Aus dem Immaculata-Archiv:


DAS HERZ MARIÆ
IM WELTENPLAN

Die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariä im Weltenplan Gottes

Im Buche Esther wird geschildert, wie Mardochäus in entscheidender Stunde einen Boten zur Königin Esther sendet mit der Bitte, sie möge sich beim König für das Gottesvolk verwenden. Schon waren die Galgen für die Juden auf den öffentlichen Plätzen errichtet; der Mordbefehl war gegeben und besiegelt. Mardochäus ließ der Königin sagen - Esther war selbst Jüdin und Pflegetochter des Mardochäus -: "Wer weiß, ob Du nicht gerade für diese Zeit zum Königtum gelangt bist?" - Esther begibt sich zum König. Dieser neigt in Huld sein Königszepter; die Königin berührt es und erlangt Schonung für ihr Volk; die Feinde des Gottesvolkes aber enden am Galgen.

Esther ist ein Vorbild der Gottesmutter. Maria ist "Königin der Welten"; es scheint, daß es im Plane der göttlichen Vorsehung liegt, in unseren Tagen das Herz des ewigen Königs durch ihr Herz zu versöhnen und die Dämonen durch ihre Macht zu stürzen. Wie im alten Bund Mardochäus in letzter Stunde auf die Fürbitte der Königin Esther vertraute, so hat der Vater der Christenheit "in dieser tragischen Stunde der Menschheitsgeschichte" sich vor dem Throne der Himmelskönigin niedergeworfen, ihr die Kirche und die Welt geweiht; durch ihr unbeflecktes Herz erwartet er Hilfe.

Am 8. Dezember 1942 weihte der Heilige Vater im Petersdom zu Rom öffentlich und feierlich die Menschheit ihrem unbefleckten Herzen mit folgenden Worten:

Königin des hl. Rosenkranzes, Hilfe der Christen, Zuflucht des Menschengeschlechtes, Siegerin in allen Kämpfen Gottes! Flehend werfen wir uns vor Deinem Throne nieder. Wir hoffen zuversichtlich, daß wir in den gegenwärtigen Nöten zur rechten Zeit Barmherzigkeit, Gnade und Hilfe finden werden. Wir vertrauen dabei in keiner Weise auf unsere eigenen Verdienste, sondern einzig auf die unendliche Güte Deines mütterlichen Herzens.

Dir, Deinem unbefleckten Herzen, vertrauen wir uns an, übergeben ud weihen wir in dieser tragischen Stunde der Menschheitsgeschichte nicht nur die heilige Kirche, den mystischen Leib Deines Jesus, der an so vielen Stellen leidet und blutet und auf so mannigfache Weise gequält wird, sondern auch die ganze Welt, die von wilder Zwietracht zerrissen wird und in einem Feuermeer des Hasses brennt als Opfer der eigenen Sünden.

Dich rühren all die materiellen und moralischen Zerstörungen, soviel Schmerzen, soviel Ängste der Väter und Mütter, der Gattinnen, der Geschwister, der unschuldigen Kinder; der Tod sovieler junger Menschen, die in der Blüte der Jahre dahingerafft weden; soviele Menschenleben, die in diesem grauenhaften Blutbad zerfleischt werden; so viele Seelen in Qual und Not; so viele in Gefahr, ewig verloren zu gehen! O Mutter der Barmherzigkeit, erflehe Du uns von Gott den Frieden! Und vor allem jene Gnaden, die in einem Augenblick die menschlichen Herzen umwandeln können, jene Gnaden, die den Frieden vorbereiten, schließen und sichern! Königin des Friedens, bitte für uns und gib der streitenden Welt den Frieden, den die Völker ersehnen, den Frieden in der Wahrheit, in der Gerechtigkeit und in der Liebe Christi!

Gib ihr den Frieden der Waffen und den Frieden der Seelen, damit Gottes Reich sich in der Ruhe und Ordnung ausbreite. Gewähre Deinen Schutz den Ungläubigen und denen, die noch im Schatten des Todes sitzen; schenke ihnen den Frieden, und laß für sie die Sonne der Wahrheit aufgehen, damit sie mit uns zusammen vor dem einzigen Retter der Welt wiederholen können: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind." (Luk. 2,14). Und jenen Völkern, die durch Irrtum oder Zwietracht abgesondert sind, besonders denen, die Dir eine einzigartige Verehrung erweisen, und bei denen kein Haus war, wo man Deine verehrungswürdige Ikone nicht in Ehren hielt (heute ist sie vielleicht verborgen oder für bessere Tage aufbewahrt), diesen Völkern gib den Frieden und führe sie zu dem einen Schafstall Christi zurück, unter den einen und wahren Hirten.

Erflehe der heiligen Kirche Gottes Frieden und völlige Freiheit; gebiete Einhalt der sich ausbreitenden Flut des Neuheidentums; nähre in den Gläubigen die Liebe zur Reinheit, das Leben nach christlichen Grundsätzen und den apostolischen Eifer, damit das Volk Gottes an Verdienst und Zahl zunehme.

Und wie dem Herzen Deines Jesus die Kirche und das ganze Menschengeschlecht geweiht wurde, damit er, auf den sie alle Hoffnung setzten, ihnen Zeichen und Unterpfand des Sieges und der Rettung würde, so weihen wir uns gleicherweise von heute ab für immer auch Dir und Deinem unbefleckten Herzen, Du unsere Mutter und Königin der Welt, damit Deine Liebe und Deine Schutzherrschaft den Triumph des Gottesreiches schneller herbeiführen, und alle Völker, versöhnt untereinander und mit Gott, Dich selig preisen und mit Dir von einem Ende der Welt bis zum andern das ewige Magnifikat der Ehre, des Ruhmes, der Liebe und Dankbarkeit dem Herzen Jesu anstimmen, in dem allein sie die Wahrheit, das Leben und den Frieden finden können.

Ein eigenes Fest zu Ehren des unbefleckten Herzens Mariä soll für alle Zeiten die Gesinnung dieser Weihe in den Herzen der Gläubigen festhalten. Es wird am 22. August in der ganzen Kirche feierlich begangen.

In seinem Rundschreiben "Mystici Corporis" sagt der Papst: "Ihrem unbefleckten Herzen haben wir vertrauensvoll alle Menschen geweiht." Welche Bedeutung der Heilige Vater der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariä beilegt, geht aus dem Rundschreiben "Auspicia quaedam" hervor. Hier heißt es: "Wie sich alle erinnern, haben Wir vor einigen Jahren, als noch der letzte Weltkrieg wütete, in der Erkenntnis, daß die menschlichen Mittel sich als unsicher und ungenügend herausgestellt haben, um diesen verheerenden Brand auszulöschen, Unsere eindringlichsten Gebete an den barmherzigen Erlöser gerichtet, wobei Wir den machtvollen Schutz des Unbefleckten Herzens Mariä dafür in Geltung brachten. Und wie Unser Vorgänger unsterblichen Andenkens Leo XIII. zu Beginn des 20. Jahrhunderts das ganze Menschengeschlecht dem Allerheiligsten Herzen Jeus weihen wollte, so haben Wir gleicherweise gleichsam in Vertretung der von ihm erlösten Menschheitsfamilie diese außerdem dem Unbefleckten Herzen der Jungfrau Maria weihen wollen. Wir wünschen überdies, daß, wo die Angemessenheit der Umstände dies anempfiehlt, diese Weihe in den Diözesen wie in den einzelnen Pfarreien und Familien stattfinde, und Wir haben das Vertrauen, daß von dieser privaten und öffentlichen Weihe Wohltaten und himmlische Gunstbezeugungen hervorgehen werden."

In dem Erlaß der Ritenkongregation zur Einsetzung des Festes wird am Schluß das Ziel der Verehrung des Herzens Mariä angegeben: "Damit durch die Hilfe der allerseligsten Gottesmutter allen Völkern der Friede, der Kirche die Freiheit geschenkt werde, die Sünder von ihrer eigenen Schuld befreit und alle Gläubigen in der Liebe zur Reinheit und in der Übung aller Tugenden befestigt werden."

Zunächst erwartet der Hl. Vater durch die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariä den Frieden der Völker. Zwar ließ der Friede nach der Weihe nicht mehr lange auf sich warten, doch wir ersehnen mit dem Hl. Vater die Früchte des Friedens:

Der Vater der Christenheit erwartet weiter durch die Hilfe des unbefleckten Herzens die Freiheit der Kirche. Schon standen in unserm eigenen Vaterland die Galgen bereit für die treuen Anhänger Christi. Doch es erging den Feinden der Kirche ähnlich wie den Feinden der Juden zur Zeit der Königin Esther, gewiß durch die Hilfe der Gottesmutter. Aber wer kennt nicht die Anschläge der Feinde Christi zur Stunde? - Wir erflehen vertrauensvoll durch das unbefleckte Herz Mariä die Sprengung aller Fesseln, die man der Kirche anlegt; wir erflehen ungehinderte Missionstätigkeit auf der ganzen Welt; wir erflehen die Einheit der Kirche, Zurückführung der Getrennten. Mit welcher Inbrunst erfleht der Hl. Vater in seinem Weihegebet die Rückkehr der schismatischen Kirchen des Ostens! Welche Aufgabe weist er hier dem Herzen Mariä zu in unseren Tagen! - Welch ein Appell aber auch an uns, ihr Herz in diesen Anliegen zu bestürmen!

Eine dritte Aufgabe soll die Verehrung des unbefleckten Herzens Mariä erfüllen: Die Bekehrung der Sünder. War das nicht von Anfang an ein besonderes Anliegen aller Bruderschaften zu Ehren des Herzens Mariä! Wie wunderbar hat sie sich in der Geschichte als Zuflucht der Sünder gezeigt! Nun soll sie in unseren Tagen, da ein Massenabfall durch all die falschen Propheten erfolgt ist, die Sünder zum Herzen Gottes zurückführen. Dem Massenabfall soll eine Bekehrung in großem Ausmaß entsprechen.

Ein viertes Ziel soll durch die richtig geübte Andacht zum unbefleckten Herzen Mariä erreicht werden: die Liebe zur Reinheit. Durch das Vorbild des Herzens Mariä und durch ihre mächtige Fürbitte sollen die Menschen zur Sittsamkeit zurückgeführt werden. Sittenlosigkeit ist das Grab alles religiösen Lebens. Die Machthaber der Vergangenheit haben ernstlich am Fundament der Sittlichkeit gerüttelt. Bloß menschliche Mittel reichen nicht aus, das Volk und vor allem die Jugend zum christlichen Ideal der Sittsamkeit zurückzuführen. Das Gift, das Teufel in Menschengestalt der Jugend eingeflößt haben, kann durch eine zarte und innige Marienverehrung wieder leichter entfernt werden.

Als letzte Frucht verspricht sich der Hl. Vater von der Verehrung des Herzens Mariä die Übung jeglicher Tugend und die Befestigung in der Tugend. Alle Tugenden finden sich ja in einem außerordentlichen Maße in Maria; sie ist nach Jesus das vollkommenste Vorbild; durch ihre Fürsprache ist sie mächtig, uns im Tugendstreben zu befestigen.

In Wahrheit: Das Herz Mariä hat eine weltweite Aufgabe im Plane der Vorsehung Gottes für unsere Tage.

Gott hat diese Andacht wohl unserer Zeit vorbehalten. Es ist ja die Zeit, in der die Menschen das Mutterherz suchen. So viel Leid und Weh liegt auf den Gesichtern und preßt die Herzen zusammen; sie schreien nach dem Herzen der verstehenden Mutter. Es ist die Zeit, da die Macht des Bösen in der Welt groß und mächtig geworden ist. Der Teufel läßt die Menschen in ihrer Not die Fäuste zusammenballen in Aufruhr gegen Gott und seine Kirche. Es ist wohl die Zeit, von welcher der selige Ludwig Maria Grignion spricht: "Maria muß in diesen Zeiten mehr denn je durch Barmherzigkeit, Kraft und Gnade hervortreten: durch Barmherzigkeit, um die armen Sünder und Verirrten die sich bekehren und zur katholischen Kirche heimkehren werden, zurückzuführen und liebvoll aufzunehmen; durch Kraft und Macht gegen die Feinde Gottes... die sich furchtbar erheben werden; und endlich muß sie hervortreten durch Gnade, um die treuen Streiter und Diener Jesu Christi, die für seine Interessen kämpfen werden, zu ermutigen und zu schützen. Schließlich muß Maria dem Teufel und seinem Anhang furchtbar sein wie ein wohlgeordnetes Kriegsheer, weil der Teufel, wohl wissend, daß er nur wenig Zeit hat, um die Seelen zu verderben, von Tag zu Tag seine Anstrengungen verdoppelt."

Der Selige sieht aber auch in diesen Zeiten apostolische Seelen an der Arbeit, die vom Geiste Mariens erfüllt sind und Großes für das Gottesreich leisten: "Diese großen Seelen, voll Gnade und Eifer, werden dazu bestimmt sein, sich den Feinden Gottes entgegen zu stellen, die sich von allen Seiten mit Ingrimm erheben werden. Sie werden eine besondere Andacht zur allerseligsten Jungfrau hegen, von ihrem Lichte erleuchtet, von ihrem Geiste geleitet, von ihrem Arme gestützt und von ihrem Schutze umgeben sein."

Ein Blick in die Geschichte dieser Andacht wird uns noch mehr von ihrer Bedeutung für unsere Tage überzeugen.

Aus der Geschichte der Verehrung des unbefleckten Herzens Mariä

Die Hl. Schrift erwähnt zweimal ausdrücklich das Herz Mariä. Der hl. Lukas schildert den Eindruck, den die Kunde der Hirten auf Maria machte, mit den Worten: "Maria aber behielt alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen." (Luk. 2,19.) Als Maria ihr Kind nach schmerzlichem Suchen am dritten Tage im Tempel wiederfand, sagt der Evangelist: "Seine Mutter bewahrte alle diese Vorgänge in ihrem Herzen." (Luk. 2,51.) - Vom Hl. Geiste erleuchtet, schaute der greise Simeon tief in das leidgeprüfte Herz der Gottesmutter und sprach die prophetischen Worte: "Deine eigene Seele wird ein Schwert durchbohren, damit die Gedanken vieler offenbar werden" (Luk. 2,35). - Vom Kreuz herab weist Jesus seinen Lieblingsjünger auf dieses Mutterherz hin und schenkt es damit der ganzen Menschheit zur Verehrung.

So ist denn die Herz-Mariä-Verehrung biblischen, ja man kann fast sagen, göttlichen Ursprungs. Was Wunder, wenn viele Gottesmänner des christlichen Altertums und des Mittelalters dieses Herz kindlich verehrten! Bei der Erklärung des Hohen Liedes fanden sie im Herzen Mariä das liebedurchglühte Herz der Braut des himmlischen Bräutigams. In Predigt und Schrift wiesen sie das gläubige Volk auf das schmerzdurchbohrte Herz der Gottesmutter hin. -

In eine neue Entwicklung trat die Herz-Mariä-Verehrung zu Beginn der Neuzeit. Der hl. Johannes Eudes führte den Kult ihres reinsten Herzens zunächst in die von ihm gegründete Genossenschaft ein. Auf seinen zahlreichen Volksmissionen, die er vor allem in Nordfrankreich hielt, machte er diese Andacht dem Volke zugänglich. Er gründete Bruderschaften zu Ehren des Herzens Mariä und erwartete von diesen den dauernden Erfolg seiner Missionen. Unter dem Schutz des unbefleckten Herzens organisierte er ein Laienapostolat, das sich bis in unsere Tage erhalten hat.

Im Jahre 1648 stiftete P. Johannes Eudes die "Genossenschaft der Kinder des Herzens der wunderbaren Mutter". Aufgenommen wurden Jungfrauen und Witwen; diese führten ein Leben der Armut und Keuschheit inmitten der Welt, ganz dem Dienste am Nächsten sich hingebend. In den vergangenen Jahrhunderten hat dieses Werk der Kirche große Dienste geleistet. Ihre Aufgabe besteht in der religiösen Unterweisung der Kinder in der Kranken- und Armenpflege; sie stehen den Sterbenden bei und sorgen für Schmuck und Sauberkeit der Kirchen. Alles tun sie ehrenamtlich als Laienapostel.

Es entstanden nun in der folgenden Zeit zahlreiche Bruderschaften zu Ehren des unbefleckten Herzens Mariä; im Jahre 1765 zählte man deren hundert. Im vorigen Jahrhundert entstand ein eignes Fest vom reinsten Herzen Mariä, das in einzelnen Orden und Diözesen gefeiert wurde.

Sehr viel hat die "Erzbruderschaft des heiligen und unbefleckten Herzens Mariä zur Bekehrung der Sünder" zur Verbreitung dieser Andacht beigetragen.

Desgenettes, Pfarrer an der Kirche unserer lieben Frau vom Siege in Paris, rief diese Bruderschaft ins Leben (1836). Verzweifelt war die Lage seiner riesengroßen Pfarrei. Bei den 27.000 Seelen zählte er im Jahre höchsten 700 Kommunionen. Eines Tages kam ihm, während er an einem Marienaltar die hl. Messe feierte, der Gedanke: Weihe deine Pfarrei dem heiligen und unbefleckten Herzen Mariä. Er tat es. Von da an geschahen wahre Wunder der Bekehrung. Tausende von armen Sündern versöhnten sich mit Gott. Nach zwei Jahren hatte sich die Zahl der Kommunionen schon verzehnfacht, nach zehn Jahren verhundertfacht. Heute zählt die Zahl der Mitglieder dieser Erzbruderschaft auf der ganzen Welt 40 Millionen. (Mitglied wird man, wenn man sich bei der Diözesanstelle der Erzbruderschaft anmeldet und täglich ein "Gegrüßt seist Du Maria" für die Bekehrung der Sünder betet.)

Es war zur selben Zeit; der Sohn eines elsäßischen Rabbiners wurde Christ, Priester und Ordensstifter. Er gründete eine Genossenschaft von Priestern für die Bekehrung der Schwarzen in Afrika. Unter dem Schutz des unbefleckten Herzens Mariens, begann er sein Werk, das für die Misson Afrikas so Herrliches geleistet hat.

Es handelt sich um Pater Libermann. Während er in Rom zur Gründung seines Werkes weilt, schreibt er: "Ich hatte mich schon redlich bemüht, an Plan und Regelentwurf zu arbeiten; aber es war mir unmöglich, auch nur einen Gedanken zu fassen; ich befand mich in völliger Unklarheit. Da machte ich mich denn auf und besuchte die sieben Hauptbasiliken Roms und etliche andere Marienkirchen. Und siehe da, auf einmal war ich entschlossen, die Gesellschaft dem heiligen Herzen Mariä zu widmen... Jetzt ging alles gut."

Es war ebenfalls zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, am 27. November 1830. Die Gottesmutter erschien der seligen Schwester Katharina Labouré; sie wurde aufgefordert, eine Medaille zu Ehren des Herzens Mariä anzufertigen und zu verbreiten.

Strahlen gingen von den Händen der Gottesmutter aus; sie sagte: "Die Strahlen sind das Sinnbild der Gnade, die ich über die ausgieße, die mich darum bitten." Alsdann bildete sich um die Erscheinung eine Schrift in goldenen Buchstaben: "O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir unsere Zuflucht zu Dir nehmen." - Da wandte sich das Bild; die Schwester sah nun die Rückseite des Bildes: den Buchstaben M, von einem Kreuze überragt. Darunter waren die beiden heiligsten Herzen Jesu und Mariä; das erstere von einer Dornenkrone umwunden, das zweite von einem Schwerte durchbohrt. Das ganze war umrahmt von zwölf Sternen. - Maria befahl: "Laß nach diesem Muster eine Medaille prägen; alle, die sie tragen, werden große Gnaden erlangen. Überreich werden die Gnaden für jene, die sie mit Vertrauen am Halse tragen". Diese Medaille ist als die "Wundertätige Medaille" bekannt geworden. So wird sie genannt auf Grund der vielen Gnadenerweise, welche die Gottesmutter denen zukommen ließ, die sie mit Vertrauen getragen haben.

So wuchs denn im vorigen Jahrhundert unter dem Segen der Kirche die Liebe und Verehrung des Volkes allüberall zum Herzen Mariä.

In ein neues Stadium trat die Andacht in unseren Tagen durch die Ereignisse in Fatima.

Offenbarung des Herzens Mariä in Fatima

In der neuesten Zeit geht durch die ganze katholische Welt die Botschaft von Fatima. Es ist eine Botschaft vom unbefleckten Herzen Mariä. Der Hl. Vater hat sich selbst zum Anwalt dieser Botschaft gemacht. Anläßlich der Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahre 1942 hat er in einer Radiobotschaft an Portugal die ganze Welt dem unbefleckten Herzen Mariä geweiht; er hat diese Weihe, wie wir zu Anfang erwähnten, am 8. Dezember desselben Jahres im Petersdom feierlich wiederholt. Durch Fatima wurde die Herz-Mariä-Verehrung zur Weltbewegung. Darum ist es notwendig, in Kürze auf die Hauptereignisse und auf den Inhalt der Botschaft des Herzens Mariä einzugehen.

Im Jahre 1917 erschien Maria in Fatima, einem kleinen Gebirgsort Portugals, drei Hirtenkindern. Die Kinder waren einfache Landkinder; sie konnten nicht lesen und schreiben. Ihre Eltern hatten sie beten gelehrt; sie lernten fleißig den Katechismus. Lucia zählte zehn Jahre; ihre beiden Geschwisterkinder Franzisco und Jacinta waren neun und sieben Jahre.

Die erste Erscheinung

Es war am 13. Mai 1917. Die drei Kinder weideten ihre Schafe in einer Talmulde, Cova da Iria genannt, nahe von Fatima. Nach Kinderart spielten sie und warfen von Zeit zu Zeit einen Blick auf ihre Herde. Zur Mittagszeit beteten sie den Engel des Herrn und den Rosenkranz; so hatten die Eltern sie gelehrt.

Da plötzlich, ein Blitz bei heiterem Himmel. Die Kinder wollten ihre Herde den Abhang hinauftreiben, ein Gewitter befürchtend. Da, ein zweiter Blitz; die Kinder schauen auf; vor ihnen schwebt über einer Steineiche eine wunderschöne Frauengstalt; sie hält in Händen den Rosenkranz. Die Kinder schauen erschreckt auf. Sie beruhigt sie mit einer liebevollen Gebärde: "Habt keine Angst, ich tue euch nichts zu leide." Nach einer Weile wagt Lucia zu sprechen: "Woher bist Du?" - "Ich komme vom Himmel", ist die Antwort. - "und was willst Du von mir?" fragt Lucia weiter.

"Ich bin gekommen, um euch zu bitten, daß ihr zur gleichen Stunde wie heute am 13. jeden Monats hierher kommt, sechsmal nacheinander bis Oktober. Im Oktober werde ich euch sagen, wer ich bin und was ich von euch will." Lucia fragt, ob sie in den Himmel kämen; was sie bejaht. Dann fährt sie fort:

"Wollt ihr euch Gott schenken, bereit, jedes Opfer zu bringen und jedes Leiden anzunehmen, das er euch schicken wird als Sühne für die vielen Sünden, durch die Gottes Majestät beleidigt wird, um die Bekehrung der Sünder zu erlangen und als Genugtuung für die Flüche und alle übrigen Beleidigungen, die dem unbefleckten Herzen Mariä zugefügt werden?"

Lucia gibt im Namen der anderen beiden die Antwort: "Ja, das wollen wir."

Am Schluß empfahl sie den Kindern, täglich den Rosenkranz zu beten.

Den Kindern war es klar, sie hatten die Gottesmutter gesehen. Sie nahmen sich vor, es niemand zu sagen. Doch die siebenjährige Jacinta erzählte alles am Abend ihrer Mutter. - Die eigenen Eltern und die Leute hielten es für Einbildung der Kinder. - Es gab Spott von Seiten der Leute und von den Eltern Schelte und Schläge. Doch die Kleinen konnte man nicht beirren. Es nahte der 13. Juni.

Die zweite Erscheinung

Die drei Kinder pilgerten mit 50 Personen, die als Neugierige mitgekommen waren, am 13. Juni zur Cova da Iria. Sie beteten den Rosenkranz. Zur selben Stunde wie am 13. Mai erschien die Gottesmutter. Lucia fragte: "Was willst Du von mir?" - Sie antwortete, sie werde am 13. des nächsten Monats wieder kommen, und bis dahin sollten sie jeden Tag den Rosenkranz beten. Dann sprach sie: "Ich will, daß ihr lesen lernt; dann werde ich euch sagen, was ich wünsche." Dann vertraute sie den Kindern ein Geheimnis an. Die Kinder sprachen über dieses Geheimnis nicht, so sehr man auch in sie drang. - Einen Teil des Geheimnisses hat Lucia später auf Geheiß ihres Seelenführers niedergeschrieben. Lucia bat Maria, sie alle drei in den Himmel zu nehmen. "Ja, ich werde bald kommen, um Francisco und Jacinta zu holen. Du jedoch mußt länger hier unten bleiben; Jesus will sich deiner bedienen, damit die Menschen mich kennen und lieben lernen. Er will die Verehrung meines unbefleckten Herzens in der Welt begründen; wer sie übt, dem verspreche ich das Heil; diese Seelen werden von Gott bevorzugt, werden wie Blumen, die ich vor seinen Thron bringe." "So muß ich allein hier unten bleiben", fragt Lucia. - "Nein, mein Kind. Leidest du viel, so verliere nicht den Mut! Ich werde dich nie verlassen. Mein unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führt."

Die Kinder sahen, berichtet Lucia vor der rechten Hand der Gottesmutter ein Herz, das von Dornen umgeben war, die von allen Seiten hineinstachen. Sie erkannten, daß es das unbefleckte Herz Mariä war, das durch die Vielen Sünden der Welt verwundet wird und nach Sühne und Wiedergutmachung verlangt.

Die dritte Erscheinung

Viel hatten die Kleinen in der Zwischenzeit zu leiden; ihre Eltern machten ihnen Vorwürfe. Der Ortspfarrer bestellte die Eltern mit den Kindern zu sich und erklärte Lucia, ihm scheine, die Sache komme vom Teufel. Diese Bemerkung war keine geringe Prüfung für das Kind. Sie verlor den Mut, wieder zur Cova da Iria zu gehen. - Es kam der 13. Juli. Von einer überirdischen Gewalt getrieben, ging sie doch mit ihren beiden Geschwisterkindern zur festgesetzten Zeit dorthin.

Über 2000 Personen waren diesmal anwesend. - Die Gottesmutter bat zunächst, die Kinder möchten am 13. des nächsten Monats wiederkommen und täglich den Rosenkranz beten. Lucia bat, sie möchte doch ein Wunder wirken, damit die Leute glauben würden; sie antwortete, im Oktober werde sie das tun. Sodann bat sie die Kinder eindringlich: "Opfert euch für die Sünder und sagt oft, besonders aber, wenn ihr ein Opfer bringt: O Jesus, aus Liebe zu Dir und für die Bekehrung der Sünder, als Genugtuung für die Beleidigungen, die dem unbefleckten Herzen Mariens zugefügt werden." - Da plötzlich schrie Lucia auf. Die Gottesmutter ließ die Kinder einen Blick in den Abgrund der Hölle tun. Die Kinder sahen etwas wie ein Feuermeer und in ihm schwarze, verbrannte Wesen, Teufel und Seelen in Menschengestalt, die fast wie durchsichtige, glühende Kohlen aussahen. Sie wurden innerhalb der Flammen in die Höhe geschleudert und fielen wie Funken herab; sie stießen entsetzliche Klagelaute, Schmerzens- und Verzweiflungsschreie aus. Die Gottesmutter fuhr fort: "Ihr habt die Hölle gesehen, die auf die armen Sünder wartet. Um sie zu retten, will der Herr die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen einführen. Wenn man das tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden."

Am Schluß dieser Erscheinung fügt Maria hinzu: "Wenn ihr den Rosenkranz betet, fügt am Ende jedes Gesetzes hinzu: O mein Jesus, verzeih' uns unsere Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle; führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die am meisten Deiner Barmherzigkeit bedürfen."

Diese Vision war die eindringlichste von allen; sie machte die Kinder seeleneifrig im Gebet und Opferbringen.

Erscheinung im August

Durch Polizeigewalt wurden die Kinder am 13. August daran gehindert, zur Cova da Iria zu gehen. Darum erschien ihnen Maria am 19. August. Sie hüteten wieder ihre Herden. Am Mittag dieses Tages erschien ihnen die Gottesmutter und beklagte sich, daß man sie am 13. an ihrem Erscheinen gehindert habe. Sie forderte die Kinder auf, mit dem Geld, das bisher geschenkt worden war, eine Kapelle zu errichten. Sie ermahnte sie zum Rosenkranzgebet und schloß ernst: "Betet, betet! Und bringt viele Opfer für die Sünder, denn es kommen viele in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert und für sie betet."

Die fünfte Erscheinung

Am 13. September waren es viele Tausend Pilger, die betend von allen Seiten herbeiströmten. Es kam die Stunde der Erscheinung. Alle beteten gemeinsam vorher den Rosenkranz. Die Gottesmutter ermunterte bei dieser Erscheinung von neuem die Kinder, den Rosenkranz zu beten; sie versprach, am 13. des nächsten Monates mit dem hl. Josef und dem Jesuskind wiederzukommen. Lucia empfahl ihr die Heilung einiger Kranken. Maria versprach, daß einige genesen würden. - Lucia sagte: "Die Leute wollen hier eine Kapelle errichten"; sie hieß den Plan gut.

Die letzte Erscheinung am 13. Oktober

Es kam der 13. Oktober, an dem die Gottesmutter ihren Titel offenbaren und ein Wunder wirken wollte. Groß war der Zustrom, man rechnete über 50.000 Menschen. Es war ein kalter, verregneter Tag. Die Kinder kamen mit Mühe duch das Gedränge in Begleitung ihrer Mütter. Auf das Geheiß Lucias beteten alle den Rosenkranz. Da plötzlich schaute Lucia auf; sie rief: "Es hat geblitzt; da ist Sie! da ist Sie!" Lucia war in Ekstase; das Gesicht des Kindes wurde viel schöner als sonst. Die Anwesenden sahen, wie sich eine weiße Wolke um die Kinder bildete. Lucia wiederholte noch einmal ihre Frage: "Wer bist Du, und was willst Du von mir?" Die Erscheinung antwortete: "Ich bin die Rosenkranzkönigin; ich will, daß man hier mir zu Ehren eine Kapelle erbaue." Sodann empfahl sie zum sechstenmal, man solle fortfahren, alle Tage den Rosenkranz zu beten. Dann sprach die Gottesmutter: "Die Leute sollen sich bessern und um Verzeihung ihrer Sünden bitten." Ihr Antlitz wurde tief traurig als sie mit flehentlicher Stimme sprach: "Sie sollen den Herrn nicht mehr beleidigen, der schon so viel beleidigt wurde."
Bei dieser Erscheinung ereignete sich das sogenannte Sonnenwunder.
Während die Menge ganz im Banne dieses Sonnenwunders stand, hatten die Kinder eine andere Freude: sie sahen, wie es Maria bei der fünften Erscheinung versprochen hatte, die hl. Familie: die Gottesmutter mit einem weißen Gewand und himmelblauem Mantel bekleidet, ihr Antlitz leuchtender als die Sonne; links neben ihr den hl. Josef mit dem Jesuskind. Die hl. Familie segnete die Welt mit dem Kreuzzeichen. Als diese Vision vorüber war, sah Lucia allein den Heiland, wie er die Welt segnete und dann noch einmal die Gottesmutter in zwei Erscheinungsweisen; in der einen schaute sie Maria als Schmerzensmutter.

Fast dreißig Jahre liegen seit diesen Ereignissen in Fatima zurück. Die Kleinen haben durch ihr Leben die Echtheit ihrer Botschaft bewiesen. Francisco und Jacinta starben als Kinder, durch Leiden und Krankheit gereift, im Rufe der Heiligkeit. Lucia trat in einen Orden und hat später auf Wunsch der kirchlichen Autorität, das, was den Kindern als Geheimnis von der Gottesmutter anvertraut war, mitgeteilt. Die Kirche hat die Erscheinungen eingehend untersucht. Erst am 13. Oktober 1930 erfolgte die kirchliche Approbation.

Fatima wurde nun zum Zentrum des religiösen Lebens für Portugal. Hierher pilgerte das Volk zu Tausenden; hier entstand ein Heiligtum, in dem "unsere Liebe Frau von Fatima" unaufhörlich verehrt wird. Von hier nahmen apostolische Werke ihren Ausgang; hier kommen die Bischöfe zu ihren entscheidenden Beratungen zusammen. Herrliche Gnadenerweise, Bekehrungen in großer Zahl, viele Krankenheiligungen machen Fatima zum Lourdes des zwanzigsten Jahrhunderts. Das größte Wunder aber ist die religiöse Belebung und sittliche Erneuerung des ganzen Landes. Die Jahre, die den Ereignissen in Fatima vorausgingen, waren wohl die schwersten seiner ganzen Geschichte. Kirchenfeindliche Mächte wollten das Christentum ganz ausrotten; sie waren sich ihre Sieges schon bewußt. Und was geschah? Die Gottesmutter benutzte die unscheinbarsten Werkzeuge, um die Macht des Bösen zu stürzen.

Was in Portugal geschah, ist für die ganze Welt verheißungsvoll. Kardinal Cerejeira von Lissabon schrieb im Oktober 1942: "Wir glauben, daß die Erscheinungen von Fatima eine neue Zeitepoche eröffnen, die des unbefleckten Herzens Mariä. Was in Portugal geschehen ist, verkündigt laut das Wunder. Es ist das Vorzeichen von dem, was das unbefleckte Herz Mariä für die Welt vorbereitet."

Gegenstand der Herz-Mariä-Verehrung

In dem Erlaß zur Einsetzung des Festes heißt es:

"Durch diesen Kult erweist die Kirche dem unbefleckten Herzen der seligsten Jungfrau Maria die gebührende Ehre, da unter dem Symbol dieses Herzens die außerordentliche und einzigartige Heiligkeit der Gottesmutter, besonders aber ihre glühende Liebe zu Gott und zu Jesus, ihrem Sohne, und ihre zärtliche mütterliche Liebe zu den Menschen, die mit göttlichem Blut ererlöst sind, fromm verehrt wird."

Unter dem Symbol des unbefleckten Herzens der Gottesmutter verehren wir zunächst die außergewöhnliche und einzigartige Heiligkeit ihrer Seele. Maria war unbefleckt empfangen und blieb in ihrem ganzen Leben von jeder Makel der Sünde frei. Der Engel grüßt sie bei der Verkündigung: "Du bist voll der Gnade." - "Ganz schön bist du, meine Freundin, und keine Makel ist an Dir"; dieses Lob des Hohenliedes paßt vollkommen auf Maria. (Cant. 4,7.)

Das Streben ihrer Seele war ganz rein; sie suchte in allem Gott zu gefallen. Mit Recht wendet die Kirche auf sie die Worte an: "Ich weihe meine Werke dem König" (Ps. 44,1). Maria hat im Schmerz nicht mit Gott gehadert und in der Freude nicht aufgehört, ihn zu lieben. Darum singen wir von ihr:

"O unbefleckt empfang'nes Herz, Herz Mariä!
Bliebst makellos in Freud und Schmerz,
Herz Mariä!"

Welche Schönheit strahlt aus ihrem Inneren! "Die ganze Pracht der Königstochter ist inwendig", sagt der Psalmist (44,14). Durch die strahlende Reinheit und Schönheit ihres Herzens bezwingt sie das Herz Jesu; durch die Makellosigkeit ihrer Seele ist sie der Hölle furchtbar wie ein geordnetes Schlachtheer. In diesem Geheimnis zerschmettert sie der höllischen Schlange den Kopf. So will es Gott, der im Paradies nach dem Sündenfall gesprochen hat: "Feindschaft will ich setzen zwischen dir und dem Weibe, zwischen deiner Nachkommenschaft und ihrer Nachkommenschaft; sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen." (Gen. 3,15.)

Der zweite Gegenstand der Herz-Mariä-Verehrung ist ihre glühende Liebe zu Gott und ihrem Sohne. - Das Herz Mariä ist das gnadenreichste Herz. Gnade aber ist Liebe Gottes zu uns Menschen; treu benützte Gnade hinwiederum ist Liebe des Geschöpfes Gott gegenüber. Maria aber hat alle Gnaden Gottes gewissenhaft benützt; sie war ganz an den göttlichen Willen hingegeben.

Mit welcher Glut ihres Herzens hat Maria den dreifaltigen Gott geliebt! Wie innig hat sie den Vater geliebt, der ihr seinen Sohn anvertraute! Wie zärtlich hat sie Jesus, ihren Sohn, geliebt! Mit welch bräutlicher Liebe hat sie die Liebe des Heiligen Geistes erwidert, dessen Braut sie war! Die Liebe Mariens war opferbereit und "stark wie der Tod". Im vollen Bewußtsein des Leidensweges, der mit ihrem Beruf als Mutter des Erlösers verbunden war, spricht sie: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Worte" (Luk. 1,38). Ihr Leben war von dieser Stunde ab eins mit dem ihres Sohnes in opfernder Liebe. Diese Liebe verwundete ihr Herz bis in den tiefsten Grund, da sie unter dem Kreuze stand und an seinem Opfer teilnahm. In Liebe und Sehnsucht nach ihrem Sohne bricht ihr Herz im Tode. Wer begreift die Liebe ihres Herzens im Himmel, verklärt und verherrlicht bei ihrem Sohne! Die Liebe ist ja die Quelle der Freuden des Himmels. Wie groß muß also die Liebe Mariens im Himmel sein, da ihre Seligkeit die aller Engel und Heiligen übertrifft.

Unter dem Symbol ihres Herzens verehren wir schließlich die zärtliche mütterliche Liebe Mariens zu den Menschen, die mit göttlichem Blute erlöst sind. Die Liebe der Gottesmutter zu den unsterblichen Seelen ist überaus groß. In flammendem Seeleneifer eilt sie, das göttliche Kind unter ihrem Herzen, zu ihrer Verwandten Elisabeth. Wie jubelt ihr Herz, als Johannes der Täufer durch ihre Begegnung im Mutterschoß geheiligt wird! Als "zweite Eva" nahm sie am Erlösungswerk teil. Sie stand neben dem Kreuze und hat gleichsam alle Glieder des mystischen Leibes ihres Sohnes im Schmerz zur Welt gebracht. Christus hat ihr vom Kreuz herab die ganze Menschheit anvertraut, indem er sprach: "Weib, siehe da deinen Sohn." Sie hat es ernst genommen mit dieser Sendung. In der Pfingstnovene scharten sich die Apostel und Jünger um sie, vereint in apostolischer Gebetsgemeinschaft. Johannes nahm sie in das "Seinige", d.h. in sein Apostolatswirken auf. - Wie gilt die Sorge Mariens am Thron ihres Sohnes den Seelen! Niemand kennt den Wert einer unsterblichen Seele besser als Maria. Sie weiß, was es ist um die Ebenbildlichkeit einer Seele mit Gott; sie weiß, daß die Seelen das Blut ihres Sohnes gekostet haben. - Sie kennt den Haß der Hölle gegen die Seelen; sie weiß um das Geheimnis der ewigen Höllenqual, die auf die verstockten Sünder wartet. - Sie hat ein erbarmendes Mutterherz und ist mächtig durch ihre Fürbitte bei dem Herzen ihres Sohnes.

Die Betätigung der Herz-Mariä-Verehrung

Die zärtliche Liebe des unbefleckten Herzens Mariä zu uns Menschen verlangt kindliche Gegenliebe; die mit Undank vergoltene Liebe verlangt Sühne.

Die Gegenliebe muß sich zunächst äußern durch Gebet. Es fehlt nicht an herrlichen Gebeten zum Herzen Mariä, die von der Kirche gutgeheißen und mit Ablässen versehen sind. Häufige kleine Stoßgebete können unsere Liebe spontan zum Ausdruck bringen. Alle Mariengebete, an denen die Kirche so reich ist, eignen sich als Ausdruck unserer Verehrung; insbesondere wird der Rosenkranz empfohlen. Maria hat in Fatima bei jeder Erscheinung zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Der Hl. Vater beginnt das Weihegebet mit der Anrufung: "Königin des hl. Rosenkranzes". Der Rosenkranz ist in Wahrheit ein Mittel, tief in die Gesinnung des Herzens Mariä einzudringen, indem man die Geheimnisse ihres Lebens und ihrer Verherrlichung betrachtet; durch die mündlichen Gebete des hl. Rosenkranzes bestürmen wir inständig ihr mütterliches Herz. - Nicht allen ist es möglich, den Rosenkranz täglich zu beten; so mögen sie sich wenigstens entschließen, täglich ein Gesetz zu beten. Wenn mehrere sich zusammen finden, die täglich ein Gesetz beten, können sie sich nach Art des "lebendigen" Rosenkranzes vereinigen. - Wer der Rosenkranzbruderschaft beitritt, nimmt sich vor, wöchentlich den ganzen Psalter zu beten. Die Kirche hat den Rosenkranz und die Vereinigungen des Rosenkranzes mit reichlichen Ablässen versehen. Wieviel Segen geht vom Rosenkranzgebet aus, besonders aber vom gemeinsamen Rosenkranz! -

Eine ganz besondere Art der Verehrung ist die Weihe an das unbefleckte Herz Mariä. Der Hl. Vater hat die ganze Welt und die Kirche ihrem unbefleckten Herzen geweiht; die meisten Diözesen und Pfarreien sind seinem Beispiel gefolgt. Es steht noch aus, daß sich die Familien und die Einzelnen feierlich ihrem Herzen weihen und für die Herrrschaft des Herzens Mariä erobert werden. - Was ist der Sinn dieser Weihe? - Weihe heißt Hingabe und Verzicht; Hingabe mit allem, was wir geben können: unsern Leib, unsere Seele, unsere inneren und äußeren Güter; Verzicht auf alles, was den Geist dieser Welt besagt. Darum nennt der selige Ludwig Maria Grignion von Montfort die Ganzhingabe an Maria die Erneuerung der Taufgelübde; man widersagt dem Satan und seinem Blendwerk; in diesem Sinn heißt es in dem Weihegebet an das Herz Mariä, das zugleich ein Ablaßgebet ist: "Damit diese Weihe auch wirksam und dauerhaft sei, erneuern wir heute vor deinen Augen die Versprechen, die wir bei unserer Taufe und bei der ersten heiligen Kommunion abgelegt haben." - Was ist das Ziel dieser Weihe? "Damit durch die Herrschaft deines reinen Herzens das Reich des Herzens deines anbetungswürdigen Sohnes rasch und sicher begründet werde in unseren Herzen und in den Herzen aller Menschen!" (Aus dem Weihegebet.) Also das Ziel der Weihe an das unbefleckte Herz Mariä ist, wie das Ziel aller Marienverehrung, die Verherrlichung Christi, und zwar in einem vollendeten Maße.

Liebe äußert sich besonders im Opfer. So wird sich die wahre Liebe zum Herzen Mariä im Opfergeist betätigen. Die Quelle von jedem Opfer ist das Opfer Christi. An der Hand der Gottesmutter werden sich diejenigen, die sich Maria geweiht haben, gern und oft beim hl. Meßopfer einfinden; die Kraft zum persönlichen Opfer gibt der Herr uns besonders in der hl. Kommunion. Mit und durch Maria bringen sie gewissenhaft die Opfer, die ihnen ihr Stand auferlegt. Maria spricht in Fatima zu den Kleinen: "Opfert euch für die Sünder und sagt oft, besonders aber, wenn ihr ein Opfer bringt: O Jesus, aus Liebe zu Dir und für die Bekehrung der Sünder, als Genugtuung für die Beleidigungen, die dem unbefleckten Herzen Mariä zugefügt werden." - Maria will also gelegentliche Opfer, zuweilen ein ständiges Opfer, ja sogar das Ganzopfer unseres Lebens, wenn wir hochherzig auf ihre Liebe antworten wollen.

Niemand kann Maria wahrhaft lieben, der nicht ihre Tugenden nachahmt. Sie ist nach dem Heiland das vollendetste Vorbild aller Tugenden. Wir verehren zunächst die Reinheit ihres Herzens; jedem Lebensstand ist sie darin ein Vorbild. - Wir bewundern ihren Glauben: "Selig, weil Du geglaubt hast", jubelt ihr Elisabeth entgegen. Herrlich erstrahlt ihre Liebe zu Gott und den Menschen. Drei Monate verbrachte sie in demütigem Dienst bei ihrer Verwandten Elisabeth. In tätiger Nächstenliebe begegnen wir ihr auf der Hochzeit von Kana. Maria ist vor allem ein Vorbild der wahren Demut; sie fügt sich in allem dem göttlichen Willen. Im Magnificat betet sie Gottes Größe an und preist ihn ob seiner Huld und Gande, die er ihr, seiner demütigen Magd, geschenkt hat.

In der Schule Mariens lernt man jegliche Tugend und weiß sich ihres Beistandes gewiß. Die Tugendschule Mariens ist ein schneller und vollkommener Weg zu Gott. - Es empfiehlt sich, um in seinem innerlichen Leben voran zu kommen, für einige Zeit eine Tugend zur Nachahmung zu wählen, und zwar jene Tugend, die unserem häufigsten Fehler entgegensteht. Man prüfe sich darüber in einer täglichen Gewissenserforschung und besonders bei der hl. Beichte.

Betätigung der Herz-Mariä-Verehrung ist Apostolatsgeist. Wie liebt Maria die Seelen, die ihr Sohn mit seinem Blute erlöst hat! Sie will auch, daß wir von glühendem Seeleneifer erfüllt sind. So war es in der Geschichte dieser Andacht. Welch ein Seeleneifer verzehrte alle, die sich durch die Andacht zum Herzen Mariä auszeichneten! Wie brannten die Seelen der Kinder von Fatima in glühendem Apostolatsgeist! Schon gleich bei der ersten Erscheinung fragt Maria die Kinder, ob sie sich opfern wollten für die Bekehrung der Sünder. Sie antworteten mit "Ja". - Mit welch eindringlichen Worten mahnt unser Hl. Vater Pius XII. in seinem Rundschreiben "Mystici Corporis" zum Apostolatsgeist. Er sagt: "Ein wahrhaft schaudererregendes Geheimnis, das man niemals genug betrachten kann, daß nämlich das Heil vieler abhängig ist von den Gebeten und freiwilligen Bußübungen der Glieder des geheimnisvollen Leibes Jesu Christi, die sie zu diesem Zweck auf sich nehmen, und von der Mitwirkung, die die Hirten und Gläubigen... unserem göttlichen Erlöser zu leisten haben."

Wie schmerzt es den eifrigen Marienverehrer, daß man seine himmlische Mutter schmäht, daß viele ihre herrlichen Gnadenvorzüge leugnen! Er fühlt sich vonselbst dazu angetrieben, ihr dafür Abbitte zu leisten, zu sühnen. Maria will diese Sühne. Sie fordert die Hirtenkinder in Fatima auf: "Wollt ihr euch Gott schenken, bereit, jedes Opfer zu bringen und jedes Leid anzunehmen, das er euch schicken wird, um die Bekehrung der Sünder zu erlangen und als Genugtuung für die Flüche und alle übrigen Beleidigungen, die dem unbefleckten Herzen Mariä zugefügt werden?" Bei der dritten Erscheinung wünscht Maria einen eigenen Tag und zwar den ersten Samstag im Monat, der in besonderer Weise diesem Gedanken der Sühne geweiht sein soll. Wie wir dem Herzen Jesu den Herz-Jesu-Freitag als Sühnetag schenken sollen, so soll der erste Samstag als Sühne-Samstag für das unbefleckte Herz Mariä bestimmmt sein. Man nennt diesen Samstag entsprechend den Herz-Mariä-Samstag (der Priestersamstag wird dadurch nicht verdrängt). Der Sühnegedanke soll aber den wahren Marienverehrer immer begleiten. Manche opfern Maria täglich eine Stunde ihrer Arbeit als Sühnestunde auf, wobei sie häufig ein Stoßgebet zu ihr verrichten.

Besondere Übungen der Herz-Mariä-Verehrung: 1. Der ganze Monat August soll dem Herzen Mariä geweiht sein. Die Kirche hat für diese Übungen einen eigenen Ablaß verliehen: "Im Monat August wird den Gläubigen an jedem Tage einmal ein Ablaß von fünf Jahren gewährt, wenn sie andächtig einige Gebete oder andere Werke der Frömmigkeit zu Ehren des makellosen Herzens der seligen Jungfrau Maria verrichten; wenn sie dies den ganzen Monat hindurch jeden Tag tun, wird ihnen unter den gewöhnlichen Bedingungen ein vollkommener Ablaß verliehen." (Hl. Offizium 13. März 1913.)

So ist denn der Monat August der "Herz-Mariä-Monat"

2. Herz-Mariä-Samstag: Die Gottesmutter sagte in Fatima: "Ich verspreche allen jenen, die am ersten Samstag von fünf aufeinanderfolgenden Monaten beichten, kommunizieren, den Rosenkranz beten und mir während 15 Minuten Gesellschaft leisten, indem sie die Rosenkranzgeheimnisse betrachten, in der Absicht, mir Genugtuung zu leisten, in der Todesstunde mit den Gnaden beizustehen, die zum Heile erforderlich sind."

3. Die Feier des Dreizehnten. Maria hat sich den Kindern in Fatima immer am dreizehnten der betreffenden Monate geoffenbart. So hat sich besonders im Süden Deutschlands die Feier des Dreizehnten in jedem Monat als Fatima- und Mariengedenktag herausgebildet.

Praktische Vorsätze für diejenigen, die sich dem Herzen Mariä weihen

  1. Ich will meine Standespflichten gewissenhaft erfüllen.
  2. Wie ich den ersten Freitag im Monat zu Ehren des hl. Herzens Jesu begehe, will ich den ersten Samstag im Monat dem Herzen Mariä weihen.
  3. Ich will auch an Werktagen, wenigstens aber zweimal in der Woche, wenn es mir möglich ist, der hl. Messe beiwohnen und, so oft ich kann, zum Tisch des Herrn gehen.
  4. Ich will Mariens Tugendbeispiel nachahmen und planmäßig an meiner eigenen Vervollkommnung arbeiten.
  5. Ich will täglich wengistens ein Gesetz vom Rosenkranz beten.
  6. Ich will gern aus Liebe zur Gottesmutter Opfer bringen und täglich eine Stunde meiner Arbeit als Sühne ihr schenken.
  7. Ich will Apostel sein durch Beispiel, Gebet, Opfer und durch die Tat.

Segnungen des Herzens Mariä

Maria hat in Fatima einen besonderen Segen für die Verehrer ihres Herzens versprochen.

  1. "Jesus will die Verehrung meines unbefleckten Herzens in der Welt begründen. Wer sie übt, dem verspreche ich das Heil. Diese Seelen werden von Gott bevorzugt werden wie Blumen, die ich vor seinen Thron bringe."
  2. Maria sagt zu Lucia: "Mein unbeflecktes Herz wird deine Zuflucht sein und der Weg, der dich zu Gott führt" (gilt für alle treuen Verehrer!).
  3. "Um sie (die Sünder) zu retten, will der Herrr die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen in der Welt einführen. Wenn man das tut, werden viele Seelen gerettet werden."
  4. Maria verspricht denjenigen, welche die fünf Sühnesamstage halten, "in der Todesstunde mit den Gnaden beizustehen, die zum Heile erforderlich sind".

Herz-Jesu- und Herz-Mariä-Verehrung

In der Heilsgeschichte treffen wir die beiden Herzen "allzeit beisammen" an. Ein Pulsschlag einte das Herz der Mutter und des Kindes; in Freud und Leid schlugen sie zusammen; zu einer Flamme wurde die Liebe der beiden Herzen in der Hingabe an den Willen des Vaters und im Eifer für das Heil der Seelen. In der Verklärung sind die beiden heiligsten Herzen geeint: aus dem Herzen Jesu strömt dem Herzen Mariä alle Liebe und Seligkeit zu. Das Herz Jesu zeigt dem Vater die verklärte Herzenswunde und legt immerdar Fürsprache ein für uns; die Mutter zeigt ihrem Sohne ihr durchbohrtes Herz und legt bei ihm Fürsprache für uns ein. - Der Inhalt der Verehrung ist verschieden: die Liebe des gottmenschlichen Herzens beten wir an; das Herz Mariä verehren wir mit einem hyperdulischen Kult, d.h. mit einem Kult, der die Verehrung der übrigen Heiligen überragt. Große Verehrer des heiligsten Herzens Jesu waren meist auch innige Verehrer des Herzens Mariä und umgekehrt. So sollen denn die beiden heiligsten Herzen gemeinsam verehrt werden. Die kleine Jacinta sagte in den letzten Tagen ihres Lebens zu Lucia: "Sag allen, daß Gott uns seine Gnade durch das unbefleckte Herz Mariä gibt, daß sie dieselben durch dieses Herz erbitten sollen, daß das Herz Jesu gemeinsam mit dem Herzen Mariens verehrt sein will."

Die Weihe an das unbefleckte Herz Mariä will die Weihe an das Herz Jesu zur Vollendung führen und das Kommen seines Reiches beschleunigen; so drückt es der Hl. Vater in seinem Weihegebet aus: "Und wie dem Herzen deines Jesus die Kirche und das ganze Menschengeschlecht geweiht wurde, ... so weihen wir uns gleichzeitig von heute ab für immer auch dir und deinem unbefleckten Herzen, o unsere Mutter und Königin der Welt, damit deine Liebe und deine Schutzherrschaft den Triumph des Gottesreiches schneller herbeiführen."

(Fortsetzung folgt)


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell