Aus dem Immaculata-Archiv:


H. JONGEN S.M.M.

DER HEILIGE
GRIGNION VON MONTFORT

APOSTEL DES KREUZES
UND
HEROLD MARIENS

aus dem Flämischen übersetzt von
Franz DARCIS, Pfarrer

Im Selbstverlag
H. Jongen S.M.M.

Zweite Auflage
1950


Vorwort

Grignion von Montfort, der am 20. Juli 1947 heiliggesprochen wurde, ist ein geborener Franzose. Aber nicht nur Franzosen, nein viele Völker haben sich über diese Heiligsprechung gefreut. Denn Montforts Ruhm und Verehrung haben längst die Landesgrenzen Frankreichs überschritten. Und der neue Heilige ist für viele Völker einer der Ihrigen geworden. Mächtig und viele Länder erfassend ist der Einflauß von Montforts Genossenschaften, noch mächtiger aber und ausgedehnter der Einfluß des Heiligen selbst. Er wirkt und lebt in den zahlreichen Büchern und Schriften, die seine Andachtsübungen und seine besondere Marienliebe überall verbreiten. So zahlreich sind diese Druckwerke in der alten und neuen Welt, daß sie hinreichend beweisen, daß Montfort, dieser Riese unter den Heiligen, überall grene gesehen, heiß angerufen und innig verehrt wird.

Der Beifall, den Hochwürden P. Jongen mit seiner flämischen Lebensbeschreibung des neuen Heiligen fand, hat mich auf den Gedanken gebracht, diese kurze, aber ansprechende Biogrpahie in die deutsche Sprache zu übersetzen. Ich hoffe fest, daß die deutschsprechenden Gläubigen Belgiens, Frankreichs, der Schweiz und selbst die Katholiken Deutschlands und Österreichs, wenn dieses Büchlein sie erreichen wird, gerne zugreifen werden, um das wunderbare Leben Montforts kennen zu lernen.

Möge der neue Heilige auch unter den Deutschsprechenden viele Bewunderer und erst recht viele Nachahmer finden! Diese werden dann auch gewiß Montforts wirkliche Fürsprache und mächtige Hilfe erfahren.

Ich stelle dieses Büchlein unter den Schutz der seligsten Jungfrau Maria. Viel hat Montfort ihr zu Ehren getan; viel wird die liebe Gottesmutter zu Montforts Ehren tun.

Möge der hl. Montfort in seiner großen Liebe zu Maria viele Nachahmer finden! Mögen doch viele seinem Aufruf folgen, in dem so mächtigen Heere der Nachahmer Montforts Liebessklaven Mariens zu werden!

Durch Montfort zu Maria!
Durch Maria zu Jesus!

Veulen, am 21. Juli 1947


I. "Du wirst Priester werden"

Im Jahre 1417 weilte der hl. Vinzenz Ferrerius in Frankreich. Dort predigte er in dem Dörflein La Chèze. Auf einmal gleitet ein Schatten über sein Antlitz: er sieht in der Ferne eine Marienkapelle, die in Trümmer fällt. Einen Augenblick später aber hellt sich sein Antlitz auf, seine Augen strahlen. Gott läßt ihn in die Zukunft blicken und den Wiederaufbau dieser Marienkapelle schauen.

"Dieses große Unternehmen", so weissagt Vinzenz, "dieses große Unternehmen des Wiederaufbaus der Kapelle ist durch den Himmel einem Manne vorbehalten, den Gott in späterer Zeit erwecken wird; einem Manne, der als ein Unbekannter kommen wird; einem Manne, dem man widersprechen, und den man beschimpfen, der aber dieses Werk zu einem guten Ende führen wird".

Beinahe drei Jahrhunderte später, im Jahre 1707, besuchte Montfort auch La Chèze. Er predigte auf dem nämlichen Hügel, wo einmal der hl. Vinzenz das Wort Gottes verkündigt hatte. Plötzlich, hinweisend auf St. Vinzenzens Weissagung betreffs desjenigen, der die Kapelle wiederherstellen sollte, rief Montfort aus: "Dieser Mann bin ich." Und trotz aller Schwiergkeiten baute er auf der Ruine die schönste Kapelle der Diözese.

Dieser wunderbare Mann, dessen Kommen also bereits Jahrhunderte vorher durch Gott verkündet worden war, erblickte das Licht der Welt zu Montfort, einem Städtlein der Bretagne, im Jahre 1673. Sein eigentlicher Name war Ludwig Grignion. Wegen seiner großen Ehrfurcht vor der hl. Taufe aber nannte er sich "de Montfort", nach dem Orte, wo er ein Kind Gottes geworden war. Als ihm später die hl. Firmung gespendet wurde, fügte er aus Liebe zur seligen Jungfrau Maria seinem Vornamen den Namen Maria hinzu. Er nannte sich und utnerschrieb am liebsten Ludwig Maria de Montfort.

Jedem Beruf schenkt Gott besondere Gnaden. Montfort war berufen, einer der größten Marienapostel aller Zeiten zu werden. Kein Wunder daher, daß er bereits in seinen Jugendjahren sich als ein außergewöhnliches Marienkind offenbarte. Der hochwürdige Herrr Kanonikus Blain, sein intimer Jugendfreund, schreibt von ihm: "Die Liebe zu Maria war Herrn Grignion angeboren. Man darf wohl sagen, daß die seligste Jungfrau selbst ihn auserwählt und zu einem ihrer größten Verehrer berufen hat. Sie selbst hat in Montforts junge Seele jene außergewöhnliche Liebe hineingelegt, die er sein ganzes Leben lang zu ihr im Herzen trug, jene außergewöhnliche Liebe, die ihm den Ruhm verlieh, einer der größten Diener Mariens zu sein, die die Kirche je gekannt hat." Wenn er durch die Straßen seiner Heimatstadt wanderte, grüßte er stets die vielfach an den Häusern angebrachten Marienbilder und in der Pfarrkirche konnte er ganze Stunden unbeweglich gleichsam in Verzückung vor dem Bilde der Gottesmutter knien.

Im Schoße Mariens, so wird Montfort später lehren, werden Jünglinge den Greisen gleich in Erleuchtung, Heiligkeit, Erfahrung und Weisheit. Diese Wahrheit wird durch die Jugend desjenigen, der sie niederschrieb, klar erwiesen. Ein Onkel legt über Ludwig-Marias erste Lebensjahre folgendes Zeugnis ab: "Ludwig-Maria zeigte soviel Abscheu vor der Sünde und soviel Neigung zur Tugend, daß man hätte sagen können, er sei frei geblieben von der Sünde Adams, er spüre nicht einmal die Verdorbenheit der Natur." Nur die himmlischen Dinge übten Anziehungskraft auf ihn aus.

Montfort erfuhr, daß man Gott in der Einsamkeit suchen muß. Deshalb liebte er die Einsamkeit. Wie gerne wanderte er am stillen Meer entlang, worin die Festungsmauern seiner Heimatstadt sich widerspiegelten, oder an den Ufern der Flüsse, die sich hier vereinigten. Er liebte aber auf ganz besondere Weise den friedlichen und geheimnisvollen Wald, oben auf dem Hügel. Hier konnte er von Herz zu Herz mit Gott und Maria sprechen.

So wurde das Leben dieses Kindes frühzeitig ein Leben des Gebetes. Aus seinen stillen Betrachtungen schöpfte er eine Weisheit, die weit über sein Alter hinausging.

Zu Hause war es nicht immer gemütlich. Sein Vater, ein Edelmann ohne Vermögen, trug die schweren Sorgen einer kinderreichen Familie. Er war Rechtsanwalt, und dieser Beruf brachte wenig ein. Eine Kleinigkeit genügte, um ihn gegen Frau und Kinder aufzubringen. Frau Grignion wußte dann zu schweigen, und die Kleinen suchten ängstlich eine Ecke, um sich zu verbergen. Wenn der Vater aber weggegangen war, dann kam Ludwig zu seiner Mutter und tröstete sie mit so salbungsvollen Worten, als ob der Geist Gottes ihm dieselben in den Mund gelegt hätte.

Sein ausdauerndes Gebet entzündete auch seinen Eifer für die Seelen. Ludwig de Montfort war das älteste von achtzehn Kindern. Er hatte eine Vorliebe für seine Schwester Luise, weil sie frömmer war als die andern. Während der Spielzeit rief er sie öfters zu sich und forderte sie auf, mit ihm zu beten. Das gefiel aber dem Mädchen nicht immer. Dann gab er ihr kleine Geschenke und munterte sie auf mit dem Versprechen: "Du wirst ganz schön werden, Schwesterchen, und man wird dich lieben, wenn du selbst den guten Gott liebst." Nicht nur Luise, sondern auch die übrigen Kinder schlossen sich ihm an, um den Rosenkranz zu beten.

Als Ludwig das zwölfte Lebensjahr erreicht hatte, verließ er seine Geburtsstadt, um das Kolleg in Rennes zu besuchen. Diese Schule zählte etwa 3000 Studenten. Ludwig war immer an der Spitze seiner Klasse. Er war aber so bescheiden und eingezogen, daß ein Mitschüler, der jahrelang Ludwigs Klassengenosse war, ihn erst im letzten Unterrichtsjahr kennen lernte.

Im Kolleg nahm das Gebetsleben des begnadeten Knaben einen immer höheren Aufschwung. Vor und nach dem Unterricht ging er immer in die Kirche und kniete dort, öfters eine ganze Stunde, vor dem Bild der Gottesmutter. "Jeder weiß", so schreibt der hochwürdige Herrr Blain, "daß er Maria seine Mutter, seine gute Mutter, seine liebste Mutter nannte. Aber nicht jeder weiß, daß er von seiner frühesten Jugend an zu ihr ging, um ihr mit kindlichem Vertrauen seine Nöten, mochten sie Zeit oder Ewigkeit betreffen, vorzutragen. Sein Vertrauen zu ihr war so groß, daß er niemals Zweifel, Unruhe oder Niedergeschlagenheit kannte. Für ihn war alles erledigt, nachdem er zu Maria gebetet hatte. Nachher zögerte er nicht mehr."

Die Reinste der Jungfrauen belohnte sein liebevolles Vertrauen mit außergewöhnlichen Gnaden, vor allem mit der Gnade vollkommenster Reinheit. Als eines Tages der hochw. Herr Blain mit ihm über Versuchungen gegen die heilige Reinheit sprach, da gab Ludwig zu verstehen, daß er so etwas nicht kenne. Trotzdem floh er ängstlich jede gefährliche Gelegenheit. Eimal war er bei Fastnacht in einer befreundeten Familie zu Gast. Nach dem Abendessen trat ein maskierter Mann ins Zimmer und forderte die Gäste zu Vergnügungen auf, die mehr oder weniger leichtsinnig und zweideutig waren. Sofort erhob sich Ludwig vom Tische und verschwand. Ein anderesmal fand er zu Hause ein Buch mit unsittlichen Bildern. Es gehörte seinem Vater, und er wußte, daß er eine ordentliche Strafe erhalten würde, wenn er das Buch wegnähme. Schließlich war doch seine Liebe zur schönen Tugend größer als die Angst vor dem Vater und er verbrannte das Buch. "Der heilige Jüngling hatte gerade diese Heldentat vollzogen, so berichtet der hochw. Herr Blain, als ich zu ihm kam. Einerseits fürchtete er den heimkehrenden Vater, aber andrerseits war er sehr glücklich, das Buch vernichtet zu haben."

Er besaß eine außergewöhnliche Liebe zu den Armen und den Bedürftigen. Viele Studenten des Kollegs waren arm und hatten nicht einmal das Nötige. Ludwig leistete Hilfe, wo er konnte. Er schämte sich nicht zu betteln, um andern zu helfen. Eines Tages begegnete er einem Studenten, der sehr armselig gekleidet war, so daß seine Mitschüler ihn deswegen verspotteten. Dies schmerzte Ludwig sehr. Er wollte dem armen Schüler helfen und sammelte Almosen für ihn. Es gelang ihm aber nicht, die benötigte Summe zu beschaffen. Er hatte kaum die Hälfte. Auf Gott vertrauend geht er in ein Geschäft und sagt zum Kaufmann: "Hier ist mein Bruder und auch der ihrige; ich habe zusammengebettelt, was ich konnte, um ihn zu kleiden. Wenn es nicht genügt, werden sie wohl das Fehlende beilegen."

Wie man denken kann, war der Kaufmann nicht wenig erstaunt. Einen Augenblick meinte er sogar, daß man ihn zum Narren halten wolle. Schließlich aber bewunderte er Ludwig und gab ihm das nötige Tuch zum halben Preis.

Die größten Freunde Ludwigs aber waren die Kranken. Jeden freien Tag der Woche ging er in Begleitung eines oder zweier Mitschüler zum Spital, um die Kranken zu pflegen, um ihnen etwas Schönes vorzulesen, oder ihnen Religionsunterricht zu erteilen. Eigentlich war diese Besorgtheit für die Armen und Kranken nur eine Äußerung seines Seeleneifers. Er traf einen Mitschüler, sechs Jahre jünger als er, der wegen seiner Jugend noch nicht zur Marienkongregation zugelassen war. Zusammen mit diesem und einigen andern Schülern stiftete er einen kleinen Verein, der auf besondere Weise Maria verehren sollte. Ein Zimmer, von einer frommen Person zur Verfügung gestellt, wurde ihr Betsaal. Gebet, Entsagung, Stillschweigen, alles wurde bis ins Kleinste geregelt.

Darum braucht man sich nicht darüber zu wundern, daß Mariens mütterliche Fürsorge sich auf ganz besondere Weise mit Ludwig beschäftigte. Als er einstmals, er war ewa 20 Jahre alt, vor einem Gnadenbild Mariens kniete, flehte er zu Unserer Lieben Frau um Erleuchtung und Aufklärung über seine Zukunft. In der Tiefe siener Seele hörte er plötzlich Maiens Antwort: "Du wirst Priester werden."

II. Gott allein!

Nachdem Ludwig die Stimme Mariens in der Tiefe seiner Seele gehört hatte, wurde das Priesteramt sein großes Lebensziel. Priester werden, das bedeutete für ihn: sich gänzlich dem Dienste Gottes weihen und hingeben. Ein Onkel schrieb von Ludwigs Kinderjahren: "Die Worte 'Gott allein', die ihm später immer auf den Lippen lagen, schienen von dieser Zeit an in seiner Seele zu brennen und sein Geheimnis zu sein. Seine Handlungen, seine Worte hatten und kannten kein anderes Ziel mehr."

Wenn dieser Lebensspruch "Gott allein" schon das Kennzeichen und Geheimnis seiner ersten Jugend war, so beherrschte er aber noch viel gewaltiger und endgültiger den Zeitraum seiner Vorbereitung auf das Priesteramt. Nur Gott allein und nur die göttlichen Dinge schienen fortan für ihn zu bestehen. Alles übrige hatte für ihn keinen Wert mehr.

Ludwig hätte die theologischen Studien im Kolleg zu Rennes machen können. Er zog aber Paris vor, weil er sich dort besser auf das Priesteramt vorbereiten konnte. Ganz der göttlichen Vorsehung vertrauend hätte er sich am liebsten ohne Gepäck dorthin begeben. Seine Eltern aber verhinderten dies. Sie nötigten ihn, etwas Wäsche, Geld und einen neuen Anzug mitzunehmen. Auf der Reise nun trifft er einige Bettler. Dem ersten gibt er seine Börse, dem zweiten den neuen Anzug, den dritten macht er glücklich mit den Kleidern, die er trägt. Er selbst zieht den Anzug des Bettlers an. Und jetzt besitzt er wirklich nichts mehr, as seine Hingabe an Gott verzögern könne. Voll Entzücken fällt er auf die Knie und betet: "Jetzt kann ich wahrhaft zu dir sagen: Vater unser, der du bist im Himmel!" Und er macht das Gelübde, niemals mehr etwas als sein Eigentum zu besitzen.

Einen Wanderstab in der einen Hand, einen Rosenkranz in der anderen, so zieht Ludwig bei stetem Platzregen zur Hauptstadt. Unterwegs bettelt er etwas Brot. Nach zehn Tagen hat er die 300 km, die ihn von Paris trennten, zurückgelegt.

Anfangs wurde er in ein Seminar für bedürftige Studenten aufgenommen. Die Tagesordnung war außergewöhnlich streng, doch bei weitem nicht streng genug für Ludwig, der sich noch viele und schmerzliche Abtötungen auferlegte. Im Jahre 1693 wütete in Frankreich eine Hungersnot. Der Regens des Seminars war im Begriffe, die armen Studenten zu entlassen. Doch das war nicht nötig. Getrieben von seiner großen Nächstenliebe bot Ludwig sich an, das Nötige zu beschaffen. Und so sah man diesen jungen Edelmann, vor den Häusern der wohlhabenden Leute um Kleider und Geld und Brot betteln. Eines Tages machte der Regens den Vorschlag, Totenwachen zu übernehmen, um so die Finanzlage des Seminars zu verbessern. Voll Begeisterung ging Ludwig auf diesenVorschlag ein. Drei- bis viermal in der Woche verzichtete er auf seine Nachtruhe. Auf den Knien und die Hände gefaltet verbrachte er jedesmal vier Stunden in betrachtendem Gebet. Es folgten zwei Stunden geistlicher Lesung. Die wenigen übrigen Stunden der Nacht gehörten dem todmüden Körper. Bei solchen Totenwachen lernte Ludwig die Vergänglichkeit alles Irdischen begreifen. Von dem Gelde, das er auf solche Weise verdiente, behielt er nur das Notwenigste für sich selbst.

Eines Tages kommt eine arme Frau zu ihm und klagt ihre Not. "Wieviel brauchst du ", fragt der Seminarist. "30 Franken." Er gibt ihr seinen letzten Pfennig.

Ein anderesmal hatte er eine neue Soutane erhalten. Noch bevor er sie getragen, wurde sie einem Armen geschenkt.

Solch helfenhafte Nächstenliebe wurde sichtbar von der göttlichen Vorsehung belohnt. Als er einmal recht dringend ein neues Kleidungsstück brauchte, gab er einem Freunde 30 Franken mit der Bitte, er möge dies kaufen. "Dreißig Franken reichen nicht", bemerkt dieser. "Das ist möglich", antwortet Ludwig, "wenn man von dir aber mehr verlangt, dann gibst du einfach dem ersten Bedürftigen, den du antiffst, dieses Geld und betest zur göttlichen Vorsehung, damit sie dir helfe." Sein Freund geht zum Geschäft. Der Geschäftsinhaber aber lacht ihn aus. Da führt nun der Seminarist aus, was Ludwig ihm befohlen. Er schenkt einem Bettler das Geld und kehrt heim. Montfort kommt ihm frohen Mutes entgegen: "Schön", sagt er, "während du das Almosen gabst, hat jemand mir die nötige Summe gebracht. Jetzt kannst du ruhig dieses Kleidungsstück kaufen."

Unerwartet verschied der Regens des Seminars. In ihm verlor Ludwig seinen geistichen Führer und auch seinen größten Wohltäter. Das Verhalten Ludwigs zu diesem Verluste interessierte seine Mirtschüler. Ludwig blieb gelassen und ruhig. Deswegen sagte ein Kamerad zu ihm: "Entweder bist du ein großer Heiliger oder ein sehr undankbarer Mensch. Undankbar, wenn du nicht gerührt bist durch den Tod eines solchen Wohltäters; heilig, wenn du zwar gerührt bist, aber deinen Schmerz tugendhaft verbergen kannst." Ein Brief jener Zeit, der an seinen Onkel gerichtet war, löst dieses Rätsel. "Was auch geschehen mag, ich mache mir keine Sorgen. Ich habe einen Vater im Himmel, der immer hilft."

 

Jetzt verläßt Ludwig dieses Seminar und geht in ein anderes, das auch für bedürftige Priesterkandidaten bestimmt war. Hier war die Ernährung noch schlechter. Ludwig harrte trotzdem aus und ertrug Hunger in staunenerregender Abtötung. Schließlich aber versagte eine sonst eisenstarke Gesundheit. Er wurde ins Spital gebracht. Trotz seiner Schmerzen, trotz seiner Unfähigkeit zu jedwelcher Arbeit fühlte er sich doch glücklich. Zu einem Freunde, der ihn dort aufsuchte, sagte er in strahlender Freude: "Ich bin im Spital der Bedürftigen. Welch eine Ehre! Meine Familie wird sich wohl nicht freuen. Aber wann harmoniert Natur mit Gnade?"

Man bangte um sein Leben. Er aber versicherte, in den nächsten Tagen wieder gesund zu sein. So geschah es auch. Eine Woche später war er wieder im Seminar zurück.

Endlich öffnete sich für Ludwig das Tor des berühmten Seminars St. Sulpice, dessen Obrigkeit ein Te Deum anordnete bei Gelegenheit seiner Aufnahme. Diese erste Freude aber wurde schnell verdrängt, da Zweifel entstanden an der Echtheit von Ludwigs Tugenden. Ludwig war einmal nicht wie die andern. Er war zu außergewöhnlichen Dingen berufen, und Gott führte ihn deswegen auf außergewöhnlicheWege. Die göttliche Vorsehung ließ zu, daß Hochwürden Herr Brenier, Regens des Seminiars, und Hochwürden Herr Lechassier, sein geistlicher Führer, dies nicht einsahen. Und so geschah es, daß sie Ludwig auf besondere Weise auf die Probe stellten.

Hochwürden Herr Brenier zeigte sich immer ebenso streng wie barsch in seinem Verkehr mit Montfort; er demütigte ihn besonders gerne in der Öffentlichkeit. Er machte ihm sogar die peinlichsten Vorwürfe in Gegenwart seiner Mitschüler, und dies nicht nur einmal, sondern mehrere Monate lang. Ludwig ertrug dies alles gerne, ohne auch nur einen Augenblick seine Ruhe zu verlieren. Nach solchen schmerzlichen Demütigungen ging er schlicht und frohgesinnt zu seinen Obern, als ob gar nichts geschehen wäre.

Hochwürden Herr Lechassier war ebenso unbarmherzig gegen Ludwig. Es war den Seminaristen vorgeschrieben, regelmäßig ihren geistlichen Führer zu besuchen. Dies entsprach gerade dem Wunsche Montforts, aber sein Beichtvater weigerte sich öfters, ihn zu empfangen, und wenn er ihn empfing, war es, um den jungen Seminaristen zu tadeln. Trotzdem ging Ludwig immer wieder zu ihm hin. Zu alledem kamen noch die Quälereien und Neckereien seitens seiner Mitschüler hinzu. Manche schlugen ihn, sogar bei öffentlichen Vorträgen, nur um ihn zu zwingen, den Kopf gerade zu halten. Niemals aber verlor er dabei seine heldenhafte Geduld. Bei diesen schweren Prüfungen war die himmlische Mutter seine größte Stütze. Inzwischen wurde er zum Bibliothekar ernannt. Er benützte sein Amt, um möglichst viel über Marienverehrung zu lesen. Ein Büchlein packte ihn auf ganz besondere Weise, es war das Büchlein "Die heilige Sklavenschaft der bewunderungswürdigen Mutter Gottes" vom Schriftsteller Boudon. Er weihte sich Maria als Liebessklave und wurde ein begeisterter Apostel dieser Verehrung. Bereits im Seminar stiftete er mit Genehmigung seiner Obern den Verein der Liebessklaven.

Im Jahre 1699 wurde Ludwig mit einem anderen Seminaristen beauftragt, nach Chartres zu pilgern zu einem Gnadenbilde der Mutter Gottes. Diese mehrtägige Reise wurde trotz der Hitze des Sommers zu Fuß unternommen. Es war gerade in der Erntezeit und Ludwig fühlte sich gedrängt, ab und zu seinen Kameraden zu verlassen, um sich mit den Erntearbeitern zu unterhalten. Er sprach zu diesen über Gott und Maria, aber mit solcher Überzeugung und Salbung, daß sie froh erstaunt zuhörten. Als die beiden Pilger todmüde in Chartres ankamen, bemühte sich Montfort nicht um eine Unterkunft für die Nacht, sondern richtete seine Schritte zur Domkirche. Tags darauf betete er den ganzen Vormittag unbeweglich vor dem Gnadenbilde Mariens, kehrte nach dem Mittagessen wieder zur Kirche zurück, um dieselbe erst am späten Abend zu verlassen, als der Küster kam, die Kirchentür zu schließen.

Jeden Samstag gingen mehrere Seminaristen zum Pariser Dom, um den Segen Mariens auf das Seminar herabzuflehen. Als nun schließlich der Obere von der Tugend Montforts überzeugt war, nahm er ihn regelmäßig mit. Bei einem solchen Besuch der Domkirche war es, daß Ludwig vor dem Gnadenbilde der seligsten Jungfrau das Gelübde ewiger Reinheit ablegte.

Inzwischen war er auch ein eifriger Student. Einmal wurde ihm die Aufgabe gestellt, in der Öffentlichkeit einen Glaubenssatz über die Gnade zu verteidigen. Seine Mitschüler hatten verabredet, es ihm schwer zu machen; sie taten dies und suchten Ludwig zum Schweigen zu bringen. Ludwig hört sich alle Einwände ruhig an, dann widerlegt er alle Schwierigkeiten, die eine nach der andern, und zitiert dabei auswendig und ganz genau treffende Texte der Kichenväter.

Neben seinem Studium widmete er sich auch gleichzeitig der Apostolatsarbeit. Den Kindern der Pfarre und dem Dienstpersonal der Nachbarschaft erteilt er Religionsunterricht. Dies benützen die andern Seminaristen, um ihn zu versuchen und auf die Probe zu stellen. Man kommt überein, ihn beim Unterricht zu belauschen. Ludwig spricht aber mit solcher Überzeugung und Begeisterung von den großen Glaubenswahrheiten, daß selbst die Spötter gerührt sind und mit Tränen in den Augen den Saal verlassen. Sein Herz brannte so stark von Liebe zu Gott, daß er nicht gleichgültig zuschauen konnte, wenn irgendwo gesündigt wurde. Eines Tages kommt er an einer Stelle vorbei, wo gerade zwei Jungmänner im Begriffe stehen, ein Duell auszutragen. Ludwig ergreift sein Kreuz, wirft sich zwischen die beiden Kämpfer und bittet sie aus Liebe zu dem gekreuzigten Heiland, einander zu vergeben. Durch Gottes Gnade gerührt reichen beide einander die Hand und gehen nicht wenig verlegen heim. Ein anderesmal begegnet er Straßensängern, die schlechte Lieder singen und verkaufen. Ohne sich weiter zu bedenken, kaft Ludwig alle diese Lieder und zerreißt sie, während die Anwesenden erstaunt zuschauen. Das gleiche tut er auch mit schlechten Büchern. Endlich bekämpft er auch die schlechten Reden. Als er einmal an einer großen Volksmenge vorbeikam, die sich die zweideutigen Reden eines Quaksalbers anhörte, bedauerte er es aufs tiefste, daß Christen auf solche Weise ihre Zeit vergeuden; er spricht dann selbst auch zur Menge, die schnell verschwindet und den Quaksalber im Stiche läßt.

Ein Mann, der einen solchen Eifer hatte für das Heil der Seelen und für die Interessen Gottes, der nur für Gott allein lebte und wirkte, war gewiß des Priesteramtes würdig. Am 5. Juni 1700 wurde er zum Priester geweiht. Diesen gesegneten Tag verbrachte er gänzlich in Anbetung vor dem allerheiligsten Sakramente. Dann bereitete er sich während einer ganzen Woche auf seine Primiz vor. Jemand, der bei dieser Feier zugegen war, schrieb später: "Ich sah am Altare einen Menschen, der einem Engel glich."

III. Der Vater der Armen

Die Verbreitung des Reiches Jesu und Mariä, besonders bei den Armen und Bedürftigen, ist Montforts größter Traum. Sein ganzes Leben lang wird er dafür eine besondere Vorliebe hegen. Er schien fortwährend das Wort des Heilandes zu hören: "Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast du mir getan" (Matth. 25,40). In der Person des Kranken und Armen sah er Christus selbst und diente ihm in diesen. Und wie er es machte, so verlangte er es auch von andern. Eines Tages trifft er in Montfort, seinem Geburtsorte, ein. Er fragt um Unterkunft bei seiner ehemaligen Amme. Man erkennt ihn nicht und schickt ihn weiter. Er findet Unterkunft in der Nachbarschaft bei armen Leuten. Am folgenden Tage aber erfuhr seine Amme, wer er sei. Sie eilt zu ihm und bittet weinend um Verzeihung. "Andrea", so ermahnt Ludwig mit strengen Worten seine Pflegerin, "wenn ich am gestrigen Abend Unterkunft gefragt hätte für den Priester Grignion de Montfort, so hättest du sie mir bestimmt zugesagt. Ich habe sie aber gefragt im Namen Jesu Christi, im Namen deines und meines Herrn. Du hast sie mir verweigert. Du hast dich dadurch schwer versündigt, nicht gegen mich, sondern gegen deinen Heiland."

Einstens sollte er bei Schwestern Exerzitien geben. Er kommt als Unbekannter und bittet im Namen Jesu Christi um ein Almosen. Dies wird ihm verweigert. Er wird fortgeschickt, indem man ihm antwortet, daß ein armes Kloster nicht jedem Bedürftigen helfen könne. Bald stellt es sich heraus, daß es der Exerzitienprediger gewesen, den man fortgeschickt habe. Man eilt Montfort nach und ruft ihn zurück. Man nötigt ihn, an einem reichgedeckten Tisch Platz zu nehmen. "Warum, Schwester", sagt Montfort, "verweigerst du ein Stückchen Brot, um das man dich im Namen Jesu bittet, während du einem armen Sünder ein so feines Essen bereitest? Du versündigst dich gegen den Glauben und gegen die Liebe."

Montfort hält in Dinan eine Mission. Dort findet er eines Tages einen Bettler, der auf dem Boden liegt und mit Geschwüren ganz bedeckt ist. Dieser ist vor Kälte so steif, daß er nicht mehr sprechen kann. Montfort nimmt ihn auf die Schultern und trägt ihn in das Haus, wo er sich selber aufhält. Es ist aber bereits spät und die Tür ist geschlossen. Der Mann Gottes weckt den Pförtner und ruft ihm zu: "Mach auf im Namen Jesu Christi!" Er trägt den Kranken in sein Zimmer und legt ihn in sein eigenes Bett. Dann kniet er nieder und verbringt die ganze Nacht im Gebete.

Um besser das Herz der Armen und Kranken zu gewinnen, um sie näher zu Gott zu führen, wollte Montfort erst selber arm sein.

Ein Jahr nach seiner Priesterweihe besuchte er das Krankenhaus in Poitiers. Er war so armselig gekleidet, daß die Armen eine Sammlung für ihn veranstalteten. "Ich lobte Gott tausendmal", so schreib Montfort, "als ein Armer angesehen zu werden und dessen ruhmvolles Kleid zu tragen. Ich danke meinen Brüdern und Schwestern der Armut für ihren guten Willen."

Die Bewohner des Krankenhauses wünschten ihn als Rektor. Montfort war gerne damit einverstanden. Seine erste Arbeit war es, die materielle Not zu lindern. Begleitet von einigen Armen durchquerte er die Stadt mit einem Esel, der die gesammelten Almosen trug. Alles wurde dann auf sehr gerechte Weise verteilt. Aus dem Spital, diesem Haus der Ungerechtigkeit und des Neides, wurde eine wirkliche Oase des Friedens.

Montfort bestand darauf, selber dieArmen am Tische bedienen zu dürfen. Für sich suchte er immer die niedrigsten Arbeiten. So sah man ihn oft das Haus und den inneren Hof vom Schmutze reinigen. Er erbat sich das schlechteste Zimmer des Hauses. Die einzige Decke, die er besaß, schenkte er einem Armen. Es war ihm eine Ehre, den Kranken die unangenehmsten Dinste zu erweisen. Eines Tages trifft er in der Stadt einen Bettler, der wegen seiner vielen Geschwüre und der damit verbundenen Ansteckungsgefahr nirgendwo Aufnahme findet. Montfort bittet die Verwaltung des Krankenhauses, den Unglücklichen aufzunehmen. Er wird erhört. Mehrmals am Tage bringt er dem Kranken allerlei Speisen und pflegt seine Wunden. Der Anblick dieses Kranken ist so grauenhaft, daß Montfort eine gewisse Abneigung in sich verspürt. Was tut er, um sich zu überwinden? Er nimmt die Schüssel mit dem Eiter der Wunden und trinkt...

Montfort wurde von den meisten Kranken auf den Händen getragen. Dem Verwalter aber gefielen die weisen Verordnungen des Rektors nicht immer; er sah darin einen Veweis für seine eigene Geschäftsführung. Es fanden sich auch unzufriedene Kranke, die wegen Trunkenheit und Streit von Montfort getadelt worden waren. Diese versuchten auf allerlei Weise, dem Manne Gottes das Leben unmöglich zu machen, so daß er schließlich das Spital verlassen mußte. Nach achttägigen Exerzitien aber kehrt er zurück. Denn Gott selbst hat die Sache seines Dieners in die Hände genommen. Eine schreckliche Krankheit befällt den Verwalter und rafft ihn dahin. Den Vorsteher des Krankenhauses trifft dasselbe Los. Von den Insassen werden mehr als achtzig Personen krank. Der Rektor besucht sie alle und steht liebreich und aufopfernd den Sterbenden bei. Er allein bleibt sozusagen von dieser Krankheit veschont. Mit neuem Mut faßt er die Arbeit an. Bis dahin wurden die Kranken versorgt von Pflegerinnen, denen es nur darum zu tun war, bei wenig Arbeit viel zu verdienen. Der Rektor bemüht sich, Pflegerinnen zu fiden, die ihre Arbeit aus Liebe zu Gott verrichten. Er nimmt die Ärmsten unter den Armen, verstümmelte und verkrüppelte und entstellte Mädchen. Er bestimmt eine Blinde zur Führerin. Jemand staunt darüber und sagt: "Herr Rektor, Sie haben uns eine Blinde als Führerin gegeben." Darauf erwiedert Montfort: "Meine Tochter, es kommt nicht darauf an, welche Oberin Gott dir gibt; Hauptsache ist es, ihr Gehorsam zu leisten aus Liebe, ohne achtzugeben auf ihre Fehler und Talente."

Nach kurzer Zeit hatten diese frommen und arbeitsamen Mädchen dem Krankenhaus ein ganz anderes Aussehen gegeben. Aber der Teufel wachte. Erneut wird der Rektor bei der Obrigkeit verleumdet. Doch dieser erträgt alles ruhig und gelassen. Er fährt fort, den Kranken Dienste zu erweisen und für sie in den Straßen von Poitiers zu betteln. Gleichzeitg widmet er sich der Seelsorge in den verschiedenen Pfarreien der Stadt. Von morgens früh bis abends spät war er auf der Kanzel oder im Beichtstuhl. Seine Arbeit war wie er selbst schrieb, "eine andauernde Mission".

Um 1703 befindet sich Montfort zu Paris, wo das Elend der Armen ihn wieder kräftig anzieht, so daß er fünf Monate lang seine Dienste den Kranken des großen Spitals mit unverlgeichlicher Selbstaufopferung zur Verfügung stellt. Eines Tages findet er beim Frühstück einen Zettel, durch den die Verwaltung des Spitals ihm siene Entlassung mitteilt. Er geht, ohne eine einzige Klage zu äußern. Man will ihm die Arbeit vergüten, aber er lehnt es ab. Schließlich nimmt er doch ein paar Kleidungsstücke und einen neuen Hut. Der Hut ist aber zu schön und wird sofort mit der Kopfbedeckung eines Bettlers umgetauscht.

Jetzt steht er brot- und obdachlos in der großen Hauptstadt Frankreichs. "Was mich veranlaßt zu sagen, daß ich die göttliche Weisheit erhalten werde", so schreibt er an eine Ordensschwester, "das sind die vielen Verfolgungen, denen ich ausgesetzt und deren Schlachtopfer ich jeden Tag bin. Hier habe ich keine Freunde mehr außer Gott allein; alle Freunde haben mich verlassen."

Gerade in dieser Zeit erhielt er einen Brief, den die Armen des Krankenhauses von Poitiers an seinen geistlichen Führer geschickt hatten:

"Hochwürden", so schrieben diese, "die vierhundert Armen möchten Sie sehr bescheiden bitten, aus Liebe zu Gott und zu seiner größten Ehre den Hochwürden Herrn Grignion, den sehr geschätzten Hirten, den großen Freund der Armen zurückzusenden. Wir werden Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie uns unsern Schutzengel wiedergeben... Es ist unsere geistliche und materielle Not und eine große Traurigkeit, die uns veranlassen, diese Bitte auszusprechen... Wenn wir ihn zurückerhalten, werden wir folgsamer und treuer sein im Dienste Gottes." Montfort konnte diese Bitte nicht ablehnen. Eine fromme Frau reichte ihm das nötige Geld für die Reise. Er gab es einem Bettler und reiste, wie immer, zu Fuß nach Poitiers. Mit großer Begeisterung wurde er im Krankenhaus empfangen, und ein Freudenfeuer wurde angezündet.

Sofort ging er wieder an die Arbeit. Er übte allerlei Bußwerke, um von Gott für alle die Gnade zu erhalten, ein wahrhaft christliches Leben zu führen. Obschon er von morgens bis abends beschäftigt war mit Beichthören, Predigen, Religionsunterricht und Gesangproben, wußte er doch noch drei Tage in der Woche zu fasten. An diesen Tagen aß er nur einmal, und zwar einen Teller Suppe, zwei Eier und ein wenig Käse. Um die Lenden trug er eine so starke eiserne Kette, daß er sich kaum bücken konnte. Er schlief auf Stroh und bald ohne Decken. Jeden Morgen und Abend nahm er einen Armen mit zu Tisch und am liebsten einen mit recht abstoßender Krankheit.

Kam es vor, daß ein Kranker sich gegen seine Verordnung auflehnte und sich aufregte, kniete Montfort sich auf die Erde und bedeutete ihm, daß er nicht eher aufstehen würde, bis der Zorn vorüber sei. Dann aber fiel der andere meistens selbst auf die Knie und bat um Verzeihung. Eine persönliche Beleidigung von seiten der Armen nannte er "einen persönlichen und unerwarteten Vorteil" oder "die Belohnung für seine gute Meinung".

Wie unglaublich es auch ist, der heiligmäßige Rektor wurde bald wieder bei der Verwaltung des Krankenhauses angeklagt, und wieder wurde ihm die Tür gewiesen. Diesmal ging er für immer fort. Nachdem er die Armen in den Spitälern gepflegt hatte, sollte er ihnen seine besten Kräfte widmen durch seine Missionen.

Montbernage war zu dieser Zeit eine der wichtigsten Vorstädte von Poitiers. Groß war hier die Not sowohl auf materiellem wie auf geistlichem Gebiet. Als Montfort zum ersten Male in diesen Ort kommt, wird er überall beleidgt. Ein feundliches Lächeln ist seine Antwort. Er nähert sich dann den Spöttern und fragt, wie es mit der Gesundheit stehe und mit der Arbeit und mit dem Lohne. Er streichelt und segnet die Kinder, und beim Abschied tröstet er die Leute mit den Worten: "Selig die Armen! Wer die Armut gern und geduldig trägt, sichert sich das ewige Glück im Himmel. Und ein kleines, kurzes Leiden, geduldig ertragen, bringt ein unendliches Maß von Glorie im andern Leben. Wie süß ist es, zur Sühne seiner Sünden zu leiden, da uns nach diesem Leben der Himmel erwartet!"

Erstaunt, gerührt und angezogen hören die Leute zu. Die Gruppe wird allmählich größer; man müßte eine Kirche haben, aber im ganzen Stadtviertel ist kein Gotteshaus vorhanden. Montfort kauft eine alte Scheune, läßt dieselbe kälken, hängt ein Kruzifix auf, bringt Bilder an, vor allem solche, welche die Geheimnisse des Rosenkranzes darstellen und erklären. Jeden Abend wird gepredigt, und jedesmal ist die Notkirche gefüllt. Ein wenig später hält er eine Prozession, und siehe, diese Leute, die vorher keinen Priester sehen konnten, ohne zu spotten, folgen jetzt ehrerbietig und mit entblößtem Haupte dem Kreuze und singen Prozessionslieder.

Es wird auch Beichtgelegenheit angesagt, und gerade hier sollte Montfort das volle Maß seiner großen Liebe für die Armen zeigen... nämlich für die Ärmsten unter den Armen, für die Sünder. "Ich möchte lieber", so sagt er, "im Fegfeuer leiden wegen zu großer Nachsicht mit meinen Beichtkindern als wegen zu großer Strenge." Er nannte sich selbst den größten aller Sünder, der ohne die Hilfe der seligsten Jungfrau bereits lange zur Hölle verdammt wäre.

Eine große Anzahl Volkes kam zum Beichtstuhl und änderte tatsächlich seine Lebensweise. Montfort freute sich sehr darüber und zum Danke für diese Bekehrungen brachte er ein Bild Mariens in der Kirche an unter dem Titel "Königin der Herzen". Er schmückte das Bild mit einem goldenen Herzen, dem Sinnbild seiner Liebe zu Maria und zu den Bewohnern von Montbernage. Dieses Bild wird dort heute noch immer verehrt.

Jetzt folgten Missionen in anderen Orten, und überall war seine Freizeit den Armen vorbehalten. Diese gingen gerne zu ihm, und er sprach mit ihnen wie mit seinen besten Freunden. Er war mit ihnen wie ein Vater mitten unter seinen Kindern, und sein Haus war das Haus der Armen. Es war ihm eine wahrhafte Freude, den Armen Almosen zu schenken, ihre Kleider zu reinigen und ihre Füße zu küssen.

Seine Liebe zu den Armen wächst mit den Jahren. Während einer Mission in Rennes wird er von seinen Eltern zu einem Mittagessen eingeladen. Er nimmt aber nur unter der Bedingung an, seine Freunde mitbringen zu dürfen, und so kommt er am festgesetzten Tage zu seinen Eltern mit einer ganzen Menge von Armen, Blinden und Krüppeln. In Sankt Brieux bringt er es fertig, während der ganzen Zeit der Mission zweihundert arme Menschen zu ernähren. In anderen Orten sorgt er dafür, daß jede bessere Familie während der Mission einen Armen unterhält.

Wenige Jahre vor seinem Tode war Montfort auf Besuch in einem Pariser Seminar. Er grüßte die Lehrer und die Studenten und erlaubte sich, einen der Seminaristen zu umarmen. Da alle erstaunt zusahen, sagte er: "Ich habe diesem Seminaristen besondere Freundschaft erwiesen, weil dieser armseliger gekleidt ist als die anderen. Man soll überall dem Kleide der Armut besondere Verehrung schenken." In einer Konferenz für dieselben Studenten betonte der Mann Gottes die großen Vorteile der Armut und der Entsagung: "Wollt ihr", so rief er aus, "später Wunder wirken, so erinnert euch an das Wort des heiligen Petrus zum Lahmen, der um ein Almosen bettelte: 'Ich habe weder Gold noch Silber; was ich aber habe, das gebe ich dir: im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und geh einher.' Ahmet die Armut des Apostelfürsten nach, dann wird euch alles möglich sein. Tuet ihr dann keine Wunder im gewöhnlichen Leben, dann deswegen, weil diese nicht mehr nötig sind; aber ihr werdet Herr und Meister über die Herzen und ihr werdet in denselben Gnadenwunder wirken."

Er sprach aus Erfahrung!

IV. Der Soldat Christi

Montfort kam einst auf einer Durchreise in eine Pfarre, deren Pfarrer ihn bat, zu predigen. Er erklärte das Evangelium des Tages und verstand es, die Zuhörer so zu rühren, daß man sich verwundert fragte: "Wer ist dieser Priester, der einem Heiligen gleicht, und der uns durch seine Predigt so erbaut?" Auch der Herr Pfarrer wußte es nicht. Als nun Montfort abreisen wollte, forderte der Pfarrer ihn auf, seinen Namen zu sagen. Da sagte der Gottesmann: "Ich bin ein armer Priester, der durch die Welt geht, in der Hoffnung, mit Gottes Hilfe eine arme Seele für Gott zu gewinnen."

Das ist ein treffendes Bild seines Lebens. Einst bekannte er: "Wenn Gott mich für die Welt bestimmt hätte, wäre ich der größte Tyrann meines Jahrhunderts geworden." Gott bestimmte ihn für seine Kirche, und er ist zu einem unvergleichlichen Gewaltmenschen im Reiche Gottes herangewachsen, zu einem Soldaten und Kämpfer für Christus und die Seelen, wie das Christentum nur wenige gekannt hat.

Er liebte die Seelen mit der Leidenschaft eines temperamentvollen Gemütes. Nicht nur im Krankenhaus zu Poitiers hat er dies bewiesen, nein, auch in den Pfarreien der Stadt, wo er Missionen abgehalten hat. Jedoch mitten in seiner apostolischen Arbeit empfing er einen Brief vom Bischof, der ihn aufforderte, so schnell wie möglich das Bistum zu verlassen... Es fiel dem Gottesmanne nicht einmal ein, dagegen zu protestieren oder um eine Aufklärung zu bitten, er gehorchte einfach. Aber er konnte nicht weggehen, ohne von seinen geliebten Armen von Montbernage Abschied zu nehmen. Er schrieb ihnen einen herrlichen Brief, der uns eine deutliche Einsicht gibt in die Art und Weise seiner Predigten. "Da ich Euch mündlich nicht mehr sprechen kann, weil der heilige Gehorsam es mir verbietet, nehme ich mir vor der Abreise die Freiheit, Euch wie ein armer Vater an seine Kinder zu schreiben. Ich hege zu Euch eine christliche und väterliche Freundschaft, die ich immer in meinem Herzen bewahren werde, im Leben, im Tod und in der Ewigkeit. Denkt daran, teure Kinder, meine Freude, mein Ruhm und meine Glorie, daß Ihr Jesus Christus feurig lieben müßt, daß Ihr ihn durch Maria lieben müßt. Überall soll Eure Verehrung zu Maria, unserer guten Mutter, durchscheinen. So werdet Ihr unseres Herrrn Freude sein. Ihr werdet ihm folgen und Euer Kreuz tragen und so die Krone und das Himmelreich erwerben... Ich bitte alle im allgemeinen und jeden im besonderen, mich mit Euren Gebeten auf der Pilgerschaft, die ich für Euch und für viele andere unternehme, zu begleiten. Ich sage 'für Euch', denn ich beginne die lange und mühsame Reise auf Rechnung der göttlichen Vorsehung, um für Euch von Gott, auf die Fürsprache der Mutter Gottes, die Gnade der Beharrlichkeit zu erlangen. Ich sage 'für viele andere', denn am Herzen liegen mir die armen Sünder von Poitiers, die so jämmerlich zugrunde gehen. Ihre Seelen sind dem Herrn so kostbar, daß er sein Blut für sie vergoß, und ich sollte nichts dafür übrig haben! Sein Leben hat er für sie hingegeben, und ich sollte mein Leben schonen! Ach, nur ein Götzendiener oder ein schlechter Christ kann beim Verluste der Seelen, die doch durch Christi Blut erlöst sind, gleichgültig bleiben."

Montfort wollte wissen, wo er am besten und erfolgreichsten auf die Seelen einwirken könnte. Darum ging er nach Rom. Er wollte die Sendung des Papstes als die Sendung Gottes ansehen, denn der Papst ist der Stellvertreter Christi. Zu Fuß ging er zur Ewigen Stadt. Das wenige Geld, das er besaß, schenkte er dem ersten Bettler, dem er begegnete. Entsetzliche Gefahren hatte er zu überstehen; mehrmal mußte er Hunger leiden und unter dem Portale einer Kirche oder vor der Tür eines verschlossenen Bauernhofes schlafen. Endlich entdeckte er am Horizont die Kuppel von St. Peter. In heiliger Rührung kniet er nieder und zieht seine Schuhe aus. Barfuß, mit der größten Ehrfurcht vor der Erde, wo einst die großen Apostel Petrus und Paulus lebten und starben, betrat er die Hauptstadt der Christenheit.

Von Clemens XI. wurde er freundlich empfangen. Montfort spricht seinen Wunsch aus, in die Heidenmission zu gehen, aber die Antwort des Papstes lautet ausdrücklich: "Dein Seeleneifer findet in Frankreich ein hinreichendes Arbeitsfeld. Gehe also nirgend anders wohin!" Und der Papst sendeet ihn dorthin zurück mit dem Titel "Apostolischer Missionar". In der drückenden Hitze des Sommers schlägt der Heilige wieder den Weg zur Heimat ein. Nach einigen Meilen sind seine Füße so zerschunden, daß er notgedrungen seine Schuhe ausziehen muß. Und in der einen Hand seine Schuhe, in der anderen seinen Rosenkranz mit dem Kruzifix, so reist Montfort weiter. Die Vorübergehenden spotten seiner, und einer fragt verächtlich: "Warum reist du nicht zu Pferd?" "Das war nicht die Gewohnheit der Apostel", antwortet der Gottesmann. Als er in den Ort zurückkommt, wo sein Begleiter auf ihn wartet, erkennt dieser ihn nicht mehr wieder; so sehr ist er von dieser langen Reise erschöpft. Jedoch er ist glücklich, denn von jetzt ab ruht ein besonderer Segen Gottes und des Hl. Vaters auf seiner Arbeit. Nach einer neuen Wallfahrt zur Mutter Gottes von Saumur und zum Berg St. Michael beginnt Montfort in allem Ernst seine Missionstätigkeit. Er ist ein Ritter ohne Furcht, der selbst vor dem Teufel keine Angst hat. Vor der Wallfahrt nach Rom geschah es, daß man den Heiligen von einer unsichtbaren Macht über den Boden geschleift sah. Zu anderen Zeiten kam aus sienem Zimmer ein Lärm, als ob ein Gefecht zwischen mehreren Personen stattfände. Inmitten der Schläge hörte man Montfort rufen: "Ich spotte deiner. Mit Jesus und Maria werde ich immer stark genug sein."

Dieser Mann kennt auch keine Menschenfurcht. Er kennt nichts als Gottes Ehre allein, und alles, was dieser Ehre im Wege steht, muß unbarmherzig beseitigt werden. Eines Tages begegnet er einer Gruppe Arbeiter und Soldaten, die unter kräftigem Lärmen und Schreien, mit Steinen und Stöcken einander zuleibe gehen. Er nähert sich, kniet nieder, betet ein Ave Maria, küßt die Erde und wirft sich zwischen die Streitenden. Mit großer Anstrengung gelingt es ihm, sie zu trennen. Dann bemerkt er den Spieltisch, der jeden Tag zu solchen Szenen Anlaß gibt; er wirft ihn zu Boden und zertrirtt ihn. Wie sie das sehen, werfen die Soldaten sich auf ihn, fassen ihn bei den Haaren, zerreißen seinen Mantel und drohen, ihn zu töten, wenn er den Tisch nicht bezahle. Er fragt, woviel er koste. "50 Franken", lautete die Antwort. "Gerne gäbe ich euch 50 Millionen Goldfranken", sagte Montfort, "wenn ich sie hätte; auch alles Blut meiner Adern, um solche Glücksspiele zu vernichten". Dies erhöht noch die Wut der Soldaten und sie führen ihn gefangen mit sich nach dem Schloß. Ohne Kopfbedeckung, laut den Rosenkranz betend ging Montfort mit ihnen. Sein Gesicht strahlte vor Freude, und er machte so große Schritte, daß die Soldaten ihm nur mit Mühe folgen konnten. Schließlich wurde er durch einen Freund aus ihren Händen befreit. Der Heilige war darüber sehr betrübt, denn, so drückte er sich aus, man beraube ihn eines Glückes, nach dem er sich so dringend gesehnt, gefangen zu sein aus Liebe zu Christus und den Seelen.

Einmal predigte er in einer Pfarrei, wo die öffentliche Trunksucht das religiöse Leben gänzlich zugrunde richtete. Gerade der Kirche gegenüber befand sich das Gasthaus. Während er auf der Kanzel stand, klangen die unsittlichen Lieder bis in das Gotteshaus hinein. Als er eines Tage noch schlimmer als sonst wurde, ging der Missionar von der Kanzel geradewegs in das Gasthaus, warf den Anwesenden ihre Unverschämtheit vor, stieß die Tische um, packte die größten Lärmer beim Kragen und warf sie hinaus. Zwei von ihnen wollten sich widersetzen, aber Montfort faßte sie am Arm und brachte sie vor die Tür.

In St. Pompain war es Brauch, am letzten Sonntag des Jahres einen großen Markt abzuhalten, der immer zu allerlei Ausgelassenheiten führte. Um jeden Preis wollte Montfort diesem Unfug steuern. Aber wie? Er veranstaltet eine große Prozession, an der die ganze Pfarrei teilnimmt, und befiehlt, zwischen die tanzenden Paare durch, auf die Stände der Kaufleute und der Quaksalber loszuziehen. Als nun die Kirmesgäste den Zug kommen sehen, das Kreuz voraus und unter Führung des mutigen Missionars, werden sie von einer Panik ergriffen. Die Tänzer fliehen, die Händler räumen ihre Ware weg, und alle verlassen den Platz. Gott war mit seinem Diener!

 

Nach seiner Romreise beginnt Montfort ernstlich mit dem Abhalten von Missionen. Er arbeitet nach einem festen Plan. Seine Missionen dauern 6 Wochen. Der Reihe nach predigt er für die Männer, für die Frauen, für die Kinder. Die ihm so teuren Armen erhalten besondere Unterweisungen. Während der Mission empfiehlt er die Erneuerung der Taufgelübde und die Weihe an die Mutter Gottes. Die Gläubigen sollen sich Christus hingeben durch die Hände Mariens. Ihr Leben soll durchdrungen sein von der Abhängigkeit von Unserer Lieben Frau und durch sie von Gott selbst. Um dazu den nötigen Mut zu finden, sollen sie jeden Tag den Rosenkranz beten. Er veranstaltet auch immer eine große Prozession, an der die ganze Pfarrei teilnimmt, und wobei jeder die schriftliche Bestätigung seiner Hingabe an Christus durch Maria in der Hand trägt. Es werden geistliche Gesänge gelernt, vom heiligen Montfort selber verfaßt. In den Pfarreien, die er besuchte, werden diese Lieder noch lange nach der Abreise und sogar noch nach dem Tode des Missionars gesungen. Sie enthalten die Früchte seiner apostolischen Worte.

Er durchzieht den ganzen Westen Frankreichs. An vielen Stellen ist die religiöse Lage wirklich erbärmlich. Er rüttelt das Volk auf, so daß oft die Kirche zu klein ist für seine Zuhörer. Dann predigt er auf dem Friedhof, auf einem öffentlichen Platz oder mitten im Feld. Sein Wort, durch Gebet und Betrachtung vorbereitet, zündet. "O Sünder", ruft er, "wüßtest du doch, wie gut und liebenswürdig Gott ist!" Öfters muß er seine gerührten Zuhörer bitten: "Liebe Kinder, Ihr müßt nicht weinen; Eure Tränen verhindern mich zu sprechen!"

Ergraute Priester wie auch einfache Laien fragen erstaunt: "Wer ist dieser Fremde, der hier kaum angekommen, dessen einziges Reisegepäck ein Stock ist, und der doch schon die ganze Bevölkerung an sich zieht?"

Was dieser Mann verlangt, das werden seine Zuhörer vollbringen. Er muntert sie auf, die schlechten Bücher zum Verbrennen zusammenzutragen. Hunderte von unsittlichen Romanen gehen in den Flammen auf. In der Pfarrgemeinde von Crossac besteht der Mißbrauch, daß die Toten alle in der Kirche begraben werden. Das Gotteshaus, dessen Chor allein Fliesen aufweist, gleicht einem Acker. Vergebens haben Bischof und Generalvikar Einspruch dagegen erhoben. Montfort erscheint und er predigt mit soviel Nachdruck und Salbung, daß die Honorationen nach seiner Ansprache feierlich versprechen, daß künftig in der Kirche kein Begräbnis mehr stattfinden werde. Und als der Heilige das Dorf verläßt, ist die Kirche gekälkt und der Fußboden neu belegt.

In der großen Stadt La Rochelle ersuchte Montfort am Ende der Mission die Frauen, drei Tage lang soviel wie möglich zu schweigen. Laut eines Dokumentes aus dieser Zeit verständigten sich etwa 3000 Frauen mit ihren Männern und Dienstboten beinahe nur durch Zeichen.

Sein Einfluß auf die Soldaten ist nicht geringer. Ein Biograph beschreibt also die militärische Prozession, die er in derselben Stadt veranstaltete: "Alle Soldaten gingen barfuß mit, in der einen Hand das Kruzifix, in der andern den Rosenkranz. Alle sangen die Litanei zur lieben Gottesmutter. Von Zeit zu Zeit setzten die Vorsänger ein: Heilige Jungfrau, erlange für uns... und der Chor antwortete: die heilige Gottesliebe. Und dieser Kehrreim klang so ergreifend, während ein jeder die Augen auf das Kreuz heftete, daß man vor Rührung weinte."

In einer Pfarrei der Vendée waren die Zuhörer so zahlreich, daß er unter freiem Himmel predigen mußte. Plötzlich brach ein fürchterliches Unwetter los. In einem Augenblicke waren alle triefend naß. Doch niemand bewegte sich, niemand setzte den Hut auf. Schließlich mußte der Prediger den Männern drohen, er werde aufhören, wenn sie ihren Kopf nicht bedeckten. An einem andern Ort verlangt der Missionar, daß von den Gläubigen ein großer Kalvarienberg errichtet werde. Innerhalb einiger Wochen ist alles bereit: drei Kreuze, mehrere Bilder und sogar eine Kapelle mit Altar. Vor der Einsegnung verantstaltet Montfort eine Prozession; er bittet die Männer, aus Ehrfurcht vor dem Kreuze ihre Schuhe auszuziehen. Ohne Zögern gehorchen ihm Priester, Edle, Reiche und Arme.

Es ist wirklich schwierig, dem überzeugenden Worte Montforts Widerstand zu leisten. In La Rochelle beabsichtigt Frl. Pagé, den Missionar herauszufordern. Sie will sich während der Predigt so aufführen, daß er sie öffentlich zurechtweisen muß. Sie kommt zur Kirche in greller, leichtsinniger Toilette, setzt sich gerade vor die Kanzel und schaut dem Manne Gottes spöttisch und frech in die Augen. Montfort sieht sie, betet einen Augenblick für ihre arme Seele und beginnt seine Predigt. Er spricht mit solcher Inbrunst, daß alle - auch Frl. Pagé in Tränen ausbrechen. Nach der Predigt bleibt sie, ins Gebet versunken, in der Kirche. Sie bittet den Missionar um eine Unterredung. Am folgenden Tag tritt sie in ein Klarissenkloster ein.

In einem andern Ort herrscht große Zwietracht zwischen dem Pfarrer und den Gläubigen. Montfort fleht um Gottes Gnade durch blutige Geißelung. Dann ruft er die Pfarrgemeinde zusammen für eine wichtige Predigt. Schnell ist die Kirche gefüllt. Er spricht über dieVersöhnlichkeit. Plötzlich unterbricht der Pfarrer den Missionar und mit gerührter Stimme bittet er die Gläubigen um Verzeihung für das Ärgernis, das er gegeben hat. Dann wendet sich Montfort an seine Zuhörer: "Wie", ruft er aus, "euer Hirte will sich mit euch versöhnen, er bittet euch um Verzeihung, und ihr, die ihr ihn tausendmal verwünscht habt, ihr könntet zögern, dasselbe zu tun?" Tränen und Schluchzen sind die Antwort. Der Friede ist wieder hergestellt.

So zog der Mann Gottes zehn Jahre lang duch die Bistümer des Westens. So groß war sein Einfluß, daß man heute noch, nach zwei Jahrhunderten, denselben spüren kann.

V. Der Apostel des Kreuzes

Von frühester Jugend an fühlte sich Montfort hingezogen zum Leiden Christi, sinnbildlich dargestellt durch das Kreuz. Nie verließ ihn sein kleines Kruzifix. Manchmal warf er sich mitten auf der Straße auf die Knie und küßte mit glühender Liebe den Gekreuzigten. In dem später von ihm verfaßten Buche "Die Liebe zur ewigen Weisheit" lesen wir herrliche Seiten über Christi Kreuz. Sie erklären uns Montforts Kreuzesliebe.

"Sie (die Weisheit, nämlich Christus) erkor das Kreuz als ihren Schatz und verband sich mit ihm duch die Menschwerdung zu einer geheimnisvollen Ehe von unaussprechlicher Liebe. Während ihres ganzen Lebens, das ein ununterbrochenes Leiden war, hat sie dieses Kreuz mit unbeschreiblicher Freude getragen, ja gesucht... Endlich wird ihr glühender Wunsch erfüllt. Sie wird mit Schmach bedeckt, sie wird ans Kreuz genagelt, sie stirbt freudig wie auf einem Ehrenlager in den Armen ihres teuren Kreuzes. - Denkt nicht, daß sie, um ihren Sieg zu vollenden, nach ihrem Tode das Kreuz verlassen oder verworfen hat! - Der Bund, den sie mit dem Kreuze geschlossen hat, ist unverbrüchlich, ewig. Nie das Kreuz ohne Jesus! Nie Jesus ohne sein Kreuz!"

Mit derselben Liebe, womit Montfort also Jesus liebte, liebte er auch das Kreuz. Wie der hl. Paulus, so predigte er überall "Jesus Christus, und zwar den Gekreuzigten". Die Lehre, die seine Missonen durchdrang, hatte als Ausgangspunkt, als Kern und als krönenden Abschluß: Christus, den Gekreuzigten.

Manchmal ließ Montfort an seiner eigenen Stelle das Kruzifix sprechen. Eines abends ist die Kirche seiner Geburtsstadt übervoll. Der Missionar steigt auf die Kanzel, nimmt das Kreuz, betrachtet es einige Zeit mit tränennassen Augen, verläßt die Kanzel wieder, ohne ein Wort zu sagen. Die Anwesenden sind aufs tiefste gerührt. Dann nimmt Montfort ein anderes Kreuz, durchschreitet die Reihen und bietet es ihnen allen zum Kusse an mit den Worten: "Sehet euren Erlöser! Reut es euch nicht, ihn beleidigt zu haben?"

Nach seiner Meinung gab es kein besseres Mittel, um in einer Pfarrgemeinde die Erinnerung an seine Unterweisungen und Mission lebendig zu halten, als die Errichtung eines Kalvarienberges oder eines Kreuzes. Darum schloß er immer die Mission mit der Aufstellung eines Kreuzes. Glänzende Wunder belohnten bei solcher Gelegenheit oft seinen Eifer. Am Ende der Mission zu La Chevrollière wird er ernstlich krank. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch werden alle Übungen abgehalten. Als es sich darum handelt, das Kreuz zu errichten, ersucht er die Teilnehmer, sich barfuß an der Prozession zu beteiligen. Trotz der strengen Kälte gibt er selber das gute Beispiel und geht ein gutes Stück Weges durch den eisigen Schlamm. Nach der Weihe des Kalvarienberges predigt er mit außergewöhnlicher Kraft. Am nächsten Tag ist er geheilt.

Die Mission zu La Rochelle war ein prächtiger Erfolg. Der Heilige fand zwei Kalvarienberge nicht zu viel, um den Sieg über den Teufel zu verewigen. Während der zweite geweiht wird, und das Volk begeistert den Abschiedsworten des Missionars lauscht, hört man plötzlich ein Geschrei: "Wunder! Wunder! Wir sehen Kreuze in der Luft!" Das Wunder dauerte etwa eine Viertelstunde.

In Fontenay hatte man eine großartige Prozession veranstaltet, um das Missionskreuz aufzurichten. Aber im letzten Augenblick ballten sich so drohende Wolken zusammen, daß das Volk zögerte mitzugehen. "Nur keine Angst, Freunde", sprach Montfort ihnen Mut zu, "der Himmel ist mit uns". Kaum hatte er diese Worte gesagt, da verziehen sich die Wolken, und eine herrliche Sonne bricht durch.

An einem andern Ort hat man die schönste Eiche der ganzen Umgebung gefällt, um daraus das Kreuz zu zimmern. Es lag nun bereit in einer Scheune bei der Kirche. Als man es aber aufrichten wollte, zeigrte es sich, daß es so schwer war, daß dies niemanden gelang. Der Heilige kommt und berührt es. Ohne Anstrengung können die Träger es jetzt mitnehmen.

Auch in Roussay, einer Pfarrgemeinde des Bistums La Rochelle, endete die Mission mit der Errichtung des Kreuzes. Das ganze Volk war um das Zeichen unserer Erlösung geschart. Es lag noch auf dem Boden .Da steigt es langsam empor. Plötzlich aber reißen die Stricke, und die schwere Eiche stürzt nieder, mitten hinein in das Volk. Ein Schrei des Schreckens läßt sich in der Menge hören. Doch nur eine Person ist verwundet, und diese nur ganz leicht. "Kinderchen", sagt der Missionar ruhig, "wir wollen zusammen ein wohlgemeintes Gott sei Dank sagen." Sein Gebet hatte schon wieder ein Wunder gewirkt.

Wenn Montfort von der Liebe zum Kreuze predigte, meinte er nicht nur Christi Kreuz, sondern auch unsere eigenen Kreuze und Schwierigkeiten. Er gab dazu selbst das Beispiel. Im Hospital zu Poitiers richtete er ein Zimmer ein, in dem geistliche Übungen gehalten wurden. Er nannte es "die Weisheit". Um die Sache ver-


fehlende Seiten 29 und 30


und eine Konferenz von einer Stunde. Im übrigen beschäftigte er sich mit Religionsunterricht, geistlicher Leitung und Beichthören. "Pater", fragte ihn eines Tages ein Bruder, der ihn begleitete, "wie kann man Buße tun?" Der Heilige antwortet nicht, entblößt jedoch seinen Arm und zeigt eine eiserne Kette mit scharfen Spitzen, so fest um den Arm gewunden, daß sie tief ins Fleisch gedrungen war.

Montfort betrachtete die Prüfungen als den größten Schatz, den Gott schenken kann. Daher sein Abschiedsgruß an einen treuen Freund: "Ich wünsche dir viel Kreuz und Leid." In einem Neujahrsbrief an die durch ihn gegründeten Schwestern finden wir denselben Gedanken. "Ich wünsche euch ein Jahr voll Streit und Überwindung, voll Kreuz Armut und Verachtung." Ohne Kreuz konnte Montfort nicht leben. Das Kreuz war für ihn der deutlichste Beweis des göttlichen Wohlgefallens an seiner Person und an seinem Apostolate. Einmal ging es außergewöhnlich gut in einer Mission; er hatte keine einzige Schwierigkeit. Der Heilige war deswegen ganz beunruhigt und wollte fortgehen. Aber sein Helfer überredete ihn zu bleiben. Da kam das wunderbare Wort über seine Lippen: "Kein Kreuz, was für ein Kreuz!"

Der liebe Gott befriedigte sein heißes Verlangen nach Leiden. Er schreibt an seine Schwester Luise: "Es lebe Jesus, es lebe sein Kreuz! Wenn du meine Kreuze und Verdemütigungen känntest, du würdest nicht so sehnüchtig verlangen, mich wiederzusehen. Denn ich gehe nirgendwo hin, ohne meinen besten Freunden ein Stück meines Kreuzes zu schenken und öfters gegen meinen und ihren Willen. Ein Schwarm Sünder und Sünden, die ich bekämpfe, lassen mir keine Ruhe; ich muß immer auf meiner Hut sein, immer in den Dornen, immer auf spitzen und scharfen Steinen! Ich bin wie ein Ball beim Spiel; hat man ihn auf eine Seite geworfen, dann schleudert man ihn auch wieder auf die andere zurück. So geht es mir seit dreizehn Jahren, seitdem ich St. Sulpice verließ. Das ist das Los eines armen Sünders."

Wundervoll ist seine Geduld in allen Widerwärtigkeiten. Während einer Mission wird er krank und hat schreckliche Schmerzen in den Gedärmen. Ein bösartiges Geschwür bringt sein Leben in Gefahr. Man bringt ihn ins Krankenhaus nach La Rochelle. Er ist glücklich, im Hause der Armen verbleiben zu dürfen, bedauert es aber, besser als andere behandelt zu werden. Er muß sich einer peinlichen Operation unterziehen, der eine lange, schmerzliche, verdemütigende Behandlung folgt. Der Heilige erträgt alles mit Freuden. Der Arzt staunt über seine Geduld. Wenn er den Kranken sondiert, und das täglich zweimal, tut dieser, als ob er nichts fühle, und nicht einmal ein Seufzer entschlüpft ihm. Wenn der Schmerz bis zum äußersten sich steigert, stimmt er eines seiner Lieder an: "Es lebe Jesus, es lebe sein Kreuz! Ist es nicht billig, daß wir ihn lieben?"

Dieselbe Geduld zeigte der Heilige bei Beleidigungen. Diese Geduld wurde ihm nicht leicht. Er gestand einem Mitarbeiter, M. des Bastières, daß es ihm immer mehr Mühe koste, seinen Zorn zu bezwingen, als alle seine anderen Leidenschaften zusammen. Welcher Heldenmut verbirgt sich nicht im Folgenden. Er will zum Schlusse der Mission in Poitiers 500 schlechte Bücher, die die Gläubigen ihm gebracht hatten, verbrennen. An dieser Stelle sollte dann das Kreuz aufgerichtet werden. Ohne daß er es wußte, stellten dumme oder ihm feindlich gesinnte Leute die Statue des Teufels auf den Brandhaufen. Ein Priester, der auf Montforts Erfolg eifersüchtig war, geht daraufhin zum Ordinariat und klagt Montfort an, daß er den Teufel verbrennen und so die Religion ins Lächerliche ziehen wolle. Der Generalvikar ist froh, endlich eine Gelegenheit zu finden, seiner Unzufriedenheit über Montfort Luft zu machen. Er läßt sich zur Kirche führen, wo Montfort predigt, er unterbricht den Missionar, verbietet ihm, die Bücher zu verbrennen und überschüttet ihn mit peinlichen Vorwürfen. Montfort kniet nieder, beugt das Haupt und sagt kein Wort. nachdem der Generalvikar fortgegangen war, sprach der Heilige zu seinen Zuhörern: "Brüder, wir waren im Begriffe, ein Kreuz auf dem Kirchenplatz aufzurichten. Wir wollen es in unserm Herzen aufrichten, dort steht es noch besser." Und er beginnt, den Rosenkranz vorzubeten.

Am Schlusse der Mission wählte er für das Hochamt als Diakon den Priester, der ihn beim Bischofe angeklagt hatte. "Ich bitte um Verzeihung, Brüder", sagte er in seiner Abschiedsrede, "für das Ärgernis, das ich gestern gegeben. Es war gewiß meine Schuld, obschon man den Vorgesetzten falsch benachrichtigt hatte."

Montfort wurde eines Tages von der bischöflichen Behörde von Nantes nach la Chevrollières gesandt. Der Pfarrer wollte ihn nicht empfangen. Jedoch wurde die Mission durchgesetzt, und das Volk kam stets zahlreicher, um den Missionr zu hören. An einem Tage erscheint der unwürdige Pfarrer in Rochette und Stola im Chor und redet also zu den Gläubigen. "Als euer Hirte, teure Pfarrkinder, sehe ich mich dazu verpflichtet, euch zu warnen, eure Zeit hier zu verlieren.Man lehrt euch nur leeres Geschwätz. Es wäre besser, ihr bliebet zu Hause, um eure täglichen Arbeiten zu verrichten. Ich rate euch dringend dazu." Montfort, der auf der Kanzel stand, hatte sich inzwischen gekniet und faltete die Hände. Als der Pfarrer ausgesprochen hatte, grüßte er ihn ehrfurchtsvoll, kam von der Kanzel und betete vor dem Altar das Te Deum, um Gott für diese Demütigung zu danken. Einige Tage später, es war in derselben Pfarrei, warten der Pastor, der Kaplan und einige Straßenbuben auf den Missonar. Als dieser aus der Kirche kam, schleuderten sie ihm kränkende Beleidigungen an den Kopf. Montfort bleibt ruhig und würdig stehen. "Meine Herren", so sagt er, "ich berufe mich auf den Richter über Leben und Tod in bezug auf alles, wessen ihr mich beschuldigt. Und ich bitte den Herrn, daß er aus euch allen Heilige mache."

Ehe er diesen Ort, wo er soviel gelitten hatte, verließ, verabschiedete er sich beim Herrn Pfarrer mit den Worten: "Hochwrüdiger Herr, mein ganzes Leben lang werde ich sicherlich für Sie beten. Ich bin Ihnen zu sehr verpflichtet, um Sie vergessenn zu können. Ich würde mich glücklich schätzen, Ihnen bei Gelegenheit einen Dienst erweisen zu können."

Ein Fräulein aus vornehmer Familie hatte sich einst sehr unehrerbietig in der Kirche betragen. Der Missionar scheute sich nicht, es öffentlich zurechtzuweisen. Zu Hause erzählte die so getadelte Person alles ihrer Mutter. Letztere kommt dann mit einem Stock in der Hand in die Kirche, und als Montfort das Gotteshaus verläßt, beschimpft sie ihn und versetzt ihm fünf bis sechs Stockschläge. "Gnädige Frau", sagt Montfort,"ich habe meine Pflicht getan, eure Tochter hätte dasselbe tun müssen."

In Nantes hatte er den Zorn einiger Knaben auf sich geladen. Diese bewerfen ihn mit Steinen und würden ihn getötet haben, wenn nicht Vorübergehende ihm zu Hilfe gekommen wären. Man wollte die jungen Rädelsführer strafen. "Gute Kinder sind es", sagt Montfort, "laßt sie nur gehen; sie sind mehr als ihr und ich zu beklagen."

Einst predigte er im Freien. Einige riefen ihm schimpfend zu: "Das ist der Geck von Montfort, der also deklamiert." Die Anhänger des Missionars wollten die Beleidigung rächen. Jedoch verstand es Montfort, sie zu beruhigen, indem er eines seiner geistlichen Lieder anstimmte, nämlich: "Gott sei gesegnet."

(Fortsetzung folgt)


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell