der aufgehenden Sonne glüht die goldene Kuppel wie ein großes Brandopfer zum Himmel empor. Freue dich, Tochter Sion, denn siehe, dein König kommt. Eine freudige Erregung bemächtigt sich des Volkes. Bald liegen die breiten, weiten Oberkleider hingerissener Männer als Teppiche auf der Straße. Palm- und Myrtenzweige rauschen durch die Luft. Laute Königsrufe und Festgesänge brechen in stürmischer Werbung hervor: Hosanna! Hosanna! "Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn" (Jo. 12,13). Hosanna in der Höhe!

Das war Jerusalems glanzvoller Königstag. Der König hatte für einen Augenblick sein Inkognito abgelegt, war als König in seine angestammte Königsstadt eingezogen und hatte die Königshuldigung seines Volkes entgegengenommen.

Das war Isreals Königswahl.

"Wenn du es doch erkenntest..." (Luc. 19,42).

Wie ganz anders sollte kaum hundert Stunden später die Königskrönung vor sich gehen.


Schmerzenskönig - Herzenskönig

So lautet in dem alten heiligen Buche der erschütternde Bericht von der entsetzlichen Krönung des Schmerzenskönigs:

"Hierauf nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich ins Gerichtsgebäude und versammelten um ihn die ganze Abteilung. Dann zogen sie ihn aus, behängten ihn mit einem scharlachroten Mantel, flochten eine Dornenkrone, setzten sie ihm auf das Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand. Sie beugten auch zum Spott vor ihm das Knie und sprachen: "Heil dir! Du Judenkönig!" Auch spien sie ihn an, nahmen ihm das Rohr und schlugen ihn damit aufs Haupt" (Matth. 27,27-30).

Das ist der Bericht. Im verhaltenen Weh erzählt der Evangelist nur das Wesentliche.

Die dritte Glutrose des schmerzvollen Rosenkranzes entknospet sich.

In dem Gerichtsverfahren gegen den Herrn ist eine Pause eingetreten.

"Ich bin ein König", hatte Christus zu Pilatus gesagt.

Aus dem Gerichtssaal war dieses Wort in den Kasernenhof gedrungen.

Also endlich mal eine Abwechslung im eintönigen Etappendienst der römischen Besatzungstruppe. Einer ruft es dem anderen zu, und im Augenblick ist die ganze Abteilung beisammen, gut hundert Mann:

"Der ein König?"

"Der will also mehr sein als wir?"

Hell dröhnt ein rohes Lachen auf und schlägt klatschend gegen die kalten Mauerwände.

Da bringt einer einen alten verschlissenen Soldatenmantel, ein zweiter trägt eine Krone aus Dornen, ein dritter ein hohles Rohr.

Die gemeine Soldateska versteht.

Ein hundertfaches Bravo steigt hoch. Der grausige Spaß nähert sich dem Höhepunkte.

"Sie trieben ihren Spott mit ihm..." (Marc. 15,20).

Schon ist die Spottkrönung vollendet, und während noch der Abschaum der Menschheit an dem scheinbar ehr- und wehrlosen König seinen Hohn ausläßt, verblassen langsam Ort und Zeit, und in der Perspektive der Weltgeschichte erscheint leuchtend das Bild des einzig herrlichen Christkönigs im schmerzvollen Glanze seines Blutes.

Der Schmerzenskönig ist er, aber König ist er nun jetzt erst recht, denn Mantel, Zepter und Krone werden zu wahrhaft echten Königsinsignien.

Jener verblichene Mantel ist nämlich ein Bild der Menschheit, die in der Sünde jeden Glanz und Schimmer verloren hatte. Des Königs Blut färbt ihn wieder purpurrot und gibt ihm alle Schönheit zurück. Der Christkönig selbst aber ist zum König der Könige geworden, weil alle seine Untertanen in seinem Blute zu Purpurträgern werden.

Das hohle Rohr in seiner Hand wird zum eisernen Zepter, das Königsthrone und Weltreiche wie Tongefäße zerschmettert (Ps. 2,9), wird zur biegsamen Rute, welche die Bösen züchtigt, wird zum milden Hirtenstabe, der Millionen auf die glückseligen Triften des Himmels führt.

Die Krone aber ist zu einem Juwel geworden, das an Wert die ganze Welt vieltausendmal übertrifft. Nie trug ein König solche Krone. Über und über ist diese Krone mit den schimmernden Rubinen seiner kostbaren Blutstropfen geschmückt, und ein Leuchten geht von ihr aus, daß alle goldenen Reifen, die jemals königliche Stirnen schmückten, verblassen und jeden Glanz verlieren.

So sind die Spottwerkzeuge seiner blutigen Krönung in Wahrheit echte Königsinsignien.

Der Schmerzenskönig selbst wird von dieser Stunde an der Herzenskönig.

Längst sind die römischen Rohlinge abgelöst. An ihre Stelle traten Könige, die ihre eigenen Kronen in Ehrfurcht huldigend zu Füßen des Spottkönigs niederlegten, traten Heilige, die sich selbst aus Liebe zu ihrem Herzenskönig mit Dornen krönten, traten Millionen, die in der Kraft des Blutkönigs die unsichtbaren Dornenkronen ihrer Leiden starkmütig trugen.

Durch die Jahrhunderte klingt seitdem ehrfurchtsvoll mit innig klagendem Weh das Krönungslied des Schmerzenskönigs:

"O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz, bedeckt mit Hohn,
O göttlich Haupt, umwunden
Von einer Dornenkron!
O Haupt, das andrer Ehren
Und Kronen würdig ist,
Sei mir mit frommen Zähren,
Sei tausendmal gegrüßt."

 


Siegerkönig

Krieg war.

Und welch ein Krieg! Einer gegen drei und der eine - siegte. Christus kämpfte gegen Satan, Sünde und Tod und Christus blieb Sieger.

Satan war sein stärkster Feind, der stärkste von allen, stärker als Sünde und Tod zugleich, denn er war der Urheber von Sünde und Tod. Seit den Paradiesestagen beherrschte er fast unbestritten die Welt. Als Fürst der Finsternis herrschte er in der Finsternis, in den Greueln des Heidentums und der Gottverlorenheit. Über die ganze Erde hatte er sein Netz gespannt und hielt reiche Ernte. Millionen Seelen mordete er in den ewigen Tod, jahrhundertelang, jahrtausendelang.

Gegen den Tod kämpfte Christus. Stark ist auch der Tod. Sein Thron stand so fest wie nie ein Thron. Keines Herrschers Macht war so ausgedehnt wie seine Macht, keines Feldherrn Siege so groß wie seine Siege. Alle Völker, Stämme und Geschlechter, die in Jahrtausenden über die Erde schritten, sind des Todes Beute geworden. Jeder Grabstein ist ein Denkmal seines Sieges. So hatte der Tod gesiegt, tyrannisiert, triumphiert, jahrhundertelang, jahrtausendelang.

Satan, Sünde und Tod, jeder stark wie ein Millonenheer, nie besiegt und nie bezwungen, sieggewohnt und sieggekrönt, standen einsatzbereit zum Kampfe.

Christus, der "starke Held" (Is. 9,6), nahm den Kampf auf, er allein gegen die drei.

Gegen den Satan stritt er, denn er trieb ihn aus den Besessenen, und durch seine Frohbotschaft ließ er das Licht aufleuchten in der Finsternis. Gegen die Sünde kämpfte er, denn mit souveräner Gewalt sprach er die Menschen von Sünden frei. Gegen den Tod ging er vor, denn er heilte die Kranken und der Tod mußte flüchten. Dreimal riß er sogar dem Tode die bereits gefaßte Beute aus der Hand.

Doch das alles war nur Vorspiel, war nur Geplänkel.

Der Hauptschlag folgte.

Satan, Sünde und Tod verbündeten sich, und es kam zur weltbewegenden Entscheidungsschlacht auf Golgatha.

Satan mobilisierte die ganze Behörde vom Kriegsknecht bis zum Landpfleger hinauf, die Priesterschaft und die Parteien und alles Volk in und um Jeruslaem. Er ruhte und rastete nicht, bis die Abstimmung erfolgte, bis aus tausend Kehlen der Ruf erscholl: "Ans Kreuz mit ihm!" (Jo. 19,15)

Das war Satans Sieg.

Die Sünde machte mobil. Alle Sünden, von der ersten im Paradiese bis zur letzten am Jüngsten Tage, erschienen in Gethsemane und preßten dem edlen Gottesstreiter das Blut aus allen Poren, geißelten ihn, krönten ihn mit Dornen und schlugen ihn ans Kreuz. Seht da den bedrängten Nothelfer der Welt! "Keine Schönheit ist mehr an ihm. Von der Fußsohle bis zum Scheitel sind Wunden und Beulen und Striemen" (Is. 1,6). Tropfen um Tropfen fileßt das Blut von der Kelter des Kreuzes.

Das war der Sünde Sieg.

Der Tod krönte den Sieg über Christus. Da hat das Heldenherz den letzten Schlag getan. Der Christkönig hatte ausgelitten. Es war vollbracht. Durch den Lanzenstich mitten ins Herz wurde der Tod Christi auch öffentlich dokumentiert, und durch das Staatssiegel auf der Grabplatte wurde er amtlich abgestempelt. Der Held war tot.

Das war des Todes Sieg.

So endete der Großkampf auf Golgatha mit einer beispiellosen Niederlage - der Feinde Jesu.

Der Feinde Jesu?

Das war doch Sieg?

Nein, der Sieg war Christi Sieg.

Bei seinem Tode setzte Christus nämlich seinen Fuß auf Satans Nacken, daß er heult und knirscht. Mächtig war der Fürst der Finsternis, der Herr der Welt, der im vermessenen Wahne Gott gleich sein wollte. Doch jetzt ist Satans Herrlichkeit dahin, seine Macht vernichtet, seine Tyrannei gebrochen. Wohl kann er noch bellen wie ein Hund, aber er ist angebunden, beißen kann er nur den, der sich ihm freiwillig naht. Ein Kind kann ihn, den entthronten Antichristen in die Flucht schlagen. In die Finsternis seines Reiches aber leuchtet seit dem ersten Ostermorgen, nie mehr erlöschend, das Licht der Wahrheit. Millionen und Millionen sind es, die der Siegerheld Satans Klauen entreißt und für ein ewiges Leben voll Seligkeit rettet.

Das war des Christkönigs Sieg über den Satan.

Groß ist auch der Sieg über die Tyrannin Sünde. Seines einzigen Sohnes Blut und Leben hatte Gott als Friedenspreis für den Aufstand der Sünde gefordert. Der Siegerheld hat dieses Sühnegeld gezahlt und dadurch hat er alle Sünden getilgt. Millionen Sünden sind in seinem Blute ausgelöscht. Unzählige Menschen hat der herrliche Kriegsherr Jesus Christus aus der Knechtschaft der Sünde befreit.

Das war des Christkönigs Sieg über die Sünde.

"Als letzter Feind wird dann der Tod vernichtet" (1 Cor. 15,26). Auf den Karfreitag folgt der Ostermorgen. Leuchtend wie tausend Blitze kehrt Jesu Seele aus der Vorhölle zurück und senkt sich ein in die Adern und Glieder des toten Leibes, belebt, durchdringt, verklärt ihn, und mit allmächtiger Hand entreißt der Held dem Tode sein Leben. "Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?" (1. Cor. 15,54,55) Christus zerschmetterte den Tod. Der nie Bezwungene ist bezwungen und unermeßlich sind die Ausmaße dieses Sieges, denn wie der Besiegte dem Sieger alle Beute ausliefern muß, so muß auch der besiegte Tod dem siegreichen Helden all seine Beute übergeben, all die Toten vor Christus. "Und von nun an wird der Tod nicht mehr sein" (Geh. Off. 21,4). Wohl sterben die Menschen noch, aber ihr Tod ist nicht mehr der Sturz in den Abgrund, sondern der Übergang in ein ewiges Leben: "Alle werden wir auferstehen" (1. Cor. 16,51). Der Herrscher Tod wurde zum Diener, der die Menschen an die Tore eines ewigen Lebens führen muß.

Das war des Christkönigs Sieg über den Tod.

Satan, Sünde und Tod, sieggewohnt und sieggekrönt, nie besiegt und nie bezwungen, jeder stark wie ein Millionenheer, standen dem Christkönig gegenüber, er aber war stärker als alle drei. Im tosenden Wirbel des Kampfes auf Golgatha hat er alle Feinde niedergerungen.

Christkönig ist der herrlichste Held.

Eine Ehre und eine Lust ohnegleichen muß es doch sein, dieses einzigen Siegerkönigs Soldat und Kamerad zu sein.


König aller Zeiten

Die Kampflage von Golgatha ist typisch für alle Zeiten.

Immer wird der Christkönig verfolgt und immer bleibt er Sieger.

Schon vor Golgatha war es so.

Kaum ist der König geboren, da wird im Kindermord zu Bethlehem das erste Attentat auf ihn verübt, und er muß bei Nacht und Nebel für ein paar Jahre außer Landes flüchten.

Später wollen ihn die eigenen Landsleute von einem Felsen hinabstürzen.

Mühsam sammelt er Getreue um sich, erst zwölf, dann einige hundert, dann einige tausend. Die wollen ihn eines Tages zum König erheben. Zwölf Stunden später, bei der Verheißung des Altarsakramentes, fallen fast alle wieder von ihm ab, und er selbst muß sich vor den Steinen des jüdischen Volkes in den Libanon zurückziehen.

Dann kam die Entscheidungsschlacht auf Golgatha.

Der Abstand zwischen der gänzlichen Niederlage und dem maßlosen Sieg betrug keine vierzig Stunden.

So geht es fort durch alle Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag.

Am Osterfeste verkriechen sich die Jünger in heller Angst und am Pfingstfeste anerkennen Tausende Christi Königsherrschaft.

Vom eigenen Volk verstoßen, geht der Christkönig daran, das gewaltige Römerreich zu erobern. Eine zehnfache Verfolgungswelle bricht über ihn und seine Getreuen herein. Der gesamte Staatsapparat wird in Bewegung gesetzt. Kaiser und Statthalter, Parlament und Staatsreligion, Dichter und Philosophen, die Gerichte und das Militär, alles wird aufgeboten. Lüge und Verleumdung werden propagiert. Eigene Verfolgungsgesetze liefern die scheinbar rechtliche Handhabe für ein millionenfaches himmelschreiendes Unrecht. Die Christen gelten ohne weiteres als Staatsfeinde, gegen die alle Beamten des ganzen Reiches in jeder Weise vorzugehen haben. Inhaftierung, Geldstrafen, Beschlagnahmung des Vermögens, Ortsverweisung, Zwangsarbeit, Zuchthaus und Folter, Galgen und Rad, Feuer und Schwert, Hinrichtung und Dezimierung, kein Mittel der Verfolgung gibt es, das nicht damals schon gegen des Christkönigs Anhänger in Anwendung kam.

Und doch brach der mächige römische Adler seine starken Schwingen und stürzte ab. Nach dreihundert Jahren war mit dem Römerreich das gesamte Mittelmeerbecken Christkönigsland geworden. War Christkönigsland und - blieb es nicht.

Irrlehrer traten auf, einer nach dem anderen. Schon Augustinus zählte fast hundert Häresien. Eine Zeitlang schien es, als ob die Welt arianisch würde. Dann setzte von Norden her das Kesseltreiben der Völkerwanderung ein. Im Süden rückte der Islam siegreich vor und träumte berreits davon, den Halbmond in Rom aufzupflanzen. So wurde der Christkönig gezwungen auszuwandern aus Spanien, Nordafrika, Ägypten, Kleinasien, aus dem ganzen Osten. Gewaltig ist der Verlust. Vom ersten großen Christkönigsreiche waren nur ein paar Fetzen Land in Italien und Frankreich übrig geblieben.

Wiederum beginnt ein zähes Ringen, bis im Jahre 1000 etwa das Kreuz als die Fahne und Feldzeichen des Christkönigs über ganz Europa steht. Europa war Christkönigsland geworden und - blieb es wiederum nicht.

Die "Reformation" fügte dem Christkönigsreich unermeßlichen Schaden zu, so daß Luther am Ende seines Lebens sagen konnte: "Papst, im Leben bin ich deine Pest gewesen, und im Tode werde ich auch dein Tod sein." Luther hat sich geirrt. Zwar sind viele Päpste seitdem gestorben, aber der Papst lebt immer noch.

Die sogenannte Aufklärungszeit setzte ein. Die Schwerter wurden zu Federn umgeschmiedet. Man glaubte, das Christkönigsreich durch die giftige Tinte eines frivolen Spottes austilgen zu können. Voltaire orakelte damals in seinem Ärger über die zwölf Apostel: "Ich will der Welt zeigen, daß ein Philosoph genügt, das Christentum auszurotten." Wie ein Fanal mag dieses Wort über der damaligen Welt geleuchtet haben, denn in allen noch so dummen Prophezeiungen liegt eine geheimnisvolle, ungemein werbende Kraft. Heute ist jenes Wort allerdings der Lächerlichkeit anheimgefallen, denn das Christentum hat dem Fürsten unter den Gotteshassern gezeigt, daß Millionen Schreiberseelen seiner Art das Zwölffischerwerk nicht vernichten können. Voltaire hat sich geirrt.

Die Zeit geht weiter und der Kampf geht weiter.

Schattenhaft erscheinen jetzt bereits die Einnahme Roms und der sogenannte Kulturkampf im letzten Jahrhundert.

Und heute?

In breiter Linie wird an hundert Fronten zugleich mit allen nur erdenklichen Waffen der Lüge und Gewalt der Generalangriff gegen das Christkönigsreich vorgetragen. Christus wird entthront, der Mensch vergöttlicht. Christus wird hinausgeworfen aus Kunst und Wissenschaft, aus Erziehung und Unterricht, aus der Gesetzgebung und aus dem öffentlichen Leben.

Man spricht ihm die Existenzberechtigung ab. Es heißt, seine Ansprüche seien nicht mehr tragbar, seine Ideen überaltert, sein Gesetzbuch müsse neu aufgelegt werden.

Gott? Wer ist denn Gott? Der Starke ist Gott. Wir sind stark. Also... Los von Rom! Und etwas schnell, sonst helfen wir nach! Hängt die schwarzen Verbrecher! Heraus aus der Kirche!

Christkönig, wann endlich wirst du abdanken? Eine Position nach der anderen geht dir verloren, schau doch nur auf Kunst, Literatur, Presse, Bühne, Kino und Radio, schau auf Ehe, Familie, Schule und Parlament. Was bleibt dir noch? Nur noch schattenhaft ist deine Herrschaft. Wie ein Gespenst geisterst du unwirklich über der Erde hin. Christkönig, danke ab!

Das ist die Lage heute.

Sie ist genau so, wie sie vor Jahrtausenden der Prophet voraussah: "Die Völker toben, die Fürsten der Erde stehen auf und sammeln sich wider den Herrn und seinen Gesalbten" (Ps. 2,1).

"So schlimm war es noch nie."

Mag sein, daß es noch nie so schlimm war, aber Fels bleibt Fels.

Oder nicht?

Wie treffend doch der Prophet im erwähnten Psalm fortzufahren weiß:

"Der in der Höhe wohnet, lacht ihrer und spottet ihrer" (Ps. 2,4).

Christkönig dankt nicht ab. Zwar ist die Zahl seiner Feinde heute nicht Legion, sondern Million und Millionen, aber Fels bleibt Fels.

War das denn nicht schon immer so?

Hat der Christkönig bis heute nicht alle Gegner niedergerungen?

"Starke, die sich Treiber dünken,
Werden doch nur selbst getrieben,
Heergeräte eines Stärkeren,
Die, gebraucht, verbraucht zerstieben."

(Dreizehnlinden)

Christkönig ist bis heute noch mit allen Widersachern fertig geworden, schon seit zweitausend Jahren.

Ob er mit seinen heutigen Gegnern auch fertig werden wird?

Ganz bestimmt.

Die Vergangenheit gibt die Gewähr, daß die Zukunft nicht anders sein kann.

Fels bleibt Fels.

Wie rief doch sterbend jener Kaiser, der am radikalsten und rabiatesten den Christkönig bekämpft hat? Sein letztes Wort hallt warnend durch die Jahrhunderte:

"Galiläer, du hast gesiegt!"

Fels bleibt Fels.


Die Königsfahne

Des Christkönigs Fahne und Feldzeichen ist das Kreuz.

Erster Bannerträger war der König selbst, denn in seiner edlen Königsart ist er stets im Kampfe allen weit vorausgeeilt.

Schon aus tausend Wunden blutend und dem Tode nahe, trug der herrliche Held die neue Fahne durch die Frontlinie des Kreuzweges und rammte sie auf Golgatha tief in den Boden ein.

Da hängt er am Kreuze. In seinem Rücken liegt Jerusalem und die alte Zeit, über die sich langsam das Leichentuch der Finsternis ausbreitet.

Die Kreuzesfahne kündet den Beginn der neuen Zeit. Diese Fahne wird die ganze Welt erobern. Ihr Träger wird der Herr der neuen Zeit sein.

Eine Handvoll Männer, ohne Waffen, ohne Geld, ohne Bildung und Ansehen, teilt unter sich die Welt auf und trägt die neue Fahne voran. Bald sind aus den Zwölfen Tausende geworden. Überall, in Palästina, in Syrien, in Kleinasien, in Griechenland, selbst in Rom, dem Mittelpunkt der alten Welt, wird die neue Fahne gehißt.

Die irdische Macht horcht auf. Die ersten Zusammenstöße erfolgen. Es fließt Blut, viel Blut. Ein Meer von Blut wogt rings um die neue Fahne. Nie war ein Krieg, der soviel Blut gekostet hat.

Nie war aber auch ein Krieg, der solche Helden zeitigte; Helden, die für ihre Fahne über Scherben und glühende Kohlen gingen; Helden, die sich für ihre Fahne mit Winden und Zugtieren auseinandereißen ließen; Helden, die für ihre Fahne in der Arnena mit wilden Tieren kämpften; Helden, die für ihre Fahne singend in den Tod gingen.

Nicht einzelne waren es, denen die Kreuzesfahne mehr galt als ihr Leben, sondern Tausende, nicht nur Sklaven und Soldaten, sondern auch Hofbeamte und Verwandte des Kaisers. Nicht nur Männer, sondern auch Frauen. Nicht nur Greise, sondern auch Kinder. Nicht nur im Römerreiche, sondern auch in der ganzen Welt. Nicht nur Römer und Griechen, sondern auch Germanen und Gallier, Japaner und Chinesen, Annamiten und Neger.

Kein einzig Land ist auf der weiten Welt, das nicht Kreuzblut trank.

Mit dem heiligen Blute der Treue vieltausendmal geschmückt und geziert, leuchtet das Kreuz als die kostbarste und herrlichste Fahne der Weltgeschichte durch die Zeiten hin.

Blut aber härtet und stählt.

Märtyrerblut war noch stets Christensaat.

Wenn deshalb irgendwo in der Welt die Kreuzesfahne aufs neue in einer Verfolgung sich purpurn färbt, dann drückt das schwere Heldenblut den Fahnenschaft noch tiefer in den Boden.

So war es immer.

Es wird immer so bleiben.

Unausrottbar fest steht das Kreuz auf der Erde.

Von mehr als siebzig Revolutionen gegen das Christkönigsreich berichtet die Geschichte, das Kreuz hat alle überdauert.

Dreimal hat sich seit Beginn des Christentums Europas Angesicht von Grund auf geändert, das Kreuz blieb unverrückbar stehen.

Völker kamen und gingen, Weltreiche entstanden und zersplitterten wieder, das Kreuz hat alle überdauert. Kaiser und Könige, Regierungen und Staatsmänner, ganze Stämme und Länder haben sich gegen das Kreuz erhoben, das Kreuz hat alle besiegt.

Das Kreuz steht fest, steht in Häusern und Hütten, in Kirchen und Schulen, in Städten und Dörfern, in Feld und Flur und auf den Bergeshöhen. Das Kreuz wächst über die Ländergrenzen hinaus und beschattet die Völker.

Die Weltkarte her!

Schaut, wie das glänzt und leuchtet, Kreuz an Kreuz, soweit das Auge reicht, in Nord und Süd und Ost und West, von Pol zu Pol.

Überall, wo ein Kreuz steht, ist Christkönigsland.

Und wenn einmal in ferner Zukunft die Ideen des heutigen Geisteskampfes schon längst als verbraucht und veraltet in der Rumpelkammer der Weltgeschichte liegen werden, wenn man einmal auf die hochentwickelte Technik unserer Zeit wie auf ein Kinderspiel herabschauen wird, wenn einmal die Großstädte des modernen Europas nichts mehr sein werden als eine Steinwüste, dann wird das Kreuz noch immer in seinem alten Glanze vor der Welt aufleuchten, dann werden vor dem Kreuze noch immer die Knie sich beugen, dann wird das Kreuz noch immer der eigentliche Mittelpunkt der Weltgeschichte sein.

Unausrottbar fest steht die Königsfahne des Kreuzes auf der Erde.

Es wird immer so bleiben.

Immer.


König auch in unserer Zeit

Unsere Zeit dürfte die herrlichste Heldenzeit sein, die es seit dem Beginn des Christkönigsreiches gab.

Nie war die Verfolgung gegen die Anhänger Christi so weltumspannend und so grausam wie heute. Wo immer die Macht der Hölle vorfühlt, da beginnt das Kesseltreiben gegen den Christkönig und seine Getreuen, und wo diese Macht zur Herrschaft gelangt, da wird mit allen Mitteln versucht, das Christkönigsreich restlos zu vernichten.

Nie war tatsächlich die Verfolgung größer, nie waren aber auch die Christkönigshelden zahlreicher als in unserer Zeit.

Christus ist König auch in unserer Zeit - König mehr denn je.

Aus tausend Zeitungsberichten nur einen einzigen:

"In einer Ausgabe vom 20. Oktober 1936 veröffentlicht der "Osservatore Romano" wiederum erschütternde Fälle von Greueln, die an spanischen Priestern verübt worden sind. Einleitend bemerkt das Blatt, daß bisher vier Bischöfe der Mordgier der Roten zum Opfer gefallen sind. Es sind die Bischöfe von Siguenza, von Lerida, von Tarragona und von Barbastro. Auch heute noch finde man an den Straßenecken, am Rand der Wälder, am Strand des Meeres Leichen von Priestern, denen man nicht einmal die Ehre eines Begräbnisses zuteil werden ließ. Einige sind furchtbar zerstückelt, andere hängen an den Bäumen. Man hat Priester gesehen, die langsam lebendig verbrannt worden sind, und andere, die vor der Tötung grauenvollen Amputationen unterworfen wurden. Die Priester seien zu Hunderten gefallen. Noch im Sterben hätten sie ihren Mördern verziehen und ihr letzter Ruf sei gewesen: "Es lebe Christus König!" In Villafranca del Panades seien von 21 Priestern nur zwei oder drei dem Tode entronnen. Die übrigen hat man verhaftet, gequält, und sie seien schließlich durch wildgewordene Horden getötet worden, die sie zwingen wollten, Gotteslästerungen auszusprechen.

Ein Priester, der schwer krank war, wurde trotzdem gezwungen, aufzustehen und sich dem sogenannten Volksausschuß zu stellen. Er habe auf das Verhör mit dem Ruf geantwortet: "Es lebe Christus König!", und sei dann den Märtyrertod gestorben. Dem Pfarrer von Olius, dem man zunächst die Versicherung gegeben hatte, daß er geschont würde, wurde schließlich doch vor den Ausschuß zitiert. Unterwegs wurde ihm wiederholt in die Beine geschossen, so daß der Priester zusammenbrach. Dann zündeten sich die Mörder in aller Ruhe ihre Zigarren an, und erst als sie diese ausgeraucht hatten, gaben sie ihrem Opfer den Gnadenschuß, das noch Worte des Verzeihens hervorbrachte. Einem Pfarrer aus der Diözese Gerona wurden Eisenstückchen unter die Nägel der Finger geschlagen.

In Pobla de Segur wurde der Pfarrer Tapies, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, sogar bei dem örtlichen revolutionären Ausschuß, von einem auswärtigen Ausschuß zum Tode verurteilt. Als die Bevölkerung davon Kenntnis erhielt, strömte sie in der Hoffnung zusammen, den beliebten Priester befreien zu können. Der heroische Priester wollte in seinen priesterlichen Gewändern sterben und bat selbst die Gläubigen, ihn doch zur Christus gehen zu lassen. Das Blatt erwähnt schließlich, daß auch zahlreiche Seminaristen, besonders in Tarragona, die Stufen der Altäre mit ihrem Blute getränkt haben."

Soweit der Bericht.

Oft bringen heutzutage die Zeitungen ähnliche Berichte von allen Enden der Erde.

Christus ist also in Wahrheit und Wirklichkeit König auch in unserer Zeit.

Unsere Zeit dürfte die glorreichste Heldenzeit seit dem Beginn des Christkönigsreiches sein.


Das Königswappen

Das Wappen ist Symbol, ist Charakter, ist Lebensinhalt.

Des Christkönigs Wappen ist sein Herz, sein Königsherz als Symbol seiner göttlichen Liebe, denn Liebe ist der Inhalt seines wahrhaft königlichen Lebens.

Welch ein Herz schlägt doch in dieses Königs Brust!

Derjenige, dessen Krone die Inschrift trägt: "König der Könige und Herr der Herrscher" (Geh. Off. 19,16), ruft die Kinder herbei, nimmt sie auf seinen Schoß, herzt sie und entläßt sie mit seinem Segen. Das tut er, vom Wandern und Predigen ermüdet, am Abend eines schweren Arbeitstages.

Kranke heilt er ohne Zahl, nicht nur einzeln, sondern auch in Massen. An einem Sabbat war es zu Kapharnaum. Im sinkenden Abend brachte man auf allen Straßen, aus allen Häusern die Kranken zu ihm hin. "Er aber legte jedem die Hand auf und machte sie gesund" (Luc. 4,40). Welch ein Jubel mag damals in jener ergreifend schönen Abendstunde durch die Häuser und Herzen geklungen sein!

Alle liebt der König, Heiden und Juden, Freunde und Feinde, Gerechte und Sünder. Sein Herz ist groß und weit, wahrhaft weltumspannend. Seine erklärten Lieblinge aber sind die Armen und Notleidenden, die Gedrückten und Gequälten, die Verlassenen und Verstoßenen. Millionen hat er längst vor dem ersten Papste seliggesprochen in den acht Seligkeiten der Bergpredigt.

Sein Königsherz hat das wundervolle Wort vom geknickten Rohre und vom glimmenden Dochte gefunden. Er ist der König, der zehntausend Talente nachläßt, der Hausvater, der auch für die zwölfte Stunde noch den vollen Tageslohn auszahlt, der Gärtner, der für den unfruchtbaren Baum bittet. Er ist der barmherzige Samaritan, der Vater des verlorenen Sohnes, der gute Hirt.

Da sitzt er einmal schattenlos in glühender Mittagshitze und wartet. Wer wartet? Gott wartet. Auf wen wartet Gott? Gott wartet auf eine Sünderin, die fünf Männer gehabt hat und deren sechster nicht ihr Mann ist. Als sie kommt, erhebt die Huld des Königs die Sünderin zur Missionarin, die ihm ganz Sichem zuführt.

Maria Magdalena ist eine in der Stadt bekannte Sünderin. Sünde war ihr Leben, Verführung ihre Lust. Es gab Menschen, die mit dem Finger auf sie wiesen und ihre Kleider zusammenrafften, um nicht mit ihr in Berührung zu kommen. Doch auch ihre Stunde kam. Sie begegnete dem König. Da kniet sie verwirrt und in Tränen aufgelöst zu seinen Füßen. Er aber straft nicht und tadelt nicht und beschämt sie nicht und verteidigt sie und lobt sie und spricht zu ihr das wunderbare Wort der Absolution. "Deine Sünden sind dir vergeben. Gehe hin in Frieden!"

Welch ein Herz schlägt doch in dieses Königs Brust!

Lieben ist Leiden. Die Liebe kristallisiert sich im Leiden. Unseres Christkönigs leidende Liebe ist so groß, daß keiner ihm darin gleichkommt noch gleichkommen kann. Wer ist aus Liebe in einem Stalle geboren worden? Wer mußte schon als Kind außer Landes flüchten? Wer ist soviel angefeindet, verleumdet und beschimpft worden? Wer hat so wie er den Tag über gearbeitet und die Nacht über gebetet? Wer hat schon Blut geschwitzt um fremder Menschen willen? Wer ist schon gegeißelt, mit Dornen gekrönt worden? Wer hat je solch ein Kreuz getragen? Wer ist unter solchem Spott und Hohn gestorben? Wer außer ihm hat sich für andere kreuzigen lassen?

Aus Liebe wird der König der Heiligkeit zum stellvertretenden Schuldträger, der "unseren Schuldbrief ans Kreuz heftete" (Col. 2,14) und "für uns Fluch geworden ist" (Gal. 3,13). Aus Liebe ließ sich der König der Wahrheit durch Herodes zum Könige der Narrheit machen. Aus Liebe wird der König der Seligkeit zum Könige der Armseligkeit.

Wo war je ein König, der seine Untertanen mit solcher Liebe beglückt hat? Alles gab er hin. Sein Leben gab er den Seinigen, damit sie das Leben hätten. Seinen Leib schenkte er hin, denn es gibt kein Glied an diesem heiligen Leibe, das nicht für die Seinigen gelitten hat. Sein Blut vergoß er für die Seinigen bis auf den letzten Tropfen. Alle unendlichen Verdienste seines bitteren Leidens und Sterbens sind einzig für die Seinen da. Sein Leben, Leiden und Sterben, Bethlehem, Nazareth, Golgatha, Krippe und Kreuz und alle Sakramente, Ewigkeit und Seligkeit, alles gibt der König in seiner unfaßbaren Freigebigkeit den Seinen hin.

Welch ein Herz schlägt doch in dieses Königs Brust!

Anbetend aber knien alle Zeiten vor dem größten Wunder seiner Liebe im Königszelt des Tabernakels.

Das Beisammensein ist der Atem der Liebe. Der Liebende sucht immer wieder die Nähe des Geliebten und ergötzt sich an seiner Gegenwart. Deshalb sucht der König unsere Nähe. Der weite Himmel wird ihm zu eng, er wird der Emanuel im Sakramente. "Seine Wonne ist es, bei den Menschenkindern zu weilen" (Spr. 8,31). So ist er uns nahe, wie nur ein Mensch dem anderen nahe sein kann. Er ist uns nahe wie ein König, der nicht freigebiger, wie ein Vater, der nicht aufopfernder, wie ein Freund und Bruder, der nicht hingebender sein kann. Er ist uns nahe mit all seinem Gottesreichtum und all seiner Gottesgüte: "Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken" (Matth. 11,28).

Tag für Tag vieltausendmal opfert sich der König für uns im Sakramente Gott auf. Täglich werden etwa 350.000 heilige Messen gefeiert. In jeder Sekunde ist also viermal Wandlung. Sooft unser Herz schlägt und noch viel mehr bei Tag und Nacht opfert sich der König für uns. Von zwölf Uhr nachts, auf den Inseln des Stillen Ozeans beginnend, wandert die eucharistische Sonne mit der Tagessonne durch Australien, Asien, Europa, Afrika und Amerika über die ganze Erde bis zur Mitternacht des nächsten Tages, und in jeder Sekunde ist viermal Wandlung. Das ist die Erfüllung der großen Vision des Propheten: "So spricht der Herr der Heerscharen: "Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergange wird meinem Namen ein reines Speiseopfer dargebracht werden" (Mal. 1,11).

Aus diesem Opfer quillt dann die Fülle alles erdenklichen Segens, denn in der heiligen Messe hat der Herr ein Gastmahl veranstaltet, das schon 1900 Jahre dauert und das fortdauern wird bis ans Ende der Welt, ein Gastmahl, bei dem er sich selbst zur Speise gibt mit Gottheit und Menschheit. Jede heilige Kommunion bringt ihn uns ganz nahe, macht uns Gott ähnlich, vergöttlicht uns und erhebt uns zu seinen Blutsverwandten, vermehrt in uns die heiligmachende Gnade, erhöht unser Anrecht auf den Himmel, nährt den Haß gegen die Sünde, stärkt zum Guten und erfüllt die Seele mit dem Vorgeschmack der ewigen Seligkeit. "O heiliges Gastmahl, in welchem Christus genossen, das Andenken seines Leidens erneuert, die Seele mit Gnaden erfüllt und ein Unterpfand der zukünftigen Herrlickeit gegeben wird." Lob und Dank sei ohne End Jesus Christus im Allerheiligsten Sakrament.

Welch ein Herz schlägt doch in dieses Königs Brust!

Liebe, anfang- und endlose Liebe ist der Inhalt dieses wahrhaft königlichen Lebens. Was konnte der Herr mehr tun und hat es nicht getan? Liebe zieht wie ein klingender, singender Hymnus, wie ein berauschend Lied durch sein ganzes Leben, fließt über in unser Leben und führt hinüber zum ewigen Leben.

Vieltausendmal zu Recht führt der Christkönig sein Königsherz als königliches Wappen.


Königshuldigung

Herrlichster Gottkönig Jesus Christus, König der Liebe, König der Herzen, du sollst fortan auch meines Herzens König sein.

Sei du König über mich!

Dich erhebe ich zu meinem alleinigen Herrn. Ich proklamiere dein Königtum in meinem Herzen.

Heil dir, mein König!

Dein königlicher Wille soll die Richtschnur meines Lebens sein. Ich anerkenne deine Herrschaft, ich anerkenne deine Gesetze als die ersten und höchsten, ich anerkenne deine Königsrechte über mich als heilig und unverletztlich.

Heil dir, mein König!

Ich beuge mich unter deine Gebote. Ich will dir gehorchen, ich will dir dienen, ich will ganz und auf ewig ungeteilt dir angehören. Sei du König über mich! Wie du in dem heiligen Brote bist, ganz im Ganzen und ganz in jedem Teilchen, so ähnlich sei auch deine Königsherrschaft in mir, ganz im Ganzen und ganz in jedem Teilchen. Sei König meines Verstandes, König meines Willens, König meines Herzens, König meiner Seele, König meines Leibes

Heil dir, Heil dir, mein König!

Ewiger Gottkönig, an dich glaube ich, an dich allein. Auf dich setze ich alle meine Hoffnung, auf dich allein. Dich liebe ich, dich allein, heiß und innig, denn du bist aller, aller Liebe wert.

Heil dir, mein König!

O König mit dem goldenen Herzen, mit beiden Füßen stehe ich zu dir mit Gut und Blut, mit Leib und Leben bis in den Tod. Befiehl, und ich bin da. Rufe, und ich bin zur Stelle. Ein Wort von dir, und ich folge dir über alle Berge.

Heil dir, mein König!

Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit, eines Wesens mit dem Vater und dem heiligen Geiste, unumschränkter Herr und Gebieter über alle Kreatur, dir huldige ich als meinem Könige. Dein bin ich, und dein will ich sein. Damit ich aber um so inniger mit dir verbunden sein möge, deshalb weihe ich mich freudig deinem heiligsten Herzen.

Heil dir, mein König!

Meine Treue sei dir ein Trost dafür, daß viele dein Königtum nicht anerkennen, daß die Welt deine Königsrechte verneint, daß du selbst von den Deinen mißkannt und zurückgesetzt wirst.

Heil dir, mein König!

Dein Bannerträger will ich sein. Ich will mithelfen, daß dein Reich in den Menschenherzen immer mehr sich ausbreite, daß deine Gesetze beobachtet werden, daß vor dir mit mir immer mehr Knie sich beugen.

Heil dir, Heil dir, mein König!

Christkönig hoch und hehr, dich lobe und preise und erhebe ich.

Dein sei die Herrlichkeit und die Macht und das Reich! Dein sei die Erde und der Himmel, von dannen du am großen Königstag kommen wirst, zu richten die Lebendigen und die Toten! König von Anbeginn, König bis in Ewigkeit, dir sei Ruhm und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!

Heil dir, Heil dir, mein König!

"O du mein Heiland, hoch und hehr,
Dem sich der Himmel beuget,
Von dessen Liebe, dessen Macht,
Die ganze Schöpfung zeuget:
Christus, mein König, dir allein
Schwör ich die Liebe hehr und rein,
Bis in den Tod die Treue."

 


Der große Königstag

Der Jüngste Tag bricht an.

Die Sterne stürzen aus ihrer Bahn und fallen vom Himmel wie ein Funkenregen vom Amboß. Der Mond, wie Blut so rot, gibt keinen Schein mehr. Die Sonne springt auseinander und erlischt. Eisige Schreckensnacht hüllt die Erde in Grauen und Finsternis. Sturmeswinde von ungeheurer Wucht rasen dahin. Die Berge stürzen krachend in sich zusammen. Das Meer wirft seine Wogen bis in die Wolken.

Schwer und bang geht ein unerhörtes Wehklagen und Sterberöcheln durch die ganze Schöpfung.

Die Erde birst und speit die Toten aus. Knochen fügt sich wieder zu Knochen. Die Totengerippe ziehen das Kleid des Fleisches an.

Die Hölle öffnet gähnend ihren Schlund, und es entsteigen ihr die Verworfenen wie nachtschwarze Schatten in glühenden Feuerkleidern. Irre, wirre Angst stiert hohl und grinsend aus ihrem Blick. Ein grausiger Chorgesang steigt rasselnd aus ihren Reihen hoch. Horch, wie sie heulen:

"Ihr Berge, fallet über uns, ihr Hügel, bedecket uns!" (Luc. 23,30) Da lodert an allen Ecken und Enden der Erde das Feuer empor, gefräßig wie ein Ungeheuer. Katzenfalsch umschlingt es den Erdball und bringt ihn in Weißglut. Es leuchtet und blitzt. Feuer und Rauch feiern Vermählung. Es regnet Schwefel und Pech. Die ganze Erde ist wie eine gewaltige Fackel im Weltenraume, die sich selbst verzehrt.

Das vieltausendjährige Spiel vom Menschen ist beendet, die Weltbühne wird abgebrochen.

Plötzlich hallen scharf und spitz Trompetenstöße über die Erde hin, und den weiten Horizont entlang flammt Licht auf, hell wie tausend Sonnen.

Das Kreuz, des Christkönigs Feld- und Siegeszeichen, wird sichtbar.

Ein milliardenfacher Jubel- und Schreckensruf zugleich begrüßt sein Erscheinen.

Der Himmel öffnet strahlend seine Pforten, heraus tritt in Größe und Macht der Menschensohn, und als der Herr des Gerichtes besteigt er den Richterstuhl, das Kreuz.

Das Gericht beginnt, ein Schauspiel von unerhörter Wucht, das nicht Schauspiel ist, sondern Wirklichkeit.

Aus den dunklen Höhlen der Vergangenheit treten die Menschen zum Gerichte an: Adam, Eva, Kain, die Sodomiter, Pharao, die Propheten, die Assyrer und Perser, Herodes, die Juden, Pilatus, Nero, Diokletian, Arius und die Irrlehrer aller Jahrhunderte, alle Christenverfolger, alle Tyrannen und alle Machthaber dieser Welt vom Angebinn bis zu ihrem Ende, Männer und Frauen, Kinder und Greise, Christen und Heiden, Päpste, Bischöfe und Priester, Sünder und Gerechte, Heilige und Teufel, alle Menschen, alle Menschen ohne Ausnahme.

Da ist nicht mehr Recht Unrecht und Unrecht Recht, sondern Recht ist Recht, und Unrecht ist Unrecht. Ehern steht die Gerechtigkeit des Letzten Gerichtes. "Alles, was krumm ist, wird gerade, und was uneben ist, wird ebener Weg" (Luc. 3,51).

Das Urteil lautet auf Himmel oder Hölle, auf ewiges Leben oder ewigen Tod, auf ewigen Segen oder ewigen Fluch, ganz wie es der Mensch selbst gewollt hat in der Zeit seines Lebens.

Wie einer im Leben zum Christkönige stand, so fällt das Urteil aus.

Da naht ein Augenblick von unbeschreiblicher Spannung, die Welthuldigung vor dem Christkönig. Das ist der Höhepunkt des Letzten Gerichtes. Freund und Feind, alle, die ihn liebten, und alle, die ihn haßten; alle, die sein Königtum anerkannten, und alle, die es verneinten; alle, die ihn zum Herzenskönig erhoben, und alle, die ihn entthronten; alle, die ihm dienten, und alle, die ihn schmähten; alle, Freund und Feind, die einen jubelnd, die anderen knirschend, müssen ihre Knie vor ihm beugen. Da müssen alle stolzen, starken, nie gebogenen Nacken sich vor ihm neigen, da muß aller Menschen Mund bekennen:

"Wahrlich, er ist Gottes Sohn" (Matth. 27,54).

Das ist Christi großer Siegestag. Solch ein Sieg ward nie errungen.

Sein Königtum wird auf ewig von allen anerkannt werden.

Langsam schließt sich zum letzten Male die Hölle in ewiger Nacht, in Pein und Grauen ohne Ende.

Um den Christkönig aber schließt sich für immer der Kreis der Seligen. Das ewige Reich beginnt, das ewige Reich des Friedens und der Liebe:

"Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1. Cor. 2,9).

"Dem Könige der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren alleinigen Gott, sei Ruhm und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!" (1. Tim. 1,17)

Christus
gestern, heute
und
in Ewigkeit.

(Hebr. 13,8)


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell