Aus dem Immaculata-Archiv:


EUCHARISTICUM.

Legende
von
den lieben Heiligen
des glorwürdigsten,
wunderbarlichen Sakramentes.

Herausgegeben von Georg Ott, Dekan und Stadtpfarrer in Abensberg.

Mit oberhirtlicher Gutheißung.

Mit Titelbild und vielen neuen Holzschnitt-Bildern geziert.

Regensburg, New-York & Cincinnati. 1869.

Papier, Druck und Verlag von Friedrich Pustet.


Entered according to Act of Congress, in the year 1868, by
HERMANN BLÜMELING
in the Clerk`s Office of the District Court for the Southern District of New-York.


Inhaltsverzeichnis

 


Vorrede.

Gegenwärtiges Buch ist die nothwendige Ergänzung oder vielmehr der Schlußstein des Marianums und der Legende der lieben Heiligen.

Das beständige Streben der Heiligen war die Vereinigung mit ihrem göttlichen Heilande Jesus durch vollständige Hingabe an ihn. Um dieß erhabene Ziel zu erreichen, bedienten sie sich des sichersten Mittels: der kindlichen Andacht zur allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria und der glühenden Andacht und Liebe zum glorwürdigsten Sakramente. Die allerseligste Jungfrau war der hellleuchtende Stern für sie auf dem Meere dieses Lebens, der sie zu Jesus leitete, die Brücke, die sie zu Jesus führte, die Hand, die sie zu Jesus zog und, was die Hauptsache war, der Kanal, durch welchen Jesus seine Gnaden und Segnungen in sie ergoß. Sie, die Heiligen, waren die Gefäße der Gnade, Maria der Kanal, Jesus die Quelle.

"Jesus kam nicht ohne Maria zu uns, und als er kam, wollte er, daß man nur durch sie zu ihm kommen sollte, und als er wegging, ließ er sie der Kirche zurück, um ihr das zu sein, was er ihr gewesen, und in der That wirkt er immer durch sie in der Kirche und nie ohne sie" (Faber: Das allerheiligste Altarssakrament.) Ohne sie, ohne ihre Einwilligung hätten wir keine Menschwerdung und folglich auch kein heiligstes Sakrament, welches eine tägliche, ja stündliche Erneuerung der Menschwerdung ist. -- Im hochheiligen Sakramente aber vollzieht sich die angestrebte Vereinigung der Heiligen mit Jesus. Maria führt zur Heiligkeit, das hochheilige Sakrament macht Heilige. Daher geht denn auch die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Hand in Hand mit der Andacht zum glorwürdigsten Sakramente. Immer haben die Heiligen diese beiden Andachten verbunden, darin ihre Wonne gesucht und gefunden, und wie es keinen Heiligen gibt, der nicht auch ein Kind unserer theuersten Mutter Maria gewesen, so gibt es keinen Heiligen, der nicht Jesus im heiligsten Sakramente mit glühender Liebe umfaßt hätte. --

Das Gesagte rechtfertigt also die Erscheinung des Eucharisticums als Schlußstein der Legende und des Marianums. Aber auch unsere Zeit scheint ein solches Werk zu verlangen. -- Es liegt am Tage, daß seit der Dogmatisirung der unbefleckten Empfängniß der allerseligsten Jungfrau die Verehrung der Himmelskönigin beständig im Wachsen begriffen ist, und immer tiefere Wuzel faßt, ebenso auch ganz naturgemäß die Andacht zum glorwürdigsten Sakramente. In Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, wandert die ewige Anbetung des allerheiligsten Sakramentes jeden Tag von einer Kirche zur andern. Ueber ganz Frankreich, Belgien und Holland ist diese Anbetung des heiligsten Sakramentes bei Tag und Nacht verbreitet. Den Rhein hinauf und hinab geschieht an vielen Orten dasselbe; am Main, der Mosel und der Donau wetteifern zahlreiche Gemeinden in der ewigen Anbetung. Das Gebetsapostolat zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu hat bereits von Tyrol aus seinen Rundgang durch die Welt gemacht und es ist kaum mehr ein Kloster in der Welt zu finden, wo nicht Eine fromme Seele bei Tag oder Nacht vor dem Tabernakel kniet und dem Herrn Himmels und der Erde ihre Huldigung darbringt.

Für alle nun, die den Herrn Jesum in seinem Sakramente lieb haben, ist das Eucharisticum bestimmt. An den lieben Heiligen mögen sie sehen, wie der Herr denen lohnt, welche ihn mit lebendigem Glauben und inniger Liebe im Tabernakel besuchen, anbeten, lobpreisen und in der heiligen Kommunion in ihr Herz aufnehmen, und sich dadurch angetrieben fühlen, ihrem Heilande mit immer größerer Treue und Liebe zu dienen.

Es ist aber auch der heiße Wunsch des Vefassers, daß dieß Buch in die Hände aller jener gelange, in welchen der Glaube an die Gegenwart Jesu im heiligsten Sakramente noch nicht feste Wurzel gefaßt, die in der Liebe zu ihm noch erkaltet sind, die noch nicht wissen, was es heißt, den lieben Herrn Jesum im Tabernakel heimsuchen und um Gnade bitten, die noch nicht erfahren haben, welche Gnaden Jesus dem lebendigen Glauben, dem kindlichen Vertrauen und der innigen Liebe gewährt, und die noch nicht verkostet haben den Trost und die Wonne, die eine andächtige Betrachtung vor dem Tabernakel mit sich führt, den himmlischen Frieden, der sich aus dem Tabernakel in das arme Menschenherz ergießt und die Seligkeit, von der es berauscht wird.

Möchte doch unser süssester Jesus, dem der Verfasser dieses Buch, seine Unwürdigkeit fühlend, in tiefster Demuth geweiht hat, möchte Er in seiner Gnade bewirken, daß die gute Absicht, in welcher dieses Buch geschrieben worden, in Erfüllung gehe!

Abensberg, am Tage der Himmelfahrt
unserer theuersten Mutter Maria. 1868.

Ott, Dekan.


 

I.

Von der unbeschreiblich hohen Würde der hochheiligen Eucharistie.

Die hochheilige Eucharistie, oder das Sakrament des Altars, ist das heiligste ehrwürdigste, erhabenste unter allen Sakramenten der Kirche; denn dieses Sakrament enthält den Urheber aller Heiligkeit, den Heiligsten der Heiligen, Jesum Christum, dem alle Ehre gebührt im Himmel und auf Erden. Es ist das Opfer- und Familienmahl der Kirche, der Gegenstand ihrer innigsten Verehrung, Anbetung und Liebe, der Mittelpunkt und das Ziel all ihrer Andachten. Es ist der Inbegriff und das lebendige Denkmal aller Wunder Gottes, die Erweiterung der Menschwerdung, die immerwährende Erlösung der Menschen, das Paradies jeder gottliebenden Seele, denn in diesem Sakramente findet sie wahrhaft den "Immanuel", d.i. "Gott mit uns", der da ist die Quelle aller Gnaden, alles Trostes, aller Süssigkeit und Wonne!

Wie einst die Propheten den kommenden Heiland der Welt, weil sie kein Wort fanden, um ihn entsprechend zu bezeichnen, unter verschiedenen Benennungen und Bildern darstellten, so wurden auch dem heiligsten Sakramente des Altares, diesem Wunder der göttlichen Liebe, von der Kirche und den hl. Vätern die verschiedensten Namen beigelegt.

Sie nannten es vor Allem

Eucharistie.

dieses griechische Wort heißt in unserer Sprache "gute Gabe", "huldvolle Gabe"; denn das heiligste Sakrament enthält ja den Geber alles Guten, das Gut aller Güter, Christum den Herrn, mit dem uns der Vater im Himmel Alles geschenkt hat. (Röm. 8,32.) Eucharistie heißt auch "Danksagung", weil wir durch Jesum im heiligsten Sakramente Gott, dem Herrn, den würdigsten und wohlgefälligsten Dank für alle uns erwiesenen Wohlthaten darbringen können. Dieser Benennung "Eucharistie" bedienen sich die Kirche und die heiligen Väter fast immer, wenn sie vom heiligsten Altarssakrament reden, weßhalb wir diese Benennung auch beibehalten wollen. Die Eucharistie heißt ferners "Tisch des Herrn". So nennt sie der heilige Apostel Paulus, indem er den Christen zu Korinth die Theilnahme an den Opfern der Heiden mit den Worten verweist: "Ihr könnet nicht am Tische des Herrn theilnehmen und (zugleich) am Tische der Teufel." (I. Kor. 10,21.) Es eignet sich auch gar wohl diese Benennung für die hochheilige Eucharistie; denn sie ist ein Mahl, wozu uns der Heiland alle ladet. Er bereitet uns da einen Tisch mit der kostbarsten, süssesten und kräftigsten Nahrung, mit seinem eigenen, heiligsten Fleisch und Blut. -- "Abendmahl", "Nachtmahl" wird die Eucharistie genannt, weil der göttliche Heiland dieses hochheilige Geheimniß am Abend vor seinem Leiden einsetzte. Unter diesem Namen soll uns das heiligste Sakrament ein Andenken an den Erlösungstod des Herrn, ein Andenken an seine unendliche Liebe sein. -- Man nennt die Eucharistie auch Himmels- und Engelsbrod, weil sie gleich dem Manna vom Himmel kommt, den Menschen zum Himmel führt und ihn so vergeistiget, daß er den Engeln zugesellt wird; Brod des Lebens, weil sie der Seele das ewige, unvergängliche Leben mittheilt; Brod, das gebrochen wird, weil die Eucharistie unter den Gestalten des Brodes besteht, und ehemals bei der heiligen Kommunion die Gestalten des Brodes gebrochen wurden. -- Die hochheilige Eucharistie heißt auch Kommunion, d.i. "Theilnahme", "Gemeinschaft", "Vereinigung", weil wir durch den Genuß derselben mit Christus, als dem Haupte, und mit den Gläubigen als seinen Gliedern verbunden werden, das Allerheiligste, weil im heiligsten Sakramente Christus der Allerheiligste gegenwärtig ist; hochwürdigstes glorwürdigstes Gut, weil Jesus, das höchste Gut, die Glorie der Engel, in welchem alle Reichthümer der Güte Gottes enthalten sind, zugegen ist.

Die hochheilige Eucharistie wird ferners Opfer, Hostia (Hostia heißt Opfer) genannt, weil die Eucharistie auch ein wahres Opfer ist, in welchem sich Christus unblutiger Weise für uns dem himmlischen Vater darbringt, Eulogie d.i. "Segnung", "Lobpreisung", weil das Sakrament die Quelle des reichsten Segens, die höchste Lobpreisung Gottes ist; "Liturgie", "Gottesdienst", weil dieses hochheilige Geheimniß der Mittelpunkt, das Herz des wahren, würdigsten Gottesdienstes ist.

Von dem Richter gefragt, warum sie gegen des Kaisers Befehl Zusammenkünfte halten, antworteten die Martyrer."Ohne Gottesdienst können wir nicht leben", d.h. ohne Feier des heiligen Opfers und ohne Kommunion. Die griechischen Väter nannten die Eucharistie auch Synaxis, "Versammlung", "Gemeinschaft", weil zur Feier derselben die Gläubigen sich versammeln und durch Theilnahme an derselben mit Christus und der Kirche in Gemeinschaft treten. -- Die hochheilige Eucharistie hat auch den Namen "Geheimniß der Geheimnisse", "Geheimniß der Gläubigen", "Geheimniß des Glaubens", weil Jesus in diesem Sakramente auf eine geheimnißvolle, dem Verstande und Sinnen des Menschen unbegreifliche Weise zugegen, weil dieses Sakrament das Ziel und der Mittelpunkt aller Sakramente, der Inbegriff des Glaubens ist und man es ehemals vor Juden und Heiden sowohl als vor den Täuflingen (Täuflinge hieß man jene aus den Juden oder Heiden, welche den christlichen Glauben annehmen wollten und zur heil. Taufe vorbereitet wurden.) geheim hielt; das Heilige des Herrn oder einfach "das Heilige". So nannten es die ersten Christen gerne, weil es der Leib des Herrn, des Heiligen der Heiligen enthält und heilig macht; Fronleichnam, ein altdeutsches Wort soviel als Leib des Herrn, oder heiliger Leib unsers Herrn Jesu Christi; "Sakrament des Altars", oder "Altarssakrament", weil es auf dem Altar vollbracht und aufbewahrt wird; "Wegzehrung", weil die hochheilige Eucharistie das allerbeste Stärkungsmittel auf unsrer letzten Reise zum himmlischen Vaterlande ist.

Aus diesen verschiedenen Benennungen der hochheiligen Eucharistie magst du, mein Christ, erkennen, welch ein überaus kostbares, unschätzbares Gut wir an diesem heiligsten Sakramente haben. -- Was die Sonne am Himmelsraum, die Quelle im Schooße der Erde, das Herz im menschlichen Leibe, das ist die Eucharistie für die Welt. Ohne Sonne erstarrt die Natur, ohne Quelle verdorren die Fluren, ohne Herz zerfällt der menschliche Leib. Ohne Euchartistie verfällt der Glaube dem Tode, geht die Hoffnung eines beseligenden ewigen Lebens verloren, erkaltet und stirbt die heilige Liebe! Ohne Euchatistie ist die menschliche Gesellschaft ihrer Grundlage beraubt, denn ohne sie gibt es keine wahre Tugend, keine wahre Gesittung, nichts wahrhaft Gutes auf Erden. Alle Wunder der heiligen Gottes- und Nächstenliebe, welche seit Jahrhunderten die Welt in Staunen setzen, das Blut der Martyrer, der Schweiß der Missionäre, die englische Geduld der barmherzigen Brüder und Schwestern am Kranken- und Sterbebette, der Muth der Priester mitten unter der schreckenden Pest, die tausendfachen Werke der Barmherzigkeit an den verwahrlosten armen Kindern, an den Nothleidenden, an den Waisen, Verlassenen, Gefangenen, Sklaven, Sündern und Verbrechern, sie alle sind Früchte der hochheiligen Eucharistie. Ihr entsproßt die wahre Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, nach welchen die glaubens- und lieblose Welt vergeblich ringt; sie macht den Menschen frei von seinen Leidenschaften, welche ihn oft so tief erniedrigen und des Glückes und Friedens berauben, an ihrem Tische sind alle Menschen gleich, -- Hoch und Nieder, Reich und Arm, der färbige und der weiße Mann, Alle empfangen die gleiche Gnade, die in Christo erschienen ist; an ihrem Tisch verschwindet der Haß und die Zwietracht aus dem Herzen, da sind alle, die sich ihm nahen, Brüder und Schwestern in Christo, da sind alle Glieder Christi, da umschlingt alle dasselbe Band der Liebe. -- Sie, die hochheilige Eucharistie, hat die Kirche mit Heiligen aus allen Nationen und Geschlechtern, den Himmel mit Seligen bevölkert; sie ist das Reich der Gnaden, sie ist das Leben der Welt, denn sie ist

Jesus, unser Alles,

hochgelobt in Ewigkeit!


II.

Von den Vorbildern der hochheiligen Euchristie,
und wie sie durch die Propheten angekündigt worden.

Der Mensch ist gefallen, davon gibt Zeugniß jedes Blatt seiner Geschichte. Der Fall unserer Stammeltern hatte aber außer der ewigen Verwerfung und dem Verluste der Kindschaft Gottes und der Ebschaftdes Himmels noch zwei große Uebel in seinem Gefolge, zu deren Heilung Gottes Sohn auf die Erde herabgekommen ist. Nachdem nämlich unsere Stammeltern vom Baume der Erkenntniß gegessen, wurde ihr Geist mit Blindheit geschlagen, und dem Irrthume und der Ungewißheit preisgegeben, welches beklagenswerthe Uebel sich auch auf den Geist ihrer Nachkommen vererbte. Zu gleicher Zeit wurden sie von dem Baume des Lebens, den Gott in Mitte des Paradieses neben den Baum der Erkenntniß gepflanzt hatte, vertrieben, von jenem Baume, der bestimmt war, sie zu nähren, ihrem gnadenvollen seligen Zustand ewige Lebensfrische mitzutheilen und ihn zur Unsterblichkeit heranzuziehen. (S. Chrysost. apud Cornel. a Lap.)

Kaum aber hatten sie ihren seligen Zustand durch die Sünde verloren, als ihre Seele von ihrer ursprünglichen Würde und Macht herabsank, alle ihre Kräfte und sittlichen Gefühle verderbt wurden, Laster und Ausartung aus dem unersetzlichen Verlust hervorgingen und eine unübersteigliche Kluft zwischen Gott und ihnen sich öffnete. Daß dieses doppelte Uebel, Blindheit des Geistes und Verderbtheit des sittlichen Lebens, den eigentlichen Kern des Unheils ausmachte, von dem die Menschheit durch den Sündenfall betroffen wurde, bezeugen alle Jahrhunderte der Weltgeschichte.

Wir sehen einerseits, wie die Menschen nach allen Richtungen hin nach Kenntniß der Wahrheit suchen und da sie dieselbe ohne höhere Erleuchtung nicht finden, selbst zur Wahrsagerei und Zeichendeuterei und allen Arten des Aberglaubens ihre Zuflucht nehmen, anderseits sehen wir auch, wie sie nach einem Mittel ringen, um das menschliche Herz zu erneuern, und in engere Gemeinschaft mit Gott zu bringen, so wie dies einstmals im Paradiese gewesen. Daher der Gebrauch von den Götzenopfern zu essen und auf solche Weise mit den Göttern in Gemeinschaft zu treten, mit ihnen eine Art Kommunion zu halten. (Eine solche Art von Kommunion findet sich bei einem der ältesten Völker, den Indiern. Jede Nahrung wird bei ihnen als Opfer betrachtet. Nur von der Gottheit geweihtem Fleische nährt sich der Indier, und jede thierische Nahrung ist ihm ein Gräuel, wenn sie nicht der Gottheit dargeboten. Bei einem der feierlichsten Opfer, das in dem Schlachten eines Lammes bestand, wurden mit lauter Stimme die Worte hergesagt: "Wann wird der Tag kommen, wo der Heiland geboren wird?" Das Opferfest endete mit dem Genusse von dem Fleische des Opferthieres. -- Bei dem Sonnendienste der Perser, der sich über einen großen Theil des römischen Reiches verbreitete, setzte man dem in die Geheimnisse Eingeweihten Brod und Wasser vor, worüber geheinißvolle Worte gesprochen waren, und auf diese Art von Konsekration folgte gleichfalls die Kommunion. Dieselbe Weise der Kommunion, nämlich vom Opfer zu essen, findet sich bei den Chinesen, bei Griechen und Römern, bei den Celten, den Deutschen und ihnen nördlich gelegenen Völkern, sowie bei den Völkern Amerikas. (Gerbet: die Kommunion)

Um nun der gefallenen Menschheit aufzuhelfen, ihren Durst nach Erkenntniß der Wahrheit und ihren Hunger nach Vereinigung mit Gott zu stillen, kam der Heiland auf die Erde, stiftete ein neues Paradies, seine heilige Kirche und pflanzte in ihr einen andern Baum der Erkenntniß, das unfehlbare Lehramt, bei dem er bleibt alle Tage bis ans Ende der Welt, und den neuen Baum des Lebens, die hochheilige Eucharistie, in welcher er mit Fleisch und Blut, mit Gottheit und Menscheit, mit Leib und Seele immerdar gegenwärtig ist, um mittels der heiligen Kommunion in unser sterbliches Fleisch den Keim der Unsterblichkeit zu legen und unsere Seele mit sich und durch sich mit dem Vater im Himmel zu vereinigen.

Der Baum des Lebens im Paradiese war und ist also ein sprechendes Vorbild der hochheiligen Eucharistie. (Hievon spricht schon der heil. Irenäus 1. 4. c. 34 etc. apud Cornel. a Lapide.) -- Gottes unendliche Weisheit bediente sich nämlich, um den verheißenen Erlöser zu kennzeichnen zweier Mittel, wodurch die Menschen ihn leicht von allen Evaskindern unterscheiden konnten. Diese Mittel waren die Vorbilder und die Weissagungen der Propheten. -- Durch eine Reihe von Sinnbildern, die eine auffallende Aehnlichkeit mit dem künftigen Erlöser, seinen Eigenschaften, seinen Aemtern und Thaten, seinen Leiden und seinem Tode, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, und den Einrichtungen und Anstalten seiner Kirche hatten, wies Gott von Zeit zu Zeit auf den verheißenen Erlöser hin, bis er kam und das Bild dann in Wirklichkeit überging. Auf diese Sinn- oder Vorbilder des alten Bundes beriefen sich Jesus selbst und seine Apostel. Ja nach der einstimmigen Lehre der Apostel und der Kirche ist das ganze alte Testament, seinem Wesen und Inhalte nach, nichts anderes als ein Vorbild des neuen Bundes. Ebenso ließ der allweise Gott durch eine Reihe von Propheten, d.i. frommen Männern, die von seinem Geiste erfüllt und erleuchet waren, den kommenden Heiland im Voraus beschreiben und die merkwürdigsten Umstände seines Lebens, seines Leidens und Todes voraus verkündigen, damit man den Gottgesandten bei seiner Ankunft erkenne. Es darf uns also nicht wundern, wenn Gott sich herabgelassen hat, die Menschen auf das kostbarste Geheimniß seiner Liebe, die hochheilige Eucharistie, durch bedeutungsvolle Vorbilder sowohl als durch die Weissagungen seiner Propheten aufmerksam zu machen und vorzubereiten. ("Denn Gott der Herr sendet", wie der heil. Johannes Chrysostomus sagt, "wenn er Etwas zu thun beschlossen hat, was dem menschlichen Verstande unglaublich vorkommen möchte, dessen Bild und Schatten voraus, damit der Mensch zur Annahme der Wahrheit vorbereitet und ihr nicht etwa bei dem plötzlichen Erscheinen derselben ungläubig Herz und Sinn verschlossen werde." (Hom. sup. Abraham.)

So tritt uns schon zu den Zeiten Abrahams ein vorzügliches Vorbild in dem Opfer Melchisedechs entgegen. -- Melchisedech war König von Salem und zugleich Priester des Allerhöchsten. Zum Danke nun für den Sieg, welchen Abraham über die Feinde seines Vetters Lot davon getragen, brachte er Gott, dem Herrn, ein Opfer von Brod und Wein dar und segnete den Abraham. Schon David nannte den Messias "Priester nach der Weise des Melchisedechs" (Ps. 109); in änlicher Weise äußert sich der heilige Apostel Paulus an mehrern Stellen seines Hebräerbriefes über den Heiland (Hebr. 5, 6. 10. 6, 20. 7, 1. 10, 17.) und so ist also Melchisedech ein persönliches Vorbild unseres wahren Hohenpriestes Jesus, und sein Opfer von Brod und Wein ein sprechendes Vorbild der heil. Eucharistie, in welcher er unter den Gestalten von Brod und Wein gegenwärtig ist und sich für uns opfert.

Ein ferneres Vorbild der Eucharistie ist die Osterfeier im alten Bunde. Die Juden mußten alljährlich zum Andenken an die Befreiung aus der Knechtschaft Aegyptens zu Ostern ein Lamm schlachten und dasselbe unter Lobpreisung Gottes zugleich mit ungesäuertem Brode essen. Das Osterlamm ist ein unverkennbares deutliches Vorbild unseres Herrn Jesu Christi und des heiligen Abendmahles.

"Unser Osterlamm, Christus, ist für uns geopfert worden" (I. Kor. 5, 7.) sagt der heilige Paulus. "Sehet das Lamm Gottes", rief der heilige Johannes, der Täufer. (Joh. 1, 29. 36.) Das Osterlamm, welches die Juden essen sollten, mußte nach gesetzlicher Vorschrift (2 Mos. 12, 3 - 34.) makellos sein. Christus "das unbefleckte, tadellose Lamm Gottes", wie der hl. Petrus schreibt (1. Petr. 1, 19.), ist die Reinheit selbst. Das Osterlamm durfte nur im Hause der jüdischen Familie verzehrt werden. -- Nur im Schooße der katholischen Kirche, dem Hause und der Familie Gottes, wird beim heiligen Abendmahl das Fleisch des Gottmenschen genossen. Das Osterlamm mußte mit ungesäuertem Brod d. h. ohne Sauerteig gegessen werden. Das Fleisch Christi darf im heiligsten Sakramente nur mit der größten Reinheit des Herzens, ohne Sauerteig der Sünde genossen werden. Die Israeliten mußten das Lamm reisefertig und in aller Eile verzehren. Wir dürfen nur zum Tische des Herrn hingehen mit einem Herzen, losgeschält von den Gütern und Freuden dieser Welt, mit einem Herzen, das sein Sinnen und Trachen nur nach dem Himmel richtet, wo uns Erdenpilger das wahre, ewige Vaterland erwartet. Das Blut des Osterlammes wurde an die Thüren der jüdischen Wohnungen gespritzt und alle mit diesem Blute bezeichneten Wohnungen blieben vom Würgengel veschont, der auf Befehl Gottes alle Erstgeburt der Aegyptier erschlug. Das Blut Christi ergießt sich beim Genuße der Eucharistie in unsere Seele und alle mit diesem Blute bezeichneten Seelen, wenn sie es wohl aufgenommen haben, werden vom Herrn verschont, wenn er kommt, die Gottlosen zu vertilgen.

Ein anderes, die hochheilige Eucharistie deutlich bezeichnendes Vorbild ist das Manna, auf welches Jesus selbst (Joh. 6) hinweist. Als die Israeliten nach ihrem Auszuge aus Aegypten und ihrem Eintritt in die Wüste Mangel an Brod litten, und nun wider Moses und den Herrn murrten, versprach Gott, ihnen am Morgen Brod zur Sättigung zu geben. Und wirklich sahen die Israeliten am folgenden Morgen etwas Kleines; wie im Mörser Gestossenes, wie Reif auf der Erde und sie sagten zu einander vor Verwunderung. "Manhu", d.h. "Was ist das?" daher der Name Manna. Moses aber sprach zu ihnen. "das ist das Brod, so der Herr euch zu essen gegeben, und sie beeilten sich dasselbe zu sammeln, assen davon und wurden satt. -- Welch ein sprechendes Vorbild der hochheiligen Eucharistie das Manna war, ist aus folgendem ersichtlich. Es fiel als Nahrung vom Himmel auf die Erde. Jesus kam vom Himmel auf die Erde und wurde Mensch, um uns sein Fleisch und Blut zur Speise zu geben. Daher sprach Jesus zu den Juden: "Nicht Moses hat euch Brod vom Himmel gegeben, sondern ich gebe euch das wahre Brod vom Himmel, dasselbe ist mein Fleisch für das Leben der Welt." (Joh. 6.) Täglich regnete das Manna vom Himmel auf die Erde herab den Israeliten zur Nahrung. Täglich steigt Jesus auf unsere Altäre herab, um unsere Seele unter Brodsgestalt zu nähren. Nur den Israeliten wurde das Manna gegeben, die heilige Eucharistie ist nur für die gläubigen Christen. Das Manna wurde den Israeliten erst gegeben, als sie durch das rothe Meer gegangen waren. Die heilige Eucharistie wird nur denen gereicht, welche nach empfangener Taufe durch die Wüste dieser Welt in das himmlische Vaterland pilgern. Das Manna hatte für die Essenden jeglichen Geschmack. Die heil. Eucharistie gewährt dasselbe, sie ist die Speise, in welcher eine Fülle himmlischer Süßigkeit enthalten ist. Das Manna indeß bewahrte nicht vor dem Tode, dagegen die hl. Eucharistie nährt die Seele zum ewigen Leben und legt in den Leib den Keim der Unsterblichkeit. Das Manna regnete vom Himmel herab, so lange als das Volk Israel in der Wüste war. Die heilige Eucharistie wird dem Menschen gereicht, so lange er auf Erden ist. Wer von dem Manna mehr oder weniger sammelte, brachte doch nur soviel nach Hause, als er benöthigte. So empfängt in der heiligen Eucharistie Jeder den ganzen Christus, er mag nun eine große oder kleine Hostie, einen Theil derselben oder eine ganze Hostie empfangen. Die Israeliten bekamen Eckel am längeren Genusse des Manna, denn es gelüstete sie nach den Fleischtöpfen Aegyptens. So haben auch jene Christen, welche nur die Freuden dieser Welt lieb haben, Eckel und Ueberdruß am himmlischen Manna, an der heiligen Eucharistie. Das Manna hörte auf, sobald die Israeliten in das gelobte Land eingezogen waren. Die heilige Eucharistie wird aufhören, sobald wir in den Himmel eingegangen sind. Gott befahl ein Gefäß voll Manna in der Bundeslade, dem größten Heiligthume der Juden, aufzubewahren. Die heilige Eucharistie wird im Tabernakel aufbewahrt, das größte Heiligthum unserer Kirchen.

Doch nicht genug, daß Gott im alten Bunde durch sprechende Vorbilder die hochheilige Euchristie seinem auserwählten Volke offenbarte, ließ er dieselbe auch durch seine Propheten ankündigen.

Im Buche der Sprüche Salomons steht geschrieben: "Die Weisheit baute sich ein Haus; sie opferte ihre Schlachtopfer, mischte den Wein, richtete den Tisch und sprach: Kommet und esset mein Brod, und trinket den Wein, den ich euch gemischt habe." (Die schweren Weine der Südländer werden vor dem Gastmahle mit Wasser gemischt. Bei dem heiligen Meßopfer wird ebenfalls Wein mit Wasser gemischt, um die Vereinigung des Gottmenschen Jesus mit dem christlichen Volke anzudeuten. (Der heilige Cyprian.)) (Sprüchw. 9, 2-5.) Unter der Weisheit vestehen die heiligen Väter den Sohn Gottes, die ewige Weisheit, der sich ein Haus, die Kiche gestiftet, welche nach dargebrachtem Opfer ihre göttliche Speise unter den Gestalten von Brod und Wein ausspendet und hiezu alle ihre Kinder einladet.

Der königliche Sänger David ruft in seinem 22. Psalm aus: "Du hast mir (o Gott) einen Tisch bereitet, wider alle, die mich quälen." -- Die heiligen Väter sagen, "daß dieser Tisch den Tisch des Herrn, das hochheilige Abendmahl, bedeute, durch welches wir Kraft gegen unsere bösen Neigungen, Versuchungen und alle Feinde des Heils erhalten." (St. Cyprian, Ambrosius.) Derselbe Prophet redet in seinem 21. Psalm von Opfern in der großen Gemeinde, der Kirche, von dem die Armen, d.h. die Demüthigen essen und satt und ihre Herzen leben werden in Ewigkeit. Unter diesen Opfern verstehen die heiligen Väter das heil. Meßopfer, von dem nicht blos die Seele zum ewigen Leben genährt, sondern auch der Keim der Unsterblichkeit unserm Leibe mitgeheilt werde. (siehe Allioli "die heilige Schrift.")

Später verkündiget der Prophet Isaias die Eucharistie mit den Worten: "Und der Herr der Heerschaaren bereitet allen Völkern auf diesem Berge ein Mahl von fetter Speise, ein Mahl von Wein, vom geläuterten Wein." (Isai. 25,6.)

Die Lehrer der Kirche wollen unter diesem Mahle, das der Herr bereitet, das heilige Abendmahl verstehen, welches der Heiland im Cönakulum auf dem Berge Sion bereitet und gestiftet hat. -- Bei dem Gedanken an dieses zukünftige Mahl ruft der Prophet Zacharias voll Verwunderung aus: "Was ist sein Gut, und was seine Schöne? Das Getreide der Auserwählten, der Wein, aus dem Jungfrauen sprossen." (Zach. 9, 17.)

Gott wird, wollte der Prophet sagen, seine Güte und Schönheit daduch zeigen, daß er uns die heilige Eucharistie geben wird, welche die Speise der Auserwählten, das Brod der Starken und der Wein ist, aus welchen die reinen Seelen hervorgehen.

Endlich verkündet Malachias, der letzte der Propheten, den Juden, daß in Zukunft alle ihre Opfer und Opfermahle ein Ende nehmen und einem ganz reinen Speiseopfer Platz machen werden, indem Gott also durch ihn spricht: "Ich habe kein Wohlgefallen an euch und nehme kein Opfer mehr aus eueren Händen, denn vom Aufgang der Sonne, bis zum Untergange wird mein Name groß werden unter den Völkern und an allen Orten wird meinem Namen geopfert, und ein reines Speiseopfer dargebracht werden." (Malach. 1, 11.)

Unter diesem ganz reinen Speiseopfer verstanden schon die Väter aus der apostolischen Zeit (Klemens von Rom, Justin) die hochheilige Eucharistie und das Concil von Trient erklärt (Sitz. 21, 1.) ausdrücklich, daß im Opfer der hl. Messe diese Worte des Propheten in Erfüllung gegangen seien.

Ohne Zweifel waren die bisher angeführten Vorbilder und Weissagungen sehr räthselhaft und der Mehrzahl des jüdischen Volkes wird ihren tiefen Sinn und ihre volle Bedeutung nicht begriffen haben; aber alle, welche die Vorbilder sahen und die Prophezeiungen venahmen, mußten doch auf den Gedanken kommen und wenigstens fühlen, daß ihnen Gott ein Opfer und eine göttliche Nahrung vorbereitet habe und geben wolle, weit erhabener, als was sie bisher im mosaischen Gesetze besassen.

So war der Stand der Dinge, als Jesus Christus, der verheißene Erlöser erschien und sein Lehramt unter den Menschen öffentlich antrat. Schon seine Geburt zu Bethlehem, welches "Haus des Brodes" bedeutet, wies darauf hin, daß Er künftig das Brod sein würde zur Nahrung der Seelen, und Er selbst gab dies deutlich zu verstehen, als er die Verheißung gab, daß er denen, die an ihn glauben, sein Fleisch und Blut zur Nahrung reichen werde.

III.

Von der Verheißung der hochheiligen Eucharistie

Das Osterfest war nahe. Ueber die paradiesische Ebene von Genesaret zogen zahlreiche Schaaren von Pilgern nach Jerusalem, um dem Feste beizuwohnen. Sie hatten gehört, daß Jesus zu Kapharnaum, einer Stadt unweit des Sees, sich befinde, und wollten sich um ihn versammeln und ihn nach Jerusalem begleiten. Gerade um diese Zeit kehrten die Apostel, welche der göttliche Heiland ausgesendet hatte, um den verlornen Schafen Israels Buße zu predigen, von ihrer Mission zurück und wollten nun ihrem Herrn und Meister Bericht von Allem erstatten, was sie gelehrt und gethan. Weil sich aber Jesus von einer großen Volksmenge umgeben sah, die ihn nicht verlassen wollte, so sprach er zu seinen Aposteln: "Kommet mit mir beiseits an einen einsamen Ort und ruhet ein wenig aus." Sie bestiegen mit ihm ein Schiff, fuhren auf die Ostseite des Sees und begaben sich in die von Bethsaida Julias ostwärts sich hinziehende unbewohnte Gegend, um dort ausruhen und ungestört sich mit ihrem Meister besprechen zu können. Allein auch hieher folgte dem Herrn die Volksmenge nach. Als er sie sah, erbarmte er sich ihrer, und ohne sich eine Erholung zu gönnen, stieg er den Berg hinan, wo er früher die Predigt über die acht Seligkeiten gehalten, setzte sich an einem Abhang nieder und fing an zu lehren. Nachdem er ausgeredet hatte, begab er sich zu den Kranken, die man herbeigebracht hatte, und heilte sie.

Bereits begann es Abend zu werden, da traten die Jünger zu ihm und sprachen. "Entlasse das Volk, daß sie in die umliegenden Flecken und Dörfer gehen, um Herberge und Speise zu finden, denn der Ort ist öde und es ist schon über die Zeit. Jesus aber sprach: "Sie haben nicht nöthig, wegzugehen. Wie viel Brode habet ihr? Gehet, sehet nach." Andreas erwiderte. "Es ist ein Knabe hier, der fünf Gerstenbrode und zwei Fische hat; allein, was ist das für so viele?" Hierauf befahl Jesus: "Lasset die Leute reihenweise niedersetzen." Da setzten sich gegen fünftausend an der Zahl ohne Weiber und Kinder.

Jesus nahm nun die fünf Brode und die zwei Fische, blickte zum Himmel, dankte, segnete und gab sie den Jüngern, damit sie dieselben dem Volke vorlegten. Alle die Tausende assen und Alle wurden satt. Jesus befahl hierauf den Jüngern: "Sammelt nun die übrig gebliebenen Stücklein, damit sie nicht zu Grunde gehen." Da sammelten sie und hoben von den übrig gebliebenen Stücken zwölf Körbe voll auf.

Als die Leute sahen, was für ein Wunder Jesus gewirkt, wollten sie ihn zum Könige machen. Jesus aber merkte dies, befahl seinen Jüngern an das Ufer des Sees zu gehen, dort das Schiff zu besteigen und an das andere Ufer hinüber zu fahren und zog sich dann ganz allein auf den Berg zurück,um zu beten. Die Jünger thaten, wie der Herr befohlen, bestiegen das Schiff und fuhren in der Richtung nach Kapharnaum ab. Bereits war es dunkel geworden, der See aber tobte sehr, und das Schiff wurde mitten auf dem See von den Wellen herumgetrieben, weil der Wind entgegen war.

Nachdem nun die Jünger fast zwei Stunden gerudert, sahen sie Jesum plötzlich auf dem Wasser daherwandeln, und nachdem sie ihn erkannt hatten, nahmen sie ihn in das Schiff und sogleich legte sich der Wind und im Augenblicke waren sie am Lande. Darüber staunten sie und verwunderten sich sehr und sie fielen vor ihm nieder und sprachen: "Wahrhaftig, du bist der Sohn Gottes."

Mittlerweile war der Morgen angebrochen, das Volk aber, welches Jesus so wunderbar gespeist hatte, wartete auf ihn jenseits des Sees. Als aber die Leute merkten, daß weder Jesus noch seine Jünger mehr da seien, bestiegen sie die Schiffe, welche gerade am Ufer lagen, fuhren nach Kapharnaum hinüber und suchten ihn dort. Sie fanden ihn auch daselbst in der Synagoge, wo er eben lehrte. -- Diesmal kamen sie aber nicht, um ihn zu hören, sondern nochmal aus seinen Händen wunderbares Brod zu empfangen. Der Heiland durchschaute ihre Absicht, tadelte ihre Begierde nach vergänglicher Speise und ihre Gleichgültigkeit gegen die Nahrung des Wortes Gottes, und nahm nun Veranlassung, von einem vorzüglicheren Brode zu sprechen, wornach sie verlangen sollten, indem er sprach: "Bemühet euch nicht um vergängliche Speise, sondern um die, welche bleibt zum ewigen Leben, welche der Menschensohn euch geben wird." (Joh. 6, 27.) Mit diesen Worten beginnt die merkwürdige Unterredung mit der Judenmenge, die uns der heilige Johannes im 6. Kapitel seines Evangeliums erzählt, und in welchem der Heiland näher erklärt, welches die unvergägliche Speise sei, die da bleibt zum ewigen Leben. Die Speise, spricht er, ist vorerst das Brod, welches der Vater spendet (Vers 32.),welches vom Himmel herabgekommen ist und der Welt das Leben gibt. (Vers 33.) Dieses Brod des Lebens bin ich (Vers 35), insofern in mir alle Wahrheit ist und alle Gnade. Wer zu mir kommt, wer an mich glaubt, der wird nicht mehr Hunger noch Durst haben (Vers 35.), denn die Wahrheit und Gnade, die in mir ist, und nach welcher die Seele Hunger und Durst, d. i. ein unauslöschliches Verlangen hat, geht als unversiegliche Lebensquelle in den über, der an mich glaubt. -- Daß Jesus unter dem sinnbildlichen Worte "Brod", hier sein göttliches Wort, die von ihm ausgehende Wahrheit, seine heilige Lehre versteht, geht daraus hervor, daß er von keinem Essen dieses Brodes, sondern nur von dem Glauben an ihn und seine Lehre spricht, weßwegen er auch den ersten Abschnitt seiner Rede mit den Worten schließt. "Wahrlich, wahrlich, sage ich euch, wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben." (Vers. 47.)

Nachdem nun der Heiland von der Nothwendigkeit des Glaubens an ihn und seine Lehre gesprochen hatte, beginnt er von jener Himmelsspeise zu reden, die nicht der Vater gibt, sondern die er selbst in Zukunft geben, und welcher man nicht durch den Glauben allein theilhaftig werde, sondern die man essen müsse, indem er in seiner Rede also fortfährt: "Ich bin das Brod des Lebens. Euere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, und sind gestorben. Dies aber ist das Brod, welches vom Himmel herabgekommen ist, damit, wer davon isset, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brod, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit. das Brod aber, welches ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt. (Joh. 6, 48-52.) Klar und deutlich sagt hier Jesus, daß er unter den Gestalten des Brodes sein Fleisch zur Speise geben werde, und alle, welche seine Worte hörten, faßten sie in diesem Sinne auf. Weil aber viele von dem Volke meinten, es sei unmöglich, daß diese Worte in Erfüllung gehen könnten, andere aber auf die Macht des Heilandes bauten, so entstand ein Streit unter den Zuhörern und sie sprachen. "Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben?" Jesus widerrief nicht was er gesagt hatte, was er aber gewiß gethan hätte, wenn seine Zuhörer es falsch aufgefaßt hätten. Er that auch hier, was er bei allen seinen Lehrvorträgen beobachtete. (Nach Wiesemann "die wirkliche Gegenwart" p. 96 u.s.f.) So oft Er nämlich von seinen Zuhörern falsch verstanden wurde und diese Einwendungen machten, so suchte er sie über den Sinn seiner Worte aufzuklären, und ließ sie nicht eher von sich, bis er alle ihre Zweifel gehoben, ihre Irrthümer berichtiget, ihre Einwendungen beseitiget hatte. Faßten aber die Zuhörer seine Worte richtig auf, und erhoben sie dessenungeachtet Einwendungen dagegen, oder wollten sie nicht glauben, dann wiederholte er einfach seine Rede und bekräftigte sie noch durch Betheuerung, ohne auf eine weitere Erklärung, als unnöthig, sich einzulassen.

Die Juden hatten des Heilands Worte. "Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit; das Brod aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt", richtig aufgefaßt, und als sie darauf die Einwendung machten. "Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben", läßt er sich auf keine nähere Erklärung mehr ein, sondern wiederholt die nämlichen Worte mehrmals mit immer stärkern Ausdrücken, und bekräftiget sie auf das nachdrücklichste dadurch (Nach Ovenberg Religionshandbuch II. B. p. 510 u.s.f.), daß er feierlich erklärt:

  1. daß alle, die an ihn glauben, unter dem Verluste der ewigen Seligkeit sein allerheiligstes Fleisch und Blut als Seelenspeise genießen müssen, indem er sprach. "Wahrlich, wahrlich, sage ich euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht essen, und sein Blut nicht trinken werdet, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben." (Vers 54.)
  2. Daß alle, welche sein heiligstes Fleisch und Blut würdig genießen, den größten Nutzen von diesem Genusse haben werden, indem er sagte. "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage." (55.)
  3. Daß diese Speise deßhalb so nothwendig und nützlich sei, weil sein Fleisch und But nicht etwa figürlicher oder bildlicher Weise, sondern wirklich wahrhaftes Seelenbrod sei, indem er versichert: "denn mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut wahrhaftig ein Trank." (56.) Endlich
  4. daß durch den Genuß dieser Speise zwischen Ihm und demjenigen, der sie genießt, eine ganz innige und bleibende Vereinigung solle gestiftet werden, indem er sagte: "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm." (57.) Wie innig aber diese Vereinigung sein und welche Wirkung sie hervorbringen werde, erklärt der Heiland durch das Beispiel seiner Vereinigung mit dem Vater, indem er sprach. "Gleichwie mich der lebendige Vater gesandt hat, und ich um des Vaters willen lebe, so wird auch der, welcher mich ißt, um meinetwillen leben." (58.)

Als nun viele von den Jüngern Jesu, welche vermuthlich anfangs dachten, daß er hier, wie er sonst that, blos in Gleichnissen reden wollte, diese feierliche und nachdrückliche Bekräftigung hörten, und nicht mehr denken konnten, daß er unter dem Genießen seines Fleisches und Blutes den Glauben an ihn und seine heilige Lehre verstehe, vielmehr den wirklichen Genuß seines Fleisches und Blutes gebiete, so fingen auch sie an zu zweifeln, und sprachen unter einander. "Diese Rede ist hart, wer kann sie hören?" (61.) d.h. diese Rede ist so abstossend und widerlich, daß man sie nicht anhören kann, ohne sich zu ärgern. -- Es kam ihnen aber diese Rede so abstossend und widerlich vor, weil sie, wie alle Juden, den größten Abscheu vor dem Menschenfleisch-Essen und Bluttrinken hatten und weil sie für unmöglich hielten, daß ein Mensch anderen sein Fleisch zu essen und sein Blut zu trinken geben könne.

Weil aber Jesus bei sich selbst wußte, daß seine Jünger murrten, suchte er ihnen jeden Zweifel zu benehmen, indem er sagte. "Aergert euch dieses? Wenn ihr nun den Menschensohn dahin auffahren sehet, wo er zuvor war? Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch nützet nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und Leben." (Joh. 6, 62-64.) Der Heiland wollte sagen: Ihr nehmet an meinen Worten Anstoß und wollet nicht glauben, daß ich euch mein Fleisch zu essen und mein Blut zu trinken geben kann? Ihr hättet ein Recht, dies nicht zu glauben, wenn ich ein Mensch wäre. Wenn ihr aber den Menschensohn dahinauf (in den Himmel) fahren sehet, wo er zuvor war, wenn ich euch durch meine Himmelfahrt beweisen werde, daß ich Gott bin, werdet ihr auch dann noch zweifeln, daß ich euch meinen Leib zur Speise und mein Blut zum Tranke reichen kann? Allerdings werde ich meinen Leib nicht in Stücke zerschneiden und wie anderes todtes Fleisch euch zum Genuße vorlegen, werde euch mein Blut nicht in seiner natürlichen Gestalt zu trinken geben, denn auf solche Weise würde euch mein Fleisch nichts nützen, getrennt von dem lebendigmachenden Geiste, von der in mir wohnenden Gottheit. Ich werde euch vielmehr meinen lebendigen, verklärten, geistigen Leib zur Speise geben, der unter den Gestalten von Brod und Wein gehemnißvoll verborgen ist, den nur die Augen des Geistes als meinen wahrhaftigen Leib erkennen werden und der nur mit dem Geiste des Glaubens und der Liebe genossen werden darf.

Obwohl nun der göttliche Heiland deutlich erklärte, auf welche Weise er sein allerheiligstes Fleisch und Blut zur Speise geben werde, so fanden doch viele von den Jüngern die Rede noch immer zu abstossend, gingen von ihm hinweg und wandelten nicht mehr mit ihm. Die Ursache aber davon war, wie der Heiland ausdrücklich sagt, weil sie nicht glaubten (Joh. 6, 65.), und der Grund, warum sie nicht glaubten, ist aus den Worten Jesu ersichtlich: "Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, d.h. an mich und meine Lehre glauben, wenn es ihm nicht von meinem Vater gegeben ist" (Joh. 6, 66.), d.h. mein Vater wollte ihnen die Gabe des Glaubens verleihen, allein ihr fleischlicher Sinn widerstand der Gnade. Der göttliche Heiland ließ die ungläubigen Jünger gehen, wandte sich dann zu seinen Aposteln und sprach. "Wollet auch ihr weggehen?" (68.) Die Apostel aber gingen nicht weg. Auch sie würden weggegangen sein, wie Petrus zu erkennen gab, wenn nicht ihre feste Ueberzeugung von der Gottheit Jesu sie gehalten hätte. Darum antwortet Petrus im Namen aller Apostel. "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist der Christus, der Sohn Gottes." (Joh. 6, 69, 70.)

Aus dem bisher Gesagten erhellt, daß Jesus ganz gewiß verheißen hat, uns sein allerheiligstes Fleisch und Blut zur Speise zu geben. Nicht Brod hat Er zu geben versprochen, sondern sich selber. Hätte er nicht wirklich sich selbst, sein eigenes Fleisch und Blut als Speise verheißen, mithin seine wirkliche Gegenwart im heiligsten Altarssarkamente gelehrt, wahrlich die Juden noch weniger als seine Jünger hätten an seiner Rede Anstoß genommen, und hätten sie ihn mißverstanden, sicherlich hätte sie der Herr aufgeklärt, wie er dies immer that, und sie nicht weggehen lassen zu ihren Verderben. Allein er besteht darauf, daß sein Fleisch Speise und sein Blut Trank sei, wie aber dies möglich, das sollten sie seiner Allmacht und Weisheit überlassen. Er, der vor ihren Augen mit einigen Broden Tausende gespeist, wird wohl auch in seiner Allmacht für Millionen seinen Leib als Speise bereiten, Er, der gegen alle Gesetze der Natur auf den Wogen des Meeres wandelte, und den sie als Herrn der Natur erkannten und deßhalb als Sohn Gottes anbeteten, wird wohl auch die Macht haben, seinen Leib zur Nahrung geben zu können, ohne die Gesetze der Natur beachten zu müssen, Er, der in seiner Allgewalt Wasser in Wein verwandelte, wird wohl auch Brod in sein Fleisch und Wein in sein Blut verwandeln können, und Er, der mit seinem verklärten Leibe aus eigener Macht in den Himmel fuhr, wird ihn wohl auch zu Speise machen können für uns!!

IV.

Von der Einsetzung der hochheiligen Eucharistie

Ein Jahr war verflossen seitdem der Heiland das Versprechen gemacht hatte, sein allerheiligstes Fleisch und Blut als Seelenspeise zu geben. Wieder war das Osterfest nahe und die Zeit war gekommen, wo er sein Vesprechen erfüllen mußte, weil er keinen Augenblick sicher war, von seinen Feinden gefangen und dem Tode überliefert zu werden. Der Heiland wußte dies gar wohl, er kannte seine Stunde, er sah sein ganzes Leiden voraus, er wußte wann, wo, wie und von wem er verrathen und gefangen genommen würde, und welches Schicksal ihn dann erwarte. Er hatte es auch in seiner Gewalt, daß seine Feinde sich seiner nicht eher bemächtigen sollten, als bis er selbst wollte. Er wußte, was andere Menschen nicht wissen, welches sein letzter Abend, und die letzte Nacht seines Lebens sein werde und deßhalb konnte er auch diesen Abend bestimmen als den letzten Abend, um an demselben sein gegebenes Wort zu lösen und das große Geheimniß, das er vor einen Jahre angekündet, zu stiften. Und das that er denn auch am Abende vor seinem Leiden.

Es war an einem Donnerstag Morgens. Jesus befand sich zu Bethanien, einem Flecken, eine halbe Stunde von Jerusalem entfernt, im Hause Simons, des Aussätzigen, wo seine Feinde ihn nicht suchten. Zum letztenmale wollte er mit seinen Jüngern das Osterlamm essen, denn morgen sollte Er selbst als das Lamm, welches die Sünden der Welt hinwegnimmt, geschlachtet und so das Vorbild erfüllt werden. -- Dreimal schon hatte der Heiland nach dem Gesetze Moses das Osterlamm mit seinen Jüngern gegessen, ohne daß die Evangelisten uns erzählen, wo, auf welche Weise, unter welchen Umständen Er das Osterlamm aß. Diesmal aber berichten uns die Evangelisten umständlich, was vor, bei und nach dem Essen des Lammes geschehen ist und der Herr dabei gethan und geredet hat.

Bereits war eine große Geschäftigkeit unter den Hauseigenthümern Jerusalems. Jeder mußte alle Zimmer, die er in seinem Hause entbehren konnte, reinigen und mit den nöthigen Geräthschaften versehen, welche zur Bereitung des Osterlammes nothwenig waren, und die fremden Pilger nicht mit sich bringen konnten. Da sandte der Heiland den Petrus und Johannes ab und sprach: Gehet hin, und wenn ihr in die Stadt kommet, so wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt, dem folget, und wo er hineingehet, sprechet zu dem Hausherrn: der Meister läßt dir sagen: meine Zeit rückt heran; wo ist der Speisesaal, wo ich mit meinen Jüngern Ostern halten kann? Er wird euch darauf einen großen, wohleingerichteten Speisesaal zeigen; daselbst richtet es für uns zu. -- Petrus und Johannes machten sich alsbald auf den Weg, und als sie durch das Wasserthor in die Stadt eingetreten waren, begegnete ihnen wirklch ein Mann, der von der Quelle Siloa herauf mit einem Wasserkruge dem Berge Sion zuging, wo ehmals der Cedernpalast Davids stand, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde, und in welchem auch das Cönakulum oder der Speisesaal sich befand, welcher nach einer alten Ueberlieferung dem Nikodemus gehörte. Das Cönakulum war bereits zum Ostermahle eingerichtet. Petrus und Johannes beeilten sich, ein Lämmlein ohne Fehl und Makel zu kaufen, und nachdem sie es mit den übrigen zum Mahle erforderlichen Gerichten zubereitet hatten, erwarteten sie ihren Herrn und Meister.

Schon war es Abend geworden, als der göttliche Heiland mit seinen Aposteln von Bethanien aus in das Thal Kidron hinanbstieg und am Tempel vorüber zur Davidsburg auf Sion hinaufwandelte, um im Cönakulum das Osterlamm zu essen. Es war sein letzter Gang in die heilige Stadt, über die er zwei Tage zuvor so bittere Thränen geweint, weil sie die Tage ihrer gnadenvollen Heimsuchung nicht erkennen wollte; es war der letzte Abend seines Lebens, den er bestimmt hatte, um sein gegebenes Wort zu lösen und das größte Geheimniß seiner gränzenlosen Liebe, die hochheilige Eucharistie einzusetzen, denn schreibt der heil. Johannes (13,1): "Da er die Seinigen, welche in der Welt waren, lieb hatte, liebte er sie bis zum Ende", d.h. bis zu den äußersten Grenzen der Liebe. -- Schon funkelten die Sterne in ihrer Pracht am Himmel, als Er das Cönakulum betrat. Die Stunde war da, wo nach dem Gesetze das Ostermahl beginnen durfte. -- Nachdem er den Segen gesprochen, legte er sich mit den zwölf Aposteln zu Tische (Die Alten sassen bei der Mahlzeit nicht auf Stühlen, sondern ließen sich auf niedere Lagerbetten oder Polster nieder, die Füße rückwärts auf dem Boden ruhend.) und sprach: "ich habe ein großes Velangen gehabt, dieses Osterlamm mit euch zu essen, ehedenn ich leide." (Luk. 22,15.) Es hattte aber der Heiland diesmal ein so großes Verlangen nach dem Essen des Osterlammes, weil er jetzt in seiner unendlichen Liebe erfüllen wollte, was durch das Osterlamm seit fünfzehnhundert Jahren vorbedeutet worden, nämlich sich wie ein schuldloses Lamm für die Menschheit hinzuopfern und statt des Fleisches eines Lämmleins sein eigenes Fleisch und Blut den Seinen zur Speise zu geben.

Nachdem das Lamm genossen und die ewig unvergeßliche Stunde da war, in welcher der Heiland den ganzen Reichthum seiner Liebe durch Mittheilung seines heiligsten Fleisches und Blutes zu offenbaren beschlossen hatte, "stand er vom Mahle auf, legte seine Oberkleider ab, und nachdem er ein Linnen genommen, umgürtete er sich. Dann goß er Wasser in ein Becken und fing an seinen Jüngern die Füße zu waschen und sie abzutrocknen mit dem Linnen, womit er umgürtet war." (Joh. 13,4-6.) Diese Fußwaschung sollte die Apostel, welche Jesus jetzt, bei der Einsetzung des neuen Bundesopfers, zu Priestern des neuen Testamentes einweihte, und alle Gläubige belehren, daß sie nur mit demuthsvollster Liebe, rein von allen sündlichen Neigungen zum hochheiligen Mahle hinzutreten sollten.

Nachdem nun der Heiland die Füsse der Apostel gewaschen und sie so auf die hochheilige Handlung, welche jetzt beginnen sollte, vorbereitet hatte, zog er seine Oberkleider an und legte sich wieder zu Tische. -- Hierauf nahm Er, ganz in Liebe aufgelöst, das Brod in seine ehrwürdigen Hände, segnete, brach es und gab es den Jüngern mit den Worten: "Nehmet hin und esset; das ist Mein Leib, der für euch hingegeben wird." Deßgleichen nahm Er auch den Kelch, dankte, segnete und reichte ihn seinen Jüngern, indem Er sprach. "Trinket Alle daraus; das ist Mein Blut, das Blut des neuen Bundes, welches für euch und für viele wird vergossen werden zur Vergebung der Sünden. Thut dies zu Meinem Andenken."

Auf das Tiefste gerührt von der übergroßen Liebe ihres göttlichen Meisters empfingen die Apostel aus seinen Händen das gesegnete Brod und den gesegneten Kelch ohne zu fragen: Meister, was thust du? denn sie sahen und hörten jetzt klar, daß der Heiland ihnen nun das gab, was er ihnen vor einem Jahre verheißen und sie mit Vertrauen erwartet hatten; nämlich sein allerheiligstes Fleisch und Blut, aber auf eine geheimnißvolle, ihnen unbegreifliche Weise. Sie mußten sich jetzt der Worte erinnern, welche sie ein Jahr zuvor aus dem Munde ihres göttlichen Meisters vernommen hatten. "Ich bin das lebendige Brod, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brode ißt, der wird leben in Ewigkeit, das Brod aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt." (Joh. 6.) Sie sahen zwar das Brod in den Händen des Heilandes und den Wein im Kelche, und als sie davon genossen, hatten sie den Geschmack und Geruch des Brodes und Weines, aber sie zweifelten nicht im mindesten, daß dies nun gesegnete Brod, welches der Herr ihnen darreichte, nicht mehr Brod, sondern sein heiligstes Fleisch und der gesegnete Wein im Kelche nicht mehr Wein, sondern sein heiligstes Blut sei, denn er hatte ihnen ganz bestimmt und mit klaren Worten gesagt: "Esset, das ist mein Leib", und nicht "das wird mein Leib, das bedeutet meinen Leib"; "trinkt, das ist mein Blut", und nicht, das wird mein Blut, das bedeutet mein Blut. Sie mußten also glauben, daß hier durch das allmächtige Wort des Heilandes eine Wandlung stattgefunden habe, daß nämlich das Wesen des Brodes in das Fleisch und das Wesen des Weines in das Blut Christi umgewandelt worden, die äußeren Gestalten des Brodes und Weines aber, die Form, die Farbe, der Geschmack, der Geruch derselben geblieben seien, und der göttliche Heiland ihnen unter diesen Gestalten des Brodes und Weines sein heiligstes Fleisch und Blut wahrhaft zum Genusse dargereicht habe. -- Sie konnten daran auch nicht zweifeln, denn in dieser heiligen Stunde sprach der Heiland zu ihnen als zu seinen Gesandten, welche das, was er soeben that, allen Vökern der Erde verkündigen sollten. Gesandten aber gibt man nur bestimmte und unzweideutige Aufträge. -- Er sprach zu ihnen als Meister. Der Meister wird aber den Schülern Alles deutlich und bestimmt kundgeben. Er sprach zu ihnen als Gesetzgeber, indem er ihnen den Befehl gab, dasselbe zu thun, was er that. "Thuet dies zu meinem Andenken." Ein Gesetz aber, das für alle Zeiten Geltung haben soll, muß immer mit klaren, deutlichen Worten gemacht sein. Der Heiland stiftete auch in dieser denkwürdigen Stunde ein Bündniß, ein Testament (Matth. 26,28. Luk. 22,20.), Bündnisse aber und Testamente fordern immer klare und bestimmte Ausdrücke. Die Apostel waren also gezwungen, die Worte des Heilandes: "das ist mein Leib", "das ist mein Blut", im eigentlichen und wörtlichen Sinne zu nehmen und unbezweifelt zu glauben, daß ihr göttlicher Meister ihnen unter den Gestalten von Brod und Wein sein eigenes heiligstes Fleisch und Blut zum Genuße darreiche. Ja sie durften daran auch nicht zweifeln, ohne sich an dem Heiland zu versündigen. Denn sie hatten ihn als Sohn Gottes feierlich bekannt; ihn hatten sie einige Brode auf wunderbare Weise vermehren, ihn hatten sie auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandeln sehen; wie durften sie also zweifeln, daß er durch sein allmächtiges Wort das Brod in sein Fleisch und den Wein in sein Blut verwandeln könne?!

Und als er vor ihren Augen das konsekrirte Brod brach und jedem von ihnen einen Theil desselben zum Genuße reichte und hierauf den Kelch mit dem konsekrirten Weine unter sie austheilte, da konnten sie freilich nicht begreifen, wie unter den Gestalten von Brod und Wein der göttliche Heiland einem jeden Einzelnen von ihnen sich ganz mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Gottheit und Menschheit geben konnte und in Zukunft jedem der Millionen Gläubigen, die sich seinem heiligen Tische nahen, sich geben könne; allein sie mußten sich gestehen, daß dem Heilande nichts unmöglich sei, und daß er gemäß seiner Allmacht sein allerheiligstes Fleisch und Blut ebenso vervielfältigen könne, wie Er ein Jahr zuvor bei der wunderbaren Speisung von 5000 Mann das Brod vervielfältiget hatte, denn er hatte ihnen bei Darreichung des konsekrirten Bissen Brodes mit deutlichen Worten gesagt: "das ist mein Leib", und bei Austeilung des Kelches: "das ist mein But". -- Eben diese bestimmten Worte. "das ist mein Leib, das ist mein Blut", waren auch der Grund ihres Glaubens, daß der Heiland unter den Gestalten des Brodes nicht blos allein sein heiligstes Fleisch, getrennt vom Blute, und unter den Gestalten des Weines nicht blos sein heiligstes Blut, getrennt vom Leibe, mittheilte, sondern daß sie unter jeder Gestalt sein Fleisch und Blut empfingen, denn als er ihnen sagte: "das ist mein Fleisch", "das ist mein Blut", war er gegenwärtig vor ihnen mit seinem lebendigen Leibe. Sein Blut war mit seinem Leibe verbunden, seine Seele belebte seinen Leib und seine Gottheit war mit seinem Leibe und seiner Seele unzertrennlich vereiniget. --

Dieses Alles nun unbezweifelt glaubend genossen die heiligen Apostel, ganz aufgelöst in Liebe zu ihrem göttlichen Meister, das hochheilige Sakrament seines Fleisches und Blutes, und venahmen dann, gewiß mit nicht geringem Staunen, aus dem Munde des Herrn den Auftrag, das Gleiche, wie er, zu thun, indem er zu ihnen sprach: "Thuet dieses zu meinem Andenken." Diese Worte enthalten den bestimmten Befehl des Herrn und zugleich die Vollmacht und Fähigkeit, eben das zu thun, was Er vor ihren Augen gethan hat, nämlich Brod und Wein in seinen Leib und sein Blut zu verwandeln, diese himmlische Speise selbst zu genießen und Anderen auszusprenden. Solches zu thun steht aber in keines Menschen Kraft und Gewalt. Niemand wird behaupten, daß der Mensch aus sich selbst die Macht und Fähigkeit habe, Brod und Wein in Christi Leib und Blut zu verwandeln. Da aber Christus nichts Unmögliches befiehlt, so muß er auch mit dem Befehle die Macht und Fähigkeit dazu verliehen haben.

Nicht aber die Apostel allein ging dieser Befehl an, nicht ihnen allein ertheilte Christus diese Vollmacht und Fähigkeit, sondern auch ihren Nachfolgern, den Bischöfen und den von diesen giltig geweihten Priestern. Daß dem so sei, geht daraus hervor, weil die Vollmacht der Apostel bis an's Ende der Welt geht, sie aber lebten nicht bis ans Ende der Welt; weil Christus der Herr seine Kirche für alle Zeiten gestiftet und in ihr seine heiligen Sakramente, mithin auch das heiligste Altarssakrament für alle Zeiten niedergelegt hat und weil, wie der heilige Apostel Paulus im ersten Brief an die Korinther lehrt, (K. 11,26.), in diesem Sakramente der Tod des Herrn verkündet, d.h. in Erinnerung gebracht werden soll, bis er wieder kommt zum Gerichte. Da aber diese Wiederkunft erst am jüngsten Tage stattfinden wird, so müssen auch immer Priester da sein, welche das hochheilige Sakrament bis dahin vollbringen, nämlich Brod und Wein in das Fleich und Blut Jesu Christi verwandeln, und so den Tod des Herrn verkünden. Dieß vollziehen nun die Bischöfe und Priester in der heiligen Messe, indem sie über Brod und Wein die Worte aussprechen: "dieß ist mein Leib", "dieß ist der Kelch meines Blutes", oder "dieß ist mein Blut". Der Priester spricht diese heiligen Worte nicht in seinem eigenen Namen, sondern in der Person Christi aus, deßhalb sagt er auch nicht: "dieß ist der Leib Christi", sondern "dies ist mein Leib". Die Kraft der Wandlung wohnt also nicht im Priester, sondern in den Worten des Heilandes, womit er zuerst selbst die Wandlung vollzog, der Mund des Priesters ist nur das Werkzeug, durch welches Christus die heil. Wandlungsworte ausspricht.

V.

Von der wirklichen Gegenwart Christi
in der hochheiligen Eucharistie

In dem Augenblicke nun, wo der Priester diese heiligen Worte über Brod und Wein spricht, ist Christus unter den Gestalten derselben wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig.

Wahrhaft, d.h. nicht bildlich, nicht wie in einem Bilde, nicht vorgestellt durch die Brodsgestalt. Wirklich, nicht blos in der Einbildung, nicht duch den Glauben; er wird nicht blos gegenwärtig gedacht, oder geglaubt, nicht blos durch den Glauben empfangen, sondern er ist an und für sich gegenwärtig wie er im Himmel ist. Wesentlich, nicht blos mit seiner Kraft, oder mit seiner Gnade, wie in den übrigen Sakramenten, sondern mit seinem ganzen Wesen, seiner Gottheit und Menschheit, wie in der Krippe, wie am Kreuze, wie er zur Rechten des Vates im Himmel zugegen ist, und zwar unter den Gestalten des Brodes und Weines. -- Es bleibt also nach der Wandlung von Brod und Wein nichts mehr übrig, als die Form, die Farbe, der Geschmack, der Geruch etc. des Brodes und Weines, was man mit dem Worte "Gestalten" bezeichnet. -- Indem aber der Heiland unter den Gestalten des Brodes und Weines sich uns zum Genusse darbietet, hat seine Weisheit ein ganz geeignetes Mittel gefunden, unsere Seele mit seinem Fleische und Blute zu nähren und die Frage, welche die Juden einst zu Kapharnaum an ihn stellten: "Wie kann uns dieser sein Fleisch zu essen geben?" (Joh. 6.) ist dadurch auf wunderbare Weise gelöst. --

Es bleibt aber der göttliche Heiland unter den Gestalten des Brodes und Weines gegenwärtig, so lange als eben diese Gestalten vorhanden sind. So lange also die heiligen Hostien während oder nach der hl. Messe auf dem Altare sich befinden, oder im Tabernakel aufbewahrt, oder zu Kranken gebracht, oder in der Monstranz ausgesezt, oder in Prozession herumgetragen werden ist auch Christus der Herr gegenwärtig. Sobald aber die heiligen Hostien auf irgend eine Weise vergehen, hört auch Christus auf, sakramentalisch gegenwärtig zu sein. Daher spricht auch die Kirchenvesammlung von Trient den Bann über jene aus, welche nicht glauben, daß in den konsekrirten Hostien oder Partikeln, welche nach der Kommunion aufbewahrt werden oder übrig sind, nicht der wahre Leib des Herrn verbleibe. (Sitz. 13, K. 4.) Diese beständige Gegenwart Jesu unter den Gestalten des Brodes fordert die Eucharistie als Speise, die fortbesteht, so lange sie nicht verzehrt ist, und als Sakrament der Liebe, denn die Liebe will den geliebten Gegenstand immer bei sich haben, immer mit demselben verkehren, Jesus aber ist der geliebteste Gegenstand unseres Herzens!

Es entsteht nun aber die Frage, ob der Priester, wenn er die heil. Hostie bricht oder theilt, auch den Leib Christi bricht? Darauf diene zur Antwort: die heilige Kirche lehrt, daß der Priester nur die Gestalten bricht, der Leib Christi ist in jedem Theile ganz und lebendig auf eine wahre, wiewohl geheimnißvolle Weise zugegen. Deßhalb spricht auch die hl. Kirchenversammlung von Trient den Bann über Jene aus, welche läugnen, daß im heiligsten Sakramente der Eucharistie unter jeder Gestalt und nach geschehener Theilung unter den einzelnen Theilen einer jeden Gestalt der ganze Christus enthalten sei. (Sitz. 13. K. 3.) Christus ist ja mit dem nämlichen Leib im heiligsten Sakramente gegenwärtig, mit dem er im Himmel zur Rechten des Vaters ist, also mit seinem verklärten, geistigen, mithin unsterblichen, jeder Verletzung unzugänglichen Leibe, der daher auch nicht gebrochen, nicht verletzt werden kann. Was gebrochen oder zertheilt werden kann, das sind blos die Gestalten. Ebendeßhalb auch, weil Jesus mit seinem verklärten, geistigen Leibe zugegen ist, kann er auch im Himmel und auf Erden und an vielen Orten zu gleicher Zeit ganz und unzertheilt sein, denn ein geistiges Wesen ist an keinen Raum gebunden. -- Uebrigens ist diese Gegenwart Jesu an allen Orten, wo immer die heilige Wandlung geschieht oder das allerheiligste Sakrament aufbewahrt wird, ein Geheimniß, welches der katholische Christ, gestützt auf das unfehlbare Wort Gottes und seiner hl. Kirche, mit kindlicher Einfalt fest und unbezweifelt glaubt und standhaft vor aller Welt bekennt, bis der Glaube übergeht in Schauen und wir den unter den unscheinbaren Gestalten verborgenen Gott im Lichte der Glorie sehen werden von Angesicht zu Angesicht.

Dieser Glaube an die wirkliche Gegenwart Jesu im heiligsten Sakramente wird aber besonders verdienstvoll, wenn wir Jesum im hochheiligen Sakramente recht oft besuchen und ihn mit tiefster Ehrfurcht und Demuth anbeten. -- Christus ist uns ja Alles und in ihm haben wir Alles. Gleichwie in ihm alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft verschlossen sind (Koloss. 2,3.), so ist in ihm all' unser Gut und jedes Heilmittel für uns enthalten. -- "Verlangst du, daß eine Wunde geheilt werde", ruft der hl. Ambrosius aus, "Christus ist der Arzt. Glühest du von Fieberhitze. Er ist die Quelle. Wirst du von der Missethat beschwert. Er ist die Gerechtigkeit. Bedarfst du einer Hilfe. Er ist die Kraft. Füchtest du den Tod. Er ist das Leben. Verlangst du nach dem Himmel: Er ist der Weg. Fliehest du vor der Finsterniß. Er ist das Licht. Suchest du Speise. Er ist die Nahrung." -- Christus ist unser König, Lehrmeister, Hirt, Priester, Arzt, Freund, Vater, Bruder, Bräutigam, Licht, Leben, Quelle. Alle Güter und Gaben, die uns zufließen, kommen uns duch ihn und durch seine Verdienste zu. Wie können wir uns also von ihm fern halten, wie können wir ihm, unserm Freund und Bruder, der mit uns durch Annahme der menschlichen Natur in die innigste Verwandtschaft getreten, das verweigern, was wir unseren irdischen Freunden und Brüdern schuldig zu sein glauben, die Ehre nämlich des öfteren Besuches? Sind wir denn unserm liebwerthesten gütigsten Erlöser, der uns gränzenlos geliebt hat und noch immer liebt, nicht die innigste Gegenliebe schuldig? Und wenn wir ihn lieben, verlangt denn die Liebe nicht immer, in der Nähe des Geliebten zu weilen? -- Wenn Jesus, der süsseste Heiland, betheuert, daß es seine Wonne sei, bei den Menschenkindern zu sein (Sprichw. 8,31.), bei uns, die wir doch gar nichts Liebenswürdiges an uns haben, welche Freude, welche Wonne sollte es nicht für uns sein, ihn, die ewigschöne Liebe zu besuchen? -- Wenn wir ihn aber besuchen, so müssen wir ihn auch als unsern Gott, als unsern Schöpfer und Herrn, dem die allerhöchste Ehre gebührt, in tiefster Demuth und Ehrfurcht anbeten. Er hat seine göttliche Majestät deßhalb unter der Hülle des Brodes verborgen, damit wir ihm ohne Furcht nahen und ihm unsere Huldigung darbringen können. -- Mag daher das hochheilige Sakrament im Tabernakel aufbewahrt, mag dasselbe in der Monstranz oder im Ciborium ausgesetzt, mag es von der Hand des Priesters in Prozession getragen, mag es zu den Sterbenden gebracht werden, Jesus ist mit seiner Gottheit und Menschheit gegenwärtig und alle Gläubige müssen ihn anbeten, loben und preisen und verherrlichen. Denn "es bleibt kein Zweifel", lehrt die hl. Kirchenversammlung von Trient (Sitz. 13.), "daß alle Gläubige nach einer in der katholischen Kirche immer aufrecht erhaltenen Gewohnheit jene Anbetung, die dem wahren Gott selbst gebührt, diesem heiligen Geheimnisse bezeigen... Denn wir glauben, daß darin derselbe Gott zugegen ist, bei dessen Einführung in die Welt der ewige Vater gesprochen hat: ""Alle Engel Gottes sollen ihn anbeten"", eben jenen Gott, den die Weisen aus Morgenland fußfällig angebetet haben; Denjenigen, von welchem das Evangelium erzählt, daß er von den Aposteln in Galiläa angebetet worden ist." -- Es ist also kein Götzendienst, wenn wir das heiligste Sakrament anbeten, denn wir beten nicht Brod, nicht die Gestalten des Brodes, sondern das unter diesen Gestalten verborgene allerheiligste Fleisch und Blut Christi, seine Gottheit und Menschheit an. -- Diese, dem Gottmenschen schuldige Anbetung soll zugleich eine innere und eine äußere sein. Innerlich beten wir Jesum an durch lebendigen, unerschütterlichen Glauben an seine Gegenwart, durch zuversichtliche feste Hoffnung auf seine Macht und Güte, durch inbrünstige dankbare Liebe gegen ihn, das höchste Gut, durch tiefste Verdemüthigung vor seiner Würde und Macht. Aeußerlich, indem wir unsere innere ehrfurchtsvolle Gesinnung gegen ihn durch Falten der Hände, Kniebeugung, durch Klopfen an die Brust kundgeben. Dies sollen wir absonderlich thun, wenn im Gotteshause das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt ist, bei feierlicher Prozession und wenn das hochwürdigste Gut zu den Kranken getragen wird. Da sollen wir es uns zur größten Ehre rechnen, unsern Heiland Jesu vor der ganzen Welt zu verherrlichen, ein öffentliches Bekenntniß unseres Glaubens an seine gnadenvolle Gegenwart im heiligsten Sakramente abzulegen, und ihm, der aus übergroßer Liebe zu uns in unserer Mitte unausgesetzt bis an's Ende der Welt wohnen wollte, unsere dankbare Liebe bezeigen zu können.

Es hat aber der göttliche Heiland nicht blos deßhalb das heiligste Sakrament eingsetzt, um beständig bei uns zu sein, er wollte sich auch bis zum Ende der Welt auf unsern Altären für uns opfern, und dies geschieht in der heiligen Messe.

VI.

Vom heiligen Meßopfer.

1. Vom Opfer überhaupt und den Opfern im alten Bunde.

Der Mensch konnte zu keiner Zeit mißkennen, daß er von Gott gänzlich abhänge und ihm, seinem Schöpfer und Herrn Unterwerfung und Hingebung schuldig sei. Diesem Gefühle der Hingabe an Gott und der Unterwürfigkeit unter dessen unumschränkte Oberherrschaft, dessen sich der Mensch nicht entschlagen konnte, gab er durch Darbringung einer sichtbaren Gabe Ausdruck. -- Die Darbringung einer sichtbaren Gabe aber, um Gott anzubeten und zu verherrlichen ist das Opfer. Das Opfer im eigentlichen und religiösen Sinne fordert also eine sichtbare Gabe, Brod, Wein, Feldfrüchte, Thiere etc. und die Absicht, durch Darbringung solcher Gaben Gott als höchsten, unumschränkten Herrn anzuerkennen, zu ehren und anzubeten. Damit aber das Opfer seiner Bestimmung entspreche, nämlich die vollkommene Hingabe an Gott und die Anerkennung seiner unumschränkten Herrschaft über Alles, was der Mensch besitzt, selbst das Leben, zu versinnbilden, war es zu allen Zeiten und bei allen Völkern Sitte, die zum Opfer bestimmten Thiere zu schlachten, den Opferwein auszugießen, einen Theil des Opfers zu genießen, den anderen zu verbrennen und durch diese Umänderung oder Zerstörung der Opfergaben zu bekennen, daß der Mensch ganz und gar Gottes Eigenthum sei, daß Gott über sein Leben und seine Güter verfügen könne.

Vor dem Sündenfalle war das Opfer zunächst Anbetungs- und Lobopfer. Der Mensch aber lobet und preiset seinen Schöpfer vorzüglich wegen der von ihm empfangenen Wohlthaten und betet ihn an als die Urquelle und den Spender alles Guten, von dem jede gute Gabe kommt. Daher ist das Anbetungs- und Lobopfer zugleich auch Dank- und Bittopfer. In dieser vierfachen Weise brachten die ersten Menschen, da sie noch im Paradiese und im Stande der Unschuld waren, Gott dem Herrn sich selbst zum Opfer dar.

Durch die Uebertretung des göttlichen Gebotes aber sagten sich die Menschen von Gott los, verweigerten ihm das Opfer und es trat die Strafe ein, die der Herr gedroht hat: "Du wirst des Todes sterben." Die Menschen hatten die Macht nicht, diesen Tod aufzuheben, Schuld und Strafe hinwegzunehmen, Gott wieder mit sich zu versöhnen; aber im Bewußtsein ihrer Schuld, im Bewußtsein, ihr Leben verwirkt zu haben, versuchten sie es dennoch, und brachten von nun an außer den unblutigen Opfern auch blutige dar. Von dem Gefühle durchdrungen, des Lebens unwürdig, dem Tode geweiht und der Sühnung bedürftig zu sein, erwürgten sie die Opferthiere und wählten hiezu, um sie Gott angenehmer zu machen, die kostbarsten, sanftesten, unschuldisten Thiere aus, welche mit dem Menschen im innigsten Verhältnisse standen. Auf solche Weise wurde das Opfer auch Sühn- oder Versöhnungsopfer.

So war also das Opfer beim Beginne der Welt vorhanden. Hierüber gibt uns die heilige Schrift Zeugniß. -- Schon die beiden Söhne unserer Stammeltern brachten dem Herrn Opfer dar: Kain von den Früchten der Erde, Abel von den Erstlingen seiner Heerde. (1. Mos. 4.) Der Patriarch Noe errichtete, nachdem die Wasser der Sündfluth verlaufen waren, dem Herrn einen Altar, nahm von allen reinen Thieren und Vögeln und opferte Brandopfer auf demselben. (1. Mos. 8.) Abraham sollte auf Gottes Geheiß seinen geliebten Sohn Isaak auf dem Berge Moria opfern. -- Doch Gott, der nur den Gehorsam des Patriarchen prüfen wollte, ließ ihn dieses Opfer nicht vollziehen, und Abraham brachte hierauf zum Danke Gott dem Herrn ein Brandopfer dar (1. Mos. 22.), und sein Sohn und Enkel Isaak und Jakob erbauten dem Herrn Altäre. (1. Mos. 26.) Selbst bei den Völkern, die nicht von Abraham abstammten, wurde dem Herrn geopfert. So opferte Melchisedech, König von Salem, Brod und Wein (1. Mos. 14.) und der gottesfürchtige Job brachte Brandopfer für einen jeglichen seiner Söhne dar. (Job 1,5.) -- Auch bei den Völkern der Heiden, welche die Kenntniß des wahren Gottes verloren hatten, finden wir Altäre und Opfer, und was mit dem hl. Augustin wohl zu bemerken ist, "nur Gott, oder dem, was man für Gott hielt, wurden zu allen Zeiten Opfer dargebracht. -- Da nun bei allen Völkern der Erde, bei dem auserwählten Volke Gottes sowohl als auch bei den Heiden Opfer angetroffen werden, so darf man wohl in Wahrheit annehmen, Gott selbst habe die Menschen von Anbeginn über diese Art ihn zu verehren, belehrt, um so mehr, als er dem Moses nach dem Auszuge des auserwählten Volkes aus Aegypten in das Land der Verheißung die Darbringung verschiedener Opfer ausdrücklich gebot, und hierüber die bestimmtesten Vorschriften gab.

Die von Gott durch Moses vorgeschriebenen Opfer waren theils blutige, theils unblutige. Bei den blutigen Opfern wurde das Blut verschiedener Thiere durch Schlachtung vergossen. Zu Opferthieren wurden meistentheils Rinder, Schafe, Lämmer, Ziegen, bisweilen auch Tauben gewählt, dieselben mußten aber alle makellos und ohne Fehler sein. Die unblutigen Opfer bestanden aus Mehl, ungesäuertem Brod, Oel, Wein und wohlriechenden Spezereien und waren fast immer mit den blutigen verbunden. -- Diese Opfer wurden entweder zur Anbetung Gottes dargebracht und hießen dann Brandopfer. Das Opferthier wurde nämlich verbrannt und dessen Blut rings um den Altar gsprengt. Das Brandopfer war immer das vorzüglichste, weil es die gänzliche Unterwerfung unter die Herrschaft Gottes, die vollkommene Hingabe an Gott sinnbildete, weßhalb man es Lob- oder Huldigungsopfer nannte. -- Nach dem Brandopfer folgte das Friedopfer, auch Dank- oder Bittopfer genannt, je nachdem man durch dasselbe für empfangene Wohlthaten Gott danken oder um Wohlthaten bitten wollte, und das Sühn-, Schuld- oder Versöhnungsopfer, um von Gott Barmherzigkeit, Verzeihung der Sünde, Tilgung unverschuldeter Unreinigkeit zu erflehen. Die Opfer waren sowohl für das ganze Volk, als auch für einzelne Israeliten bestimmt. Täglich wurde ein Lamm am Morgen und Abend, dazu Brod aus reinstem Weizenmehl und Wein, als immerwährendes Brandopfer, und am Versöhnungstag ein Bock als Sühnopfer für das ganze Volk dargebracht. Eigenthümlich war, daß bei Dank- und Bittopfern nur einzelne Stücke des Opferthieres verbrannt, die übrigen theils von dem Opfernden, theils vom Priester verzehrt wurden. Dieses Essen vom Opferthiere zeigte das Verlangen an, mit Gott in Gemeinschaft zu treten, Kommunion zu halten. Daher mußte, wenn alle drei Opfer, Dank-, Bitt- und Sühneopfer miteinander dargebracht wurden, das Sühnopfer vorausgehen, damit der Opfernde von der Sünde gereinigt würdig sei, durch Genuß vom Opferfleisch des Dank- oder Bittopfers mit Gott in Gemeinschaft (Kommunion) zu treten.

Alle diese Opfer waren aber Gott dem Herrn nur insofern wohlgefällig, als sie dazu dienten, die Israeliten zum lebendigen Bewußtsein ihrer Sündenschuld zu bringen und auf das vollkommen unbefleckte Opfer des neuen Bundes hinzuweisen. Sie konnten von Sünden nicht reinigen und die Schuld nicht hinwegnehmen, "denn es ist unmöglich", schreibt der hl. Apostel Paulus, "daß durch Blut von Stieren und Böcken Sünden getilgt werden" (Hebr. 10, 1-4.); sie waren nur, wie derselbe Apsotel schreibt, "zur Erinnerung an die Sünden", das heißt, die Israeliten mußten bei jedem neuen Opfer, das sie darbrachten, ihre Schuld erkennen und da kein Opfer dieselbe wegnahm, nach einem besseren, vollkommneren Opfer sich sehnen, welches gänzlich reinigen und die Schuld und zwar für immer hinwegnehmen könnte.

Dieses vollkommene Opfer des neuen Bundes ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, selbst, der sich am Kreuze seinem himmlischen Vater in blutiger Weise für uns Menschen aufgeopfert hat.

Die Schuld, welche seit Adams Fall auf der gesammten Menschheit lastete, war allzugroß, als daß irgend ein Geschöpf, weder Engel noch Mensch, sie hätte abtragen und durch gebührende Genugthuung eine Aussöhnung zwischen Gott und Menschen hätte zu Stande bringen können. Da sprach endlich Gottes Sohn in unendlicher Barmherzigkeit und Liebe: "Siehe, ich komme" (Ps. 39. Hebr. 10.), nahm die menschliche Natur an, opferte sich am Stamme des Kreuzes und vergoß sein Blut für uns. Dieses Opfer am Kreuze war ein vollkommenes, es hat die Schuld von der Menschheit vollkommen hinweggenommen, Gott mit uns vollkommen versöhnt. Denn weil Jesus nicht blos Mensch, sondern auch Gott war, also Gottmensch, so war auch sein Blut vom unendlichen, kostbarsten Werthe und sein Opfer war daher das vorzüglichste, allein wirksamste Sühnopfer. Es war aber auch das vollkommenste Lob- und Dankopfer, indem Gott durch dasselbe als der höchste unumschränkte Herr, dem jegliche Ehre und Anbetung, jeder Dienst und Gehorsam gebührt, als der Urquell und Spender aller Güter, insbesondere des Lebens, anerkannt und als solcher im Angesichte des Himmels und der Erde vom Kreuze herab verkündet ward; desgleichen ein unendlich vollkommenes Bittopfer, das mehr als Alles geeignet ist, uns reichliche Gnaden der Erbarmung, überschwängliche Güter des Heiles von Gott zu erlangen. Oder welche Bitten könnte Gott versagen, wenn die Stimme des Blutes seines geliebten Sohnes zu ihm dringt, jenes hochheiligen Blutes, "das besser redet als das Blut Abels" (Hebr. 12.), indem es nicht wie dieses um Rache, sondern um Erbarmung fleht.

Als das große Sühnungs-, Lob, Dank- und Bittopfer war Christus am Kreuze gestorben. Durch die freie Hingabe seines eigenen Wesens und Lebens hatte er der Welt die wahre Bedeutung des Opfers, das Ziel alles bisherigen Opferdienstes gezeigt. Damit war auch alles bisherige heidnische und jüdische Opferwesen abgeschafft; die Opfer des alten Bundes sollten aufhören, sie waren ja nur Sinnbilder des allein wahren, vollgiltigen Opfers des neuen Bundes, "nur der Schatten dessen, was zukünftig ist" (Koloss. 2, 17.); sie sollten nur die erlösungsbedürftige und nach einem Erlöser sich sehnende Menschheit auf den Erlöser hinweisen. Darum läßt der hl. Apostel Paulus, an das Opfer Christi erinnernd, den Heiland bei seinem Eintritte in die Welt zu seinem himmlischen Vater also sprechen: "Schlachtopfer und Gaben" (wie sie bisher dargebracht wurden) "verlangst du nicht, einen Leib aber hast du mir zugerichtet. An Brand- und Sündopfern hast du kein Wohlgefallen (mehr). Da sprach ich: Siehe, ich komme, zu vollbringen, Gott, deinen Willen." "Er hebt also das Erste (die Opfer des alten Bundes) auf, damit er das Andere (das Opfer des neuen Bundes) festsetze." (Hebr. 10, 5. 6. 7. 9.)

Durch das Opfer Christi am Kreuze wurden aber die Opfer des alten Bundes nicht in der Weise abgeschafft, als sollte im neuen Bunde kein Opfer mehr stattfinden, vielmehr sollte auch der neue, von Christus gestiftete Gnadenbund, ein immerwährendes Opfer besitzen, um jenes, das am Kreuze Einmal vollbracht wurde, allzeit zu vergegenwärtigen und uns die Früchte desselben zuzuwenden.

2. Vom immerwährenden Opfer des neuen Bundes.

Daß auch der neue Bund ein Opfer besitzen und dasselbe so lange fortdauern sollte, als der Bund, nämlich die Kirche, besteht, erhellt aus Folgendem:

1) Soll der neue, von Christus gestiftete Gnadenbund, oder die Kirche, seiner Bestimmung gemäß wirklich das sein, was der alte Bund, die jüdische Kirche dem Schatten oder Vorbilde nach war, so muß dieser Gnadenbund ebenso sein Opfer haben; das Vorbild muß in Wirklichkeit übergehen. -- Nun wissen wir, daß es im alten Bunde nicht blos ein Einmaliges, sondern alltägliche, nicht blos blutige, sondern auch unblutige Opfer gab, daß ferner auch bei den Opfern eine Theilnahme durch Genuß von Seite der Priester und des Volkes, eine Art Kommunion stattfand. War dieses Alles nur Vorbild und Vorbedeutung, wie es auch in Wirklichkeit nicht anders war, so muß alles Dieses im neuen Bunde vorhanden sein, das Vorbild muß zur Wahrheit, die Vorbedeutung muß verwirklicht werden. Wurde daher im alten Bunde alltäglich ein Opfer dargebracht, so muß auch im neuen Bunde Gott durch ein tägliches Opfer geehrt und angebetet, so muß das dem Allerhöchsten unendlich wohlgefällige Opfer seines Sohnes, das Einmal am Kreuze in blutiger Weise vollbracht worden, bis zum Ende der Zeiten auf den Altären des neuen Gnadenbundes unblutiger Weise dargebracht und vergegenwärtiget werden, es muß der neue Bund ebenfalls ein Opfer besitzen, an welchem die Glieder dieses Bundes durch Genuß theilnehmen, kommuniziren können.

2) Die christliche Religion übertrifft an Vollkommenheit alle Religionen, sie kann ebendeßhalb des Opfers nicht entbehren. Im Gottesdienste aller Religionen der Welt bildet das Opfer die Hauptsache. Sollte es nun möglich sein, daß Christus seiner Religion nicht einmal die Einrichtung gegeben habe, deren Heilsamkeit alle Völker von jeher erkannt haben? Hatten die Menschen schon im natürlichen Gesetze ihre Opfer, hatten die Juden, hatten die Heiden Opfer, soll nun die christliche, die allein wahre Religion, kein Opfer haben, umsomehr als

3) die Hilfsbedürftigkeit des Menschen ein beständiges Opfer fordert. -- Der Mensch bedarf der Gaben Gottes, Gott gibt sie und der Mensch empfängt sie. Dem Geben Gottes muß aber ein Geben des Menschen entsprechen, und die Gabe des Menschen muß auch würdig sein, von Gott angenommen zu werden. Mit welcher Gabe aber kann das Geschöpf seinem Schöpfer, der mit Gnaden Ueberhäufte seinem Begnadiger nahen? Auch wenn der Mensch sich selbst hingeben würde, muß er nicht befürchten, weil von Sünden befleckt, von Gott nicht angenommen zu werden? Welche Gabe ist nun den Gnadengeschenken Gottes angemessen und der Annahme würdig? Gewiß nur diejenige, welche der Gottmensch darbrachte, als er sich hingab, nur jenes Opfer, durch welches er unsere Schuld bezahlte und Gottes Huld und Gnade uns erworben hat. Und dieses Opfer darf nicht aufhören von der Erde zum Himmel emporzusteigen, wenn die himmlische Gnadenquelle nicht aufhören soll, sich auf die Erde zu ergießen. Deßhalb hat auch Jesus seine Kirche in den Stand gesetzt, das reinste, erhabenste, vollkommenste Opfer durch ihn, mit ihm und in ihm Gott darzubringen: durch ihn, weil er, sich opfernd, für die Seinigen sich hingibt; mit ihm, weil die Gläubigen, mit ihm durch Glaube und Liebe sich einigend, in seine Hingebung sich einschließend, das Opfer ihrer selbst, ihre Anbetung, ihren Preis, ihren Dank entrichten; in ihm, weil die Kirche ihn, der ihr geboren und geschenkt, daher ihr kostbarstes Eigenthum geworden, dem himmlischen Vater aufopfert; um aber dies thun zu können, muß sie ihn immer auf ihren Altären gegenwärtig haben. (Kössing über die heilige Messe.)

4) Der Opfertod Jesu am Kreuze ist eine That der unaussprechlichen Liebe Gottes; das läugnet gewiß Niemand. Nun aber, wer darf sagen: Gott habe in dieser seiner Liebe abgenommen oder gar aufgehört? Ferner hat Gott versprochen, alle Menschen zu allen Zeiten zu erlösen, wie könnte er wohl aufhören, sein Versprechen zu halten?! Wer da sagt, Jesus habe mit dem Kreuzopfer aufgehört sich zu opfern, scheint ferner keinen richtigen Begriff von den unendlichen Verdiensten Jesu Christi zu haben; er scheint die Verdienste von der Person des Gottmenschen zu trennen. -- Durch seinen freiwilligen tiefsten Gehorsam und seine allaufopfernde Liebe im Kreuzestode ist Christus selbst vor seinem Vater verdienstvoll geworden. Immerwährende Zeugen dessen sind vor dem Throne Gottes seine nun verherrlichten Wunden, immerdar rufen sie um Versöhnung und Heil für die Menschen. Die unendlichen Verdienste sind also nicht von der Person Jesu getrennt; sondern er ist selbst der Verdienstvolle, gleichwie die Sonne auch in sich selbst die Licht-, Glanz- und Segensfülle ist. Die Lichtstrahlen sind nicht von der Sonne getrennt; sie sind eine immerwährende Ausströmung derselben; mit dem Sonnenlicht würden auch die Lichtstrahlen und mit den Lichtstrahlen auch alle Segensfrucht von der Erde verschwinden.

Ebenso sind auch die Verdienste Christi eine immerwährende Ausströmung seiner eigenen, persönlichen, durch den Opfertod am Kreuze erworbenen Verdienste und Gnadenfülle. Würde nun in irgend einem Augenblick der verherrlichte Gottmensch Jesus in seinem Opfergeiste aufhören thätig zu sein, so hörten auch für die Menschen alle seine Verdienste und Gnaden auf. Wenn Christus aufgehört hätte, sich für das Heil der Menschen zu opfern, so würden wohl diejenigen, welche sich das Versöhnungsopfer am Kreuze auf dem Kalvarienberg zu Nutzen machten, erlöst worden sein, aber nachher Niemand mehr. --

Selbst die heiligen Sakramente, und unter diesen vor allen die Taufe hätten keine Wirkung, keine Entsündigung und Heiligung mehr. -- Mit der Quelle vertrocknen auch die daraus fließenden Bäche. Wer also auch jetzt noch und allzeit der Verdienste des Gottmenschen theilhaftig werden will, der muß nothwendig einen Christus haben, der noch immer im gleichen Opfergeiste thätig ist; gleichwie man eine Sonne haben muß, will man ihre Wirkung erfahren. Daraus erhellt also, daß das blutige Opfer Christi am Kreuze unblutiger Weise fortdauern müsse. Dies fordert die unabänderliche Liebe Gottes, dies verbürgt die persönliche Verdienst- und Gnadenfülle des Heilandes, die immerdar wie die Sonne ihre belebenden Strahlen, Gnade und Heiligung ausströmt. (Fischer "Sonne und Rose" etc. Luzern. p. 78 u.s.f.) -- Kurz und mit einem Worte: "Opfer und Erlösung sind in Christo Jesu eins; durch sein Opfer am Kreuze hat er die Erlösung vollbracht für das ganze Menschengeschlecht von Anbeginn bis zu dem, der der letzte aller irdische Gebornen sein wird. Aber in den einzelnen Menschen ist dieses Werk noch nicht vollbracht; ihre Erlösung und Heiligung ist in der Kirche eine lebendige Fortsetzung der That am Kreuze; denn alles, was Christus an den Menschen wirkt, das wirkt er in der Kraft seines Opfers, jedem Gläubigen wendet er die Früchte desselben besonders zu." (Döllinger "Christenthum und Kirche." -- "Auf dem Kalvarienberg am Kreuze ist Jesus das allgemeine Opfer, auf dem Altare aber ist er das Opfer für jeden einzelnen aus uns; dort war er nur das Opfer, hier wird er als ein solches verehrt und anerkannt; dort wurde die Versöhnung vollzogen, hier wird sie jedem einzelnen Menschen angeeignet, hier wird sie dargestellt, gepflegt und gefördert." (Möhler "Symbolik".)

5) Diese Fortdauer des Opfers Jesu Christi in unblutiger Weise auf den Altären der Kirche wird auch bezeugt durch das Wort Gottes selbst, der ein solches Opfer verheißen und vorhergesagt hat. --

a) Nach der Erklärung des Apostels Paulus haben wir von Christus die Worte zu verstehen: "Es schwur der Herr, und niemals wird es ihn gereuen. Du (mein Sohn) bist Priester ewiglich nach der Weise Melchisedechs." (Ps. 109, 4.) Demnach muß Christus Priester sein und als solcher ein Opfer darbringen, da es eine besondere Aufgabe des Priesters ist, zu opfern und ein Priester ohne Opfer nicht gedacht werden kann. "Denn jeder Hohepriester wird aufgestellt zur Darbringung von Gaben und Opfern", schreibt der Apostel. Hebr. 8, 3. Melchisedech zeichnete sich als Priester dadurch aus, daß er Brod und Wein darbrachte, mithin mußte auch Christus, um das vorbildliche Priesterthum Melchisedechs zu erfüllen, sein Opfer unter den Gestalten des Brodes und Weines darbringen. Christus wird ferner ein Priester "ewiglich" oder ein ewiger Priester nach der Weise Melchisedechs genannt; er muß folglich bis an's Ende der Zeiten durch die Apostel und ihre Nachfolger sich in dieser Weise opfern. Denn da er als König und Lehrer bis zum Ende der Zeiten auf Erden thätig ist, so muß er auch in seiner Kirche auf Erden fort und fort als Priester auftreten.

b) Was nun Gott auf so feierliche Weise verheißen hatte, das hat er auch ganz bestimmt und deutlich vorherverkündigen lassen. Der Prophet Malachias spricht von einem auf dem ganzen Erdenkreise darzubringenden Opfer, indem er sich im Namen Gottes an die israelitischen Priester mit den Worten wendet: "Ich habe kein Gefallen mehr an euch, spricht der Herr der Heerschaaren, und nehme kein Opfer mehr von euern Händen. Denn vom Aufgange der Sonne bis zum Untergange wird mein Name groß werden unter den Völkern und an allen Oren wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer (Speiseopfer) dargebracht werden, denn groß wird mein Name werden unter den Völkern, spricht der Herr der Heerschaaren." (Malach. 1,10.11.) Das reine Opfer, welches Gott durch den Mund des Propheten verheißt, wird nur im neuen Bunde dargebracht, denn die bisherigen sind Gott mißfällig; er nimmt sie nicht mehr an. Dieses reine Opfer kann das Kreuzesopfer nicht sein; es war zwar das reinste und vollkommenste, aber es wurde nur Einmal und zwar in blutiger Weise auf dem Kalvarienberge dargebracht. Dagegen soll das neue Opfer an allen Orten unter allen Völkern stattfinden, und soll kein blutiges mehr, sondern ein unblutiges, ein aus Weizenmehl bereitetes (hebräisch Mincha) Speiseopfer sein. Auch keines der jüdischen Opfer kann darunter gemeint sein, denn keines derselben wurde an allen Orten und unter allen Völkern, sondern nur im Tempel zu Jerusalem dargebracht. Man kann darunter auch nicht die geistigen Opfer des Gebetes, der guten Werke etc. verstehen, denn Gott spricht von einem Opfer, welches, weil ein Speiseopfer, genossen wird. Noch weniger bezeigt Gott sein Wohlgefallen an den heidnischen Opfern, denn diese, durch Trug, Unzucht und Mord entweiht, wurden gewöhnlich den bösen Geistern dargebracht.

Dieses neue, reine Opfer, das unter allen Völkern vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange dargebracht werden soll, kann daher kein anderes sein, als das immerwährende Opfer des neuen Bundes, -- das heilige Meßopfer des Leibes und Blutes Jesu Christi, welches wirklich auf unsern Altären an allen Orten des Erdkreises, wohin immer die frohe Botschaft des wahren christlichen Glaubens gedrungen ist, nach der Weise Melchisedechs unter den Gestalten des Brodes und Weines von den Priestern Gott, dem Allerhöchsten, dargebracht wird.

3. Von der Einsetzung des heil. Meßopfers.

Das heilige Meßopfer (Gemäß den Worten des Heilandes: "Werfet eure Perlen nicht den Hunden vor", Matth. 7, 6., suchten die ersten Christen das erhabene Geheimniß der hochheiligen Eucharistie sorgfältig vor den Uneingeweihten und Feinden des christlichen Glaubens, Juden und Heiden, zu verheimlichen, um es nicht dem Spotte, der Verachtung und Entweihung auszusetzen; deßwegen wählten sie zur Bezeichnung des hochheiligen Opfers den unbestimmten Namen Missa, Messe (Entlassung, Verabschiedung), und bezeichnet dieß Wort bald die Entlassung der Katechumenen (der noch nicht getauften Christenlehrschüler) vor der eigentlichen Feier des heil. Opfers, bald die eigentliche Feier der heiligen Geheimnisse selbst, oder den Theil des Gottesdienstes von der Opferung bis zum Schlusse, welchem die Katechumenen nicht beeiwohnen durften.) hat Jesus Christus wirklich eingesetzt, als er beim letzten Abendmahle sich selbst unter den Gestalten von Brod und Wein seinem himmlischen Vater aufopferte und auch den Aposteln dieses sein Opfer zu feiern gebot. Denn

1) erst dadurch hat das vorbildliche Opferlamm, welches die Juden auf Geheiß Gottes alle Jahre zu Ostern schlachten und genießen mußten, und welches Jesus selbst noch kurz vor der Einsetzung der hochheiligen Eucharistie mit seinen Aposteln genossen hat, die vollkommene Verwirklichung seiner Vorbedeutung erlangt. Allerdings war das Osterlamm ein Vorbild des Kreuzesopfers; allein das Kreuzesopfer konnte nicht wie das Osterlamm genossen werden, dies geschah erst beim Abendmahle, wo Jesus sein Fleisch und Blut unter den Gestalten des Brodes und Weines opferte, den Jüngern zum Genusse darreichte, und so sich als das wahre Osterlamm darstellte.

2) Jesus hat beim letzten Abendmahl dadurch, daß er seinen Leib unter den Gestalten des Brodes und sein Blut unter den Gestalten des Weines, also seinen Leib getrennt vom Blute hingab, sich selbst im Zusatande des Hinsterbens, oder seinen Tod dargestellt. Die Trennung des Blutes vom Leibe begründete seinen Opfertod am Kreuze, mithin auch die Darstellung dieser Trennung seines Leibes und Blutes unter den gesonderten Gestalten des Brodes und Weines sein Opfer beim Abendmahl. -- Darauf weisen auch die Worte hin, die er dabei gesprochen hat: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird, dies ist der Kelch, der neue Bund in meinem Blute, das für euch wird vergossen werden." (Luk. 22.) Den nämlichen Leib, den er am Kreuze opferte, das nämliche Blut, das er am Kreuze vergoß, gab der Herr hin und zwar so wie am Kreuze, so auch hier seinem himmlischen Vater. Es findet sich also hier wie am Kreuze eine Hingabe zur Ehre Gotts, folglich auch hier wie am Kreuze ein Opfer. -- Dieses Opfer hatte auch

3) alle Erfordernisse eines wahren Opfers. Die sichtbare Gabe war der Leib des Herrn unter den Gestalten des Brodes und das Blut unter den Gestalten des Weines. Die Darbringung desselben bestand darin, daß Jesus seinen Leib, der für uns am Kreuze sollte hingegeben und sein Blut, das für uns und für Alle sollte vergossen werden, im Voraus seinem himmlischen Vater mit eben der vollkommenen Hingabe zum Gehorsame bis zum Tode, wie nachher am Stamme des Kreuzes, aufopferte, nur war dieses Opfer kein blutiges wie am Kreuze, sondern ein unblutiges, wie das Opfer Melchisedechs.

Dieses unblutige Opfer sollte aber nicht blos Einmal stattfinden, sondern wie es der Prophet vorausgesagt, fortdauern bis zum Ende der Zeiten, daher mußte auch Christus fort und fort wie im Himmel sein Gebet so auch auf Erden sich selbst unter den Gestalten des Brodes und Weines seinem himmlischen Vater darbringen. -- Da aber der Herr die Seinigen verlassen und zum Vater zurückkehren wollte, so setzte er nach der ersten Feier des heiligen Opfers seine Apostel zu Priestern ein mit den Worten: "Thuet dies zu meinem Andenken", und weil es keine Zeit geben sollte, wo nicht dies unblutige Opfer sollte gefeiert werden, so gefiel es dem Herrn, die Vollmacht, welche er seinen Aposteln ertheilte, auch ihren Nachfolgern im Priesterthume zu verleihen. So ist also das heilige Meßopfer wirklich das immerwährende Opfer des neuen Bundes, in welchem sich Christus der Herr unter den Gestalten des Brodes und Weines seinem himmlischen Vater durch die Hände des Priesters unblutiger Weise opfert, wie er sich einst am Kreuze blutiger Weise geopfert hat. (Nach Deharbe's und Wilmers Lehrbuch.) --

Zwischen dem Kreuzesopfer und dem heiligen Meßopfer ist daher kein wesentlicher Unterschied, weil in beiden der Nämliche opfert und geopfert wird, Jesus Christus unser Herrr. Nur die Art und Weise zu opfern ist verschieden; am Kreuze opferte sich Christus blutiger Weise; in der Messe aber opfert er sich unblutiger Weise, indem er das am Kreuze vollbrachte Opfer erneuert, ohne mehr zu leiden und zu sterben. Hierüber spricht sich die Kirchen-Versammlung von Trient also aus: (Sess. 22.) Es ist ein und dieselbe Opfergabe, ein und derselbe jetzt durch die Priester sich Opfernde, der sich selbst damals am Kreuze opferte.... Im Meßopfer wird nämlich derselbe Christus unblutiger Weise geopfert, der sich selbst auf dem Altare des Kreuzes Einmal blutiger Weise geopfert hat." Nur einmal sollte dies blutige Opfer stattfinden. "Christus, schreibt der Apostel Paulus (Hebr. 9.), ist mit seinem eigenen Blute ein für allemal in's Heiligthum (in den Himmel) eingegangen, und hat eine ewige Erlösung erfunden." Zwar wird in der hl. Messe derselbe Christus wie am Kreuze geopfert, aber er stirbt nicht wirklich, denn sein glorreich auferstandener, verherrlichter Leib kann nicht noch einmal sterben. -- Allerdings hat sich beim Abendmahlsopfer Christus eigenhändig aufgeopfert, während er jetzt im hl. Meßopfer durch die Hände des Priesters dieses thut, alllein auch dies begründet keinen wesentlichen Unterschied, denn der Priester vollzieht die heilige Handlung im Namen Christi, Christus ist der eigentliche Opferer, so wie derjenige, welcher durch die Hand eines Andern Almosen spendet, nichtsdestoweniger der eigentliche Almosenspender ist. Dabei aber darf nicht übersehen werden, daß die Bestimmung des hl. Meßopfers eine andere ist, als die des Kreuzesopfers. --

Das Opfer am Kreuze wurde dargebracht, um die Erlösung des gefallenen Menschengeschlechtes zu bewirken und für die Sünden der Welt Genugthuung zu leisten. -- Und diese Bestimmung hat das blutige Kreuzopfer ein für allemal vollkommen erreicht. Die Welt ist für immer erlöst, für alle Sünden des ganzen Menschengeschlechtes ist überschwänglich genug gethan. Daher schreibt der heil. Paulus an die Hebräer vom Kreuzopfer Christi handelnd (9, 26-28.): "Er ist Einmal zur Hinwegnahme der Sünde durch sein Opfer erschienen. Und wie es dem Menschen bestimmt ist, Einmal zu sterben.... so ward auch Christus Einmal geopfert, um vieler Menschen Sünden hinwegzunehmen." -- Hat also Christus vor seinem Leiden das heilige Meßopfer eingsetzt und dessen stete Darbringung verordnet, so that er dieses offenbar nicht, damit die Menschheit dadurch nochmals erlöst und für die Sünden der Welt nochmals Genugthuung geleistet wird, er that dies vielmehr,

1) damit durch dasselbe sein blutiges Opfer am Kreuze als ein vollbrachtes und von Gott angenommenes Opfer vergegenwärtigt würde, und das Andenken an dasselbe bis zum Ende der Zeiten fordauerte, wie dies auch die Kichenversammlung von Trient lehrt. (Sitz. 22.) Daher ist die heilige Messe die eigentliche gottesdienstliche Feier der Kirche Christi, die von Christen und in der Kirche begangen werden kann; sie ist eine Erweisung der geschehenen Erlösung und Versöhnung durch Christus am Kreuze; sie verkündigt die Ehre Gottes und ist die größte Verherrlichung seines Namens.

2) Damit der Heiland durch das hl. Meßopfer und die Früchte seines blutigen Kreuzopfers im reichlichen Maaße zuwende. Am Kreuze hatte nämlich Jesus das Lösegeld für uns Alle entrichtet und unerschöpfliche Gnadenschätze bei seinem himmlischen Vater hinterlegt. Damit aber diese hinterlegten Schätze uns zum Heile gereichen, muß uns der Zutritt zu diesen Schätzen eröffnet, müssen uns seine Gnaden mitgetheilt werden. Dies geschieht nun im hl. Meßopfer. In demselben tritt Jesus als Opfer und Hoherpriester zugleich hin zum Throne seines Vates im Himmel und spricht ohne Unterlaß: "Schaue in mir gnädig das reumüthig-gläubige Volk an", und zu dem gläubig beiwohnenden Volke spricht er: "Kommet Alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken, einem Jeden, der mit herzlicher Reue sich an mich wendet, Barmherzigkeit, Vergebung der Sünde und alle Gnade", und nun schöpft er selbst aus dem Meere der Gnaden, die er am Kreuze für uns verdient hat und gießt dieselben über alle durch seinen Versöhnungstod Erlösten auf Erden und im Fegfeuer aus. Die hl. Messe ist demnach eine unversiegbare, fort und fort reichlich strömende Quelle himmlische Gnaden und Segnungen zum Heile der ganzen Welt. (Daharbe's Erklärung. Möhler, Symbolik.) --

Wenn aber gesagt wird, daß durch das hl. Meßopfer Barmherzigkeit und Vergebung der Sünden zu Theil wird, so ist dies nicht so zu vestehen, als wäre, um Nachlassung der Sünden zu erhalten, nichts Weiteres erforderlich, als der hl. Messe beizuwohnen oder eine hl. Messe in dieser Meinung lesen zu lassen; denn das hl. Meßopfer kann das Sakrament der Buße nicht ersetzen, so daß wir unsere Sünden, besonders die schweren, nicht mehr reumüthig beichten und die läßlichen nicht vom ganzen Herzen bereuen dürfen, sondern das hl. Meßopfer verleiht uns nur ein höheres Licht zur Erkenntniß unserer Sünden, Kraft und Entschiedenheit mit der Sünde zu brechen und zu Gott sich zu bekehren, aufrichtige Reue, heilige Zerknirschung und Bußgesinnung zum würdigen Empfange des heil. Bußsakramentes. Und insofern ist das hl. Meßopfer wahrhaft ein Sühn- oder Versöhnungsopfer, wie es im alten Bunde schon vorgebildet war, und dessen wir noch immer bedürfen, wenn auch Christus durch sein blutiges Opfer am Kreuze die Sünden der ganzen Welt gesühnt hat. Denn gar oft vereitelt die Menge und Schwere unserer täglichen Vergehen die liebreichen Absichten der göttlichen Güte und Barmherzigkeit, hemmt, so zu sagen, gewaltsam den Zufluß der Gnaden aus den Quellen des Heilandes und ruft Gottes Strafgericht auf die unbußfertigen Sünder herab. Wie erwünscht muß es uns da sein, mittelst des heiligen Meßopfers den zürnenden Vater im Himmel zu versöhenn und seinem züchtigenden Arme Einhalt zu thun; denn das Opfer Christi ist auch unser Opfer. Uns hat der Vater Jesum, seinen Sohn und mit ihm Alles geschenkt; durch ihn, mit ihm und in ihm erlangen wir daher nicht nur Versöhnung und Vergebung, er ist also nicht blos in der heiligen Messe unser Sühnopfer, sondern auch unser Lobopfer, denn durch ihn erweisen wir der göttlichen Majestät die höchste Ehre, eine Ehre, wie alle Engel und Heiligen, wie sämmtliche Geschöpfe im Himmel und auf Erden sie nicht zu erweisen im Stande sind; er ist ferner in der hl. Messe unser Dankopfer, indem wir Unwürdige durch ihn allein der götlichen Majestät für alle uns zahllos erwiesenen Wohlthaten würdig danken können; er ist auch unser Bittopfer, durch ihn können wir alle Arten von göttlichen Gaben und Gnaden erlangen, da kein Gebet bei Gott mehr vermag, als das Gebet seines eingebornen Sohnes, der in der heil. Messe nicht blos als Priester, sondern auch als das geheimnißvoll geschlachtete Gotteslamm vor den Augen seines Vaters erscheint und unser demüthiges Flehen vorträgt, es mit seinem Flehen begleitet.

Ist aber Jesus Christus in der heil. Messe wahrhaft unser Lob-, Dank-, Bitt- und Versöhnungs-Opfer bei der göttlichen Majestät, warum, könnte man dann fragen: bringen wir denn das heilige Meßopfer auch zu Ehren der Heiligen dar? -- Darauf gab schon der heil. Augustin die treffendste Antwort mit den Worten: "Wer hat jemals gehört, daß ein rechtmäßiger Priester am Altare, selbst an einem Altare, der über dem heiligen Leibe eines Martyrers zur Ehre und Verherrlichung Gottes errichtet ist, gesagt hätte: ""Ich bringe dir, Petrus, oder dir Paulus, dir Cyprianus, dieses Opfer dar?"" Wir bringen, fährt er fort, an den Grabstätten der Martyrer Gott Opfer dar, damit wir durch diese Feier ihm Dank sagen für den Sieg, den er jenen glorreichen Blutzeugen verliehen, damit wir durch Erneuerung ihres Gedächtnisses uns selbst anregen, nach ähnlichen Kronen und Siegespalmen zu ringen, ... damit wir auch an ihren Verdiensten Antheil haben und uns durch ihre Fürbitte geholfen werde." -- Es wird also das hl. Meßopfer immer nur Gott allein dargebracht; es kann aber dabei auch das Andenken der Heiligen gefeiert werden, indem wir Gott danken für die ihnen verliehene Gnade und Seligkeit und sie um ihre Fürbitte anrufen.

Aus dem bisher Gesagten erhellt nun, daß die Früchte des heil. Meßopfers von unendlichem Werthe sind. Diese Früchte aber sind theils allgemeine, theils besondere. Die allgemeinen kommen der ganzen Kirche zu, den Lebendigen und Verstorbenen. -- Dies folgt aus dem Glaubensartikel der "Gemeinschaft der Heiligen", und aus der Einrichtung der heiligen Messe. Vor der heiligen Wandlung erklärt der Priester, er bringe das Opfer dar für alle "Rechtgläubige und Bekenner, des katholischen und apostolischen Glaubens", und nach der Wandlung betet er, der Herr möge gedenken seiner "Diener und Dienerinnen, ... die mit dem Zeichen des Glaubens uns vorangingen und schlummern im Schlafe des Friedens." Diese Gebete aber verrichtet der Priester im Namen und Auftrage der Kirche, deren Wille und Wunsch es ist, daß die Früchte des heiligen Opfers allen ihren Mitgliedern, Lebendigen und Abgestorbenen, zugewandt werden, und die auch die feste Zuversicht hat, der Allerhöchste werde auf das von ihr dargebrachte, erhabenste, und ihm wohlgefälligste Opfer ihr Flehen erhören und ihren auf Erden sich befindenden Kindern Verzeihung der Sünden, Nachlassung der Strafen und reichliche Gnaden jeglicher Art, den im Reinigungsorte aber weilenden Erlassung der noch abzutragenden Schuld und ewige Ruhe verleihen.

Außer diesen allgemeinen Früchten des hl. Opfers gibt es noch andere, die nicht allen und jeden, sondern blos einzelnen bestimmten Gläubigen zukommen, und deßhalb besondere Früchte heißen. Solche Früchte kommen theils dem Priester zu, theils denen, für welche der Priester das hl. Opfer darbringt, theils jenen, welche der hl. Messe beiwohnen. -- Daß dem Priester, welcher das heil. Opfer entrichtet, besondere Früchte zukommen, erhellt daraus, weil ihm als Stellvertreter Christi allein zusteht, das Opfer darzubringen, diese vorzüglichste aller gottesdienstlichen Handlungen überhaus heilsam und verdienstlich ist, und jedes gute Werk seine Wirkung auch an dem äußert, welcher es verrichtet. Ueber dieß muß der Priester nach den Worten des Apostels: "wie für das Volk, so auch für sich selbst Opfer darbringen" (Hebr. 5.), und nach dem Willen der Kirche in der heil. Messe eigene Gebete für sich verrichten. -- Die besonderen Früchte kommen ferners jenen zu, für welche der Priester das Opfer darbringt, denn das Opfer ist eine Art Gebet, dieses aber kann für einen Einzelnen und für Viele verrichtet werden. Endlich kommen die besonderen Früchte auch jenen zu, welche der heil. Messe mit gebührender Andacht beiwohnen; denn für diese betet der Priester vor der Wandlung insbesondere, diese nehmen mit dem Priester gewissermaßen an der Darbringung des heil. Opfers Theil, und außerdem opfern und beten sie für sich insbesondere, und je inniger ihre Andacht, je größer ihr Verlangen nach den Gnaden und Segnungen der hl. Messe ist, desto größer wird auch das Maaß derselben sein. Ganz besonders aber nehmen die Gläubigen an den Früchten des hl. Meßopfers Theil, wenn sie dabei nach dem Wunsche der Kirche die hochheilige Kommunion empfangen.

VII.

Von der hochheiligen Kommunion

Vor der Ankunft des Erlösers war es Gesetz für die ganze Welt, daß man mit der Gottheit kommunizire (sich vereinige) mittels der Dinge, welche geopfert werden. Immer machte die Kommunion einen Theil des Opfers aus. Dieses Gesetz kam von einer ursprünglichen Offenbarung, und war von den Propheten angekündigt. -- Ausdrücklich spricht der Prophet Malachias im Namen und Auftrag Gottes (Malch. 1, 10. 11.) von einem Speiseopfer, welches auf der ganzen Welt nach Verwerfung der alten Opfer dem Allerhöchsten dargebracht werde. -- Das Speiseopfer war immer von einer Kommunion begleitet, d.h. die Opfernden, Priester und Volk, genossen davon. -- Das hochheilige Opfer des neuen Bundes, dieses verheißene und angekündigte wahre Speiseopfer, muß also ebenfalls von einer Kommunion begleitet sein. In der That hat Jesus ein Jahr vor der Einsetzung des hochheiligen Opfers verheißen, daß er sein Fleisch und Blut allen, die an ihn glauben, zum Genusse reichen werde und daß alle Gläubige unter dem Verlust der Seligkeit davon genießen müssen. Und bei der Einsetzung des hochheiligen Opfers selbst hat er auch seinen Aposteln sein heiligstes Fleisch und Blut zur Speise gegeben und ihnen den Auftrag ertheilt, zu thun wie er gethan, d.h. nicht blos Brod und Wein in seinen Leib und Blut zu verwandeln, sondern auch die Gläubigen an diesem hochheiligen Speiseopfer Theil nehmen zu lassen.

Diese Theilnahme nun am Opfer des Leibes und Blutes Jesu Christi heißt Kommunion oder Gemeinschaft. -- Schon in der frühesten Zeit der Kirche wurde ihr dieser Name beigelegt, weil durch dieselbe eine ganz besonders innige Vereinigung der Theilnehmenden untereinander und vorzüglich mit Christo vollbracht wird. Die heilige Kommunion wird aber auch öfters Theilnahme am "Thische des Herrn", "göttliches Mahl", "Empfang der hl. Eucharistie", "Genuß des allerheiligsten Sakramentes", und zumal, wenn sie in Todesgefahr zur Stärkung für den letzten Kampf, für die Reise in die andere Welt empfangen wird, "heilige Wegzehrung" genannt. Damit nun aber die Gläubigen zu jeder Zeit die hochheilige Kommunion empfangen können, ist Jesus mit seinem Opferleib immerdar auf unsern Altären gegenwärtig, denn er verlangt nicht nur, daß sie sein heiligstes Fleisch und Blut genießen, sondern er hat dies sogar unter dem Verlust der Seligkeit mit den Worten geboten: "Wahrlich, wahrlich, sage ich euch, wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esset und sein Blut nicht trinket, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben." (Joh. 6,54.)

Die heil. Kommunion oder der Genuß des Fleisches und Blutes unsers Herrn und Heilandes ist nämlich ein äußerst wirksames Mittel zur Bewahrung des Gnadenlebens der Seele. Wenn es nun schon Pflicht ist, alle Mittel anzuwenden, um das leibliche Leben zu bewahren, so muß es eine um so größere Pflicht sein, das Leben der Seele zu erhalten, um so mehr, als die Sorge für die Seele, für ihr Leben in der Gnade Gottes, Christus besonders einschärft. -- Wie oft aber geschieht es nicht, daß das Leben der Gnade durch Lauheit im göttlichen Dienste und durch zahlreiche läßliche Sünden geschwächt und so der Verlust der Gnade Gottes angebahnt wird; wie oft stürmen Versuchungen aller Art auf den Menschen herein und wie oft ist er daran, zu unterliegen!! Da bedarf der Mensch der kräftigsten Hilfe und wo wird er diese wohl finden, als in der heil. Kommunion, der allerkräftigsten Nahrung der Seele?! --

Wie oft aber der gläubige Christ die heilige Kommunion empfangen soll, ist durch kein Gebot bestimmt. Aus den Worten Jesu (Joh. 6,50.), aus der Uebung der hl. Apostel (Apostelg. 2.) erhellt, daß man sie so oft als möglich, ja täglich empfangen soll. Die ersten Christen thaten dies auch, die heiligen Kirchenväter eiferten dazu an und die Kirche wünscht, daß in jeglicher hl. Messe die beiwohnenden Gläubigen nicht nur durch das geistige Verlangen, sondern auch durch den wirklichen Genuß des heiligsten Sakraments kommunizieren möchten. (Sitz. 22.) Damit übrigens nicht einem Jeden überlassen sei, so lange er will, vom Tische des Herrn wegzubleiben, hat die Kirche verordnet, daß jeder Christgläubige, der zu den Unterscheidungsjahren gelangt ist, wenigstens das Jahr Einmal, und zwar zur österlichen Zeit kommunizire.

Empfangen die Gläubigen aber die heilige Kommunion, so geschieht dies unter der Gestalt des Bordes und es ist nicht nothwendig, daß sie auch den Kelch trinken. Denn sowohl unter den Gestalten des Brodes als des Weines ist Christus ganz und lebendig gegenwärtig. -- Wer also unter der Gestalt des Brodes kommunizirt, empfängt den lebendigen Leib Christi mit all' seinem Blute. Christus hat auch nicht geboten, daß man unter beiden Gestalten kommuniziren müsse, denn er verheißt mit derselben Bestimmtheit jenen, die unter Einer Gestalt kommuniziren, wie jenen, die unter beiden Gestalten die heil. Kommunion empfangen, das eweige Leben. Daher denn auch der hl. Kirchenrath von Trient (Sitz. 21.) erklärt: "Derjenige, welcher sagte: ""Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esset und sein Blut trinket, so werdet ihr das Leben nicht in euch haben"", sagte gleichfalls: ""Wenn Jemand von diesem Brode ißt, der wird ewig leben."" Und der sagte: ""Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben"", sagte gleichfalls: ""das Brod, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt"". Und Derjenige endlich, welcher sprach: ""Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm"", sagte nichtsdestoweniger: "Wer dieses Brod ißt, wird ewig leben"". --

Wenn nun der göttliche Heiland auch jenen das ewige Leben verspricht, die ihn blos unter der Brodsgestalt empfangen, so ist wohl von selbst einleuchtend, daß er beim letzten Abendmahl mit den Worten: "Trinket Alle daraus", kein allgemeines, alle Gläubige ohne Unterschied verpflichtendes Gebot, die heilige Kommunion unter beiden Gestalten zu empfangen, habe geben wollen. -- Die Worte "trinket Alle daraus", gehen nur die Apostel. und ihre Nachfolger, die Priester an; diese sollen auch das heilige Blut im Kelche genießen, aber nur dann, wenn sie das hochheilige Meßopfer feiern, wozu die beiden Gestalten nothwenig sind, um dadurch die Trennung des Blutes vom Leibe Jesu, also seinen Kreuzestod sinnbildlich darzustellen. -- Wird also den Gläubigen der Genuß des Kelches nicht gestattet, so werden sie dadurch nicht verkürzt, denn indem sie den lebendigen Leib Christi empfangen, empfangen sie ja auch sein Blut, da ein lebendiger Leib nicht ohne Blut sein kann. Die Kirche hatte gewichtige Gründe, den Gläubigen die heilige Kommunion nur unter Einer Gestalt zu gestatten. Sie wollte das heilige Blut vor Verunehrung schützen, indem es unter der Gestalt des Weines leicht verschüttet und nicht wohl aufbewahrt werden könnte. Es sollte ferner der Empfang des hochheiligen Altarsarkamentes Allen erleichtert und möglich gemacht werden, da Manche sich scheuen, aus dem nämlichen Kelche zu trinken, auch Widerwillen und Eckel gegen allen Wein haben. Endlich wollte die Kirche dadurch den Irrlehrern gegenüber der Wahrheit, daß Christus wie er selbst gelehrt, unter jeder Gestalt, also auch unter der Gestalt des Brodes ganz gegenwärtig sei, öffentlich Zeugniß geben.

VIII.

Von den wunderbaren Wirkungen der heiligen Kommunion.

Wird nun von den Gläubigen die hochheilige Kommunion würdig, d.h. im Stande der Gnade Gottes empfangen, so ist nicht möglich, alle die wunderbaren, gnadenvollen Wirkungen aufzuzählen und zu schildern, welche der Genuß des Fleisches und Blutes Jesu Christi in ihren Seelen hervorbringt. --

Die erste, vorzüglichste oder Hauptwirkung einer würdigen Kommunion ist die innigste Vereinigung mit Jesus, dem Gottmenschen. -- Dies hat der Heiland selbst mit klaren Worten zu erkennen gegeben, als er sprach: "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm." (Joh. 6,57.) Gleichwie die leibliche Nahrung des Brodes, wenn sie genossen wird, sich mit dem Menschen vereiniget, in seine Wesenheit, sein Fleisch und Blut übergeht, so geht unser Fleisch in das Fleisch Jesu, unser Blut in sein Blut über, unser Fleisch und Blut wird von ihm durchdrungen, er vermischt sich mit uns, wie der hl. Johannes Chrysostomus sagt, wir werden ihm einverleibt, damit wir mit ihm ein Ganzes ausmachen, wir werden mit ihm Ein Fleisch und Ein Leib. -- Doch das ist noch nicht Alles! Wie die Seele anfängt, die Nahrung zu beleben, welche wir zu uns genommen haben, sobald sie sich mit dem Körper vereiniget hat, ebenso fängt der Geist des Heilandes uns zu beleben an, sobald wir ihm in der heil. Kommunion einverleibt, seine Glieder geworden sind. Er wird die Seele unserer Seele, das Leben unseres Lebens, nicht mehr der Mensch lebt, sondern Christus in ihm, wie der hl. Paulus schreibt: "Ich lebe, aber nicht ich, sondern Christus lebt in mir." (Galat. 2,20.) Ja noch mehr! Christus gießt in den Gläubigen, der ihn würdig empfängt, die Kraft seiner Gottheit, seine Gottheit selbst aus, wie er dies that, als er in der gebenedeiten Jungfrau die Menschheit annahm, und die Menschheit mit seiner Gottheit vereinigte. Wir werden durch die Vereinigung mit Jesus selbst der göttlichen Natur theilhaftig, alle unsere Handlungen, Gedanken, Worte und Werke, unsere Reden, unsere Gebete werden so zu sagen göttlich, deßhalb überaus verdienstvoll und so wohlgefällig vor Gott, als seien sie die Handlungen, Worte und Gedanken seines geliebten Sohnes, da dieser in uns lebt und die Kraft seiner Gottheit in uns ausgegossen hat. Und je öfter und je würdiger der Mensch die hl. Kommunion empfängt, desto reicher und tiefer erhält das Wort Christi seine Erfüllung: "Wer mich ißt, bleibt in mir und ich in ihm." "Wer mich ißt, wird leben durch mich."

Die zweite Wirkung der heil. Kommunion ist die Vermehrung der heiligmachenden Gnade. -- Der Gläubige, welcher das hochheilige Sakrament des Fleisches und Blutes Christi empfangen will, muß im Stande der Gnade Gottes, d.h. im Zustande der Gerechtigkeit und Heiligkeit sein, oder was Eines ist, er muß die heiligmachende Gnade besitzen, Jesus muß bereits mit seiner heiligmachenden Gnade Wohnung in ihm genommen haben. Kommt nun aber in der heil. Kommunion Jesus persönlich, mit seinem Fleische und Blute, mit seiner Gottheit und Menschheit zu ihm, so wird dieses Gnadenleben der Seele nicht blos erhalten, sondern noch mehr gekräftigt und erhöht, die Vereinigung mit Christus wird noch inniger, die Seele wird vor Gott noch schöner, reiner und wohlgefälliger. Darauf weist das hochheilige Sakrament selbst hin, welches eine Speise ist, und als solche auch die Wirkungen einer Speise haben muß. So wie die irdische Speise die Lebenskräfte des Leibes erhöht, so muß die göttliche Speise des Sakramentes die Kräfte der Seele vermehren und erhöhen. Je kräftiger die irdische Speise ist, desto mehr nährt, stärkt, kräftiget sie den Leib. Wie kräftigend und stärkend muß nun die Seelenspeise sein, in welcher der Heiland, die Quelle der Heiligkeit selbst, verborgen ist! Wird aber das Gnadenleben der Seele erhöht und vermehrt, wird die Seele immer mehr gottähnlicher, so wird sie auch einen höhern Grad des Lebens der Glorie im Himmel erlangen! --

Eine dritte Wirkung der hochheiligen Kommunion ist, daß sie unsere bösen Neigungen schwächt und uns Lust und Kraft zum Guten gibt. -- Seit dem ersten Sündenfalle ist der Mensch zum Bösen geneigt; die angestammten bösen Neigungen erstarken durch Gewohnheit, und die sinnlichen Triebe und bösen Leidenschaften lassen nicht nach, seine Seele zu bestürmen und sie unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. -- Ohne höhere Hilfe unterliegt der Mensch im Kampfe. -- Nun aber kommt Jesus mit seinem Fleisch und Blut zu uns; er duldet keine Unordnung, keine Befleckung neben sich; er dämpft die bösen Leidenschaften; er entflammt das Feuer der heiligen Liebe in uns, und wo die heilige Liebe zunimmt, da muß die unheilige Liebe abnehmen, und so ist die hochheilige Kommunion auch eine Arznei der Seele, ein Heilmittel gegen die Krankheiten derselben, nämlich gegen die unordentlichen bösen Neigungen, Triebe und Leidenschaften. -- Als das blutflüßige Weib im Evangelium den Saum des Kleides Jesu vertrauensvoll berührte, wurde sie sogleich geheilt, wie viel mehr wird die innigste Vereinigung mit Jesus in der hochheiligen Kommunion die Gebrechen und Krankheiten der Seele verschwinden machen? --

Als Seelenspeise kräftiget die hl. Kommunion ferner unsere Seele zur Uebung der Tugenden und erweckt in ihr die Freude und die Lust zum Guten. Sie hat die besondere Kraft, unsern Geist in den Geist Christi umzuwandeln. Wenn wir natürliches Brod genießen, so verwandeln wir das Brod in unser Wesen, genießen wir aber das Fleisch und Blut Christi, so werden wir in Christus umgewandelt, wie der hl. Augustin so schön sagt, indem er den Heiland also sprechen läßt: "Ich bin die Speise der Großen; wachse und du wirdst mich essen: du wirst mich aber nicht wie die Speise deines Leibes in dich umwandeln, sondern du wirst in mich umgewandelt werden." (Bekennt. Bch. 7.) Aus dieser geheimnißvollen Umwandlung sprossen dann die lieblichsten Früchte hervor: Sehnsucht nach einem heiligen Leben, innerer Friede, heilige Freude, Demuth, Sanftmuth, Liebe zur Keuschheit, und besonders Verlangen, Eifer und Starkmuth, Alles für Gott zu thun und zu leiden, wie dies im Leben der heiligen Martyrer ersichtlich ist, welche die Siege und Triumphe über ihre Feinde und alle ihre heldenmüthigen Tugenden der hochheiligen Kommunion zuschreiben.

Die vierte Wirkung der hochheiligen Kommunion besteht in der Reinigung von läßlichen Sünden und Bewahrung vor Todsünden. -- Wie die Lebenskraft unseres Leibes täglich abnimmt und schwindet, weßwegen wir sie durch tägliche Nahrung weider zu heben und zu ersetzen suchen, so wird auch täglich das Gnadenleben der Seele durch läßliche Sünden geschwächt und gemindert. Als Seelenspeise hat nun die hochheilige Kommunion die Bestimmung, die verlornen Lebenskräfte der Seele zu ersetzen, mithin die läßlichen Sünden zu tilgen. Dies geschieht durch Vermehrung der Liebesreue, durch Entflammung von größerem Andachtseifer, durch Anregung zur tiefen Verdemüthigung und Selbsterniedrigung und anderen Akten der Sühnung. Deßhalb lehrt die hl. Kirchenversammlung von Trient, daß die heilige Kommunion ein Gegenmittel sei, wodurch wir von läßlichen Sünden gereiniget und vor Todsünden bewahrt werden, wie der göttliche Heiland selbst mit den Worten sagt: "Wer von diesem Brode ißt, wird nicht sterben." (Joh. 6,52.) Unsere Seele kann auf zweierlei Weise dem Tode verfallen, d.h. die heiligmachende Gnade verlieren: innerlich durch Schwäche und Verkehrtheit des Willens und durch sündhafte Begierlichkeit, äußerlich durch Angriffe des Satans und der gottentfremdenden Welt. Dagegen schützt nun die hochheilige Kommunion die Seele, indem sie dieselbe stärkt und kräftiget und ihr beisteht, einen guten, siegreichen Kampf gegen ihre Feinde zu kämpfen.

Eine fünfte Wirkung der heil. Kommunion besteht darin, daß sie uns Trost und Stärke verleiht, die Beschwerden unseres Standes zu ertragen und die Leiden und Trübsale, die uns treffen, von der Hand Gottes geduldig, ja mit Freuden hinzunehmen und zu tragen. Auf diese Wirkung weist schon König David hin, wenn er in Psalm 22. ausruft: "Du hast mir (o Gott) einen Tisch bereitet wider Alle, so mich quälen", und besonders Jesus, wenn er uns zuruft: "Kommet zu mir ihr Mühseligen und Beladenen, und ich will euch erquicken." (Matth. 11, 28.) Nebst dieser freudigen Bereitwilligkeit und übernatürlichen Stärke, alle Beschwerden, Leiden und Trübsale geduldig zu ertragen, theilt die hochheilige Kommunion gottliebenden Seelen gar oft die süßesten Tröstungen und ihrem Leibe wunderbare Stärkung und Sättigung mit, wovon das Leben der Heiligen Zeugniß gibt, und wovon du, lieber Leser, in diesem Buche gar manche Beispiele finden wirst.

Die sechste Wirkung der hochheiligen Kommunion endlich besteht darin, daß sie das Unterpfand unserer künftigen Auferstehung und ewigen Seligkeit ist. Dies verbürgt der göttliche Heiland mit den Worten: "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage." (Joh. 6, 55.) Wie Gottes Allmacht in das Weizenkörlein den Keim des Wiederauflebens gelegt hat, so legt auch Jesus, sobald wir sein heilgstes Fleisch und Blut empfangen, den Keim der Unsterblichkeit in unsern sterblichen Leib, welcher auf seinen Ruf am jüngsten Tag wieder aufleben und herrlich aus dem Grabe hervorgehen wird zum ewigen Leben. Christus kann ja den Leib, der vordem der Träger und Tabernakel seines hochheiligen Leibes gewesen, nicht dem Staube und der Verwesung überlassen. Und wenn, wie wir schon gehört haben, die hochheilige Kommunion die heiligmachenden Gnaden vermehrt und in uns erhält, die Seele vor der Sünde bewarht und die Beharrlichkeit sichert, so muß sie uns, wenn wir dieser unaussprechlichen Gnadenwirkung kein Hinderniß durch freiwillige Versündiugung setzen, eben deßhalb der ewigen Seligkeit theilhaftig machen.

So ist denn die hochheilige Kommunion jenes himmlische, lebenspendende, jede Süßigkeit enthaltende, beseligende Brod, von dem der gläubige Christ genährt und gestärkt wie einst der Prophet Elias durch die Wüste dieses Lebens trotz aller Versuchungen von Seite des Fleisches, der Welt und des Satans zum Berge Horeb, d. h. zum himmlischen Vaterlande wohlbehalten gelangt, um dort am Herzen Gottes zu ruhen und Ströme ewiger, himmlischer Wonne zu trinken.

IX.

Von der unwürdigen Kommunion.

So gnadenvoll und wunderebar die Wirkungen einer würdigen Kommunion sind, so schrecklich und unheilvoll sind die Wirkungen einer unwürdigen, d.h. einer im Stande der Todsünde empfangenen Kommunion; denn wer unwürdig kommuniziert, verkehrt alle Gnadenwirkungen, welche die hochheilige Eucharistie in der Seele des Menschen hervorbringt, in das gerade Gegentheil.

Die würdige Kommunion vereiniget die Seele mit Jesus aufs Innigste, die unwürdige Kommunion dagegen trennt sie von Jesus und überliefert sie dem ewigen Tod. Wer vom Tische des Herrn weggeht, das Heiligste in seinem mit Sünden beladenen Herzen, dem ist das Brandmal der Verdammniß auf die Stirne gedrückt. -- Denn, spricht der hl. Apostel Paulus: "Wer unwürdig dieses Brod ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ißt sich das Gericht" (1. Kor. 11,29.), d.h. er nimmt das Gericht, das Urtheil der Verwerfung in sich auf, wie man Speise und Trank in sich aufnimmt. Wenn Jesus in der hl. Kommunion bei einer Seele Einkehr nimmt, die wohlvorbereitet ist und in seiner Gnade steht, so zieht er sie an sich wie seine geliebte Braut, er ruft ihr gleichsam zu: "Komme, du Gesegnete meines Vaters", aber von einer Seele, die ihn unwürdig empfängt, wendet er sich mit Eckel und Abscheu ab und ruft ihr gleichsam die schrecklichen Worte zu: "Hinweg von mir, du Vermaledeite!" Wer würdig kommuniziert, der macht sich theilhaftig aller Gnade und alles Segens des Kreuztodes Jesu, aber wer unwürdig kommuniziert, der macht sich, wie der hl. Apostel Paulus schreibt (1. Kor. 11, 27.) "schuldig des Leibes und Blutes des Herrn", d.h. er kreuziget den Herrn gleichsam auf's Neue! Ja, noch mehr! ein solch Unglücklicher liefert, wie Judas, den Erlöser seinem Feinde, dem Teufel aus, der in der Seele des unwürdig Kommunizirenden seine Wohnung aufgeschlagen hat! --

Die würdige Kommunion vermehrt die heiligmachende Gnade, sie macht den Menschen noch Gott wohlgefälliger, Gott ähnlicher, sie erhöht das Gnadenleben der Seele und macht sie einer höheren Glorie würdig, dagegen die unwürdige Kommunion stürzt den Menschen noch tiefer in die Ungnade Gottes, sie macht ihn gleich einem Leichnam, der bereits in Fäulniß übergeht; sie macht die Seele noch unempfänglicher, bewirkt Verblendung des Verstandes, Verstockung des Herzens und stürzt gar oft in Unbußfertigkeit und Verzweiflung, wie dies bei Judas der Fall war.

Die würdige Kommunion schwächt die bösen Neigungen und gibt Kraft und Lust zum Guten. Dagegen die unwürdige Kommunion schwächt die Kräfte der Seele, besonders die Kraft des Willens. Die bösen Leidenschaften gewinnen immer mehr die Oberhand, Satan umschlingt die Seele immer mehr mit seinem Netze und der Mensch vermag endlich die Bande nicht mehr zu zerreißen, die ihn immer tiefer in das Verderben hinabziehen. Die unwürdige Kommunion stumpft das Gefühl für das Gute ab; sie macht die Uebung der Tugend und guter Werke zur Last; Eckel und Ueberdruß an göttlichen Dingen kehren in die Seele ein, und die Folge davon ist, daß der Mensch Sünden auf Sünden häuft und dem ewigen Verderben anheimfällt.

Die würdige Kommunion reiniget vom läßlichen Sünden und bewahrt vor Todsünden. Die unwürdige Kommunion dagegen stürzt den Menschen in eine neue Todsünde; denn er macht sich der verabscheuungswürdigsten Heuchelei, des schwärzesten Undankes, des Gottesraubes und der Gottesschändung an dem göttlichen Heiland schuldig und beraubt sich des besten Mittels, sich in Zukunft vor dem schrecklichen Uebel der Todsünde zu bewahren.

Die würdige Kommunion gewährt Trost und Stärke im Leide nund erfüllt oft die Seele mit süßester Wonne; dagegen die unwürdige Kommunion hat gar oft Leiden, Trübsale, Krankheiten, plötzliche Todesfälle im Gefolge, wie der hl. Apostel Paulus bezeugt, indem derselbe an die Korinther wegen der Mißbräuche, die sich viele derselben bei der heil. Kommunion zu Schulden kommen ließen, also schreibt: "Darum sind unter euch viele Schwache, Kranke und entschlafen (sterben) viele." (11, 30.) Statt Trost und innere Freude aber hat der unwürdig Kommunizierende nur Gewissensbisse, Unfrieden und zuletzt Verzweiflung zu erwarten.

Die würdige Kommunion ist ein Unterpfand unserer künftigen Auferstehung und ewigen Seligkeit; allein wenn es gewiß ist, daß der Leib am Loose der Seele einst theilnehmen wird, und wenn nach den Worten des Apostels die Seele des unwürdig Kommunizirenden das Urtheil der Verwerfung sich zuzieht, so wird auch der Leib an dieser Verwerfung theilnehmen; er wird zwar aus dem Grabe hervorgehen, aber nur um dem ewigen Tode anheimzufallen. --

O daß doch ein so schreckliches Unglück nicht über dich, lieber Leser, kommen möchte!! Hüte dich daher, mit einer schuldbeladenen Seele dem Tische des Herrn zu nahen und nimm ernstlich zu Herzen die Worte des hl. Apostels Paulus: "Der Mensch prüfe sich selbst, und so esse er von diesem Brode und trinke aus diesem Kelche." (1. Korinth. 11, 28.) Diese Selbstprüfung besteht aber nach der Lehre der hl. Kirche (Konzil v. Trient Sitz. 13.) darin, daß man vor der heil. Kommunion eine reumüthige, aufrichtige Beicht ablege, und so sich von jeder schweren Sünde reinige. Da aber der Heiligste und Reinste in der heiligen Kommunion zu uns kommt, und uns die reichsten Gnaden mittheilen will, so fordert die Ehrfurcht vor Ihm, der auch die kleinste Sünde haßt, daß wir uns auch von allen läßlichen Sünden reinigen, da dieselben die Gnadenwirkungen der hl. Kommunion vermindern, und mit möglichster Andacht, mit tiefster Demuth, mit heißem Verlangen, mit innigster Liebe zum heiligen Tische hinzutreten, wie dies die lieben Heiligen thaten, von denen du schöne Beispiele in diesem Buche finden wirst. Im Leben der Heiligen, von den Apostelzeiten an bis auf unsere Tage, wirst du die Lehre der hl. Kirche von der hochheiligen Eucharistie bestätiget und gleichsam verwirklichet sehen; du wirst das wunderbare Walten der Gnade, deren Quelle die hochheilige Eucharistie ist, in ihrem Leben wie im Bilde schauen, und von ihren Worten belehrt und von ihrem Beispiele ermuntert, wird dein Glaube an dieses hochheilige, gnadenvolle Geheimniß lebendiger, fester und unerschütterlicher, deine Liebe flammender werden, und du wirst dich freuen und Gott danken, ein Kind jener heiligen Kirche zu sein, welche seit dem Tage ihrer Gründung an nicht um Ein Haar von der uralten apostolischen Lehre abgewichen ist, gemäß welcher Jesus Christus, der Sohn Gottes, unser Erlöser, immerdar unter den Gestalten des Brodes auf unsern Altären wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig ist, sich täglich auf unsern Altären dem himmlischen Vater für uns opfert und die Speise unserer Seele für Zeit und Ewigkeit ist.

Die hochheilige Eucharistie und die allerseligste Jungfrau Maria.
(Nach Faber: "das heiligste Altarssakrament.")

So wie wir der gebenedeiten Gottesmutter die Menschwerdung Jesu, des Sohnes Gottes, zu verdanken haben, ebenso sind wir ihr für das heiligste Altarssakrament zum Danke verpflichtet. Das Fleisch, welches Jesus aus dem reinsten Blute seiner glorwürdigen Mutter bei seiner Menschwerdung annahm, ist das Fleisch, welches wir in der heiligen Kommunion empfangen, und so steht denn auch die allerseligste Jungfrau in der innigsten Beziehung zur hochheiligen Eucharistie. -- Sie hat nach den Offenbarungen einiger Heiligen die heilige Kommunion am Tage der Einsetzung des heiligsten Sakramentes aus den Händen ihres göttlichen Sohnes empfangen und die Gestalten des heiligsten Sakramentes blieben in ihr den ganzen Charfreitag hindurch bis zu ihrer nächsten Kommunion unversehrt erhalten, so daß sie also in dieser Zeit der lebendige Tabernakel ihres Sohnes war. -- Da sie die Königin der Heiligen ist, so vereinigte sie alle wunderbaren Gaben der Heiligen in sich. -- Manche Heilige hattten die Gnade, daß die sakramentalen Gestalten der hochheiligen Eucharistie von einer Kommunion zur andern unversehrt in ihnen verblieben; bei anderen Heiligen findet man, daß sie längere Zeit vom heiligsten Sakramente gelebt haben, ohne eine andere Nahrung zu sich zu nehmen. Diese wunderbaren Gaben nun wird Jesus, so behaupten fromme Geisteslehrer, seiner geliebten Mutter nicht vorenthalten haben. Auch in ihr blieben die heiligen Gestalten unversehrt von einer Kommunion zur anderen, auch sie lebte lange Zeit, oder wahrscheinlich die ganze übrige Zeit ihres Lebens von der hochheiligen Kommunion. Es geht auch die Sage, daß jeden Morgen während der vierzig Tage, die unser Herr nach seiner Auferstehung auf Erden zubrachte, Messe gelesen wurde, bei welcher die allerseligste Jungfrau kommunizierte, und man erzählt auch, daß sie am Schlusse ihres Lebens die heilige Wegzehrung empfing. -- "Mit welcher Dankbarkeit und Liebe wird sie", so schreibt der ehrwürdige Diener Gottes Johannes de Avila, "den Leib ihres allerheiligsten Sohnes empfangen haben; denn als Mensch war Er Ein Fleisch mit ihr, und als Gott war sie Ein Geist mit Ihm und darus entsprang eine unzertrennliche und unaussprechliche Liebe, die sie mit Gott vereinigte, sie täglich mehr und mehr in jenen Herrn verwandelte, den sie empfing, und sie mehr als jede andere Andacht stärkte, ihren Aufenthalt im Thale der Thränen zu ertragen. Im heiligen Sakramente hatte sie gegenwärtig und empfing sie in ihre Brust den Geliebten ihres Herzens, und obwohl sie Ihn nicht von Angesicht zu Angesicht sah, wie sie Ihn im Himmel zu sehen sich sehnte, so pflegte er doch sich ihr im heiligen Sakramente zu offenbaren, wie sie Ihn im Augenblicke zu sehen wünschte." Sie allein verrichtete unter allen Heiligen die würdigste Kommunion!!

Die hochheilige Eucharistie und die heiligen Apostel.

Auf Sion, dem höchsten der vier Berge, auf denen Jerusalem erbaut war, erhob sich in alter Zeit eine feste Burg, welche Joab, der Feldherr des Königs David, den Jebusitern, die sie besetzt hielten, entrissen hatte und die nun Davidsburg genannt wurde. Hier wohnte in grauer Vorzeit Melchisedech, König von Salem und Priester des Allerhöchsten, der Brod und Wein opferte, und ein vorzügliches Vorbild des wahren und einzigen Hohenpriesters Jesus war. Hier ließ sich David, des Heilands Stammvater dem Fleische nach, eine Residenz von Cedernhoz bauen und dazu ein Zelt, wohin er die Bundeslade, das größte Heiigthum des auserwählten Judenvolkes, das Herz und den Mittelpunkt des von Gott durch Moses angeordneten Gottesdienstes, ebenfalls ein Vorbild der hochheiligen Eucharistie, bringen ließ. --

An der Sätte nun, wo einst das heilige Zelt mit der Bundeslade stand, war der Speisesaal oder das Cönakulum, wo Christus der Herr das heilige Abendmahl mit seinen Jüngern gehalten, wo er das heiligste Sakrament des neuen Bundes eingesetzt hat. Hieher zogen sich die heiligen Apostel nach dem Tode ihres göttlichen Meisters und Herrn mit dessen gebenedeiten Mutter zurück und "beharrten Alle einmüthig im Gebete." (Apostelg. 1,14.)

Hieher eilten die zwei Jünger, denen der Heiland nach seiner Auferstehung auf dem Wege nach Emaus erschienen war, und verkündigten den versammelten Aposteln, daß sie den Herrn gesehen und am Brodbrechen erkannt hätten. (Luk. 24,35.) Als nämlich der Heiland mit ihnen zu Emaus in der Herberge zu Tische saß, nahm er das Brod, segnete es, brach es, und gab es ihnen. -- Es war aber dieses gesegnete und gebrochene Brod nichts anderes als die hochheilige Eucharistie. -- Hier im Cönakulum erschien Jesus, der Auferstandene, wiederholt seinen Aposteln, hier gab er ihnen den Befehl, hinauszugehen in die ganze Welt und allen Völkern sein Evangelium zu verkünden, und von hier aus nahm er sie mit sich auf den Oelberg und fuhr vor ihren Augen in den Himmel.

Nach der Himmelfahrt des göttlichen Heilandes kehrten die Apostel wieder in das Cönakulum zurück und warteten dort unter Gebet und Fasten auf den verheißenen heiligen Geist, und nachdem sie denselben am Pfingstfeste empfangen hatten und durch die Predigt des hl. Petrus dreitausend Seelen der christlichen Gemeinde hinzugefügt wurden (Luk. 2.), gestalteten sie das Cönakulum zu einer Kirche, wo sie sich von nun an regelmäßig versammelten und der hl. Petrus, der Fürst der Apostel, nach dem Auftrage des Heilandes, zuerst das erhabene heilige Opfer feierte. (Dr. Amberger Pastoraltheologie II, 44.) Als aber durch die Predigt der Apostel die Zahl der Gläubigen immer größer wurde, entstanden mehrere Gemeinden, deren jede ihren eigenen Versammlungsort hatte: die eine im Cönakulum, später Apostelkirche genannt, eine zweite im Hause der Mutter des Markus, eine dritte bei Nikodemus, dann bei Joseph von Arimathäa, bei Johannes, der die Mutter Jesu zu sich nahm, und bei andern angesehenen Jüngern des Herrn. -- Ein Versammlungsort aber, das Cönakulum, -- die Apostelkirche**)

**) Die kleine Apostelkirche mit dem Saale des Abendmahles und der Stätte, wo der heilige Geist über die Apostel herabkam, wurde im Laufe der Zeit vergrößert und die Hauptkirche auf dem Berge Sion, und von da nannte man sie gerne die Hagia (heilige) Sion. Als die Kreuzfahrer Jerusalem eroberten, lag sie, von den Sarazenen zerstört, in Trümmern; sie wurde aber im großartigen Style an derselben Stätte wieder aufgebaut und eine eigene Treppe führt nun in den Saal des Abendmahls hinauf. Im Jahre 1187 fiel die Kirche in die Hände der Muhamedaner, die im Abendmahlssaal ein wüstes Gelage hielten. Gegen eine Abgabe gelangten 1192 die Christen wieder in ihren Besitz, doch wurde sie mehrmals entweiht, bis Robert, König von Sizilien, sie 1305 vom Sultan käuflich an sich brachte, wieder herstellte und den Franziskanern übergab. -- Da aber die Türken in den unterirdischen Gewölben der Kirche das Grab Davids verehrten, so genügte dieß, daß sie die ganze Kirche in Besitz nahmen und die Franziskaner vertrieben. Die Kirche wurde in eine Moschee verwandelt, doch der Abendmahlssaal stehen gelassen. Die Christen konnten ihn gegen Bezahlung eines Tributes besuchen. -- Das Cönaculum in seinem gegenwärtigen Zustande aus dem 14. Jahrhundert stammend, besteht aus zwei Stockwerken; der untere hat zwei Räume, der eine ist der Saal der Fußwaschung, der andere das vorgebliche Grab Davids. Das obere Stockwerk umfaßt gegen Morgen die Moschee der Türken, gegen Abend das eigentliche Cönaculum oder den Abendmahlssaal, der 60 Fuß lang und 25 Fuß breit ist, mit schön gerippten gothischen Gewölben, die auf zwei Mittelsäulen und zwei Halbsäulen an den Wänden ruhen und den Saal in zwei gleich große Schiffe theilen. Dem Eintretenden gegenüber ist an der Mauer eine vergitterte Nische, die den Christen gehört, wo früher am Pfingstfeste die heil. Messe gelesen wurde. Jetzt aber haust ein arabischer Scheich in dem Gebäuden und der christliche Pilger darf von Glück sagen, ohne thätliche Mißhandlung die Treppe hinauf nach dem Abendmahlssaale zu gelangen. (Schegg, Gedenkbuch. Sepp, Pilgerbuch.)

-- galt als Haupt- oder Mutterkirche und eben diese Kirche hat die göttliche Vorsehung unversehrt erhalten, als Jerusalem zerstört wurde.

(Als Kaiser Hadrian das zerstörte Jerusalem besuchte, schreibt der heil. Epiphanius, traf er es dem Boden gleich gemacht, den Tempel selbst zerstört und zertreten, wenige Häuser ausgenommen und ein kleines Kirchlein der Christen, welches an dem Orte aufgrichtet war, an welchem sich die Jünger, sich zurückziehend in das Cönaculum, versammelten.)

Während der zwölf Jahre nun, innerhalb welcher die Apostel auf Befehl ihres göttlichen Meisters in Jerusalem weilten (Stolberg, Geschichte VI, 143.), und von da aus das Evangelium in Judäa verbreiteten, kamen die Gläubigen, deren Zahl immer größer wurde, theils in der Apostelkirche, theils in den obengenannten Häusern zusammen, um dort dem Gottesdienste beizuwohnen. Dieser Gottesdienst aber bestand nach den Worten des hl. Apostels Lukas besonders im Brechen des Brodes, indem er also schreibt: "Sie (die Gläubigen) beharrten aber in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft des Brodbrechens und im Gebete" (Apostelg. 2,42.); und an einer andern Stelle (2,46.) schreibt er: "Täglich verharrten sie einmüthig im Tempel***)

***) Obschon die ersten Gläubigen in Jerusalem ihren besonderen Gottesdienst und besonderen Opferaltar hatten, so besuchten sie doch noch den Tempel, ohne aber an den mosaischen Opfern mehr Theil zu nehmen, und hielten so noch Gemeinschaft mit denen, welche am alten Bunde festhielten, bis endlich der Tempel zerstört, das verblendete Judenvolk von Gott verworfen war, und der alte Bund nun in den neuen überging.

und den Häusern nach das Brod brechend, nahmen sie Speise mit Freude und Einfalt des Herzens." In den ersten Zeiten der Kirche wurde unter dem Brodbrechen immer das hochheilige Opfer des neuen Bundes verstanden, bei welchem das gesegnete Opferbrod gebrochen und als der wahre geopferte Leib des Herrn unter die Gläubigen vertheilt wurde. Der Vorsteher der christlichen Gemeinde, anfangs ein Apostel, später ein von ihnen geweither und verordneter Bischof oder Priester, welcher das heilige Opfer feierte, brach nach dem Beispiele des göttlichen Heilands den Opferbrodkuchen (später Hostie genannt), der aus ungesäuertem Weizenmehl gemacht, die Größe eines Tellers hatte, dünn und mit Einschnittenversehen war, damit er desto leichter in Bissen gebrochen und ausgetheilt werden konnte.

Da die Feier der hochheiligen Eucharistie das Wesen, der Mittelpunkt alles Gottesdienstes, das Herz der großen christlichen Gemeinschaft, die Quelle aller Gnaden des neuen Bundes sein sollte, so haben ohne Zweifel die Apostel nach dem Willen ihres göttlichen Meisters und vom heiligen Geist erleuchtet die Art und Weise festgesetzt, wie das eucharistische Opfer von nun an darzubringen sei. Eine solche Anleitung zur Feier des hochheiligen Opfers gab

Der heilige Apostel Jakob der Jüngere,
erster Bischof von Jerusalem.

Er war ein naher Verwandter des Herrn und man nannte ihn wegen seiner ausgezeichneten Heiligkeit nur den Gerechten. Ihm war der Heiland nach seiner Auferstehung besonders erschienen (1. Kor. 15, 7.), und ihm empfahl er auch nach seiner Himmelfahrt die Kirche von Jerusalem. Daher haben ihn die Apostel, bevor sie Jerusalem verließen, zum Bischof dieser Stadt gewählt. Er lebte nach dem Zeugniß des heil. Hieronymus in beständiger Enthaltsamkeit, trank nie Wein noch andere berauschende Getränke, versagte sich den Gerbrauch des (im Morgenlande so nothwenigen) Bades und aß nichts von lebenden Thieren, außer das Osterlamm. Er trug keine Schuhe und keine anderen Kleider als einen Mantel und einen Rock von Leinwand. Oft warf er sich betend auf die Erde nieder, so daß seine Kniee und seine Stirn so hart wurden wie die Haut eines Kameels. Obwohl die Juden vom Hasse gegne die ersten Gläubigen erfüllt waren, hatten sie doch eine solche Ehrfurcht vor ihm, daß sie mit einander wetteiferten, den Saum seines Kleides zu berühren. Mit himmlischer Weisheit leitete er die ihm anvertraute Erstlingsheerde des göttlichen Erlösers mitten in den Stürmen, die sie umtobten, und durch sein Wort, sein Beispiel und Gebet wuchs die Zahl der Gläubigen von Tag zu Tag. Eine goldene Platte an der Stirne tragend, damals das Kennzeichen des Bischofs, feierte er in der Apostelkirche das heiligste Opfer und stärkte sich und seine Schäflein mit dem Brode des Lebens, und damit in Zukunft das erhabene Opfer im Sinne und Geiste Jesu Christi auf allen Altären gleichförmig dargebracht würde, gab er eine allgemeine schriftliche Anleitung für die heil. Messe. (Siehe Kössing liturg. Vorlesung p. 113 u. f.f.) Diese Anleitung, Liturgie (Gottesdienstordnung.) des heil. Apostels Jakob genannt, wurde später von erleuchteten Bischöfen mit Zusätzen vermehrt, und ist ihrem Wesen nach noch heute in den meisten morgenländischen Kirchen bei der Feier des heil. Meßopfers im Gebrauche.

Damit du, christlicher Leser, siehst, wie die Lehre der katholischen Kirche von der hochheiligen Eucharistie auch heute noch mit der Lehre und dem Glauben der hl. Apostel übereinstimmt, so will ich dir aus der Liturgie des heil. Apostels Jakob jene heiligen Worten hersetzen, welche der Priester in der heiligen Messe bei der Wandlung spricht: (Kössing l. e. p. 119. Christliche Alterthumskunde von Krüll, II. p. 184.)

Nachdem das Volk das Heilig! heilig! ist derHerr Gott Sabaoth, Himmel und Erde sind seiner Ehre voll etc. gesungen, macht der Priester das Zeichen des Kreuzes über die Opfergaben (Brod und Wein) und spricht:

Heilig bist du, König der Zeiten, Herr und Geber aller Heiligkeit; heilig ist auch dein eingeborner Sohn, unser Herr Jesus Christus, durch den du Alles gemacht hast, und dein heiliger Geist, welcher Alles, auch die Tiefen der Gottheit erforscht. Heilig bist du, Allbeherrscher, Allmächtiger, Gütiger, Furchtbarer, Bamherziger, der du besonders mitleidig bist in Ansehnung deines Geschöpfes. Du hast den Menschen aus Erde nach deinem Bild und Gliechnisse erschaffen und ihm den Genuß des Paradieses huldvoll verliehen. Als er dein Gebot übertreten hatte und gefallen war, hast du, Gütiger, ihn nicht verachtet noch verlassen, sondern wie ein mitleidiger Vater in Zucht genommen, durch das Gesetz ihn berufen und durch die Propheten unterrichtet. Zuletzt aber hast du deinen eingebornen Sohn selbst, unsern Herrn Jesus Christus auf die Erde gesandt, damit er durch seine Ankunft dein Bild erneuere und erwecke. Er kam herab vom Himmel, nahm Fleisch an vom heiligen Geiste, von Maria, der Jungfrau und Gottesgebärerin, wandelte unter den Menschen und veranstaltete Alles zur Errettung unseres Geschlechtes. Als er aber im Begriffe stand, den freiwlligen und lebengebenden Tod am Kreuze -- der Sündenlose für uns Sünder -- auf sich zu nehmen, nahm er in der Nacht, als er verrathen wurde oder vielmehr sich selbst überlieferte für das Leben und Heil der Welt,

(dann nimmt der Priester das Brod in die Hand und sagt:)

das Brod in seine heiligen, unbefleckten Hände, blickte gen Himmel, zeigte es dir, Gott und Vater, sagte Dank, heiligte, brach es uns, seinen Jüngern und Aposteln, und gab es, indem er sagte:

(die Diakonen sagen:)

Zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben.

Der Priester spricht:

Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gebrochen und gegeben wird zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben.

Das Volk: Amen.

Hierauf nimmt der Priester den Kelch und sagt:

Deßgleichen nahm er den Kelch nach der Mahlzeit, mischte Wein mit Wasser, blickte gen Himmerl und zeigte ihn dir, himmlischer Vater, dankend, heiligend, preisend, erfüllend mit dem heiligen Geiste, gab ihn hin, seinen Schülern und sagte: Trinket Alle daraus, das ist mein Blut des neuen Bundes, das für euch und für Viele vergossen wird und gegeben zur Vergebung er Sünden.

Das Volk: Amen.

Der Priester: Dieß thut zu meinem Gedächtnisse; so oft ihr von diesem Brode esset und von diesem Kelche trinket, sollt ihr den Tod des Herrn verkünden und seine Auferstehung bekennen, bis daß er kommt. --

Auf solche Weise brachte schon der hl. Apostel Jakob das hochheilige Opfer für sich und seine Gemeinde dar. Den Befehl des Heilands befolgend: "Thuet dies zu meinem Andenken", und sein heiligstes Fleisch und Blut empfangend, stärkte er sich zu dem harten Kampfe, den er fast täglich mit dem Hasse und der Bosheit der Juden zu bestehen hatte, bis er endlich ihrer Wuth erlag. Da es ihnen nicht gelang, den hl. Apostel Paulus, der sich einige Zeit bei der Christengemeinde zu Jerusalem aufhielt, zu ermorden, so ließen sie ihre ganze Wuth gegen den heiligen Bischof und Apostel los. Man beschuldigte ihn, er habe das Gesetz verletzt, das aufgehetzte Volk steinigte ihn, und ein Walker gab ihm den Tod, indem er ihm mit einem Prügel, dessen er sich zum Tuchwalken bediente, einen Streich aufs Haupt versetzte. Dies ereignete sich am Osterfeste des Jahres 61 nach Christi Geburt. (Räß und Weiß, Leben der Heiligen.) --

Der hl. Apostel Jakob hat uns ein Zeugniß seines Glaubens an die göttliche Eucharistie und des Glaubens der Kirche von Jerusalem an dieses hochheilige Geheimniß in seiner Anleitung zur Feier des heiligen Meßopfers schriftlich hinterlassen. -- Ein mündliches und öffentliches Bekenntniß seines Glaubens an die wirkliche Gegenwart Jesu Christi im heiligsten Sakrament und das unblutige Opfer des neuen Bundes hinterließ uns

Der heilige Apostel Andreas.

Bethsaida, eine kleine Stadt am See Gensaret, war sein Geburtsort, Simon Petrus war sein Bruder. Als der hl. Johannes der Täufer als Vorläufer des Heilandes öffentlich auftrat, gesellte er sich zu ihm und ward sein Jünger. Am Tage nach der Taufe Jesu befand sich Andreas mit noch einem Jünger bei Johannes eben zur Zeit, als der Heiland vorüberging. Als Johannes den Herrn sah, rief er aus: "Sehet das Lamm Gottes!" Kaum hatte Andreas dies gehört, als er sogleich zu Jesus hineilte und ihm mit seinem Begleiter nachfolgte. -- Jesus wandte sich um, sah die beiden Jünger an und fragte sie: "Was suchet ihr?" Sie sprachen zu ihm: "Meister, wo wohnest du?" Jesus erwiederte: "Kommet, und sehet es." Sie gingen mit Jesus und blieben denselben Tag bei ihm. Was sie aber gesehen, was sie gehört, was sie aus dem Munde des Herrn gelernt, was sie in der Nähe des liebevollen Heilandes gefühlt, wer könnte das wohl beschreiben? Der heilige Apostel erkannte, daß Jesus der wahre Messias, der Weltheiland sei, und faßte alsbald den Entschluß, ihm fernerhin nachzufolgen, und so wurde er der erste Jünger des Herrn. Noch voll der heiligen Freude über die Unterredung mit dem Heiland suchte Andreas seinen Bruder Simon auf und führte ihn zu Jesus, damit auch er den Erlöser sehe und kennen lerne und Jesus nahm ihn geichfalls unter die Zahl seiner Jünger auf und gab ihm den Namen Petrus. Beide Brüder schlossen sich nun Jesus an, blieben aber noch nicht beständig bei ihm. Dies geschah erst später, als Jesus, sie beim Fischfang treffend, zu ihnen sprach: "Folget mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen." Beide verließen nun ihre Schiffe und Netze, folgten dem Herrn nach und trennten sich nicht mehr von ihm. Andreas blieb immer an der Seite Jesu; er war Zeuge seiner Wunder, seines Leidens und Sterbens, der Auferstehung und Himmelfahrt; er glaubte unerschüterlich an die Worte Jesu, als er die hochheilige Eucharistie verhieß; er war gegenwärtig, als der Herr seine Verheißung erfüllte, das heilige Abendmahl hielt und das heiligste Sakrament einsetzte, er empfing aus den Händen Jesu das Brod des Lebens und trank sein heiligstes Blut. --

Nach der Himmelfahrt des Herrn und nach der Herabkunft des heiligen Geistes blieb er mit den übrigen Aposteln in Jerusalem, feierte mit ihnen das hochheilige Opfer im Cönakulum, und als sie, den Befehl ihres göttlichen Meisters erfüllend, hinausgingen in die Welt, um den Völkern das Evangelium zu verkünden, ging er nach Scythien, ein Land nördlich vom schwarzen Meere gelegen, dann nach Kolchis, wo er überall den Samen des göttlichen Wortes ausstreute und tausende von Seelen dem Herrn gewann, und zuletzt nach Achaja, einer römischen Provinz vom Volke der Griechen bewohnt, und schlug seinen Wohnsitz in der Hauptstadt des Landes, Patras mit Namen, auf.

Hier verkündete er mit apostolischem Muth und Eifer die Lehre des Gekreuzigten und bald sah er eine christliche Gemeinde um sich versammelt. Der Statthalter Aegeas aber, ein Feind des christlichen Glaubens, bot Alles auf, die Verbreitung desselben zu hindern und bedrohte den Apostel mit Kerker und Banden. Doch dieser entgegnete ihm furchtlos und ruhig: "Wenn du willst, daß dieses Land dich als Richter anerkenne, warum willst du denn nicht Jesum Christum als den Richter aller Menschen anerkennen und dein Herz von der Abgötterei abwenden?" "Sag' mir nichts von deinem Christus", versetzte der Statthalter, "der am Kreuzbalken gestorben ist". "Er litt, weil er wollte; er starb aus Liebe, er gab sich freiwillig zum Opfer für die Sünden hin, um alle Menschen zu erlösen", antwortete Andreas, und fing an, dem verblendeten Statthalter das Geheimniß der Menschwerdung des Sohnes Gottes zu erklären, und wie derselbe freiwillig und nur aus Liebe den schmählichen Kreuztod erwählt habe. Der Statthalter aber ließ ihn nicht ausreden, sondern befahl ihm, sogleich den Göttern zu opfern oder der Marter gewärtig zu sein. -- Andreas aber erwiederte: "Ich opfere täglich dem allmächtigen, einzigen und wahren Gott, nicht Rauchwerk, nicht das Fleisch von Ochsen, nicht das Blut von Böcken, sondern ein unbeflecktes Lamm auf dem Altare, und wenn das Volk der Gläubigen dessen Fleisch gegessen und sein Blut getrunken hat, so bleibt dennoch das Lamm, das geopfert worden, ganz und lebendig." Der Statthalter fragte: "Wie kann das sein?" Der Apostel erwiederte: "Wenn du mein Schüler sein willst, werde ich dir dies Geheimniß erklären." Aegeas aber, diese Wortle nicht achtend, entgegnete: "Auf der Folter wird man dir diese Erklärung abnöthigen", und ließ den hl. Apostel in den Kerker werfen. Wiederholt aufgefordert, den Göttern zu opfern, widerstand Andreas unerschrocken dieser Zumuthung, und als ihm Aegeas mit dem Kreuztode drohte, sprach er: "Ich bin ja ein Diener des Kreuzes, und muß also das Kreuz vielmehr wünschen, als fürchten. Meine Qualen dauern nur kurze Zeit, aber deine Pein wird kein Ende nehmen." Darauf verurteheilte ihn Aegeas zum Kreuztode, und um seine Marter zu verlängern, befahl er, ihn mit ausgespannten Händen und Füßen an das Kreuz zu binden. Als der heilige Apostel zum Tode ausgeführt wurde und das Kreuz erblickte, begrüßte er es mit heiliger Freude, umfaßte, küßte es, und während der zwei Tage, als er am Kreuze hing, predigte er, mitten in den größten Schmerzen, den Gläubigen und Ungläubigen die Lehre Jesu und gab endlich mit den Worten: "Herr Jesu, nimm meinen Geist in Frieden auf zu dir, denn es ist Zeit, daß ich zu dir komme", seine Seele seinem Gott und Herrn zurück am 30. November des Jahres 62. --

So hat also der hl. Apostel seinen Glauben an Jesus und an dessen blutiges Opfer am Kreuze und sein unblutiges tägliches Opfer auf dem Altare mit seinem Tode besiegelt und die Lehre der Kirche von der heiligen Kommunion oder dem Genusse des Fleisches und Blutes Jesu Christi feierlich bestätiget. -- Noch deutlicher und bestimmter bestätiget die Wahrheit dieser Lehre von der Gegenwart Jesu Christi in der hochheiligen Eucharistie und dem hl. Meßopfer

Der heilige Apostel Paulus

Paulus, zuvor den Namen Saulus tragend, aus Tharsus gebürtig, von dem berühmten Gesetzeslehrer Gamaliel wohlunterrichtet, ein strenger Eiferer für das Gesetz und die jüdischen Uebelieferungen, und ein wüthender Verfolger der Christen, wurde plötzlich in der Nähe der Stadt Damaskus, wohin er, um die Anhänger Jesu zu verfolgen, gezogen war, durch eine wunderbare Erscheinung des göttlichen Heilandes bekehrt, und von dieser Stunde an einer der treuesten Schüler Jesu des Gekreuzigten und der eifrigste Verbreiter seiner himmlischen Lehre unter Juden und Heiden. -- Auf einer seiner Bekehrungsreisen kam er auch nach Korinth, der Hauptstadt der griechischen Provinz Achaja und predigte dort ein und ein halbes Jahr mit solchem Erfolg das Evangelium, daß er eine zahlreiche Gemeinde bilden konnte, die aber mehr aus bekehrten Heiden als Juden bestand. --

Als er von da weiter reiste und nach Ephesus sich begeben hatte, vernahm er, daß sich in die Gemeinde von Korinth viele Mißbräuche eingeschlichen hätten, unter anderen auch diese, daß in den Versammlungen der Gläubigen Irrlehren vorgetragen und beim Gottesdienste das heilige Abendmahl auf eine unwürdige Weise gefeiert und empfangen werde. Von diesen betrübenden Vorkommnissen schmerzlich berührt, schrieb nun der heilige Apostel von Ephesus aus einen Brief an die Gemeinde von Korinth, in welchem er unter andern die Korinther wegen der unwürdigen Feier des heil. Abendmahls tadelt, über die Einsetzung der hochheiligen Eucharistie, wie sie ihm vom Herrn selbst geoffenbart worden, sich ausspricht, und vor dem unwürdigen Genusse des heiligen Fleisches und Blutes Christi ernstlich und eindringlich warnt. "Bei euerem Zusammenkommen", schreibt er (Vers 20-22), heißt es nicht des Herrn Abendmahl halten. Denn ein Jeder nimmt vorher sein Nachtmahl, um zu essen: und der Eine hungert, der Andere aber trinkt in Fülle. Habt ihr nicht Häuser zum Essen und zum Trinken? Oder verachtet ihr die Gemeinde Gottes und beschämet die, welche nichts haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch loben? Hierin lobe ich euch nicht."

Um diese Vorwürfe des hl. Apostels zu verstehen, muß man wissen, daß die Gläubigen, um dem Gebote des Herrn sich einander wie Brüder zu lieben, vollkommen nachzukommen, zu den Zeiten der Apostel Alles gemeinschaftlich hatten (Apostelgesch. 2,44.), d.h. sie sahen das Ihrige als ein auch ihren Brüdern gehöriges Gut an und theilten den Armen davon nach Bedarf mit, so daß die Reichen ohne Stolz, die Armen ohne Beschämung, Alle voll der Liebe waren. Aus dieser heiligen Bruderliebe gingen die schon zu der Apostelzeit gebräuchlichen Liebesmahle oder Agapen (Das griechische Wort Agape heißt "Liebe", daher Liebesmahle. Unsere Abbildung ist den Catacomben entnommen und getreu wiedergegeben.) hervor, welche von christlichen Reichen und Armen gemeinschaftlich gehalten wurden. An gewissen, bestimmten Tagen (in der Regel am Sonntag), schreibt der heilige Johannes Chrysostomus (Homil. 27. Krülls Alterthumskunde.) "hielten die Gläubigen gemeinschaftliche Mahlzeit und fingen nach vollbrachtem Gottesdienst und Empfang der Sakramente Alle zugleich das Mahl an. Die Reichen brachten die Speisen und luden die Armen, und Alle, die nichts hatten, dazu ein, damit auch diese erquickt würden." Die Mahle fanden gewöhnlich zur Nachtszeit vor Sonnenaufgang nach der hl. Messe und der hl. Kommunion in der Kirche statt. Die Speisen wurden zu Hause bereitet und in die Kirche gebracht. Die Mahlzeit begann nach Anordnung und unter Aufsicht des Bischofs oder Priesters. Sie wurde mit Gebet eröffnet, darauf folgte das Essen. Die Austheilung der Portionen geschah durch den Vorsteher; die Speisen bestanden aus Früchten, Mehlspeisen, Fischen und Fleisch, das Getränk war Wein mit Wasser vermischt. Nach Beendigung des Mahles wurden die Hände gewaschen, darnach wurde ein heiliges Lied gesungen oder eine Stelle aus der heiligen Schrift vorgelesen und Alles mit Gebet geschlossen. --

Bei der Feier des heiligen Abendmahls zu Korinth, wo Paulus eine blühende Christengemeinde gegründet hatte, geschah es nun, daß Einige der Gläubigen ihre mitgebrachten Speisen und Getränke schon vor dem heiligen Opfer und der heiligen Kommunion zum Theil oder ganz verzehrten, so daß nach Beendigung des Gottesdiensts öfters die Armen nichts mehr erhielten. Diesen Unfug der Unmäßigkeit und erkalteten Liebe, tadelt nun der heilige Apostel, besonders aber die unwürdige Vorbereitung auf den Empfang der hochheiligen Eucharistie, über deren hohe Bedeutung er bereits die Korinther belehrt hatte und nun noch einmal belehrt, indem er (Vers 23-26) also schreibt: "Ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, in welcher er verrathen wure, das Brod nahm, und dankte, es brach und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dieses thuet zu meinem Andenken. Deßgleichen (nahm er) nach dem Nachtmahle auch den Kelch und sprach: "Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; thut dieß, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken. Denn so oft ihr dieses Brod esset und diesen Kelch trinket, sollet ihr den Tod des Herrn verkünden, bis er kommt."

Nachdem der heil. Apostel mit diesen Worten die Einsetzung der hochheiligen Eucharistie, wie sie ihm von Christus selbst unmittelbar geoffenbart worden, in Uebereinstimmung mit den drei Evangelisten Mathäus, Markus und Lukas, erzählt hat, fährt er also fort: "Wer nun unwürdig dieses Brod ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, der ist schuldig des Leibs und Blutes des Herrn. Der Mensch aber prüfe sich selbst und so esse er von diesem Brode und trinke aus diesem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet."

Aus diesen Worten des heiligen Apostels erhellt klar und deutlich, daß er unzweifelhaft glaubte, daß Jesus wahrhaft das Sakrament seines Leibes und Blutes eingesetzt habe, und daß in der hochheiligen Eucharistie der wahre Leib und das wahre Blut Jesu Christi zugegen sei. Denn wenn der Apostel geglaubt hätte, Brod und Wein seien lediglich Sinnbilder des Leibes und Blutes Christi, so hätte er nicht behaupten können, derjenige, welcher diese Sinnbilder unwürdig genieße, mache sich des Gerichtes, des Leibes und Blutes Christi, also eines furchtbaren Verbrechens gegen die göttliche Majestät schuldig. Er hätte ferners nicht sagen können, daß der Mensch, ehe er von diesem Brode esse und von diesem Kelche trinke, sich zuvor prüfen, d.h. seine Seele reinigen solle, wenn dies Brod und der Wein im Kelche nur ein Sinnbild oder Denkzeichen des Leibes und Blutes Christi gewesen wäre, und er hätte ferner nicht sagen können, daß derjenige, welcher unwürdig ißt und trinkt, sich das Gericht esse und trinke, weil er den Leib des Herrn nicht unterscheidet, sondern ihn wie jede andere gemeine Speise genießt; denn mit dem Genuße von blossen Sinnbildern oder Zeichen des Brodes und Weines kann man sich des Gerichtes nicht schuldig machen. --

Der heilige Apostel hat vielmehr den Konrinthern den Glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu Christi unter den Gestalten des Brodes und Weines nochmal schriftlich in das Gedächtniß gerufen und sie ernstlich von dem unwürdigen Genuße des hochheiligen Fleisches und Blutes gewarnt. Daher mahnte er sie auch in ebendiesem Briefe mit allem Nachdrucke, nicht theilzunehmen an den heidnischen Opfermahlen, nicht zu essen vom Opferfleisch, welches den Götzen geopfert ward. (1. Kor. 10, 19, 20.) Denn Zweck und Wirkung der heidnischen Opfermahlzeiten war mit der Gottheit, welcher das Opfer galt, in wirkliche Gemeinschaft zu treten, Tischgenossen dieser Gottheit zu werden. Denn obgleich, sagt der heilige Apostel, die Götzen der Heiden nur todte Bildnisse sind, so sind es doch die Teufel, welche die diesen Götzen dargebrachten Opfer sich aneignen und mit diesen treten die Gäste des Opfermahles in Gemeinschaft. -- "Ich will aber nicht, ruft er den Korinthern zu, daß ihr Gemeinschaft habet mit den Teufeln. Ihr könnet nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Teufel; ihr könnet nicht Antheil haben am Tische des Herrn und am Tische der Teufel." Der Christ aber hat sein eigenes Opfermahl, in welchem das Brod die Gemeinschaft des Leibes Christi, der Kelch die Gemeinschaft seines Blutes ist. Denn der Kelch der Segnung, den wir segnen, schreibt er, ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Und das Brod, das wir brechen, ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Herrn?" Wenn also ein Christ heidnisches Opferfleisch äße und zugleich Brod und Kelch des Abendmahles genieße, so würde er einerseits in dieGemeinschaft der Teufel treten, anderseits in die des Leibes und Blutes Christi. Dieses Eintreten in die Teufelsgemeinschaft wäre ein Frevel, begangen an der Einheit des Leibes Christi, ein Versuch diese Einheit zu zerreißen; denn Ein Brod, Ein Leib sind wir Viele, wir Alle, die wir an dem Einen Brode Theil nehmen; (1. Korinther 10, 17.) denn eben dadurch, daß wir Alle von dem Einen Brod, (dem Brode des Lebens, dem Leibe Christi) essen, werden wir Alle Ein Leib; wir werden (wie der heil. Apostel anderswo sagt, (Ephes. 5, 30.) "Glieder seines Leibes, von seinem Fleich und seinem Bein" (Chistenthum und Kirche von Döllinger p. 246.); wir werden ihm einverleibt, wir werden Eins mit ihm. -- Dadurch also, daß der Apostel den Genuß der hochheiligen Eucharistie dem Genuße der heidnischen Opferspeisen entgegensetzt und die Korinther von der Theilnahme an diesen heidnischen Opferspeisen eindringlich warnt, gibt er klar zu erkennen, daß die Opferspeise der Christen das wahre Fleisch und Blut Christi ist, an welchem sie nicht durch den Glauben, sondern durch wirklichen Genuß Theil nehmen. --

Gleichwie aber der heilige Apostel den Glauben der Kirche an die wirkliche Gegenwart Jesu Christi in der hochheiligen Eucharistie, und ihre Lehre von dem Genuße des Leibes und Blutes des Herrn unter den Gestalten des Brodes in seinem Briefe an die Korinther bestättiget, so thut er dies auch vom hochheiligen Meßopfer, welches Jesus in seiner Kirche eingesetzt hat.

Unter den Judenchristen in Palästina traten zur Zeit des heiligen Apostels Irrlehrer auf, welche lehrten, das Judenthum dürfe nicht aufgegeben, sondern müsse mit dem Christenthum vereiniget werden, und deßhalb darauf drangen, daß die Christen dieses Landes, Hebräer genannt, weil sie das Hebräische als Muttersprache redeten, die mosaischen Gesetze und Gebräuche, besonders aber die jüdischen Opfergebräuche beobachten. -- Auf solche Weise aber wären diese Christen in Gefahr gerathen, wieder ganz in das Judenthum zurückzufallen. Um sie nun vor dieser Gefahr zu warnen und vor Abfall zu bewahren, schrieb der heilige Apostel einen Brief an sie, in welchem er zwischen den jüdischen Gottesdienst und dem Christenthum einen Vergleich zieht und zeigt, wie viel erhabener und herrlicher der Gottesdienst der Christen mit seinen Gnadenmitteln sei, den der Sohn Gottes gestiftet, als das ganze Judenthum mit seinen Gebräuchen und Einrichtungen, die nur Vorbilder und Schatten des neuen Bundes gewesen seien. --

In diesem lehrreichen und schönen Briefe schreibt er nun unter Anderen (K. 13, V. 9, 10.) "Lasset euch nicht verführen durch allerlei fremde Lehren; denn das Beste ist, das Herz mit der Gnade stärken, nicht durch Speisen, welche denen, die darauf hielten nichts nützten. Wir haben einen Opferaltar, wovon diejenigen nicht essen dürfen, die dem Zelte***)

***) Das Heiligthum, in welchem die Juden zur Zeit des Moses Gott verehrten und ihm Opfer darbrachten, war ein Zelt oder Hütte von Brettern, mit kostbaren Decken verhüllt; anstatt dieses Zeltes baute später Salomon Gott dem Herrn einen Tempel, in welchem die vorgeschriebenen Opfer dargebracht wurden. Diener des Zeltes nennt also der Apostel jene, welche von den mosaischen Opfern nicht lassen wollten.

dienen." -- Der heilige Apostel will sagen: Lasset euch nicht irre leiten von jenen, welche gebieten den Opfermahlzeiten beizuwohnen, von den Opferspeisen zu essen, denn diese nützen nichts, heiligen und rechtfertigen den Menschen nicht. Wir Christen haben einen Altar und auf diesem Altar ein Opfer, von welchem diejenigen nicht essen dürfen, welche den jüdischen Opferdienst im Tempel beibehalten, von den Opfern im Tempel essen wollen. -- Die Christen hatten also nach dem Zeugnisse des Weltapostels schon zu dessen Lebzeiten einen Opferaltar und daher auch ein Opfer, da überhaupt, wo ein Altar ist, auch ein Opfer vorhanden sein muß, das auf dem Altar dargebracht wird. Unverkennbar redet also hier der Apostel von dem heiligsten Altarssakrament, das auf den Altären der Kirche als ein Opfer für die Sünden der Welt dargebracht und als ein Opfermahl in der heiligen Kommunion genossen wird. Denn wie der Jude im Opfermahle das Fleisch des Thieres genoß, das Gott geopfert wurde, so genießt der Christ das Fleisch und Blut des Herrn, das am Altare des Kreuzes und auf dem Altare der Kirche Gott als ein ihm allein wohlgefälliges Opfer dargebracht wird. --

Derselbe heilige Apostel gibt auch die Art und Weise an, wie zu seiner Zeit das hochheilige Opfer dargebracht wurde. Er schreibt nämlich an seinen geliebten Jünger Timotheus (K. 2. 1. V.): "Ich ermahne nun vor Allem, daß Bitten, Gebete, Fürbitten, Danksagungen geschehen für alle Menschen." "Unter diesen Worten verstehe ich (S. Augustin ad Paulin, ep. 59 bei Amberger Pastoraltheologie.), sagt der heilige Augustin, was die ganze oder beinahe die ganze Kirche immer feiert, so daß wir bei der Feier der heil. Geheimnisse (dem heiligen Meßopfer) Bitten darbringen, bevor man anfängt, das, was auf dem Tische des Herrn ist, zu segnen; Gebete aber, wenn dieses gesegnet und geheiliget und gebrochen wird, Gebete, welche fast die ganze Kirche mit dem Gebete des Herrn schließt. Zu diesem Verständniß hilft uns auch der Ursprung des griechischen Wortes ... (Der heilige Apostel schrieb in griechischer Sprache.), welches ein Gebet bedeutet, das wir mit einer Weihung verbinden. Geweiht wird aber Alles, was Gott geopfert wird, am meisten das Opfer des heiligen Altares, durch welches Geheimniß unser größtes Gelöbniß verkündigt wird, wodurch wir uns weihen, um immer in Christus zu verbleiben. Fürbitten geschehen, wenn das Volk gesegnet wird. Denn da bringen sie die Bischöfe als Fürsprecher der Gemeinde durch Handauflegung der unaussprechlich barmherzigen Allmacht dar. Wenn dieses geschehen und die Theilnahme an dem so erhabenen Gehemnisse vollendet ist, schließt Allees die Danksagung, welche auch der Apostel an letzter Stelle empfohlen hat."

Du siehst also, mein Christ, wie die Lehre der Kirche von der wirklichen Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie, vom heiligen Meßopfer und von der heiligen Kommunion wunderbar mit der Lehre der Apostel übereinstimmt; -- und wie die hl. katholische Kirche auch heut zu Tage nichts Anderes glaubt und lehrt, als was der heilige Paulus geglaubt und gelehrt hat.

Nachdem derselbe in Asien und Europa an zahlreichen Orten unter unsäglichen Mühen, Verfolgungen und Leiden das heilige Evangelium Christi verkündet, Schaaren von Juden und Heiden Christo gewonnen, überall, wo er Glauben fand, christliche Gemeinden gegründet, bei denselben den Gottesdienst eingerichtet, sie persönlich oder durch Briefe belehrt, gewarnt, gemahnt, gestärkt und getröstet hat, starb er zu Rom für den Glauben an Jesus, der in seinem Herzen lebte und den er mit glühendem Eifer verkündete, im Jahre 67 des Martertodes und mit ihm am nämlichen Tage

Der heilige Apostel Petrus.

Derselbe war ein Bruder des heiligen Apostels Andreas, und trieb wie dieser das Fischerhandwerk zu Bethsaida und später zu Kapharnaum am See Genesaret. Von seinem Bruder Andreas dem göttlichen Heiland zugeführt, ward ihm nach kurzer Unterredung mit dem Heilande die Gnade des Glaubens zu Theil und er erhielt den bedeutungsvollen Namen Petrus d. i. ein Felsenmann. -- Nach einiger Zeit am See Genesaret fischend berief ihn der Heiland mit seinem Bruder Andreas zur Nachfolge, und er gehorsamte so schnell, freudig und vollkommen, daß er Alles verließ, und von nun an sich nicht mehr von seinem göttlichen Meister trennte. -- Er war Zeuge, als der Heiland auf der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte, auf dem Berge unweit dem See Genesaret wunderbar das Brod vermehrte und das zahlreiche Volk damit speiste. Er hörte auch des Heilands Lehre in der Synagoge von Kapharnaum über die hochheilige Eucharistie und er war der Erste, der seinen Glauben an dieses heilige Geheimniß mit den Worten bekannte: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes."

Dieses Bekenntniß der Gottheit Jesu wiederholte Petrus noch feierlicher unweit der Stadt Cäsarea Philippi, als der göttliche Heiland die Frage an die Apostel stellte, für wen ihn die Mneschen halten, und auf dieses Bekenntniß hin, vernahm er aus dem Munde Jesu das Versprechen, daß ihm die Sorge für die ganze Kirche anvertraut werde. -- Nachdem Petrus auch Zeuge des Leidens und Sterbens Jesu gewesen, erschien ihm derselbe vor den anderen Aposteln nach seiner Auferstehung und einige Tage darnach übertrug er ihm mit den Worten: "Weide meine Lämmer, weide meine Schafe", das Oberhirtenamt über die ganze Kirche. Petrus sah auch mit den Aposteln und Jüngern auf dem Oelberg den Herrn zum Himmel fahren, empfing mit ihnen im Cönakulum am Pfingstfeste den heiligen Geist und von dessen Licht erleuchtet, von dessen Feuer entzündet, von dessen Kraft gestärkt hielt er an demselben Tage dem vor dem Cönakulum versammelten Volke eine Rede, auf welche sich drei Tausend bekehrten und aus denen sich die erste Christengemeinde bildete. -- Er brachte auch das erste heil. Meßopfer vor der im Cönakulum versammelten Gemeinde dar, predigte trotz aller Verfolgung von Seite ungläubiger Juden, trotz Geißlung, Kerker und Banden unerschrocken das Evangelium zu Jerusalem, besuchte die von seinen Mitaposteln und von ihm selbst in Judäa und den benachbarten Ländern gegründeten Christengemeinden, ähnlich einem Feldherrn, sagt der hl. Johannes Chrysostomus, der die Runde macht, um nachzusehen, ob Alles in gehöriger Ordnung ist und begab sich dann, als die Apostel sich zerstreuten, nach Antiochia, damals die Hauptstadt des Morgenlandes, wo er eine christliche Gemeinde stiftete, die Gläubigen zuerst den Namen "Christen" erhielten und ihm der erste Bürger der Stadt, Theophilus mit Namen, ein Freund des heil. Evangelisten Lukas, seinen großen Palast zum Bet- und Opferhaus für die Gläubigen hingab. (Kreuser, der christliche Kirchenbau.) Hier übte er sein bischöfliches Amt mit größtem Eifer mehrere Jahre aus, machte auch von da aus verschiedene Reisen in andere Länder, um die Kenntniß des Namens Jesu zu verbreiten und zog dann nach Rom, um in dieser Hauptstadt der Welt, wo die Abgötterei fast aller Völker der Erde ihren Sitz aufgeschlagen, wo auf hunderten von Altären den unreinen Geistern, die in den Götzen hausten, die grauenvollsten Opfer dargebracht wurden, einen andern Altar aufzurichten, auf welchem von nun an nur das reinste unbefleckte Lamm Gottes für das Heil der Welt geopfert werden sollte. --

Als er in Rom ankam, kehrte er wahrscheinlich bei seinen israelitischen Glaubensbrüdern ein. Noch heute zeigt man in Rom den Ort, wo das von ihm bewohnte Haus gestanden. Es steht jetzt eine Liebfrauenkirche daselbst. Später, als sein Wort bereits bei den Heiden Eingang gefunden, fand er Aufnahme in der Wohnung des Senators Pudens, den er für Christus gewann, und der mit seinen zwei Söhnen Timotheus und Novatus und seinen zwei Töchtern Praxedis und Pudentiana der erste gewesen, welcher den Götzendienst abschwur. --

Was das Cönakulum für die Christen in Jerusalem, das war das Haus des Pudens für die ersten Christen in Rom. -- Hier feierte Petrus, der Oberhirt der Kirche, der Stellvertreter Jesu Christi das erhabene Opfer, stand den Synaren, d. i. den Versammlungen der Christen zur Feier des heil. Abendmahles vor, leitete die Liebesmahle, gab dem hl. Linus und hl. Kletus, seinen Nachfolgern, die heil. Salbung des Priesterthumes, und sendete von da aus die Boten des Glaubens in die Länder des Abendlandes.

Dies ehrwürdige Haus wandelte später der heil. Papst Pius, der im Jahre 142 den Stuhl des heil. Petrus bestieg, in eine Kirche um, welche Kirche unter dem Namen der heil. Pudentiana noch steht, und in welcher ein Theil des Tisches in einem Sarcophage sich befindet, auf welchem der heilige Petrus das heiligste Opfer feierte. (Gaume, Rom etc. I. p. 222. "Die römischen Päpste" von Müller, 1, 193. Unsere Abbildung ist an Ort und Stelle genau gezeichnet worden.) Der Sarcophag trägt folgende lateinische Inschrift: "In hoc altari S. Petrus pro vivis et defunctis ad augendam fidelium multitudinem corpus et sanquinem Domini offerebat." "Auf diesem Altare opferte der hl. Petrus zur Vermehrung der Menge der Gläubigen für die Lebendigen und Verstorbenen den Leib und das Blut des Herrn."

Nicht immer hielt sich aber der heil. Apostelfürst im Hause des Senators Pudens auf. Zur Zeit der Verfolgung des grausamen Kaisers Nero, der bei der Vermehrung der Gläubigen für seine Götter fürchtete, war er gezwungen, oftmals mit seiner gläubigen Heerde in die vaticanischen Grotten hinabzusteigen, unterirdische Höhlen, welche den Christen zu ihren Begräbnissen und zugleich zu ihren Versammlungsorten dienten. -- Hier feierte er beim Scheine der kleinen Lampen auf einem einfachen Tische die hl. Geheimnisse, hier unterrichtete er die Neubekehrten, taufte sie, und stärkte sie mit dem Brode des Lebens zum Kampfe für den hl. Glauben, bis auch er hier seine Ruhestätte fand.

Mit flammendem Eifer unausgesetzt predigend hatte der heil. Petrus eine große christliche Gemeinde in Rom gebildet, deren Glaube, wie der heilige Paulus bezeugt (Röm. 1, 15), in der ganzen Welt verkündet wurde, d.h. bekannt war, da geschah es, daß Kaiser Nero, an dessen Händen das Blut seiner eigenen Mutter, seines Bruders und seiner Gattin hing und der zur Schande des Menschengeschlechtes wie ein Thier im Pfuhle der Laster sich wälzte, in wahnsinniger Laune Rom an allen vier Enden anzünden ließ, und dem entsetzlichen Brande von der Zinne seines Palastes unter dem Klange des Saitenspieles zuschaute. -- Ueber diese That erhob sich unter dem Volke ein drohendes Murren und um die Gefahr eines Aufruhrs von sich abzuwenden, wälzte Nero die Schuld des Brandunglücks auf die verhaßten Christen. Er läßt sie sogleich aufsuchen, wo man sie trifft einfangen, in die Gärten seines Palastes schleppen und dort in der Rennbahn zusammenndrängen. Die Einen werden in Thierfelle gewickelt und von Hunden zerrissen; Andere ließ er kreuzigen, wieder Andere wurden mit Pechkleidern umhüllt, an Pfähle gebunden, und mußten angezündet als Fackeln dienen, bei deren grausenhaftem Scheine derWütherich öffentliche Spiele veranstaltete, wobei er selbst zugegben war. -- In diesen Tagen der Trübsal entfaltete der hl. Petrus den höchsten Eifer, um seine so schwer geprüfte Gemeinde zu trösten, zu stärken und zu ermuthigen, bis auch er sammt dem heil. Apostel Paulus gefangen genommen und in den mamertinischen Kerker geworfen wurde. Es enthielt dieser Kerker grauenhafte unterirdische Gewölbe, die heute noch vorhanden sind. In einem dieser Gewölbe lag der heilige Apostel in Banden, sein Muth aber blieb ungebeugt. Auch in Ketten liegend predigte er seinen Mitgefangenen und ihren Wärtern, und es gelang ihm, diese und noch 47 Gefangene Christo zu gewinnen. Eine aus der Erde hervorsprudelnde Quelle gab ihm das Wasser zur Taufe. -- Endlich nahte der Tag seines Todes. Auf den Berg Janikulus gebracht, wurde er an das bereits hergerichtete Kreuz und zwar auf seine Bitte mit dem Kopfe nach unten geheftet. So starb er, Gott lobend, umgeben von den Henkern und einigen frommen Frauen, die gekommen waren, um seinen heiligen Leichnam hinwegzunehmen und zu begraben. In den vaticanischen Grotten bei dem einfachen Tische, wo er oft das heiligste Opfer gefeiert, fand er seine Ruhestätte. (Müller, die römischen Päpste.-) Einer seiner Jünger erbaute später über sein Grab ein Bethaus, und gegenwärtig wölbt sich über dasselbe der prachtvolle Skt. Petersdom. Den größten Theil des Tisches aber, auf welchem der hl. Apostelfürst das heiligste Opfer feierte, ließ der hl. Papst Sylvester in der vom Kaiser Konstantin erbauten Kirche St. Johann von Lateran bringen. Hier in diesem prachtvollen Gotteshause, dem Haupt und der Mutter aller Kirchen, erhebt sich in Mitten des Chores unter dem Bogen des großen Hauptschiffes, getragen von zwei Säulen aus morgenländischem Granit von 38 Fuß Höhe, der päpstliche Altar, derselbe, an dem der hl. Petrus die Messe gelesen. Er ist ein ganz einfacher Tisch von Tannenbrettern ohne anderen Schmuck als ein am vorderen Theil eingeschnittenes Kreuz. Jetzt ist er mit einem durchbrochenen Marmorgeländer umgeben und mit kostbaren Tüchern bedeckt. Es ist der einzige Altar der Welt, unter welchem keine Reliquien sind und nur der Nachfolger des hl. Petrtus, der Papst, hat das Recht, auf diesem ehrwürdigen Altar das Opfer darzubringen. (Gaume, das dreifache Rom.) So ist denn dieses uralte Denkmal ein zwar stummer, aber dennoch beredeter Zeuge von der bis zur Stunde sich immer gleichbleibenden apostolischen Lehre der Kirche vom hl. Opfer der Messe. (In neuerer Zeit verglich man die beiden Theile des Altartisches des hl. Petrus, welche sich in der Kirche St. Pudentiana und St. Johann v. Lateran befinden, und fand dieselben identisch.)

Die hochheilige Eucharistie
zur Zeit der Chisten-Verfolgung und des Martyrthums.

Die Apostel hatten ihr großes Werk der Verkündigung des Evangeliums, das der Herr ihnen aufgetragen, vollbracht, und erfüllt hatte sich, was der königliche Prophet vorausgesagt: "Ueber die ganze Erde gehet aus ihr Schall, und bis an die Enden der Erde ihr Wort." (Ps. 18,5.) Alle damals bekannten Theile der Welt hatten ihre Predigt gehört, an allen Orten hatten sie die Fahne des Kreuzes aufgepflanzt und den Altar des neuen Bundes aufgerichtet. Freudig hatten die Völker den Saamen des göttlichen Wortes aufgenommen und die himmlische Saat hatte hundertfache Früchte gebracht. Und als Johannes, der letzte der Apostel in der Stadt Ephesus sein Haupt zur Ruhe legte, gab es allenthalben christliche Gemeinden, und wie der Prophet vorausgesagt, wurde an allen Orten vom Aufgang bis zum Niedergang der Sonne das reine Speiseopfer zum süssesten Wohlgeruche des dreieinigen Gottes und zum Heile der Welt dargebracht.

Eine neue, die christliche Gesellschaft, hatte sich im Schooße der alten, vom scheußlichsten Götzendienst und Laster aller Art geschändeten, Gesellschaft gebildet. Schon fingen die Götzentempel an sich zu entleeren, schon klagten die Götzenpriester über Verachtung der Götter, schon verstummten die Orakel, und die Zeichendeuter mußten ihre Ohnmacht bekennen vor der Macht des Christengottes. -- Die Christen flößten durch ihren reinen tadellosen Wandel, und durch ihre ungeheuchelte Bruderliebe jenen blinden Heiden, die der Tugend noch nicht ganz abhold waren, Verehrung und Hochachtung ein und von Tag zu Tag wuchs ihre Zahl, so daß schon der heidnische Geschichtsschreiber Tacitus (66 n. Chr.) von einer ungeheueren Menge Christen zu Rom sprechen konnte. Kein Wunder daher, daß Saten, der in der Vernichtung der Abgötterei auch die Vernichtung seiner bisherigen Weltherrschaft sah, mit höllischem Jngrimme sich erhob, um den christlichen Namen von der Erde zu vertilgen. Er fand in den vom Stolze aufgeblasenen, hartherzigen, blutdürstigen Heiden, denen das Kreuz eine Thorheit war, die willigsten Werkzeuge, um so mehr, als sie an jedem Christen einen lästigen Sittenrichter sahen, der durch sein leuchtendes Tugendbeispiel ihr lasterhaftes Leben, von dem sie nicht lassen wollten, verdammte, und ihren grimmigen Haß erweckte. Diesen Haß zu nähren und zur blutigen That zu entflammen trugen nicht wenig die Diener des Satans, die heidnischen Götzenpriester, Wahrsager, Zauberer, Gaukler bei, welche ihr Ansehen und ihren Gewinn durch die Ausbreitung des Christenthums bedroht sahen. --

Man verbreitete die gehäßigsten Verleumdungen gegen die Christen und dichtete ihnen alle Verbrechen an. Man beschuldigte sie der Feindschaft gegen Götter und Menschen, und wenn dann öffentliche Unfälle das Volk heimsuchten, wenn Barbaren die Grenzen des Reiches verheerend überschritten, wenn Ueberschwemmungen und Erdbeben Städte und Dörfer verwüsteten, wenn Hungersnoth und Seuchen die Menschen dahinrafften, dann brach das bethörte aufgehetzte Volk in Verwünschungen gegen die Christen aus und forderte mit wüthendem Geschrei ihren Tod zur Sühnung der beleidigten Götter. --

Eine besonders scheußliche Verleumdung war die Beschuldigung, daß die Christen bei ihren Gottesdiensten thyestische Gastmahle halten (Der griechische Fürst Thyestes soll seine eigenen Kinder, die ihm sein Bruder Atreus tödtete und zur Speise vorsetzte, gegessen haben.), d.h. unschuldige Kinder erwürgen, ihr Fleisch essen und Brod, in das Blut derselben getaucht, genießen, daher sie auch das Licht scheuen und nur in dunkler Nacht ihre Zusammenkünfte halten. Wahrscheinlich hatten einzelne Heiden aus dem Munde von Juden oder vom Glauben Abtrünniger gehört, daß auch die Christen ein Opfer feiern und dabei einen Leib genießen und Blut tränken, aber die vollständige Lehre von der hochheiligen Eucharistie war ihnen nicht bekannt und konnte ihnen nicht bekannt sein, denn dieses heilige Geheimniß gehörte damals zur Geheimlehre des Christenthums.

Die Geheimlehre, Arkan-Disziplin

genannt, war nämlich jene eigenthümliche Einrichtung zur Zeit der Apostel und ersten Christen, nach welcher die Geheimnisse des christlichen Glaubens und Gottesdienstes vor den Katechumenen

Die Kirche ging in den ersten Zeiten ihres Entstehens bei der Aufnahme von Juden und Heiden in die christliche Gemeinde sehr behutsam zu Werke, damit der kostbare Schatz des Glaubens nicht freventlich angetastet, verspottet und entehrt würde. Daher wurde über diejenigen, welche sich zum Eintritte in die christliche Kirche meldeten, eine genaue Untersuchung über die Beweggründe der Bekehrung und ihren bisherigen Lebenswandel angestellt. War diese Voruntersuchung vollendet und der zum Eintritte in die Gemeinde sich Meldende würdig befunden, so wurde er zum vorbereitenden Unterricht in den Lehren des Christenthumes zugelassen. Er erhielt aber nur allmälig Kenntniß von diesen Lehren, und die wichtigsten, z.B. die Lehre von der heil. Dreifaltigkeit, von den heiligen Sakramenten, wurden ihm erst nach der Taufe enthüllt. Die Unterrichtszeit bis zur Taufe hieß man Katechumenat und die dem Unterrichte beiwohnten, hieß man Ketechumenen.

und den Ungläubigen sorgfältig geheim gehalten und verschwiegen wurden. Jnsbesondere wurde die Lehre von der hochheiligen Eucharistie und gottesdienstlichen Feier dieses Geheimnisses vor den Ungetauften verborgen und nicht einmal die Katechumenen, geschweige die Heiden und Juden, durften bei demjenigen Theile des christlichen Gottesdienstes, der sich auf die hochheilige Eucharistie bezog, zugegen sein. Die ersten Christen hatten zu dieser Verheimlichung wichtige Beweggründe, und sie waren eigentlich durch ihre damalige Lage überhaupt gewissermassen dazu gezwungen. Das Geheimniß der Eucharistie, soll es richtig begriffen werden, und nicht vielmehr zum Aergernisse als zur Erbauung dienen, setzt eine genaue Kenntniß der Lehre von Christo, seiner Person und seinem Erlösungswerke, kurz die Grundlehren des Christenthums voraus. Mit Recht verbargen daher die ersten Christen dieses Sakrament vor den noch nicht vollständig unterrichteten Katechumenen und vor den Heiden, welche es aufs ärgste mißverstehen mußten und die nur ihren Hohn und Spott darüber ausgegossen hätten. -- Würden die ersten Christen in der hochheiligen Eucharistie nichts als Zeichen des Leibes und Blutes Christi gesehen, würden sie geglaubt haben, daß das konsekrirte Brod und der konsekrirte Wein nur den Leib und das Blut Christi bedeute, so würden sie gewiß eine solche sorgfältige Verheimlichung einer sehr einfachen und natürlichen Sache als zwecklos unterlassen haben. --

Die Väter der Kirche haben daher durchaus die Worte Christi (Matth. 7, 6.): "Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben, und die Perlen nicht den Schweinen vorwerfen", als Gesetz verstanden, welches ihnen verbiete, die christlichen Geheimnisse den Uneingeweihten zu offenbaren. Dieses Gesetz war ihnen so unverletzlich, daß sie die Uebertretung desselben Verrath, Treulosigkeit, Mord nannten.

(So Origines hom. 4. in Hum., Cyrillus procatech. c. 12., Chrysost. de compunct. cor. 1, 6., Ambrosius in psalm. 118, bei Döllinger "die Eucharistie" etc., dem diese ganze Abhandlung über die Arcan disciplin entnommen ist.)

Am deutlichsten spricht sich die Gesinnung der alten Kirche über diesen Punkt in dem aus, was sich in den Akten der Kirchenversammlung zu Alexandrien vom Jahre 340 findet. Die Arianer (Ketzer, welche die Gottheit Jesu läugneten) hatten den heiligen Athanasius, der sie am beharrlichsten bekämpfte, vor heidnischen Richtern der Zerbrechung eines Kelches angeklagt

Sie beschuldigten nämlich den heil. Athanasius, daß auf seinen Befehl sein Abgeordneter den Kelch eines gewissen Ischyras zerbrochen habe, gerade während dieser das heiligste Opfer auf dem Altare darbrachte, was aber eine Verläumdung war.

und um den heidnischen Richtern das dadurch begangene Sakrilegium begreiflich zu machen, mußten sie über die Eucharistie offen sprechen. Darüber erklären sich nun die zu Alexandrien versammelten Bischöfe mit Unwillen in ihrem Synodalschreiben und sagen von den Arianern: "Sie schämen sich nicht, diese Geheimnisse vor den Katechumenen und was das Schlimmste ist, vor Heiden öffentlich zu verhandeln, da man doch, wie geschrieben steht, das Geheimniß des Königs verbergen soll, und da der Herr gebot: gebt den Hunden das Heilige nicht und werfet die Perlen nicht den Schweinen vor. Denn man darf die Geheimnisse nicht vor Uneingeweihten zur Schau tragen, damit die Heiden nicht aus Unkenntniß sie verlachen und die Katechumenen vorwitzig gemacht nicht geärgert werden."

Ueber denselben Vorgang erklärte sich noch nachdrücklicher Papst Julius zwei Jahre nachher in dem Synodalschreiben, welches er im Namen der zu Rom versammelten Bischöfe abfaßte. "Wir haben vernommen", schreibt er, "daß wegen eines Kelches und eines Tisches in Gegenwart des Richters und seines Gefolges, und vor Heiden und Juden, eine Untersuchung angestellt worden ist. Dieß schien uns anfangs unglaublich, wenn es nicht auch aus den Akten nachgewiesen worden wäre und wir erstaunten darüber. Ich glaube aber, daß auch ihr, Geliebte, darüber erstaunen werdet! Vor einem auswärtigen Richter, und was das Schlimmste ist, vor Heiden und Juden, welche das Christenthum verläumden, wird eine Untersuchung gepflogen über das Blut und den Leib Christi."

Sorgfältig beobachteten die Väter der Kirche diese Geheimhaltung der Lehre von der hochheiligen Eucharistie auch in ihren Predigten, überhaupt in ihren öffentlichen Vorträgen, wo sie Ungetaufte unter ihren Zuhörern hatten. Sie hielten es dann für heilige Pflicht, darüber zu schweigen. Daher kommen in ihren Reden häufig die Ausdrücke vor: "Ich rede für die Gläubigen"; "Die Eingeweihten verstehen, was ich meine". -- Offen aber redeten sie, wenn sie blos vor Gläubigen predigten. -- So besitzen wir vom heil. Johannes Chrysostomus zwei Vorträge, in welchen er vom heiligen Abendmahle so deutlich und offen spricht, daß man sich nicht bestimmter ausdrücken konnte; die Lehre von der wirklichen Gegenwart Christi im heiligsten Sakramente, von der Wandlung, vom Meßopfer, von der Anbetung Christi in der Eucharistie, Alles ist darin enthalten. -- Nicht blos in öffentlichen Vorträgen, auch in ihren Briefen und in anderen Schriften redete man auf verdeckte Weise von der hochheiligen Euchariste, sobald zu befürchten stand, daß sie in die Hände von Ungetauften fallen könnten. Jene Schriften, worin von den heiligen Geheimnissen offen und unverdeckt gehandelt ward, fügten daher die Väter die Warnung bei, man solle die Ungetauften nicht mittheilen. -- So schreibt der heilige Cyrillus, Bischof von Jerusalem, am Schlusse seines katechetischen Unterrichts, den wir noch besitzen: "Diese Katechesen (für die, welche im Begriffe standen, die hl. Taufe zu empfangen) gib denen, welche zur Taufe hingehen und den schon getauften Gläubigen zu lesen; aber gib sie auf keine Weise den Katechumenen oder anderen, welche nicht Christen sind; denn du wirst dem Herrrn dafür verantwortlich sein."

Eine Ausnahme machten die heiligen Väter in ihren Vertheidigungsschriften. So hat der hl. Martyrer Justin in seiner Schutzschrift, die er im Jahre 133 zur Vertheidigung des christlichen Glaubens an den Kaiser Antonin und seine beiden Mitregenten richtete, die Lehre der Kirche von der heiligen Eucharistie, worüber man sonst die strengste Verschwiegenheit beobachtete, offen dargelegt. Er war aber gewissermassen dazu genöthiget, denn er hatte es mit gebildeten Männern zu thun und wollte ihnen zeigen, wie tadellos und rein im Christenthum Alles sei und wie weit entfernt die Christen von jenen Verbrechen seien, welche ihnen das gemeine Volk andichtete.

Dadurch also, daß die ersten Christen die Lehre der Kirche von der hochheiligen Eucharistie vor Juden und Heiden sorgfältig geheim hielten, liefern sie eben den klarsten Beweis von ihrem Glauben, daß Jesus im heiligsten Sakramente wahrhaft und wirklich gegenwärtig sei, sich für uns auf dem Altar opfere, mit seinem heiligsten Fleisch und Blut uns nähre und als wahrhaft gegenwärtig angebetet werden müsse. Hätten sie bei ihren Versammlungen nur gewöhnliches Brod und gewöhnlichen Wein zum Andenken an den Heiland geopfert und genossen, so hätten sie dies ja vor aller Welt offen gestehen dürfen, ohne deßhalb eine Entehrung, Spott oder Hohn oder gar Verfolgung fürchten zu müssen.

Diese Geheimnhaltung erstreckte sich aber nicht blos auf Worte und Schrift, sondern auch auf die Orte, wo unsere Väter im Glauben sich zu ihrem Gottesdienste in den Zeiten der Verfolgung versammelten und auf die religiösen Denkmale, die sie uns dort hinterlassen haben, und welche ebenfalls von ihrem Glauben an die hochheilige Eucharistie Zeugniß geben.

Die ersten Christen und die hochheilige Eucharistie
in den Katakomben zu Rom

(Die "römischen Katakomben" von Spenser Northkote, von P. Wolter, von Gaume, von Dr. Ludwig Housse; dann Rom etc. von Wittmer und Molitor. Gerbet, Skizze des christlichen Roms.)

Außerhalb den Mauern der Stadt Rom befindet sich unter der Erde noch eine Stadt, die Gräberstadt der ersten christlichen Jahrhunderte -- die Katakomben. Unter Katakomben versteht man jene geweihten Stätten , woselbst die ersten Christen ihre Hingeschiedenen bestatteten. Es sind die Friedhöfe der Kirche aus den Zeiten der Verfolgung, die sich in zahllosen Gängen und Höhlungen von den Ringmauern des alten Rom bis zu einer Entfernung von 5 römischen Meilen (1 Stunde und ¼ Stunde) längs den alten Heerstrassen nach allen Richtungen hinziehen und durchkreuzen. Die eigentliche uralte Benennung dieser Friedhöfe war Cömeterium "Schlafstätte"; erst später erhielten sie den Namen Orte bei den Gräbern "Katakomben". Solcher Friedhöfe zählt man jetzt 43 und zwar 26 von größerem, 17 von kleinerem Umfange. -- Sie wurden schon in den ersten christlichen Zeiten angelegt und sind ausschließlich das Werk der Christen. Die ersten Christen nämlich, sich erinnernd, daß der Leichnam ihres göttlichen Erlösers, in seine Leinwand gehüllt, in ein neues, in Felsen gehauenes Grab gelegt wurde, wollten ebenfalls eine ähnliche, besondere Ruhestätte nach ihrem Hinscheiden besitzen und mit den Heiden sowie im Leben so auch im Tode keine Gemeinschaft haben. Daher legten sich vornehme, christliche Familien ihre Grabstätten auf ihrem eigenen Boden außerhalb der Stadt bei ihren Landhäusern an, und überließen diesen Grund auch ihren unvermöglichen Mitbrüdern zur gleichen Benützung. Dadurch kamen auch die christlichen Grabstätten unter den Schutz des römischen Gesetzes, welches die Gräber für heilig und unverletzlich erklärte. -- Die Geschichte nennt dankbar die edlen Frauen, Lucina, Priscilla, Cyraka etc. etc, welche ihre Besitzungen zu christlichen Friedhöfen benützen, und die Leiber heiliger Martyrer in ihren eigenen Familiengrabstätten beisetzen ließen, daher der Name Cömeterium der heiligen Lucina, Cyriaka etc. etc. oder auch Cömeterium des heiligen Sebastian, der heiligen Agnes etc., von den Namen dieser heiligen Martyrer, welche da beigesetzt wurden.

Das Geschäft des Ausgrabens dieser Todtenhallen mit all den Gräbern und Grabkapellen besorgte die Bruderschaft oder der Verein der Fossores "Todtengräber". Diese edlen Männer, größtentheils dem Arbeiterstande angehörig, glichen dem frommen Tobias, der die Todten bei Tag verbarg und in der Nacht beerdigte. -- Ihr Dienst war äußerst beschwerlich, ja mit Lebensgefahr verbunden. Mühevoll mußten sie in die Tiefe der Erde dringen und beim Scheine der Lampe in den körnigen Tuff (eine Art weichen Gesteins) die Gänge aushauen. Diese Gänge sind bei einer Höhe von 7 bis 15 Schuh so schmal, daß eine einzelne Person ihre Breite ausfüllt. -- In die Seitenwände dieser Gänge machten sie die Gräber, Loculi genannt, gewöhnlich 6, 7 oft 14 übereinander. War ein Gang mit Leichen gefüllt, dann legten sie unter demselben einen neuen an, so daß oft 5 solche Gänge über einander laufen, und sich in verschiedenen Richtungen durchkreuzen. In die Gräber wurden Eine, manchmal auch zwei Leichen gelegt, welche die genannten Todtengräber oft zurzeit der Verfolgung den Händen der Henker entreißen, von den Obrigkeiten erkaufen, den Wächtern entführen, mitten durch die Strassen der Stadt bei dunkler Nacht unter die Erde in die finsteren Gänge bringen, dann waschen, in Leinwand und Spezereien hüllen und bestatten mußten. -- Das Grab wurde mit Ziegeln oder einer Marmorplatte sorgfältig verschlossen und mit einer Inschrift versehen, welche meist nur den Namen des Verstorbenen, oft auch das Alter, den Stand und die Eigenschaften desselben enthielt, und in welche auch verschiedene bedeutungsvolle Zeichen eingegraben wurden, von denen später die Rede sein wird.

Außer diesen Gräbern in den Seitenwänden mußten die Fossores auch für vornehme und vermögliche Christen Familiengräber herstellen. Zu dem Ende gruben sie in das Tuffgestein kleine viereckige, oft auch runde, gewölbte Kammern, Cubicula genannt, machten in die Wände derselben die Gräber und schmückten die Gewölbdecke und die Seitenflächen mit Gemälden, wie die nachstehende getreue Abbildung des Eudikulums aus den Katakomben des heiligen Callistus unter der Via Appia zeigt.

In vielen dieser Grabkammern oder Cubicula befindet sich im Hintergrunde an der Wand in einer gewölbten Nische ein in den Tuff gehauener, von der Bodenfläche sich erhebender Sarg mit einer Platte von Stein oder Marmor zugedeckt. In solche Särge wurden die Leiber Eines oft auch zweier und mehrerer heiliger Martyrer gelegt. Die Decke oder Platte des Sarges diente dann zum Altar. Solche gewölbte Grabdenkmale hieß man Arcosolien, und die Grabkammer oder Kapelle, in welcher sie sich befanden, wurde zu Versammlungen und zur Feier des Gottesdienstes benützt. -- manchmal hängt eine solche Grabkammer oder Kapelle mit der Oberfläche des Bodens durch eine schmale Oeffnung zusammen, um Luft und Licht zuzulassen, dann hieß eine solche Kammer cubiculum clarum "erhelltes Zimmer", die Luft- und Lichtlöcher hießen Luminaria. --

Außer diesen Grabkammern oder Kapellen, gibt es in den Katakomben auch größere Kapellen. Es reichten nämlich diese kleinen Kammern in den Zeiten der Verfolgung oft nicht mehr aus, die Menge der Gläubigen mit den Priestern zu fassen und den Gottesdienst darin zu feiern. Daher höhlten die Fossores größere, reicher geschmückte Kapellen, kleine Kirchen, in das Tuffgestein. Im Hintergrunde derselben erhoben sich unter einem Bogen Ein oder auch mehrere Arcosolien (Altargräber), um das heilige Opfer zu feiern. Neben dem Altar befindet sich der bischöfliche Sitz von Stein und der Wand entlang eine Steinbank für die Geistlichkeit. Zum Kredenztisch, um Brod und Wein darauf zu setzen, diente eine in der Mauer angebrachte Nische oder eine aus derselben hervorspringende Platte. Außerhalb des Presbyteriums (dem Platze der Geistlichkeit) standen die Männer. -- Der Kapelle, oder kleinen Kirche gegenüber befanden sich in einem Kubikulum oder Grabkammer, die Frauen, welche in den ersten Zeiten des Christenthums beim Gottesdienste immer strenge von den Männern geschieden waren. Sie konnten von ihrem Platze aus durch den Eingang in den Versammlungsort der Männer hinübersehen und so dem Gottesdienste beiwohnen. Im Gange dazwischen knieeten die Büßer. Ein von der Decke oder dem Gewölbe über dem Gange sich vereinigendes Luft- oder Lichtloch, Luminare, führte bei den Kapellen Luft und Licht zu. Die beste Veranschaulichung einer solchen Katakomben-Kapelle in ihren Abtheilungen wird das nebenstehende Bild, eine getreue Wiedergabe aus dem Coemeterium des heligen Callistus, veranschaulichen, welches Bild namentlich durch seine Darstellung der damaligen Bekleidung sowohl der Priester als der Laien interessant ist.

Hier nun in diesen unterirdischen Grabkapellen war es, wo die ersten Christen zur Zeit der Verfolgung eine Zufluchtsstätte suchten und wo vom heiligen Petrus bis auf Marcellus, also mehr als 200 Jahre hindurch, eine ganze Reihe von Päpsten bald kürzere bald längere Zeit -- der heilige Papst Cajus sogar acht Jahre -- wohnten. Hier unterrichteten und tauften sie die Neubekehrten (Katechumenen) und stärkten sie mit dem Chrysam des Heils. Hier hörten sie das Bekenntniß der Sünden reumüthiger Büsser und gewährten im Namen Gottes Vergebung. Hier segneten sie die ehlichen Bündnisse, weiheten die Priester und begründeten die Kirchenzucht. Von hier aus regierten sie die ganze Heerde Christi, erließen ihre Hirtenschreiben, und verwalteten ihr höchstes Priester- und Apostelamt. Hier auf dem Grabe eines heiligen Blutzeugen feierten sie das heilige Opfer und sendeten dann die Gläubigen gestärkt mit dem heiligsten Fleische und Blute Christi hinaus auf den Kampfplatz des Martyriums und traten endlich selbst hervor, um für Christus zu sterben. --

Die Heiligeit der Gräber und die Furcht, in den nach allen Richtungen sich verzweigenden dunkeln Gängen und Gallerien sich zu verirren, hielten die Feinde des christlichen Namens ab, die hier verborgenen Gläubigen zu beunruhigen. Dessenungeachtet geschah es, daß auch diese Grabstätten den Christen keine Sicherheit gewährten. So wurde die heilige Emerentiana in einer Grabkapelle gesteinigt, die heilige Kandida durch ein Luminare (Luftloch) gestürzt und ein andermal eine ganze Schaar Christen in der Gruft der heiligen Blutzeugen Chrysanthus und Daria lebendig verschüttet. Ebenso wurde im Jahre 261 der heilige Papst Sixtus II., als er mit vielen Gläubigen in den Katakomben die heiligen Geheimnisse feierte, nebst vier Diakonen erschlagen. Kurze Zeit vorher hatte dasselbe Loos

Der heilige Stephan I.

Dieser heilige Papst wid auf kaiserlichen Befehl in den Tempel des Götzen Mars geschleppt, auf daß er dort opfere. Durch ein Wunder entkommt er den Händen seiner Peiniger und verbirgt sich mit der Geistlichkeit in der Katakombe des heiligen Kallistus. Längere Zeit lebt er hier im Frieden in der Mitte seiner Heerde. Eines Tages ist den Gläubigen in der Stadt wieder eine heilige Versammlung angesagt. -- Wer damals gerade auf der großen Appischen Strasse vor der Stadt sich befand, konnte von Zeit zu Zeit bald vereinzelt, bald in kleineren Haufen dunkle Gestalten hastig durch die Finsterniß schleichen und hinter der Mauer eines einsamen Landhauses verschwinden sehen.

Es sind die Christen, die in die Katakombe der heiligen Lucina, ein Theil der Kallistinischen Katakomben, zum nächtlichen Gottesdienst hinabsteigen. Auf das bekannte Loosungswort

Bei den heimlichen Eingängen in die Katakomben waren zur Zeit der Versammlungen Wächter oder Thürhüter aufgestellt, die von jenen, welche eintreten wollten, ein gewisses verabredetes Wort abforderten, an welchem sie erkannten, ob der zum Eintritt sich Meldende ein Christ oder Heide sei.

öffnet sich die Pforte, und nachdem sie ihre Lampen angezündet,

Um sich in den sich durchkreuzenden finsteren Gänngen und Gallerien zurechtzufinden, bedienten sich die Christen kleiner Lampen; auch waren in gewissen Zwischenräumen in Mauernischen solche Lampen angebracht, welche die Gänge beleuchteten. Die Lampen sind aus Terra cotta verfertiget, schmucklos und von einfacher Form; viele jedoch mit dem Sinnbild einer Taube, eines Palmzweiges, dem Monogram Christi oder einem Fische verziert. Man findet deren eine Menge in den Katakomben. --

durchwandern sie schweigend die spärlich beleuchteten Gänge. Nun sind sie am Ziele. Die Frauen dicht verschleiert wenden sich zur Linken, den Gruß der Matrone, welche den Eingang zu ihrem Versammlungsort hütet, leise erwiedernd. Die Männer biegen in die Kapelle zur Rechten, deren Eingang ein Geistlicher hütet. Die Deckengewölbe der Kapelle und ihre Wandflächen zieren bedeutungsvolle Gemälde, denen der sanfte Schein der Lampen eigenthümlichen Reiz verleiht. Alles athmet Ehrfurcht und Sammlung. Im Hintergrunde erhebt sich über einem Martyrergrabe der schlichte Altar, auf dem bereits der Diakon die heiligen Gefäße hergerichtet. Die eintretenden Gläubigen legen auf den Kredenztisch (eine aus der Mauer hervorspringendePlatte) ihre Opfergaben Brod und Wein nieder und harren stehend der heiligen Handlung, während die Geistlichen im Presbyterium auf den Steinbänken ihren Platz nehmen. Neben dem Altar auf einem marmornen Stuhle sitzt der ehrwürdige Greis, der heilige Papst Stephan. Mit mildem Vaterauge überblickt er die kleine Schaar der Gläubigen und erhebt sich von seinem Sitze. Er thut auf seinen Mund und wie ein Strom ergießen sich Worte des Friedens, des Trostes und der Ermuthigung in die Herzen der Gläubigen, daß eine mächtige Bewegung durch die Versammlung geht. Jetzt tritt der Hohepriester zum Altar und beginnt das hochheilige Opfer der Messe. Es ertönen die heiligen Gesänge. Wie durchglüht ein überirdisch Feuer sein Antlitz, da er stehend die Hände erhebt! Wie leuchten wunderbar Himmelsflammen in selig verzücktem Auge, da er das Gotteslamm vor sich auf dem Altare liegen sieht! Jst es das Gefühl der wahren Seligkeit, deren geheimnißvolle Ahnung den elden Greis ergreift? Horch, -- da tönt Waffengeklirre, da dringt Fackelglanz aus der nahen Gallerie. Man hört schwere Fußtritte. Eine Rotte Soldaten nahet sich, es sind kaiserliche Söldlinge. Durch das Luminare (siehe Bild Seite 60) haben sie oben vorübergehend die heiligen Gesänge der versammelten Christen gehört, welche ihnen ihren Aufenthaltsort verrathen. Wild stürmen sie mit gezückten Schwertern herein. Doch siehe, wie von höherer Macht gebannt, bleiben sie starr an der Schwelledes Eingangs stehen. Der heilige Papst vollendet das hochheilige Opfer, betet für die Verfolger und erst nachdem er sich auf seinen Sitz niedergelassen, treten die Soldaten herzu und unter ihren Streichen fällt der heilige Greis und seine Seele steigt triumphirend zum Himmel empor. (Die christlichen Katakomben von Wolter.)

Am Tage nach dem glorreichen Tode des heil. Papstes schickte man den Gläubigen, welche trotz der Verfolgung in der Stadt geblieben waren, die hochheilige Eucharistie, ohne welche sich die Christen des Marterthums für unfähig hielten.

Tarcisius, der Akolyth,

Ein Diener der Kirche niederen Ranges, welcher bei Vorlesung des heiligen Evangeliums die Lichter trug, beim Gottesdienste das Anzünden der Lichter und bei Austheilung der heiligen Eucharistie den Wein zu besorgen hatte.

bekam den erhabenen Auftrag. Als er mit dem in seine Leinwand gehüllten Brode des Lebens auf der Brust zu den Mauern der Stadt kam, unfern dem Orte, wo heute die kleine Kirche Domine quo vadis sich erhebt, begegnete er Soldaten, welche ihn anhielten und fragten, was er trage. Tarcisius aber, eingedenk des Gesetzes der Geheimhaltung, weigerte sich zu antworten. Sogleich wird er von einem Hagel von Steinwürfen und Stockschlägen überfallen und stirbt als Martyrter wegen seiner Ehrfurcht vor dem heiligsten Sakramente. Die Soldaten drehen seinen Leichnam nach allen Seiten um und durchwühlen seine Kleider, finden aber -- Nichts. Ergriffen von Schrecken gehen sie dem Thore Kapena zu, und begegnen da einer Menge Christen, welche in die Katakomben hinabzusteigen im Begriffe sind, um das Leichenbegängniß des Tags vorher erschlagenen Papstes Stephan zu feiern. Die Soldaten gehen zum Kaiser, um ihn von dem, was sie gethan und gesehen, in Kenntniß zu setzen. Da gab der Kaiser, Valerian mit Namen, das Verbot, welches den Christen den Eingang in die Katakomben untersagte. (Gaume, die Katakomben IV, p. 150.)

Wie aus dem bisher Gesagten erhellt, benützten unsere Väter im Glauben die Katakomben nicht blos, um ihre hingeschiedenen Brüder und die Leiber der hh. Martyrer zu bestatten, sondern es war diese unterirdische Todtenstadt auch Zufluchtsort in den Zeiten der Verfolgung; und ihre zahlreichen Grüfte oder Grabkammern dienten ihnen zu ihren Versammlungen und zur Feier des Gottesdienstes, besonders des heiligen Opfers. -- Dies bewahrheitet auch eine merkwürdige Inschrift auf dem Grabe des jungen Martyrers Alexander, welche in den Katakomben des heiligen Kallistus gefunden wurde.

Dieselbe lautet:

"Alexander ist nicht todt, sondern über den Sternen,
Und sein Leib ruht in diesem Grabe. Sein Leben
Endigte er unter dem Kaiser Antonin, der die Wohlthaten,
Welche er empfangen konnte, mit Haß vergalt. --
Knieend, um dem wahren Gott zu opfern,
Wurde er zum Tode geführt. O Jammerzeiten!
Wo wir nicht einmal die heiligen Geheimnisse und unser Gebet in den Höhlen
Sicher darbringen können. Was ist armseliger als das Leben! aber was ist armseliger
Als im Tode von Freunden und Eltern nicht begraben
Werden zu können. Endlich leuchtet er im Hmmel. Er hat wenig
Gelebt, da er nur 40 Jahre lebte."

In dieser aus dem zweiten Jahrhundert stammenden Grabschrift wird des Opfers und der heiligen Geheimnisse erwähnt, aber von der Beschaffenheit des Opfers und der hh. Geheimnisse wird keine Erwähnung gethan, um die Geheimhaltung nicht zu verletzen. -- Um aber den Heiden, sowie den Katechumenen jede Spur zu entziehen, welche ihnen die Hauptlehren des Christenthums, besonders die Lehre von der hochheil. Eucharistie hätte verrathen können, verfielen unsere Väter im Glauben auf ein einfaches, aber zweckmäßiges Mittel. Sie bedienten sich nämlich gewisser geheimer Zeichen, Symbole oder Sinnbilder, welche den Uneingeweihten unverständlich waren, den Eingeweihten aber, d.h. den getauften Gläubigen dagegen die Hauptlehren des Christenthums deutlich in Erinnerung brachten.

So z.B. um den Glauben an die Erlösung durch Christus symbolisch auszudrücken, gruben sie in die Verschlußplatten der Gräber, auf ihre Lampen, Ringe, Medaillen, Opferbrode das geheime Zeichen oder Monogramm (Verschlungene Schrift) Christus.

Bekanntlich ist dieses Monogramm aus den ersten zwei Buchstaben des griechischen Wortes XPISTOS zusammengesetzt. Das X ist unser CH und das P unser R, welche Buchstaben so miteinander verschlungen sind, daß sie nur einen einzigen Buchstaben bilden. -- Der Buchstabe X hat zudem die Gestalt des ?reuzes und so wurde durch dieses Zeichen sehr schön der Glaube an die Erlösung durch Christus am Kreuze ausgedrückt.

Oefters stehen neben diesem Monogramm die griechischen Buchstaben A und W oder w.

Der heilige Evangelist Johannes nennt nämlich in seiner geheimen Offenbarung (1,8. 22, 13.) Christum den Herrn das A und O, den Anfang und das Ende. Das A und O sind im griechischen Alphabet der erste und letzte Buchstabe und sie bezeichnen darum auch den Anfang und das Ende. Ist aber Christus aller Dinge Anfang und führt er Alles zum Ende, so ist er Gott.

Folgende Inschrift drückt den Glauben an die Gottheit Christi noch deutlicher aus.

Dem heiligen und einen Gott Christo Lucius mit dir im Frieden.

Ein anderes symbolisches Zeichen, um den Glauben an die Menschwerdung, Erlösung und Gottheit Christi zugleich auszudrücken, fanden die ersten Christen in dem griechischen Worte IXQYS "Fisch".

Die fünf Buchstaben I.X.Q.Y.S geben die Anfangsbuchstaben von folgenden Worten: IhVuV, Jesus, XristoV, Christus, Qeou, Gottes,UioV, Sohn, Swthr, Erlöser. Der Christ hatte daher in diesem einzigen Worte, dessen Sinn den Uneingeweihten verborgen war, die ganze Geschichte seiner heiligen Religion. -- Las er auf der Verschluß-Platte eines Grabes oder auf dem Steine eines Ringes eingeschnittten das Wort IXQYS, so wußte er, daß diese fünf Buchstaben die Glaubenslehre von Jesus Christus, Gottes Sohn, dem Erlöser, ausdrücken.

Folgende Inschriften mögen dieses zeigen.

Dem Eutychianus,
Dem süssesten Sohne,
Von seinem Vater Eutychus
Geweiht: er lebte 1 Jahr 2 Mon. 4 Tage
Ein Knecht Gottes
In Christo
Der Fisch.

Der Fisch
Dem guten und unschuldigen Sohne Pastor,
welcher lebte 4 Jahre 5 Monate 26 Tage
von den Eltern Vitalius und Marcelina.

Auf manchen Gräbern ist statt des Wortes IXQYS das Bild eines Fisches eingegraben, sowie auf Gemmen, Lampen etc.

Zum Erweise folgende Inschriften und Abbildungen:

Der theueren Gattin, der wohlverdienten
hat (dies) gesetzt,
welche mit mir 14 Jahre, 10 Monate
und 5 Tage lebte.

Dem wohlverdienten Sohn Leo im Frieden.

Evemera im Frieden.

Dem Pastor im Frieden.

Zu diesem Geheimwort IXQYS "der Fisch" und zu dem Sinnbild des Fisches auf den Gräbern, Lampen und Ringen der Christen gab wohl Veranlassung die heilige Schrift und die Sybyllinische Weissagung. Im Buche Tobias, K. 6, wird nämlich erzählt, daß der Sohn dieses frommen Patriarchen auf seiner Reise nach Medien auf Geheiß des Engels einen mächtigen Fisch an's Ufer zog, der einerseits die Wunderkraft besaß, vom Teufel und Blindheit zu befreien, anderseits durch sein Fleisch Nahrung auf der Reise gewährte.

Unter diesem Fisch stellten sich die Christen den Erlöser Jesus vor, der die sündige Menschheit durch die heilige Taufe aus der Macht des Teufels rettet, erleuchtet und mit seinem Fleische auf der Pilgerreise durch dieses Leben nährt. -- Die Sibyllinische Weissagung stand bei den alten Christen in höchsten Ehren und die ältesten heiligen Väter berufen sich darauf. -- Sie hat ihren Namen von den Sibyllen, gottbegeisterten Jungfrauen unter den Heiden, welche unter Anderm auch die Ankunft des Welterlösers vorherverkündeten. Die berühmteste Sibylle war die von Erythräa in Griechenland. Sie beginnt ihre Weissagung im 8. Buche mit den Worten:

IHSOYS. Jesus XPEISTOS. Christus QEOU. Gottes YIOS. Sohn SWTHP. Erlöser STAUROS. Kreuz.

Die Anfangsbuchstaben dieser Worte geben das Worte ICQUS.

Daß die alten Christen den Fisch icdus als sinnbildliche Bezeichnung ihres Herrn und Heilands gebrauchten, bezeugen die Kirchenväter Klemens von Alexandrien, Origenes, Tertullian und der hl. Augustin; der hl. Optatus von Mileve, der heil. Maximus erklären in ihren Schriften auf's Klarste dieses Geheimzeichen in dem Sinne, wie wir es bisher dargestellt haben. Aber auch die Christen selbst nannten sich "Fischlein", So sagt der alte Lehrer Tertullian, der um das Jahr 190 den christlichen Glauben annahm und 244 starb: "Wir sind Fischlein nach unserm "Fisch" Jesus Christus, ICQUS." Die Christen nahmen dies Bild von der Taufe her, wie dies deutlich der nämliche Lehrer erklärt, indem er schreibt: "Wir sind Fischlein, geboren aus dem Wasser und nur durch seine Heilkraft (des Fisches Christus nämlich) gerettet." Daher sieht man auf den Verschlußplatten der Gräber öfters einfach das Bild des Fisches eingegraben, und es kann daher der Fisch auch den getauften Christen bedeuten, den Christus aus der Tiefe des unstäten Meeres dieses Lebens durch die Taufe heraufgebracht hat. (Gregor v. Naz. Or. 31.) Dies drückt gar sinnvoll nachstehendes Bild auf der vergrößerten Platte eines Siegelrings aus.

Aber nicht blos Christus, sondern auch die Apostel, (und ihre Nachfolger die Priester) die Menschenfischer, wie sie Christus nannte, ziehen den Menschen durch die heil. Taufe aus den salzigen Wogen des Lebens heraus, wie dies ebenso sinnvoll durch nachstehendes Wandgemälde in einer Grabkammer der Katakombe Skt. Kallist dargestellt wird.

Außer diesen geheimnißvollen symbolischen Zeichen, des Monogrammes und des Fisches, sieht man auch noch auf Gräbern und Ringen eingegraben, das Bild eines Ankers oder einer Taube mit dem Oelzweig im Schnabel. -- Der Anker deutet auf die Hoffnung des Christen, die Taube ist das Sinnbld einer Seele, die zu Gott eilt, der Oelzweig im Schnabel der Taube ist das Sinnbild des Friedens. Diese Bilder sind nun öfters mit dem Bilde des Fisches auf Gräbern und Siegelringen in Verbindung gebracht, und haben dann dieselben immer eine tiefe Bedeutung.

So besagen die Taube und der Fisch auf der Verschlußplatte eines Grabes aus dem 3. Jahrhundert im Cömeterium der heil. Priscilla:

"Deine Seele (dein Geist) im Frieden und in Christo"
oder "deine Seele ruhe im Frieden Jesu Christi."

"Dem Knaben Priscinus, dem Wohlverdienten
im Frieden, der ungefähr acht Jahre
und fünf Monate lebte."
Seine Seele eilte zu Jesus Christus.

Aus dem Friedhofe des heil. Prätertatus stammt folgende Inschrift:

Der Pelagia Restituta, der süssesten Tochter.
"Ihre Hoffnung war auf Jesus Christus",
oder "sie hoffte auf Jesus Christus."

Einen Anker, dessen oberes Ende das Kreuz mit dem verschlungenen Namen "Christus" bildet, um welchen sich der Fisch Delphin windet, sieht man auf der nachstehend abgebildeten Platte eines Ringes.

Dies Ankerkreuz mit dem Fische will besagen: "Der Christ glaubt an Jesus Christus den Gekreuzigten, den Sohn Gottes, und setzt alle seine Hoffnung auf ihn." --

Neben den symbolischen Zeichen des Ankers, der Taube, sowie dem Monogramme "Christus" hatten die ersten Christen noch ein bedeutungsvolles Sinbild, welches sie mit dem Fisch in Verbindung brachten. Es ist das Brod. -- Die Gestalt dieses Brodes auf den Gemälden der Katakomben des heil. Kallist und der heil. Lucina ist folgende:

Die Verbindung des Fisches mit dem Brode soll dir nun, lieber Leser, einen klaren Beweis von dem Glauben der ersten Christen an die Gegenwart Jesu Christi in der hochheiligen Eucharistie, an das sakramentale, heilige Opfer und die heil. Kommunion liefern. Zu dem Ende wollen wir in eine der größten und merkwürdigsten Katakomben hinabsteigen, es ist dies die Katakombe des hl. Kallist, und dort in das Cömeterium, oder den Friedhof der hl. Lucina eintreten. Die Anlage dieses Friedhofes reicht in das erste Jahrhundert des Christenthums zurück. Nach wenigen Schritten haben wir zwei viereckige ineinandergehende Grabkammern erreicht. Gerade dem Eingang der ersten Kammer gegenüber sehen wir drei regelmäßig angelegte Gräber. Das unterste ist mit Ziegeln verschlossen; das oberste ist offen, das mittlere ist halb geöffnet; die Bekleidung der Verschlußplatte mit der Inschrift ist leider weggeschlagen, auf beiden Seiten ist aber noch ein Ueberrest, der unser höchstes Interesse in Anspruch nimmt. Wir sehen zwei Fische dargestellt auf dem Wasser schwimmend. Jeder trägt auf seinem Rücken einen Korb, in dem sich ein Glas mit rothem Weine befindet. Auf dem einen Korb liegen sechs, auf dem anderen fünf Brode. Es sind Brode von aschgrauer Farbe, deren sich die Völker des Morgenlandes, besonders die Juden als einer Opfergabe von der Erstlingsfrucht für die Priester bedienten, und welche daher als heilig betrachtet wurden.

Es folgt nun auf der nächsten Seite die Abbildung eines dieser Fische in vergrößertem Maßstabe.

Der Fisch ist lebendig. Christus, den Lebendigen wird er bedeuten, den der hl. Paulinus von Nola "das wahre Brod und den Fisch des lebendigen Wassers" nennt. Einen geflochtenen Weidenkorb trägt der Fisch.

Wie die Juden zu ihren Opfern, so gebrauchten auch die Christen zu ihrem heiligen Opfer die Weidenkörbe. Heilige Brode, ein Glasbecher (Bei der Feier des heil. Opfers bedienten sich die ersten Christen gläserner Kelche. -) mit Wein sind der Inhalt des Korbes, den der Fisch (ICQUS) trägt. -- Dieses Gemälde hatte wahrscheinlich der hl. Hieronymus im Auge, der gar oft diese Katakombe durchwanderte, wenn er in einem Briefe die Schätze eines Bischofs aufzählend, also schreibt: "Niemand ist reicher als der, welcher den Leib des Herrn in einem Weidenkorbe und sein Blut im Glase (Kelche) trägt." (Ep. ad. Rust.). -- Die Zusammenstellung von geweihtem Brod und Wein, welche der Fisch trägt, ist, wie man nicht zweifeln kann, eine sinnbildliche Darstellung der hochheiligen Eucharistie. Denn utner den Gestalten von Brod und Wein opfert sich Jesus Christus, der Sohn Gottes und Erlöser (Dieß bedeutet der Fisch icqus.), kommt er zu uns in der heiligen Kommunion, ist er gegenwärtig im heiligen Sakramente. Jeder von den ersten Christen, der da vorüberging und diese Darstellung des Fisches mit Brod und Wein im Weidenkorbe sah, wird sich an dieses Geheimniß unsers Glaubens erinnert haben, um so mehr als in dieser Grabkammer das sakramentale Opfer wirklich gefeiert wurde. --

Wir verlassen nun den Friedhof der hl. Lucina, und treten von einer anderen Seite in die Katakombe des hl. Kallist ein. Eine Stiege von 36 Stufen führt in die Tiefe, ein schmaler Gang in die Grabkammer der Päpste, sogenannt, weil hier die heiligen Oberhirten der Kirche aus dem dritten Jahrhundert ihre Ruhestätte fanden. Noch sind auf den Grabsteinen in griechischer Sprache ihre Namen: Antherus, Fabian, Luzius, Eutychian zu lesen. Ein kurzer, enger Gang führt in die Kapelle der hl. Cäcilia, und von da aus gelangen wir durch eine schmale Galerie in die, wahrscheinlich vom hl. Kallistus selbst angelegten sogenannten Sakraments-Kapellen. Die Feuchtigkeit hat ihre Deckengemälde größtentheils ausgelöscht, so daß nur das halbverwischte Bild des guten Hirten hervorblickt. Besser sind die Wandgemälde erhalten. Wir erblicken in der ersten Kammer oder Kapelle einen Mann in priesterlicher Kleidung, welcher einem nackten, bis an die Knöchel im Wasser stehenden Knaben die rechte Hand auflegt: ein Bild der Taufe. Rechts daneben sehen wir die Gestalt eines Lehrenden mit dem priesterlichen Mantel bekleidet. -- Auf der Mittelwand bemerken wir nachstehendes Gemälde, bei dem wohl Jeder an den Opfertisch des Herrn und die heilige Kommunion denkt.

Ein Tisch mit Broden und dem Fisch steht zwischen sieben mit Brod gefüllten Körben. Der Opfertisch stellt den christlichen Altar dar, der, wenn er sich über einem freistehenden Martyrergrab erhob, ein von kleinen Säulen getragener, regemäßiger Tisch war. Indem nun der christliche Maler auf dem Opfertische zur Seite des Brodes den Fisch dargestellt, so konnte er damit nichts anderes sinnbilden, als den auf dem Altare unter Brodsgestalt geopferten göttlichen "Fisch" Christus. So ist denn hier treffend die unsichtbare Gegenwart des Gottmenschen Jesus im Fische, die sichtbare Gestalt im Brode und der Opferaltar dargestellt. Allein der Opfertisch oder Altar ist zugleich der Tisch des Herrn, der Speisetisch. Dies geben die den Opfertisch umgebenden sieben brodgefüllte Körbe zu erkennen. Sie stellen dieselben Körbe vor, welche nach der wunderbaren Brodvermehrung in der Wüste mit den Ueberresten angefüllt wurden. Die brodgefüllten Körbe und die wunderbare Brodvermehrung wurden von jeher als ein Vorbild der heiligen Kommunion betrachtet. -- Noch deutlicher weist ein zweites Bild, welches oberhalb dem so eben beschriebenen Bilde angebracht ist, auf die hl. Komunion hin. Hier sind 7 Männer nach altrömischer Weise zum Mahle um einen Tisch gelagert, auf welchem sich in einer Schüssel nur ein Fisch befindet, während auf dem Boden acht Brodkörbe stehen.-

Diese Darstellung deutet einerseits auf die Brodvermehrung hin, anderseits auf jenes Mahl am See Tiberias, wo, wie der hl. Johannes erzählt (Kap. 21), der auferstandene Heiland zu den mit einem reichen Fischfange gesegneten sieben Jüngern sprach: "Kommet und esset", und darauf "das Brod" nahm und es ihnen gab und desgleichen auch den Fisch. Die einhelligen Zeugnisse der heiligen Väter besagen, daß jenes Mahl am Gestade des Sees Tiberias ein Vorbild der hochheiligen Kommunion gewesen. So sagt der hl. Augustin: "der Herr bereitete den sieben Jüngern ein Mahl von dem Fische, der vor ihnen auf den glühenden Kohlen lag und vom Brode. Der geröstete Fisch ist Christus, er ist zugleich auch das Brod, welches vom Himmel herabgestiegen ist."

In der zweiten Grabkammer ist das nämliche Gastmahl der sieben Männer sichtbar und dicht neben einem ehemaligen Märtyrergrabe, dem Altare der Kammer, stellt ein Gemälde den Opfertisch, mit einem Brode und einem Fische auf einer Platte dar. Ueber den Fisch hält ein Mann mit dem Pallium bekleidet, (eine Art Kleidung, deren sich die Bischöfe und Priester in der ersten Zeit des Christenthums bedienten) seine Hand segnend ausgestreckt. Ihm gegenüber zur anderen Seite des Tisches steht ein Weib, welches nach damaliger Sitte, mit ausgestreckten Armen betet. -- Es ist unmöglich, hier nicht die heilige Wandlung dargestellt zu erkennen. -- Beim Altartisch steht der Priester und weihet oder segnet das auf der heiligen Schüssel oder Patene liegende Brod und consekrirt, d.h. wandelt es in Christus den "Fisch". Das Weib endlich stellt die anbetende christliche Kirche (Gemeinde) vor.

Nachdem wir nun die merkwürdigen Gemälde betrachtet und ihre Bedeutung erkannt haben, wollen wir zum Schlusse noch zwei sehr bedeutungsvolle Grabinschriften in Augenschein nehmen, welche unzweideutig an dem im heligsten Sakramente gegenwärtigen Christus erinnern. -- Die eine aus den Katakomben stammend, mit Fisch und Ankerkreuz geschmückt, lautet:

Ehrwürdige Maritima, nicht verlorest das süßeste Licht du:
Trugst ja bei dir den (Fisch) den unsterblichen Herrn der Geschöpfe.
Deine gottselige Lieb' hob ins Unendliche dich.

Es ist dies ein überaus zarter Glückwunsch an eine heilige Verstorbene. Sie wird glücklich gepriesen, daß ihr mit dem irdischen nicht auch das überirdische, wahrhaft süsse Licht entschwunden; denn sterbend habe sie ja die Quelle des ewigen Lichtes, den unsterblichen "Fisch" Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erlöser in ihrem Herzen getragen, d.h. als Wegzehrung empfangen.

Die zweite Grabinschrift wurde nicht in Rom, sondern in dem altchristlichen Friedhofe von Sankt Peter bei Autun, einer Stadt der Provinz Bourgund in Frankreich, im Juni des Jahres 1839, in neun Stücke gebrochen, aufgefunden (Wiseman, "Abhandlungen" III.) Das Christenthum wurde in Autun schon frühe eingeführt, und faßte bald starke Wurzel. -- Die grausamen Verfolgungen, in welchen der heil. Pothinus, Bischof von Lyon, ein Schüler der Apostel, des Martertodes starb, breiteten sich von dieser Stadt auch nach Autun aus. Eine Menge Christen fielen unter dem Schwerte der Henker, die übrigen verbargen sich, wie die Christen in Rom, in den Kirchhöfen bei den Gräbern ihrer Brüder. Aus einem solchen Kirch- oder Friedhof von St. Peter genannt, stammt die nebenstehende Inschrift. Sie ist in griechischer Sprache verfaßt, da die erste Christengemeinde von Autun aus Griechen bestand, die von Asien einwanderten.

In deutscher Sprache lautet die Inschrift also:

"Himmlischen Fisches Geschlecht, hochheiliges, lauteren Herzens
Hier in der Sterblichen Land koste unsterblichen Quell
Göttlichen Wasser! Freund, deine Seele erquicke und lebe
Frisch an des Weisheitsstroms ewig lebendigem Born!
Speise auch nimm, die süßer als Honig, des Heilands der Heiligen:
Wonniglich iß sie und trink, haltend in den Händen den Fisch.

Heiß mein Gebet zum Fisch sich ergießt: O Herrscher, Erlöser!
Du der Verstorbenen Licht, sei mir Leitstern, höre mich flehen:
"Aschandeus, in Lieb mir zärtlich geeinet, mein Vater!
Süßeste Mutter, auch du, mit den theuern Entschlummerten allen
Ruhend im Frieden des Fisch's, stets an Pektorius denkt!"

Die Inschrift besteht, wie leicht zu erkennen, aus zwei Theilen. Der erste bezieht sich auf die Geheimnisse des Glaubens: Taufe und Eucharistie; der zweite Theil enthält zunächst ein inbrünstiges Gebet des Verfassers der Inschrift, Pektorius, zu Jesus Christus, dem "Fische" und dann eine Anrufung um Fürbitte bei Gott. --

Im Eingange werden die Neugetauften erinnert, daß sie jetzt ein heiliges Geschlecht des Fisches, das heißt, des Gottmenschen Jesus seien, weil sie in der Taufe, obwohl sterblich, aus unsterblichem Gnadenquell geschöpft haben. Sie sollen sich jetzt der Herzenslauterkeit und Gottseligkeit hingeben, hinfort den Todestrank der Sünde fliehen, und ihre Seele vielmehr mit den unversieglichen Wassern (Dieses Wasser ist Alles, was den Durst des Geistes nach Wahrheit und Heiligkeit stillt, und so die Seele erquickt, also vor Allem die göttliche Lehre und Gnade.) laben, welche Schätze der Weisheit spenden und hinübersprudeln in das ewige Leben. Deßhalb sollen sie langen nach der honigsüßen Speise des Heilandes der Heiligen: sie sollen essen und trinken mit aller Wonne des Herzens, indem sie den Fisch in Händen halten. Um diese Worte: "Nimm die honigsüße Speise; iß sie und trink sie, haltend in den Händen den Fisch", zu verstehen, muß man die altchristliche Weise der Ausspendung der hochheiligen Eucharistie oder der heiligen Kommunion kennen. War nämlich bei der Feier des heiligen Meßopfers der Bischof oder Priester zur Kommunion gekommen, dann pflegte die Gemeinde den 33. Psalm anzustimmen, dessen Vers: "Kostet und sehet, wie süß der Herr ist", auf die hochheilige Eucharistie bezogen wurde. Hatte der Bischof oder Priester kommunizirt, dann näherten sich die Gläubigen nach einer kurzen Anbetung des Allerheiligsten, dem Altare oder Speisegitter, wo sie meist stehend, mitunter auch knieend den heiligen Leib des Herrn empfingen. Während nun die Frauen das Brod des Lebens auf ein weißes, reines, über die Hand gebreitetes Leintuch (Dominikale genannt) empfingen, legten die Männer die blossen Hände, welche sie zuvor beim Entritt in die Kirche gewaschen hatten, dergestalt kreuzweise übereinander, daß die hohle Rechte auf der Linken ruhte. In die so gehaltenen Hände nahmen sie den vom Bischofe dargereichten heiligen Leib des Herrn, ("den Fisch" Jesum Christum, den Sohn Gottes und Erlöser) und führten ihn zum Munde, nachdem sie zuvor auf die Worte des Bischofs Corpus Christi oder Corpus Domini, "Amen" geantwortet hatten.

Der zweite Theil der Inschrift enthält, wie schon gesagt, ein Gebet des Verfassers Pektorius an Christus, den "Fisch": "Er, der königliche Herrscher und Heiland, das Licht der Sterbenden, möge ihm ein Stern und Führer sein im Leben und im Tode." Da erhebt er seinen Blick zum Himmel, er sieht seinen Vater Aschandeus, seine süsseste Mutter und andere theuere Heimgegangene "im Frieden des Fisches", d.h. im Frieden Jesu Christi ,des Sohnes Gottes und Erlösers und innig und vertrauensvoll ruft er sie an, seiner im Gebete zu gedenken. --

So bezeugt diese Inschrift, in Stein eingegraben, den beständigen Glauben unserer hl. Kirche an die Gottheit Christi, und die Erlösung durch ihn, den Gottmenschen; ihre Lehre von der hl. Taufe, von der Nothwendigkeit der Gnade, von der hochheil. Eucharistie und der Fürbitte der Heiligen, und zwar vom zweiten oder gar dem ersten Jahrhundert an bis auf unsere Tage!! __

Noch ein bedeutungsvolles Zeugniß von dem Glauben der ersten Christen an die hochheilige Euicharistie geben die vorbildlichen Wandgemälde des alten und neuen Testamentes, sowie die Skulpturen an Särgen in den Grabkammern der Katakomben. -- Oefters wiederholt sich das Opfer Isaaks und das Wunder des Manna-Regens in der Wüste, wie beide nachstehende Bilder, welche getreu nach dem Deckengemälde der zweiten Grabkammer der Katakomben des hl. Kallistus copirt sind, zeigen. (Der berühmte Forscher Bosio sagt bezüglich des zeiten Bildes: "Nachdem in den übrigen vier Feldern desselben Frescos sich nur Symbole des alten Bundes finden, ist die Annahme, daß wir hier nicht das Wunder der Brodvermehrung, sondern den Mannasegen vor uns haben, wohl begründet.")

Eine häufig vorkommende Darstellung ist das erste Wunder Jesu Christi auf der Hochzeit zu Kana, die Wandlung des Wassers in Wein, worin die hl. Väter ein Sinnbild der Wandlung in der hl. Messe erblickten. So schreibt der hl. Maximus: "Die nach neuer Ordnung erfolgte Wandlung des Wassers in Wein, hat uns das Sakrament des neuen Kelches vorgebildet." Noch deutlicher drückt sich der hl. Cyrill aus: "Christus", schreibt er, "hat zu Kana in Galiläa Wasser in blutähnlichen Wein durch seinen blossen Willen verwandelt, wie sollte er nicht Glauben verdienen, wenn er Wein in Blut verwandelt... Und wenn er zu einer irdischen Hochzeit geladen, das staunenswürdige Wunder gewikrt hat, werden wir nicht bekennen, daß er um so mehr seinen Leib und sein Blut den Kindern des himmlischen Bräutigams zum Genuße geschenkt habe?" (in catech. mystag. 4.) -- Demgemäß sehen wir auf gar vielen Gemälden, Gläsern und Gräbern Christum, den Herrn, abgebildet, wie er mit dem Stabe mehrere Weinkrüge berührt. Gewöhnlich bildet hiezu die Brodvermehrung oder wunderbare Speisung der Volksmenge in der Wüste ein passendes Seitenstück. --

Wir geben hier zwei der interessantesten Darstellung aus den Katakomben, die sich hierauf beziehen.

Die erste ist einem Marmorsarge des 4. Jahrhunderts aus dem alten unterirdischen Coemeterium Vaticanum entnommen; die zweite ist die getreue Copie des Nischenfreskos aus dem ersten Cubikulum der Katakombe der heil. Priscilla. Vom Mittelstück, jedenfalls den segnenden Christus darstellend, ist die Malerei abgefallen , also nicht wiederzugeben.

Eines der merkwürdigsten Symbole der hochheiligen Eucharistie zeigt das hier eingeschlossene Bild, eine merkwürdige Copie aus der dritten Grabkammer der Katakombe des heiligen Callistus, welche, wie der berühmte Erforscher der Katakomben, Bosio, ssagt, Jesus Christus vorstellt, der in seinem Schooße Brode trägt, nach seinen eigenen Worten: Ego sum panis vivus, qui de coelo descendi. (Ich bin das Brod des Lebens, das vom Himmel herabgestiegen ist.) Es würde zu weit führen, wollten noch alle die übrigen symbolischen Darstellungen der hochheil. Eucharistie wie sie die mannigfachen Wandmalereien der Katakomben enthalten, hier erwähnt werden. Dieselben finden sich nicht nur im Cömeterium des heil. Callistus, sondern auch in den unterirdischen Grabstätten der hl. Marcellinus und Petrus unter der Via Labicana, der heiligen Priscilla, Hermetis, Basilius, Prothus und Hyazinth unter der Via Salara, der hl. Agnes, unter der Via Nomentana, des heil. Prätertatus etc. und fördert jede neue Ausgrabung neue Schätze zu Tag, welche bei gutem Willen auch den größten Zweifler überzeugen müssen. Wr sich hierüber näher unterrichten will, und Gelegenheit hat, versäume nicht, das prächtige Werk des Franzosen Perret in 6 Foliobänden sich anzusehen.

Mitunter sieht man den Heiland auch dargestellt, wie er auf der einen Seite die Körbe, auf der andern die Krüge hat, ein schönes Sinnbild der Gestalten von Brod und Wein und deren Wandlung und Ausspendung. Als Beispiel möge das hier eingeschlossene Bild, die goldeingelegte Bodenfläche eines Kelches oder Glasbechers aus der Katakombe des heiligen Kallistus dienen.

Man sieht zuerst Tobias mit dem Fische in der Hand, dann Christus, wie er mit dem Stabe die sieben Krüge, den Gichtbrüchtigen mit seinem Tragbette und die drei Jünglinge im Feuerofen berührt. In der Mitte ist das Brustbild, wahrscheinlich des Apostels Petrus oder Paulus angebracht, und daneben liest man die Worte, ZES: ES, zu deutsch: "Trinke, du wirst leben." -- Der Fisch sinnbildet das Fleisch Christi, die Krüge sein kostbares Blut, die Heilung des Gichtbrüchtigen, die Auferstehung des Sünders zum Leben der Gnade, die Rettung der drei Jünglinge aus dem Feuer, die Auferstehung vom Tode. Das Ganze sinnbildet die Verheißung Christi: "Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am jüngsten Tage." Joh. 6,55.

So haben wir denn auf unserer Wanderung durch die christliche Todtenstadt in einer Reihe von geheimnißvollen Zeichen, bedeutungsvollen Inschriften und sinnvollen Bildern und Gemälden, gesehen, wie die ersten Christen den nämlichen Glauben an die wirkliche Gegenwart unsers Heilandes in der hochheiligen Eucharistie, an die Wandlung des Brodes und des Weines in sein heiligstes Fleisch und Blut und an die hochheilige Kommunion in ihrem Herzen getragen, wie ihn heut zu Tage die katholische Kirche überall lehrt. Zahlreiche Altäre über den Gräbern der heiligen Blutzeugen haben uns kund gegeben, daß schon von den Apostelzeiten an in den unterirdischen Grüften die heilige Messe zur Ehre des dreieinigen Gottes und seiner Heiligen, wie in unseren Tagen gefeiert wurde. Wir haben die Todten befragt, die seit mehr als anderthalbtausend Jahren in zahllosen Gräbern beieinander schlummern und sie haben uns geantwortet, daß auch ihnen einst, wie heute, Jesus, der Gottmensch und Erlöser durch die Hand des Priesters sein heilig Fleisch und Blut dargereicht habe als Seelenspeisen, Wegzehrung und Unterpfand des ewigen Lebens im Himmel.

Und gerade die ängstliche Sorgfalt, womit unsere Väter im Glauben dieses süßeste Geheimniß unserer heiligen Religion unter dem Schleier von mannigfaltigen Zeichen und Bildern vor den Augen Uneingeweihter verhüllt und so vor Mißdeutung, Verhöhnung und Entehrung zu bewahren gesucht haben, bezeugt uns, daß sie geglaubt haben, das hochheilige Mahl, welches Christus seiner Kirche hinterließ, bestehe nicht im Genuße von blossem Brod und Wein zu seinem Andenken, sondern sei wahrhaftig und wirklich sein heil. Fleisch und Blut. Hätten sie geglaubt, das Abendmahl sei blos Brod und Wein und bedeute nur den Leib und das Blut Christi, so bleibt es unbegreiflich, warum sie dieses so sorgfältig verheimlichen, sich den Vorwurf des Kindsmordes und thyestischer Mahlzeiten von Seite der Heiden gefallen lassen, ja Marter und Tod dafür leiden sollten?!!

 

Die Entstehung der ersten christlichen Kirchen
zur Feier der hochheiligen Eucharistie.

(Kreuser: "der christliche Kirchenbau." Amberger: "Pastoraltheologie." Weickum: "das hl. Meßopfer.")

Wir haben vernommen, daß die Gläubigen schon zu den Zeiten der Apostel sich zur Feier ihres Gottesdienstes, besonders des heiligen Opfers, der sogenannten Oberzimmer in den Häusern ihrer Mitbrüder bedienten. Gemäß der trostvollen Verheißung des Heilandes: "Ich werde mit euch sein bis zur Vollendung der Welt" (Matth. 28, 20), bedurfte seine von ihm gestiftete Kirche von Anfang an eines heiligen Ortes für den in ihr in der hochheiligen Eucharistie immer gegenwärtig bleibenden Heiland. -- So hatte der hl. Geist am Pfingsfeste selbst das Obergemach im Cönakulum zu Jerusalem durch seine Herabkunft zur heiligen Stätte geweiht. -- Zu Antiochia überließ der erste Bürger der Stadt, Namens Theophilus, seinen Palast dem heil. Petrus zum Versammlungsort der Christen; und als dieser heilige Apostel nach Rom kam, fand er in dem Hause des Senators Pudens Aufnahme, und dies Haus wurde zur ersten gottesdienstlichen Stätte der Christen. Zu Troas brach der hl. Apostel Paulus das Brod, d.h. feierte er das hochheilige Opfer im erleuchteten Obersaal eines Hauses, und zu Rom versammelte er die Gemeinde um sich im Hause des Aquila und der Priscilla. Zu den Zeiten des hl. Martyrers Justin (+ 167) gab ein gewisser Martinus Timotinus sein Haus zum Gottesdienste her und ließ es vom Papste Pius I. weihen. Ebenso verfuhr die hl. Cäcilia mit ihrem Hause, welches Papst Urban einweihte. So gesteht der Priester Saturninus vor dem Richter, daß er am Sonntage die hl. Geheimnisse (Synaxis), also das hl. Meßopfer gefeiert, und der Christ Emeritus, daß er sein Haus zu dieser Feier hergegeben habe. --

Doch die Gläubigen begnügten sich nicht, ihren Gottesdienst in den Häusern zu feiern. Sie erbauen auch, wenn sie Ruhe und keine Verfolgung zu befürchten hatten, besondere Versammlungsstätten, Kirchen (von dem griechischen Worte Kyriaka, "Häuser des Herrn", daher altdeutsch Chiricha, "Kirche". So wurde über dem Grabe der Apostelfürsten Petrus und Paulus bald nach ihrem Tode eine Kirche erbaut, welche unter dem Kaiser Heliogabal zerstört ward. Die Kirche St. Maria in Trastavere zu Rom steht auf dem Platze, wo im dritten Jahrhunderte schon eine Kirche stand. Der heilige Optatus von Mileve zählt vierzig Kirchen auf, welche Rom vor der Verfolgung des Kaises Diokletian besaß, die aber unter diesem grausamen Wüthrich sämmtlich dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Zur Zeit dieser Verfolgung, der schrecklichsten von allen, geschah es, daß, wie der heil. Dionys von Alexandria schreibt, das Feld, die Einöde, das Schiff, der Stall, ja auch der Kerker als Kirche dienen mußten. Davon gibt Zeugniß die Marter

des heiligen Priesters Lucian.

Er stammte aus Samosata in Syrien. Nach dem Tode seiner Eltern vertheilte er alle seine Güter unter die Armen, um, losgerissen von allem Irdischen, Gott vollkommener dienen zu können. -- Die Lesung, Betrachtung und das Studium der heiligen Schrift war seine vorzüglichste Beschäftigung. Er unternahm auch eine neue Ausgabe der heiligen Bücher, und verbesserte alle Fehler, welche sich in denselben im Laufe der Zeit eingeschlichen hatten. Als im Jahre 303 Kaiser Diokletian seine ersten Verfolgungseditkte gegen die Christen erließ, lebte Lucian in Nikomedien, und befand sich unter der Zahl derjenigen, welche man des Glaubens wegen in den Kerker warf. -- Mit ihm theilten dasselbe Schicksal eine Menge Christen, die sich weigerten, den Götzen zu opfern. Neun Jahre brachte er im Gefängnisse zu, und hier nun geschah es, daß seine Mitgefangenen sowohl als die Gläubigen, die der Verfolgung entkommen waren und die heiligen Bekenner im Kerker besuchten, aus Velangen nach der heiligen Kommunion, den Priester Lucian baten, das heil. Opfer im Kerker zu feiern. -- Brod und Wein und der Kelch wurde heimlich herbeigebracht, aber ein Altar war nicht vorhanden. -- Da legte sich Lucian in heiliger Begeisterung rücklings auf den Boden, setzte das Brod und den Kelch mit Wein auf seine Brust, begann und vollendete auf diese Weise das heiligste Opfer, während die Christen ihn umringten, damit, sagt der Geschichtsschreiber Philostergius, die Gottlosen (Heiden) nicht sehen möchten, was da vorging. -- Hierauf genoß er selbst die hochheilige Eucharistie und theilte sie unter die Anwesenden aus.

So hatten sich der heil. Blutzeuge und seine Gefährten auf den blutigen Kampf gestärkt, den sie endlich nach langer, leidensvoller Haft vor ihrem Tode noch bestehen mußten. -- Maximian, ein Mitregent des Kaisers Diokletian und ein ebenso grimmiger Feind der Christen, ließ den heiligen Priester Lucian vor sein Gericht führen. Auf seine Frage, wer er sei, woher er komme, welches Geschäft er treibe, gab Lucian nur die Eine Antwort: "Ich bin ein Christ." Darüber erzürnt, bedrohte ihn der Kaiser mit der grausamsten Marter, Lucian aber antwortete: "Ich bin ein Christ." Da erließ der Kaiser den Befehl, den Diener Gottes auf die Folter zu spannen. Hierauf zerfleischten die Henker seinen Leib, legten ihn auf spitzige Scherben und ließen ihn 14 Tage lang, sorgfältigst bewacht, darauf liegen. -- Da auch jetzt Lucian bei seinem Bekenntnisse: "Ich bin ein Christ", standhaft beharrte, wurde ein Tisch mit Fleisch herbeigebracht, das zuerst den Götzen geopfert war, und dem Diener Gottes der Befehl ertheilt, davon zu essen, und um ihn zum Essen zu zwingen, wurde ihm jede andere Speise verweigert. Allein der treue Bekenner Christi wollte lieber Hungers sterben, als das Fleisch berühren. -- Nach längerer Zeit der gräßlichsten Qual ließ der Kaiser fragen, ob Lucian noch lebe? Der heilige Mann aber gab zur Antwort: "Saget dem Kaiser: "Ich bin ein Christ", bei diesen Worten gab er seinen Geist auf im Jahre 312 am 7. Januar, wo auch die Kirche sein Gedächtniß feiert.

Da also die Gläubigen, wie aus dem Leben des heiligen Lucian ersichtlich, zur Zeit der Verfolgung auch in den Häusern sich nicht mehr ohne Lebensgefahr versammeln, dem heiligsten Opfer nicht mehr beiwohnen, die hochheilige Eucharistie nicht empfangen konnten, so nahmen sie ihre Zuflucht zu den unterirdischen Friedhöfen, wo ihnen die Grabkammern zu Kapellen und die Gräber der Martyrer zum Altare dienten, um auf denselben das heiligste Opfer darzubringen und das Brod des Lebens zu empfangen. -- Endlich sollte der gewaltige, blutige Kampf, den das Christentum 300 Jahre lang mit dem Heidenthum führte, sein Ende finden. Im nämlichen Jahre noch, in welchem der hl. Lucian des Martrertodes starb, errang der Kaiser Konstantin, dessen Mutter Helena eine Christin, und der selbst den Christen geneigt war, unter dem Schutze des heiligen Kreuzes einen glänzenden Sieg über seine Gegner. Als er eben an der Spitze seines Kriegsheeres auf dem Marsche war, gewahrte er bei reiner, heiterer Witterung am Himmel ein funkelndes Kreuz, umgeben von der Inschrift: "In diesem Zeichen wirst du siegen." In der folgenden Nacht erschien ihm während des Schlafes Jesus Christus mit demselben Zeichen und befahl ihm, eine Fahne nach diesem Vorbild machen und seinem Heere zur Schutzwehr vorantragen zu lassen. Am Morgen befolgte der Kaiser alsbald den Befehl des Herrn. -- Er ließ die Fahne verfertigen, mit dem Zeichen des Kreuzes und dem Namen Christus geschmückt und nachdem er unter diesem hl. Zeichen den Sieg errungen, kündigte er sich öffentlich als den Verehrer und Beschützer des Christenthums an. --

Nun steigen die Christen aus den dunkeln Grüften, aus der Finsterniß zum Lichte empor. Sie durften jetzt ungescheut und ungehindert ihren heiligen Glauben bekennen und üben, und das Erste, was sie thaten, war, daß sie jene Häuser, wo sie sich früher zum Gottesdienste versammelten, und jene heiligen Stätten, wo sie über den Gräbern der hh. Apostel und Martyrer das heilige Opfer feierten, und die im Schutte begraben lagen, in prachtvolle Kirchen umwandelten und neu erbauten.

Zum Vorbilde ihres Kirchenbaues nahmen die Christen damaliger Zeit die Grabkammern oder Kapellen in den Katakomben. -- Die kleinen viereckigen Kapellen erweiterten sich zu einem großen länglichen Viereck mit 2 Reihen von Säulen.

Die Wände der Kapellen entfalteten sich zu hohen Mauern; das kleine Gewölbe, in Tufstein gehauen , verwandelte sich in eine prächtige über die Mauern gespannte Bedachtung oder später in ein mächtiges, weites Deckengewölbe. Der Bogen des Arkosoliums über dem Grabaltar gestaltete sich zum Triumphbogen und zum Chore. Der steinerne Stuhl des Bischofs mit den an der Wand sich hinziehenden Priesterbänken ward zum Presbyterium (Preistersitz), der kleine Grabaltar zum Altartische aus Marmor, oft auch Silber und Gold, unter dem der Leib oder die Gebeine eines Maryrers ruhten. Und wie in den Katakomben Männer und Frauen abgesondert dem heiligsten Opfer beiwohnten, so nehmen in den Kirchen der ersten Christen Männer und Frauen gesondert in den Seitenschiffen Platz.

Kaiser Konstantin förderte den Bau neuer Gotteshäuser mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln. Er selbst baute die Laterankirche, die Kirche St. Peter, St. Paul, St. Agnes etc.; iin Jersualem erhob sich über dem Cönakulum die Apostelkirche, Hagia Sion genannt, und die heilige Helena ließ die hh. Grab-, Kreuz- und Auferstehungskirche bauen. Die Kirchen erhielten nun den Namen Basilika, "königliches Haus". Sie wurden gewöhnlich auf einem hochgelegenen Platz erbaut; denn man erinnerte sich hierbei an das Cönakulum in Jerusalem, das ein Obersaal gewesen, an den Berg des Kreuzesopfers Christi, den Golgatha, an das himmlische Jerusalem. Die Form der neuen Kirche war das Kreuz. Schon die Kapellen in den Katakomben zeigten die Kreuzesform. Der Chor war um einige Stufen erhöht; in ihm stand der Altar. Hinter dem Altar, an der Chornische oder Absis, war der Sitz des Bischofs und der Priester. Der Chor war wegen des Altars der heiligste Ort der Kirche; er war daher durch ein Gitter von der Gemeinde geschieden und nur der Bischof und die Priester durften ihn betreten. Schon in den Katakomben waren vor dem, um eine Stufe erhöhten Altar, solche Schutzgitter von Stein. Der Raum für die Gläubigen hieß und heißt noch das Schiff. --

Die Kirche nämlich, die sichtbare Gemeinde der Rechtgläubigen unter dem sichtbaren Oberhaupte, dem Papst und den ihm untergeordneten Bischöfen, vergleichen die heiligen Väter mit dem Schifflein des heiligen Petrus, in welchem der wahre Glaube zu finden ist, mit welchem die Gläubigen durch das Meer dieses Lebens zum Paradiese, dem wahren Vaterland, schiffen sollen. Die Kirche hatte aber gewöhnlich drei Schiffe: ein Mittel- und zwei Seitenschiffe. Das Mittelschiff war der Platz für die niedere Geistlichkeit, die Sänger etc., das Seitenschiff gegen Mitternacht war der Platz für die Frauen, das Seitenschiff gegen Mittag der Platz für die Männer, daher Männer- und Frauneschiff. Durch drei Thüren trat man in die Schiffe ein; vor diesen Thüren befand sich die Vorhalle, auch Paradies genannt, in welchem die Weihwasserbehälter standen. Solche Vorhallen oder Vorhöfe, natürlich viel kleiner, gab es auch in den Katakomben. Sie dienten zur Aufnahme der Gläubigen, welche zu spät kamen, zum Aufenthalt der Büßer, welche nicht das Recht hatten, in die Kirche einzutreten und der Katechumenen, welche der Feier des heiligen Opfers nicht beiwohnen durften. Die Richtung der Kirche war immer gegen Morgen oder Aufgang der Sonne zur Erinnerung an Jesus, den wahren Aufgang aus der Höhe, der Sonne der Gerechtigkeit, der das verlorne Paradies uns wieder aufthat und als Richter und König der Ewigkeit von Aufgang her erwartet wird. (Aus der Liturgie des heil. Jakob.)

Zur Veranschaulichung der oben erwähnten Einzelheiten mag die vorstehende Abbildung einer der ersten Basiliken dienen, welche alle Bestandtheile des Kirchenbaues alter Zeit mit Numern enthält, die ihre Erklärung an der Seite des Bildes finden.

 

Der Altar in den Kirchen früherer Zeit.

Das heil. Opfer verlangt eine heiligeStätte über und um den Altar. Eine Kirche ohne Opferaltar und ohne Opfer istein Gefäß ohne Inhalt. Auf den Altar und sein Opfer bezieht sich, um ihn bewegt sich als Hauptmittelpunkt das ganze christliche Leben.**) Dreifach ist die Bedeutung des Altars. Er ist 1) Opferstätte, nämlich für das sichtbare Opfer Jesu Christi in seiner sichtbaren, lebendigen Kirche; darum ist der Altar das Bild jenes Tisches, auf dem Jesus Christus das heiligeOpfer eingesetzt, sowie das Bild des Kreuzes, des Kalvarienberges, ja seines heiligsten Leibes selbst, welcher der eigentliche Altar war, in dem und auf dem Jesus Christus sein Opfer für die Menschheit darbrachte. Er ist 2) die Wohnstätte, "der Sitz des Leibes und Blutes des Herrn", wieder hl. Optatus von Mileve sagt, des heiligen Berges Gottes, sowie des Altars des himmlischen Jerusalems, den Johannes geschaut hatte im Himmel, des Thrones, auf .... (hier fehlt ein Stück, ca. 4 Zeilen) ... und Werke der Gläubigen dargebracht werden, und so ist er auch das Bild des christlichen Herzens.*)

Die Altäre, deren sich die Apostel und deren Schüler bedienten, waren Tische von Holz, wie wir schon gehört haben. Die Altäre in den Katakomben waren steinerne Särge mit den Leibern der hh. Martyrer, deren Decek von Stein oder Marmor zur Darbringung des heil. Opfers diente. Man nante diese Altäre "Grab", "Gedächtniß", "Ort des Martyrers", "Bekenntniß derMartyrer", "Tisch". Der Altar in den Häusern und in den Kirchen, welche die alten Christen zur Zeit, wo sie keine Verfolgung zu erdulden hatten, erbauten,  war ebenfalls ein einfacher Tisch, gewöhnlich´von Holz, auf vier Füßen ruhend, den man leicht zur Zeit der Verfolgung wegschaffen konnte. Doch schon der vierte Nachfolger des heiligen Petrus, der heil. Papst Evaristus (100-109) setzte fest, daß fortan nur Altäre von Stein errichtet und ge....t werden sollen. Der seinerne Altar sollte ... n Herrn sinnbilden, welcher der Fels ...erliche Eck- und Grundstein ist. ... so sollte der Altar ebenfalls ... seine Richtung gegen den Aufgang der Sonne haben. Schon in den größeren Kapellen der Katakomben gab es mehrere Altäre von Stein. - Uebrigens war die Gestalt des Altars länglich viereckig, wie noch jetzt, inwendig hohl, darinnen die Gebeine der hh. Martyrer, vorne mit zwei Thürchen verschlossen. - Es lagen und liegen noch jetzt Reliquien der hh. Martyrer unter dem Altarsteine, weil die hl. Martyrer sich nach dem Vorbilde des Heilands geopfert hatten. "Sie, die triumphirenden Schlachtopfer", schreibt der heilige Ambrosius, "sollen unten an die Stätte kommen, wo das große Versöhnopfer Christus ist. Er über dem Altar, weil er für alle gelitten: diese unter dem Altare, weil sie durchsein Leiden erhöht wurden." Auf solche Weise sollte der chrisltiche Altar ein Abbild jenes Altares sein, worüber der heilige Johannes in seiner geheimen Offenbaung schreibt (6, 9): "Ich sah unter dem Altare die Seelen derer, dieum des göttlichen Wortes und ihres Zeugnisses wegen, an das sie sich hielten, waren getödtet worden." - DerAltar war gewöhnlich mit feiner, weißer Leinwand bedeckt, und mitBold und Silber geschmückt.

Auf solchen Altären wurde nun, wie die alte Christenheit sich ausdrückte, "das Geheimniß des Glaubens", das heil. Opfer dargebracht und zur Zeit der ersten Christen auch ... heiliges Geheimniß behandelt... den Blicken der Uneingeweihten... selbst die Eingeweihten, d.h. die ... dasselbe mitheiliger Ehrfurcht... - Daher stand der Altartisch im Chore, durch ein Gitter von der Gemeinde getrennt, unter einem Ciborium.

Das Ciborium war eine Art Schutzdach von Seide, welches auf vier dünnen, feststehenden Säulchen ruhte undden Altar überdeckte. Von einem Säulchen zum andern liefen Stangen, an welcher Vorhänge von Seide hingen, welche den ganzen Altar und den Priester, der beim heil. Opfer hinter dem Alar stand, und sein Antlitz dem Volke zuwendete, verhüllten, und nur bei geweissen Theilen des heil. Opfers geöffnet wurden. Oben auf dem Ciborium stand ein Cruzifix und ringsum standen Lichter und Blumen zur Zierde. Es gab auch Ciborien von Holz, von Marmor, von Gold und Silber. So ließ KaiserKonstantin ein goldenes Ciborium machen, das fünfhundert Pfund wog, mit einem Giebeldache von Silber, welches 2000 Pfund schwer war. Gerade unter dem Kruze des Ciboriums, im Inneren des Schuztdahctes, hing an zwei, auch drei und vier Kettchen das Speisegefäß, in welchem der hochheilige Leib des Herrn, das Brod des Lebens für die Kranken und Sterbenden aufbewahrt wurde. Dieses Speisegefäß, welchs dem Ciborium den Namen gab ... einer Taube, später ...

Bevor also der Bischof oder Priester die hl. Messe begann, war der Altar durch die Vorhänge des Ciboriums auf vier Seiten verhüllt. Das geschah wegen der Katechumenen, welche der Vormesse bis zum Offertorium beiwohnen, die heiligen Gefäße aber, den Kelch, diePatene, das Speisegefäß etc. nichtsehen durften. Auf dem Wege zum Altar betete der Bischof oder Priester das Staffelgebet: Introibo ad altare Dei etc.: "Ich will eingehen zum Altare des Herrn etc." Hierauf wurde der Pslam Judica abwechselndzwischen Priester und Volk gesungen, das Sündenbekenntnß (Konfiteor) abgelegt, der Introitus, das Kyrie, Gloria, die Kellekten ,die Lektion oderEpistel, das Graduale, das Credo und das Gebet, "Offertorium" genannt, theils gebetet, theils gesungen, und zwar außerhalb des Altars, wie dies heute noch beim Hochamte des Bischofs geschieht. Dies war dieKetechumenen- oder Vormesse. War sie vorüber, dann rief der Diakon lauf: "Wenn Einer ein Katechumene, wenn Einer ein Ungläubiger ist, der trete ab", oder er rief: "Ite, missa est", "Gehet, die Mese ist." -- Hatten sich nun auf diesen Ruf hin die Katechumenen und Uneingeweihten entfernt, dann erst wurden die Vorhänge des Ciboriums geöffnet und der Bischof oder Priester tritt in das Ancta sanctorium, in ds Allerheiligste ein, indem er also betete:*) "Wir danken dir, Herr, unser Gott, daß du uns Vertrauen schenkest, in dein Heiligthum einzutreten... innerhalb jener Hülle zu sein, und das Allerheiligste zu erblicken: wir beugen unsere Kniee vor deiner Güte: o Herr, erbarme dich unser, indem wir fürchtend und zitternd zu deinem Altare treten, um dieses heilige, unblutige Opfer für unsere Sünden und für die Fehler des Volkes darzubringen". Heut zu Tage betet der Priester, wenn er nach dem Staffelgeete die Stufen des Altares hinansteigt: "Nimm, wir bitten dich, o Herr, unsere Sünden von uns hinweg, damit wir mit rineme Herzen in das Allerheiligste eintreten." Die Vorhänge blieben aber nicht immer während des heil. Opfers geöffnet, sondern sie wurden während desselben mehrmals, besonders bei der hl. Wandlung, geschlossen. Damit aber die dem hl. Opfer beiwohnenden Gläubigen die heiligen Opferhandlungen mit ihrem Gebete begleiten konnten, wurden sie durch den Schall einer kleinen Glocke oder Klinsel aufmerksam gemacht, daher heut zu Tage noch der Gebrauch, den Beginn des Offertoriums, die Wandlung und die heilige Kommunion durch das Zeichen einer Glocke oder Klinsel anzuzeigen.

Die Ciborienaltäre blieben bis zum 14. Jahrhundert im Gebrauche, und die hochheilige Eucharistie wurde unter dem Dache des Ciboriums in einer Taube oder einem Thurme von Silber oder Gold aufbewahrt. -- Sie befand sich also im Mittelpunkt der Kirche an dem Altar und zwar hängend, so daß also das Allerheiligste von den Gläubigen gesehen und angebetet werden konnte.

Im 14. Jahrhundert*) fing man an, die hochheilige Euchariste nicht mehr auf dem Altar, sondern neben dem Altare in sogenannten Tabernakeln, Sakraments- oder Herr-Gottshäuschen aufzubewahren. - In kleinern Kirchen waren diese Tabernakel Wandschränke von Stein, inwendig mit Seide verziert, und mit einem schönen eisernen Gitter verschlossen. In größeren und sogenannten Haupt- oder Kathedral-Kirchen baute man für das Allerheiligste jene himmelanstrebenden Thürmchen, aus Stein kunstreich gemeißelt, welche in mehreren Stockwerken, mit den zierlichsten Ornamenten und Bildwerken verziert, sich bis zum Gewölbe erhoben und in eine thurmspitze mit der Kreuzesblume endete. Im untersten Stockwerke, zu dem gewöhnlich eine Treppe führte, befindet sich der Tabernakel mit einem eisernen vergoldeten Gitter geschlossen, in welchem die hochheilige Eucharistie im kostbaren Gefäße aufbewahrt wird. Oefters ruht der Tabernakel auf einer zierlichen Säule und über ihn erhebt sich das kunstreiche, zierliche Thürmchen.

Der Glaube an die Gegenwart des Heilandes im heiligsten Sakrament, und die Liebe zu ihm waren es, welche die Erbauung dieser kunstvollen Tabernakel frommen Gläubigen in den Sinn und frommen Künstlern den Meißel und Hammer in die Hand gab, um so herrliche Kunstwerke zu schaffen. Im Dome z7u Ulm und zu Regensburg, in der St. Laurentii-Kirche zu Nürnberg magst du, lieber Leser, solche Sakraments-Häuschen betrachten und erkennen ,was religiöse Begeisterung zu schaffen vermag!

Das beigegebene Bild ist nach der Natur gezeichnet und stellt das aus der besten Zeitgothischer Baukunst stammende, wohlerhaltene Sakrments-Häuschen der St. Rupertikirche zu Regensburg dar, welches als eines der schönsten Denkmale chritlicher Kunst in der an Alterthümern so reichen ehemaligen freien Reichsstadt gilt.

Doch nur 150 Jahre lang bediente man sich zur Aufbewahrung der hochheiligen Eucharistie der Wandschränke und Sakramentshäuschen. Man sah ein, daß der Altar und das Allerheiligste zusammen gehören und Gilbertus, Bischof von Verona (1525 - 1534) war der Erste, welcher die Uebertragung der hochheiligen Eucharistie gebot und befahl, daß in jeder Pfarrkirche auf demHaupt- oder Hochaltar ein schöer, würdiger Tabernakel von Holz oder anderem Materiale gebaut und darin das Allerheiligste aufbewahrt werde. Und da um diese Zeit die Ciborienaltäre mit ihren Vorhängen und ihre Bedachung außer Gebrauch kamen, so wurde der Tabernakel mit dem Allerheiligsten auf dem Altare unter einem Balchachin gestellt, der aus Seide, Sammt, oft auch aus Gold und Silber bestand, oderes erhob sich ein auf vier Säulchen stehendes, gewölbtes Dach über ihn, wie dieß die heir eingefügte Abbildung deutlich veranschaulicht. Dieselbe ist nach einem Altare in der berühmten Kirche des heiligen Dionysius zu Paris gezeichnet und verdient daher gewiß ein erhöhtes Interesse.

Von dieser Zeit an sind unsere Tabernakel der Aufbewahrungsort der hochheiligen Eucharistie; sie sind das heil. Zeit*), in welchem die Lade des neuen Bundes, das Allerheligste, entweder im Speisekelche (Ciborium) oder in dem Schaugefäße (Monstranz) ruht.

Hier nun weilt Jesus, unser Alles, unter der Gestalt des Brodes; hier hält ihn die Liebe, wie in einem Gefängniß, gefangen, von hier aus ruft er allen Mühseligen und Beladenen zu: "Kommet her zu mir, ich will eucherquicken!!"

 

Das ewige Licht vor dem Tabernakel.

Die heilige Kirche hat angeordnet, daß in jeder Kirche, wo die hochheilige Eucharistie aufbewahrt wird, beständig Tag und Nacht ein Licht brennen soll. -- Schon zur Zeit der ersten Christen schwammen oft die kleinen Kapellen in den Katakomben bei der Feier der heiligen Messe in einem Meere von Licht. Es brannten nicht blos Lichter auf dem Altare, sondern zahlreiche Kronleuchter hingen von den Gewölben herab und verbreiteten die Strahlen ihrer Lichter über die Versammlung der Gläubigen. -- Der heilige Epiphanius (+ 403) erzählt: "Als ich auf meiner Reise nach Bethel zu einer Villa kam, die Anablatha hieß, sah ich dort im Vorbeigehen eine brennende Lampe. Auf meine Frage, was das für ein Ort sei, erfuhr ich, es sei dieses die Kirche, und ich ging hinein, um zu beten." Der heilige Bischof Paulin von Nola (+ 431) ließ zu Ehren des heil. Martyrers Felix eine prachtvolle Kirche bauen und von dieser Kirche schreibt er: "Die Altäre sind von einer Mengegroßer Kerzen in ganzen Reihen beleuchtet. Sie brennen bei Tag und Nacht. So schimmert die Nacht wie im Glanze des Tages und der Tag selbst, voll himmlischer Schönheit, erhält durch unzählige Lichter einen doppelt herrlichen Schimmer." Derselbe Heilige redet "von einer silbernen Lampe, die immer brennt vor dem Altare."

Es hat aber das immer brennende ewige Licht vor dem Allerheiligsten eine tiefe Bedeutung. Es ist 1) eine beständige Botschaft von der Gegenwart Gottes in der Kirche; denn "Gott ist Licht und verzehrendes Feuer und wohnet im unzugänglichen Lichte"; Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsterniß. Der Vater ist Licht, der Sohn istLicht vom Lichte, der Abglanz des ewigen Lichtes, der Strahl, der vom Vater ausströmt, der heilige Geist ist das Feuer, das vom einen und anderen, vom Strahl und der Quelle des Lichtes ausgeht. Alle himmlischen Geister, wa sind sie anders als leuchtende Funken, ausgegangen von dem unendlichen Lichtmeere der Gottheit. "O unzerstörbarer Glanz des allmächtigen Gottes", ruft der heilige Bernard aus, "o reiner Schein des ewigen Lichtes: o Leben, Quell alles Lebens, von dem alles Licht ausströmt. Seit der Morgenröthe des ersten Tages funkeln tausend und tausend Lichter vor dem Throne deiner Gottheit."

So also bedeutet das ewige Licht den dreimal heiligen Gott, den zahllose Engel im Strahlengewande anbeten. -- Ergreift dich nicht, christliche Seele, wenn du in das Haus Gottes eintrittst, ein geheimnißvoller Schauer vor diesem Lichte! Scheint es nicht, als hörtest du die Stimme: "Wie furchtbar ist dieser Ort. Wahrhaftig, hier ist Gottes Haus." Falles du nicht nieder auf die Kniee und betest an mit den Engeln? -- Gott ist Licht. Wenn aber Finsterniß ist in deinem Herzen, wagst du es, hinzutreten? Hinweg also mit der Finsterniß. -- Fleh den Vater des Lichtes an in Reue und Schmerz um Erleuchtung und Friede, und Ruhe kehrt ein in dein Herz! --

Das ewige Licht ist 2) eine beständige Botschaft von der Menschwerdung Jesu Christi, da geschrieben steht: "Sions wegen will ich nichtschweigen und Jerusalems wegen will ich nicht ruhen, bi ausgeht wie ein Schimmer sein Gererchterund sein Heiland angezündet wird wie eine Lampe." (Is. 62, 1). Wie die Lampe vor dem Altare des Gotteshaus erleuchtet, so Christus die Kirche im Himmel und auf Erde, und "jeglichen Menschen, der in diese Welt kommt". Alle Lichter zum Gottesdienste werden an dem ewigen Lichte angezündet, so kommt aller Segen alles Licht, alles Leben, alles Heil von Jesus, der unter der Gestalt des Brodes mitten in der Gemieinde wohht. "Erhebe dich also, Jerusalem und laß dich erleuchten" (Is. 60, 1). Merkest du es nicht, Menschenseele, daß der Herr, so oft du die Kirche betrittst, an dein Herz ankopft, um Licht zu bringen in deine Finsterniß und Wärme in dein kaltes Herz?

Das ewige Licht ist 3) ein Sinnbild der wahren Gegenwart Jesu Christi in der hochheiligen Eucharistie. Dieses Licht sagt uns, daß Jesus, das Licht der Welt unter uns ist, daß Wahrheit ist, was er gesagt hat: "Sehet, ich bin beieuch alle Tage bis ans Ende der Welt". Dieses Licht weist uns hin auf den Tabernakel, woe die Ehre und Herrlichkeit der Kirche, ihr größter Trost und ihre höchste Frude, der Glanz und Mittelpunkt des katholischen Glaubens und Lebensu nd Gottesdienstes zugegen ist; dieses Licht zeigt hi auf den unershcöpflichen Gnadenschatz der Kiche, reich genug für dich und mich und für Alle, welche nach himmlischen Schätzen verlangen. Siehe, wie dieses Licht Tagu nd Nacht slimmert und brennt, dich mahnend, diesen Schatz zu suchen und zu erheben!

Das ewige Licht ist 4) ein beständiges Sinnbild der sich verzehrenden Liebe Jesu Christi, dem es nicht genug war, Menschengestalt anzunehmen, am Kreuze zu sterben, der sich auch noch in Brodsgestalt verhüllen, bis zum Unscheinbarsten erniedrigen wollte, um sich ohne Aufhören uns zu geben und schenken zu können. -- Wenn du mit den Augen des Glaubens hinschaust auf den Tbernakel und dort siehst, wie dein Heiland wie ein Gefangener weilt, und wenn du bedenkest, daß ihn nur die Liebe, die Liebe zu dir gefangne hält, wie sollte da nicht dein Herz von Liebe gegen ihn entbrennen?!! Das ewige Licht ist ein beständiges Sinnbild der nie ermüdenden Hirtensorgfalt Jesu Christi für die Gemeinde -- Wenn du an deineARbeit gehest, Jesus denkt an dich, wenn Alles ruhet auf Erde und im tiefen Schlafe liegt, so wachet der Herr. Ja, wenn Niemand ihn besucht, wenn du den Freuden der Welt nachgehst und die Kiche leer stehen lasest, das Licht erlischt nicht, Jesus wacht!

Das ewige Licht bezeichnet auch 5) die königliche Ehre, welche wir dem KÖnig der Könige, dem König der Glorie im heiligsten Sakrament erweise nsollen. Bekanntlich trug man in alter zeit Kaisern und KÖnigen zur Ehre Lichter und Lampen voraus. Wir lesen in den Akten des hl. Papstes Sylvester, daß, nachdem Kaiser Konstantin den christlichen Glauben zu Rom durch ein feierliches Edikt in Schutz nahm, ihn die ganze Stadt mit Lichtrn und Lampen in seinen Palast begleitet hat. Noch jetzt werden beim Besuche eines Füsten die Häuser einerStadt beleuchet. Daher sollst du, christliche Seele, nur mitder brennenden Lampe der #Andcht, der inngisten Verehrung und Anbetung vor deinem Heilande und Gott erscheinen. Gleichwie das Licht stets nach Oben sich kehrt, so sollen im Herzen deine Gedanken gen Himmel gerichtet sein, da du stehst vor demThrone Gottes. Fürwahr, diestill und gräuschlos lodernde Flamme des ewigen Lichtes ist einschönes Sinnbild einer Gemeinde, aus der immerdar inniges Gebet zu dem aufsteigt, der da ist der König der Glorie und das Licht der Welt! --

Das ewige Licht versinnbildt 6) den Glauben der Gemeinde an die wunderbare Gegenwrt des Heilandes. -- Dem Glauben verdnaken wir katholische Christen den Namen "Kinder des Lichtes". -- Im Lichte des Glaubens sollen wir immerdar wandeln, besonders aber soll idseses Licht des Glaubens in uns hell auflodern in der Gegenwart des heiligstne Skramentes Ach, wenn dieses Licht des Glaubens in einer Gemeinde erlöschen würde, wenn keine Seele sich mehr hingezogen fühlte zu ihrem Erlöser, keine Seele mehr gerne vrwielen würde, dort im geheimnißvollen Heiligthum, wenn der Tisch des Herrn verödet wäre, dann, ja dann wäre auchder Untergang nahe! O lasse, christliche Seele, das Licht des Glaubens an die Gegenwa deines Heilandes nimmermehr erlöschen indeinem Herzen!

Das ewige Licht versinnbildet 7) die Hoffnung einer Gemeinde. -- Die Hoffnung sagt der hl. Augustin, ist das Licht der Seele; auf sie bezieht sich all das Gute, das man thut und ihr Glanz leuchtetinder Nacht. -- Ja, das Licht der Hoffnung glänzt immer gleich einem Stern in Mitte der Widerwärtigkeit und der dunkeln Nacht der Traurigkeit, die Hoffnung auf Christus, den Herrn. -- Dieser Sten erbleichet nicht, wenn von allen Seiten Sturm und Ungewitter dräuet, wenn schwarze Finsterniß heranzieht, wenn Alls verloren scheint. --

Das ewige Licht ist 8) ein Sinnbild der Liebe der Gemeinde zu Jesus im heiligen Sakramente -- Die Liebe ist vorzugweise das Feuer, von dem der Herr gsprochen: "Ich bin gekommen, Feuerauf dieErde zu bringen, und was will ichanders, als daß es entbrenne." Dieses Feuer soll besonders in der nähe unsers göttlichen Heilandes brennen ,der so liebevoll uns zuruft: "Mein Sohn, schenke mir dein Herz." Und wenn dieses Feuer in deinem Herzen schwach istk wenn es erlöschen will, dann trete nur recht nahe mit Glauben und Hoffnung hin zu deinem Heilande, dort finsdest du den Glutofen der Liebe, an welchem dein herz sich entzünden wird, dort ist der Dornbusch, der brennet und doch nicht verbrennt! --

Das ewige Licht versinnbildet 9) die geistigen Freude, die empfängliche Herzen im allerheiilsten Sakramente finden. DieseFreuden sind ein Vorgneuß dereiwgen Freuden und Wonnen  im Himmel, von denen das alelrheliste Sakrament das Unterpfand ist. -- Hast du, christliche Seele, noch nicht eine recht innige Freude in deinem Leben gneossen, die zugleich mit wonevollem Frieden im Herzen verbunden ist, so nahe dich in einsemerStundedem Tabernakel mit inbrünstiger Andcht, da wirst du sie im Scheine des ruhig ldoernedne Lampenlichtes finden und genießen!!

So möge denn in keiner Gemeinde das eiwge Lcht erlöschen, und wo es erloschen ist, eilig wieder angezündet werden. -- Jene sind des Segens des himmlischen Vates gewiß, welche vom Geiste des Eifers und der Andacht getrieben, die Mittel dazu verschaffen, daß vor dmeAllerheiligsten immer ein brennendes Licht unterhalten werde*). (* Dr. Amberger: "Pastoraltheologie". - Annales du saint Sacrement.)

 

Das Brod

aber, unter dessen Gestalt Jesus Christus gegenwärtig ist, und sich uns zur Speise gibt, war von jeher und ist noch immer ungesäuertes Weizenbrod, denn Christus der Herr hat am ersten Tag der ungesäuerten Brode (Matth. 26, 17), an welchem den Juden nicht erlaubt war, zu Hause etwas Gesäuertes zu haben (2. Mos. 12, 19), das hochheilige Sakrament seines Leibes und Blutes vollbracht und eingesetzt, und sich daher desungesäuerten Brodes bedient. -- Jedoch ist zur Giltigkeit des Sakramentes ungesäuertes Brod nicht unbedingt nothwenidg, weßwegen der heilige Stuhl der mit der römishc-katholischen Kirche unirten morgenländischen Kirche den Gebrauch gesäuerten Brodes erlaubt. --

Schon die Juden machten einen Unterschied zwischen der Bereitung ihres Osterbrodes (Azyma) und derjenigen des gewöhnlichen Hausbrodes. Um wievielmehr wird dies nicht der Fall beider Bereitung jenes Brodes sein, aus welchem auf dem Altare das heiligste unblutige Opfer und das hochheilige Sakrament wird? -- Daher auch jene sorgfältige Zubereitung der Hostien in den ältesten Zeitne des Christenthumes. -- Die reinsten und vollkommensten Weizenkörner mußten für die Hostienbereitung auserlesen und aufbewahrt werden, die dann in einer Handmühle, worauf nichts anderes durfte gemahlen werden, von eigens dazu bestimmten frommen und züchtigen Personen, vorzüglich inder Fastenzeit vor Ostern gemahlen wurden. Das Brod für die heilige Kommunion des Volkes besorgten die Mönche und Jungfrauen in den Klöstern untre Stillschweigen und Gebet oder fromme Matronen. -- Die Hostien oder Oblaten für das hl. Opfer der Messe mußten die Priester selst, oder die Diakonen oder Subdiakonen unter der Leitung eines Priesters besorgen. Die Geschirre mußten rein und das Wasser zum Teige aus reiner Quelle sein. Die Hostien wurden in einem eigenen, doppelt sich zuschlagenden Eisen, in das von Innern Figuren eingegraben waren, gebacken. Nachher schnitten die Priester und Diakonen mit eigenen Instrumenten die großen und kleinen Hostien sorgfältig aus. Unvollkommene oder befleckte Hostien wurden verbrannt. Für den Altar bestimmte Hostien durften nichtverkauftwerden. Milchweiß mußten die Opferbrode sein, denn sie trugen das Bild des reinsten Gottes auf sich und vergegenwärtigen nach iher Weihe das kostbare Sühnopfer am Kreuze. (Liturgia sacra von Mahrzohl und Schneller.)

Was die Gestalt der Opferbrode betrifft, so behielt manin den ersten Zeiten des Christenthums die Form der gewöhnlichen Brode der Juden, der Griechen und Römer bei. -- Die Juden machten ihre Brode rund, etwa in der Größe unserer Teller, und chöstens einen bis zwei Finger dick bei dem gesäuerten, noch dünner beidem ungesäuerten Brode, das sie vor dem Backen mit mehrern Linien durchfurchten, damites desto leichter gebrochen werden konnte, da man sich keiner Messer zum Zerschneiden bediente.

Die Römer gaben ihren Broden ebenfalls eine runde Form mit zwei Einschnitten in Form eines Kreuzes. Diese Brode hieß man panes decussati oder auch discruciati Kreuzbrode. Man bediente sich auchder sogenannten syrischen Brode Mamphula, welche die Juden als Erstlinge den Priestern darzubringen pflegten. Es waren also geheiligte Brode. -- Die Operbrode, "Oblata" genannt, wurden nach der Konsekration zum Gebrauche der Austheilung bei der heiligen Kommunion des Volkes nach den Einschnitten gebrochen, daher der biblische Ausdruck: Brodbrechen. Die gebrochenen kleinen Theile hieß man Particulae, daher der Name Partikeln. -- Spüäter wurden die Opferbrode eigens bereitet und man hieß sie hostia, panis coelestis, "himmlisches Brod", zum Unterschidd von panis terrestris, "Gewöhnliches irdisches Brod". Die runde Gestalt wurde beibehaltne und man drückte auf die Oblaten oder Hostien das Zeichen des Kruezes, wie dies zu den Zeiten des hl. Johannes Chrysostomus allgemein geschah, oder das Monogramm Christi XP oder die Buchstaben AO auf beiden Seiten, oder auchdas Bild des Lammes oder das Bild Christi. --

Was die Größe der Opferbrod,e Oblata, betrifft, so kann dieselbe für die ersten Zeiten ds Christenthums nicht bestimmt werden. -- Anfangs waren die für die Priester bestimmten Brode, und jene der übrigen Kommunikanten von gleicher Größe. Als die Hostien besonders zubereitet wurden, bedienten sich die Priester einer größeren, als das gläubige Volk. (Liturgia sacra von Mahrzohl. -- Christliche Alterthumskunde von Krüll.)

Der Wein,

dessen man sich beim heligsten Opfer bediente, mußte zu den Zeiten der ersten Christen, sowie auch jetzt noch, aus der Frucht der Traube gepreßt und mit wenigem Waser gemischtsein. Es hat die katholische Kirche gemäß apostolischer Uebelrieferung allzeitgelehrt, dßa der göttliche Heiland bei der Einsetzung der hochheiligen Eucharistie sich des Weines bedient habe, und zwar mit Wasser vermischt, weil die Juden bei ihrem Paschamahl den Wein mit Wasser mischten, um damit die Vereinigungg der Gottheit mit der Menshcheit anzudeuten. Ueber diese mischung des Weines mit Wasser drückt sich der heilige Kirchenrath von Trient also aus: "Der heilige Kirchenrath erinnert, daß es den Priestern von der Kirche befohlen sei, dem Weine im Opferkelche Wasser beizumengen, sowohl weil geglaubtwird, daß Christus der Herr es so gethan habe,als auch,weil aus seiner Seite zugleich mitdem Blute Wasser ausfloß, welches Geheimniß durchdiese Mischung geehrt, und da in der Offenbarung des heiligen Johannes die Völker Wasser genanntwerden, die Einigung des gläubigen Volkes selbst mitdem Haupte Christus dargsetellt wird."

Zur Feier des heiligsten Opfers brachten in der alten Kirche die Gläubigen nicht bloß das schönste und bste Brod oder auch Mehl, sondern auchden besten Wein in eigenen Gfäßen, welche offertoria genannt wurden. Die Krüge aber, in welchen man den geopferten Wein aufbewahrte, hießen amae, amulae. Noch sieht man in den Katakomben nebenden Altären die Kredenztische, auf welche die Opfergefäße gstellt wurden. Es geseellte in alerter Zeit die Christen solche Ehrfurchtgegen das Heiligste, daß sie Weinreben aufdem besten Grunde den Gotteshäusern schenkten, damit nur der beste Wein zum hl. Opfer benützt würde. Solches that z. B. der heilige Remigius.

Der Kelch

zur Darbringungdes heiligsten Opfers nahm und nimmt noch den ersten und erhabensten Rang unter allen heiligen Gefäßen ein. In einem Kelche verweandelte der göttliche Heiland den Wein in sein heiliges Blut und reichte es den Aposteln zum Tranke dar. Der selige Beda, der Ehrwürdige, erzählt, dieser Kelch sei von Silber gewesen, mit zwei Henkeln versehen und habe ein halbes Maaß gefaßt. -- Welcher Art die Kelche waren, deren sich dieApostel und ersten Christengemeindenbei der Feier der hochheiligen Eucharistie bedienten, ob von Holz, oder Kupfer oder Horn oder einem andern Metall, ist nicht zu bestimmen. Wegen der Armuth der ersten Christen werden silberne und goldene Kelche wenig im Gebrauch gewesen sein. Soviel  ist gewiß, daß die Christen in den Katakomben Roms Kelche von Glas gebrauchten, und daß der heiilge Papst Zepherin (202) befohlen habe, daß die Gefäße zur Feier der hochheiligen Eucharistie von Glas sein sollten. Man fand und findet noch in den Katakomben Gläser oder Trinkbecher ganz oder stückweise. Die meisten tragen auf dem Boden oder an den Wänden Inschriften, welche auf das göttliche Mahl hindeuten. So z.B. hat ein solcher Glasbecher die merkwürdigegriechische Inschrift: "ПІЕ ΖΗΞΛΙΞ ЕΝ ΑΓ ΑΘΟΙΞ, "Trinke, damit du lebest von diesen Gütern." Es nannten aber die griechischen Kirchenväter die hochheilige Eucharistie "das Gut", oder "die Güter", und so drückt diese Inschrift den Glauen an die lebenspendende Kraft des heiligsten Blutes Christi aus, und man erkennt leicht, daß dieser Glasbecher oder Kelch bei der heiligen Kommunion gebraucht wurde. -- Diese Glasbecher sind shcön mit Gold emaillirt und mit Darstellungen aus der heiligen Geschichte am Boden oder an den Seiten versehen. -- Auf einigen dieser Gläser ist der Heiland abgebildet, wie er Wasser in Wein verwandelt oder die Brode und Fische vermehrt, welche Darstellungen ebenfalls auf den Gebrauch dieser Gläser bei der Feier der hochheiligen Eucharistie hinweist. Aber nicht alle in den Katakomben aufgefundenen Gläser dienten als Kelche beim heiligsten Opfer, viele derselben, wie ihre Inschriften andeuten, wurden zu #Trinkbechern bei den Liebesmahlen der Christen benützt. --

Außer den Kelchen von Glas gab es auch damals schon solche von Gold und Silber, welche die reichen und vornehmen Christen aus Liebe zu Jesus und aus Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten der Kirche weihten. So berichtet der christliche Dichter Prudentius bereits von silbernen und goldenen Kelchen aus der Zeit des heiigen Laurentius (258 n. Chr.). Nach der Verfolung erhielt die Kirche Ueerfluß an kostbaren heiigen Gefäßen. Die Kelche hatten gewöhnlich eine achteckige Form, Jesus war darauf als guter Hirt dargestellt, wie dies schon im zweiten Jahrhundert der Fall war, indem Tertullian schreibt: "Wo ist das verlorne Schaf, das der Herr auf seine Schultern ladet? Ihr findet es auf euern Kelchen!" -- Man hatte zweierlei Kelche, größere und kleinere. Die kleinern gebrauchten die Bischöfe und Piester, die größeren, "Dienstkelche" genannt oder ansati, weil sie zwei Henkeln hatten, dienten zur Kommunion der Gläubigen. Diese zum heiigen Dienst bestimmten Kelche waren sehr groß, und mit zwei Henkeln versehen, ujm sie desto sicherer tragen zu können. -- Um bei mTrinken das heiige Blut nicdht zu verschütten und zu verunehren, bediene man sich eines Rohres, und sog so das heiige Blut aus dem Kelche. Das Rohr war von Silber und Gold. In den großen Kelch wurde derWein vor der Konsekration durch ein kleines Sieb, colum genannt, gegossen, um alles Ecek erregende Unreine zu entfernen. Der Kelch war wegen der Geheimhaltung immer bedeckt, anfangs mit den Enden des Korporale, welches jetzt ein kleines viereckiges geweihte Leintuch ist, damals abe ein großes den ganzen Altar bedeckendes Tuch aus feinem Linnen war, gegenwärtig aber bedient man sich zur Bedeckugn des Kelches eine eigenen Kelchtuches, velum genannt. --

Neben dme Kelche gebraquchte man bei der Feier der hochheiigen Eucharistie

die Patene,

ein offenes, weites, nicht sehr tiefes, tellerartiges Gefäß, welches aus dem nämlichen Stoffe wie der Kirch gearbeitet war, und man bediente sich seiner, um das geweihte Brod des heiigen Opfers darauf zu legen. Man hatte große und kleine Patenen. Die kleinen gebrauchte der Prister am Altare, auf die großen "Dienstpatenen" g4enannt, wurden die konsekrirten gebrochenen Brode oder Hostien gelegt, und den Gläubigen mitgetheilt. -- Man benützte die Patene auch, um die zur Vertehilung bestimmten Eulogien darauf zu legen.

Eulogien

wurden in den ersten Zeiten des Christenthums jene Theile gesegneten Brodes genannt, welche zum Zeichen der Einheit und gegenseitiger Liebe den abwesenden Gläubigen überschickt wurden. Denn damals herrschte eine solche Eintgracht und brüderliche Liebe unter den Chsisten, daß, wenn alle von dem einen und demselben ionsekrirten Brod des Lebens aus des Einen Priestrs Hand hätten kommuniziren können, sie dieses sehr gerne durch die ganze Welt gethan hätten, um dadurchzu beweisen, wie sieAlle Eins in Christo seien. Daher war es bei der römischen und allen Kirchen Gebrauch, daß die hochheiige Eucharistie unte der Gesalt ds Brodes von der Mutterkirche an die einzelnen Kirchen und christichen Gemeinden durhc dne Bischof übersenet wurde, um sie zu erinnern, daß sie mit ihrem Bischofe in Christo Jesu nur einen Leib bildeten. Im vierten Jahrhundert wurde diese Uebersendung der hochheiligen Euharistie verboten, dageegen wurde erlaubt, statt der Eucharistie, Brod, über welches ein eigenes Segensgebet gesprochen worden, daher Eulogia (Segen), einander zuzuschicken. Zum Zeichen brüderlicher Gemeinschaft schickte der heil. Paulinus von Nola ein solch gesegnetes Brod (Eulogie) an den heil. Augustin und schrieb dazu: "Zum Zeichen der Eintracht schicke ich dir dieses Brod und bitte, daß du es annehmen und segnen mögest. (Liturgia sacra von Mahrzohl. -- Krüll: Alterthumskunde." -- Weickum: "das heilige Meßopfer.")

Die Kleider,

deren sich die Bischöfe und Priester beim Beginne des Christenthums zur Feier der hochheiligen Eucharistie bedienten (nach Dr. Bock: "Geschichte der liturgischen Gewänder."), waren der Form und dem Schnitte nach die nämlichen, wie diejenigen, welche von den vornehmen Bürgern und Senatoren der Stadt Rom öffentlich getragen wurden, nur waren sie reinlicher und feiner als jene Gewänder, deren man sich im gewöhnlichen Leben bediente. Das geschah deshalb, weil man besonders zur Zeit der Verfolgung durch den Gebrauch von besonderen, in Schnitt und Form auffallenden Kleidern die Blicke der Heiden nicht auf sich ziehen wollte. Doch bedienten sich schon die Apostel einzelner besonderer Gewandstücke bei der Feier des Gottesdienstes. So trug der heilige Apostel Jakob eine goldene Platte an der Stirne, der heil. Apostel Johannes eine goldene Binde, und der hl. Apostel Paulus trug ein besonderes Obergewand bei der Feier der heiligen Geheimnisse. -- Die kirchlichen Gewänder unterschieden sich also anfangs im Allgemeinen nicht von den gewöhnlichen Kleidern, welche die Vornehmen trugen, nur durften sie gemäß eines Verbotes des hl. Papstes Stephan (257), wenn einmal bei der Feier der heil. Geheimnisse gebraucht und dadurch geheiliget, von den Priestern nicht mehr öffentlich getragen, sondern von da an nur mehr bei dem Gottesdienste gebraucht werden.

Auf Seite 61 und 63 findet der Leser genaue Darstellungen der Kirchen-Gewänder aus den Zeiten der Katakomben. Es mag hier noch die gelungene Copie der zweifach merkwürdigen Mitra des heiligen Papstes Sylvester I., Zeitgenosse des ersten christlichen Kaisers Konstantin, Platz finden, sowie die den Werken Gregors d. Großen entnommene Fußbekleidung.

Während sich aber im Laufe der Zeit die gewöhnllichen Kleider änderten blieben die kirchliche nGewänder unverändert, und so kam es, daß dieselben sich nach und nach auch von der bürglichen Kleidung unterschieden, von nun an der Priester in eigenthümlichen Gewänern am Altare erschien, und seit dieser Zeit beider Feierdes heiligen Opfers nur ganz eigene, besonders geformte und geweihte Gewändertragen darf.

Das Meßkleid oder Meßgewand,

planeta, casula, paenula genannt, gehörte schon der frühesten christlichen Zeitrechnung zu den Gewändern, dren sich die Bischöfe und Priester der Kirche bei Darbringung des heiligsten Opfers bedient haben. -- In einem solchen Opfergewand feierte der helige Paulus die heiligen Geheimnisse.Es war dieses Gewand ein weites Obergewand, welches die römischen Mantronen und Senatoren trugen, das den ganzen Körper vom Hals bis zu den Füßen, umhüllte, und nur für das Haupt eine Oeffnugn ahtte. -- Um nun bei den gottesdienstlichen Verrichtungen die Hände frei zu haben, mußte das Kleid auf beien Seiten aufgerollte und über die Arme gelegt werden. -- Bei der heiligen Wandlung hoben die Ministranten dies herabhängene Gwand empor, damit der Priester bei der Knieebeugung nicht gehindert wurde, was heute noch geschieht, obschon es bei dem kurzen Meßkleide nicht mehr nöthig ist. -- Anfangs war dieses weite Opferkleid aus feiner Wolle gewebt, späte wurde es aus Seide gefertigt, an beien Seiten gespalten, und etwas abgekürzt, und mit goldgewirkten oder gestickten Bandstreifen an der Vorder- und Rückseite verziert. -- Zu diesen Bandstreifen wurden dann nohc zwei solche Streifen gefügt, die sich schräg über die Schulter zogen und so entstand auf beiden Seiten des Meßkleides ein gabelförmiges Y Kreuz, wie dies heute nochersichtlich ist. -- Seit dem 15. Jahrhundert wurde das Meßgewand noch mehr an beiden Seiten ausgeschnitten, abgekürzt und unten abgerundet und so entstand die heutige Form. -- Die hier beigefügten getreuen Abibldungen der Meßgewänder des hl. Bernhard, welches in Aachen, und des hl. Wolfgang, das in St. Emmeram zu Regensburg aufbewarht wird, zeigen die ursprüngliche Form derselben in der frühesten Zeit.

Der freundliche Leser wollte hiemit die beienBilder auf Seite 61 und 63 vergleichen und daraus ersehen, wie die Kreuzbänder der in den Katakomben bei der Feier des heiligen Meßopfers benützten Gewandung sich fott und fort auch dann erhielten, als längst die forschreitende Bildung und die daraus entstandene größere Kusntfertigkeit den übrigen Theilen des Meßkleides eine verändete Gestalt gegeben hatte.

Mit dem Meßkleide war verbunden

(a) Die Stole, Stola, orarium

(Die einzelnen priesterlichen Kleidungstücke: a) die Stola, b) die Manipel, c) das Schultertuch, d) die Albe und e) der Gürtel, welche einzeln näher beschrieben sind, finden sich in dem mit den gleichen Buchstaben beigefügten Bilde veranschaulicht.)

bei den Römern ein Ehrenkleid der vornehmen Matronen, das auch Könige und reiche Bürger trugen. Die Stole war ein faltenreiches Gewand, das ebenfalls den ganzen Körper bedeckte, mit Ausnahme des Haupts und des Halses. Es war von weißer Farbe und entweder aus feiner Wolle mit Gold durchwebt, oder auch aus sehr feiner Leinwand. -- Zwei goldgestickte oder auch purpurfärbige, kaum eine Hand breite Streifen schmückten dies Kleid, welche auf beiden Seiten über die Schulter bis zu den Füßen herabliefen. Dieses Gewandes bedienten sich ebenfalls die Bischöfe und Priester bei der Feier des heil. Opfers sowohl als auch bei der Spendung der hl. Sakramente bis zum 6. Jahrhundert. Von dieser Zeit an wurde das faltenreiche Gewand der Stola weggelassen und es blieben nur die zwei über die Schulter laufenden Brandstreifen im Gebrauche als ein Zeichen der priesterlichen Würde. --

(b) Die Manipel, manipula,

in alter Zeit sudarium geheißen, war einkleines, längliches Tuch aus Leinwand, das auf dem linken Arme getragen wurde, und dazu diente, den Schweiß am Gesichte abzutrockenen. -- Die Manipel war anfangs kein kirchliches Kleidungstück, erst Papst Gregor I. (590)erwähnt den Gebrauch desselben beim Altardienste. -- Im 9. Jahrhudnert war dises Schweißtuch nicht mehr im Gebrauche undan seine Stelle trat ein oft mit Gold gestikcter, seidener Bandstriefen, den man an den linken Arm hing, und der aus einem dem Meßgewande undder Stole ähnlichen Stoffe gefertiget war. -- So entstand die heutige Manipel, beideren Anblick sich der Prister erinnern möge, dßa auch er zur Mühe und Arbeit im Schweiße seines Angesichts geboren sei.

(c) Das Schultertuch, humerale, amictus,

war undist noch ein Bekleidungsstück, um den Hals zu verhüllen. -- Da, wie wir gehört undan der Abbildung des Meßgewandes des heligen Bernard gesehen haben, das Meßkleid einen tiefen Ausschnitt hatte, um durch diese Oeffnung das Hauptdurchzustecken, und d3eßhalb der Hals de Priesters nackt und unbedfckt geblieben wäre, so umhüllte man den Hals mit einem Tuche aus Leinwand, und weil diseses Kleid auch die Schulter bedekct,e so nannte man es humerale.

(d) Die Albe, alba, comisia,

ein faltenreiches bis zu den Füßen reichendes Unterkleid von weißer Leinwand. Die Prieste und Bischöfe bedienten sih dieses Kleides schon in der frühesten Zeit des Christenthums beider Feier der hochheiigen Eucharistie. -- So wird glaubwürdig erzählt, daß schon der hl. Apostel Jakob, dererst3e Bischof von Jerusalem, ausschließlich weiße Gewänder bei der Feier des heiligsten Opfers gebraucht habe.Seine Nachfeolger thaten das Gleiche. So sandte der Erzbischof Theodosius dem hl. Ignatius, Patriarchen von Konstantinopel, ein solches Gewand vonfeiner Leinwand, sindon genannt, und der hl. Hieronymus bezeugt, daß Bischöfe und Priester seiner Zeit bei der gottesdienstlichen Feier mit weißen Gewändern bekleidet waren. Dieses kirchliche Kleid blieb unverändert bis zu unserer Zeit, nur daß die Säume desselben im Laufe der Jahrhujderte mit Goldstickereien oder feinen Spitze nbesetzt wurden. -- Die Albe wurde, weil ein langes Kleid, mittels

(e) des Gürtels, cingulum,

aufgeschürzt und gebunden. -- Der Gürtel war von mäßiger Breite aus feiner Leinwand wie die Albe gefertigt, später auch aus Seide und mit Gold durchwirkt. -- Des Gürtels, um die Albe aufzuschürzen, bedienen sich noch heute die Bischöfe und Priester.

Die Liturgien oder Vorschriften, das heil. Meßopfer zu feiern.

(Conf. Amberger, Pastoraltheologie, 3. Buch, p. 45 u.s.w. -- Krüll, Alterthumskunde, II. 166)

Wir dürfen annehmen, daß der göttliche Heiland schon damals, als er das hochheilige Meßopfer einsetzte und besonders zur Zeit, als er nach seiner Auferstehung mit seinen Aposteln vom Reiche Gottes sprach, (Apostelgesch. 1, 3) das, was zum Wesen des hl. Opfers gehört, vorgeschrieben habe. -- Als nun die heiligen Apostel nach der Sendung des hl. Geistes das hochheilige Opfer im Cönakulum zu Jerusalem und in den Häusern zu feiern begannen, hielten sie sich vor Allem an das, was sie den Heiland beim letzten Abendmahl thun sahen. Sie sahen nämlich, wie er Brod in seine ehrwürdigen Hände nahm, es dankend brach und sprach: "Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird; dieses thut zu meinem Andenken, und wie er auf gleiche Weise den Kelch nahm und sprach: diser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute: thut dieß, so oft ihr trinket, zu meinem Andenken." In diesen Worten sind die wesentlichsten und vorzüglichsten Theile des hl. Meßopfers wie im Keime enthalten. -- Aus diesem Keime ist nun im Laufe der Jahrhunderte unsere heutige Liturgie oder die von der Kirche angeordnete Weise, das heilige Meßopfer darzubringen, ehrvorgegangen. -- Ohne Zweifel haben schon die Apostel, gestützt auf den Befehl des Herrn: "Thut dies zu meinem Andenken", eine gewisse Form festgesetzt und festgehalten, wie das hochheilige Opfer dargebracht, welche Ceremonien dabei beobachtet, welche Gebete dabei verrichtet, welche Segnungen angewendet werden sollen. -- Die Liturgie des heiligen Apostels Jakob, ersten Bischofs von Jerusalem, wird entschieden diesem Apostel zugeeignet. Er setzte die Art und Weise die hl. Messe zu feiern schriftlich auf und hinterließ sie der Kirche von Jerusalem. Damit stimmt die Liturgie des hl. Evangelisten Markus und des hl. Klemens im Wesentlichen überein. -- Der hl. Justin, Martyrer, der noch mit den Schülern der Apostel verkehrte, beschreibt die Feier des hl. Meßopfers, wie sie zu den Zeiten der Apostel stattfand, und darin sind alle Theile bezeichnet, wie sie in allen alten Liturgien des Morgen- und Abendlandes und noch heutzutage bei der Feier der heiligen Messe vorkommen. -- Die Quelle aller morgenländischen Liturgien ist die Liturgie des hl. Apostels Jakob. -- Diese Art der Meßopferfeier hat der hl. Basilius der Große erweitert, und da nach ihr die Feier der heiligen Messe zu lange währte, hat er sie verkürzt. -- Später hat der hl. Johannes Chrysostomus diese Meßfeier des hl. Basilius in einigen Gebeten und Gebräuchen verändert. -- Aus diesen Liturgien des heil. Jakobus, des hl. Basilius und Johannes Chrysostomus haben sich alle übrigen morgenländischen Liturgien gebildet, und nach der Sprache, in welcher sie verfaßt sind und die hl. Messe gefeiert wird, unterscheidet man eine syrische, armenische, koptische Liturgie etc. oder Art und Weise, die hl. Messe zu feiern. --

Die Liturgie der römisch-katholischen Kirche, oder die Ordnung der Gebete und Ceremonien, welche beider hl. Messe vom Bsichofe oder Priester gebetet und beachtet werden, istzuerst vom hl. Petrus fetgesetzt woden. Seine Nachfolger haben einige Gebete und Ceremonien beigefügt. -- Der hl. Papst Gregor derGroße hat endlich die Liturgie derrömischen Kirche zur Vollendung gebracht. Wie sie durch saeine Hand aus dem Herzen der Kirche kam, so besteht sie mitwenigen Beisätzen noch. --

Das Meßbuch oder Missale, dessen sichjeder Bischof und Priester der heliigen Kirche bei dem heiligen Meßopfer bedient, ist also seinem wesentlichen Inhalte nach apostolischen Ursprungs, und sowie es nur Eine Kirche Christi gibt, so gibt es nur Ein Priestethum, Ein Opfer und Eine Liturgie, d.h. Art und Weise, das opfer zu feiern. (nach Amberger, Pastoraltheologie, II. Bd. p. 44 u.s.w.) --

Alle Litgurgien nun, sowohl die römische als diejenigen, welche im Morgenlande noch gebräuchlich sind und bis zu den Zeiten der hl. Apostel hinaufreichen, bezeugen den Glauben an die fortdauernde, wirkliche Geenwart Christi in der hochheiligen Eucharistie. -- Sie enthalten nicht nur Geete zu Gott, daß er Brod und Wein in den Leib und das Blut seines Sohnes verwandeln möge, sondernauch Aufforderungen zur tiesfsten Verehrung und Anbertutn des nach der Wandlung gegenwärtigen Gottmenschen Jesus und feierliche Bekenntnisse des Glaubens an diese Gegenwart von Seiten des dem Opfer beiwohnedne Volkes.

So muß nach dem syrischen Meßbuche der Diakon folgende Worte an das Volk richten: "Lasset uns geziemend dastehen im Geet, lasset uns dastehen mit Furcht und Zittern, lasset uns dastehen mit rienem Herzen; denn siehe, das Opfer wird dargebracht und die Majestät Gottes offenbaret sich. Die Pforten des Himmels öffnen sich, der hl. Geist schwebt herab und ruht auf diesen geheimnißvollen Gaben. ... Diener der Kirche zittert, lebendiges Feuer verwaelet ihr! Die Macht, welche euch gegeben ist, übersteigt die der Seraphim." Darauf betet der Priester: "Vater der Wahrheit! siehe da deinen Sohn, ein dir wohlgefälliges Schlachtopfer. Nimm ihn an, ihn, der für mich gestorben ist, durch ihn werde mir Nachlassung der Sünden zu  Theil. Siehe da diese Opfergabe, nimm sie an aus meinen Händen und sei mir gnädig, gedenke nicht meh der Sünden ,dren ich mich vor deiner Majestät schuldig gemacht. Siehe da jenes Blut, welches um meines Heiles willen geflossen, es fleht um die Gnade für mich!"

Nach dem armenischen Meßbuche wendet sichder Diakon zu denjenigen, welche kommuniziren wollen, mit den Worten: "Nahet euch mitFurch und Glauben und nehmet Anthel an dem Heigen. ... Wir glauben und bekennen, daß dieses der wahre Leib und das wahre Blut Christi sei." Der Priester legt dann eine konsekrirte Hostie auf die Zunge des Kommunikanten und spricht im Namen desselben: "Ich glaube, daß dieses der Leib und das Blut des Sohnes Gotte sei, der die Sünden der Welt hinwegnimmt und nicht blos unser Heil, sondern auchdas Hei lder ganzen Menschheit ist." In der Liturgie des hl. Chrysostomus oder den von ihm verfaßten Meßbuche spricht der Priester bei der hl. Kommunion: "Tritt hezu Diakon!" DerDiakon nähert sich, neigt sich tief und bittet um Vergebung. Der Priestr aber riecht das hl. Brod dem Diakon. Dieser küßt die Hand und nimmt das heilige Brod, indem er spricht: "Theile mir mit, Herr, den kosttbaren und heilige Leib unsers Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus": Der Priester: "Ich theile dir mitden kostbaren und heiligen und unbefleckten Leib unsers Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben. -- Auch der Prister nimmt das hl. Brod, neigt das Haupt vor dem hl.Tische und beet: "Ichglaube, Herr, und bekenne, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, der du in die Welt gekommen zur Rettung der Sünder, dren erster ich bin. ... Herr, ich bin nicht werth, daß du unter da schmutzige Dach meiner Seele eingehest. Aber wie du dich gewürdiget hast, in einer Höhle und in der Krippe unvernünftiger Thiere zu ruhen und in dem Hause Simons des Aussätzigen (einzukehren), -- So würdige dich einzugehen in die Krippe meiner Seele und in meinen befleckten, todten und aussätzigen Leib. ...

In der Liturgie, oder dem Meßbuche, welches dem hl. Gregor von Nazianz zugeschrieben wird, muß der Diakon unmittelbar vor der hll Kommunion rufen: "Lasset uns Acht haben auf Gott mit Furcht". Alsdann hebt der Priester den heil. Fronleichnam in die Höhe und spricht: "Das Heiige den Heiigen", und das Volk antwortet: "Herr, erbarme dich unser!" Darauf sagt  der Priester: "Das ist der wahre Leibund das wahre Blut Jesu Christi des Sohnes Gotts. Amen." Nachdm eer dise Worte ein zweites und dritts Mal fast jitdenselben Worten wiederholt hat, antwotet das Volk: "Amen". -- Ich glaube, ichglaube, ich glaube und bekenne bis zum eltzten Athemzuge, daß dises dasslebe lebendigmachende Fleisch ist, welches du, Christus, unse Gott, aus unserer hl. Frau, der Gottesgebärerin und immerwährenden Jungfrau Maria, angenommen und mit deiner Gottheitverineiget hast. ... jenes Fleisch, das du für uns Alle freiwillig hingegeben hast, am Stamme des hl. Kreuzes... Amen. (Deharbe "Erklärung etc." -- Amberger: "Pastoraltheologie", II. Band. -- )

 

Nachdem ich dir, christlicher Leser, in Kürze, aber mit möglichster Treue gezeigt habe, von welch lebendigem, innigen Glauben an die hochheilige Eucharistie die ersten christlichen Gemeinden seit den Zeiten der Apostel beseelt waren; wie die heiligen Apostel und ihre Nachfolger die Bischöfe und Priester treu dem Auftrage des göttlichen Heilandes trotz aller Verfolgung das hochheilige Opfer des neuen Bundes gefeiert und den Gläubigen das Brod des Lebens gespendet haben; wie im Laufe der ersten christlichen Jahrhunderte die Altäre und Gotteshäuser zur Feier der hochheiligen Eucharistie errichtet und gebaut wurden, welcher Geräthschaften und Kleider sich die Priester bedienten, und welche Vorschriften sie beobachteten, um mit entsprechender Würde das hochheilige Opfer darzubringen, und nachdem du gesehen hast, daß die heilige Kirche Christi in den Tagen ihrer Entstehung den nämlichen Glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu Christi in der hochheiligen Eucharistie gelehrt, bekannt und geübt hat, welchen sie heute noch lehrt, bekennt und übt, so wollen wir nun an der Hand der Geschichte alle Jahrhunderte durchwandern, und im Leben der lieben Heiligen Gottes betrachten, welcher Glaube an die hochheilige Eucharistie sie beseelt, welche Liebe sie zu diesem wunderbaren Geheimnisse im Herzen getragen, welche gnadenvolle Früchte das heiligste Sakrament in ihnen hervorgebracht, und wie unser göttlicher Herr und Heiland sich herabgelassen hat, die Lehre seiner heiligen Kirche und den Glauben ihrer Kinder selbst durch erstaunliche Wunder zu bekräftigen und zu beleben.

 

(Fortsetzung folgt)


Transkription von P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell (Schweiz)