Aus dem Immaculata-Archiv:


Die
Ersten Christen
ober und unter der Erde

oder

Zeugnisse für den Glauben, die Hoffnung und Liebe
unserer heiligen Mutter, der Kirche.

Ein Buch
des Trostes und der Ermuthigung für die Katholiken
und der Belehrung für ihre Gegner

von
Georg Ott,
Dekan und Stadtpfarrer in Abensberg.

Mit zahlreichen Bildern.

Dritte Auflage
Mit Genehmigung des bischöfl. Ordinariates Regensburg.

1880.
Regensburg, New York & Cincinnati,
Druck und Verlag von Friedrich Pustet,
Typograph des heiligen Apostolischen Stuhles.

Entered, according to Act of Congress in the year 1878,
by ERWIN STEINBACK, of the firm of Fr. Pustet in the Office of the Librarian of Congress at Washington, D. C.


Vorwort.

Es war ohne Zweifel eine der zahlreichen auffallenden Fügungen der göttlichen Vorsehung im thatenreichen Leben Unsers großen Papstes Pius IX., dass durch ihn die Erforschung der altchristlichen Todtengrüfte oder Katakomben, welche die Stadt Rom wie mit einem geweihten Gürtel umgeben, mehr als durch einen der frühern Päpste gefördert wurde. Papst Pius IX. verdient in der That den Namen "zweiter Damasus" (Der heilige Papst Damasus I. (367-385) hat sich um die Erhaltung und Ausschmückung der Katakomben und ihrer Grabkammern die größten Verdienste erworben.), nicht allein dadurch, dass er eine eigene Kommission gelehrter Kenner des christlichen Alterthums gegründet hat und deren Arbeiten und Bestrebungen bedeutende Geldunterstützung zuwendete, sondern auch durch seine persönliche rege Theilnahme und Ermunterung, welche er den Studien über die Katakomben zu Theil werden ließ, und worin er von dem berühmten Gelehrten und Alterthumsforscher Johann Bapt. de Rossi am eifrigsten unterstützt ward, der in der Erforschung der Katakomben mehr geleistet hat, als alle seine Vorgänger im Laufe der letzten Jahrhunderte.

Das Pontificat Pius IX. ist aber wie kein anderes noch besonders charakterisiert durch den gemeinsamen Sturmlauf, welcher vom Un- und Irrglauben, sowie vom Indifferentismus und Materialismus und von Seiten weltlicher Machthaber gegen die Kirche unternommen wurde und mit gleicher Wuth noch immer fortgesetzt wird.

Es ist nun keine Uebertreibung, wenn wir sagen: die fortdauernde, sorgfältige und äußerst umsichtige Erforschung der Todtengrüfte der ersten Christen und die merkwürdigen Resultate derselben sind eine neue Widerlegung der Behauptungen des Un- und Irrglaubens, eine neue eigenartige Strafpredigt gegen die indifferente und materialistische Richtung unserer Zeit und ein neues Zeugniß von der Ohnmacht weltlicher und kirchenfeindlicher Machthaber.

Wenn der Unglaube unserer Tage im wahnsinnigen Unterfangen es wagt, die göttliche Institution des Christenthums oder, was Eines ist, der Kirche, die Wahrheit ihrer Lehre und ihrer heiligen Geheimnisse in Abrede zu stellen und für Menschenerfindung auszugeben; ja wenn dieser gottlose Unglaube so weit geht, die geschichtliche Existenz Christi, des Erlösers, sein Dasein auf Erden und seine wundervollen Thaten zu läugnen, so tritt jetzt in den Katakomben das gesammte Leben, Lehren und Wirken Christi und seiner Kirche wie eine glänzende Gemäldegallerie aus den ersten Jahrhunderten vor die Augen eines ungläubigen Geschlechtes und es erheben nicht blos die ersten Christen über der Erde, die den Beginn der Katakomben noch geschaut, sondern auch die Todten, welche in ihren Grüften seit Jahrhunderten im Frieden schlafen, ihre Stimme, um die frivolen Angriffe dieses Unglaubens zurückzuweisen.

Und wenn der Irrglaube, wie er sich besonders im Protestantismus kundgibt, viele wichtige Lehren und Gebräuche der Kirche als nicht von Christus herrührend und den ersten Christen unbekannt, läugnet, so sind die Grabinschriften und Bildwerke der Katakomben aus der ersten Zeit der Kirche eine solch handgreifliche Widerlegung, dass einer der besondern Verfechter des Irrthums nach einem Besuche der Katakomben ausrief: "Ich sehe, der katholische Aberglaube geht bis in die Katakomben zurück", und ein anderer seinen Glaubensgenossen den Rath gab, die Katakomben nicht zu besuchen, um nicht beunruhiget zu werden! --

Höchst beklagenswerth ist die Gleichgiltigkeit einer großen Anzahl Katholiken, besonders aus den gebildeten Ständen, gegen ihre heilige Religion, in der sie doch geboren und erzogen worden. Diese Gleichgiltigkeit erhält aus der Tiefe der Katakomben ihre verdiente Strafpredigt durch die lautsprechenden Beweise der Frömmigkeit, ja Heiligkeit der ersten Christen, ihres Starkmuthes, ihrer Opferwilligkeit und Anhänglichkeit an die Vorsteher der Kirche und zwar nicht blos der Armen und Unwissenden, sondern auch der Reichen, Vornehmen, Hochgestellten und Gelehrten. Daher ist die Behauptung, als ob die ersten Christen nur ein Haufe armer, unwissender, niedriger Leute gewesen sei, durch die Katakomben hinfällig geworden. Denn de Rossi, von dem ein gelehrter Alterthumsforscher sagt (Martigny), dass man auf jedes Wort, das er schreibt, sich unbedingt verlassen könne, hat nachgewiesen, dass die meisten areae oder Begräbnißstätten (Cömeterien) eine Stiftung reicher, vornehmer, neubekehrter Geschlechter waren, welche auf ihren Landgütern die ersten Todtengrüfte anlegten, und ihre Grabkammern (cubicula) mit Bildern von klassischer Kunst schmücken ließen, daher auch die Beschuldigung von dem Kunsthaß der ersten Christen in das Reich der Fabeln gehört.

Abgesehen nun von diesem hohen geschichtlichen und künstlerischen Werthe der Katakomben, dienen dieselben wie kein anderes Mittel zur Stärkung des Glaubens, zur Belebung des Vertrauens, der Liebe und Anhänglichkeit an die Kirche, die, wie sie einst viele ihrer Tage in Trauer und Schmerz im Dunkel der Katakomben hinbringen mußte, aber nach einem dreihundertjährigen blutigen Kampfe mit den Mächtigen dieser Erde aus der Nacht der Katakomben zum Lichte triumphirend emporstieg, so auch in unsern Tagen der Bedrückung und Verfolgung von Seite irdischer Machthaber über ihre Feinde triumphiren wird.

Deßhalb nun diese Schrift zum Troste und zur Belehrung für Gläubige und Ungläubige. -- Dem Verfasser war kein Buch von gleicher Tendenz bekannt, noch fand er eine Vorarbeit ähnlicher Art, um sie benützen zu können, auch gestattete ihm sein hohes Alter nicht, nach Rom zu wallen, um dort die Katakomben zu besuchen und an Ort und Stelle seine Studien zu machen, aber er hat mit regstem Fleiße die Schriften jener gelehrten Männer durchsucht: eines de Rossi, Boldetti, Aringhi, Martigny, Northcote, Dr. Kraus, Becker etc., welche sich die Erforschung der Katakomben zur besondern Aufgabe gemacht und das Resultat ihrer Forschungen mit größter Treue in Wort und Bild bekannt gegeben haben. Zugleich hat er die Schriften der ersten Väter und Lehrer der Kirche befragt, welche das Glaubensleben der ersten Christen so lebhaft schildern und über die sinnbildlichen Darstellungen und Bildwerke der Katakomben erst volles Licht verbreiten; er hat die Akten der heiligen Martyrer durchlesen, welche die Göttlichkeit des Christenthumes mit ihrem Blute bezeugten, und hat zu seiner Freude gefunden, dass die ersten Christen sowohl über als unter der Erde das Nämliche geglaubt, gehofft und geliebt haben, was die römisch-katholische Kirche noch heute glaubt, hofft und liebt, und sowie er daraus Vermehrung seines Glaubens, Stärkung seiner Hoffnung und Nahrung für seine Liebe geschöpft, so hofft und wünscht er herzlich, dass die gläubigen Leser dieses Buches dasselbe aus seinem Inhalte schöpfen, die Gegner der Kirche aber erkennen möchten, dass das Christenthum eine unläugbare geschichtliche Thatsache, Gottes eignes Werk ist. --

Schließlich erklärt der Verfasser, dass er dieses Buch, wie alle seine Bücher, nur für das Volk, nicht für Gelehrte geschrieben hat und den ganzen Inhalt desselben dem Urtheile der Kirche unterwirft.

Abensberg, am Tage der hl. Cäcilia, 1876.

Georg Ott,
Stadtpfarrer und Dekan.

Nachschrift.

Ueber der Herbeischaffung des nöthigen Bilderschmucks verflossen mehr als 2 Jahre. Inzwischen trat das welterschütternde Ereigniß des Todes unsers vielgeliebten heiligen Vaters, Pius IX., ein, dessen Bild in einem Buche nicht fehlen darf, das den größten Theil seiner Illustrationen den durch die Munificenz dieses großen Papstes allein möglichen großartigen neueren Entdeckungen und Erforschungen der Katakomben verdankt. Ebenso ermöglichte es gerade diese Verzögerung der Veröffentlichung, die neuesten wichtigen Ausgrabungen der unteridischen Crypta im Coemeterium Ostrianum, in welcher der heil. Apostel Petrus taufte, als Anhang, in Wort und Bild getreu geschildert, beizugeben. Endlich sollte einem Werke, das in so hervorragender Weise zur Stärkung im Glauben für jeden Katholiken bestimmt ist, auch das möglichst getreue Bild unseres gegenwärtigen heiligen Vaters, Papst Leo XIII., nicht fehlen und ist es durch die Verspätung der Ausgabe desselben gelungen, sein gut getroffenes Porträt in reichem xylographischen Farbendruck zu erwerben und durch dessen Beigabe der Liebe des katholischen Volkes und seiner treuen Anhänglichkeit an den Päpstlichen Stuhl neue Nahrung zu geben.

Das dem Buche vorgedruckte reiche xylographische Titelblatt ist den schönen Fresken von Fracassini in der Basilika des heil. Laurentius in Rom entnommen, und stellen dessen Hauptscenen die Weihe des heiligen Diakons durch Sixtus II. in den Katakomben, seine grausame Marter auf glühendem Roste und die Uebertragung seines Leichnams in das Coemeterium der heil. Cyriaka dar, während sich an den Seiten kleinere passende Bilder aus den Coemeterien Rom's befinden.

Regensburg, im Sommer 1878.

Der Verleger.


Rom und die Römer
zur Zeit der ersten Christen.

Kein Ort der Welt ist geeigneter, das Glaubensleben der ersten Christen, ihre Hoffnung und ihre Liebe kennen zu lernen als Rom, die ewige Stadt, die Stadt, "welche zugleich das Höchste der Zeit und der Ewigkeit in sich enthält".

Zur Zeit, als das Christenthum seine ersten Strahlen über diese Stadt ergoß, war sie zu einer Großartigkeit herangewachsen, die alle Begriffe übersteigt. -- Mehr als zwei Millionen Menschen zählte sie inner ihren Mauern. Von ihrer Mitte, "der goldenen Meilensäule" des Forums aus, führten 28 mit breiten Steinplatten belegte Strassen in die fernsten Provinzen des Reiches. Alle Schätze der damals bekannten Welt flossen in ihr zusammen. Nichts glich der unerhörten Pracht ihrer Paläste und Tempel. Von den erstern zählt sie beinahe 2000, von den letzern mehr als 400, in welchen alle Götter der Welt angebetet und verehrt wurden. Die Stadt war stolz darauf, mehr als 3000 Gottheiten zu besitzen, deren Zahl immerfort sich vermehrte. Vom Kaiser Augustus angefangen, betrachteten sich alle Beherrscher des Reichs als die höchsten Priester (pontifices maximi) dieser Gottheiten, ja die größten Scheusale unter ihnen verlangten sogar bei Lebzeiten göttliche Ehre. Der wahre Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, war weder erkannt noch verehrt.

Was nur immer den Sinnen schmeichelte, was nur immer der Weichlichkeit fröhnte, was nur immer die Genußsucht förderte und der Wollust diente, war in dieser Stadt zu finden und zum Genuße geboten. Wohin immer das Auge blickte, sah es Gegenstände unbeschreiblicher Pracht, bewundernswerther Kunst, aber auch Dinge, vor denen jegliche Tugend erröthet. -- Unzählige Statuen von Marmor, von Bronze und vergoldetem Kupfer erglänzten im Sonnenlichte. Circus von unerhörter Größe vergnügten die Römer mit Spielen aller Art; mehr als 800 Bäder mit Säulengängen und Lustgärten dienten dem weichlichen Leben der römischen Bürger und Frauen. In der That war Rom die Stadt der Welt, an Reichthum, Pracht und Herrlichkeit kam ihr nichts mehr gleich.

Aber "hinter all diesem Glanze lauerte das tiefste Elend, die größte menschliche Verkommenheit, die entsetzlichste Verwilderung des Gemüthes. Dem allgemeinen Sittenverderbniß konnte der Dienst, den man den Göttern widmete, nicht abhelfen." "Gab es doch keine Schandthat, welche nicht im Beispiel der Götter seine Rechtfertigung fand." Hatten ja die Diebe, die Betrüger ihre eigene Gottheit!! Man brachte den Göttern Opfer und Gebete dar, aber nicht um Weisheit und Tugend zu erlangen, sondern um Glück und Wohlstand oder das Gelingen irgend eines, nicht selten frevelhaften Unternehmens. Wahrsagerei, Zeichendeuterei, Zauberei, kurz Lug und Trug war mit diesem Götzendienst verbunden!! Weil eine solche Religion dem eingerissenen Sittenverderbniß noch Vorschub leistete, wandte sich der denkende Römer von derselben hinweg, aber nur, um den Ungereimtheiten, dem Zweifel der sogenannten Philosophen oder Weltweisen Gehör zu geben, die meistens die Wahrheit verdunkelten, auf die wichtigsten Fragen des menschlichen Herzens keine Antwort zu geben wußten und selbst das Beispiel eines verkommenen Lebens gaben. --

So kam es, dass die Selbstsucht der Beweggrund aller Handlungen des Römers wurde, dass seine Habsucht, sein Ehrgeiz, seine Genußsucht alle Schranken durchbrach. -- Wer nicht römischer Bürger war, war kein Mensch, ein Barbar, nur geschaffen, um zu dienen und zu gehorchen. Vermögen galt als Tugend, der Stolz als Seelengröße, die Demuth kannte man nicht einmal dem Namen nach!

Die Ehe war aller religiösen Weihe entkleidet; sie war kein Bund der Herzen. Ehrgeiz, Laune, Habsucht, rohe Lust schlossen sie. -- Ehliche Treue war fast unbekannt geworden. Des Kaisers Claudius Gattin, Messalina, verlobte sich bei Lebzeiten desselben öffentlich und feierlich mit einem jungen römischen Bürger, ohne dass dies beanstandet wurde. --

Die Frau stand ganz unter der Gewalt des Mannes; sie war nur Gegenstand seiner Gelüste. Weil herabgesunken von ihrer Würde kannte die römische Frau keine Gottesfurcht, keine Keuschheit mehr. Ehebruch und Ehescheidung waren an der Tagesordnung. Vergebens gebot unter Kaiser Augustus ein Gesetz den Männern, sich zu verehelichen. Aus Eckel an dem Weibe entehrte sich der Mann.

Das Kind war Eigenthum des Vaters; er konnte schalten mit ihm, wie er wollte. Wurde es geboren, legte man es zu seinen Füßen; hob er es auf, durfte es leben und ward erzogen; ließ er es liegen, so ward es ausgesetzt, in's Wasser geworfen oder im Walde den wilden Thieren überlassen. Die Erziehung des Kindes besorgten nicht die Eltern, sondern Sklaven. Diese entwürdigten Menschen konnten dem Kinde keinen Seelenadel, keine Tugend beibringen.

Der Arme war ohne Hülfe, ohne Trost. Bei den Römern war Armuth Schande. Wurde ein Armer krank, oder war er gebrechlich, so blieb er seinem Elende erbarmungslos preisgegeben; man hielt es für ein Verbrechen, sein Schicksal zu erleichtern. Unter Kaiser Claudius belud man drei Schiffe mit solchen Unglücklichen und versenkte sie dann in's Meer!!

Nur Sklaven arbeiteten; der römische Bürger glaubte sich durch Arbeit entehrt. Der Sklave war vollkommenes Eigenthum des Herrn; er war nur eine Sache, nach Geld geschätzt. Der Herr hatte das Recht über sein Leben; er konnte ihn peitschen, entehren, tödten, ohne Bestrafung zu fürchten. Er war nur das Lastthier des Römers und als solches geduldet. Ward ein Sklave krank oder alt, so ließ man ihn liegen oder schlug ihn todt. In Rom gab es mehr als eine Millione Sklaven; auch die Kriegsgefangenen zählten zu ihnen. Den Launen ihrer Herrn und Frauen preisgegeben, war oft ihr Leben nichts als eine lange Marter, die nur der Tod endete, und oft was für ein Tod?!! Sie mußten sich zur Augenweide des blutdürstigen Römervolkes als Gladiatoren im Amphitheater gegenseitig bekämpfen und erwürgen; denn am liebsten sah der Römer Menschen im blutigen Kampfe miteinander oder im Kampfe mit Elephanten, Löwen, Bären getödtet, zerfleischt, zerrissen werden. Oft an einem einzigen Tage erwürgten sich gegenseitig hundert oder fielen unter den Tatzen und Zähnen wilder Thiere!!!

Mitleid kannte der Römer nicht mehr; am liebsten sah er Menschenblut fließen. Je mehr Blut, desto lauter sein Jubel. Selbst sein üppiges, mit den kostbarsten Leckerbissen aus allen Ländern der Welt besetztes Mahl genoß der Römer nicht ohne Anblick von Wunden und Blut. Während er auf schwellendem Polster den köstlichsten Wein schlürfte, Pfauenzungen und mit Menschenfleisch gemästete Fische speiste und Wohlgerüche das von Gold und Marmor schimmernde Gemach erfüllten, mußten arme Sklaven nackt, nur mit einem kurzen Schwert bewaffnet, bis aufs Blut kämpfen und sich erwürgen!!

Den Greuel des Verderbens, der damals in Rom herrschte, noch weiter zu schildern, sträubt sich die Feder. Rom war, wie der Evangelist Johannes in seiner geheimen Offenbarung schreibt: "das große Babylon, die Mutter der Hurerei und des Greuels auf Erden (17, 5), das Weib bedeckt mit Gold, Edelsteinen und Perlen, den Becher in der Hand, voll Greuel, Unreinigkeit und Hurerei" (17, 4).

 

Der Beginn des Christenthums in Rom.

Es war im Jahre 42 nach Christi Geburt, zur Zeit, als Claudius römischer Kaiser war, da schritt ein Mann der Stadt Rom zu, dem man es ansah, dass er ein Fremder sei. Zu Ostia war er ans Land gestiegen, und nun ermüdet von der Reise setzte er sich beim Schiffsthore, Navalia genannt, auf einen Markstein, um einige Zeit auszuruhen. Das Alter hatte bereits in des Mannes Antlitz tiefe Furchen gegraben, sein Haar und Bart waren kaus, seine Augen von Thränen feucht, er war gehüllt in ein blaues Oberkleid und einen gelben Mantel (In solcher Gestalt und Kleidung stellen den Apostel Petrus seit Jahrhunderten die Maler dar.), an seinen Füßen hatte er ärmliche Sandalen gebunden. Sich besinnend, wohin er sich in der großen Stadt wenden solle, schweift sein Blick über die zahllosen Gebäude, die im Glanze der Morgensonne vor ihm lagen. Hoch über die Paläste und Circus ragte das Kapitol empor, gekrönt mit der Burg und dem Tempel des Jupiter, das größte Heiligthum des heidnischen Roms. Während der Fremdling so sinnend dasitzt, naht sich ihm ein Römer, der ihn schon längere Zeit neugierig betrachtet hatte und knüpft mit ihm folgendes Gespräch an: (Nach Gerbet: Skizze des christl. Roms.)

Römer. Fremdling! dürfte ich wohl wissen, welches Geschäft dich nach Rom führt; ich wäre wohl im Stande, dir einen Dienst zu erweisen.

Der Fremdling. Ich komme, um hier den unbekannten Gott zu verkünden und seine Verehrung für die der Götter einzuführen.

Der Römer. Wirklich? Sieh' doch, wie ganz neu mir die Sache ist! Ich habe wohl Lust, dies sogleich meinen Freunden zu hinterbringen. Laß uns aber, wenn es dir beliebt, noch ein wenig davon reden. Doch vorerst sage mir, woher du kommst, und was du für ein Landsmann bist?

Der Fremdling. Ich gehöre zu jenen Menschen, die ihr hasset, die ihr verabscheut, und die ihr nur duldet. Meine Landsleute wohnen, wie man mir sagte, nicht weit von hier, ich bin ein Jude!

Der Römer. Aber du bekleidest wohl eine hohe Würde bei deinem Volke?

Der Fremdling. Siehe dort in der Nähe am Ufer des Flußes die armen Fischer. Ich bin von demselben Stande. Ich habe einen guten Theil meines Lebens zugebracht, um in einem See meines Landes Fische zu fangen und Netze zu stricken, um meinen Lebensunterhalt zu gewinnen. Ich habe weder Gold noch Silber.

Der Römer. Und seit wann hast du diesen Stand verlassen? Du hast dich ohne Zweifel dem Studium der Weltweisheit hingegeben, hast die Schulen der Gelehrten besucht und hältst viel auf deine Wissenschaft und Beredsamkeit?

Der Fremdling. Ich bin ohne alle wissenschaftliche Bildung.

Der Römer. Bisher bemerke ich nichts an dir, was deinem Unternehmen, den unbekannten Gott zu verkünden, förderlich sein und seine Verehrung empfehlen könnte.

Der Fremdling: Der Gott, den ich verkünde, hat die schimpflichste Todesart am Kreuze zwischen zwei Missethätern erlitten.

Der Römer. Was willst du aber von diesem unbekannten Gott verkünden?

Der Fremdling: Eine Lehre, welche dem hochmüthigen und sinnlichen Menschen Thorheit ist und welche alle diese Götzen und ihre Laster, denen diese Stadt Tempel gebaut, vernichtet.

Römer. Wie? Du willst diese Lehre in Rom verkünden und etwa auch in anderen Ländern?

Der Fremdling. In der ganzen Welt.

Der Römer. Und das für lange Zeit?

Der Fremdling. Für ewige Zeiten.

Der Römer: Beim Jupiter! Dein Unternehmen ist kühn und nicht ohne große Gefahr. Ich glaube, du brauchst schon für den Anfang einen Beschützer, um deinen Plan auszuführen. Doch sage mir, wie kannst du dir einbilden, dass du die Kaiser, die Reichen, die Gelehrten zu deinen Freunden zählen wirst?

Der Fremdling. Zu den Reichen werde ich sagen, sie sollen ihrer Schätze zu Gunsten der Armen sich entledigen, die Gelehrten werde ich mit ihrer Wissenschaft unter das Joch des Glaubens beugen, den Kaisern werde ich ihre höchste Priesterwürde abnehmen!

Der Römer. Wie willst du das zuwegebringen? Du kannst leicht einsehen, dass man, statt dir beizustimmen, sich mit aller Macht widersetzen wird!

Der Fremdling. Ich werde den Tod erleiden.

Römer. Das ist in der That das Wahrscheinlichste, was du mir sagst. Ich danke dir Fremdling, du hast mich gut unterhalten. Doch sage mir noch, ehe ich hingehe, um meinen Freunden von dir zu erzählen, wie heißest du?

Der Fremdling. Ich heiße Petrus, zuvor nannte man mich Simon, des Jonas Sohn!

Und wirklich war es Petrus, der geliebte Apostel des Herrn, der zum Erstenmal Roms Strassen betrat,

dass Petrus um diese Zeit die Kirche Roms gegründet, ist eine unleugbare geschichtliche Thatsache. Als Paulus seinen Brief an die Römer schrieb, fand sich dort schon eine wohlgeordnete Christengemeinde, "deren Glaube in der ganzen Welt verkündet wird, deren Gehorsam der ganzen Welt bekannt ist." Wer hat nun diese Christengemeinde gestiftet? Niemand anderer als Petrus. Die allgemeine und besondere Ueberlieferung nennt ihn als Stifter und ersten Ordner dieser Kirche. Petrus selbst bezeugt es in seinem ersten Briefe, welchen er von Babylon aus schrieb, unter Babylon verstand aber die alte Kirche immer Rom, wie der Apostelschüler Papias bezeugt. Dionysius von Korinth und Irenäus bezeichnen schon im zweiten Jahrhundert Petrus, der den Grund der römischen Gemeinde gelegt hat, und der Martyrer Ignatius, ein Schüler des Apostels Johannes, nennt deßhalb die römische Kirche: "Vorsteherin des Liebesbundes". Uebrigens stößt man in Rom sowohl über als unter der Erde fast bei jedem Schritt auf Petrus, das Haupt der Kirche. In Rom lehrte er, in Rom taufte, in Rom regierte er und starb er am Kreuze wie sein göttlicher Meister. Dies bezeugt das einstimmige Zeugniß der ganzen alten Kirche. Nie hat eine andere Stadt außer Rom jemals den Anspruch erhoben, dass in ihr dieser heilige Apostel gestorben sei. "Ich kann", schreibt ein römischer Christ, Cajus, um das Jahr 200, "auf dem Vatikan und auf dem Wege nach Ostia die Denkmäler der Apostel (Petrus und Paulus) zeigen, welche diese Kirche gegründet haben." Merkwürdig ist auch, dass alle Ketzer des Morgen- und Abendlandes zwar sich gegen die Lehre der Kirche Rom's empört, aber nie geläugnet haben, dass Petrus diese Kirche gegründet hat.

mit dem Entschluße, des Satans Reich hier in seinem Mittelpunkte anzugreifen, seine Tempel zu zerstören und auf ihren Trümmern das Zeichen der Erlösung, das Kreuz, aufzurichten.

Er hatte bereits zu Jerusalem und in mehreren Provinzen Kleinasiens Juden und Heiden das Evangelium verkündet und überall Christengemeinden gebildet. In der Stadt Antiochia schlug er zuerst seinen Bischofsstuhl auf (Das Andenken daran feiert die Kirche alljährlich am 22. Februar unter dem Namen "Petri Stuhlfeier".) Nach sieben Jahren rastloser Thätigkeit bestimmte er den Evodius als seinen Nachfolger, und schiffte sich dann nach Italien ein. -- Rom war das Ziel seiner Reise. Nicht Jerusalem, wo der Gottesmord geschehen, und das starre Judenthum mit größter Zähigkeit am Alten hing, während bereits die Tage der Wiedergeburt der Menschheit durch das Christenthum begonnen hatten, war von der Vorsehung ausersehen, der Mittelpunkt der großen, Welt umfassenden, christlichen Gesellschaft zu werden, sondern Rom, die Stadt der Welt.

Am Fuße der goldnen Meilensäule (Milliarium aureum) (Auf dieser Säule war die Entfernung der Stadt von allen Endpunkten der römischen Strassen verzeichnet.) liefen alle Hauptstrassen der Welt zusammen, auf welchen die römischen Legionen hinauszogen, um die Völker der Erde dem römischen Adler zu unterwerfen und auf den nämlichen Strassen sollten die Apostel des Glaubens in alle Welt hinausziehen, um die nämlichen Völker unter das sanfte Joch des Kreuzes zu beugen. Rom war der Heerd jeglicher Unsitte, der Mittelpunkt der Laster; das Christenthum war aber bestimmt, die verdorbene Welt zu regeneriren und darum war es passend, den Mittelpunkt, von dem die Wiedergeburt ausgehen sollte, an den Ort zu verlegen, wo der Heerd des Verderbens sich befand. Rom war endlich die fruchtbare Mutter des scheuslichen Götzendienstes, alle Götzen der unterjochten Völker nahm diese Stadt in sich auf und nöthigte sie hinwiederum den unterworfenen Völkern auf. Darum mußte auch von da aus, wo Lüge und Trug in alle Welt ausging, das Licht der Erkenntniß des Einen wahren persönlichen Gottes und die geoffenbarte Wahrheit in die Welt sich ergießen. Daher lenkte denn auch die heilige Vorsehung die Schritte des Apostels Petrus in diese Stadt.

Hier angekommen, wandte er sich zuerst an seine Landsleute, die Juden, welche schon vor der Geburt des Heilandes das rechte Ufer der Tiber oder die Transtiberinische Region bewohnten. Nachdem er viele derselben dem Herrn gewonnen, wandte er sich auch an die Heiden. Der Erste, welcher ihn gastlich in sein Haus aufnahm, war der Senator Pudens, ein edler Römer, welcher am Fuße des esquilinischen Hügels ausgedehnte Besitzungen hatte. Dieser vornehme Bürger wurde von den salbungsvollen Worten des Apostels so ergriffen, dass er mit seiner Mutter Priscilla, seinen Söhnen Timotheus und Novatus und seinen Töchtern Pudentiana und Praxedis dem Götzendienste entsagte und sich taufen ließ. Er errichtete auch in seinem Palaste ein Oratorium für die Feier der heiligen Geheimnisse. Das Haus des Pudens wird das Vorbild eines jeden christlichen Hauses; die Familie wird eine Familie von Heiligen, der Reichthum wird mit den Armen getheilt, die Thüre des Hauses steht armen Fremdlingen offen, in den Räumen des Hauses, in welchem heiliger Friede herrscht, vernimmt man nur mehr das Lob Gottes. Dieses Haus bildete mit seinem kleinen Oratorium die erste Kathedralkirche Rom's, wo der heilige Petrus Bischöfe weihte und sie als Glaubensboten aussendete. Hier versammelten sich jene ersten, eifrigen heiligen Christen um das erste Oberhaupt der Kirche, um den hl. Petrus, der hier lehrte, taufte, die heiligen Geheimnisse feierte und ausspendete. Hier weilte später mit dem hl. Petrus auch der hl. Paulus. Hier begruben die hl. Töchter des Hauses Pudentiana und Praxedis 3000 Leiber der Martyrer, die sie zur Zeit der blutigen Verfolgung mit ihren Gehilfen auf den Richtstätten aufsuchten und deren Blut sie mit Schwämmen sammelten und hieher brachten. Hier in diesem Hause übten die Nachfolger des hl. Petrus, die ersten hl. Päpste, ihr heiliges Amt aus. Hier feierte Pius I. (142 n. Chr.) die hl. Geheimnisse, hier taufte er Viele, und dieses Haus des Pudens war es, welches derselbe Papst auf Bitten der hl. Praxedis, nach dem Tode ihres Vaters und ihrer Geschwisterte, zu einer förmlichen Kirche einweihte, der er seinen Bruder, den hl. Pastor als Priester vorsetzte, woher sie auch den Namen (Titel) des Pastors erhielt, bis der Name S. Pudenziana bleibend wurde.

Das alte Oratorium wurde 1803 niedergerissen und an seine Stelle eine prachtvolle Kapelle gebaut. Bei dieser Gelegenheit fand man fünf hl. Leiber mit einem vom Blute gerötheten Schwamme. Links vom Hochaltar ist die Kapelle und der Altar, nach der Ueberlieferung an der Stelle, wo der hl. Petrus das hl. Opfer darbrachte. (Siehe Abbildung auf Seite 7.) Ein Theil des Tisches, der dem Apostel zum Altare diente, ist in demselben eingeschlossen, den anderen Theil ließ Papst Sylvester in die Kirche des Laterans übertragen.

 

Die Ausbreitung des Christentums in Rom.

Des hl. Apostels Petrus Predigt aus einem Herzen voll lebendigen Glaubens und heißer Liebe zu Jesus hatte in der Hauptstadt der Welt gleichen Erfolg wie zu Jerusalem und Antiochia. Sein Wort fand Eingang selbst bei den höchsten Familien. Flavius Klemens, Bruder des Kaisers Vespasian und römischer Konsul, wurde ein Schüler des hl. Petrus und starb unter Kaiser Domitian für Christus den Martertod. Seine Gemahlin, Domitilla, ebenfalls mit der kaiserlichen Familie der Flavier verwandt, wurde auf die Insel Pandataria verbannt. Eine andere Domitilla, Schwestertochter des Martyrers und Konsuls Flavius Klemens, hatte auf ihrem Landgute an der adreatinischen Strasse eine Familiengruft für die Flavier, ihre Verwandten, erbaut, und wurde, weil sie dem Verlangen des Kaisers, sich zu verehlichen, kein Gehör gab, auf die Insel Ponzia verbannt. Diese beiden Domitilla waren Schülerinnen des hl. Petrus. Eine geistliche Tochter des Apostelfürsten war auch die hl. Petronilla, ebenfalls aus dem Geschlechte der Flavier.

Von Tag zu Tag mehrte sich nun der Kreis der Jünger des Apostelfürsten. -- Die Bessern unter den heiden fandenn nirgends Befriedigung für ihr Herz. Sie sehnten sich ungemein nacheinerfesten Lehre, welche ihnen Aufschluß über ihre Bestimmung und überdenZustand nach dem Tode gewähre. Der Götzendienst mit seinen Ausschweifungeneckelte sie an, sie verlangten nach einem Vorbilde menshclicherTugenden, dem sie nachfolgen konnten, und fandendies Alles in der Lehre des Gekreuzigten und in seinem und seiner Anhänge Beispiel. Sie bewunderten an den Christen, mit denen sie bekannt wurden, den standhaften glauben, für den sie sogar zu sterben immer bereit waren, den hohen Adel der Gesinnung, der jedes Gemeine und Niedrige verschmähte; die größte Entsagung, die bereit war, für Gott Alles hinzugeben; die ungeheuchelte Bruderliebe, die auch den ärmsten und elendesten Skalven umfaßte, die keine Rache, sondern nur Vergebung kannte und selbst demFeinde und Verfolger noch Gutes that; eine Demuth, die jedes Lob und jeden Ruhm floh, und eine innere Ruhe und Zufriedenheit, die nur in einem reinen Gewissen ihre Wurzel haben konnte.

Durch dieses schöne Beispiel der Christen sahen sich die Heiden zu Dem hingezogen, Der dieses in jenen hervorbrachte, die an Ihn glaubten und treu Seine Lehre befolgten, -- zu jesus, unserm göttlichen Heilande! -- Immer größer wurde die Zahl der Vhristen und so konnte der Apostel Paulus in seinem Briefe an die Römer, den er 58 Jahre nach Christi Geburt schrieb, sagen: "Euer Glaube wird in der ganzen Weltverkündet, und euer Gehorsam ist aller Orten bekannt worden." --

Auch aus den Juden zu Rom war schon eine bedeutende Zahl zum Christenthum bekehrt. Diese aber wurden von jenen Juden, die verstockt blieben, sehr beunruhiget undverfolgt; es entstand ein Tumult und Kaiser Klaudius ließ 49 n. Chr. alle Juden aus Rom vertreiben. Auch Pewtrus verließ Rom und kehrt in das Morgenland zurück. -- Im Jahre 51 - 52 war er auf dem Concil zu jerusalem, welches die Apsotel hielten, um die Streitigkeiten zwischen Heiden- und Judenchristen über die Verbindlichkeit desmasaischen Gesetzes zu entscheiden. Nach Beendigungdes Concils hielt sich Pwetrus noch einige Zeit in Jerusalem, und nachher in Antiochia auf und kehrte dann mmit seinem geliebten Jünger Markus nach Rom zurück.

Mit erneutem Eifer verwaltete der hl. Apostel sein heiliges Amt. Ihm zurSeite standder hl. markus, der nach dem einstimmigen Zeugnisse des christlichen Alterthums auf Bitten derChristen Rom's die Predigten und Vorträge des hl. Apostels überdas Leben und die Thaten Jesu in seinem Evangelium aufzeichnete. --

Die römischeChristengemeinde stand in schönster Blüthe, als auch der hl. Apostel Paulus nach Rom kam. Es war schon lange sein Wunsch gewesen, die Christen daselbst zu sehen und ihnen dieSchätzeder Gaben mitzutheilen zu deren Ausspedner und Diener ihn Gott gemachthatte. Er hatte gehofft, in aller Freiheit sie zu begrüßen, allein seine Hoffnung ging nichtin Erfüllung. Nach seiner dritten Missionsreise gerieth er zu Jerusalem in Gefangenschaft. Um ihn der Wuth des aufgereizten, jüdischen Pöbels zu entreißen, ward ernach Cäsarea in die Residenz des römischen Prokurators Felix gebracht und hierzwei Jahre (58 - 60) in Gefangenschaft gehalten. -- Bei seiner Ablösung durch Festus ließ Prokurator Felix den Apostel als Gefangenen zurück und da nun Paulus gegen die auf seine Verurtheilung dringenden Juden an den Kaiser appellirte, wurde er in Ketten nach Rom abgeführt.

Hier langte er im Frühlinge des jahres 61 an. Römische Christen waren ihm entgegengegangen, um ihn zu begrüßen. Zu Rom wurde ihm von dem Befehlshaber der Prätorianer (Kaiserliche Leibwache.), Burrus Afranus, gestattet, mit den ihn bewachenden Soldaten eine Privatwohnung zu miethen. Er durfte da alle, die ihn besuchten, empfangen, und mit allen überdas Heil, welches in Christo Jesu erschienen ist, sprechen, woher es kam, dass seine Gefangenschaft gerade dazu beitrug, dass die Kenntniß der Lehre Jesu in noch weitere Kreise drang, und beidem Wechsel der Wache haltenden Soldatender Name Jesu im ganzen Prätorium (Das Lager der kaiserlichen Leibwache.), ja selbst im Palaste des Kaisers Glauben und Verehrung fand.

Hier in seiner Wohnung besuchte ihn oftder hl. Petrus; hier weilte auch sein Schüler und getreuer Gefährte Lucas; hier schrieb er seine Briefe an die Ephesier, Kolosseru nd Philipper, hier schrieb er auch seinen rührenden Brief an Philemon, einen frommen, angesehenen Bürger zu Kolossä, und batihn, er möge seinen Sklaven Onesimus , der ihm entlaufen und nach Rom gekommen war, wo ihn der Apostel bekehrte, wieder aufnehmen und ihm verzeihen. (Apostelgesch. 28, 31 und 32.) Hier, obwohl gefangen, predigte er ununterbrochen Juden und Heiden und seine hinreißende Beredsamkeit und die Gnade des hl. Geistes, welche seine Worte begleitete, gewann immer mehr Seelen dem Christenthum. Nach zwei Jahren wurde er ausder Gefangenschaft entlassen. Er ging nun anch Spanien und besuchte dann die Christengemeinden zu Ephesus, der er den Timotheus und zu Kreta, der er den Titus als Bischof vorsetzte.

An dem Orte, wo der hl. Apostel gewohnt hatte, steht jetzt die Kirche S. Maria in vialata. -- Die ersten Christen errichteten hier ein Oratorium, welches später unter den Ruinen benachbarter Häuser begraben wurde. Gegenwärtig steigt man auf Stufen hinab an den Ort, den Paulus bewohnte. Hier steht ein kleiner marmoraltar, auf welchem der hl. Papst Gregor der Große (+ 604) einst das hl. Meßopfer feierte. Im Boden wird ein Brunnen gezeigt, dessen klarese Wasser auf das Gebet des Apsotels hervorsprudelte, als er den Gefangenenwärter Martialis taufen wollte. In der Kirche selbst, welche sich über dem ehemaligen Oratorium erhebt, befindet sich auf dem Hochaltar das Bild der Gottesmutter, welches der hl. Lukas gemalt haben soll.

Nach Entfernung des Apostels Paulus leitete der hl. petrus die Kirche Rom's unermüdet mit sorgsamer Treue fort. Seine Thätigkeit beschränkte sich abern icht blos auf Rom. Er sandte auchseine Schüler in die verschiedenen Gelgenden Italiens, auch nach Galllien, dem heutigen Frankreich, nach Sicilien, Spanien, Afrika etc., um das Evangelium dort zu verkünden und Chriengemeinden zu gründen.

Während dieser Zeit hatte der Apostel viele Kämpfe mit Simon dem Zauberer, dem Vater der Ketzer, zu bestehen. Schon früher war der hl. Apostel mit diesem Gensosen des Satans in Samaria zusammengetroffen, wo er die Gabendes hl. Geistes um Geld kaufen wollte. Petrus aber entgegnete ihm: "Dein Geld wird dir zum Verderben, weil du meintest, die Gabe Golttes zu bekommen um Geld... darum thue Buße überdien Bosheit!" (Apostelgesch. 8, 14-24.) Simon aberblieb verstockt, fiel vom Glauben ab, verführteviele Samaritaner und verbreitete gottlose Lehren. Nun war erauchnach Rom gekommen, um Seelen zu verführen. Doch Petrus widerstand ihm auch hier und machte ihn zu Schanden.

 

Die erste Christenverfolgung.

Bereits war, wie der heidnische Geschichtsschreiber Tacitus meldet, die Christengemeinde "zu einer ungeheueren Menge" herangewachsen, als Kaiser Nero, der dem Klaudius auf dem Throne folgte, die Christen zu verfolgen bekann.

Dieser Kaiser, ein Scheusal der Menschheit, der seine eigene Mutter ermorden, seinen Lehrer tödten ließ, und in viehischer Wollust und allen erdenkbaren Lastern sein Leben zubrachte, verfiel im Jahre 64 auf den wahnsinnigen Gedanken, die Stadt Rom anzuzünden. Die unerhörte Feuersbrunst verzehrte 3 Stadttheile gänzlich, sieben wurden gräßlich verwüstet und nur 4 blieben unbeschädiget. Sechs Tage und sieben Nächte währte der Brand. Vom Palaste des Mecänas aus schaute der grausame Tyrann dem Feuer zu und besang beim Klange der Laute den Untergang Trojas. Er ließ zwar die niedergebrannten Stadttheile wieder prächtig aufbauen und sich selbst einen Palast von unerhörter Pracht, "goldnes Haus" genannt, mit Theatern, Gärten etc. herstellen, allein er konnte sich, bei allen Schmeicheleien gegen das Volk, doch nicht täuschen über die Gefahr, die ihm drohte, da man ihn immer offener beschuldigte, die Stadt angezündet zu haben. Um nun der Wuth des erbitterten Volkes zu entgehen, schob er die Schuld des Brandes auf die Christen. Der heidnische Geschichtsschreiber Tacitus schreibt hierüber: "Um das böse Gerücht von sich abzuwenden, schob Nero Andere unter als schuldig und übte die ausgesuchtesten Strafen an denjenigen, welche das Volk Christen nannte." -- Diese aber waren schon lange den Heiden verhaßt, theils weil sie sich vom Götzendienste und heidnischen Festen ferne hielten, theils weil ihr tugendhaftes Leben die Ausschweifungen der Heiden verdammte.

Man fahndete nun von allen Seiten auf die Christen und hielt sie fest. Mit Ketten beladen mußten sie Spott und Hohn und alle Arten Martern über sich ergehen lassen. Man heftete die einen an's Kreuz, andere hüllte man in Thierfelle und ließ sie von Hunden zerreißen, andere bedeckte man mit in Wachs und Pech getränkte Kleider, band sie an Pfosten, die man an Straßenecken aufpflanzte und zündeter sie an, damit sie während der Nacht als Fackeln dienten. Nero wählte seine Gärten zum Schauplatze dieses blutigen Greuels. -- Als ein Wagenlenker verkleidet sah man ihn beim Scheine dieser schrecklichen Fackeln den Wagen lenken. --

Die noch lebenden Christen sammelten die Ueberreste der so grausam dahingemordeten Brüder und setzten sie in den am vaticanischen Hügel sich befindlichen Höhlen bei. Sie erweiteren nach und nach diese Höhlen und so entstand das vaticanische Cömeterium (Friedhof), welches der hl. Apostel Petrus oft besuchte und wo er selbst später seine Ruhestätte fand.

So lange Nero lebte, hörte die Verfolgung nie gänzlich auf, auch die entfernten Provinzen waren damit bedroht. Petrus blieb in Rom und tröstete die bedrängte Heerde. Im Cömeterium ad Nymphas, auch Ostrianum genannt, stellte er seinen Stuhl auf, hier lehrte und taufte er, und stärkte die Gläubigen. Auch richteteer ein Schreiben an die Christengemeinden in Pontus, Galatien, Kappadocien, Kleinasien und Bythinien, wo er früher Christengemeinden gegründet hatte. In diesem Sendschreiben mahnte er die Gläubigen zu einem heiligen Wandel und zur Geduld in Leiden, unterwies sie über ihr Verhalten in den Verfolgungen, munterte sie auf zur geduldigen Ertragung derselben um des Glaubens willen, erinnerte die Kirchenvorsteher und Untergebenen an ihre gegenseitigen Pflichten und feuerte alle an zur Standhaftigkeit inmitten der Verfolgungen. In diesem Schreiben gibt der hl. Apostel der Stadt Rom wegen der Sittenlosigkeit und Lasterhaftigkeit, die in ihr herrschte, den Namen "Babylon".

Indessen rückte immer näher die Zeit heran, wo in Erfüllung gehen sollten die Worte, welche Jesus am See Tiberias nach seiner Auferstehung zu Petrus sprach: "Wahrlich, wahrlich, sag ich dir, da du jünger warest, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wohin du wolltest: wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein Anderer wird dich gürten, und dich führen, wohin du nicht willst." (Joh. 21,18.) Petrus wußte die Nähe seines Todes, denn in einem zweiten Briefe, welchen er den Gläubigen als Denkmal hinterließ, sagt er: "Ich weiß, dass meine Hütte bald abgebrochen wird, wie mir auch unser Herr Jesus Christus geoffenbart hat." (II. Pet. 1, 14.) In diesem Briefe bezeugt er auch, dass er keine grundlose Lehre geprediget, sondern als Augenzeuge des verherrlichten Lebens Jesu Christi gesprochen habe, warnt vor falschen Lehrern, welche Ketzereien des Verderbens einführen werden und mahnt, in einem heiligen Wandel der Wiederkunft Christi entgegen zu harren.

Als Petrus seinen zweiten Brief schrieb, war Paulus bereits wieder nach Rom zurückgekehrt. Er hatte die Vorsicht gebraucht, in einem sehr abgelegenen Theile der Stadt, jetzt die Kirche S. Paolo alla Regola, fürher "Die Schule des hl. Paulus" genannt, die Gläubigen zu unterrichten, zu trösten und zu stärken. Trotz der Verfolgung gelang es ihm, die Konkubine des Kaisers Nero zu bekehren und dessen Oberschenk für Christus zu gewinnen. - Doch auch Paulus ahnte seinen Tod. In seinem letzten Brief an seinen geliebten Jünger Timotheus sagte auch er seien nahen Martertod voraus. "Ich werde jetzt geopfert", schreibt er, "und die Zeit meiner Auflösung ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt; im Uebrigen ist mir die Krone aufbewahrt, welche mir an jenem Tage geben wird der gerechte Richter, nicht allein aber mir, sondern auch allen, die seine Wiederkunft lieb haben." (II. Tim. 4,6-8.)

Mittlerweile griff die Verfolgung immer weiter um sich. Kaiser Nero, wüthend über die Bekehrungen an seinem Hofe, beschloß, die ganze christliche Gemeinde zu vertilgen. Die Christen, welche Kunde erhalten hatten, dass man bereits nach Petrus suche, drangen mit Bitten und Thränen in ihn, sich durch die Flucht der Rache des Tyrannen zu entziehen. Lange weigerte er sich, konnte aber dem Bitten und Flehen nicht widerstehen, und sich erinnernd an die Worte seines Meisters: "Wenn sie euch in einer Stadt verfolgen, fliehet in eine andere"; begab er sich auf die Flucht (* nach der Erzählung des hl. Ambrosius) Er ging der appischen Straße zu, um die Stadt zu verlassen. Allein, kaum war er dahin gelangt, als ihm Jesus mit dem Kreuz auf den Schultern entgegen trag. Domine, quo vadis? "Herr, wo gehst du hin?" fragte ihn Petrus. "Veni iterum crucifigi". "Ich komme, um mich nochmal kreuzigen zu lassen", war die Antwort des Heilandes. Petrus verstand sie und kehrte zurück, um mit den Brüdern alle Gefahr zu theilen und für Jesus zu sterben. An der Stelle dieses Ereignisses steht jetzt eine kleine Kirche mit dem Namen: Domine, quo vadis?

Nicht lange befand sich Petrus in Mitte der Gemeinde. Er wurde gefangen und mit Ketten beladen in das schauerliche mamertinische Gefängniß geworfen. Dasselbe ist noch vorhanden. Es ist am Fuße des kapitolinischen Hügels, von ungeheuern Quadersteinen in die Teife gebaut. Schwarz, finster, feucht, abscheulich, besteht es eigentlich aus zwei Kerkern. Ursprünglich konnte man nur durch eine runde Oeffnung im Gewölbe in dieselben gelangen; der obere Kerker hat 24' Länge, 18' Breite und 13' Höhe. Unter diesem lag der zweite, noch enger, niedriger und feuchter und hieß der Tullische. In diesen schauerlichen Kerker, gänzlich des Lichtes beraubt, wurde der hl. Apostel geworfen. Fast zu gleicher Zeit mit Petrus wurde auch der hl. Paulus in Banden gelegt. Als römischer Bürger vor den Richter gestellt, vertheidigte er sich selbst, weil er Niemanden fand, der sich seiner annahm, und es gelang ihm mit der Gnade Gottes so gut, dass er, wie er selbst sagt, "von den Rachen der Löwen befreit", d.h. den Löwen im Amphitheater nicht vorgeworfen wurde. Er wurde ebenfalls in das mamertinische Gefängniß gebracht.

Die beiden heiligen Apostel suchten und fanden ihren Trost im Gebete. Die Leiden, welche sie im Gefängnisse erduldeten, konnten ihren Glauben und ihren Eifer nicht schwächen; sie freuten sich, in die Fußstapfen ihres Herrn und Meisters zu treten und um seinetwillen Schmach und Verfolgung und selbst den Tod zu leiden. Petrus suchte auch in Banden Seelen für den Herrn zu gewinnen. Es gelang ihm, die beiden Wächter des Gefängnisses Martinianus und Processus nebst 47 Mitgefangenen zum Glauben an Jesus zu bewegen. - Auch hier entsprang auf sein Gebet eine Quelle, um die Neubekehrten taufen zu können. Die Quelle ist noch vorhanden, sie läuft niemals über und wird, so viel man schöpft, nie trocken. Die Neugetauften erlitten alle den Martertod. - Gerade über dem unterirdischen mamertinischen Kerker steht die vielbesuchte Kirche S. Pietro in Carcere und über dieser Kirche erhebt sich die Kirche S. Giuseppe de' Falegnami.

(Fortsetzung vorerst in unserem Blog Totus Catholicus: siehe unter: "Der Martertod der heiligen Apostel Petrus und Paulus"  und "Des heiligen Apostels Petrus eigentliche Grabstätte" und Fortsetzungen!)


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell (Schweiz)