Aus dem Immaculata-Archiv:


Marianischer Atlaß
von
Anfang und Ursprung
Zwölffhundert Wunderthätiger
Maria-Bilder.

Beschriben in Latein
Von
R.P. GUILIELMO GUMPPENBERG:
Anjetzo
Durch R.P. MAXIMILIANUM
WARTENBERG in das Teutsch versetzt /
beede der Societet JESU.

Erster Theil.

Cum Gratia & Privilegio Sacr: Caesar: Majesta speciali.

 

München /
In Verlegung Johann Hermann von

Gelder / Chur-Fürstl. Hof-Buchhandlern.

Gedruckt bey Sebastian Rauch.
Im Jahr Christi 1673.


DEDICATIO.

Großmächtigiste
Königin
Himmels und der Erden,
Gnädigste Frau.

Es ist je und allezeit gewiß gewesen, daß Mariae die Ehr zugehört und eigen ist, welche die blinde Heyden, erstlich einem Berg, endlich einem Abgott, mit Namen Atlaß, gegeben, deme sie zugeschriben und gedanckt, daß der Himmel nit einfalle, und die Welt zerknirsche, als ob er der jenige wäre, der mit seinen Schulteren den fallenden Himmel mit allen Sternen auffhalte.

Aber, O Maria, dir gehören dise und noch grössere Ehren zu, indeme du sovil deiner heiligen Wunderthätigen Bilder in die Christliche Welt hin und wider, als Stützen und Saulen, gesetzt, von welchen der Himmel understützt wird, daß er die Welt nit vertilge. Daß dein lieber Sohn die Welt nit öffter und schärffer gestrafft, schreiben wir zu deiner Gütigkeit, massen du deinem Sohn, Pfeil, Lantzen, und Feur-Strahlen schon mehrmalen gantz lieblich auß den Händen gerißen, die auff uns sündige Menschen solten loß gehen. Ond damit du uns zur Besserung und Bekehrung bringest, überhäuffest du alle Catholische Länder mit wunder-grossen Gutthaten bey deinen heiligen Bilderen. Weil nun dises nit also bekannt, wie es dir ruhmlich und uns ersprießlich ist, also hab ich mich bemüht auß aller Catholischen Welt zusammen zubringen diser heiligen Wunderthätigen Bilder, so vil mir möglich gewesen, deren zwölffhundert mit ihrem Orsprung, oder sonst andern Anfang, hab ich in Latein für alle Länder das vorige 1672. jahr verfertiget, und anjetzo ins Teutsch übersetzen lassen, auff daß ich die auffgehäuffte Zinß meiner grossen Schulden in etwas bezahle, in dem ich in disem Buch im Sinn habe zu erweisen, daß an allen Orten deß wahren Catholischen Römischen Glaubens vil tausend Gottselige Menschen gelebt, die dich in deinen heiligen Wunderthätigen Bildern verehret, und von dir Himmlische grosse und wunderliche Gnaden empfangen haben, daß nemblich der Himmel die Welt nit vertilget habe, und die Welt mit Krieg, Kranckheit und Hunger seye vernichtet worden, und letztlich, daß dein heiliger Namen von Auffgang biß zum Nidergang der Sonnen seye geliebt und gelobt worden. Derowegen dann mache mich würdig, O Großmächtigste Königin, deinen Namen zu loben, stärcke mein Wenigkeit, regiere mein Feder, und verleyhe, daß dise mein Arbeit dein Ehr befürdere, daß ich auff das wenigist mit diser Weiß etwas von meinen Schulden bezahle, so ich in dreyen Loret-Kirchen wegen empfangner Gnaden gemacht, erstlich im Jahr 1632. und im Jahr 1665 zu Loret im Welschland, alsdann im Jahr 1643. zu Regenspurg im Bayrland, endlich im Jahr 1647. zu Fryburg im Üchtland, welche zwey letztern Loret-Kirchlein, so vil ich waiß, nach aller Proportion und Maß, dem H. Hauß zu Loret seynd nachgebauet worden.

Vorred.

Allweiln dise Übersetzung in die Teutsche Sprach für die jenige angesehen, so deß Lateins unverfahren, also ist peritia libri oder Gebrauch dises Buches, so allein für die Prediger und andere Gelehrte angesehen, wie auch andere weitläuffige Register, so ich in dem Lateinischen nach allem Fleiß beygesetzt, allhie außgelassen worden, damit das Werck nit zu groß werde. Sonsten hab ich mich zuerfreuen, daß die Himmel-Königin Maria R. P. Maximilianum Wartenberg in seinem hohen Alter zu diser Arbeit erwählet, die er fürwahr vil besser verrichtet, als ichs hätte vermögt, vergunne jhme derowegen gar gern den vorbehaltenen Lohn deß Fruchts, so auß diser Übersetzung wird entspringen. Im übrigen hat der Leser, an Grund und Warheit diser Historien, nicht Ursach zu zweiflen, weilne ich sie mit grosser Sorg und zwaintzig Jähriger Arbeit auß allen Orten der Catholischen Welt zusammgebracht, wie ich dann in dem Lateinischen Exemplar die jenige Personen nenne, durch welche sie mir seyn Briefflich zugeschriben worden, auß den darzu angestellten Kirchlichen Processen, wo nichts gedrucktes oder geschribens in den Archiven ist gefunden worden, wie ich dann alle Brieffliche Urkunden der wichtigern Sachen noch bey Handen habe. Im fall peritia libri oder der Gebrauch dises Buchs, so gleichwol nur allein für die Prediger von mir ist vermaint worden, so hoch verlangt wurde, mag sie wol auch in ein sunders Tractätl in Teutsch übersetzt werden. Wer glaubt, daß bey den Catholischen Wunderthätige Mariae-Bilder zufinden, der glaubt, daß der Catholische Römische Glauben der wahre und allein seligmachende Glauben seye, weiln GOtt kein Unwarheit mit Wunderzeichen als seinem Sigl und Pettschafft (wie es Welt-kündig) bekräfftiget. Welcher aber vermaint, daß keine Wunderthätige Mariae-Bilder bey den Catholischen zufinden, bey welchen Gott durch Vorbitt Mariae wunderliche Gnaden verleyhe, der glaubet zugleich daß sovil hundert tausend, ja so vil Million der Catholischen, so vil hundert Jahr heroalle eintweders betrogen haben, oder betrogen seyen worden, der also glaubt, der frage bey weisen Leuten nach, was sie von jhme und seinem Urtheil halten.

Under andern Nutzbarkeiten dises Buchs ist nit die wenigste, die ich verlange, daß die Bethrisige Krancken alle Tag in ein anders Land raisen, und Kirchfahrt anstellen, auß abgelesner Histori jhnen einbilden an selbigem Ort zu seyn, und jhr Andacht zuverrichten, als ob sie dahin gewallet, und Pilgrams weiß geraiset wären, ihre Schmertzen als Ungelegenheiten deß Weegs Mariae auffopffern, und das vorbringen, was sie den Willen GOttes nach verlangen solle, wie ich hoffe, dise Andach tihren Frucht wol finden. Die Bilder hab ich in guter Ordnung beyeinander, weil es aber die Erfahrung gibt, daß so gern sie der Leser sihet, so ungern der Kauffer bezahlet, haben die Buchführer keinen Lust darzu. Endlich bitte ich den Leser, daß er (wann er etwa auß diesem meinem Buch wird ein Frucht empfangen) Mariam für mich bitten wole, daß ich lebe, nit als ich, sundern in mir lebe MARIA.


PRIVILEGIUM.

Wir Leopold von Gottes Gnaden Erwählter Römischer Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer deß Reichs, in Germanien, zu Hungarn, Böheimb, Dalmatien, Croatien, und Sclavonien, König, etc. Ertz-Hertzog zu Oesterreich, Hetzog zu Burgund, Steyer, Kärnden, Crain, und Würtemberg, Graf zu Tyrol und Görtz.

Bekennen offentlich mit disem Brieff, und thun kund allermänniglich, daß Uns Unser getreuer lieber Johann Hermann von Gelder, Buchhandler in München, in Underthänigkeit zuvernemmen gegeben, was gestalten er mit sunderbarem Fleiß, Mühe und Unkosten einen Tractat under dem Titul Marianischer Atlaß, von Anfang und Ursprung zwölffhundert Wunderthätiger Mariae-Bilder (vorhero in Latein beschriben von P. Guilielmo Gumppenberg anietzo aber durch P. Maximilianum Wartenberg, beeder der Societet Jesu, in Teutscher Sprach versetzet) nicht ohne grosses Wolgefallen und Nutzen in Druck an Tag zubringen entschlossen seye: aber in Sorgen stehen müßte, daß ihme solches Buch von Eigennutzigen Leuten nachgedrucket, ohnd er dardurch in Schaden gebracht werden möchte, mit underthänigster Bitt, Wir jhme zu sollchem End, und, damit von Niemand solches Buch jnner den nechtsten zehen Jahren jhme nachgedruck werde, Unser Kaiserlich Privilegium impressorium zuertheilen, Gnädigist geruheten. Wann Wir dann gnädiglich angesehen, jetzt angedeute gantz billichen Bitt, so haben Wir demselben die Gnad gethan, und Freyheit gegeben. Thun auch solches hiermit in Krafft dises Brieffs, also und dergestalt, daß er Johann Hermann von Gelder solches Buch, Marianischer Atlaß genannt, in offenen Druck außgehen, hin- und wider außgeben, fail haben und verkauffen lassen, auch jhme solches Niemand ohne seinen Consens und Wissen innerhalb zehen Jahren, von dato diß Brieffs an zurechnen, im Heil: Röm: Reich, und Unsern Erb-Königreich, Fürstenthumb und Landen nachdrucken und verkaufen lassen sollte. Und gebieten darauff Allen und Jeden Unsern und deß Heil: Reichs: auch Unserer Erb-Königreich, Fürstenthumb und Land Underthanen und Getreuen, jnsunderheit aber allen Buchdruckern, Buchführern und Buchverkauffern, bey Vermeydung zehen Marck Löthiges Golds, die ein Jeder, so offt er freventlich hierwider thäte, Uns halb in Unser Kaiserl: Kammer, und den anderen halben Theil vilgemeldtem Johann Hermann von Gelder, oder seinen Erben, unnachläßlich zubezahlen verfallen seyn solle, hiermit Ernstlich, und wollen, daß ihr, noch einiger auß euch, selbst, oder jemand von eurentwegen, obangeregten Marianischen Atlaß innerhalb der obbestimbten zehen Jahren nie nachdrucket, noch auch also nachgedruckter diestrahiret fail habet, umbtraget oder verkauffet, noch auch, anderen zuthun, gestattet, in keiner Weiß, alles bey Vermeydung Unser Kaiserlichen Ungnad, und Verliehrung desselben eueres Drucks, den vilgemeldter Johann Hermann von Gelder, oder seine Erben, auch deren Befelchshaber, mit Hülff und Zuthun eines jeden Orts Obrigkeit, wo sie dergleichen bey euer jedem finden werden, also gleich auß eigenem Gewalt ohne Verhinderung männiglichs zu sich nemmen, und damit nach ihrem Gefallen handlen und thun mögen. Jedoch solle mehrbemeldter Johann Hermann von Gelder schuldig seyn, von disem Buch auff seinen Unkosten bey Verlust diser Unserer Kaiserlichen Freyheit vier Exemplar zu Unserer Kaiserl: Reichs-Hof-Cantzley zuübersenden, und dises Privilegium jedem Buch vorandrucken zu lassen. Mit Urkund diß Brieffs, besigelt mit Unserm Kaiserlichen auffgedruckten Secret Insigel, der geben ist in Unserer Statt Wienn, den sechsundzwaintzigsten Novembris, Anno Sechzehenhundert zwey und sibentzig, Unserer Reiche, deß Römischen im Funffzehenden deß Hungarischen im Achtzehenden, und deß Böheimbischen im Sibenzehenden.

Leopoldus.

(L.S.)

V. Leopold Wilhelm Graf
zu Könnigseck.

Ad Mandatum Sacrae Caesareae
Majestatis proprium.

Wilhelm Schröder.


A P P R O B A T I O

Ego Georgius Muglinus Societatis JESU per Superiorem Germaniam Praepositus Provincialis, pro potestate, à P.N. Joanne Paulo Oliva universae Societatis JESU Praeposito Generali, acceptâ, Joanni Hermanno à Gelder Bibliopolae Electorali, circa ATLANTEM MARIANUM à P. Guilielmo Gumppenberg Latino idiomate conscriptum, nunc à P. Maximiliano Wartenberg Germanicè redditum, utroque è Societate JESU, concedo Jus Caesarei Privilegii usurpandi, quô Typographis & Bibliopolis omnibus facultas adimitur, vulgatos à Societatis JESU Patribus libros, sine Superiorum consensu, imprimendi, recudendi, aut intra fines S. R. Imperii importandi, & importatos distrahendi. Datam facultatem, quam de unâ impressione intelligo, manu meâ, & officii sigillo firmavi. Monachii I. Aprilis 1673.

(L.S.)

GEORGIUS MUGLINUS:


I.
Wunderthätiges
Unser lieben Frauen Bild von Loret,
Zu Loret in Welschland.

Schlecht werden geduncken alle Wunderwerck der Egyptischen Baumaister, ja alles, was mit sambt dem Babylonischen Thurn die mühsame Welt von Maurwerck auffgeführet, da man der Nazaretanischen Behausung zu red wird. Massen sie dann schon vor sibenzehenhundert und mehr Jahren, in Erbschafft an den H. Joachim kommen; wie lang sie zuvor erbauet worden, sol ich nicht sagen. Gewiß ists, daß nicht überwisen kunde werden, welcher vorgebe, sie wäre das älteste under allen Häusern der gantzen Welt. Allhie suchten und besuchen die Himmlischen Schätz die andächtigen Christen, als ob sie von JEsu und Maria auß aller Welt hierzu gezogen wurden, gleich wie die jrdischen Magnetstein von den zween Himmlischen Haupt-Sternen, keiner andern Ursach halber, als damit ihr Hertz bey jhrem Schatz JEsu und Maria wäre.

Gabriel, einer auß den siben, so vor dem Angesicht GOttes stehen, und dises Hauses Gerhab und Vormunder, wolte der Mahometanischen Untreu so benannte Schatz-Kammer nicht länger vertrauen, weil sie die frommen Pilger wegen jhres Glaubens mit dem Tod belohneten. Derowegen sie von Abführung diser Kirchen (dann schon längst die H. Apostel dises heilige Hauß in ein Kirchen verändert) ein Gedancken gefasset, So ware diser wichtige Gedancken nicht so verborgen, daß jhne nicht entdeckt und gespürt haben die andere Himmlische Geister, welchen von GOtt die vornembste Thail deß Erdkraiß anbefohlen seyn. Dahero dann under jhnen ein Streit, doch in aller Freundschafft entstanden. Ein jeder der vier Theilen der Welt verorneter Beschützer begunte disen Schatz an sich zuziehen, seynd doch letztlich alle wegen der Beständigkeit deß Glaubens Europae gewichen. So ist aber auch ein Streit under den Engeln, der Europeischen Ländern entstanden. Franckreich wolte vorgehen, als das erstgebohrne Reich der Kirchen. Hispania, als das Catholische hat nicht gehofft, sunder geglaubt, es wurden die Engel darinn jhr Schuldigkeit thun, da sie die heilige Behausung in Hispanien wurden vertragen, sunderlich, weilen das Reich einen wolberedten Advocaten hätte, so auch der Frauen dises hauses nicht unbekandt, ja auch mit Siptschafft zugethan, den heiligen Jacobum, und zwar den Grösseren, als der jhr, da sie noch bey Leben, ein Bild auffgesetzt zu Caesar-Augusta, so biß auff dise Zeit jhr angenemb, und dem Königreich rühmlich ist. Das Römische Reich hat vorgewendet die mächtige Reichthum, und reiche Macht deß grossen Teutschlands, und Fürstliche Ehren, so von Altershero wider anderer Nationen Gewonheit, die Bischöff geniessen, hat auch nit verschwigen die Andacht, mit der die Teutschen der Mutter Gottes Kindlich und Hertzlich zugethan seyn. Das Welschland aber, umb daß sich darinn das Haupt der Christenheit befindet, hats endtlich erhalten.

Derowegen ist das heilige Hauß mittels der Englischen Händ (dann also ware befohlen, daß sie es solten auff den Händen tragen, auff daß kein Stain verletzt wurde) von den Grund-Mauren Winckelrecht abgerichtet, in einer Nacht bey fünffhundert Teutscher Meilen über Wasser und Land in Dalmatien getragen, bey der Statt Tersact, nit weit von dem Meer nidergelassen worden.

Sihe da das reicheste, und mit allen Schätzen beladneste Schiff, so die Welt jmmer gesehen, weit glückseliger, als die Arch, so dem Sündfluß entrunnen, als welche mehr den unvernünfftigen Thieren, wie es sich ansehen laßt, als dem Menschen zu Nutz verordnet worden. Es ist angestrommet (Act. 27.) ein Schiff, damit die Menschen erhalten wurden. Es solte (Jonae 3.) zu Grund gehen ein Mensch, damit das Schiff erhalten wurde, hie wird das Schiff erhalten, damit die Menschen nicht zu Grund giengen.

So ist auch kain Abgang deß Maßbaums, und deß Segels, allweilen das Creutz verhanden, nicht auß dem Holtz der schädlichen Wissenschafft sunder deß Lebens, und der Frauen Mantel, besser dann tausend Segel außgespannt ist. Der Rueder bedarff man nicht, allweilen es fliegt: ja was mehr ist, so ist es nicht durch Wind, wie andere Schiff, getriben worden, massen es durch jenen Geist fortebracht, welcher allzeit der Welt zu Nutz ob dem Wasser schwebet, auch keinen andern Grund-Haggen nicht gehabt als Mariam deß Schiffs Frau, als welche aller Hoffnung Grund-Haggen und Ancker ist.

Ich vermeine, es seye das erste Schiff, welches, ob es schon auß Stain gebauet, doch nicht schwancket, nicht genetzt worden, nicht dem Grund zugesuncken ist, ja damit niemand zweiffelte, daß es in Warheit ein Schiff seye, hat es von dem Nazaretanischen Gestadt abgestossen, und ist in den Port zu Tersact angefahren, und zugelendet. Diß ist die Schiff-Armee der Kirchen, welche, gleich wie sie gnug hat anzwey Schwerdteren für ein Armee zu Land, also begehrt sie nicht mehr als 2. Schiff für ein Armee zu Wasser, nemblich das Schiff Petri von Bethsaida, und das Schiff Mariae von Nazaret, in disem ist die Mutter, in jenem der Sohn gefahren. Bayde seglen in die Höhe deß Meers, bayde führen Menschen-Fischer, dises die heilige Engel, jenes die Apostel, so den heiligen Englen gleich seynd. beyde werffen das Netz auff die rechte Hand zu dem Fischzug, doch mit disem Underschid, daß jenes Petri, zwar grosse, jedoch nur hundert und drey und fünffzig, dises aber Mariae überauß grosse, und unzahlbare Fisch einschießt und sahet, jenes auch lebendige Fisch sahet, jhnen das Leben zu nemmen, dises aber den Abgestandnen und Todten nachstrebet, jhnen das verlohrne Leben zu geben.

Es hat dises heilige Hauß, wiewol viermal versetzt, doch nie weit von dem Meer sich niderlassen können, weil es ein Schiff ist; und zwar allzeit an dem Ufer deß Adriatischen Meers, unbeobachtet das grosse, und das wilde Meere.

Es ware dazumal Graf Niclas Frangipani zu Tersact. Diser, nach Ankunfft und Erkandtnus deß heiligen Hauses, hat alsobald bewährte Männer in das heilige Land abgesandt, umb zu ersehen den Grund der Mauren, und der Warheit. Und also erworben, zu ewigen Zeiten für den ersten Gutthäter dises heiligen Hauses gehalten zu werden, und ist eben umb dieselbe Zeit zu höheren Aemptern erhebt worden, massen er von Rudolpho Grafen von Habspurg nunmehr zwölffer Kaiser Vatter, und schon dazumal Römischem Kaiser den Dalmatischen und Windischen Landen, ist vorgestezt worden. Rudolfphus als noch Graf, hätte neulich der Jungfrauen Sohn ein Pferdt verehrt, für welches jhme die Jungfrau ihr Hauß, der Sohn des Römische Reich (wie man wünschte und hofft) biß ans End der Welt geschenckt, und verordnet, daß forthin die Römische Adler solten in Oesterreich erzeugt werden, massen es dann schon bey vierdthalb-hundert Jahren beschehen, jegliches Jahr der andächtigen Beherbrigung deß heiligen Hauses in Oesterreichischen Landen, jetzt schon belohnet mit hundert Jahren deß Kaiserthums, wie dann im sechsten Monat nach dreyjähriger Beharrung in obgemeldten Windischen Landen bey Tersact ist das heilige Hauß in dem Jahr Christi 1294. den 28. Novemb. oder wie glaublicher, den 10. December in Welschland getragen worden in einen sehr ungeheuren Wald der Statt Recanat, ob schon die Frau dises Walds jhren Namen von den anmutigen Loreten hätte, und Laureta genannt ware. Da ware zu sehen die Lilgen under den Dörnern, und wie der Ceder deß Bergs Libani sich besprachete mit den Distlen deß Welschlands. Ja es ware zu sehen ein Paradeiß, in welchem nicht ein böser Engel mit einer nicht vil bessern Jungfrau, sundern ein guter Engel mit der Heiligisten, nicht von der Welt Undergang, sunder von der Erlösung sich underredte. In beyden Paradeisen ists ein Adam, und ein Eva die vornehmbsten under allen Menschen, GOtt und ein Engel, ja auch der heilige Geist, aber mit grossem Underschid.

Es laßt sich ansehen, als ob deß unmenschlichen Waldmanns (von dem der H. Hieronymus schreibt) Kinder und Kinds-Kinder in disem Wald vernommen hätten, daß GOtt auch für die Menschen seye Mensch worden, welche in etwas den wilden Thieren gleich seyen.

Es wäre, wie ich vermaine, das heilige Hauß länger an disem Ort verharret, und stunde villeicht noch da, wann nicht Gabriel beobachtet hätte, daß er allhier ein ungelegnern Platz erkisen, als er zu Nazaret verlassen hatte. Massen alldorten die Christen von den Türcken, hie aber von den Christen gantz jämmerlich ermordet worden. Weil er dann sehen müßte, daß die Pilgramen den Tod fanden, wo sie das Leben gesuecht, hat er zu dem Drittenmal das Kirchlein in ein schöttes Feld auff ein klaines Bühelein vertragen. Aber gleich wie in dem Wald kain Sicherheit gewesen under den unmenschlichen Mördern, also ist auff disem Bühelein auch so gar die Brüderliche Lieb nicht gefunden worden, dann in deme die zween Brüder, als Grund-Herren, das geopfferte Gelt onrecht der Kirchen entzogen, und noch ungerechter miteinander gethailet, hat es wenig gefehlet, daß nicht ein Bruder-Mord wäre erfolget. Deßwegen dann Gabriel auch ab disem Ort ein Verdruß empfunden, und das Kirchlein zum Vierdtenmal erhebt, und auff die offne Land-Straß nidergelassen, auff daß alle Welt dises Schatzes geniessen könde, an deme zu vor nicht zween sich begnügen wollten. Hier stehet es noch heutigen Tags an Wunderwercken köstlicher, als an Stainen, weilen GOtt sein Behausung noch bewohnet.

Eins ist, daß ich (sovil mir bewußt) vor andern nicht ohne Gehaimbnus vermercket, daß fast eben so weit seye von Loret nach Rom, (allwo die Krippen JEsu auffbehalten wird) als weit ist von Nazareth nach Bethlehem.


2.
Unser lieben Frauen Bild
S. MARIA MAIOR,
Zu Rom in Welschland.

Johannes ein Geschlechter und Raths-Herr zu Rom, vermainte sehr unglückselig, und von dem hohen GOtt wenig bedenckt zu seyn, umb daß sein Ehegemahl unfruchtbar wäre, und er ohne Erben müßte von dannen schaiden, und wüßte doch nit, wiewol es GOtt, und sein liebe Mutter mit jhme maynten.

Er war in grossem Ansehen, theils wegen seines Adelichen, uhralten, und wol hergebrachten Geschlechts, und grossen Reichthumben, theils auch wegen der Rath-Stell, so auß den höchsten Würden eine zu Rom ware. Bey dem allem behertzigte er offt sein Unglück, welches, wie gesagt, allain in dem stunde, daß kain Erb verhanden wäre, welchem, was der Vatter in Ehren überkommen, möchte hinderlassen werden. So hat es auch an dem Gebett nit ermanglet, deßwegen besuchte er offt manche Kirchen, und überkame von jhme mancher armer Bettler ein reiches Almosen, aber alles umbsonst. Nemblich der allmächtige GOtt erhöret uns Menschen nit, wann wir weniger begehren, als er uns gesinnt ist zu geben. Biß letztlich die unverbesserliche Unfruchtbarkeit, und sein nunmehr anbrechendes Alter jhne ermahnet, seinen Sinn anderstwohin zu wenden, und sein Gebett zu verändern, welches er dann auch gethan, massen er schon ein geraume Zeit sich gebührender massen von seiner Frauen abgesundert, die Mutter GOttes nicht mehr umb einen Erben ersucht, sunder sie selbsten für sein Erben verordnet. Begehrte derowegen allein zu wissen jhren endtlichen Willen, wie mit seiner beraiten Paarschafft, jhr etwas gefälliges möchte gericht werden. Sehr wol gefiehle der Himmels-Königin die höfliche und liebreiche Verehrung, hat sich auch gewürdiget die anerbottne Erbschafft anzutretten, und mittelst diser Verlassenschafft ein Hauß in der Statt Rom zu erbauen. Dann ob schon Maria zu Rom an schönen, und jhr zugehörigen Kirchen der Zeit, wie wir glauben, keinen Abgang hätte, ist doch glaublich, sie wereden zu klein gewest seyn, allweilen sie ein grössere, und der Römische Andacht gemesse Kirchen begehrte, und zwar mit solchem Eyfer, daß sie sich gewürdiget, den Grund-Riß übernatürlicher Weiß selbsten in dem Himmel zu zaichnen. Zu welchem sie weder Kolen noch Kreiden brauchen wollen (als die von der höllischen Kolen, wie auch von aller jrdischen Kreiden groß Abscheuen tragt) sunder den rainen Schnee, welcher, als er nach jhrem Befelch von den heiligen Englen auff übernatrüliche weiß also ist verfertiget worden, daß er sich auch im Augstmonat vor der hitzigen Sonnen dörffte sehen lassen, nach dem er auch in solchem Umbkraiß in dem Lufft gelegt worden, welchen die erwünschte Kirchen haben solte, ist er, wie die ringe Woolen ohne Verhinderung ainiges Luffts auff den verordneten Platz deß Bergs Esquilini herab gefallen, und so lang gebliben biß die grosse Statt Rom kundte jnnen werden, zu was End solches Wunder wäre verordnet worden.

Lage derowegen der gefallne Schnee den fünfften Augusti zu Morgens in der Form deß jenigen Umbkraiß, welche die Kirchen nach Willen Mariae, und Lehr der Bau-Kunst haben solte. Und damit dessen die Römische Burgerschafft nicht unwissend wäre, hat sie selbsten Liberium den Papst, und Johannem im Schlaff außführlich berichtet, wie daß jhr Willen wäre, daß mit gemeltes Johannis beraiten Gelt-Mittlen an dem Ort jhr ein Kirche erbaut wurde, wo sie selbst den Grund mit Schnee umbzeichnet hätte.

Kaum ist Johannes erwacht, wird er auß dem Zulauff deß Böfels verständiget, wo der Schnee gefallen wäre, verfügt sich dann voller Freuden unversaumbt zu Ihr Heiligkeit, welche dann auch nach vernommenen gefallnen Schnee, und sehr weiß außgelegten Traum Johannis, als umb sovil lieber bekräfftigt, weil auch jhme gleichfalls im Traum eben von diser Kirchen die Mutter GOttes völligen Bericht gegeben. Ist derowegen eylfertig in angestellter Procession Jhr Heiligkeit auff den Berg Esquilinum kommen, das mit Verwunderung zusammen geloffne Volck, nach völligem Bericht zur Andacht und Zuversicht gegen Maria ermahnet, und mit selbs aignen Händen den Grab-Zeug ergriffen, dem ersten Stain in disem von Himmel verordneten Gotts-Hauß, Ort zu machen. Johannes hat mit Hülff seiner Gelt-Mittel solche Anordnung gethan, daß in kurtzer zeit ein Kirchen gestanden, in welcher das Römische Volck die Mutter Gottes mit grösserer Andacht verehrte, als zuvor beschehen. Manglete auch der Kirchen nichts mehr, als ein Maria-Bild, in welchem Maria jhr gebührende Ehr möchte empfangen.

Eines ware verhanden, so von St. Luca dem Evangelisten gefaßt, und von S. Helena, wie geglaubt wird, mit andern Heilthumben von Jerusalem nacher Rom gebracht, welches die Romanische Päpst in der Capell Sancta Sanctorum genandt, under andern Heilthumben von Alters her in grossen Ehren auffbehalten haben. diß hat Liberius in die neu erbaute Kirchen verordnet, und mit grosser Solemnität getragen, worvon es biß auff heutigen Tag ohne sehr wüchtige Ursach niemalen ist anderstwohin getragen worden.

Nicht kan ich umbgehen zuerthailen, was die Mutter GOttes für Beweiß jhrer Barmhertzigkeit auch gegen den grösten Sündern in diser Kirchen gethan. Im Jahr Christi 643. als der Gottlose Kaiser Constantinus den Pabsten zu Rom wolte todt haben, als der sich seinem Gottlosen Vorhaben jederzeit widersetzte, hat er solchen Mord einem, so vor andern zu solcher That tauglich, anbefohlen, welcher die grausame That ins Werck zusetzen, dise Kirchen erwählet. Allhie wolte er den Papst entleiben, allwo wegen deß unzehlichen Volcks nichts unleicht wäre allen Befelchs-Haberen, die etwann auff jhne bestellt wären, zuentkommen. Und zwar vor disem Mariae-Bild, in deme jhme der Papst die heilige Communion raichen wurde. Alsdann wäre ein Stoß mit ainer kurtzen Wöhr zu thun, der nicht wol fählen solte. Nun hätte so grausames und ungeheures Vornehmmen wol verdient von dem hohen Himmel herab mit Klapff und Donner verhindert zu werden, ists aber von der Mutter der Barmhertzigkeit anders nicht gestrafft worden, als daß der Bößwicht nach langem suchen die Person deß Papsten nie erfinden, und ersehen können, welches dann jhme dem Thäter selbsten also zu Hertzen gangen, daß er solches frey herauß, und unbefragt Ihr Heyligkeit bekennt, welches dann auch zu Ehren seiner Erlöserin dem Thäter von Hertzen verzyhen, er von seiner Sünd absolviert, und ohne weitere leibliche und greuliche Straff gantz frey entlassen.

Eben diß ist das jenige Mariae-Bild, welchem die heilige Engel Ehr haben erzaigt. dann da es Papst Gregorius der Grosse genandt, in deme die laidige Sucht der Pestilentz die Statt Rom verwüstete, in den Oster-Feyrtägen mit völliger Procession von diser Kirchen, über die Tiber in St. Peters Kirchen beglaitet hat, und nunmehr auff die Tiber-Brucken kommen, haben auff der Begräbnus deß Römischen Kaysers Adriani, oder auff der Engel-Burg die HH. Engel mit verständtlichen Worten das Lob Mariae gesungen, die Wort deß Gesangs waren dise: O Himmels-Königin erfreue dich, dann: Der, so du würdig bist gewesen zu tragen, ist aufferstanden, wie er vorgesagt. Darauff alsbald Papst Gregorius mit heller Stimm Gsang-weiß hinzugesetzt, Bitt Gott für uns. Welche Wort dann hernach zu ewiger Gedächtnus seynd in die Priesterliche Tagzeiten einverleibt worden, und werden täglich die Oesterliche Zeit hindurch gesprochen. Zu dem ist auch gesehen worden, daß der Engel, das über die Statt Rom gezuckte Schwerdt zum Zeichen deß gelinderten Zorns GOttes abgewendet und eingesteckt, wie dann die laydige Sucht gleich dazumahl ein End genommen, und niemand mehr daran Tods verblichen. Dessen zum Angedencken ists dem heiligen Michael auff dem Gipffel gemelter Kayserlichen Begräbnuß ein kleine Kirchen (in den Wolcken, wegen ihrer Höhe genennt) erbaut worden, und ob schon das Kirchlein hernach wegen der Vestung ist abgetragen worden; ist doch zur Gedächtnus auff den hohen Mast-Baum ein von Metall vergulter Engel gesetzt worden. Darvon die Vestung, und die Brucken heut den Namen geschöpfft, und dise die Engel-Brucken, jene die Engel-Burg genennt wird.

Der heilige Franciscus Borgia vor Zeiten Hertzog in Gandien, hernach der dritte General der Societät JEsu, ist der erste gewesen, welcher von Päpstlicher Heiligkeit die Gnad erhalten, diß Maria-Bild abzuzaichnen, so er dann durchd die vornembste Maister thun lassen, hernach auch verschafft in alle Form und Grösse, wie auch von allerhand Materi und Kunst zu formieren, und in alle Christenheit außzuthailen, wie es dann nun in allen Länderen mehr, als villeicht kein anders Bild, bekandt ist.

So erstreckt sich auch Mariae Barmhertzigkeit so weit, daß deren Bildern nicht wenig auch von Wunder-Zaichen benannt seynd. Gewißlich das Mariae-Bild, so zu Ingolstatt in der Convictorum Colloquio verehrt wird, neben dem, daß man glaubwürdig darfür halt, es habe mehrmalen geredt, seynd nicht wenig der Mainung, es köndte ein jeder, so vor disem Bild andächtig sich der Mutter GOttes befilcht, leichtlich in seinem Hertzen empfinden, und verstehen, in was Stand jhn der Allmächtige GOtt wölle selig machen.


3.
Unser lieben Frauen Bild
Zu VILLA-VITIOSA,
In Spanien.

In ainer Portugesischen Statt Villa-Vitiosa genannt, in dem man, weiß nicht was zu erbauen, in die Erden gegraben, hat sich unversehens ein gewaltiger Liecht-Glantz, mit sambt einem unbekandten guten Geruch also starck spüren lassen, daß ainer auß den Arbeitern gantz ohnmächtig zu Boden gesuncken, und für halb todt nach Hauß getragen worden. Alsbald ist die hohe Geistliche Obrigkeit von denen, so zu gegen waren, verständiget worden, es müsse unfehlbar an dem Ort etwas heiliges begraben ligen, welches nicht wolte von ungeweichten Händen berührt werden, deßwegen dann gleich ein Zulauff von aller Stands-Personen verursacht worden, und ist von männiglich der Liecht-Glantz auß der Erden gesehen, und der liebliche Geruch gespühret worden, darauff wurde einer auß den Arbeitern befelcht mit Andacht und Ehrenbietigkeit auff das glimpflicheste fortzugraben. Diser ist alsbald auff ain bleyene, und mit Bech überrennte Truhen kommen, in welcher gefunden worden ein überauß schönes geschnitzletes Mariae-Bild, ungefährlich ein Spann lang. Gleich hat das beywesende Volck ein Stuck Gelts dargeraicht, ein Kirchlein zu erbauen, und der Zulauff deß andächtigen Volcks auch gemehret, umb daß alle Anligen deß Leibs und der Seelen allhier bey disem H. Bild Hülff und Rath funden.

Nun diese grosse Andacht, nit anderst, als die grosse Wind pflegen, hat nicht über lang nachgelassen, und letztlich gantz in Abgang kommen, also daß das Kirchlein öd gestanden, so weit, daß es doch die andächtige Hirten zu Zeiten besuchten. Deren ainer Ferdinand mit Namen, auß Castilia gebürtig, ein andächtiger Spanier, dem Bild ein Ehr angethan wider die Gewonheit der Armen, massen er auß dem Oel, welches jhme der Maß nach an statt seines verdienten Lid-Lohns worden ist, ein brinnende Ampel vor dem heiligen Bild erhalten. Nicht lang hernach, als er sich auß Portugal in Spanien seinem Vatterland, ainem Herrn das Vich zu hüten, verdingt, hat er sich zugleich entschlossen das H. Bild mit sich zu nemmen, erhebt derowegen dasselbig mit gebührender Ehrenbietigkeit von dem Altar, legt es fein sauber und sicher in sein Hirten-Sack, und macht sich auff gegen Corduba, allda er in die Revier Gamoneras bey seiner Vich-Weyd einen alten Stock von Schwammen-Holtz also außgehölert, daß dem H. Bild ein gelegnes Ort gemacht worden. Da hätte nun der fromme Hirt Ferdinand sein Kirchen, ja seinen Himmel. Allda nach vollendetem Gebett sange er den gantzen Tag knyend, sitzend, stehend, alles was er von andächtigen Liedern wußte, und weilen er etwas wenigs die kleine Geigen wußte zu brauchen, hat er auch mit derselben auffs beste zugestimbt, und auch andere seine Gespanen herzu gezogen. Diß hat nicht also in der Stille verbleiben mögen, daß nicht die Portugeser jhr verlohrnes Mariae-Bild in Obacht genommen, und ohn grosse Beschwärnus das Bild mit sambt dem Entführer außkundtschafft. Derhalben dann etliche wol mundierte Reuter verordnet worden, welche jhn bald singend, und geigend bey dem H. Bild angetroffen, und ohne weiteren Verzug, nachdem sie jhn mit harten Schlägen übel empfangen, mit sambt dem Bild gefäncklich fort geführt, auch bald das Urtheil ergehen lassen, solchen Kirchen-Raub gleich deß andern Tags mit dem Strang abzustraffen. Aber es ist deß andern Tags der Ferdinand widerumb in Spanien an dem vorigen Ort auff übernatürliche weiß gefunden worden. Und ist auch das Bild nicht hinden gebliben, sonder eben an gemeltes voriges Ort, zu eben der Zeit, sich wider begeben, allwo Ferdinand sein vorige Andacht wider geübt, und fortgesetzt. Welcher dann von dem vorigen wol gewaffneten Reuteren, waiß nicht auß wessen Befelch, wider ist gesucht worden, und auch gefunden vor dem H. Bild singend und geigend, die jhne auch widerumb mit Gewalt sambt dem Bild gefäncklich fort geführt, als der dem Strang nicht mehr entgehen solte, welche doch da sie nach etlich Tag-Reisen vermeinten die Statt Villa-Vitiosa erraicht zu haben sich bey dem Schwammen-Stock, wo sie das Bild weggenommen, widerumb befunden. Über solch Raiß, nach deme sie sich etwas verwundert, ist sie auch ein hailsame Forcht ankommen, derowegen den frommen Ferdinand loß gelassen, und umb Verzeihung gebetten, auch damit sie jhres Frevels bey der Himmels-Königin nicht zuentgelten hätten, haben sie jhr Wöhr und Waffen mit sambt gnugsamer Summa Gelts dem Ferdinand hinderlassen, ein Kirchlein zu erbauen, welches er dann alsbald erbauet, auch nach dem er lange Jahr den Dienst eines Mößners versehen, wegen deß Zulauffs deß Volcks und grossen Wunderwercken in Freuden und Gotts-Forcht gelebt, letztlich ein seliges End genommen, und in seiner Kirchen begraben worden.

Under vilen und grossen Wunderwercken ist das nicht zu veschweigen, daß, so offt die von Corduba eines Regens bedürfftig, allzeit dieses H. Bild gegen dem Abend in die Vorstatt getragen, und hernach deß andern Tags mit völliger Procession in die Thumb-Kirche, allda es verbleibt under dem bettenden Volck, biß der begehrte Regen erhalten wird, welches, da es das erstemal ist geschehen, hat sich das Bild zu Morgens nicht in der Vorstatt, sonder an seinem Ort befunden (villeicht, weil ein Gedancken gewesen, das Bild allzeit in der Thumb-Kirchen zu lassen) Hat derowegen erstlich das Thumb-Capitel, hernach der Statt-Rath vor dem Altar mit einem Ayd-Schwur sich verbunden, das H. Bild nach dem Regen wider an sein Ort zu lifern, alsdann das Bild ohne Beschwernus in die Statt mit grosser Andacht gebracht. Welcher Aydschwur je und allzeit, soofft man das heilige Bild in die Statt tragt vor gemeldtem Altar, ehe man das H. Bild erhebt, gelaistet wird.


4.
Unser lieben Frauen Bild
Zu Monserrat
In dem Königreich Spanien.

Es ist in Catalaunien ein Berg, so der abgeschnittene Berg von Alters hero der Ursachen genennt wird, allweilen ein guter Theil seiner hohen Schroffen also glatt und Winckelrecht zu allen Seiten geformbt ist, als ob sie von der Kunst, und nicht von der Natur ihr Form und Figur empfangen hätten. Vor Zeiten ware diß Ort berühmt wegen Verehrung der falschen Götter, hernach ist es von den Christen gar verlassen worden, biß Joannes Quarinus ein heiliger, und mehr dem Himmel, als der Erden bekandter Einsidler, sein Wohnung darinn gesucht und gefunden. Deme setzte der böse Feind auff ein neue, und gantz ungewohnliche Weiß nach. Massen er die Gestalt eines betagten Wald-Bruders an sich genommen, den Johannem, als ein alten Innwohner deß Bergs besucht, auch mit jnbrünstigen Geistlichen Gesprächen einen Glückseligen Anfang der neuen Kundschafft gemacht. Quarinus sagte GOTT dem Allmächtigen Danck, daß er einen so erfahrnen Vatter ohn alles verhoffen hätte angetroffen, bey deme er alle Geistliche Hülff zu suchen, und zu finden hätte.

Guifrapelus Graf in Catalaunien, und gemeldtes Bergs Grund-Herr, hatte ein Tocher: in diese (O Abgrund der Urtheil GOttes!) fuhre der böse Feind und peinigte sie gantz jämmerlich. Gewißlich ein schwerer Zustand, und grosse Plag in einem Adelichen Hauß. Nun ware kein Abgang deren, die mit allerhand, auch von weiten hero gesuchten Mittlen, den bösen Gast zu vertreiben, sich understunden, und vermainten nitwenig geschafft zu haben, da sie den bösen Feind dahin getriben, daß er durch Beschwörungen gezwungen, frey herauß gesagt: Quarinus allein seye der jenig, durch dessen Gewalt er weichen müsse. Nun wurde Quarinus mit grosser Mühe gesucht, letztlich gefunden, und von dem Grafen besucht, endlich auch nach erzehltem allem Verlauff jnnständig gebeten, den Allmächtigen GOtt für die elende und unschuldige Creatur zu bitten, welche er jhme dann dises redend, auch mit weinenden Augen vorgestellt. Der erbärmliche Zustand hat auch Quarino die mitleidige Zäher außgetrieben, und da er sich durch vilfältiger, bey heiligen Leuten gewohnlicher Entschuldigung, endlich erbitten lassen, hat er nach nicht sehr langem Gebett vermöcht, daß der böse Feind seinen Abtritt mit gewisen Zaichen genugsam zu verstehen geben. Nachdem aber der Graf mit Freuden GOtt mit seiner lieben Mutter gelobt, sich von seinem Gutthäter Quarino mit gebührendem Danck beurlaubet und gegen Hauß gewendet, haben etliche auß dem Hof-Gesind jhrem Gnädigen Herren zu Gemüt geführt die strenge und ernstliche Betrohung deß bösen Feinds, und seiner unfehlbaren Widerkunfft, im Fall die Fräulein vor dem neundten Tag ausser deß Wald-Bruders Zellen sich finden wurde. Dahero dann wegen so treulicher Ermahnung der Graf widerumb sich zuruck mit der Tochter in die Zellen zu Quarino begeben, mit bitten, er wolle geruhen, die Tochter wegen obstehender Gefahr in der Zellen zu beherbergen, biß mit dem neundten Tag auch die gefährliche Betrohungen deß nunmehr außgetribnen bösen Feinds verwichen. Darauff der Alte geantwort, was die heilige pflegen, sein aigner Gefahr mit Demut angedeutet, auch nicht verschwigen, daß er noch lebe, ob schon er alt und betagt wäre. Nachdeme aber der Graf zu mehrmalen jnnständig angehalten, hat Quarinus sich überreeden lassen, und die Fräulein, so da, wegen jhrer Sicherheit, niit mehr wünschte, bey sich behalten, und den Grafen mit allen den seinigen nach gegebnen Segen von sich gelassen, welcher gleichwol auff dise kurtze Zeit sich nur biß in das an dem Berg gelegne Dorff begeben. Die vom Vater verlassne Tochter ist von Quarino nicht verlassen worden; welcher sich gleich die erste Täg hoch verwundert über den Frucht und Zunemmen, so sie auß seinen Geistlichen Gesprächen geschöpfft hatte, und der Jungfrauen mehr Tugend angesehen, als sie gehabt. Nicht weniger beschaute auch die Jungfrau mit jhrem Nutz, aber nicht ohne Quarini Gefahr die strenge Tugend deß Wald-Bruders. Aber was ligt daran, ob wir den Basilic sehen, oder von jhme gesehen werden, wann wir müssen von seinem Gifft sterben? Wer solte doch von der unschuldigen Tauben ein Betrug, von einem so gestärckten und alten Heiligen ein Schwachheit argwohnen? ob schon der Alte auß Eisen, die Jungfrau auß Stain wäre, hat doch der böse Feind Menschlichem Brauch nach zwischen jhnen ein Feur erweckt, dessen erster Funcken in deß Wald-Bruders Hertz als einen Zundel gefallen. Welches doch endlich der Alte, aber spat vermerckt, daß er nemblich mit sambt der Tugend auch etwas anders in der Jungfrauen hoch schätzte. So hat auch der böse Feind das Feur unvermercklich also gemehret, daß der gute Alte mehr als klar sein Unhail ersahe. Deßwegen der alsbald umb Hülff zu seinem vermeinten Mit-Bruder sich verfügt, alles treulich entdeckt, umb Rath seiner Seelen gesucht, welcher jhn gestärckt, aber keines wegs zugelassen von der Jungfrauen zu weichen, sonder die noch übrige wenig Täg gedult zu haben, und zu streitten, bey so beschaffnen Sachen seye kein Gefahr zu beförchten, Johannes nunmehr gar zu fast gestärckt, kehrt zu ruck in sein Zellen, und befindet sich in kurtzem schwächer, als er ein kleines zuvor vermeinet. Massen er auß Rath seines Wald-Bruders die unschuldige Jungfrau zu seinem Gefallen gezwungen, welches dann solche Verwirrung in seinem Gewissen verursacht, daß er sich wider umb Rath zu seinem Mit-Gesellen alsbald verfügt, jhme alles offenbahret, und Hülff begehret. Der vermeinte Einsidler, als der zu geschehenen Sachen das beste wolt reden, erzaigte grosses Mitleyden mit dem armen Sünder, gebotte vor allem alles in der höchsten stille zu halten. Aber wie wurde das müglich seyn, da ein Weibs-Person dessen Wissenschafft hätt? Deßwegen jhne für Rathsam, ja nothwendig angesehen, damit einem so gefährlichen und langwürigen Handel gleich anfänglich ein End gemacht wurde, die Jungfrau zu entleiben, auß bayden Ublen solle er, ja müsse das weniger erwöhlen, werde auch GOtt weniger verletzt durch solchen Mord, als durch so vilfältige Sünden und Ungelegenheiten, so auß Offenbahrung begangner Sünd wurden unfehlbarlich erfolgen. Nun so böß diser Rath war, so gute statt hat er gefunden. Quarinus liesse jhme alles gefallen, was sein Wald-Bruder so freundlich gerathen: geht heim, schneidet der unschuldigen Fräulein mit einem Messer die Gurgel ab, und vergrabt sie gleich an dem Ort. Dem Grafen aber, so nach verflossnen neun Tägen Quarinum mit den seinigen besucht, in Mainung sein nunmehr von dem bösen Feind versicherte Tochter abzuholen, gibt er mit traurigen Worten für, sie habe sich ohne sein vorwissen auß der Zellen begeben, und habe sich glaublich wegen eines Fehl-Tritts in Abgrund eines Thals verfallen: kunde nichts anders vermuthen, allweilen schon etliche Täg auff sein vilfältiges schreyen und rueffen jhr Stimm und Antwort nicht mehr seye erhört worden. Mit dieser Antwort müßte sich der Graf abfertigen lassen, und zug wider nach Manresa.

Nach dem Abzug deß Grafens, und gnugsamer Erkandtnus deß vermainten Einsidlers, hat auch Quarinus die Augen auffgethan, sich zu wahrer Buß gewendet, und nach Rom gewallet.

Nicht lang hernach haben aller Sachen unwissende siben Catalaunische Hirten-Buben, so sich Nächtlicher Weil bey jhren Schaafen auffhielten, an ainem Ort deß Bergs vermerckt, das gewise Nächt ein schöne liebliche Flammen von Himmel herab falle, und an gemeltem Ort ein geraume Zeit verbleibe. auß dem dann die unschuldige Knaben etwas himmlisches und übernatürliches geargwohnet, weil jhnen solches Gesicht nur allain allzeit an der Sambstag Nacht vorkäme. Zaigens derowegen jhren Elteren an, dise, nachdem sie gemelten Glantz ain- oder zweymal gesehen, haben solches dem Pfarr-Herren angezaigt: der dann auch nit weniger als zwaymal selbst aignen Augen-Schein wolte einnehmmen, ehe dann er zu hoher Geistlicher Obrigkeit dem Bischoffen zu Manresa so ungewohnliches Wunder berichtete. Welcher sich nicht lang gesaumet, sonder gleich den nechtstfolgenden Sambstag sich mit etlichen Geistlichen und Weltlichen an ein bequemes Ort begeben, solches Wunders auch ansichtig zu werden, und gleichwol hernach, was zu thun wäre, mit Rath zu beschliessen. massen er dann auch ohne Verzug gethan, und gleich deß andern Tags Leuth verordnet, welche mit umbhauen deß verwachßnen Gesträuß Weeg machten, dahero dann auch er selbsten ohne grosse Beschwernus an den Ort kommen, allwo ein Höle in dem Felsen, und in der Höle ein altes, aber überauß schönes Mariae-Bild gefunden worden, ist auch von männiglichen ein ungewohnlicher, ja gantz unbekanter und sehr lieblicher Geruch gespührt worden. Gleich nach gebührender Verehrung deß H. Bilds hat sich auß Befelch deß Bischoffs das wenige Völcklein, so zugegen, in Processions-Ordnung gestellt, den erfundenen Schatz und grösserer Andacht willen in das Dorff zu begleiten, welches dann dem Ansehen nach das H. Bild selbsten begehrte, massen es sich ohn alle Beschwernus erhöben, und fort tragen liesse.Als man aber an das Ort kommen, wo der noch unbekandte Mord beschehen, und die unschuldige Tochter begraben ruhete, ist das sonst hültzene Maria-Bild durch übernatürliche Krafft also schwere worden, daß es der Träger wider seinen Willen müßte auff die Erden nidersetzen, da er anderst wolte, daß es jhme Schwere halber nicht auß der Hand fiele, so hat auch kainer auß den Beywesenden so starck an Kräfften sich befunden, der das heilige Bild weiter bringen möchte. Auß dem dann der Bischoff abgenommen, die Mutter GOttes wolle an disem, und kainem anderen Ort in dieser jhrer Bildnus verehrt werden; deßwegen er verordnet ein Capellen zu erbauen, welche dann in aller Eil durch Mittel deß umbligenden Gehültzes ist verfertiget worden, und wegen vilfältiger und Augenscheinlicher Wunderzaichen nach und nach starck zugenommen.

Nun hat sich begeben, daß deß offtgedachten Grafens Jäger mittels der Jaghund das Gebürg durchsuchten, umb etwas frembdes jhrem Herren heimb zu bringen, allwo sie waiß nicht wo ein vierfüssiges Thier eines unbekandten Namens angetroffen, welches auch die Hund nicht dörfften angreiffen, biß letztlich der behertzten Wayd-Leuthen ainer der Bestien den Strick an den Halß geworffen, und nach Hauß geschlaipft. Männiglich wolte den Außspruch geben, als ob es kain Thier, sonder ein Mensch wäre, da nicht sehr vil anzaigen das Gegenspil dartäten, massen, außgenommen die wenige proportion, kein Menschliche Gestalt nicht zu ersehen ware. Derenthalben ohne widersprechen von den Erfahrnisten geurtheilt worden, es seye einer auß dem Geschlecht der Gaiß-Männer, so man vor Zeiten Satyros, Faunos, Pilosos genennet, und wie anderstwo, also auch villeicht auff diesem Berg angebettet worden. Wurde demnach wegen der frembde, beym Leben gelassen, und mit der Speiß, so den Hunden oberfliben, erhalten: der gröste Kosten ware, daß man wegen dises wilden Thiers, offt Gäst hätte wegen deß Zulauffs der Fürwitzigen, solches Wunder zu sehen. Und währete dises ein geraume Zeit, daß allzeit das Wunder-Thier zur Tafel geführt wurde, biß ainsmals in Gelgenwart der besten Befreunden deß Grafens under währender Beschauung, das noch kaum drey Monat alte Söhnlein deß Grafens mit heller, und von allen Beywesenden verständtlicher Stimm dise Wort geredet: Stehe auff, Bruder Johannes Quarine, dann GOtt hat dir deine Sünd verzyhen. Nach welchen Worten das Kind nichts mehr geredt, sonder geschwigen: es schwigen auch zugleich wegen deß Wunders alle Umbstehende, weil keiner wußte, welcher auß jhnen der jenige wäre, den das Kind einen Sünder und einen Bruder genennet. Biß endtlich die vermainte Bestien sich auffgeregt, und mittels aines tieffen Seufftzers, und anderer Geberden, menschlicher Vernunfft Anzaigen geben.

Allhie solle der günstige Leser wissen, daß Guarinus mit Davide gesündiget, mit Nabuchodonosor Buß gethan, allweilen er geurthailet recht zu seyn, daß wer mit Königen sündige, auch mit Königen Buß thue, Massen er schon siben Jahr gethan: dann alsbald jhme nach Abzug deß traurigen Grafens die Augen auffgangen, und er sein Verbrechen erkennet, ist er auff die Erden gefallen, als der unwürdig den Himmel anzusehen, nach vollbrachter Römischer Wallfahrt, in dem Wald, wie ein wildes Thier in steter Bueß herumb krochen. Alsbald nun Quarinus nach dem Seufftzen, die nun sieben jahr underlassene Red gefasset, hat er weitläuffig alles, was sich vor siben jahren verloffen, erzehlet, wie er mit deß Grafen Tochter gesündiget, dieselbe ermördet, und in dise Bueß sich begeben: auch dem Grafen sich gegen aller Straff als ein sündiger Thäter anerbotten. Der Graf verwundert sich ob so grosser und unerhörter Tugend, wolte kaines wegs straffen, was GOtt verzyhen hätte. Liesse jhme vor allem einen Mantel zuwerffen, damit er auffs wenigst wegen der Klaydung einem Menschen gleichedte. Begehrt hernach zu wissen, wo er den Leichnamb begraben, in Mainung die Gebain zu erheben, selbe anderwerts zur Erden zu bestätten, wo jhre Vor-Eltern begraben legen. Quarinus gantz willig, wise dem Grafen den Weeg, und führte jhn mit sambt vilen andern in das Kirchlein, wo das benannte, und Wunderthätige Maria-Bild in Ehren war, mit vermelden, allhie sey die Tochter begraben. Nun erhube sich schon ein obernatürliche Freude in deß Grafen Hertz, welche jhn erweckte alles Guts von der Tochter zu hoffen, als bey welcher Begräbnus (wie obenvermeldet) die Mutter GOttes wolte in Ehren gehalten werden. Alldorten befahle Quarinus etliche gross Stain abzuweltzen, den nunmehr verwesnen Leichnamb zu erheben. Aber es ist an statt der verfaulten Gebain die gantz lebendige und gesunde Tochter wider alles verhoffen, gefunden worden, und ist nit für ein schlechte Stärck geachtet worden, daß der Graf in deren Ansehen wegen der unversehenen Freud nicht entkommen: nicht weniger ist gewesen die Verwunderung Quarini, als welcher besser, als alle andere deß gantzen Verlauffs ingedenck, wol wußte, daß alles ohne Betrug wäre, und er schon vor siben Jahren die ermördte Fräulein begraben hätte. So möchte auch kain Zweifel, wegen verwechselter Person mitlauffen, massen ein gantz rothe Masen an dem Ort der empfangnen Wunden verbliben. Sie erzehlet auff deß Herren Vatters Befragung, wie daß sie allzeit die Mutter GOttes hoch in Ehren gehabt, und deßwegen von jhr das Leben, so sie ohn alle jhre Schuld verlohren, wider oberkömmen. Nachdem aber der Herr Vatter von weitem anhebte von einem guten Heyrath zu reden, hat sie alsbald ohne Scheuch erklärt, jhr Willen seye an disem Ort, da sie zum andernmal das Leben hätte empfangen, das andermal auch den Tod zu erwarten, und begehr sie allhier umb so vil desto mehr zu verbleiben, weil die Mutter GOttes nicht gestattet hat, daß ihr H. Bildnus von disem Ort hinweg getragen wurde, gebühre sich derowegen, daß auch sie von gemeltem Wunderthätitgen Bild die Zeit jhres Lebens nicht wiche. Der Graf hat von der Tochter Heyrath-Gutt alsbald ein Kloster erbauet, und haben sich alsbald etliche Fräulein von Edlem Geschlecht under dise, als erste Äbtissin der Regel deß heiligen Benedicti begeben. Quarinus aber, ob schon er mit sambt deß Dorffs Monistroli Pfarr-Herren dem Kloster in Geistlichen Sachen vorgestanden, hat doch sein Wohnung weder im Wald, noch bey den Kloster-Frauen, sonder bey gemeltem Pfarr-Herrn genommen, und beyde, nach vilen Jahren jhr heiliges Leben vollendet.


5.
Unser lieben Frauen Bild
Zu dem heiligen Brunnen zu Corduba
In Spanien.

Vjl hat der weise, und von Corduba gebürtige Seneca geschriben von starckmütiger Übertragung der unglücklichen Zufällen, deren er doch wenig erfahren. Massen er die Reichthumben, deren er ein Überfluß hätte, dergestalt verachtet, daß er sie doch nicht underwarffe, sonder jhnen einen guten Herren (sich selbsten) nit mißgunte. Wie, wann jhne das Unglück eines gemeinen auch von Corduba gebürtigen Manns, von deme ich reden wil, hätte überfallen? wäre wol zu zweiflen gewest, ob Seneca wäre Seneca verbliben.

Gundisalvus Garzia, ob schon er neben sich nur zwo Personen zu ernähren hätte, fiele jhme doch, wegen äusserster Armut, auch dises schwer, in dem die ainige Tochter nit wol bey Sinnen, das Weib ohn underlaß kranck und Bethrüsig. Der gute arbeitsame Mann liesse zwar an jhme nichts ermanglen, begunte mit seiner Hand-Arbeit sich mit den seinigen Ehrlich zu ernähren, hat aber nichts erklecken mögen. Was er die lange Wochen hindurch mit Woll-Arbeit gewunnen, wurde in zween, oder auffs meiste in drey Tägen ohn alle Verschwendung verzehret. Die Frau, ob sie schon nichts gearbeitet, hat sie doch nicht wenig gethan, daß sie mit gedult die kranckheit übertragen. die Tochter war gantz ohn allen Nutz, auch wegen Abgang deß Verstands zu Zeiten schädlich. Dahero dann der Mann gezwungen ware vil Personen und Dienst zu vertretten, dann er Vatter, Mutter, und schier Kinds-Magd seyn müßte, die verachte Tochter zu regieren; wann er aber von dem krancken Weib gebetten wurde, auch jhr die Nothdurfft werden zulassen, schickte er sich also fein, daß man nicht leicht vermercken kunde, ob er Herr oder Knecht im Hauß wäre, allweilen er alle Spitäler und Kuchen-Dienst so embsig versahe, biß jhn gleichwol die Noth widerumb tribe, die Cartätschen in die Hand zu nemmen, und für alle ins gemain etwas zu gewinnen. In solcher grossen Trübsal hat sich Gundisalvus an die Gedult gehalten; auch zu Linderung seines Übels kaine Mittel gesucht von Gottslästerlichen Schelten und Fluchen, vil weniger zu dessen Abwendung auff Diebstall und andere unehrliche Weeg gedacht gewesen. Ich glaub nicht, daß so hohe Tugend sich in Annaeo Seneca befunden.

O Glückselig, und abermal Glückselig seynd die Christen, welchen in widerwertigen Zufällen allzeit noch grosses Gutt bevor stehet, daß sie hoffen und erlangen können, wann sie nur mit gutem Hertzen gen Himmel auffschauen. Also hat sich Gundisalvus, als der in dem unergründlichen Meer seiner Trübsalen nunmehr gen Boden sancke, je und allzeit gegen dem Meer-Stern Maria gewendet, bevorab ainsmals, da er auff freyem Feld mit wainen, heulen, und schreyen seiner Sachen Hülff begehrte von der Himmels-Königin Maria, hat er im Werck erfahren, daß der Himmel helffe, wann die Erden nicht mehr helffen kan, oder wil. Massen dann die Himmels-Königin mit sambt den heiligen Ascisclo und Victoria Statt-Patronen sich sehen lassen, und den frommen betrübten Mann also angeredet: Gehe hin, schöpffe auß diesem Brunnen (den sie jhm auch mit dem Finger gezaigt) Wasser, lasse die Mutter und die Tochter mit Glauben und Zuversicht trincken, so werden sie Gesundheit erlangen. und verwundere dich nicht ab der übernatürlichen Krafft dises Wassers, welche jhren Ursprung nicht von dem Wasser, sonder von meiner Bildnus empfanget, so in den Wurtzen dieses sehr alten Feigenbaums gantz verwachsen, under der Erden verborgen ligt: verschaffe, daß man sie außgrabe, und mir zu Ehren in der Statt Corduba ein Kirchen erbauet werde.

Gundisalvus, nach vergangnem Gesicht, sihet bald umb ein Geschirr, erfüllts mit dem angedeuten Wasser, laufft schnell die zwo Meilen (dann diß ist die Entlegenheit deß Orts) in die Statt, gibt nach Erzehlung deß Gesichts, und Ermahnung zu dem Glauben und Zuversicht, seinen bayden Krancken zu trincken; und sihet sie Augenblicklich vor seinen Augen gantz frisch und gesund, befilcht jhnen alsbald in andächtiger Dancksagung dahaim zu verbleiben, eilet ohne Verzug zu Geistlicher hoher Obrigkeit, und eröffnet allen Verlauff. Der Bischoff, nachdeme er genugsam verständiget worden, wegen der gähen und übernatürlichen Gesundheit der zweyen Krancken, hat ohne Beschwernus auch allem übrigen Glauben geben; massen er sich in wolgeordneter Procession mit grossem Volck an das Ort begeben, auch befohlen, den von Gundisalvo benennten alten Feigenbaum außzugraben, allwo mit männiglichen Verwunderung mitten under den Wurtzlen das Mariae-Bild gantz verwachsen befunden worden. Die hültzene Tafel ist ohngefähr anderthalb Schuch lang, das Mariae-Bild der Farb nach etwas dunckel, außgenommen die Klaidung, so verguldet. Die Himmels-Königin und Mutter GOttes Maria haltet jhr liebes stehendes JEsulein auff der lincken Hand. Den Farben ist sonst das wenigste Alter nicht angesehen worden.

Kaum ist das erfundene Bild under völligem Kirchen-Geleut mit Volckreicher Procession in die Statt getragen worden, ist alsbald an Tag kommen, was grosse Gnaden mittels diser andächtigen Verehrung der Allmächtige GOtt wolle denen von Corduba mitthailen, wie dann sehr vil deren, so von dem Wasser mit Andacht getruncken, oder vor dem H. Bild jhr Noth und Anligen vorgebracht, jhrer Bitt gewährt worden.

Der König von Arragonien selbst hat sein Erledigung von dem hitzigen Fieber, disem neu erfundenen wunderthätigen Wasser zugeschriben. Sonderlich aber haben bey disem H. Bild Hülff gesucht und gefunden die Gefangnen. Die vilfältige und grosse Wunder-Zaichen, mit sambt der gantzen Geschicht hat auß alten Schrifften mit Fleiß beschriben Ferdinandus von Molina. Aines auß allen kan ich nit underlassen herbey zu setzen.

P. Thomas Sanchez der Societät JEsu Priester und weit bekandte Theologus, welcher sein unbefleckte Unschuld ohne alle tädtliche Sünd biß in das hochbetagte Alter, ja biß in das Grab gebracht, hat Bücher von dem H. Sacrament der Ehe geschriben, so in Schulen, wie auch bey so wohl Geistlichen, als Weltlichen Gerichten in hohen Ansehen und Ehren gehalten werden. Diser Mann, sprich ich, ist von der Mutter Gottes der Societet bescheret worden, dann als er in seiner Jugend umb den orden einzutretten jnständig anhielte, und allain wegen seiner stammleten Zungen abschlägige Antwort bekommen, hat er sich zu disem wunderthätigen Mariae-Bild in die Kirchen begeben, mit vornemmen, sich auß der Kirchen, ja von dem Ort, da er vor dem H. Bild knyend bettete, nicht zubegeben, er hab dann solche Zung erlangt, mit welcher er unverhindert Jhr und Jhrem lieben Sohn in gemelter Societät möchte dienen: so hat es auch langes Gebett nicht bedörfft, massen die Mutter Gottes jhme alsbald den Mangel seiner Zungen dermassen gebessert, daß er wegen so unverhofften grossen Wunders desto lieber ist in den Orden auffgenommen worden: welches dann gleich nach erlangter Gnad der Wolredenheit beschehen.


6.
Unser lieben Frauen Bild
Zu Candelaria
In dem Königreich Cile.

Es ist in dem neubekehrten Königreich Cile ein Jnßl, welche die landgeseßne Tenariffe nennen, die Spanier aber heissen sie die grosse Canari Inßl. Allhier ist alle Abgötterey, mehr dann an anderen Orten im Schwung gangen, die Witzigisten auß jhnen haben das Feur, so hin und wider auß den Berg-Löcheren herfür bricht, angebettet, den übrigen ist Stein und Holtz gut gnug für ein GOTT gewesen.

Das stainine Maria-Bild, so von Candelaria den Namen hat, und biß anjetzo noch mit Wunder-Zaichen leuchtet, ist in ainer staininen Hölen von den Hayden gefunden, und auch mit waiß nicht was für Barbarischen Caeremonien verehrt worden, ehe dann ainiger Christ der Orten sich sehen liesse. Nun hat es sich zu getragen, daß ein Spanisches Schiff angelendet, welches auß allen das erste war, auß deme die Spanier sich auff das Gestatt begeben, das Land zu besichtigen. Ainem auß jhnen wurde von den Inwohnern dises überauß schöne und sehr künstliche Maria-Bild, als etwas frembdes, gewisen. Nun war ungezweiffelt, daß dergleichen Bildhauer-Kunst bey den Barbaren, so sich auch nicht zu kleiden wußten, weder zu suchen, noch zu hoffen wäre, zu deme, wie wolten und kunden sie haben der Mutter GOttes Bildnus auff ainigerley Weiß verfertigen, da sie doch im wenigsten nichts von jhr vernommen; und ob schon sie hernach mittels der Underweisung der Patrum der Societet zu dem Christlichen Glauben getretten, so ist doch in der gantzen Jnsl der Kunst keiner gefunden worden, von dessen Hand ein solches Werck zu verhoffen wäre. Nun hatte obgedachter Spanier gewünscht, das Geistliche verhanden wären, welche so vernünfftiges, und zu gutem nicht übel genaigtes Volck, mit dem H. Tauff auff den rechten Weeg laiteten; allweilen aber dazumal deren kainer verhanden, hat ermeldter Spanier an sich nichts ermanglen lassen, und hat die arme Leut so weit underricht, daß sie mit gebognen Knyen, und auffgehobnen Händen offtermals solten dieseWort (so er jhnen in Latein sagte) sprechen: Ave Maria. Mehr wußte er jhnen nicht zu sagen, theils wegen Unerfahrenheit der Land-Sprach, theils wegen gäher Abseglung deß Schiffs. Nun kan ich nicht sagen, was den heyden vor Verkündigung deß Glaubens von der Mutter GOttes zu Hail seye worden, allweilen in der Cilensischen Histori darvon nichts vermeldet wird, lasset mich doch ab deme nicht zweiflen die wolmainende Beständigkeit der Hayden, daß sie nicht offt mit grossem Wunder jhr Begehren haben erhalten. Und ob schon dieses nicht wäre, so ist nicht für ein schlechte Gnad zu halten, daß die Patres der Societet, als sie hernach kommen, wider die Gewohnheit anderer Völcker, das gantze Volck gantz unwiderspennig und bequem zu dem heiligen Glauben, sonderlich aber genaigt zu der Mutter GOttes befunden: dahero dann das heilige Bild biß an heut mit Wunder-Zaichen leuchtet.


7.
Unser lieben Frauen Bild
Zu Arauco
In dem Königreich Chile.

Gleich wie zu Zeiten die Kunst von dem Zeug wird übertroffen, also beliebt zu Zeiten auch der Natur etwas herfür zu bringen, welches ainige Kunst nie wird nachbilden können. Ich will, geliebts GOtt, Mariae-Bilder herbey bringen, so die heilige Engel mit fleiß geschnitzelt, oder gefaßt haben. Dises, von dem ich jetzt erzehlen will, hat die sonst harte und unartige Natur deß Steins selbst geformet.

In obgemeltes Königreichs Chile Länderen einem, so Tubulia genennt wird, und ein Thail ist der Araucanischen Gegend, nicht weit von dem Meer, ist ein Berg, in welchem ein Höle gesehen wird, auffs zierlichst von der Natur selber in solche Gestalt außgehölet, wie man in der Bau-Kunst pflegt die halb runden Tieffe zu machen, umb die von Holtz geschnitzlete, oder von Stain gehaute Lebens grosse Bilder darein zu stellen: anderhalb Klaffter hat die Höhe, die Braite ist, als ob sie nach der guten Bau-Kunst gemessen wäre. So sicht man auch, daß sich die Natur da nicht umbsonst bemühet, massen allda auch ein Mariae-Bild auß eben gemelten Stain zu sehen, so die Natur nicht ohne wunderthätigen Zusatz einer Himmlischen Hülff darein gesetzt. Man sihet daß die fliegende zierlich gebogne braune Haar, so die Stain-Adern gantz Adelich vorstellen, das weisse fröliche und wol geformbte Angesicht, das rothe Klaid, der Mantel, so aussen gelb, von jnnen mit blaw gefütert, mehren das Wunder. So ist auch das JEsulein zum zierlichsten geformet: in allen Farben ist Schatten zum besten außgemacht, und das noch wunderlicher ist, alles auß einem Stain. Damit nun so grosser Schatz nicht vor der Zeit wegen Unverstand der Innwohner zu nichten wurde, ist das Ort auß Befelch der Natur mit sonst untauglichen Gesträuß verwachsen, biß ein Indianisch Christliches Knäblein von Maria erwählet worden, dises Wunders erster Erfinder zusehn, damit nemblich auß dem Mund der unmündigen Kinder das Lob Mariae mit Preiß entdeckt wurde, und die Stain in die Red herfür brechen, wo die Menschen schwigen. massen das Kind sich mit Verwunderung entsetzt, und seiner armen Mutter, so in der Nähe etwas gearbeitet, mit disen Worten zugeschryen: Sihe Mutter, was für ein wolgestalte Frau hie stehe, und was sie für ein schönes Kind auff den Armben habe. Die Mutter nicht unwissend, daß in solcher Einöde und verwirrten Gesträuß vornemme Frauen, sonderlich zu Mittags-Zeit sich nicht auffhielten, ist doch auff inständiges schreyen deß Kinds dem Ort zugeeilet, und das heilige Mariae-Bild mit Verwunderung besehen, auch in wenig Zeit aller umbligenden Gegend kundgemacht, biß letztlich auch zu den Patres der Societet JEsu, so sich in selben Landen auffhielten, das Geschray kommen, welche sich alsbald an das Ort begeben, und nach erkundigter Sach den Grund einer Kirchen außgesteckt, welche dann mittels der andächtigen neuen Christen in kurtzem nach Vermögen deß Lands erbaut worden. Nun hat sich auch die Himmels-Königin gegen dem armen, aber frommen Weib gantz gnädig erzeigt, massen sie, nachdem sie von dem Stain deß heiligen Bilds etwas herab geschaben, und mit steiffer Zuversicht genossen, ist sie der laidigen Sucht der Pestilentz, mit der sie behafft ware, ohne allen Verzug abkommen, und entlediget worden. Gemeltes Orts Bischoff, damit den Nachkömlingen so grosser Schatz etwan durch Neid der Heyden nicht entzogen wurde, hat allen Christen starck eingebunden mit offentlichem Zulauff, und Gottes-Dienst an disem Ort so lang jnnzuhalten, biß das Land völlig zum Christenthumb sich begebe.


8.
Unser lieben Frauen Bild
genannt
DE LA LIGVA
In dem Königreich Chile.

In dem grossen unnd reichen Königreich Chile, welches ohngefähr vor hundert Jahren die Spanier mit gewöhrter Hand erobert, und noch zu diser Zeit in Ruhe besitzen, wurde eine auß den vornehmmeren Stätten von den Feinden bekriegt, nit lang hernach eroberet, und endlich mit Feur und Schwered gantz vertilget. Es ware in der Kirchen ein Mariae-Bild, mehr von der Andacht, und Freygebigkeit der Christen, und von den Himmlischen Gutthaten berühmet, als von der Kunst deß Bildschnitzlers. Nun weiln jederman begunte, sich und das seinige dem Feur, und dem Schwerdt zu entziehen, also ist keinem in Sinn kommen, gemeldtes Mariae-Bild anderstwohin zu flehnen: und ob schon einer dessen ein Gedancken geschöpfft hätte, wurde es doch einem in eyl flüchtigen Mann fast verhinderlich gewesen seyn, massen es von Holtz, und fast ein halbe Klaffter in der Höhe hätte. Dessen hatte sich doch der Spanier understanden, als der es jhme nicht für ein schlechte Schand rechnete, sich ohne seiner lieben Mutter Bildnus in die Flucht zu geben: tragt derowegen mit grosser Mühe und höchster Gefahr das heilig Bild auß der angesteckten Statt in das Thal, so man Leguam oder Liguam nennet, in sein Behausung, und richtet darinnen das vornehmbste Zimmer in Form einer Capellen zu, hätte auch je und allzeit in allen Nöthen sein Zuflucht zu disem heiligen Bild. Nit gar lang hernach überfiele das umbligende Land ein unerhörte Hitz und Dürre, also daß die liebe Frücht auff dem Feld, und Gärten in gröster Gefahr deß äussersten Verderbens wären, und schließlich auch nichts als der bittere Hunger und Tod, under dem Nothleidenden Volck zubefahren. Es seynd zwar alle Christliche Catholische Mittl versucht worden, aber so gar nichts ersprossen, daß nicht allein kain Regen, sonder auch kain Wolcken wäre gesehen worden, biß endlich Herr Petrus von Jbacave under der Priesterschafft unnd Burgern seines Mariae-Bilds zu red worden, und mit hoher Hoffnung den Rath geben, dasselbige in völliger angestellter Procession umb die Felder herumb zu tragen. Diser Rath hat bey allen gute statt gefunden, und ist bald hernach ein andächtige und Wolckreiche Procession gesagter massen umb die Felder angestellt worden. Nachdeme der Himmel deß heiligen Bilds ansichtig worden, kan nit gesagt werden, wie geschwind sich ein Wind erhebt, und den Himmel mit allerseyts hergebrachten Gewülck überzogen, darauff dann ein überauß fruchtbarer Regen erfolgt. damit man aber verstunde, daß dise Gutthat von Maria umb Verehrung wegen jhrer Bildnus seye von Himmel gestossen, ist die erste Bewegung deß Luffts an dem Mantel deß Mariae-Bilds gespührt worden, auch dessen Bewegung gleich das gantze Volck die Hoffnung aller Himmlischen Hülff geschöpfft. Das Bild ist hernach in die Kirchen gesetzt, und forthin in grösseren Ehren gehalten worden.


9.
Unser lieben Frauen Bild
Zu Anicien
In Franckreich.

Die Geschicht dises Wunderthätigen Mariae-Bilds wird nit für Glaubwürdig gehalten werden von den jenigen, welche nichts für wahr halten, und glauben wollen, als was mitdem Augenschein der allergerechtisten zwey und sibentzig Zeugen gerichtlich dargethan wird. Was geschehen ist, ehe man lesen und schreiben hat können, hat sein Lob in den Schrifften weder zu suchen, noch zu finden, sonder muß genug seyn, was von Alter zu Alter durch unparteymische Underricht ist an uns kommen.

Es ist mit dem Jüdischen Volck in die Aegyptische Gefangenschafft geführt worden. Jeremias der Prophet, nit ohne Glück der Aegyptier, da sie anderst die wahre Lehr deß Prophetens hätten wollen annemmen, und jhre von Holtz und Stain gemachte Götzen verlassen, in welchen sie jhnen nach Underricht alter Gelehrter Gedicten, waiß nit was für ein Gottheit zu seyn einbildeten. Allweilen dann Jeremias für dißmal sie nit auff den rechten Weeg bringen möchte, hat er jhnen den undergang und endlich Außtilgung jhrer Götzen und Götzen-Tempel mit sambt allem dem, was zu solcher thorrechten Aberwitz jemalens gedient, auß Prophetischem Geist an statt deß Allmächtigen vorgesagt, ja auch ein gewises unfehlbares Zaichen der Zeit benennet, zu welcher diß alles gemeldter massen wurde beschehen, nemblichen wann ein Jungfrau einen Sohn wurde gebähren. Auff daß aber mit sambt den Worten nit auch die Sach selber mit der Zeit in Vergeß gestellt wurde, hat er gemeldten Aegyptiern die Bildnus einer Jungfrau sambt jhrem Sohn von Holtz geschnitzelt hinderlassen. Dises Bild ist lange Zeit hin und wider in underschidlichen Aegyptischen Götzen-Templen auffbehalten worden, biß es in den berühmten Bücher-Saal deß weisen Königs Ptolomaei, als etwas Frembdes, kommen ist, allwo es gleichwol den Christen, mit denen gleich Anfangs der Christenheit dise Land besetzt worden, für jhr Kirchen zu theil worden, und gleichwol die recht gebührende Ehr empfangen, so lang, biß abermal die Hayden deren landen sich bemächtiget, zu welcher Zeit es waiß nit wo, Sicherheit halber, ist auffbehalten worden, die Ankunfft deß heiligen Ludovici Königs in Franckreich, deme es von GOtt bescheret war, erwartend, der es, als einen kriegs-Raub zu Sicherheit seiner gefährlichen Raiß mitgebracht. Der H. König, als er im jahr 1253. auß dem heiligen Land widerumb in das seinige kommen, und die Statt Anicien erraichet, hat er dem Allmächtigen GOtt, und seiner lieben Mutter wegen der glücklichen Widerkunfft schuldige Danck-Fest gehalten, und das heilige Bild, von deme wir handlen, in unser lieben Frauen Kirchen (allda zuvor ein anders Mariae-Bild in hohen Ehren gewesen) gesetzt, allwo alsbald wegender grossen Wunderwerck, mit sambt der Andacht auch die Kirch selbsten in dem Gebäu zugenommen, und grösser worden, also daß sie anjetzo wol ein Schatz deß Königreichs, und der Königen Zuflucht mag genennt werden.


10.
Unser lieben Frauen Bild
Zu Carnot
In Franckreich.

Deß Wunderthätigen Mariae-Bilds zu Carnot in Franckreich Herkommen kan ich nicht erzehlen ohne Ehr und löbliche Meldung der Druiden. Dise waren bey den alten Frantzösischen Völckern in der jenigen Ehr und Ansehen, wie die Weisen bey den Persianern, massen sie nicht allein dem, wiewol falschen Gotts-Dienst vorgestanden, sonder auch in Politischen Sachen den Königen mit Rath also an die Hand gangen, daß disen nicht wol erlaubt gewesen, von jhren Räthen abzuweichen.

Zu gewisen Zeiten im Jahr seynd sie zu Carnot (so jetzt ein Statt in Lioner Provintz ist) in Gestalt eines Reichs-Tags zusammen getretten, gute Geistliche und Weltliche Gesatz zu schöpffen. Und ist solcher Reichs-Tag nie glücklicher abgeloffen, als da sie beschlossen zu Ehren derjenigen Jungfrauen, so einsmals ohne Verletzung jhrer Jungfrauschafft gebären wurde, ein Bildnus auffzusetzen. Haben derowegen in einer darzu erküßnen Höle einen Altar auffgericht, darauff die Bildnus gestellet: damit man aber verstehe, daß es die Bildnus sey einer Königin, sitzet sie in einem Sessel, und hat ein Cron auff dem Haupt: daß sie ein Mutter seye, erscheinet auß dem, daß sie jhren Sohn in der Schoß haltet. Die Jungfräuliche Ehr ist jhr gegeben worden von den gemelten Druiden in Gegenwart deß Carnotensischen Königs Prisci, der mit grosser Solennität den Titl geschriben, Virgini Pariturae, Der Jungfrau, so gebären wird. Nit weniger ist das Volck der guten Anweisung deß Königs und der Druiden mit der Andacht wol begegnet, also daß wegen deß grossen Zulauffs der umbligenden Völckern gemeltes Bild grossen Namen überkommen. Es wurde verehrt die, so noch nicht war, massen dises bey hundert und mehr Jahren vor Christi Geburt sich verloffen. So hat es auch an Wunder-Zaichen nicht ermanglet, die zu geschweigen, so under dem Volck täglich beschehen, haben die Geschicht-Schreiber allein uns hinderlassen die, so mit den Königlichen Personen sich zu getragen. Deß Königs von Montleriac Sohn, waiß nicht mit was Unglück ist ins Wasser gefallen, und darinnen ertruncken, aber mit Gebetten und Opfferen zu diesem Bild widererweckt, und lebendig worden, darauff dann wegen deß unerhörten Wunder-Wercks der König sich danckbar eingestellt, und Königliche Verehrung dargebracht. Der Lands-Herr König Priscus, hielte es jhme für ein Unehr, wann es jhme in Verehrung diser Jungfrau ein außländischer König solte bevor thun.

Hat derowegen etwas gethan, dessen er in der vorgehenden Haydenschafft kain Exempel, und in dem nachfolgenden Christenthumb bißhero kainen Nachfolger gefunden. Hat nemblich im rechtmässigen, wolverfaßten und verfertigten Testament bey guter Zeit vor seinem End zu einem Erben deß gantzen Reichs eingesetzt, Virginem Parituram, die Jungfrau, so einsmals ohne Verletzung jhrer Jungfrauschafft gebähren wurde, mit solcher Anordnung, daß das Reich forthin von gemelten Druiden als Gerhaben und Vormunder der Jungfrau solte in guter Gerechtigkeit verwaltet, und regiert werden, biß gleichwol von diser Jungfrauen etwas gehört wurde. Welches dann auch bey hundert und mehr Jahren treulich und auffrecht beschehen, biß der H. Savinianus, und der H. Potentianus von dem H. Petro in Franckreich geschickt worden, den Glauben zu predigen, welche, da sie nach Carnot kommen, und obgemelte Ding von dem Volck vernommen, haben sie auß dem Bild der unbekanten Jungfrauen Gelegenheit genommen, den Glauben zu predigen zu Carnot, gleich wie Paulus gethan zu Athen, auß Gelegenheit einer Bildnuß deß unbekandten Gotts, darbey auch vermeldet, der Sohn zwar, so zugleich auch GOtt wäre, seye mit grossem Nutz aller Menschen freywillig gestorben, aber die Mutter seye noch bey Leben, und befinde sich zu Jerusalem in Judenland.

Der so lang hergebrachte gute Affect gegen der Mutter hat leichtlich vermöcht zu erhalten, daß die von Carnot ohne sondere Beschwernus alles glaubten, was sie von Maria gehört, haben auch alsbald Gesandten nach Jerusalem abgefertiget, mit Befelch jhr das Reich mit allem Recht und Gerechtigkeit einzuhändigen, und an statt der Underthanen mit dem schuldigen Ayd sich zu verpflichten. Ob die heilige Jungfrau und Himmels-Königin Maria denen von Carnot habe schrifftlich geantwortet, wie sie gethan denen von Messana in Sicilien, hab ich nicht gelesen; daß sie aber die Gesandtschafft frölich habe angehört, daß ihr in Erbschafft ermachte Reich angenommen, auch allen Schutz und Schirm versprochen, und letztlichen zu jhrer lieben Underthanen Trost sich jhr Königin underweilen genennt, geben die von Carnot vor, auß uhralten Herkommen und Tradition. So ist auch eben dise Bildnus heutiges Tags in sehr grossen Ehren, wegen der grossen und vilfältigen Wunder-Wercken.


11.
Unser lieben Frauen Bild
Zu Ardillien
In Franckreich.

Gantz Sigreich triumphirt under den Salmuriensischen Ketzeren die Wunderthätige Bildnus der Himmels-Königin Mariae, und hat dise grosse Andacht doch nit so gar grossen Anfang gehabt. Im Jahr Christi 1454. wie auß bewährten Gerichtlichen Schrifften dargethan wird, ist von gemainer Statt für gut angesehen worden, daß auß dem Statt-Seckl ein Gewelb erbauet wurde, under welchem das Volck, so zu Verehrung dises heiligen Bilds herbey kame, sein Andacht verrichten möchte, die Ursach solches Schluß ist daher gerühret.

Ein Baursmann, in deme er seinen Acker anbaute, hat dises sonst nit grosse, aber doch sehr wolgemachtes Vesper-Bild gefunden, und Andacht halber mit Freuden nach Hauß getragen. Es hat sich aber deß anderen Tags das heilige Bild nit in dem Hauß, sonder auff dem Acker finden lassen. Der Baur, ob schon er wußte, daß solches ohne allen Menschlichen Betrug geschehen, doch allerley Reden zu vermeyden, tragt das heilige Bild des andermal nach Hauß, und verbirgts mit allem Fleiß an einem sicheren Ort: wird aber widerumb deß andern Tags zum drittenmal von jhme auff dem Acker gefunden. In deme der Baursmann das Wunder männiglichen erzehlet, und es von hoher Geistlicher Obrigkeit Gerichtlich erkundiget wird, ist schon wegen vieler geschehenen Wunderwercken ein grosser Zulauff deß andächtigen Volcks gesehen worden, neben dem, daß der beygelegne Quellbrunn ein übernatürliche Krafft von dem heiligen Bild überkommen, allweilen nit wol zu fassen, wie ein ainige Wasser-Krafft, wie sie immer genennt werden, so underschidlichen, und so widerwertigen Kranckheiten möchte ersprießlich seyn. Ist derowegen auß gemeinem Seckel anfänglich ein Capellen erbauet worden, welche nach und nach mittls deß grossen und unauffhörlichen Opffers, zu einer sehr grossen und zierlichen Kirchen erwachsen, und ist je und allzeit, sowol der Brunnen, als auch das heilige Bild bey seiner Wunderthätigen Krafft verbliben, wie dann auch bißher allzeit das heilige Bild aintweders an seinem Ort unbeweglich verbliben, oder da es sich zu Zeiten etwahin hat vertragen lassen, gleich deß andern Tags wider an seinem Ort gefunden. Sovil ligt daran, daß man die Mutter Gottes an denen Orten verehre, die sie jhr selbst zu solchem Ende außerwöhlet hat.


12.
Unser lieben Frauen Bild
genannt von den Taflen
Zu Mompelier
In Franckreich.

DJses so Wunderthätige Mariae-Bild war von schwartzen Holtz: damit es wegen Länge der Zeit nicht schaden litte, haben es die Vor-Eltern in ein Leben-grosses silbernes Maria-Bild eingeschlossen. Ist aber von der Calvinischen Wüterey mit der angezündten Kirchen, vermuthlich auch zu Aschen worden.

Wie, und wann dises heilige Bild Anfangs zu so grossen Ehren kommen, befindet sich in kainen Schrifften. Den Namen, daß es ist genennt worden das Bild von den Taflen, hat das andächige Volck geschöpfft, wegen unzahlbarer Menge der gemahlten Taflen, auff welche ein jeder sein empfangne Gutthat verzaichnet, und hin und wider in die Kirchen herumb behänget. Sovil ist bekandt, daß deß H. Fulcrani, Laedovensischen Bischoffs, zwo Schwestern, nach verlobter ewiger Keuschheit, das erste Kirchlein disem heiligen Bild erbauet haben, welches hernach wegen deß grossen Zulauffs und Verehrungen in ein grosse und köstliche Kirchen erwachsen. Zu deme ist allhier ein so gewise Cur aller Kranchkheiten zu finden gewest, daß Caesarius schreibt, die Leib-Artzten haben sich beklagt deß entzognen Gewinns, und jhre verzweiflete Patienten nit ohne Unwillen zu disem H. Mariae-Bild geschickt.

Allhier haben sich befunden von Jacobo König in Arragonien, Schanckungen, als Zaichen der erworbnen Gesundheit, so währet auch dise Zuversicht gegen der Glorwürdigen Himmels-Königin under der Burgerschafft noch biß auff jetzige Zeit, massen sie sich alle Stund, da es vonnöthen, jhrer Hülff getrösten. Wie dann in deß Statt-Raths Capellen gelesen wird in Lateinischer Sprach, auff Teutsch dises Innhalts:

O MARIA bitt dein Kind,
Daß man Hülff all Stunden findt.

Nun aber sol ich nit umbgehn, ain oder die andere Form und Weiß hierbey zu setzen, welche dise Statt gebraucht die Mutter GOttes zu erbitten.

In dem Jahr 1313. ist wegen grosser Hitz mit Dürre unnd Abgang aller Fruchtbarkeit das umbligende Land in grosser Forcht unaußbleiblichen Hungers, unnd allerley böser Kranckheiten gerathen. Nun haben die Herren Burgermaister mit sambt allen Feld-Arbeiteren ein von der Clerisey angestellte Procession von der Kirchen deß heiligen Firmini, biß zu diser unser lieben Frauen Kirchen begleitet, allda mit gebührender Ehrenbietigkeit und Andacht die alte Majestät (dann dises ware der Titl deß obgedachten Mariae-Bilds) erhebt, und biß zu dem Fluß Laedo getragen (da solle sich der Leser ab der wolgemeinten alten Ainfalt, und der ainfaltigen Andacht nit ärgeren) allda das hültzene Mariae-Bild mit Wasser zum öffteren übergossen, und widerumb mit grosser Hoffnung eines gewünschten Regens in die Kirchen beglaitet; nun hat jhr solche ainfaltige, doch wolgemainte Andacht die Himmels-Königin wol lassen gefallen, massen nach wenig Stunden ein so fruchtbarer Regen erfolgt, daß mit sambt der Hitz alle Forcht deß Hungers verschwunden. Also haben die von Mompelier die Mutter GOttes durch das Wasser erbetten. Wie sie aber auch durch das Feur ebenmässige Gnad von jhr erlangt, wird dem günstigen Leser nit unangenemb seyn zu verstehen.

Im Jahr 1348. hat die allgemaine Pestilentz, so schier alle drey Theil der Welt durchgangen, die Statt Mompelier bey nahe öd gemacht, seynd offt in einem Tag bey dreyhundert weggenommen worden, dahero dann dasselbige Jahr, noch heut das Sterb-Jahr gennnt wird. Ist abermal den Herren Burgermaistern ein ersprießliche Weiß, die Mutter GOttes zu erbitten, eingefallen: sie haben nemblich mit gespunnenem Wax jhre Statt-Mauren von aussen umbgemessen und umbgeben, welches sich auff zway tausend Elen erstreckt, hernach an den hierzu beraiten Haspel fein ordentlich auffgewunden, und in die Kirchen zu gemeltem heiligen Bild im Namen der gantzen Burgerschafft geopffert und angezündet, mit steiffer Hoffnung, es werde mit Abbrennung diser langen Kertzen auch die schwebende Pest verzehrt werden, welches gleichwol die laydige Sucht nicht erwarten können, sonder gleich Anfangs mercklich abgenommen, und bald hernach gar auffgehört, ehedann die Kertzen gantz abgebrunnen.

Ich setze noch hinzu die dritte Andacht. Im Jahr 1358. den 25. September ist ein Schaur gefallen, darinnen dreypfündige Stain gefunden worden, dahero dann die Bäum zerrissen, das Vich erschlagen, die Häuser beschweret, und eingetruckt, etliche wol auch gantz zu Boden geschlagen. In diesem Layd haben die Herren Burgermaister die Statt-Schlüssel alsbald in die Kirchen getragen, und dem heiligen Bild zu den Füssen geworffen. Alsbald hat aller Schaur ein End genommen, also wol hat die Mutter Gottes dise Andacht jhr gefallen lassen.

Wegen deren und anderer so seltzamen Wunder-Zaichen hat die Statt Mompelier mit Guthaissen hoher Geistlicher Obrigkeit auch ein sonst ungewohnlichen Fest-Tag eingesetzt, so man nennt das Fest der Wunder-Zaichen, und ist diß Fest das erstemal im Jahr 1389. den ersten September feyrlich gehalten worden auß Befelch deß Hochwürdigsten H. Bischoffen Johannis Monlaurei. Da hat man Jährlich die Nächtliche Vigilien gehalten von dem letzten Augusti an biß auff den achten September, an welchem Tag unser lieben Frauen Geburt begangen wird, da auch besondere Kirchen-Gebett darzu verordnet worden.


13.
Unser lieben Frauen Bild
Zu Myan
Im Hertzogthumb Savoyen

Gleich wie nicht selten uns das Glück und Hayl auch von den Feinden entspringt, also hat an diesem Ort die Andacht gegen dem Wunderthätigen Mariae-Bild, jhren Anfang von dem laydigen Teuffel gewunnen, ob schon er dieselbe zuverursachen im wenigsten nicht ist gesinnet gewesen.

Kaiser Friderich der Ander, nach dem er der Kirchen Christi ein lange Zeit sehr beschwerlich gewesen, ist endlich im Jahr 1249. in dem Concilio zu Lion dahin kommen, daß er gar nicht mehr zu gedulden ware. Es verdrusse jhn, daß er als ein Kayser vom Päpstlichen Stul obergangen, und seiner Person ungeachtet Ludovicus König in Franckreich dem Kriegs-Volck in das gelobte Land als Feld-Herr vorgesetzt wurde, deßwegen er Bischöff und Cardinäl, so auff das Concilium nach Lion raiseten, auff allen Strassen hat befohlen auffzufangen, und in die Gefäncknussen zu werffen; so ist auch kein Abgang deren befunden worden, welche dergleichen Käyserlichen Befelchen nur mehr allzu mit scharpffer Execution nachkommen. Deren einer ware Johannes Bonivardus, welcher, ob schon er von dem Gegentheil ein Probstey in der Statt S. Andreae, so den Canon Regul. S. Augustini aigenthumblich, zur Verehrung oberkommen, hat er doch sein angenommene Grausamkeit gegen den Geistlichen nicht abgelegt. Massen er, alsbald er sich gemelter probstey bemächtiget, die jnnwohnenden Ordens-Personen verjagt, und biß in die Capellen, von der ich rede, mit Gewalt vertriben, in welcher sich die arme Vertribne der Mutter Gottes in jhrer äussersten Noth gantz eyferig befohlen. Und ist glaublich, jhr Gebett seye eines auß disen gewesen, welche geschwind und ohne Verzug in hohen Himmel von dem Allmächtigen GOtt gehört werden, massen alsbald der ab solcher That unlustige Himmel sich mit Wolcken bezogen, und mit einer grausamen Finstere den achten Herbstmonat umb neun Uhr zu Nachts, dem nachfolgenden Undergang einen Anfang gemacht, in dem die Höllische Geister einen grossen Theil deß Bergs, Grenier genannt, von Grund auß dem Boden in die Lüfft erhebt, und darmit under grausamen wehrenden Donner, Blitzen, und Schaur gemeltes Kloster überfallen und verworffen. Also ist Bonivardus mit den Seinen under dem ersten Nacht-Essen gantz unversehens und erschröcklich begraben worden. Kein Frommer hat sich seiner bekümmert, sonderlich weil seinetwegen sovil Unschuldige seynd zu Grund gangen. Dann mit sambt dem Kloster ein gantze Statt, sechzehen Dörffer, sechs Pfarrer, in allem sechs tausend Seelen diser laydige Stein-Fall gantz jämmerlich bedeckt. So haben auch die bösen Geister mit disem sich nit befridigen lassen, sonder maßten sich an, den gantzen obgemelten Berg von Grund auffzuheben, und hin und wider auch andere umbligende Ort zu vertilgen, wo nicht jhrem Vorhaben die gemelte unser lieben Frauen Capellen wäre im Weeg gestanden, in welcher die vertribne Geistliche vor dem Wunderthätigen Bild auff das eyferigst der Mutter Gottes sich befahlen. Wie dann biß daher, und nit weiter den Höllischen Geisteren mit dem grausamen Stein-Regen zu wüeten erlaubt worden. Es seynd verständtliche Stimmen in dem Lufft gehört worden, welche mit zornigen heulen sich beklagten, daß sie verhindert wurden, in dem sie wolten den gantzen Berg erheben, alle umbligende Ort darmit zu begraben. Anjetzo ist das Wunderthätige Bild mit seiner unversehrten Kirchen an die R.R. P.P. de Observantia deß H. Francisci kommen, welchen ein Kloster darbey erbauet worden.


14.

Unser lieben Frauen Bild
zu Caestren/
In Niderland.

Es wird in dem Dorff Caestren so zwischen Arien und Caßlet ligt ein Wunderthätiges Mariae-Bild verehret schon sieben oder (wie etliche vermuethen) neunhundert Jahr lang. Ein Engelländisch Schiff hätte onder andern in dem Donkirchischen Meerhafen drey Jungfrauen auff das Land geliffert, welche jhr Vorhaben hätten, der Heiligen Gedächtnussen in der Statt Rom zu besuchen. Dise aller Weeg ond Strassen gantz onwissend haben sich in einem Wald verjirret und seynd under die grausame Mörder als von dem Normandischen Krieg oberbliebne Lands-Knecht gerathen und weil gemelte Jungfrauen nit in alles was die Mörder von jhnen begehrt wolten einwilligen seynd sie gantz greulich an der Statt ermördet und aller Klaider beraubt gantz bloß und nackend verlassen worden. Nicht lang seynd sie also gelegen, da raisete zu Pferde fürüber ein Adelicher Ritter (die alte Gemähl stellen vor, als ob er ein Ritter eines Kriegs-Ordens wäre gewesen) Diser, nach dem er sich sambt den Seinigen wegen deß ongewohnlichen Gesangs der Vögel nicht wenig verwunderet, befilcht einem seiner Diener gemeltem Gesang weiter nachzugehen, welcher uber ein kleines seinen Herren berichtet, wie er dreyer Weibs-Personen unbedeckte Leichnamb hätte angetroffen, so in kurtz zuvor müßten seyn ermordet worden, wie dann auß dem frischen Blut könne abgenommen werden. Der Adeliche Ritter, ob schon er an beyden Augen gantz blind, hat doch auß deß Dieners Worten mehr gesehen, als der Diener mit aygnen Augen, massen er jhme geschwind etwas heiliges und übernatürliches eingebildet. Lasset sich derowegen alsbald an das Ort weisen, bestreicht mit dem noch frischen Blut seine Augen, und kombt ohne Verzug widerumb zu seinem Gesicht. Kaum ist er nach Hauß kommen, schlägt zu dieser noch ein andere Freud, in deme sich die Mutter Gottes und Himmels-Königin Maria vor jhme sehen lassen, mit Befelch, daß er jhr an dem Ort, an welchem er nach gesprochnem Englischen Grueß seine Augen mit Jungfräulichem Blut besalbet, ein Capellen erbaue, und darein die Leichnamb der dreyen heiligen Jungfrauen gantz ehrentbietig zur Erden bestätte: Solche Ehre habe verdient der Todt, so sie wegen der beschützten Jungfauschafft erlitten. Ohne allen Verzug ist die Capellen mit Hülff der von dem andächtigen Ritter dargeschossnen Gelt-Mittlen erbauet und darein das Mariae-Bild gestellt worden, welches schon sovil hundert Jahr mit Wunder-Zaichen leuchtet. Nun ob schon underschidliche Kriegs-Läuff zum öffteren die Andacht deß zulauffenden Volcks etwas eingestellt, hat sich doch allzeit nach erlangten Friden selbige Andacht für sich selbsten wider erweckt, deren vilfältige und uhralte Gedächtnussen die Bildstürmerischen Ketzereyen mit Feuer und Schwerdt außgetilgt. Ist doch auß sonderbarer Schickung GOttes überbliben ein uhraltes Buch, in welchem befunden wird, daß vor Altres neben  vielen anderen und grossen Wunder-Zaichen nit-ungewohnlich seye gewesen, daß die ungetauffte und verstorbne Kinder, da sie auff disen Altar gelegt, wider zum Leben erweckt wurden, zum wenigsten so weit, daß sie deß H. Sacraments deß Tauffs möchten thailhafftig werden. Sonderlich werden diser Geschichten neun darinnen außtrucklich angezogen, welche sich von 1494 biß auff 1496. innerhalb zway Jahren begeben haben: werden auch bewehrter Zeugen Nämen gantz außfürhlich darbey vermeldet, sambt dem Tag deß Monats, an welchem sich die Sach verloffen. Eines ist schier unerhört, welches sich im 1496. Jahr den vierdten Tag Herbstmonats zugetragen, in deme ein verstorbnes Kind den gantzen Tag bey unser lieben Frauen zu Stratzele (sonst auch Wunderthätig) ohn einiges Zaichen deß Lebens auff dem Altar gelegen, hernach auff den Altar zu Caesten getragen, und nit weniger auch da einen gantzen Tag ohn alles Anzeigen deß Leben gelegen, letztlich zu der Erden ist bestättet worden. Deß Kinds Vatter, da er von einer Raiß nach Hauß kommen, und alles vernommen, hat mit seinen aygnen Händen das Kind, nachdem es schon drey Täg in dem Grab gelegen, wider außgraben, mit grosser Zuversicht gegen der Himmels-Königin Maria auff den Altar gelegt. Allda wegen seines Glaubens alsbald gnugsame Anzeigen deß Lebens gespührt worden, dann in Beyseyn tauglicher Zeugen das Kind die Hand bewegt, einen Fuß an sich gezogen, und deßwegen alsbald getaufft worden, und weilen weitere Anzaigen deß Lebens nicht meh vermerckt, wider zu sein voriges Grab gelegt worden.

 

15.

Unser lieben Frauen Bild
Genannt zu dem Gätter zu Lille/
In Niderland.

Die Andacht gegen der Mutter GOttes ist bei der Burgerschafft der Statt Lille jederzeit also groß gewesen, daß sie anheut biß in die siben Wunderthätige Mariae-Bilder in der Statt haben. Zehen andere, ebnermassen von Wunder-Zeichen berühmt, befinden sich so nahend in dem Umbkraiß der Statt, daß jedes nur ein Spatzier-Gang darvon gelegen. Mit diesen Marianischen Kirchen als mit Vorwercken ist dise Statt befestiget, welche ob sie schon auch mit ihrer dapfferen Mannschaft sich mehrmalen beschützte, hat sie doch im Jahr 1641. mittels eines Gätters, Feind abgetriben. Damit aber nit etwan die Ehr der erhaltnen Statt ein anderer jhme zuschribe, haben die fromme Burger bald hernach im Jahr 1645. ebnermassen ihre Feind durch gemeldtes Gätter  sicher und ohne Gefahr sehen jhrer Statt Belägerung auffheben und abziehen.

Es ist nunmehr bey vierdthalb hundert Jahren in grossen Ehren ein Mariae-Bild, welches, weil es in der H. Petri Kirch jnnerhalb eines Gätters auffbehalten wird, seinen Namen von dem Gätter  überkommen hat, und von alters hero je und allzeit das H. Mariae-Bild von dem Gätter genennet worden ist. In diesem Gätter seynd in gemeldtem 1645. Jahr die Burger geflohen, haben der Himmels-Königin, als jhrer sonderbaren Beschützerin, die belägerte Statt befohlen, und ihr auch die unverhoffte Auffhebung der schweren Belägerung, und den Abzug der Feinden zugschrieben.

Sovil der grossen Wunder-Zeichen hat die Statt von Maria mittels dieses heiigen Bilds von vierdthalb hundert Jahren hero empfangen, daß unwissend ist, welches das erste gewesen seye, von deme die anderne jhren Ursprung haben. Schon vor Zeiten haben die böse Geister disen Ort gescheuhet, massen deren vil lieber wollen von den Besessnen außfahren, als an diesem Ort erscheinen, als elche sich nit understehen dörffen in Gegenwart Mariae mit einigem, so sie anruffte, übel zu verfahren.

Täglich sihet man nit wenig deren, die jhr Andacht allhier verrichten, doch alle Montag, und noch mehr alle Sambstag ist der Zulauff deß Volcks noch grösser. Man mag wol die Statt Lille ein Marianische Statt nennen, weilen sie zu diser Zeit noch mehr dann zuvor sich Mariae undergeben, also zwar, daß auch der Ehrsame gesambte Statt-Rath jhme selbsten den Namen und Titl von dem Gätter geschöpfft, mit solcher Ueberschrifft:

B.V. MarIae CanCeLLatVs senatVs popVLVsque InsVLensIs ConseCrabant.


(Fortsetzung folgt!


24.

Unser lieben Frauen Bild
Zu Einsidlen.
Im Schweitzerland.


Transkription: P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell