Aus dem Immaculata-Archiv:


DER KAHLENBERG
Kurze Geschichte und Führung

von Guido Panek
Wien 1952


VORWORT

In stiller Waldeinsamkeit, von fleißigen Eremitenhänden gebaut, von türkischen Brandfackeln zerstört und Schauplatz geschichtlich bedeutendster Ereignisse, ein Opfer josefinischen Zeitgeistes, verfallen, entweiht und verödet, endlich von gut- und frommgesinnten Wiener Bürgern wieder instandgesetzt, wurde die St. Josefs-Kirche auf dem Kahlenberg am 12. September 1852 wieder als Gotteshaus, das sie seither geblieben ist, eröffnet und eingeweiht.

Anläßlich dieser 100-Jahr-Feier, die mit dem 269. Jahrestag der auf dem Kahlenberg ihren unmittelbaren Anfang nehmenden Befreiung Wiens aus höchster Türkennot und mit dem österreichischen Katholikentag 1952 zusammenfällt, sei hier kurz die Geschichte des Kahlenberges und seiner ehrwürdigen Kirche in Erinnerung gebracht und dem Besucher ein verläßlicher Führer in die Hand gegeben.

Wien, im September 1952.


GESCHICHTE

DIE EREMIE AUF DEM KAHLENBERG

Die erste, steil gegen die Donau abfallende Erhebung des Wienerwaldes, des Kallen- oder Kahlenberges, wie der ganze Höhenzug von hier bis zum Hermannskogel einstmals hieß, war gerade der richtige Ort für den Markgrafen Leopold III., der um 1101 seinen Sitz von Melk hierher verlegte und ein Schloß auf dem Berggipfel errichtete. Die reichen Wildschweinbestände in den dichten Wäldern machten den benachbarten Schweins- oder Sauberg zu einem prächtigen Jagdrevier.

Auf Grund eines Testamentes der Witwe des Herzogs Leopold des Glorreichen, Theodora, gingen 1246 das Schloß und die in dessen Nähe gelegenen Jagdgründe und Wälder in den Besitz des Stiftes Klosterneuburg über und blieben nahezu 400 Jahre lang dessen Eigentum, bis Kaiser Ferdinand II. einen Teil dieser Besitzungen, nämlich den Sauberg, im Tausch vom Stift erwarb.

Es war zu einer Zeit, in der neben der jahrzehntelangen Kriegsfurie zugleich ein weltentrückter Gottesfriede in Europa herrschte: Auf einer Seite der Dreißigjährige Krieg mit all seinem Greuel, auf der anderen der im Jahre 1012 vom hl. Romuald von Ravenna gegründete und jetzt gerade in hohem Ansehen stehende Eremitenorden der Kamaldulenser mit seinem andachtsvollen Frieden. Vom Campo Maldoli, kurz Camaldoli genannt, und aus ihrer italienischen Heimat waren Kamaldulenser bis nach Polen gekommen, wo sie in Bielany bei Krakau eine Eremie und in dem polnischen Kronmarschall Michael Wolski einen wohltätigen Gönner gefunden hatten. Italien und Polen, eine immense Entfernung; und dazwischen nichts, was das Aufrechterhalten eines Kontaktes zwischen den Eremiten von da und von dort erleichtern würde. Der Kronmarschall wußte Rat und sein Werk war es, daß Kaiser Ferdinand II. Kamaldulenser nach Österreich berief. Fünf Mönche, unter ihnen Pater Silvanus Graf Poselli als ihr Führer, kamen 1627 nach Wien. Der Kaiser schenkte ihnen den Sauberg zur Gründung einer Eremie, zu deren Errichtung er mit 36.000 Gulden beizusteuern versprach, "in Kraft dessen", wie es in der Schenkungsurkunde vom 2. April 1628 hieß, "der gegenwärtige Pater Silvanus und alle seine Nachfolger diese Eremie... allzeit besitzen" sollten. Dem kaiserlichen Wunsche gemäß hatte der Schweinsberg von nun an Josefsberg zu heißen. Harte Mühe kostete es die Mönche, das schwere, große Holzkreuz von Heiligenstadt über den unwegsamen Bergabhang bis zu jener Stelle auf dem Gipfel zu schleppen, die sie für den Bau der Eremie gewählt hatten.

Am 10. August 1629 legte der Kaiser im Beisein seiner Gattin Eleonara Gonzaga, seiner Söhne und einer tausendköpfigen Menge den Grundstein der Kirche. In eine in den Stein gemeißelte Vertiefung legte er eine goldene Gedenkmünze mit der Inschrift:

Chr. Jesu / Imperatori aeterno / Deiparae Matri / Imperatrici coelorum / Sancto Josepho / V. M. Sponso / Et Dei Nutricio / Sanctis / Benedicto et Romualdo / eorumque sancto / eremitarum / Camaldulensium / ordini. / Ferd. II. / Imperator / El. Gonzaga / Imperatrix / Ferdinandus III. H. et B. Rex / nec non / Leopoldus Archidux / Ferdinandi filii / Pii omnes pia mente / dedicarunt / A.D.M.D.C.XXIX / Aug. die X.

Sechs Jahre später durften die Kamaldulenser ein Noviziat errichten und nach einigen weiteren Jahren wurde ihre Eremie zu einem Priorat erhoben. 1639 war der Bau der Eremie bis auf die Kirche beendet. Am 20. September 1681 besuchten Kaiser Leopold I. und Kaiserin Eleonora Magdalena die Eremie auf dem Kahlenberg, bei welcher Gelegenheit der Kaiser eine jährliche Spende von 5000 Gulden bis zur Fertigstellung der Kirche zusagte. Geschichtliche Ereignisse von damals noch ungeahnter Tragweite vergönnten es den Eremiten nicht, ihr Gotteshaus zu beenden. Noch waren sie mit dem Einrichten des Kircheninnern beschäftigt und gerade war ihr neuer Prior Cerbonius auf den Kahlenberg gekommen, als die Kunde von dem bereits in bedenkliche Nähe herangerückten Türkenheer Kara Mustafas und die brennend und mordend durchs Land streifenden Tatarenhorden die Kahlenberger Kamaldulenser bewogen, am 2. Juni 1683 ihren Berg zu verlassen und nach Linz zu fliehen, von wo sie dann nach Italien zogen. Nur der 86jährige, altersschwache Bruder Renatus, dem die Türken auch nicht gefährlicher werden konnten, als die Anstrengungen und Strapazen der Flucht, blieb auf eigenen Wunsch in der Eremie zurück. Vor dem Altar der St. Josefs-Kirche knieend starb er und die Türken, die mit geschwungenen Krummsäbeln in die Kirche gestürzt kamen, lernten vor der knieenden Leiche das Gruseln; sie zogen sich aus dem heiligen Raum zurück und warfen ihre Brandfackeln auf das Kirchendach.

Die verängstigte Wiener Bevölkerung sah schweren Rauch vom Josefsberg aufsteigen, sah rote Flammen emporschießen. Eine schaurige Illustration zu den Schreckensnachrichten, die die von allseits in die Stadt kommenden Flüchtlinge brachten. Nicht die erste und nicht die letzte Brandröte war es, welche die Wiener am Himmel sahen. Auch über dem steilen Leopoldsberg leuchtete es einmal blutrot und unheilverkündend. Viele flohen aus Wien und als an einem Julitage auch der Kaiser mit seinem Hof die Stadt verließ, um nach Linz (später nach Passau) zu gehen, wußte man, daß Schlimmes bevorstehe. Am 12. Juli gab der vom Kaiser zum Oberkommandierenden in Wien eingesetzte Graf Ernst Rüdiger Starhemberg den Befehl, die Vorstädte niederzubrennen. Es war der Anfang einer Belagerung, die volle zwei Monate dauern und schwerste Verteidigungskämpfe bringen sollte.

Von der Geschichte des Krieges, die schon so oft in zahllosen Werken und Schriften eingehend geschildert wurde, sei hier bis auf jene Ereignisse Abstand genommen, die unmittelbar zur Geschichte des Kahlenberges und seiner Kirche gehören und für den Ausgang des Krieges sowie für das Schicksal des ganzen christlichen Abendlandes entscheidend wurden.

Denn nicht um Wien und des Kaisers Länder allein ging es, wie es schon früher nicht um Polen allein gegangen war, das in vielen Schlachten erbittert mit den Türken hatte kämpfen müssen und mit dem Kaiser einen Allianzvertrag abgeschlossen hatte. Worum es ging, stand klar und deutlich in der Kriegserklärung des Sultans Mohammed IV. an Kaiser Leopold I. und in des Sultans Plänen. Die Kriegserklärung (Original im Hofarchiv Wien) lautete:

"Von Gnaden des im Himmel waltenden Gottes verpfänden Wir, Mola Mohammed, glorreicher und ganz allgewaltiger Kaiser von Babylonien und Judäa, vom Orient und Occident, König aller irdischen und himmlischen Könige, Großkönig des hl. Arabien und Mauretanien, geborener und ruhmgekrönter König Jerusalems, Gebieter und Herr des Grabes des gekreuzigten Gottes der Ungläubigen, Dir, Cäsar Roms, und Dir, König von Polen, Unser heiligstes Wort, ebenso allen Deinen Anhängern, daß Wir im Begriffe sind, Dein Ländchen mit Krieg zu überziehen, und führen Wir mit Uns dreizehn Könige mit 1,300.000 Kriegern Fußvolk und Reiterei, und werden Dein Ländchen mit diesem Heere, von dem weder Du, noch Deine Anhänger je eine Ahnung hatten, ohne Gnade und Barmherzigkeit mit Hufeisen zertreten und dem Feuer und Schwert überliefern. Vor allem befehlen Wir Dir, Uns in Deiner Residenzstadt Wien zu erwarten, damit Wir Dich köpfen können; auch Du kleines Königlein von Polen, tue dasselbe. Wir werden Dich sowie alle Deine Anhänger vertilgen und das allerletzte Geschöpf Gottes, wie es nur ein Giaur ist, von der Erde verschwinden lassen; Wir werden Groß und Klein zuerst den grausamsten Qualen aussetzen und dann dem schändlichsten Tod übergeben. Dein kleines Reich will ich Dir nehmen und dessen gesamte Bevölkerung von der Erde wegfegen. Dich und den König von Polen werden Wir so lange leben lassen, bis Ihr Euch überzeugt haben werdet, daß Wir alles Angekündigte erfüllt. Dies zur Darnachachtung. Gegeben in Unserem 40. Lebensjahr und im 26. Jahr Unserer allmächtigen Regierung."

Und die Pläne des Sultans sahen einen siegreichen Feldzug durch Europa vor; die türkischen Heermassen sollten am Rhein den König von Frankreich, Ludwig XIV., schlagen und dann nach Süden sich wenden, Rom erobern und Sankt Peter in Pferdeställe des Sultans verwandeln.

Angesichts dieser Gefahr, die mit der Vernichtung der ganzen Kultur des Abendlandes drohte, kam, über alle politischen Gegensätze hinweg, ein Bündnis zur Rettung Europas zustande. Papst Innocenz XI. war der geistige Schöpfer dieses Bündnisses und trug auch materiell einen beachtlichen Teil zur Kostendeckung des entscheidenden Feldzuges bei, denn die durch den Dreißigjährigen Krieg geschlagenen Wunden waren trotz seither vergangener 35 Jahre noch nicht geheilt und die Regierungen in finanziellen Nöten.

Trotz alarmierender Schreiben und Bitten Starhembergs, der auf die nahezu schon unhaltbare Situation Wiens hinwies, und der an den polnischen König Johannes III., Sobieski gerichteten Botschaften des Oberbefehlshabers der kaiserlichen Entsatztruppen, Herzog Karl V. von Lothringen, der auf Eile drängte, war erst am 7. September eine Vereinigung sämtlicher Entsatztruppen möglich gewesen. 21.000 Mann Kaiserlicher, 29.000 Polen, 11.400 Sachsen, 10.600 Bayern und 8000 Franken und Schwaben vereinigten sich bei Tulln. Der Polenkönig, der Lothringer und alle Heerführer versammelten sich tags darauf zu einem Kriegsrat. Und noch ein Mann war dabei, der, obwohl nur in einer einfachen Mönchskutte, um nichts geringer, aber um vieles größer war als die Fürsten: der Kapuzinerpater Marco d'Aviano, Abgesandter des Papstes und Kaiserliche Botschafter beim vereinigten Entsatzheer, ein beseelter Gottesstreiter, bescheidener Gottesdiener, ein Mann von Herz und Mut, der mit erhobenem Kruzifix in den ersten Schlachtreihen in das Toben des Kampfes schreiten wird, und zugleich ein Mann mit unglaublichen diplomatischen Fähigkeiten, dem es gelungen war, weltlichen Stolz und Ehrgeiz zu beseitigen, die die kaum hergestellte Einheit der christlichen Verteidigung bedroht hatten; eine Persönlichkeit, ohne die die Befreiung Wiens kaum denkbar erscheint. Für die Einheit war Vieles geopfert worden. Kaiser Leopold I., der gerne an der Spitze seiner eigenen Truppen ausgezogen wäre, um seine Residenzstadt zu befreien, hatte sich zurückgezogen, war in den Schatten getreten, damit Sobieski den Oberbefehl über die ganze Entsatzarmee übernehmen könne. Sobieski selbst hatte mit den besten seiner Truppen sein Land zu einem Zeitpunkt verlassen, in dem die Anwesenheit des Königs dringender denn je erforderlich war; denn Tatsache ist, "daß Polen aus den Türkenkriegen so geschwächt hervorging, daß seine Staatlichkeit danach verdorrte und schließlich erstarb" (Otto Forst Battaglia: "Johann Sobieski"; Posen, 1933.)

Der Kriegsrat einigte sich auf die von Sobieski erlassene Ordre de battaille (Nach dem königlichen Handschreiben erstmalig in Druck veröffentlicht von G. Coyer in "Sobiesky Jean, Roi de Pologne", Warschau, 1761) und beschloß lediglich gewisse Änderungen in der Aufstellung der geplanten Schlachtlinie, die in drei Treffen eingeteilt wurde, wobei die Franken und Bayern das Zentrum, die Kaiserlichen und Sachsen den linken und die Polen den rechten Flügel zu bilden hatten.

Am 10. September rückte die Entsatzarmee gegen Klosterneuburg und den Kahlenberger Höhenzug bei strömendem Regen vor. Der linke Flügel bewegte sich über Höflein und Kritzendorf und von Klosterneuburg aus, zum Teil auf der längs der Donau führenden Straße, auf die Anhöhen hinauf, um die heute Leopoldsberg und Kahlenberg genannten Bergkuppen zu erreichen. Der Obrist Heißler erhielt vom Herzog von Lothringen den Befehl, von Weidling aus die Höhe mit dem abgebrannten Kamaldulenserkloster zu besetzen, welchen Auftrag er mit 300 Mann nach kurzem Gefecht in der Nacht auf den 11. September durchführte. Eine von ihm auf dem Berg aufgepflanzte riesige rote Fahne mit einem weißen Kreuz verkündete den mit letztem Kraftaufgebot sich verteidigenden Wienern die nahende Hilfe. Das Zentrum rückte über Gugging und Kierling auf den Vogelsangberg und Hermannskogel vor, während der rechte Flügel den weitesten Weg auf der alten Römerstraße über St. Andrä, dann, zwecks Herstellung einer Verbindung mit dem Zentrum, über Gugging und Kierling zum Dreimarkstein, sowie von Königstetten aus über den Tulbinger Steig zur Sophienalpe zurückzulegen hatte.

Am Vormittag des 11. September stand der linke Flügel um 11 Uhr als erster auf den Höhen des Kahlenberges. Der Herzog von Lothringen und der Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen schlugen ihr Hauptquartier im zerstörten Kamaldulenserkloster auf, wo zwei Meter starke Mauern ihnen Schutz vor etwaigem Beschuß boten. Mit den Kaiserlichen und Sachsen stand auch Pater Marco d'Aviano auf dem Kahlenberg.

Der rechte Flügel Sobieskis hatte mit besonderen Geländeschwierigkeiten zu kämpfen. Die schweren Reiterverbände, die Geschütze und der unentbehrlichste Troß - das meiste war ohnehin bei Klosterneuburg zurückgelassen worden - kamen nur mit größter Mühe, von ortskundigen Einheimischen mit dem kaiserlichen Förster Christian Pötzlberger und einem gewissen Leonard Suttner an der Spitze geführt, durch die regennassen Wälder und über die schlüpfrigen Abhänge vorwärts. Der polnische König blieb nicht nur bei seinen eigenen Truppen, sondern erschien am 11. September auch am linken Flügel, um die Situation zu überblicken. ("Le roy de Pologne qui estoit campé sur la droite, vint en ce temps dans nostre camp pour y observer et considérer le camp des ennemis." Im Mémoire Badois, "La campagne de l'anné 1683", Kriegsarchiv Wien.) Vom Hauptquartier des Lothringers aus sah Sobieski zum ersten Mal Wien. Der in seinen Diensten stehende französische Ingenieur Dupont hat in seinen Memoiren das sich von hier bietende Bild wie folgt geschildert (Victor v. Renner: "Wien im Jahre 1683. Geschichte der zweiten Belagerung der Stadt durch die Türken im Rahmen der Zeitereignisse"; Wien, 1883):

"Großer Gott. Welch ein Schauspiel bot sich unseren Augen vom Scheitel dieses Berges dar! Der ungeheure Raum von prächtigsten Zelten übersäet, denn auch die Insel Leopoldstadt ist damit bedeckt. Das fürchterliche Gedonner aus den Feuerschlünden der feindlichen Batterien und die erwidernden Schüsse von den Stadtmauern erfüllen die Lüfte. Rauch und Flammen verhüllten die Stadt dergestalt, daß nur die Spitzen der Türme dazwischen sichtbar waren. Überdies aber breiteten sich 200.000 Ottomanen in Schlachtordnung vor ihrem Lager in der Strecke von der Donau bis an die Gebirge aus und weiter links von den Türken zogen ungezählte Tatarenhorden gegen die Höhen und Waldungen, ihre Sitte gemäß, in Haufen und Unordnung heran. All dies war in voller Bewegung und rückte gegen das christliche Heer vor."

Sobieski selbst war unangenehm überrascht. In seinem Brief, den er am 12. September um 3 Uhr früh an seine Gemahlin Maria Casimira schrieb, berichtet er (Acta Historica Res Gestas Poloniae illustrantia ab anno 1507 usque ad annum 1793", Volumen VI. Acta Regis Joannis III. ad res Anno 1683, imprimis in Expeditione Viennensi gestas, illustrandas. Editionum Collegii Historici Academiae Literarum Cracoviensis; Krakau, 1883.):

"... wir überwanden mit umfangreichen und dichten Waldungen bedeckte, steile und unzugängliche Höhen... Empfindlicher ist die Täuschung, daß uns Alle, selbst die Generäle versicherten, es werde dann nach Ersteigung der Höhe, Kalemberk genannt, alles gut sein. Der Weg führe dann nur entlang der mit Weinreben bepflanzten Abhänge, gegen Wien. Indeß gewahren wir, oben angelangt, zuerst das große Türkenlager wie auf flacher Hand vor uns liegen, dann die Stadt Wien, dann in Meilenbreite kein Feld, dafür aber wieder Waldungen, und des précipices, et une grandissime montagne du còte droit (Abgründe und einen sehr hohen Berg uns zur Rechten) und, wovon man mir gar keine Erwähnung getan, fünf oder sechs Hohlwege... Menschlich gesprochen und die ganze Zuversicht auf unseren Gott legend, müßte dieser Feind eine große Niederlage davontragen, da er sich nicht verschanzt, weil ihm dies unmöglich und weil er sich nicht konzentriert hat und sich in einer Verfassung befindet, als wären wir noch hundert Meilen entfernt. Der Kommandant von Wien sieht uns, läßt Raketen steigen und kanoniert beständig. Die Türken hingegen tun nichts, mit Ausnahme, daß sie gegen den linken Flügel, wo der Herzog von Lothringen mit dem Sachsenfürsten unter den Mauern des Klosters de la Cameldolie - auch diese Mauern sind von den Unsrigen besetzt - steht, etliche Fähnlein mit einigen Tausend Janitscharen gleichsam zur Verteidigung des dortigen Streifens an der Donau entsandten."

Die erwähnten Hohlwege waren die das Gelände mit engen und tiefen Tälern, stellenweise mit Schluchten durchziehenden Scheiblerbach, Erbsenbach, Schreiber- und Grinzingerbach, Krotenbach, sowie der Alser- und Währingerbach (V. v. Renner: "Wien im Jahre 1683".) Der hohe Berg zur Rechten, von dem der König schrieb, war der Hermannskogel.

Der heftige Geschützdonner am linken Flügel zwang den König, den Brief zu unterbrechen, und mit seinem Sohn Jakob hinüber zu reiten, um, da auch andere Heerführer sich hier versammelt hatten (Im Tagebuch des Prinzen Jakob Sobieski heißt es unter dem 12. September: "Die Dominica ivimus ad monasterium Cameldulensium in monte Calenberg situm, quo omnes Principes convenere." (Acta Historica.), die letzte Beratung vor der Schlacht mit ihnen abzuhalten.

DER 12. SEPTEMBER 1683

Nach tagelangem Regen versprach der Sonntag schön zu werden. Der vierzehnte Sonntag nach Pfingsten war es, genannt Protector noster, Sonntag der göttlichen Vorsehung. Er sollte es tatsächlich werden. Die dröhnenden Kanonenschüsse, das große, noch im Morgennebel verschwindende, doch gestern deutlich gesehene Türkenlager unten, der Gedanke an die nun unmittelbar bevorstehende und vermutlich äußerst erbitterte Schlacht, sowie das Bewußtsein, daß von ihrem Ausgang alles, des Abendlandes Heil oder dessen vollständigeVernichtung, abhänge - all dies mußte jene Stimmung hervorrufen, die den polnischen König bewog, einem inneren Drange folgend, in der durch Brand zerstörten Sankt Josefs-Kirche der Kamaldulenser einen Altar herrichten zu lassen, auf ihm das immer mitgeführte Marienbild - eine Kopie der Schwarzen Muttergottes von Czestochowa - aufzustellen und Pater Marco d'Aviano zu bitten, eine Messe zu lesen. Wie der bereits erwähnte Dupont in seinen Aufzeichnungen berichtet, "diente der König persönlich bei der heiligen Handlung, fast unabläßlich mit erhobenen Händen betend und empfing mit Herzog von Lothringen das heilige Altarsakrament". Pater Maco d'Aviano schloß die Messe nicht mit den üblichen Worten: "Ite missa est", sondern mit dem prophetischen Ruf: "Joanne vinces - Johann, du wirst siegen!" Unmittelbar nach der Messe ließ er seinen damals sechzehnjährigen Sohn Jakob niederknien und mit dem Hinweis darauf, es könnte der größte Tag seines Lebens werden, schlug er ihn zum Ritter.

Es war ein prächtiger Septembermorgen geworden. Während die Heerführer zu ihrer letzten Besprechung zusammentraten, stand die Sonne bereits strahlend am Himmel. "Von den Höhen, vom Rücken des Kahlenberges refulsit sol in clypeis, warf die Sonne, gleichsam tausendfach aufgehend, ihre Strahlen von den blanken Rüstungen des christlichen Heeres zurück."

Auf ein Zeichen des Lothringers, gab die von General der Artillerie Martin Kacki vor dem Kamaldulenserkloster aufgestellte Batterie fünf weithin vernehmbare Kanonenschüsse ab, das Signal zum allgemeinen Vorrücken des ganzen Entsatzheeres und somit zur Eröffnung der Schlacht. Pater Marco stand an einer allen gut sichtbaren Stelle und segnete mit seinem Kruzifix (Dieses Kreuz befindet sich als Reliquie im Dom von Catarro. 1933 für in Österreich stattfindende Feierlichkeiten hierhergebracht, wurde es in einer Prozession auf den Kahlenberg getragen.) die sich in Bewegung setzenden Truppen, die den Kampf schon mit Ungeduld erwartet hatten und nun mit jauchzender Freude losbrachen.

Da der linke Flügel sich der belagerten Stadt am nächsten befand, hatte der Lothringer die Aufgabe übernommen, den Gegner von der Donau zurückzudrängen und die erste Verbindung mit der Stadt herzustellen. Dementsprechend rückten die auf dem Leopoldsberg und Josefsberg aufgestellten Verbände als die ersten vor.

Die Besatzung von Wien verfolgte mit ungeheurer Spannung und unbeschreiblicher Freude die Vorgänge auf dem Höhenzug. Die Rettung kam gerade in letzter Stunde. Die Stadt hätte sich bestenfalls noch fünf Tage halten können (Sobieski in seinem Brief vom 13. September an die Königin: "Heute war ich in der Stadt, die sich nicht mehr länger als fünf Tage hätte halten können." (Acta Historica.)). Ein zeitgenössiches Tagebuch, das "Diarium seit der Belögerung Wienn" (Original im gräflich Starhembergschen Familienarchiv zu Riedegg; Abschrift im Kriegsarchiv Wien.), berichtet über die Ereignisse unter anderem:

"Den 11ten Nachmittag gegen 4 vhr hat man auch vermerckht, daß sich einige Trouppen an dem Alten vnd Neuen Gebäu des Kallenberges versamblet vnd avanciret haben, welche vngezweifelt vnser Succurs gewesen... Den 12ten Frühe wir sahen gleich mit anbrechenten Tag, daß vnsere Armee von dem Alten und Neuen Schloss des Kallenbergs sich hervor vnd nach dem Berg hinabbegabe."

Der im belagerten Wien eingeschlossene kaiserliche Historiograph Vaelckeren berichtet ähnlich:

"Gegen Sonnenaufgang brachen die Unsrigen auf, und rückten in dichten Scharen langsam von den Trümmern des Kamaldulenserstiftes und dem Leopoldskirchlein, die die Gipfel der Wienerberge krönen, herab. Links vom Zuschauer ihre Reihen entwickelnd und stets weiter selbst über die Trümmer des Klosters ausdehnend, tauchen sie aus dem Walddickicht auf..." (Franz Kluczycki, Mitgl. d. Comm. d. Akad. d. Wiss. in Krakau: "König Johann III. vor Wien. Historische Darstellung des glorreichen Feldzuges im Jahre 1683 nach vorzüglichsten Quellen entworfen"; Krakau, 1883)

Die Verteidiger der Stadt begrüßten das seinen Angriff beginnende Entsatzheer mit drei gegen die Türken abgefeuerten Salven aus allen Geschützen und Musketen. Der Gegner dagegen schien zunächst den Kampf auf beide Seiten aufnehmen zu wollen. Die Beschießung der Stadt wurde schlagartig verstärkt und gegen die Stadtbefestigungen wurde Sturm gelaufen. Zugleich warf Kara Mustafa starke Kräfte den herankommenden Befreiern entgegen.

Auf dem linken Flügel, wo sich der Kampf zuerst entspann, wurden das bis Nußdorf vorgedrungene Regiment Grana, die zwei gegen das Kahlenberger Dörfel vorrückenden Kürassierregimenter des Grafen Caprara und das von General Fontaine geführte Infanterieregiment unter bedeutenden Verlusten zurückgeschlagen. Die rechts davon stehende sächsische Infanterie des Grafen Reuss fing jedoch den Türken auf. Durch einen rasch vorgeschobenen Sperrriegel der Sachsen gelang es, einen Durchbruch feindlicher Kräfte zwischen dem linken Flügel und dem Zentrum vorzubeugen. Das mutigen Eingreifen des bereits verwundeten Herzogs von Croy mit einem Verband kaiserlicher Infanterie war für das Zurückwerfen des Gegners über den Schreiberbach gegen Grinzing entscheidend. Gleichzeitig hielt der polnische Artilleriegeneral Martin Kacki vom Nußberg aus feindliche Stellungen in Nußdorf unter heftigem Beschuß, worauf die Türken um etwa 8 Uhr diesen Ort räumen mußten. Vier Stunden später brach Feldmarschall Goltz die hartnäckige Abwehr des Gegners und warf ihn aus Heiligenstadt zurück und eine weitere Stunde darauf konnte der linke Flügel mit dem Zentrum Fühlung gewinnen und gemeinsam mit diesem gegen Währing (über den Kobenzlberg) vordringen. Die auf den Döblinger Höhen gut verschanzten und in Grinzing aufgestellten schweren Batterien der Türken hatten den hier ihren Angriff vortragenden Truppenteilen des Entsatzheeres beträchtliche Verluste zugefügt. In derselben Zeit erschienen die Polen bei Dornbach. Ihr Anmarschweg war nicht nur der längste, sondern auch für die Reiterei mit größten Geländeschwierigkeiten verbunden gewesen. Angesichts des Gegners hielt Sobieski eine kurze Rede an seine Polen:

"Der zahlreiche Feind, den ihr vor euch seht, ist derselbe, den ihr in den Siegen, unter welchen ihr grau geworden, bereits kennen gelernt habt. Ob ihr nun in einem fremden Lande kämpft, so kämpft ihr doch zugleich für euer Vaterland, die Tapferkeit, durch die ihr nun Wiens Mauern vor dem Untergang rettet, beschirmt zugleich die Grenzen Polens. Hier werdet ihr euch Verdienste um die ganze Christenheit einsammeln. Ihr seid zu einem heiligen Krieg eingeweiht, wo selbst überwunden zu werden rühmlich ist. Ihr streitet nun für Gott, nicht für den König. Durch ihn ist es geschehen, daß ihr ohne jeden Kampf diesen Berg erstiegen und den halben Sieg, ohne den Feind gesehen zu haben, bereits in den Händen habt. Jetzt, da sie uns auf den Anhöhen erblicken, verbergen sie sich in Täler und Abgründe, als ihre künftigen Gräber. Erwartet heute von mir keinen anderen Befehl, als daß ihr eurem Könige, wo er euch immer vorgeht, mutig folgt." (Gottfried Uhlrich: "Geschichte der zweyten türkischen Belagerung Wiens", Wien, 1783)

Kurz darauf begrüßte ein jubelndes Hurra des linken Flügels und des Zentrums die aus dem Wald hervorbrechenden mehrere Hundert Reiter und Panzerhusaren. Durch eine rasche Umgruppierung verstärkte Kräfte des Gegners stellten sich ihnen entgegen. Mit eingelegter Lanze und dem unheimlichen Rauschen der an den Rüstungen angebrachten Flügel der Gepanzerten brausten die Polen gegen den Feind heran. Sowohl diese erste Attacke als auch ein zweite von 2000 Reitern durchgeführter Angriff wurden von den Türken abgewehrt. Nun folgte der dritte Schlag: 7000 Reiter und Panzerhusaren, an deren Spitze König Sobieski und sein Sohn Jakob ritten, rechts davon als Flankendeckung 6000 polnische Dragoner unter Graf Maligny, dem Schwager Sobieskis, und links unter Feldmarschallleutnant Rabatta und dem Markgrafen von Bayreuth die kaiserliche und bayrische Kavallerie stürmten mit ungeheurer Wucht gegen die von Hernals vorpreschenden türkischen Reiterscharen. Zugleich griff der Herzog von Lothringen mit seinem linken Flügel an, nahm in erbittertem Kampf Döbling und die starken Schanzen in Währing (heute Türkenschanzpark) und schwenkte nach rechts gegen das große Türkenlager ein, in das der Feind sich zurückzuziehen begann. Inzwischen hatte Sobieski seine Truppen neu geordnet und stieß mit 20.000 Reitern gegen den zwischen Hernals und Breitensee liegenden Feind vor; in einem mörderischen Feuer kam jedoch dieser Vorstoß zum Stehen.

Was nun geschah, war den in Türkenkriegen gereiften Polen nicht unbekannt: Mitten in der türkischen Schlachtordnung tauchte ein rotes, kleines Zelt und daneben die grüne Mekkafahne auf. "Die Türken beobachten diesen Brauch stets in ähnlichen Lagen", erklärt Dupont in seinen Aufzeichnungen; "mit diesem Zeichen verkündet nämlich der Feldherr seinen Truppen, daß man unter dieser Fahne siegen oder sterben müsse." Es wäre für Kara Mustafa heilsamer gewesen, das rote Zelt und die grüne Fahne aus dem Spiele zu lassen. Wie der Stier auf ein rotes Tuch, so stürzten sich die polnischen Husaren auf die um Zelt und Fahne gedrängten Türken, ritten sie über den Haufen und konnten binnen kurzem die beiden Trophäen ihrem König übergeben.

Inzwischen waren auch die zwei anderen Teile des Entsatzheeres, d.i. das Zentrum und der linke Flügel, in das Türkenlager gebrochen. Auf einen Befehl des Lothringers schwenkten kaiserliche, württembergische und sächsische Dragoner unter Ludwig von Baden direkt gegen die Stadt und drangen bis zur Schottenbastei vor. Ein begeisterter Ausfall der Belagerten half ihnen, die Türken, die bis zuletzt die Stadt unter schwerem Geschützfeuer gehalten hatten, aus ihren Stellungen und in die Flucht zu jagen.

Bei Sonnenuntergang war die Schlacht entschieden und gewonnen, für Kara Mustafa alles verloren.

"Der Großvesier war so eilig, daß er nur mit einem Pferde und in einem einzigen Kleide das Weite suchte. Ich ward sein Erbe, denn ein großer Teil seiner Habseligkeiten gelangte in meine Hände, und zwar durch den Zufall, daß ich an der Spitze gewesen. Während ich dem Großvezier auf der Ferse war, zeigte mir einer seiner Kämmerlinge die Gezelte, deren Umfang etwa so groß ist, wie Warschau oder Lemberg innerhalb der Mauerumfassung" (Sobieski an seine Frau am 13. September. (Acta Historica.)

Ein vorbildliches Zusammenwirken aller Bundesgenossen und aller Truppenteile hatte einen der größten Siege der Weltgeschichte gebracht. Zeitgenossen gedenken in Ehren der tapferen Heerführer. In dem bereits zitierten "Diarium seit der Belögerung Wienn" heißt es:

"... es war darbey khein General oder Füst, welcher nit seine Trouppen a la Tète derselben anführten; der König in Pohlen war selbst derjenige, welcher den seinigen den angriff machete vnd zeigeten dergleichen nit weniher beede Churfürsten als Bayern vnd Sachsen, von deren Trouppen Ihre Durchl. Herr Herzog von Lothringen, dero Durchl. die Margraffen Herman von Baaden vnd Ludwig von Baaden vnd Sachsen Lauenburg, wie auch Ihro Fürstl. Gnaden Prinz Crois, welcher plessiret vnd dero Herr Bruder todt geblieben, vor denen khays. aber Ihro Fürstl. Gnaden von Waldegg neben etlichen vnd 30 Reichsfürsten vor der Fränckischen, auch alle Generalen vor dero Manschaft einer dem Anderen a pari passu."

Über Sobieski schrieb Johann Georg von Anhalt in seinem Bericht an den Kurfürsten von Brandenburg:

"Der König in Pohlen commandierte en cheff, und war üheral, wo das gröste feür wahr." (Ehem. Königl. geheimes Staatsarchiv Berlin, Teil "Turcica"; abgedruckt in Acta Historica.)

Die Beute, die die Sieger machten, war unglaublich groß. Außer zurückgelassenen Geschützen und zahlreichem Kriegsmaterial waren da etwa 25.000 Zelte, riesige Herden, darunter rund 15.000 Ochsen, Büffel und Kamele und weit über 10.000 Schafe; ferner hatten die fliehenden Türken 100.000 Maltern Korn und große mit Reis, Zucker, Honig und Kaffee angefüllte Magazine, sowie "Schießpulver und Munition für mehr als eine Million im Stich gelassen", wie König Sobieski seiner Frau schrieb (Sobieski am 13. September an seine Frau. (Acta Historica.)). Der König selbst war, wie er sich in seinem Brief ausdrückt, des Großveziers Erbe und im Besitze aller dessen Abzeichen.

"Und was für deliciöse Dinge er (d.i. der Grossvezier) bei seinen Zelten hatte, läßt sich nicht beschreiben. Er hatte Bäder, hatte einen Garten und Springbrunnen, Kaninchen, Katzen und sogar ein Papagei war da, doch da er fliegen konnte, konnten wir ihn nicht fangen."

Die erbeutete grüne Mekkafahne sandte Sobieski dem Papst mit einem Brief, der mit den Worten begann:

"Beatissimo Padre! Venimus, vidimus, Deus vincit" (Sobieski am 14. September an Innocenz XI. (Ibid.)

"Wir kamen, wir sahen, Gott siegte." Darin waren sich alle an der Schlacht beteiligten Heerführer einig. Keiner glaubte daran, daß Gott ohne sichtbare Hilfe - denn nur eine solche hatte es z.B. bewirken können, daß der Feind nicht die Höhenzüge des Kahlenberges besetzt gehalten und sich dort verschanzt hatte, oder daß "er sich in einer Verfassung befunden hatte, als wären wir noch hundert Meilen entfernt" - diese glorreiche Victoire möglich gewesen wäre. Dieser gemeinsamen Überzeugung gab der polnische König noch ein zweitesmal Ausdruck: Am 13. September morgens zogen die Sieger, nachdem das Stubentor geöffnet und Graf Starhemberg in das Lager hinausgeritten war, um die Befreier zu begrüßen, in die Stadt ein. Der feierliche, von der Wiener Bevölkerung umjubelte Zug, Sobieski und Starhemberg mit dem Kurfürsten von Bayern und dem Fürsten von Anhalt an der Spitze, nahm über die Wollzeile, den Stephansplatz und den Neuen Markt seinen Weg zur Augustinerkirche, wo in der Lorettokapelle eine Messe gelesen wurde, während welcher Sobieski ausrief: "Non nobis, Domine, sed nomine Tuo da gloriam - nicht uns, Herr, sondern Deinem Namen gebührt der Ruhm."

Leider wurde durch ehrgeizigen Fürstenstolz und wohl auch durch aus der Unkenntnis fremden Hofbrauchs sich ergebende Mißverständnisse die Freude an dem großen Sieg getrübt. Als in der Botschaft des Kaisers Leopold I., die dessen bevorstehende Ankunft in Wien ankündigte, der Hinweis darauf enthalten war, der Kaiser wünsche als erster seinen Einzug in seine befreite Residenzstadt zu halten, verließ Sobieski die Mauern Wiens unter dem Vorwand, sich um den geflohenen Feind und dessen Verfolgung kümmern zu müssen und schlug bei Schwechat ein Lager auf. Hier erfolgte am 15. September die erste Begegnung zwischen dem Kaiser und ihm, die den ersten Anlaß zu Mißhelligkeiten brachte. Die Betroffenen mögen uns selbst darüber aufklären:

Sobieski berichtete am 17. September an seine Gemahlin über diese Begegnung:

"Also begrüßten wir einander ziemlich artig; ich sagte ihm einige Komplimente auf Lateinisch; er antwortete in derselben Sprache mit ziemlich guten Worten. Als wir einander gegenüber anhielten, stellte ich ihm meinen Sohn vor, der, an ihn nähertretend, sich verneigte. Der Kaiser hob nicht einmal die Hand zum Hut; dies sehend, erstarrte ich fast. In gleicher Weise behandelte er alle Senatoren und Hetmane und seinen allié, den Fürsten Wojewoden von Belz. Es ziemte sich nichts anderes, damit die Welt nicht skandalisiere, sich nicht freue oder lache, als daß ich ihm nur noch einige Worte sagte und mit einem allgemeinen Gruß mein Pferd wandte. (Acta Historica)

Prinz Jakob Sobieski notiert über diesen Vorfall in seinem Tagebuch (V. v. Renner: "Wien im Jahre 1683.")

"Dann kam ich näher, um ihn zu begrüßen; aber ob ihm vielleicht die lang auf die Schultern herabwallenden Hutfedern die Sicht verdeckten, daß er mich nicht gewahrte, oder die Furcht, das feurige Roß, das er mit beiden Händen hielt, könne ihm durchgehen, ihn hinderte, mich zu grüßen; ich weiß nicht, was die wirkliche Ursache dieser Vergeßlichkeit war. Darüber sind auch die Österreicher verschiedener Ansicht und die Sache bleibt noch dahingestellt."

Dagegen schrieb Leopold I. am 15. September an Pater Marco d'Aviano ahnungslos und zufrieden:

"Meine heutige Zusammenkunft mit dem Polenkönige ist sehr wohl vor sich gegangen, und wenn er so zufrieden mit mir war, wie ich mit ihm, so werden wir sicherlich getröstet sein können."

So war denn der Kaiser ehrlich erstaunt, als er erfahren mußte, er habe den König von Polen und den Prinzen Jakob beleidigt. Wieso denn? Nach der Sitte, die am römischen Kaiserhof herrschte, nahm der Kaiser nicht einmal vor den Kurfürsten den Hut ab. Das wußten offenbar die Polen nicht, sowie Leopold I. nicht wußte, wie stolz und ehrgeizig die Polen waren, bei denen ein jeder Szlachcic ein jeder Edelmann sich selbst dem König gleich wähnte und bei denen äußere Höflichkeitsbezeugungen in einem in den anderen Ländern Europas unbekannten Maße üblich waren. Der Kaiser gab Beweise seines guten Willens: er entschuldigte sich und übersandte am 18. September dem Prinzen Jakob Sobieski einen mit Edelsteinen besetzten Degen.

Es gab auch andere Gründe für Mißverständnisse "nicht nur zwischen den Polen und den Kaiserlichen, sondern auch zwischen diesen und den reichsdeutschen Bundesgenossen; dafür sind eine Reihe von Umständen verantwortlich zu machen, an denen oft niemand die Schuld trug und für die alle Beteiligten die Ursache waren (O. Forst-Battaglia: Johann Sobieski"). Die Kaiserlichen stellten 117 erbeutete Geschütze für sich sicher, obwohl der Polenkönig die Hälfte dieser Beute haben wollte. Ein Teil der Polen dagegen hielt recht schlechte Disziplin und ließ sich Gewalttätigkeiten und Plünderungen zu Schulden kommen; allerdings war solches in jenen Zeiten eine allgemeine Begleiterscheinung jedes Krieges. Sowohl Sobieski als auch manche der deutschen Fürsten und Heerführer klagten über schlechte Einquartierung und Versorgung ihrer Soldaten; polnische Verwundete ließ man auf Düngerhaufen liegen. Auch die ausgehungerte Wiener Bevölkerung, die zu Tausenden aus der Stadt und ins Türkenlager strömte und sich von dort holte, was sie nur schleppen konnte, war übermütig geworden; so übermütig, daß einem Trupp polnischer Reiter die Pferde weggenommen wurden. Pater Marco d'Aviano konnte, unterstützt durch den Nuntius Buonvisi, wieder seine ganze diplomatische Kunst spielen lassen, um die Situation halbwegs zu retten. "Man schied voneinander ohne formellen Zwist. Sobieski begleitete das kaiserliche Heer nach Ungarn, obzwar zum Beispiel der Kurfürst von Sachsen verärgert heimkehrte, auch er beleidgt über die Haltung des Wiener Hofs. Man wird es dem König von Polen hoch anrechnen müssen, daß er sich so leicht begütigen ließ. Denn er selbst hatte auf sein Schuldkonto nichts als den sehr begreiflichen Akt der Eitelkeit zu buchen, daß er vor Leopold in Wien eingezogen war und daß er sich von den dankbaren Wienern hatte umjubeln lassen." (Ibid.)

Kaum daß die gemeinsame Gefahr gemeinsam gebannt war, war die schöne Einigkeit vorbei. Und doch hatten die Menschen von damals denen von heute etwas voraus: Die Fähigkeit, im Angesicht der großen gemeinsamen Gefahr überhaupt eine Einheit zu schaffen. Für uns bleibt ein geeintes Europa noch immer ein Traum.

Die Ereignisse des Jahres 1683 sind später oftmals in mißgünstigem Sinn dargestellt worden. Auf der einen Seite war der Herzog von Lothringen der Held und Sieger, auf der anderen Seite war es der König Sobieski; hier war es ein deutscher, dort ein polnischer Sieg; der 12. September wurde hier als ein Glanztag der österreichischen, dort als ein solcher der polnischen Geschichte gefeiert. Tatsache ist, daß es die einen ohne die anderen nicht geschafft hätten und daß den 12. September das ganze Europa feiern sollte. "Es wäre töricht und es ist höchst ungerecht, die einen zum Schaden der anderen zu loben. Auch der Anteil Sobieskis und Lothringens an dem gemeinsam vorbereiteten, gemeinsam durchgeführten Plan kann nicht abgegrenzt werden. Man sollte nicht daüber hinausgehen, was Graf Schlitz-Görtz, ein Augenzeuge aus dem Reich, gesagt hat: 'Durch einmütiges Concert und admirable gute Ordnung ist Wien befreyet worden.'" (Ibid.)

WIEDERAUFBAU, VERFALL, AUFERSTEHUNG

Für die Kamaldulensereremie auf dem Kahlenberg begann eine neue und nicht minder bewegte Epoche.

Am 6. November kehrten die frommen Mönche auf ihren Berg zurück und begannen unverzüglich mit dem mühsamen Wiederaufbau ihrer Eremie und ihrer Kirche. Das Werk machte nur langsame Fortschritte und der Ausbau der Kirche war mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Fast ein Jahrzehnt verstrich, ohne daß die Eremiten weitergekommen wären, obgleich ihnen am 5. August 1686 der Himmel eine besondere Freude bereitet hatte. An diesem Tage nämlich wurde in unmittelbarer Nähe der Kirche eine Quelle mit frischem trinkbarem Wasser entdeckt, was auf dem bisher völlig wasserarmen Berg fast wie ein Wunder begrüßt wurde, für welches die Kamaldulenser der hl. Jungfrau - es war gerade das Fest Maria Schnee - zu besonderem Dank sich verpflichtet fühlten. Am 10. April 1693 mußten sich die Eremiten an den Kaiser mit der Bitte um Unterstützung zum Ausbau der Kirche wenden. In ihrer Eingabe hieß es einleitend:

"Da zweifelsohne under andtren aus sonderbahrer Fürbitt des glorwürdigsten heiligen Patriarchen Josephi der Entsatz Ew. kays. Maj. Residenz Statt Wien ja wohl auch das Heill der allgemeinen Christenheit über und auf diesem St. Josefs-Berge ihren Ersten Anfang genohmen hat..." (P. Jak. Kuklinski C. R., Rector der St.-Josefs-Kirche: "Kahlenberg. Die Belagerung und der Entsatz Wiens 1683"; Wien, 1907(?). Auch L.J. Wetzl: "Die St.-Josefs-Kirche auf dem Kahlenberge"; Wien, 1928.)

Trotzdem wurde die Kirche erst im Jahre 1734 fertiggestellt. Sie besaß elf Altäre; der Hochaltar war dem hl. Josef geweiht und stand frei; hinter ihm befand sich ein Chor mit 24 Sitzen, das zu beiden Seiten mit je einem kleinen Altar abgeschlossen war. Die Wiederherstellung der Umfassungsmauer der Eremie wurde 1750 beendet. Sieben Jahre später wurde über der Quelle ein Brunnenhaus errichtet.

Das Schicksal wollte nicht, daß die Kamaldulenser die erste Säkularfeier der Türkenbelagerung auf dem Kahlenberg erlebten. Am 12. Jänner 1782 erließ Kaiser Josef II. das bekannte Klosteraufhebungsgesetz. Auf Grund desselben erhielten die Eremiten am 4. Februar die kaiserliche Aufhebungsresolution. Fünf Monate später, am 5. Juli, verließen die letzten 18 Kamaldulenser vom Kahlenberg ihre Eremie. Das in der Schenkungsurkunde Ferdinands II. versprochene "Allzeit" hatte nur 154 Jahre gedauert und blieb lediglich für jene Kamaldulenser noch in Geltung, deren Gebeine in den Katakomben unter der St. Josefs-Kirche ruhten.

Die Kirche wurde entweiht und der bisherige Besitz der Eremiten im Liquidationsverfahren um 28.550 Gulden an Hofrat Kriegl verkauft. Dieser setzte das Gotteshaus wieder instand, ließ es am 21. Dezember 1783 wieder einweihen und erreichte, daß die St. Josefs-Kirche zu einer Lokalpfarre erhoben wurde, für die das Stift Klosterneuburg den Kaplan zu stellen hatte. Auf den ersten, Gelasius Sinnreich, folgten zehn weitere, von denen der letzte, Frigdian Blakora, während der Franzosenkriege flüchtete. 1795 wurde das Gut Kahlenberg mit der Kirche von Klosterneuburg erstanden. 26 Jahre bestand die Pfarre, dann wurde sie aufgelöst, die Kirche wurde entweiht und als Rumpelkammer verwendet.

1808 kam der Kahlenberg im Kaufwege an Frau von Traunwieser und diese verkaufte ihn weiter an den Fürsten Liechtenstein. Die Gebäude der einstmaligen Eremie und besonders die Kirche wurden immer mehr verwahrlost und verfielen derart, daß 1847 die Regierungs-. und Konsistorialbehörden die Abschaffung des polizeiwidrigen Zustands fordern mußten. Da der Fürst nicht die Absicht hatte, auf dem Kahlenberg Geld zu investieren, verkaufte er 1849 den Besitz an den vermögenden Wiener Schlossermeister Johannes Finsterle.

Damit hatte die Vorsehung die Kirche auf dem Kahlenberg in Hände gelegt, die die Erhaltung der geschichtlichen Stätte als Heiligtum bis auf den heutigen Tag einleiten sollten. Finsterle sparte keine Mühe und geizte nicht mit Geld, um die Kirche schleunigst wieder instandzusetzen. Am 12. September 1852, es war ein Sonntag wie vor 169 Jahren, da das Christenheer Wien befreit hatte, fanden sich tausende Menschen auf dem Kahlenberg ein, um der feierlichen Wiedereinweihung des Gotteshauses beizuwohnen, die vom Klosterneuburger Propst Wilhelm Sedlaczek vollzogen wurde, worauf der Schottenabt Sigmund Schultes das feierliche Hochamt hielt. Zur Erinnerung daran spendet der Päpstliche Nuntius am Wiener Hof, Erzbischof Michael Viale-Prelà am 8. Dezember desselben Jahres der St. Josefs-Kirche einen kostbaren Kelch, an dessen Fuß sich eine lateinische Inschrift folgenden Inhalts befand:

Zum Andenken an den von Gott beglückten 12. September des Jahres 1683, an welchem der Polenkönig Johannes Sobieski in der von wilden Türkenwut zerstörten Kirche der Kamaldulenser auf dem Kahlenberg einen Altar erichtet, an dessen Stufen beim hl. Meßopfer das hl. Abendmahl empfangen hat, worauf er mit seinem wohlgerüsteten Heer den Feind in die Flucht geschlagen und ver nichtete und dadurch nicht nur Wien von der Belagerung befreite, sondern auch dem gesamten schwer bedrängten Europa Schutz und Sicherheit gewährte, hat Michael Viale-Prelà, Erzbischof von Karthago, päpstlicher Nuntius am Hofe Franz Josph I., dem durch die Unbilden der Zeit verfallenen, von dem Wiener Bürger Johannes Finsterle auf das zierlichste wiederhergestellte Gotteshaus diesen Kelch gewidmet und übergeben am 8. Dezember 1852, dem Festtag der Unbefleckten Empfängnis Mariä.

Finsterles Frau Josefine, die nach seinem Tode den Dr. Gustav Benischko heiratete, errichtete 1882 in ihrem Testament zwei Stiftungen, von denen die eine zur Erhaltung der Kirche, die zweite zur Anstellung eines Benefiziaten bestimmt waren. Der letzte der insgesamt drei Benefiziaten, Josef Hemberger, der 1891 dieses Amt antrat, hat sich um die Kahlenberger Kirche besondere Verdienste erworben. Zusammen mit dem Pfarrer Fr. Sales Neumayer und dem Hofrat Pius von Twardowski gründete er 1895 den Kahlenberger Kirchenverein, der alljährlich am 12. September einen feierlichen Dankgottesdienst für die Befreiung Wiens veranstaltete. Hembergers Pläne zur Gestaltung des Kahlenberges und der Kirche zum Entsatzdenkmal konnten jedoch nicht verwirklicht werden. (Jos. Hemberger: "Das Entsatz-Denkmal auf dem Kahlenberge Wien XIX. Ein Projekt des Kahlenberger Kirchenvereines Wien XIX." Wien, 1896.) Nach Josefine Finsterle-Benischkos Tod sorgte Dr. Benischko als nunmehriger Eigentümer für die Erhaltung der Kirche.

1883 feierte Wien den 200. Jahrestag seiner Befreiung aus der Türkennot. Aus diesem Anlaß brachte der Wiener Stadtrat an der St. Josefs-Kirche eine marmorne Gedenktafel an, auf der zu lesen ist:

Von diesen Anhöhen zogen am Morgen des 12. September 1683 Johann Sobieski, König von Polen, / Der kais. General-Leutnant Herzog Karl V. von Lothringen, / Die Kurfürsten Joh. Georg III. von Sachsen und Max Emanuel von Bayern, Fürst Georg Friedrich von Waldeck, / Die Markgrafen Hermann und Ludwig Wilhelm von Baden und andere Heerführer mit den Truppen des Kaisers Leopold I. sowie mit deutschen und polnischen Hilfsvölkern in den Kampf zur Befreiung der von der türkischen Kriegsmacht durch einundsechzigtägige Belagerung schwer bedrängten Stadt Wien / In dankbarer Erinnerung an den ruhmvollen Sieg des Entsatzheeres. / Die Stadt Wien, 12. September 1883.

1906 riet der Hofrat Dr. Wilhelm Binder dem Dr. Benischko, er möge die St. Josefs-Kirche an die Kongregation der Auferstehung des Herrn übertragen. Am 4. April 1906 erhielten demzufolge die PP. Resurrektionisten als Schenkung die Kirche mit dem gesamten Inventar. Der General-Superior der PP. Resurrektionisten, P. Johann Kasprzycki, bestellte den P. Jakob Kuklinski zum ersten Rektor der St. Josefs-Kirche. Dieser ging sogleich mit außergewöhnlichem Eifer daran, die Kirche als bedeutendes historisches Denkmal zu renovieren.

Papst Pius X. gerdachte des historischen Wertes der St. Josefs-Kirche, indem er ihr eine Kopie des in Rom befindlichen Bildes Mariä Namen durch die Wiener Nuntiatur übersandte. Das Bild wurde am 14. September 1907 als "Madonna vom Kahlenberg" feierlich vom Generalvikar Dr. Godfried Marschall installiert. Zugleich ordnete der Papst an, daß eben in Anbetracht der Bedeutung der St. Josefs-Kirche, in der die berühmte Messe von P. Marco d'Aviano gelesen wurde, hier unter den sonst üblichen Bedingungen an bestimmten Tagen ein vollkommener Ablaß erreicht werden könne; als diese Tage wurden vom Papst festgesetzt: das Schutzfest des hl. Josef, das Fest Maria Hilfe der Christen, das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit, Mariä Himmelfahrt, Mariä Geburt und alle Sonntage des Monats September.

Der Rektor P. Kuklinski hatte mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, doch zeigte er, wo immer es sich um die würdige Gestaltung und Ausschmückung des seiner Obhut anvertrauten Heiligtums handelte, eine bewundernwerte Ausdauer. Die kleine Kapelle der Kirche (heute Sobieskikapelle) sollte 1914 zu einer besonderen Gedächtnisstätte umgewandelt werden, doch der erste Weltkrieg vereitelte den Plan, und das Vorhaben mußte aufgeschoben werden. 1916 verlangte der Krieg weitere Opfer: das neue Kupferdach und die Glocke.

Immerhin war die St. Josefs-Kirche bereits 1912 derart hergerichtet und restauriert gewesen, daß am 15. September in ihr die Abschlußandachten des Internationalen Eucharistischen Kongresses in feierlichem Rahmen von General-Superior P. Kasprzycki in deutscher und vom Fürstbischof Adam Saphieha aus Krakau in polnischer Sprache abgehalten werden konnten.

Dem Nachfolger des ersten und so tatkräftigen Rektors, dem P. Adalbert Niemier C.R., war es vergönnt, 1929 mit Unterstützung der polnischen Gesandtschaft und des polnischen Konsulats eine abermalige Renovierung der Kirche durchzuführen und 1930 die Ausschmückung der Sobieskikapelle einzuleiten. Die damit verbundenen Arbeiten sind im November desselben Jahres abgeschlossen worden und in der Sakristei wurde eine Tafel mit einer lateinischen Inschrift angebracht, deren deutsche Übersetzung lautet:

Diese Kapelle, in der Marcus von Aviano
Legat des Papstes Innocenz XI
am 12. September 1683
frühmorgens eine heilige Messe las und
Johann Sobieski, König von Polen
ministrierte und die heilige Kommunion empfing,
ließ die Kongregation von der Aufersttehung Unseres Herrn
J. Chr.
im Jahre 1930
renovieren und mit Bildern ausschmücken
aus eigenen Mitteln und aus solchen von Wohltätern
besonders jener vornehmen Polen,
deren Vorfahren zusammen mit anderen christlichen Heeren
an jenem Tag bei Wien
für den katholischen Glauben gekämpft und einen unvergeßlichen Sieg
mit Hilfe Gottes
unter Führung der Königs Johann III.
über den wütendsten Feind errungen haben.

Zuletzt hat der jetzige Rektor der St. Josefs-Kirche, P. Josef Wyrwinski C.R., sich viele Mühe gegeben, um das Kahlenberger historische Heiligtum für den Jahrestag des großen Sieges von 1683, den 100. Jahrestag der letzten Einweihung der Kirche und den Österreichischen Katholikentag vorzubereiten.

KAHLENBERG ODER LEOPOLDSBERG?

Das vorliegende kleine Werk wäre unvollständig, würde es sich nicht - zumindest in ganz groben Zügen - mit Versuchen, die hostorische Bedeutung der Kahlenberger St. Josefs-Kirche zu schmälern, oder gar in Abrede zu stellen, auseinandersetzen.

Schon der hervorragende Historiker Victor v. Renner, der anläßlich der zweiten Säkularfeier des Entsatzes von Wien vom Wiener Stadtrat beauftragt worden war, ein umfassendes Geschichtswerk über die Ereignisse des Jahres 1683 zu verfassen, wies auf solche bereits früher unternommene Versuche hin (Victor v. Renner: "Wien im Jahre 1683"; Wien, 1883.) und stellte im Zusammenhang damit fest: "Sowohl die Messe, als auch der Kriegsrat haben im Camaldulenserkloster und nicht in der Leopoldskapelle auf dem Leopoldsberg stattgefunden. Allerdings sprechen einzelne Berichte davon, daß die Messe in der Leopoldskapelle gelesen worden sei, so die 'Relation oder eigentliche Beschreibung der Entsatzung' aus dem Jahre 1683. Aber dieses Schriftchen ist anonym erschienen. Zwei Teilnehmer an dem Gottesdienste behaupten ausdrücklich, daß die Messe und der Kriegsrat im Camaldulenserkloster stattgefunden." Hier zitiert v. Renner die diesbezüglichen Stellen aus dem Tagebuch des Prinzen Jakob Sobieski und aus den Aufzeichnungen des Ing. Dupont, die auch wir bereits brachten, und schreibt weiter: "Auch die natürliche Lage des Ortes spricht übrigens dafür, daß man im Kamaldulenserkloster zusammengetroffen, gewissermaßen im Zentrum der ganzen Aufstellung, im Hauptquartier des geistigen Führers der ganzen Expedition und des anspruchsvollen und auf seine Rechte als Kommandant seiner Truppen besonders eifersüchtigen Kurfürsten, als etwa am äußersten linken Flügel, dort, wo niemand von den hervorragenden Persönlichkeiten der Armee Quartier genommen hatte."

Auch spätere Historiker hegen keinen Zweifel über den Ort der Messe und des letzten Kriegsrates. So z.B. schreibt der Dozent an der Universtität Wien Dr. Reinhold Lorenz (Dr. Reinhold Lorenz: "Türkenjahr 1683"; 2. Auflage, Wien, 1934): "Lange vor Sonnenaufgang des 12. Septembers... fanden sich beim abgebrannten Kamaldulenserklösterchen auf dem Kahlenberge noch einmal die Führer zusammen, um die letzten strategischen Erklärungen des kaiserlichen Generalleutnants Karl von Lothringen, dem König Sobieski seine Autorität als Oberbefehlshaber lieh, entgegenzunehmen. In demütiger Haltung wohnten sie dem um 4 Uhr früh von P. Marco d'Aviano dargebrachten Meßopfer bei und empfingen für das christliche Heer den Segen dieses leidenschaftlichen Gottesstreiters."

Nichtsdestoweniger überraschte vor etwa zwei Jahren Prof. V. O. Ludwig die Öffentlichkeit mit einem kleinen Heft (Prof. V.O. Ludwig: "Wiens Akropolis. Der Leopoldsberg im Lichte der Tradition".), in dem er einen vehementen Angriff gegen die "irrtümliche Auffassuung, als wäre der Kahlenberg die Örtlichkeit der historischen Messe am Morgen des 12. September 1683 gewesen", führt. Man liest staunend, "oberflächliche Geschichtsschreiber und sogenannte Heimatforscher" hätten die ältere Tradition, die sich für den Leopoldsberg als Ort der Messe ausspricht, unbeachtet gelassen. Die historischen Dokumente, die als Quellen für eine Geschichtsforschugn dienen, seien "Grundlage für unrichtige Darstellungen" und deren Verfasser, also König Sobieski, der Prinz Jakob und der Ing. Dupont, seien "Landfremde" und "fernestehende Berichterstatter", deren Aufzeichnungen "von zweifelhaftem Wert seien" und "als lokalgelschichtliche Quelle nicht in Betracht kommen".

Prof. Ludwig konnte jedoch nicht umhin, vier Seiten später die "oberflächlichen Geschichtsschreiber und sogenannten Heimatforscher" auch anders zu nennen: der Historiker v. Renner, der "anerkannt kritische Historiker" Max Vancsa und "eine Kapazität ersten Ranges", Oswald Redlich, werden als "gewichtige Autoritäten" anerkannt, obwohl sie den Kahlenberg als jenen Ort betrachten, wo Messe und Kreigsrat stattgefunden haben. Auch "Landfremde" und "fernestehende Berichterstatter" läßt Prof. Ludwig gelten, wenn sie zur Bestätigung seiner Leopoldsberg-These als brauchbar erscheinen: So den zeitgenössischen Botschafter von Vendig in seinem Bericht an den venezianischen Senat, daß die Messe auf jenem Berge gelesen worden sei, "wo die Burg des hl. Leopold gestanden hat" (dove era la dimora di S. Leopoldo), und den Nuntius am Wiener Hofe, Kardinal Buonvisi, der am 12. Oktober 1683 aus Linz dem Kardinal-Staatssekretär Cybo berichtete, daß angeblich "über der Kapelle des hl. Leopold, in welcher P. Markus am Tage der Schlacht die hl. Messe zelebrierte, eine blendend weiße Taube schwebend gesichtet wurde; dann flog die Taube mit dem Heer gegen Wien zu".

Daß sowohl der venezianische Botschafter, wie auch der in Linz weilende Nuntius den Ereignissen ferner standen, als diejenigen, die selbst bei der Messe waren und an der Schlacht teilnahmen, läßt sich nicht bestreiten. Was aber die "Landfremdheit" betrifft, so waren sie genau so wenig in Wien und Umgebung zu Hause, wie der polnische König, dessen Sohn und der französische Ingenieur.

Im Zusammenhang damit verdient erwähnt zu werden, daß König Sobieski in den letzten Tagen vor seinem Abmarsch aus Krakau die ihm vom Herzog von Lothringen gesandten Landkarten studierte; am 15. August machte er sich dann mit seinen Polen auf den Weg (O. Forst-Bataglia: "Johann Sobieski.") Es ist anzunehmen, daß ein so erfahrener und kriegserprobter Feldherr, wie es Sobieski war, sich auf Grund der Landkarten einige topographische Kenntnisse anzuzeignen fähig war. Im übrigen sei daran erinnert, daß er von ortskundigen Einheimischen auf die Kahlenberger Höhen geführt wurde; es ist mehr als wahrscheinlich, daß dabei von diesen Führern einzelne topographische Bezeichnungen genannt wurden und ihm daher nicht mehr fremd waren.

Wenn auch die Namenswandlungen Kahlenberg, Leopoldsberg, Sauberg, Josefsberg und wieder Kahlenberg verwirrend sein können, so hört jeder Zweifel dort auf, wo vom Kamaldulenserkloster die Rede ist, weil es auf dem Leopoldsberg niemals eine Kamaldulenser-Eremie gegeben hat.

Prof. Ludwig irrte, als er schrieb, "die Kamaldulenser hätten gewiß nicht unterlassen, des höchst bedeutsamen Ereignisses - sowohl als des Schauplatzes der hl. Messe, als auch des Sammelpunktes der Heerführer ausdrücklich zu gedenken, wenn es sich in den Ruinen ihrer durch Brand vernichteten Eremie abgespiel hätte"; bei der Denkungsweise jener Zeit "erscheine es ganz ungereimt, daß man gerade dieser wichtigen Momente keine Erwähnung getan hätte". Wir erinnern uns jedoch an die Eingabe der Kamaldulenser vom 10. April 1693, in der sie des bedeutenden Ereignisses gedacht und diese wichtigen Momente erwähnt hatten.

Auf ältere Traditionen verweisend, erinnert Prof. Ludwig an die seit 1717, das ist seit der Renovierung der Kirche auf dem Leopoldsberg, alljährlich am Georgitag (24. März) dorthin stattfindenden Prozessionen, deren Schutzfrau die Kaiserinwitwe Eleonore war, und betont, daß auf dem Kahlenberg bis 1865 keinerlei Gedenkfeiern abgehalten wurden. Was die Gedenkfeiern anbetrifft, so ist es begreiflich, daß sie auf dem Leopoldsberg stattfanden, denn die von uns geschilderte bewegte Geschichte der St. Josefs-Kirche, die erst seit 1852 endgültig ein geweihtes Gotteshaus geblieben ist, machte frühere Gedenkfeiern unmöglich. Da das Entsatzheer vom ganzen Kahlengebirge, also auch vom Leopoldsberg, zur Befreiung Wiens angetreten war, war es recht und billig, mangels anderer Möglichkeiten, in der Leopoldskirche das Andenken an 1683 zu feiern. Die Beantwortung der Frage, warum man von dieser Tradition abgewichen war, bzw. warum man sie auf den Kahlenberg verlegt hat, würde jedoch gegen Prof. Ludwigs Leopoldsberg-These sprechen.

Es ist richtig, daß manche alten Wiener Geschichtsschreiber, teils Zeitgenossen, teils aus zeitgenössischen Quellen schöpfend, sich für den Leopoldsberg bzw. die Kapellenruine daselbst entschieden haben. Wir wollen sie deswegen weder als oberflächlich bezeichnen, noch ihrem bestimmt ehrlichen Bemühen, die geschichtliche Wahrheit zu schildern, Abbruch tun. Es muß aber im Auge behalten werden, daß jene Wiener Zeitgenossen, die über die Ereignisse des 12. September 1683 berichteten, fast ausnahmslos in der eingeschlossenen Stadt gewesen waren und von hier aus die Vorgänge an den Bergabhängen und die ersten Zusammenstöße der Entsatztruppen mit den Türken beobachtet haben. Sie haben also gesehen, daß zuerst der äußerste linke Flügel des christlichen Heeres sich vom Leopoldsberg aus in Bewegung setzte, und als dann bekannt wurde, daß vor Schlachtbeginn eine Messe gelesen worden war, konnten sie annehmen, daß dies eben auf dem Leopoldsberg gewesen sei.

Diese unsere Auffassung wird durch den Briefwechsel zwischen Kaiser Leopold II. und P. Marco d'Aviano aus den Jahren 1692 und 1693 bestätigt. Prof. Ludwig bringt aus demselben mehrere Zitate, um die Richtigkeit seiner These zu beweisen; jedoch geht aus des P. Markus Briefen nichts anderes hervor, als nur, daß ihm daran gelegen war, den Kaiser für die Restaurierung der Leopoldskirche zu gewinnen und ihn zu bewegen, in dieser Kirche ein Marienbild als Altarbild unter der Bezeichnung "Maria Hilf" aufzustellen. In einem Brief vom 29. Dezember 1692 schrieb der Kapuzinerpater an den Kaiser unter anderem: "Der Kahlenberg" - so hieß damals noch der Leopoldsberg - "ist der Ort, wo Eure Kaiserliche Majestät zuerst des Himmels Hilfe erfahren haben." (V. O. Ludwig: "Wiens Akropolis.") Am 22. August 1693 teilte der Kaiser dem Pater mit, er habe dessen Wunsch erfüllt und im St. Stephansdom der hl. Jungfrau ein feierliches Gelöbnis getan. Im Text des Gelübdes hieß es unter anderem: "Spondeo praeterea, me ad perpetuam tanti beneficii memoriam Sancti Leopoldi sacellum unde primo singularae Tuae protectionis auxilium in propulsandis hostibus apparuit, restauraturum ac in eodem aram Divae Virginae sub titulo Auxilii Christianorum dedicaturum." (V. O. Ludwig: "Wiens Akropolis.") Auf Deutsch heißt das, der Kaiser verspreche, zum ewigen Andenken an die große Gnade, die Kapelle des hl. Leopold, wo erstmals Marias Hilfe bei der Vertreibung der Feinde offenbar wurde, zu restaurieren und deren Altar der Göttlichen Jungfrau unter dem Titel Hilfe der Christen zu widmen. Weder in dem erwähnten Brief Marco d'Avianos, noch in diesem Gelöbnis wird von der Messe gesprochen, dagegen in beiden davon, daß der Leopoldsberg jener Ort war, wo "zuerst" und "erstmals" die Hilfe "erfahren" und "offenbar" wurde, wo man sie also zuerst erblickt hatte.

Die wichtigste Quelle, die als Stütze für die Leopoldsberg-These wertvoll sein könnte, ist jene von V. v. Renner erwähnte anonyme "Relation oder eigentliche Beschreibung der Entsatzung", aus der Prof. Ludwig folgende Zeilen zitiert:

"... Massen wir dann Sambstag früh mit fünzig Tragonern in der Leopold-Capelln an Kallnberg Post gefast... Sonntags frühe begunte der Wind uns noch widerig, und sehr stark zu seyn, unterdessen postierten sich die Türcken am Fuss des Kallenberges... Umb 6 Uhr fruhe hielte der fromme Capuziner Pater Markus in der Leopold-Capelln die H. Mess, welcher alle Catholische in dem sogenannten grossen Hoff mit höchster Andacht beygewohnt, hierauf haben Ihre königl. Maj. dero Printzen nebst Ablegung einer kurtzen Oration den Harnisch geben, folgends die Gränische 7. Compagn. beordert über den engen Pass des Berges abzugehen, und an dem Berg Posto zu fassen, so auch geschehen." Diese "Relation" ist die einzige, die mit so eindeutiger Klarheit vom Leopoldsberg als dem Schauplatz der historsischen Messe spricht. Nicht weil, wie Prof. Ludwig betont, der erwähnte "enge Paß", der heutige Waldbachgraben zwischen Leopoldsberg und Kahlenberg der Abstiegsweg vom Leopoldsberg war, denn auch vom heutigen Kahlenberg waren die am Fuß der Berge postierten Türken am besten durch den Waldbachgraben zu erreichen, sondern weil ausdrücklich von der "Leopold-Canpelln" hier die Rede ist. Obwohl der Bericht 1683 gedruckt wurde, mangelt es ihm an Autorität, da er leider von einem unbekannten Verfasser geschrieben wurde. Es ist also schwer, ihn zu beurteilen. Aber jedenfalls fehlt ihm jenes gewisse spezifische Gewicht, das der Geschichtsforscher bei seiner Arbeit an historischen Dokumenten und Quellen als Wertmaßstab zu beachten pflegt. Niemand wird bestreiten können, daß die Autorität der von uns in diesem bescheidenen Werk zitierten Quellen und deren - um bei diesem Ausdruck zu bleiben - spezifisches Gewicht bedeutend größer sind. Auch brauchen wir uns nicht zu scheuen, dieses eine Contra den zahlreichen Pro gegenüberzustellen.

Im übrigen sei an das Geschenk des Nuntius Viale-Prelà anläßlich der Wiedereinweihung 1852 und an die Verfügung des Papstes Pius X. über den vollkommenen Ablaß in dieser Kirche erinnert. Es ist unwahrscheinlich, daß der Nuntius, und geradezu undenkbar, daß der Papst nicht erst nach genauer Untersuchung der historischen Wahrheit gehandelt hätten. In keinem Fall hätte der Papst die St. Josefs-Kirche auf dem Kahlenberg mit solchen Gnaden ausgestattet, wenn diese Auszeichnung auch nur mutmaßlich einer anderen, also der Leopoldskirche, gebührt hätte.


FÜHRUNG

Der Besucher, der die St. Josefs-Kirche auf dem Kahlenberg durch das Hauptportal betritt, sieht als Erstes auf der Außenwand über dem Eingang die am 12. September 1883 anläßlich des 200. Jahrestages des Entsatzes vom Wiener Stadtrat angebrachte Gedenktafel (Wortlaut der Inschrift).

In der Kirche selbst fällt zunächst eine große Eisenplatte auf, die in die Fliesen des Fußbodens eingelassen zu sein scheint und in Messing die Jahreszahlen 1629 und 1907 aufweist. Die erste dieser Zahlen gibt das Jahr der Gründung bezw. der Grundsteinlegung der Eremitenkirche, die zweite das Jahr der Restaurierung durch die PP. Resurrektionisten an. Das auf der Platte sichtbare Kreuz und die Buchstaben R.I.P. deuten darauf hin, daß das der Eingang in die Gruft ist. Hier liegen in offenen, entlang der Seitenwände aufgestellten Holzsärgen die halbvermoderten Skelette der verstorbenen Eremiten. Ihre schwarzen Ledergürtel sind noch zum Teil erhalten, auch Rosenkränze sieht man zwischen den Gebeinen. In einem der Särge liegen verkehrt zueinander die Überreste eines Paters und eines Laienbruders, die an demselben Tag gestorben sind. Am Ende der Gruft befindet sich die Beingrotte, eine tiefe Nische, in der die Gebeine und Schädel früher verstorbener Eremiten zusammengetragen sind. Die Bestattung ging hier nämlich derart vor sich, daß, wenn ein Kamaldulenser starb, die ältesten Gebeine aus dem Sarg genommen und in die Beingrotte und der Verstorbene in den freigewordenen Sarg gelegt wurden. Ein Blick auf die in den Särgen befindlichen Holztafeln läßt uns deutlich Jahreszahlen erkennen, die uns belehren, daß hier die letzten vor der Aufhebung der Eremie verstorbenen Kamaldulenser ruhen.

Links vom Eingang der Kirche befindet sich neben dem im Biedermeierstil gehaltenen Musikchor eine Marmortafel mit einer lateinischen Inschrift, die auf deutsch lautet:

Dieses von den Kamaldulensern erbaute Gotteshaus, von der Zeiten Unbill zerstört, hat Johann und Josefine Finstele im Jahre des Herrn 1852 mit großem Kostenaufwand vor dem sicheren Verfall gerettet. Gustav und Anna Benischko, deren Erben, bewahrten dasselbe durch 30 Jahre, bis sie es großherzig der Kongregation von der Auferstehung des Herrn J. Chr. übergaben, die es 1907 auf das würdigste reataurierte und schmückte.

Weiter in Richtung des Hauptaltars vorgehend, sehen wir, ebenfalls zur Linken, das Bild der "Schwarzen Muttergottes" von Czestochowa, eine getreue Kopie des berühmten Gnadenbildes, die vom Generalprior der PP. Pauliner, P. Eusebius Rejman, der St. Josefs-Kirche gespendet wurde. Über den Ursprung und die Geschichte des Originalbildes erzählen Überlieferungen und Dokumente (P. Jakob Kuklinski C.R.: "Kurze Geschichte des uralten Gnadenbildes 'Schwarze Muttergottes' und der 'Madonna am Kahlenberge'"; Wien, 1914), daß der Evangelist Lukas das Bildnis der Mutter Christi auf einer Tischplatte aus Cypressenholz gemalt habe. Um es zur Zeit der Zerstörung Jerusalems im Jahre 72 vor der Vernichtung zu bewahren, vergrub man das Bild auf Golgotha, wo im Jahre 326, als auf Befehl der Kaiserin Helena der Heiligen das Kreuz des Heilands gesucht wurde, es gefunden wurde. So kam das Bild nach Konstantinopel und gelangte später als Geschenk des griechischen Kaisers Nicephorus in Besitz Karls des Großen. Dieser schenkte es zum Lohn für geleistete Hilfe weiter an den russischen Fürsten Leo, auf dessen Schloß in Belz es 300 Jahre verblieb. Nachdem der König von Polen, Kasimir der Große, die Russen geschlagen hatte, übergab er Schloß und Provinz Belz dem Fürsten Ladislaus von Oppeln. Dieser brachte das Bild nach Czestochowa, wo es am 28. August 1382 feierlich der Paulinerkirche auf dem Klarenberg übergeben wurde. Zu Ostern 1430 wurde das Paulinerkloster während des Einfalls des Hussitenführers Zizka beraubt, die das Bild betreffenden Urkunden wurden verbrannt, das Bild selbst auf einem Wagen entführt. Es gelangte nur bis zur Landesgrenze. Hier wollten die Pferde plötzlich nicht weiter. Also warf man das Bild vom Wagen, ein wütender Hussit hieb mit dem Schwert zweimal darauf los und verletzte mit zwei Schnitten die rechte Wange der Muttergottes. Darauf fiel er tot zu Boden. Das Bild wurde in die Paulinerkirche zurückgebracht und vom König Ladislaus Jagiello aufs reichste geschmückt. 1656 und 1657 wurde der Klarenberg von den Schweden belagert und beide Male auf wunderbare Weise gerettet. Daraufhin stimmte Papst Klemens XI. einer feierlichen Krönung des Bildes zu, die am 8. September 1717 stattfand. Die wundertätige Muttergottes von Czestochowa wurde weltberühmt und ungezählte Menschen wallfahrteten zu ihr; so auch König Sobieski vor seinem Feldzug zur Befreiung Wiens. Der Rauch von Millionen Kerzen und Lampen hat im Laufe der Jahrhunderte das Bild dunkelbraun, fast schwarz gefärbt; daher der Name. 1910 wurde es von ruchlosen Tätern der höchstwertvollen Kronen beraubt. Den nunmehrigen, weniger reichen Schmuck spendete Papst Pius X. Die neuerliche Krönung erfolgte 1911 im Beisein von sechs Bischöfen, etwa 400 Geistlichen und mehr als 800.000 Andächtigen aus allen Weltteilen.

Auf dem barocken Hochaltar sehen wir ein lebensgroßes Kreuz, das noch aus der Kamaldulenserzeit stammt. Das Altarbild stellt Engel mit den Leidenswerkzeugen des Heilands vor und wurde 1852 im Auftrag Finsterles von Friedrich Schilcher gemalt. Unter dem Kreuz ist das von Papst Pius X. über seine Wiener Nuntiatur der Kirche geschenkte Bild "Mariä Namen" angebracht. Es wurde auf des Papstes Weisung als getreue Kopie des in der Kirche Nome die Maria am Forum Trajanum in Rom befindlichen Originals gemalt.

Zu beiden Seiten des Hochaltars befinden sich zwei große Bilder, Werke des bedeutendsten Barockmalers Böhmens, Johann Peter Brandel (geb. 1668 in Prag, gest. 1733 in Kuttenberg), u. zw. rechts das Bild des hl. Hieronymus, links das des hl. Johannes des Täufers.

Die zwei, noch an ihren ursprünglichen Plätzen stehenden Seitenaltäre stammen aus dem 17. Jahrhundert.

Gegenüber der "Schwarzen Muttergottes" und links von der Tür zum Vorraum der Sakristei hat die katholische Deutsche Studentenverbindung Nibelungia 1928 eine kleine Gedenktafel für ihre gefallenen Commilitones angebracht. Rechts von dieser Tür neben der Kanzeltreppe befindet sich eine weiße Marmortafel, die in polnischer Sprache dem Andenken an den 1933 verstorbenen Baron Gurynowicz gewidmet wurde.

Die Kanzel dürfte aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts, also aus der Zeit, da die Kirche von den Klosterneuburger Chorherren verwaltet wurde, stammen und weist in ihrer sehenswerten Gesamtgestaltung hübsche Merkmale des Spätbarocks auf.

Im Vorraum zur Sakristei befindet sich oberhalb der Eingangstür zur Kirche eine zweigeteilte Marmortafel, deren Inschrift in deutscher und polnischer Sprache den Anfangstext der lateinischen Widmung auf dem Kelch des Nuntius Viale-Prelà wiedergibt. Über dem Eingang zur Sakristei sehen wir ein großes Bild, das den König Sobieski bei der Abfertigung seiner Abgesandten mit der Siegesbotschaft an Innocenz XI. darstellt. Das Bild wurde von dem polnischen Maler Stoklowski als Kopie des vom berühmten Matejko geschaffenen Originals gemalt und von Josef Dobrowolski der St. Josefs-Kirche geschenkt. Links davon ziert ein Bildnis des Kapuzinerpaters Marco d'Aviano, rechts ein solches des Papstes Gregor XVI., der aus dem Orden der Kamaldulenser hervorkam, die Wand. Über der ins Freie führenden Tür ist ein Porträt der Frau Josefine Finsterle-Benischko, der Wohltäterin der Kirche, angebracht. Zeitgenössiche Stiche erinnern an das Türkenjahr 1683.

Die Sakristei bietet im ganzen noch denselben Anblick, den ihr die Kamaldulenser verliehen haben. Die ganze linke Wand nimmt ein großer, holzgeschnitzter und intarsierter Paramentenkasten ein, in dessen Mitte sich eine versilberte Holzstatue des hl. Romuald, des Gründers des Kamaldulenserordens befindet. An der gegenüberliegenden Wand steht zwischen den beiden Fenstern das ebenfalls holzgeschnitzte Lavabo und darüber die sog. Pestgruppe, ein großes Schnitzwerk der Kamaldulenser, die damit ihren Dank dafür zum Ausdruck brachten, daß ihre Eremie dem Aussterben entgehen durfte. Die Allegorie zeigt die Jungfrau Maria, die durch ihr Kind Sünde, Krankheit und Tod bezwingt; die Krankheit ist als ein Engel mit verbundenen Augen und Pestbeulen an Armen und Beinen dargestellt. Unter den hoch angebrachten Fenstern stehen je eine Glasvitrine mit Andenken an die Türkennot und Befreiung. In der ersten sehen wir u.a. zwei türkische Gebetschnüre und zeitgenössische Stiche, in der zweiten den Säbel Sobieskis, ein türkisches Dolchmesser, eine türkische Tabakdose, das Mundstück einer türkischen Wasserpfeife (Nargileh), österreichische, deutsche, polnische und türkische Münzen aus der Belagerungszeit, zeitgenössische Stiche und unter dem Sobieskisäbel einen breiten, reichbestickten Gürtel jener Art, wie sie die polnischen Edelleute zu ihrem malerischen Nationalkostüm (Kontusz) zu tragen pflegten. In der Mitte des Raumes steht auf einem Tisch unter Glas ein plastisches Modell, das uns zeigt, wie die Kamaldulensereremie auf dem Kahlenberg ausgesehen hat. Die Eremiten bewohnten, ein jeder für sich, ein kleines Häuschen, das aus einem Vorraum, einer Betzelle, einer Schlafzelle mit einem aus rohen Brettern gezimmerten Bett und zumeist noch einer Arbeitszelle bestand. Zwischen den Häuschen waren Blumen- und Gemüsebeete angelegt, die ein jeder Mönch selbst betreute und aus denen er den Großteil seiner Kost herauszuwirtschaften hatte, denn die Nahrung der Kamaldulenser bestand aus Brot, Gemüse, Obst und Wasser. Alle Eremitenhäuser waren durch einen langen Außengang miteinander verbunden. Im Hintergrund der Sakristei, also gegenüber ihrer Tür, befindet sich der mit einem sehr schön gearbeiteten Gitter verschlossene Eingang zur Sobieskikapelle. Das Gitter ist ein Werk der Wiener Kunstschmiede. Darüber befindet sich die 1930 nach Abschluß der Renovierung und Ausschmückung der Kapelle angebrachte Tafel (Wortlaut der Inschrift). Hier befindet sich auch eine der wetvollsten Kostbarkeiten der Kahlenberger Kirche: ein Originalporträt des Königs Sobieski, das erst seit kurzer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Die Sobieskikapelle ist als historische Gedenkstätte der wertvollste Teil der Kahlenberger Kirche und die wichtigste Stelle des ganzen Kahlenberges. Ursprünglich hätte die rechte, also die Fensterwand mit Wappentafeln in Mosaik gekleidet werden sollen. Der Plan scheiterte an der rapiden Geldentwertung der Zwanzigerjahre, welche die zu diesem Zweck bereitstehenden Mittel verschlang. Zwei Wappentafeln sind zum Andenken daran aufbewahrt worden und der Besucher kann sie in der Sakristei betrachten. Nun sind die Wände der Sobieskikapelle, und zwar die Fensterwand, ihr gegenüber die linke Wand, die tiefe Fensternische, sowie das Gewölbe mit zahlreichen aufgemalten Wappen verziert, deren bunte, reichvergoldete Pracht dem Raum ein sonniges und zugleich ehrwürdiges Aussehen verlieht, dessen Stimmung durch das schöne Mosaikglasfenster nach einem Entwurf von Prof. Johann Heinrich Rosen, erhöht wird. Links sehen wir in der Mitte das königliche Wappen Johann III. Sobieski, um dieses herum die der anderen Heerführer der Entsatzarmee von 1683 gruppiert: Herzog Karl von Lothringen, Fürst Georg Friedrich von Waldeck, Markgraf Hermann Ludwig von Baden, Kurfürst Johann Georg von Sachsen und Kurfürst Max Emanuel von Bayern. Alles übrige sind Wappen (mehr als 100 an der Zahl) jener polnischen Ritter, die bei der Befreiung Wiens mitgekämpf haben. Ihre Nachkommen haben diese Wappen gestiftet. Der Altar ist aus einer Legierung aus Kupfer und Messing 1930 von Floridsdorfer Kunstschmieden errichtet worden. Sein Antipodium zieren die Wappen der drei Päpste: Innocenz XI., Pius X. und Pius XI. Über dem Altar befindet sich eine der drei großen Frescomalereien von Prof. Rosen, deren Entwürfe vom Bundesdenkmalamt genehmigt worden waren. Sie stellt im Hintergrund eine schwarze Gewitterwolke, unter der sich zwei Moscheen erheben, als Sinnbild der vom Orient heraufziehenden Gefahr dar, die von dem wie eine Vision angedeuteten Christus am Kreuz aufgehalten wird; davor kniet der Gott um Hilfe anflehende Papst Innocenz XI.; seinen Augen erscheint das Konstantinische Labarum mit dem Zeichen "In hoc signo". Das zweite Bild, oberhalb der fürstlichen Wappen, zeigt im Hintergrund den Kreuzzug des hl. Ludwig, im Vordergrund eine Szene aus der historischen Messe vom 12. September 1683, die eben an dieser Stelle, wo jetzt die Sobieskikapelle sich befindet, vom Kapuzinerpater Marco d'Aviano gelesen wurde. Der als Ministrant knieende König Sobieski, sowie die hinter ihm stehenden Karl von Lothringen, Max Emanuel von Bayern und Prinz Jakob Sobieski vernehmen, wie das Schriftband andeutet, soeben die prophetischen Worte: "Joannes vinces", die der Priester statt dem üblichen "Ite missa est" ausspricht. Die Gegenüberstellung des Kreuzzuges im Oberbild und der Szene vor Schlachtbeginn von 1683 im Unterbild erinnert einerseits an die Zeit der höchsten Machtentfaltung des osmanischen Reiches und versinnbildlicht andererseits den Beginn seines Niedergangs. Auf dem dritten Bild, das sich über dem Eingangsgitter befindet, legt ein knieender polnischer Ritter die grüne Fahne des Propheten zu Füßen des hl. Josef, Schutzpatrons der Kirche (Mitte), des hl. Leopold, Schutzpatrons Österreichs (links) und des hl. Johann Capistrano (rechts), der im Jahre 1456 an der Spitze seiner Kreuzfahrer von Wien aus entlang der Donau gegen die Türken zog und durch den ans Wunderbare grenzenden Entsatz Belgrads die mitteleuropäischen Länder vor der islamitischen Gefahr rettete.

Ein Andenken an die alte Eremitenzeit sei, obwohl es nicht mehr zur Kirche gehört, hier noch erwähnt: das Brunnenhaus, das 1757 über der am 5. August 1686 entdeckten Quelle erbaut und 1952 leider zum Abbruch bestimmt wurde. Auf der Dachspitze war das Wappen des Kamaldulenserordens unter einem Kreuz angebracht. Ein ebensolches Wappen zeigt der Brunnenstein, der nicht zum Programm der Führungen gehört, wie übrigens auch die Besichtigung der Gruft nur in Einzelfällen stattfindet.

Das Brunnenhaus wurde vorübergehend zum Aufbewahrungsort für besonders interessante Fragmente einer alten Steinmetzarbeit gewählt, die in Ermangelung einer anderen geeigneten Stelle hier zusammengetragen worden waren und ohne Zweifel eine überraschende Entdeckung bedeuten. Diese Fragmente bildeten mit ihren sauber in Stein gehauenen Verzierungen Teile eines Torbogens, der, nach Angaben des P. Wyrwinski, noch vor kurzer Zeit in dem Garten eines der Häuser des Josefsdörfels, das sich allmählich aus den Gebäuden der ehemnaligen Eremie entwickelt hat, stand und, bereits bedenklich baufällig, nach Verständigung des Rektorats niedergerissen wurde. Eine schwere Steinplatte im Ausmaß von ungefähr 40 mal 70 cm, die vermutlich den Torbogen gekrönt hatte, weist deutlich und gut erhalten folgende Inschrift auf:

DEO MAXIMO AETERNO
ELEONORA GONZAGA FERDINANDI
SECVNDI SEMPER AVGVSTI AVGVSTA
MDCXXXII

Es wird noch zu prüfen sein, aus welchem Anlaß die Kaiserin Eleonora drei Jahre nach der Grundsteinlegung diese Tafel stiftete, bzw. anbringen ließ. Nach Ansicht des Verfassers ließ sie auf ihre Kosten einen Teil der damals im Bau befindlichen Umfassungsmauer der Eremie, oder die Eingangspforte in diese Mauer "zu Ehren des größten ewigen Gottes", wie die Inschrift verkündet, errichten. Schwieriger ist es zu erklären, wie eine zweite, größere Steinplatte, die ebenfalls im Brunnenhaus aufbewahrt wurde, hierher kam. Sie trägt die Inschrift:

LEOPOLDVS
WILHELMVS ARCH AVST. FERDI
I CAES. FILIUS FERD. III. FRATER
PIVS IN EREMITAS CAMALDVLENSES
A.D. MDCXXXIX;

Im Zusammenhang damit ist zu erwähnen, daß ein Mitglied der kaiserlichen Familie in das Kamaldulenserkloster auf dem Kahlenberg eingetreten ist und als Mönch den Namen Frater Pius geführt hat. Die in Stein gemeißelte und mit goldener oder goldgelber Farbe eingelassene Inschrift lautet in deutscher Übersetzung: "Leopold Wilhelm Erzherzog von Österreich des Kaisers Ferdinand I. Sohn, des Ferdinand III. Bruder, Pius in der Eremie der Kamaldulenser, A.D. 1639". Auch dieser Stein ist gut erhalten. An den vier Ecken sind rechteckige Verzierungen mit einem dem Krukenkreuz ähnlichen Ornament sichtbar. Das ganze erinnert lebhaft an einen Grabstein, zeigt jedoch weder ein Kreuz, noch etwa die Buchstaben R.I.P. Als 1952 die Renovierung des Äußeren der St. Josefskirche geplant wurde, wurde beschlossen, diese beiden Steinplatten an der Außenwand der Kirche anzubringen und so dem Kahlenberger Heiligtum einen neuen und wertvollen, weil aus der Gründungszeitder Eremie stammenden Schmuck entstehen zu lassen.

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Die liebenswürdige Freundlichkeit des jetzigen Rektors, P. Josef Wyrwinski C.R., hat den Verfasser des Vorliegenden in die Lage versetzt, über einige Einzelheiten zu berichten, die bisher in keiner Publikation über das Kahlenberger Heiligtum erwähnt wurden, bzw. nicht gezeigt werden. Die oben geschilderten Steintafeln konnte der Verfasser im Brunnenhaus besichtigen und eingehend untersuchen und das Originalporträt Sobieskis an der Wand des Priesterwohnraums betrachten.

In einem kleinen zur Sakristei gehörenden rückwärtigen Seitenraum hängt an der Wand in einem schlichten Rahmen jenes 1908 datierte Handschreiben der päpstlichen Kanzlei, in dem von der Verordnung des Papstes Pius X. über den in dieser Kirche zu erlangenden vollkommenen Ablaß Mitteilung gemacht wird. Das Schreiben ist mit dem roten päpstlichen Siegel versehen.

Im Treppenhaus, das zu den Wohnräumen und dem Turm führt, zieren zahlreiche, zum Teil sehr interessante Bilder die Wände, darunter ein großes, auf einer Baumstammscheibe gemaltes Bild des hl. Romuald mit einer italienischen ruinengekrönten Landschaft, sowie eine große Landkarte Wiens und seiner Umgebung aus der Zeit der Türkenbelagerung.

So ist die St. Josefs-Kirche auf dem Kahlenberg zugleich Gotteshaus und - in wachsendem Maße - Sammlung musealer Werte. Sie zählt zu den kostbarsten Denkmälern Wiens, ist ein Heiligtum Österreichs und eine Sehenswürdigkeit Europas und der Name Kahlenberg wird immer mehr ein der ganzen Welt bekannter Begriff.


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell