Aus dem Immaculata-Archiv:


Wallfahrt und Wallfahrtskirche

zum hl. Kreuz

in St. Gallen

von

A[rthur]. Kobler, Vikar

Imprimatur AD S. GALLUM, die 23. Maji 1932, J. SCHILDKNECHT, Canc. ep.


1. Gnadenorte und Gnadenbilder

Man zählte das Jahr 1693 oder 94. Karfreitag wars. Drei Männer schritten zur Langgasse hinaus. Sie trugen zu dritt ein großes Kreuz. Auf dem Espen machten sie Halt, nahmen das Kreuz von ihren Schultern und pflanzten es auf, ungefähr 40 Schritte von der Landstraße weg, an der Halde des kleinen Hügels, von dem herab heute das Pfarrhäuschen von Heiligkreuz freundlich grüßt. Dieses Kreuz, das die drei Männer aus dem Geschlechte der Himmelberger langgaßauswärts trugen am Todestage unseres Herrn Jesu Christi, ist das wundertätige Gnadenkreuz auf dem Hochaltar der Pfarr- und Wallfahrtskirche von Heiligkreuz in St. Gallen Ost.

Wie an vielen Orten dem Innern der Erde heilbringende Wasser entsprudeln, wie die reine Luft der Alpen dem kränkelnden Menschen eher Genesung bringt als die dumpfe Atmosphäre der niedern Regionen, so gibt es auch auf der weiten Welt zahlreiche Stätten, wo für Leib und Seele übernatürliche Heilkräfte ausströmen, Kurorte, wo man keinen klingenden Beutel braucht, sondern nur ein festes Vertrauen und einen starken Glauben auf Gottes gütige Allmacht. Mit Recht heißen diese Orte Gnadenorte.

Viele Gnadenorte verdanken ihren Ursprung einem Gnadenbilde. Ein Bild ist freilich nur ein Bild. Auch in einem Gnadenbild wohnt keine göttliche Kraft. An und für sich ist es nicht heiliger als jedes andere Bild. Aber es ist verehrungswürdiger, weil der liebe Gott sich dessen bedient, um die Menschen an sich zu ziehen und den andächtigenVerehrern seine Güte und Allmacht zu bezeigen. Wir brauchen uns nicht zu verwundern, wenn dem so ist. Schon der hl. Augustinus schreibt, anspielend auf die Grabstätte des hl. Felix von Nola (ep. 137 alis 78): "Wer kann Gottes Ratschluß erforschen, warum an einigen Orten Wunder geschehen, an andern nicht?" Schließlich steht es dem Herrgott zu, dem Spender aller Gnaden und Guttaten, seine Gaben auszuteilen, wann, wo und wie er will.

Die nachfolgenden Zeilen werden es zeigen, daß auch dem Kirchlein von Heiligkreuz dieser Ehrentitel mit Recht gebührt. Die vielen Votivtafeln, die noch vorhanden sind, die Dankesschreiben, die zahlreichen Urkunden in den Archiven beweisen es. Bescheiden ist zwar das Kirchlein, das in seinen stillen Mauern hütend das wundertätige Kreuz umschließt. Groß aber ist die Vergangenheit, die hinter ihm steht. Tausende eilten im Laufe der Zeit zu diesem Gnadenkreuz, Hilfe suchend in kleinen und großen Anliegen, Seufzer und Klagen stiegen zu ihm empor. Glänzende Feste umrauschten es. Jubelnd widerhallen aus der Vergangenheit die Stimmen der Begnadigten: Das hl. Kreuz hat mir geholfen, dem hl. Kreuze verdanke ich meine Rettung, das hl. Kreuz ist mein Trost und meine Hoffnung. Freudig trugen die Gläubigen große und kleine Scherflein hinaus in die frühere Kapelle und in die neu erbaute Wallfahrtskirche; alles Zeugen der innigen Verehrung, die das hl. Kreuz einst genoß und auch heute immer noch genießt.

 

2. Herkunft des hl. Kreuzes.

Im Archiv des Pfarrhauses von Heiligkreuz findet sich eine Urkunde, augestellt in St. Fiden am 10. Juli 1772 durch den dortigen Coadjutor, Franz Constantin Bürke. Darin bezeugt "Mr. Hanß Caspar Himmelberger Kupferschmidt aus der Langgaß im 87. Jahr seines Alters von dem hl. Creütz auf dem Espen folgendes. Das schon bey 200 Jahren diß hl. Creütz von den Himmelbergischen in die obsorg genommen worden, und zwey Mahl bey seinem andenkhen von dem Espen in die Langgaß in sein großvaters Hauß Jacobs Himmelbergers zur reparation übertragen worden. Das Erste Mahl hatte obiger Mr. Hanß Caspar als ein Knab von 8 oder 9 Jahren zugesechen wie das hl. Creütz von seinem großvatter und deßen söhnen getragen wurde in die Langgaß und da dißes hl. Creütz Neüw gemahlt ware, widerumb renoviert an einem h. Charfreytag auf ein wagen gelegt, des Jacobs Himmelbergers schönes starkhes Pferd angespant, und das Pferdt den wagen nit ziehen wolte, wurde das hl. Creütz von wagen widerumb abgenommen, und da von den drei Himmelbergeren ein streitt entstanden, indem ein jeder das hl. Creütz auf den Espen tragen wolte, ist solches von allen drei Himmelbergeren auf den Espen getragen, und an das alte Orth aldorten aufgestelt worden.

Das andere mahl ist das hl. Creütz von Hanß Caspar Himmelberger und seinen brüederen widerumb in die Langgaß getragen worden, und hat obiger Hanß Caspar die schein in das hl. Haubt Christi gemacht und es vor regen und schnee beschirmbt, etc. Alles nach aussag des Mr. Hanß Caspars Himmelbergers bezeügt: Hl. Coadjutor F. C. B. St. Fiden den 10. Julij Anno 1772."

Aus dieser Urkunde geht hervor, daß das hl. Kreuz schon ums Jahr 1570 auf dem Espen stand und zwar ganz in der Nähe der heutigen Wallfahrtskirche. Wie alt das Kreuz ist, welcher Künstler es gemacht, in welchem Jahr es hier aufgestellt wurde, das bleibt in Dunkel gehüllt. Wahrscheinlich datiert es aus den Zeiten nach der Reformation, denn in den traurigen Tagen des Abfalles wurden in der Stadt, in Tablat und auf Rotmonten alle Altäre zerstört und die öffentlichen Bilder des Heilandes und der Heiligen zusammengeschlagen.

Das hl. Kreuz war also ursprünglich ein Weg- oder Straßenkreuz, wie es früher deren viele gab. Da es auf offenem Felde unter freiem Himmel stand und so der Witterung ausgesetzt war, mußte es von Zeit zu Zeit wieder ausgebessert werden. Die Pflicht, dafür zu sorgen, oblag der Familie Himmelberger aus der Langgasse. Die wackere Familie hat sich in vorzüglicher Weise dieser Pflicht entledigt. Die angeführte Urkunde erzählt, wie Jakob Himmelberger das Kreuz im Jahre 1693 oder 1694 in sein Haus an der Langgasse trug, es dort renovierte und wie seine Söhne es am Karfreitag wieder aufstellten an seinem alten Standort auf dem Espen. Anno 1735 besserte es der Kupferschmied Hans Kaspar Himmelberger wieder aus und versah es mit einem roten Dächlein, das den Corpus des Heilandes vor Schnee und Regen schützte.

 

3. Ursprung der Verehrung und erste Wunderzeichen.

Das hl. Kreuz auf dem Espen war nicht ein gewöhnliches Wegkreuz, an dem der fromme Wanderer andächtig grüßend vorüberging, sondern ein Kreuz, das von alters her verehrt wurde und zu dem viele in den verschiedensten Anliegen ihre Zuflucht nahmen. Welches der Ursprung dieser Verehrung war, das läßt sich nicht ermitteln; mag sein, daß ein Wunderzeichen dazu den ersten Anstoß gab. Immerhin, soviel steht fest: die Verehrung des hl. Kreuzes ist alt. Daß sie dem lb. Gott aber auch wohlgefällig war, das beweisen die vielen wunderbaren Gebetserhörungen an dieser ehrwürdigen Stätte. Die wenigen, die hier angeführt werden, fußen nicht etwa auf landläufigen Sagen, sondern auf schrifltichen Dokumenten der damaligen Zeit.

Als erstes, urkundlich beglaubigtes Wunder wird erwähnt das Wunder, das ums Jahr 1730 am "Schuohler Knab" Johannes Baptist Wettach aus der Langgasse geschah. Das arme Kind war seit langer Zeit von furchtbarem Zahnweh geplagt. In seinen Schmerzen nahm es voll Vertrauen seine Zuflucht zum hl. Kreuze auf dem Espen. Es ging zum hl. Kreuze hinaus, das damals noch unter freiem Himmel stand, kletterte zum Heiland hinauf, klagte ihm sein Leid, hing ihm ein kleines, wächsenes Köpflein um und war im gleichen Augenblick von seinem Zahnweh vollkommen befreit. Fröhlich stieg der geheilte Knabe vom Kreuze herab und erzählte daheim freudestrahlend den Hergang seiner Mutter. Du magst, lieber Leser, über diesen Vorfall urteilen, wie du willst, er zeigt dir doch, welch großes Vertrauen und welch innige Liebe schon die Jugend dem gekreuzigten Heiland auf dem Espen entgegenbrachte. Soll der liebe Gott so eine Liebe und so ein Vertrauen auf seine Allmacht nicht belohnen können? Der Verlauf der Geschichte wird es zeigen, daß das nur der Anfang ist zu einer langen Reihe weiterer, wunderbarer Gebetserhörungen bei diesem hl. Kreuze. Von Tag zu Tag wuchs die Verehrung. Es besuchten es die Einheimischen. Es wallfahrteten zu ihm die Gläubigen aus näherer und weiterer Umgebung. Viele, die auf der Straße dahin wanderten, gingen nicht vorüber, ohne zuerst vor dem Gnadenbilde ein andächtiges Gebet verrichtet zu haben. Empfangene Gnaden und Wohltaten vermehrten das Vertrauen und die Verehrung und zogen die Herzen frommer Christen immer mehr zu dankbarer Liebe an, so daß in wenigen Jahren namhafte Spenden an Wachs beim hl. Kreuze niedergelegt und große Opfer an Geld dort in den Opferstock geworfen wurden.

In Anbetracht all dieser Umstände kam man zu dem Entschlusse, zur Bequemlichkeit der Pilger über dem Kreuze eine Art hölzerne Kapelle zu errichten. War anno 1735 der Corpus des Heilandes mit einem Schutzdächlein überdacht worden, so sollte jetzt auch den Wallfahrern, die sich immer zahlreicher hier einfanden, Schneegestöber und Regenschauer nicht mehr länger lästig fallen. Auf Befehl des st. gallischen Offizials Pater Hermann Bautz wurde 1749 über das hl. Kreuz ein Dach gebaut, das auf vier hölzernen Säulen ruhte. Da keine Wände errichtet wurden, so war das hl. Kreuz von allen Seiten zugänglich und sichtbar. Einen großartigen Anblick mag der Wallfahrtsort nicht geboten haben, immerhin konnte man jetzt wenigstens auch bei Schnee- und Regenwetter ungestört der Andacht obliegen.

Im Dezember desselben Jahres geschah ein Wunder, das weit herum großes Aufsehen erregte. Das Mädchen Anna Maria Eberle von Häggenschwil hatte eine Haarnadel verschluckt. Neun Tage schon hatte es diese im Leibe. Die Gefahr war groß und augenscheinlich. In seiner Angst verlobte es sich zum hl. Kreuze auf dem Espen, und siehe da! die Nadel ging von ihm ohne jeden Schaden. Zum Danke stiftete das Mädchen eine Tafel, die älteste Votivtafel, die zum Glücke noch erhalten ist, während ein großer Teil vor einigen Jahrzehnten abhanden kam. Das Bild zeigt das glückliche Mädchen, das mit der linken Hand auf den Mund zeigt, in der rechten aber die Nadel hält und freudestrahlend auf das gnadenreiche Kreuz hinweist. Die beigefügte Inschrift aber gibt kurz den Grund an, weshalb diese Tafel gestiftet wurde: 1749. im Christm: hat zu Egenshwill Ein Kind Maria Anna Eberlin ein har Nadel verschlugt und hate sich 9 tag bei ieren gehabt. Nach Verlobung allhero ist sie wider von Jhme gangen one einigen schaden. Gott sei danckh.

Von diesem Jahre an werden die wunderbaren Gnadenerweise beim hl. Kreuze immer zahlreicher. Von den Jahren 1750-60 finden sich heute noch neun Votivtafeln vor, die in diesem Jahrzehnt von dankbaren Begnadigten hierher gestiftet wurden. Unter andern ereignete sich in dieser Zeit ein Wunder, das unzweifelhaft ist und nicht angefochten werden kann. Noch liegt das eigenhändige Schreiben des Johann Baltasar Bürke, Dekans in Niederbüren, im Stiftsarchive vor. Er schreibt: "Tausende andere besondere Gnaden, welche bey diesem heiligen Creutz unschuldige Herzen gefunden haben, zu geschweigen, kann ich nicht verschweigen jene Trost-Geschichte, welche sich mit jenem hochadelichen Töchterlein des S. T. Herrn Baron de Buechenberg, damahligen Landvogt zu Liechtensteig im Doggenburg, bey diesem heiligen Creutz auf diesem Platz hat zugetragen: Dieses hochadeliche Töchterlein habe ich selbsten wohl gekennet; seine hochadeliche Frau Mutter hat den Hergang der Sache mir selbsten mündlich erzehlet. Zwey Töchterlein hatte diese, deren daß einte ohngefähr 10. Jahr alt, zwar ein gesundes Kind, jedoch hatte es über alle Massen so schlechte Augen, daß es nicht mehr als ein dünstern Schein des Liechts wahrnemmen könnte. Die hochadeliche Elteren sparreten zwar keinen Fleiß, achteten keine Ohnkösten, die in der Arzneyschaft bewanderste Künstler zu berathen, und zu gebrauchen: allein nichts Würksames fanden sie unter allen ihren Arzneyen. Da die hochadeliche Elteren äußerist betrübt, nicht mehr wußten, was Raths mit diesem ihrem Kind, beschlosse sich die Frau Mutter, mit diesem fast blinden Kind bey diesem Heil. Creutz allhier noch ihre letzte Zuflucht zu suchen. Sie reisete ohnedem allhier mit ihren zwey Töchterlein vorbei: auf dem Weg aber, ehe und bevor sie in diese Gegend kommen, verlobete sie sich samt ihrem fast blinden Kind zu diesem heiligen Creutz; munterte es selbsten auf zu einer recht vertraulichen Andacht dahin: und würklich kamme selbe allhier an: ließe die Litieren (den Wagen - Anmerkung des Verfassers) innhalten; steiget mit beyden Kinderen herauß: und secht Wunder! das fast blinde Kind ruffet alsobald: Mamma! ist daß das heilige Creutz, von deme sie auf dem Weg soviel gesagt hatte? O wie siehe ich es so wohl! Gott Lob und Dank! so bald ich aus der Litieren gestiegen, und den ersten Schritt gegen diesem heil. Creutz hingetan, hab ich augenblicklich angefangen wohl zu sehen. Worauf alle drey unter Vergießung häufiger Freuden-Zähern von der Landstraß herauf zu diesem heil. Creutz, welches damahl nur noch unter einem schlechten Dach auf vier hölzernen Säulen allen vorbey Reisenden annoch offen stunde, herauf geeilet, für ein so wunderbare Gnaden-Hülf mit lauter Stimm gedanket und nach verrichtet ihrer zärtlichsten Andacht voller Jubel und Freuden ihre Reiß weiter fortgesetzet; die hochadeliche Frau Mutter aber zu ewigen Angedenken ihres unsterblichen Danks zwey silberne Augen dahin vergabet hat." - Soweit der Bericht des Dekans von Niederbüren über diesen wunderbaren Vorgang, den er auch am ersten Fastenfreitag des Jahres 1774 in der Kirche zum heiligen Kreuze vor einer großen Volksmenge erzählte.

Selbst in der Fremde war das Gnadenbild der Heimat nicht vergessen. Johannes Fürer aus dem Tablat, ein Söldner in fremden Diensten, wollte im Jahre 1757, des Krieges überdrüssig, desertieren. Auf der Flucht wurde er in die Enge getrieben. Vor sich sah er eine steigabfallende Felswand, hinter ihm nahten seine drei Verfolger. Ein Entkommen war ausgeschlossen. In dieser verzweifelten Lage machte er ein Gelübde zum hl. Kreuz auf dem Espen und entrann glücklich der Todesgefahr.

 

4. Der große Freund des hl. Kreuzes.

Nach einem Verlauf von zehn Jahren begann das Dach, unter dem das hl. Kreuz stand, schadhaft zu werden. Die hölzernen Säulen wurden morsch. Die Gefahr eines plötzlichen Einsturzes war unausbleiblich. Der Hauptmann der Gemeinde Rotmonten, Sebastian Soldat, wandte sich an das Kloster St. Gallen und bat um das nötige Baumaterial zur Herstellung neuer Säulen aus Holz oder Stein.

Da trat nun ein Mann an die Spitze des ganzen Unternehmens, der hier eine dankbare Erwähnung mit vollem Recht verdient. Dieser Mann, dessen zahlreiche gedruckte und ungedruckte Schriften heute noch künden von seiner innigen Liebe und begeisterten Verehrung zum hl. Kreuze, dieser Mann war Pater Iso Walser aus dem Kloster St. Gallen. Geboren am 28. August 1722 zu Feldkirch im Vorarlberg, trat er im Alter von 15 Jahren ins Kloster St. Gallen ein, legte zwei Jahre später die Profeß ab und wurde hier nach seiner Priesterweihe der Reihe nach Professor, Unterpfarrer, geistlicher Rat, Vize-Offizial, und im Jahre 1759 Offizial, d.h. Generalvikar des st. gallischen Ordinariates. Als solcher entfaltete er eine ungemein rührige Tätigkeit. Die Zeit, in der er diese wichtige Amt übernahm, war ernst. Der Kirche drohte Gefahr duch die sogenannte Aufklärung, deren verderbliche Ideen bereits auch schon in unserem Vaterlande die ersten schlimmen Früchte brachten. Pater Iso sah das Unheil kommen. Mit zäher Energie stemmte er sich gegen die herannahende Flut und setzte seine ganze Manneskraft ein, um zu retten, was zu retten war. Unermüdlich visitierte er die Gemeinden, errichtete neue Pfarreien, baute Kirchen, war ein Freund der Schule, gründete Bruderschaften, förderte den Reliquienkult und war ein glühender Verehrer des hl. Altarssakramentes, kurzum, er tat, was möglich war, um den kirchlichen Geist in den stiftischen Landen zu erhalten oder wieder neu zu beleben. Anno 1785 wurde er seines aufreibenden Postens enthoben und zum Statthalter in Rorschach ernannt. Bei der politischen Umwälzung am Ende des 18. Jahrhunderts kehrte er ins Kloster zurück und starb dort, trauernd über den Untergang seines geliebten Stiftes, voll banger Sorge um die Zukunft, am 3. Juni des Jahres 1800. Neben der Kathedrale des hl. Gallus, wo sein Grab noch zu sehen ist, harrt er einer glückseligen Auferstehung entgegen. Pater Iso Walser war es, der trotz mancherlei Anfechtungen die Verehrung zum hl. Kreuze mächtig förderte und die Wallfahrt zu einer ungeahnten Blüte brachte. Ihm verdanken wir den Bau der ersten Wallfahrtskapelle vom Jahre 1760 und den Bau des jetzigen Gotteshauses, das heute noch erinnert an den großen Freund und Hüter des hl. Kreuzes.

 

5. Die Kapelle zum hl. Kreuze.

Pater Iso wollte es nicht bei einer bloßen Ausbesserung des hölzernen Daches bewenden lassen, sondern machte dem Hauptmann von Rotmonten den Vorschlag, auf dem Espen eine eigentliche Kapelle zu erbauen und das hl. Kreuz dahin zu überführen. Das Vorhaben fand die freudige Zustimmung des Fürstabtes Cölestin II., Gugger von Staudach, so daß zur sofortigen Ausführung geschritten werden konnte. Alsobald ließ Pater Iso Steine, Sand, Kalk, Holz und anderes Baumaterial herbeischaffen und durch den Baumeister Sebastian Dürr von Wolfurt bei Bregenz einen Plan für die neue hl. Kreuz-Kapelle entwerfen. Der Plan ist noch vorhanden. Am 5. Mai des Jahres 1760 kam er selbst auf dem Espen hinaus, verrichtete vor dem hl. Kreuze ein kurzes Gebet, und bezeichnete dann den Platz, auf dem die neue Kapelle erstehen sollte. Der Bau schritt rasch vorwärts; anfangs September war er bereits glücklich vollendet. Die Kapelle stand genau an der Stelle, wo heute das Pfarrhaus steht, wenige Schritte bergaufwärts vom alten Standort des hl. Kreuzes weg. Sie war 36 Schuh lang und 22 Schuh breit. Zwei Seitenstiegen führten hinauf zum schmucken Portal. Im zierlichen Türmchen hing ein Glöcklein, ein Geschenk des Oekonoms von St. Gallen, Pater Placidus Lieber. Der ganze Bau kostete insgesamt 1400 Gulden, die ganz allein aus den Opfern der Gläubigen und Wallfahrer bestritten werden konnten.

Am Vorabend der Vigil des Festes Kreuz-Erhöhung wurde das hl. Kreuz in Gegenwart Pater Iso's umgelegt. Vier Portherren trugen es in die neue Kapelle hinein. Hier wurde das Schutzdächlein entfernt, das hölzerne Dach vor der Kapelle aber niedergerissen.

Am Feste Kreuz-Erhöhung sollte die feierliche Übertragung des hl. Kreuzes stattfinden. Pater Iso hielt am Morgen dieses Tages, den er, wie er selber schreibt, mit großer Freude herbeigesehnt habe, die Predigt in St. Fiden und ermunterte die Gläubigen, am Nachmittag recht zahlreich an der Prozession auf dem Espen teilzunehmen. Nach Schluß der Christenlehre strömte eine gewaltige Volksmenge hinaus zur neuen Kapelle. Um 4 Uhr öffneten sich ihre Portale, das hl. Kreuz wurde herausgetragen und vor der Kapelle aufgepflanzt. Pater Ambrosius Leemann hielt eine kurze Ansprache an die versammelten Schaaren. Darauf ordneten sich die Tausende zu einer glänzenden Prozession, wobei das hl. Kreuz von vier Männern mitgetragen wurde. Man ging bis zur welschen Mühle. Bei der Rückkehr stimmte der Klerus den Hymnus an: Vexilla Regis prodeunt, fulget Christi mysterium. "Des Königs Panner wallt im Zug, es glänzt das Kreuz in hehrer Pracht, daran das Leben Tod ertrug und Leben uns im Tod gebracht." Mit einem Gebete und einem gemeinsamen Liede schloß die eindrucksvolle Feier. Das hl. Kreuz aber wurde in die Kapelle gebracht und dort hinter dem Altare an der Chormauer aufgestellt.

So wölbte sich nun über dem hl. Kreuze eine kleine, aber doch würdige Kapelle. Damit war der Grund gelegt zu einer blühenden Weiterentwicklung dieses Wallfahrtsortes. Die Verehrung zum wundertätigen Gnadenbilde wuchs und damit nahmen auch die wunderbaren Gebetserhörungen zu. Von den 160 noch erhaltenen Votivtafeln datieren 49 aus den Jahren 1760-70.

Zur gleichen Zeit, da der Bau der Kapelle auf dem Espen seinem Ende entgegen ging, lag im Kloster Notkersegg eine Tischtochter aus Andwil, die später als Schwester Maria Elisabetha Ledergerber daselbst die hl. Profeß ablegte, schwer krank darnieder. Zum hitzigen Fieber, das sie seit sechs Wochen nicht mehr verlassen wollte, kam noch die stille Gicht, die der armen Kranken große Schmerzen bereitete. Der Arzt konnte seiner Patientin nicht mehr helfen und wartete nur noch auf ihr nahendes Ende. Dreimal schon zündete man ihr die Sterbekerze an; Arme und Finger konnte man ihr biegen nach Belieben wie bei einer Toten. Am Kreuz-Erhöhungs-Tage, an dem das Glöcklein von Heiligkreuz so freudig die feierliche Übertragung des hl. Kreuzes verkündete, gab die Krankenwärterin der Leidenden den Rat, die letzte Zuflucht bei diesem hl. Gnadenbilde zu suchen. Auf dieses hin gelobte die Jungfrau, an drei aufeinanderfolgenden Tagen einige Schulkinder auf den Espen hinunter zu schicken, damit sie dort in der Wallfahrtskapelle für sie beten sollten. und siehe da! Am 3. Tage, noch bevor die Kinder zurückkehrten, stand die Tischtochter auf, vollkommen gesund und aß nach Herzenslust, nachdem sie während elf Tagen fast nichts mehr zu sich genommen hatte. Ein Bild aus dem Jahre 1760, das ein Mädchen im Bette darstellt und die Ansicht der neuen Kapelle wiedergibt, ist vermutlich jene Votivtafel, welche die dankbare Geheilte hieher gestiftet hat.

Im gleichen Jahre geschah ein anderes Wunder, das die hochwohlgeborne Frau Maria Anna von Salis zu Zizers, geborne von Beßler, die Mutter des begnadigten Kindes, selbst erzählt. "In vielen Anlässen", schreibt sie an das st. gallische Offizialat, "hab ich meine Zuflucht zu dem heiligen Creutz genommen, und auch öftere Früchten und Gnaden erhalten. Es werden sich allda von mir zwey Votiv Taflen befinden, als eine von meinem jetzt noch lebenden Sohn Rudolph Antoni; und von einem anderen Sohn Fidel Antoni, so jetzt aber gestorben.

Sehr beträchtlich aber ist die erhaltene Gesundheit und Aufkommen des Rudolph Antoni; welcher als ein Kind von ungefähr 8 Jahren ein entsetzliches Grimmen, ein wahrhaftes Miserere, wie man es nennet, bekommen hat. Drey gelehrte Leibarzten hatten alle erdenkliche Mittel bey ihm angewendet; aber nichts wollte helfen; so daß diese drey Herren Doctores an einem Abend ihme nur auf den Ausschlag des Ends warteten. In diesem Jammer verlobte ich das Kind zum heiligen Creutz auf dem Espen; und munterte den Knab zum eifrigsten Vertrauen dahin an; welcher dann ganz vertraut sich auch selbsten verlobet hat. Auf dieses schlafte daß Kind ein, und wie oben gemeldet, glaubten alle drey Herren Medici, daß dieser Schlaf den Ausschlag, und glaublich zum Tod geben werde. Das Kind hat angefangen zu schlafen ungefähr um zehen Uhr Abends. Doch die Herren Arzten, ihme nach dem erwachen noch die letzte Medicin zu geben, warteten bis zwey Uhr. Es schlafte aber fortan gleich fort. Nach zwey Uhr hat sich ein Doctor in die Ruhe begeben; zwey wachten fort. Es wird fünf Uhr; das Kind erwachet nicht. Herr Doctor, so reformirter Religion ware, kommt von dem Schlaf zuruck, und schicket die zwey andere auch zu ruhen. Ich spatzierte also voll der Sorgen mit dem reformierten Herrn Doctor in dem Vorzimmer, und redete, wie es doch auf den Schlaf mit dem Kind, welches schon 6. oder 7. Tag in den grausamsten Schmerzen gewesen, gehen möchte.

Es wurde sieben Uhr des Morgens, und siehe! da rufft unversehens das Kind mit heller Stimm: Mama, kommen sie herein, ich bin gesund, das heilige Creutz hat mir geholfen. Erlauben sie mir, daß ich aufstehen darf. Der reformirte Herr Doctor schaut mich an, und sagt zum Kind: Ja, wenn es ihme besser ist, so kann er aufstehen. Ich gehe mit dem Doctor wieder ins Vorzimmer, und sag, was dieß bedeute? ob daß nicht ein Todten-Zeichen seye? er bekennte, er wisse nicht, was es seyn werde; und da die andere zwey Herren Medici auch entlichen darzu kommen, halteten sie gar nichts darauf.

Endlichen da wir in dem Vorzimmer redeten, kommet das Kind angekleidet heraus, gehet ganz allein, und sagt, sehen sie, daß ich gesund bin. ich fienge vor Freud und Schrecken an zu weinen; und fragte: ob dieß doch natürlich seye?

Der reformierte Herr Doctor sagte: daß könne er nicht fassen, und wenn er einmahl an ein Mirakel (Wunder - Anmerkung de Verfassers) geglaubet, so wäre es diesmal: dann er gestehen müsse, daß weder von den Umständen, noch von dem gefühlten Puls dieß zu glauben. Die zwey Catholische Medici halteten noch nichts auf dem Dauer der Besserung. Doch der reformirte Herr Doctor sagte: O ja ich solle mich erfreuen, und Gott danken, er finde an dem Puls, und übrigen Umständen alles zum besseren geänderet. Und in der That hat das Kind von selbigem Augenblick an wegen diesem harten Zufahl keine einzige Medicin mehr genommen."

Die glückliche Mutter schließt ihren Bericht mit den Worten: "Alles was hier beschrieben, ist von Wort zu Wort wahr; und kann es mit unserer Bedienschafft gewiß eydlich bezeugen. ich könnte wohl von mehrerer Erfahrnuß der Gnaden so wohl bey mir selbsten, als wie bey meinen anderen Kindern beyfügen, aber doch, von keinem so außerordentlich, wie von diesem. Und da mir zu wissen kommen, daß man hierüber gerne die reine Auskunft hätte, so habe freudigist von selbst die Feder ergriffen, den begründten Bericht abzustatten. Geben in Zizers den 19. July 1775." Zum Dank für die erhaltene Wohltat schenkte die Frau der Kapelle in Heiligkreuz einen kostbaren, silbervergoldeten Kelch, der heute noch als Glanzstück des dortigen Kirchenschatzes bewundert wird.

Dieser hochherzigen Vergabung zufolge erteilte Fürstabt Coelestin II. die Erlaubnis, beim hl. Kreuze das hl. Meßopfer darzubringen.

Fast alle Tage, manchmal mehrmals an einem Tage, wurde nun in der Kapelle das hl. Meßopfer dargebracht, das besonders an den Freitagen immer gut besucht war. Im Jahre 1771 fing man an, an allen Fastenfreitagen ein feierliches Amt vor ausgesetztem Allerheiligsten mit Predigt zu halten. Der Zulauf zu diesen Festen war so groß, daß der größere Teil der Gläubigen vor dem Portal der Kapelle stehen mußte. Allgemein verlangte man darum den Bau einer größeren Kirche. Wo aber das Geld hernehmen? Vom Kloster St. Gallen, dessen Offizialat die Heiligkreuz-Kapelle unterstand, war in dieser Zeit nicht viel zu erhoffen. Im Jahre 1770 war eine Teuerung ausgebrochen; dem Lande drohte die Hungersnot. Schon sahen sich viele gezwungen, die Hülsen der Flachssamen, Rinde, Nesseln und Gras und das Fleisch von Hunden und Katzen zu essen. Der neue Fürstabt von St. Gallen, Beda Angehrn, zeigte sich als ein Vater des Vaterlandes. Er legte gewaltige Summen aus, um der Not zu steuern. Um den Preis von 240,000 Gulden kaufte er in Italien Getreide an und ließ es unter großen Kösten über die Alpen schaffen. So wurde dank der sorglichen Freigebigkeit seines Fürsten das Volk vom Hungertode errettet, aber die Kassen des Stiftes waren erschöpft. Mitten in dieser Zeit der Krise wurde der Plan gefaßt, auf dem Espen eine neue, größere Kirche zu erbauen.

 

6. Die Kirche zum hl. Kreuze.

Auf Rotmontens schönstem Punkte, im heutigen Kirchli am Ende der Kirchlistraße, stand ein uraltes Bergkirchlein, den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht. Weit grüßte es ins Land hinaus, hinunter zu den fruchbaren Gefilden des fürstäbtischen Gebietes und des Thurgau, hinüber über den Bodensee in die schwäbischen Lande, und hinauf zur trutzigen Bergeskette von Appenzell, Glarus, Schwyz und Vorarlberg. In grauer Vorzeit schon muß ein frommer Waldbruder dieses herrliche Flecklein Erde zu seinem Wohnsitz auserkoren und hier neben seiner Klause dieses Kirchlein erbaut haben. Wann dies geschah, das hat bis jetzt noch kein Forscher entdecken können. Jedenfalls, soviel steht fest, das Kirchlein stand schon um's Jahr 850. Alle Jahre zog man am Tage vor Christi Himmelfahrt vom Kloster in Prozession hieher, wobei das Lied "Rex Angelorum" (König der Engel), gesungen wurde, das vom St. Galler Mönch Ratpert (gest. 897), eigens zu diesem Zwecke verfaßt worden war. Den Neugläubigen des 16. Jahrhunderts scheint das Apostelkirchlein auf stiller Bergeshöh ein Dorn im Auge gewesen zu sein. Es fiel der Bilderstürmerei zum Opfer und konnte erst nach der Rückkehr des Abtes wiederhergestellt werden. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war die Kapelle sehr baufällig und bedurfte dringend einer Renovation. Kapital war nicht mehr viel vorhanden, 480 Gulden noch, deren Zinsen kaum hinreichten, um die Stipendien für die 16 Meßstiftungen und die notwendigsten Ausgaben zu bestreiten. Pater Iso Walser machte deshalb im Einverständnis mit Abt Beda der Ortsgemeinde Rotmonten den Vorschlag, die Kapelle abzubrechen, das Material dem Bau der neuen Heiligkreuzkirche zu überlassen und die frommen Stiftungen dahin zu übersetzen, womit sie allen Verpflichtungen gegen die Peter- und Pauls-Kapelle enthoben sein sollte. Nach längeren Unterhandlungen erklärten sich die Rotmonter damit einverstanden. Damit war das Schicksal des Kirchleins besiegelt. Im Jahre 1771 fielen seine alten Mauern. Das Wahrzeichen auf der Höhe verschwand; kein Denkstein verewigt die ehrwürdige Stätte, nur der Name erinnert noch, daß die Hl. Petrus und Paulus als mächtige Schutzherren hier oben einst treue Wache hielten. Die Statuen der Apostelfürsten, die Paramente, Kreuz und Fahnen, sämtliche Kirchengeräte wurden in die Kapelle zum hl. Kreuze überführt, auch die zwei Glocken, die in der neuen Kirche ihren Dienst weiter versahen, bis sie anno 1899 einem neuen Geläute Platz machen mußten. Das ziemlich umfangreiche Kapellgütlein ging an die Ortsgemeinde Rotmonten über, wogegen diese das ganze Areal schenkte, auf dem heute die Wallfahrtskirche und das Pfarrhaus stehen.

Auf diesem Platze wurden vor Einbruch des Winters 1771 die Fundamente ausgegraben und im Jahre 1772 unter der Leitung des Baumeisters Sebastian Dürr die Kirche aufgeführt, 100 Schuh lang und 38 Schuh breit. Die Bausteine lieferte das "Galgentobel", von wo sie mühsam heraufbefördert werden mußten. Für die Kalkfuhren stellten die Bürger von Steinach unentgeltlich ihre Pferde zur Verfügung. Ein Einziger weigerte sich.Wenige Tage später wurde nach einem Bericht des dortigen Pfarrers, Benedikt Gaudentius Pfister, dessen Pferd von der Sucht dahingerafft, während alle Tiere der anderen von der Seuche verschont blieben.

Während des Baues ward auch die Kapelle zum hl. Kreuze, die erst seit 12 Jahren stand, niedergerissen; das brauchbare Material fand Verwendung beim Kirchenneubau. An ihrer Stelle wurde das Benefiziatenhaus, das heutige Pfarrhaus, errichtet. Es stand ursprünglich im "Hag" bei Teufen im Appenzellerland, wurde dort vom Eigentümer Hans Ulrich Früh an Peter Iso Walser verkauft, und allhier wieder aufgestellt.

So stand nun trotz der schlimmen Zeit das Werk vollendet da, fürwahr ein Werk, das zeugt vom Opfersinn der Wallfahrer und von der Liebe und der Begeisterung, die man allenthalben dem wundertätigen hl. Kreuze entgegenbrachte.

Das schlichte Wegkreuz auf dem Espen hatte einen Ehrenplatz gefunden in einem würdigen Gotteshaus. Anmutig präsentierte sich das Kirchlein in der lieblichen Umgebung. Der nahe Wald, die grünen Matten, die wohltuende Stille der Einsamkeit, die nur das Plätschern eines munteren Bächleins unterbrach, verliehen dem Wallfahrtsorte einen hohen Reiz und eine weihevolle Stimmung. Nicht weniger entzückte das Innere des Heiligtums. Durch 6 hohe Fenster flutete das Licht in den hellen, stimmungsvollen Raum. Zarte Gipsstukkaturen in grüner Tönung belebten das monotone Weiß der Decke. Durch das prachtvolle, schmiedeiserne Chorgitter eilte der Blick zum Hochaltar, der, herübergenommen von der Heiligkreuz-Kapelle, jetzt auf beiden Seiten bereichert war durch die Statuen der Apostelfüsten aus der abgebrochenen Peter- und Pauls-Kapelle. Erst später wurden auch die 2 Nebenaltäre errichtet. Das Bild des Muttergottes-Altares stammte vom gleichnamigen Altar der alten Stiftskirche. Zur Zeit des Neubaues schmückte es die Notkirche im lloster und kam dann nach Niederbüren, bis es schließlich in der Kiche zum hl. Kreuze auf dem Espen seine definitive Bestimmung fand. Den Altar des hl. Johannes von Nepomuk stiftete die st. gallische Geistlichkeit, für den sie 293 Gulden und 53 Kreuzer zusammensteuerte. Alle 3 Altäre erhielten am 24. Februar 1774 im Beisein einer großen Volksmenge die kirchliche Weihe duch den Fürstabt Beda von St. Gallen. Leider mußten sie bei der unglücklichen Renovation anno 1879 kunstlosen Kreidestein-Altären weichen. Auch das Chorgitter fand keine Gnade mehr. Heute dient es als Eingangsportal im Schlosse Pfauenmoos bei Berg.

 

7. Feierliche Übertragung des hl. Kreuzes in die neue Kirche.

Der 18. Oktober 1772, das Fest des hl. Evangelisten Lukas, war der freudenreiche Tag der hochfeierlichen Übertragung des wundertätigen Gnadenbildes. Von nah und fern zogen nach Mittag die Schaaren heran, dem Triumphe des hl. Kreuzes beizuwohnen. 27,000 Menschen umstanden das hl. Kreuz, das auf der Anhöhe bei der Kirche stehend, allen sichtbar war. Sichtlich gerührt bestieg Pater Iso Walser die Kanzel und hielt an die versammelten Massen die Predigt, anhebend mit den Worten: "Wenn ich von der Erde erhöht sein werde, werde ich alles an mich ziehen." Wahrhaftig, großartiger hätte man sich den Triumph des hl. Kreuzes nicht vorstellen können! Auf den Inhalt der Predigt spielt das Heiligkreuz-Lied an, das der federgewandte Pfarrer von Jonschwil, Nikolaus Müller, eigens für diesen Festanlaß verfaßt hatte.

"Wenn ich bey dem Glaubens-Licht
Dich, o heil'gen Kreuz betrachte;
Ist es möglich, daß ich nicht
Ganz vor Traur und Leid verschmachte?
Du erinnerst mich der Qualen,
Die, um meine Schuld zu zahlen,
Für mich auf der Schedelstatt
GOtt, GOtt selbst gelitten hat.

Ein auf dich geworfner Blick
Muß mich schon in Traur versenken;
Denn die Gnade stralt zurück,
Und verleitet mich zu denken:
Das GOtt, um mich zu erlösen
An dir sey ein Fluch gewesen
GOtt ein Fluch - ein Fluch für mich!
Himmel! ach wer bin dann ich?

Ich bin grausam undankbar,
Der das Blut hat umgestossen,
So auf dir, o Söhn-Altar,
Einst zu meinem Heil geflossen:
Ich hab' dessen Werth zernichtet,
Ich den Frucht zu Grund gerichtet,
Ich bins, der - o Greuel That!
Wieder GOtt gekruezigt hat.

Dessen überzeugen mich
Meine widerholten Sünden;
Und doch wenn ich dich ansieh,
Hoff' ich annoch Gnad zu finden:
Nachlaß hoff' ich und Erbarmen,
Weil mit ausgestreckten Armen
An dir um Barmherzigkeit
Immer mein Erlöser schreyt.

O! wie rührend ist die Bitt:
Vater! ach, verzeih es ihnen,
Was die thun verstehn sie nit:
Laß mein Blut nicht fruchtloß rinnen:
Es ist ja unendlich minder
Alle Bosheit aller Sünder,
Und der Greu'l der ganzen Welt,
Als dieß theure Lößungsgelt.

Kreuz! du bist der Gnaden Thron,
Wo so schmerzlich ausgedehnet
Durch sein eigen Blut der Sohn
Mit dem Vater mich versöhnet.
JEsus, an dir tod verblichen,
Hat den Schuldbrief ausgestrichen,
Und getilget ganz und gar,
Der mir noch entgegen war.

Voll der Traur und Zuversicht
Lieg ich vor dir auf den Füssen:
Voll der Traur; indem ich nicht
Meine Schuld genug kann büssen:
Voll der Zuversicht beynebens;
Weil du bist der Baum des Lebens,
Und der Hofnung Gegenstand,
Und der Gnade sichers Pfand.

O wie tröstlich bist du mir!
Ich seh' JEsum an dir hangen,
Wo, wo ehnder als bey dir
Kann, und wird ich Gnad' erlangen?
Mit dem Blut, das an dir fliesset
Sich auf mich die Gnad' ergiesset
Allzeit wirst du, wie der Pein,
So der Gnade Werkzeug seyn.

Heil'ges Kreuz! so will ich dann
Mit der heil'gen Kirch dich ehren,
Und, wenn ich dich bethe an,
Soll sich Traur und Trost vermehren.
Neu der Sünden, neues Leben,
Und das Heil das mir will geben
JEsus, der mich durch dich sucht
Sey nun meiner Andacht Frucht.

Nach Schluß der Predigt begann die glanzvolle Prozession, in der das hl. Kreuz von vier Männern einhergetragen wurde. Hinter dem Kreuze schritten Fürstabt Beda, zahlreiche Mönche aus dem Kloster, alle angetan mit hochfeierlichen, kirchlichen Gewändern, viele Priester aus näherer und weiterer Umgebung, sowie der gesamte weltliche Hofstaat des Fürstabtes von St. Gallen. 221 Personen, Erwachsene und Kinder, in köstlichen Kleidern, stellten in sechs Gruppen das Leiden Christi dar nach folgendem Programm, aus welchem man den Aufwand und die Pracht der feierlichen Prozession ersehen mag.

"Eingang. Die Ursache des Leidens und Todes Christi. 1.-4. Ein Anführer zu Pferd in einem Küraß mit einer Hellbarte; ein Paukenschlager, zwei Trompeter und ein Ritter mit der Fahne, deren Aufschrift: das Leiden U. H. J. Christi; alle zu Pferde. 7. und 8. Adam mit seinen zwei Söhnen Abel und Cain; der Krieg, die Pest und der Hunger mit einem Schilde und Aufschrift: die Straf der Sünd. 9. Die göttlliche Gerechtigkeit mit der Waage; in der einten Schale der Apfel Adams, in der andern das Kreuz Christi, den Apfel überwiegend. 10. Die menschliche Seele auf einem Wagen, von der Welt und ihrem Anhang geführt; mit dem Schilde: Anfechtung der Eitelkeit. 11. Der Tod und der Teufel usw.

I. Theil. Die Angst und Gefangennehmung Christi im Garten. 1. Traggerüste, vorstellend Christus am Oelberg. 2. der ägyptische Joseph von seinen 10 Brüdern gebunden. 3. und 4. Judas, der Verräther Christi, mit 30 Silberlingen und Malchus mit einer großen Laterne zwischen vier Soldaten mit Ketten und Stricken usw.

II. Theil. Christus wird aus Neid des Todes schuldig erklärt und von Herodes verspottet. 1. Petrus mit dem Hahn und St. Johannes mit dem Evangelium. 2. Ein Engel mit entblößtem Schwert. 4. und 5. Der büßende König David und 2 Edelknaben mit der Harfe, der Krone und dem Szepter. 6. und 7. Der Verräther Judas mit den 30 Silberlingen und einem Stricke; ihm folgen 2 Teufel, einer mit dem Blasbalg, der andere mit einem Baume. 9. und 10. Die verführerische Dalila; Samson von den Philistern verspottet. 12.-15. Herodianischer Hofmarschall, zwei Höflinge des Herodes; Herodes, sein Hofgesinde, alle zu Pferde, usw.

III. Theil. Die Geißelung und Krönung Christi. 1. Der Patriarch Jakob, dem ein Sohn das mit Blut besprengte Kleid des Josephs vorweiset, usw. 5. und 6. Der König Salomon mit Krone und Szepter; die Königin Saba mit ihrem Ehrengefolge, usw.

IV. Theil. Die Kreuztragung und Kreuzigung Christi. 1. und 2. Isak, ein Büschelein Holz tragend, und Abraham mit entblößtem Schwerte. 3.-13. Ein Kriegsoffizier und 2 Kriegsknechte mit der Fahne: S. P. Q. R.; ein Paukenschläger und 2 Trompeter, alle zu Pferde; 2 römische Liktoren mit den Fasces und Beilen; 2 Edelknaben mit Lavor und Handtuche; 2 Hofherren des Pilatus zu Pferd; Pilatus in einem offenen Wagen fahrend; neben ihm 4 Soldaten in Panzer; Annas und Kaiphas zu Pferde; des Pilatus Hofstaat; ein Kriegsoffizier mit der Standarte: J. N. R. J.; eine Rotte zu Pferde. 14. Die weinenden Töchter Sions usw.

V. Theil. Die glorreiche Erhöung des Kreuzes Christi. 1. Ein Herold zu Pferde mit der Standarte und Aufschrift: die Herrlichkeit des Kreuzes. 2.-7. Einige Hofherren des Kaisers Heraklius; der Patriarch von Jerusalem mit seiner Klerisei; 4. Edelknaben mit den kaiserlichen Insignien; der Kaiser Heraklius in bloßen Füßen und schlechter Kleidung, mit einer Dornenkrone, das Kreuz Christi tragend, einige Hofherren; ein Theil des Frauenvolkes. 8. und 9. Hofdamen der Kaiserin Helena; ein Traggerüst, worauf das heilige Kreuz erhöhet und von der Kaiserin Helena, von Europa, Asia, Afrika und Amerika angebetet wird, usw."

Betend und singend zog die Prozession durch die staunenden, dichtgedrängten Menschenmassen über das weite Feld des großen Espen dahin. Die Priester sangen den Hymnus "Vexilla regis prodeunt". Bei den Worten "O Crux, ave spes unica", "O Kreuz, sei gegrüßt, du einzige Hoffnung", sank Volk und Klerus in die Knie. Weihrauchwolken stiegen gen Himmel empor. DerFürstabt inzensierte das hl. Gnadenbild und sprach ein Gebet im Namen der Tausende, die in weitem Umkreis das hl. Kreuz verehrten. Daraufhin kehrte die Prozession zur Kirche zurück. Es war Abend geworden. Die scheidenden Strahlen der untergehenden Sonne spielten im Gotteshaus, als die Männer das hl. Kreuz am Hochaltare aufrichteten. Dort hängt es nun seither, der Verehrung der Gläubigen ausgesetzt. Nur einmal noch sollte es einen so großartigen Triumph erleben, als am 14. September des Jahres 1777 die Gebeine des römischen Katakombenheiligen Pius in feierlicher Prozession hieher übertragen wurden.

Seit diesem Tage hat es keine so glänzenden Feste mehr geschaut. Still ist's geworden um das hl. Kreuz bis zu jenem Tage, wo die Glocken schallen in St. Gallen Ost und die Kinder der Pfarrei mit den Verehrern des hl. Kreuzes von nah und fern es hinüberbegleiten in die neue, große Pfarr- und Wallfahrtskirche zum hl. Kreuze. Das walte Gott!

 

8. Erweiterung und Weihe des neuen Gotteshauses.

Zur großen Freude aller Verehrer des hl. Kreuzes war die neue Kirche vollendet. Allein sie vermochte die große Menge der Pilger, die besonders an den Fastenfreitagen hier zusammenströmte, bei weitem nicht zu fassen, obwol sie 100 Schuh in die Länge maß. Eine Erweiterung der Kirche schien unumgänglich. Schweren Herzens schritt P. Iso Walser an die Ausführung dieses Planes heran, waren doch vom Neubaue her noch 1800 Gulden restante Schulden geblieben, die verzinst werden mußten. Vor weitern Schuldenlasten schreckte er zurück. Da zeigte sich plötzlich in der nördlichen Längsmauer eine starke Wölbung; die Mauer begann sich zu neigen. Ein Einstruz stand bevor. Das bewog P. Iso, die Erweiterung der Kirche, die ohnehin notwendig war, trotz neuen, hohen Kosten nicht mehr länger aufzuschieben. Er ließ durch den rühmlichst bekannten Baumeister Ferdinand Beer vom Bregenzerwald 2 geräumige Seitenkapellen aufführen, wodurch sowohl der Platzmangel als auch die Einsturzgefahr behoben war. Damit erhielt die Kirche die Form eines Kreuzes. Die rechte Seitenkapelle nahm den Oelbergaltar auf, die linke den Piusaltar. In diesem Altare fanden am 13. September 1776 die Gebeine des hl. Martyrers Pius, enthoben den Katakomben des hl. Laurentius außerhalb der Mauern Roms, ihre letzte Ruhestätte. Die hl. Reliquien ruhen heute noch in der linken Seitenkapelle im Altare der schmerzhaften Muttergottes.

Mit der Erweiterung der Kirche war die bauliche Tätigkeit in Heiligkreuz abgeschlossen. Gekrönt mit der feierlichen Weihe durch die Hand des Weihbischofs von Konstanz, Augustus Johannes, Freiherr von Hornstein, Titularbischof von Epiphanien i.p.i., am 14. Juli 1777, hat das ehrwürdige Kirchlein sein äußeres Aussehen bewahrt bis auf den heutigen Tag.

Ungezählte haben auch in diesem neuen Gotteshause Trost und Hilfe gefunden. Das bezeugen die zahlreichen Votivtafeln, die vielen Weihegeschenke, die Krücken und Stelzen usw., die fortan hieher gebracht wurden. Im Jahre 1794 betrug die Zahl der Votivbilder bereits 150. Seither wurde sie noch um ein Beträchtliches vermehrt. Von den Wundern der Gnade, die der gekreuzigte Heiland auf dem Espen an den Seelen wirkte, berichten die Urkunden nichts; sie sind aufgezeichnet im Buche des Lebens.

 

9. Schatten über dem hl. Kreuze.

Der 8. Mai des Jahres 1805 war ein schwarzer Tag. An diesem Tag sank das Stift des hl. Gallus in Trümmer, aufgehoben von der neuen st. gallischen Regierung. Wenn der berühmte Kapitular P. Ildephons von Arx in seinen Geschichten des Kantons St. Gallen schreibt: "Billig muß ich auf das Grab dieses Stiftes eine Zähre weinen", dann hat vor allem auch der Freund und Verehrer des hl. Kreuzes allen Grund, den Sturz dieses mächtigen Gotteshauses aufrichtig zu bedauern. "Die Äbte und Mönche des Klosters St. Gallen", schreibt ein Benefiziat von Heiligkreuz. L. U. Nägeli in seinen hinterlassenen Schriften, "sind die Hauptgründer und Gönner, Stifter und Gutthäter der Hl. Kreuzkirche. Auf Betrieb des unermüdlichen und unvergeßlichen Official Iso Walser ist durch besondere Gnade und Gunst des Fürstabts Cölestin II. der erste Kapellbau und Gottesdienst errichtet, unter dessen Nachfolger Beda die jetzige Kirche aufgeführt, das Sanctissimum eingesetzt, auf Kosten des Officialats ein Pfrundhaus erstellt und zu Besorgung der Wallfahrt ein eigener Priester als Poenitentiarius aufgestellt worden. Nach Aufhebung des Stiftes haben die überlebenden R.R. D.D. Capitularen nicht nur mit Vorliebe dieses Plätzchen erwählt für ihren Ruhestand, sondern auch für den weitern Fortbestand Bedacht genommen dadurch, daß vorzüglich durch Anregung und Betrieb des P. Theodor Wick, Pfarr-Rectors ein Pfrundfond angelegt wurde, zu dessen Äufnung laut Urar er selbst und die übrigen durch Vermächtnisse beigetragen oder sonst als Gutthäter der Kirche sich bewährt haben, und deren nirgends Erwähnung geschieht. Es ist Pflicht der Dankbarkeit, solcher Gründer, Stifter und Gönner Andenken zu ehren."

Fünf Jahre zuvor hatte in den entweihten Räumen des Klosters St. Gallen der große Freund des hl. Kreuzes, P. Iso Walser, müde sein Auge geschlossen. Trübe Ahnungen verbitterten seine letzten Lebenstage. Von Konstanz herauf wehte ein Geist, der den Wallfahrten nicht weniger als günstig gesinnt war. Was sollte aus seinem Werke werden, das er mit soviel Liebe und Hingabe geschaffen und dem er mit ganzer Seele zugetan war? Sollte das Wort des Predigers in Erfüllung gehen, das er voll Mißmut sich als Grabesinschrift wählte: "Detestatus sum omnem industriam meam. Habiturus haeredem post me, quem ignoro, utrum sapiens an stultus futurus sit. Ich habe Mißfallen an all meinem Fleiße, da ich einen Erben nach mir haben werde, von dem ich nicht weiß, ob er weise oder töricht sein wird."?

 

10. Die Hüter des hl. Kreuzes.

Gott hat die heilige Gnadenstätte nicht vereinsamen lassen. Eine Reihe würdiger Benefiziaten hüteten treu das übernommene Erbe. Schon zur Zeit, da die Heiligkreuz-Kirche noch dem Kloster unterstand, war zur Besorgung der Wallfahrt ein eigener Priester bestimmt worden. Diese Wallfahrtspriester, Pönitentiare, Beichtiger genannt, residierten teils im Benefiziatenhause, teils auch im Kloster selbst. Einige waren Portherren des Stiftes, andere wieder äbtische Fiskale und Notare.Sie waren auf diese Nebenämter angewiesen, denn ein Pfrundfond war nicht vorhanden und der bloße Ertrag aus den Stiftungen konnte kein genügendes Auskommen sichern. Dieser verschiedene Wohnsitz erschwert die Aufstellung einer genauen Liste der ersten Wallfahrtspriester.

Als erster wid urkundlich erwähnt der Böhme Vitus Bartholomaeus Jeschke, der ein bewegtes Leben hinter sich hatte. Er hatte 3 Jahre lang Kriegsdienste geleistet, studierte dann Theologie, konnte aber als ehemaliger Kriegssoldat die Priesterweihe nicht empfangen und wurde Waldbruder und Meßmer beim hl. Kreuze. Im Auftrage P. Iso Walsers reiste er anno 1775 über die Alpen nach Rom, erlangte dort die Dispens von seinem Weihehindernisse und zugleich auch 2 hl. Leiber, die Gebeine der Martyrer Pius und Magnus, die er nach St. Gallen brachte. Zum Priester geweiht, wurde er alsobald Pönitentiar in Heiligkreuz. Er starb 1798 als Kaplan in Häggenschwil. Ihm folgte um 1780 herum Johannes Evangelist Pfister.

Die Jahre 1784-1791 hat als Wallfahrtspriester der Zuger Johann Joseph Andermatt inne. Sein Nachfolger war der äbtische Fiskal und Notar Johann Jakob Germann von Jonschwil, vormals Pfarrer zu Kappel im Toggenburg, ein frommer und allgemein geachteter Priester. In die Jahre seines Wirkens als hiesiger Benefiziat fällt die große Zeitenwende. Die alte Eidgenossenschaft, die so manchem Sturme getrotzt, war in ihren Grundfesten erschüttert. Der Boden unseres Vaterlandes erdröhnte vom ehernen Schritt der französischen Bataillone. Am 10. Mai des Jahres 1798 rückte General Lauer mit seinem Heere in St. Gallen ein und besetzte Stadt und Kloster. Vor seiner Flucht hatte Fürstabt Pankraz Vorster die Leitung der Ordinariatsgeschäfte dem ihm treu ergebenen Fiskal Germann übertragen, der sie innehatte, bis der Bischof von Konstanz im Einverständnisse mit Rom alle geistlichen Rechte der Abtei an sich zog. Nicht ohne Wehmut mag der klosterfreundliche Benefiziat von Heiligkreuz dem neuen Regime das Vermögen des Wallahrtskirchleins und der St. Nepomuksbruderschaft ausgehändigt haben, das bis anhin der Verwaltung des Stiftes unterstand. Die Regierung des Kantons St. Gallen überließ anno 1806 alles, Kirche und Pfrundhaus einbegriffen, der Ortsgemeinde Rotmonten mit der Verpflichtung, fortan für deren Verwaltung und Unterhalt besorgt zu sein, und erklärte sich jeder Verbindlichkeit gegenüber Heligkreuz entledigt. Germann zog sich nach Niederwil zurück, wo er 1811 als dortiger Pfarrer und Dekan das Zeitliche segnete.

Auf ihn folgte 1807 der Koadjutor von St. Georgen Joseph Anton Eberle, der volle 12 Jahre bis zu seinem Tode anno 1820 die hiesige Wallfahrt besorgte. An seine Stelle traten nacheinander Joseph Baltassar Reymann, der spätere Pfarrer von Wattwil, Bruggen und Wildhaus, und Joseph Anton Burgstaller, den 1824 Pater Seraphim Neeß von Ottobeuren, ein Mönch des Klosters St. Gallen, ablöste. Dieser hatte am Gallusfeste 1764 die hl. Profeß abgelegt, und wurde nach seiner Priesterweihe Unterpfarrer in St. Gallen, Pfarrer von Neßlau, Kustos an der Stiftskirche, Pfarrer in Alt St. Johann, Organist in neu St. Johann und Direktor der Stiftsdruckerei in St. Gallen. Zur Zeit des Umsturzes war er Kaplan in Häggenschwil, später Kaplan in Muolen und Bernhardzell, um endlich als Benefiziat des hl. Kreuzes im Jahre 1830 sein bewegtes Leben zu schließen.

An seine Stelle trat sein Mitbruder, Pater Augustin Bachmann von Menzingen, der am 1. Oktober 1840 als einer der letzten St. Galler Konventualen aus diesem Leben schied. Der "Sanct Gallische Wahrheitsfreund" widmete ihm in Nr. 41 vom 9. Oktober 1840 einen ehrenvollen Nachruf. Pater Augustin Bachmann "war einer jener ehrwürdigen Kapitularen, welche ein werkthätiges, berufergebenes, wenn auch mühevolles Leben einem pensionierten Müssiggang vorzogen. Seit Aufhebung des Klosters hatte er zuerst verschiedene Kaplaneien versehen und dann während 10 Jahren in Goldingen und circa 12 Jahre in Jonschwil als Pfarrer rühmlich und heilbringend gewirkt, und als ihn seine schwindenden Körperkräfte zur Resignation mahnten, suchte er wieder eine Stätte als Benefiziat bei der Filialkirche zum hl. Kreuz, wo er bis ans Ende seiner Tage noch im Dienste des Herrn zum Heile der Gläubigen arbeitete." Wie sein Vorgänger, so fand auch er seine letzte Ruhestätte auf dem Gottesacker in St. Fiden. Sein Nachfolger Johann Michael Düring gab schon nach 3 Monaten die Stelle wieder auf.

Zum neuen Wallfahrtspriester erkor die Benefiziatsgenossenschaft den Degersheimer Pfarrer Laurenz Anton Nägele von Rapperswil und traf damit eine überaus glückliche Wahl. Denn der neue Benfiziat war ein begeisterter Verehrer des hl. Kreuzes und gab sich alle Mühe, die Wallfahrt zum hl. Gnadenbilde wieder zu heben. Zu diesem Zwecke verfaßte er das Gebetbüchlein "Der Wallfahrer zum heiligen Kreuze auf dem Calvarienberg bei St. Gallen", ließ aus gesammelten Geldmitteln die Kirche restaurieren und tat viel, um den Gottesdienst erhebend und feierlich zu gestalten. Leider resignierte er schon am 14. Oktober 1849 und zog sich in die stillen Mauern des Klosters Oelenberg im Elsaß zurück, wo er als Trappist im Jahre 1860 sein Leben schloß. Ehre seinem Andenken!

Die Jahre 1850-1853 hat der Einsiedler Meinrad Kälin inne, die Jahre 1853-1867 der Häggenschwiler Johannes Evangelist Lepfi, der aufgewachsen in Rotmonten, mit dem bekannten Pater Gall Morel unter Regens Ildephons von Arx das st. gallische Priesterseminar besucht und in der Kathedrale des hl. Gallus das erste hl. Meßopfer gefeiert hatte, wobei der nachmalige Bischof Petrus Mirer die Primizpredigt hielt. Er amtierte zuerst als Kaplan in Marbach, Neu St. Johann und Bruggen, dann als Pfarrer in Bichwil und Tübach und zuletzt als Benefiziat des hl. Kreuzes. Unter ihm wurde im Jahre 1854 in heisiger Wallfahrtskirche die Maiandacht eingeführt, nachdem sie bereits 12 Jahre zuvor im Kloster der hl. Scholastika zu Rorschach Eingang gefunden hatte. Unter großem Zulauf des Volkes hielten der St. Galler Bischof Petrus Mirer und der gefeierte Kapuzinerpater Theodosius Florentini die ersten Maipredigten im reichgeschmückten Kirchlein. Von Heiligkreuz aus verbreitete sich diese Andacht in alle Kirchen der ganzen Diözese und fand überall freudigen Anklang. Das Lob der Maienkönigin hat seither nicht mehr aufgehört; es wird weiterklingen, solange die Herzen der dankbaren Marienkinder freudig der himmlischen Mutter entgegenschlagen.

Die Nachfolger des im Jahre 1867 verstorbenen Benefiziaten Lepfi waren 1868-1870 Alois Tremp, der spätere Prälat und Wallfahrtspriester auf Maria Bildstein bei Benken, 1870-1873 der Zisterzienser Pater Edmund Dürr aus dem Kloster Mehrerau bei Bregenz, und 1873-1874 Johann Baptist Schaffhauser.

Aus der Wahlversammlung vom 5. Juli 1874 ging als neuer Benefiziat der Professor des aufgehobenen Knabenseminars in St. Georgen, Johannes Widemann, hervor, ein wahrhaft frommer Diener des hl. Kreuzes. Die vielen Spenden der Wallfahrer, die wieder reichlich flossen, ermöglichten es ihm, die Kirche auf Initiative des Domkustos Dr. Otto Zardetti vollständig zu restaurieren. Leider kann diese Renovation des Jahrs 1879, so wohl gemeint sie war, nicht als eine glückliche angesehen werden. Die schweren, dunkeln Farben nahmen dem ehedem so hellen Innern den freundlichen Eindruck, die Stukkaturen wurden entfernt, das Chorgitter verkauft und die hölzernen Barock-Altäre durch nüchterne Steinaltäre ersetzt. Eine zweite Renovation im Jahre 1908 hat diese Mängel wieder gut zu machen versucht und dem altehrwürdigen Kirchlein wenigstens die alte, heimelige Stimmung wieder gegeben. Nach 19jähriger segensreicher Tätigkeit resignierte Johannes Widemann auf die Pfründe und klopfte an die Pforte der Karthause zu Düsseldorf in Westfalen, wo er unter dem Namen "Pater Beatus" am 13. Dezember 1901 starb, wenige Wochen nach seiner Wahl zum Prior des dortigen Klosters. Sein Andenken lebt weiter im Namen der Beatusstraße in St. Gallen Ost, die ihm zu Ehren diesen Namen trägt.

H.H. Hieronimus Baumgartner, derzeit Resignat in Heiligkreuz, der volle 37 Jahre lang das Amt eines hiesigen Wallfahrtspriesters verwaltete, ist in der Reihe der Benefiziaten der Letzte.

Im April 1930 wurde der Kreis Langgasse-Rotmonten-Heiligkreuz zur Pfarrei erhoben und H.H. Paul Dietsche zum ersten Pfarrherrn der neuen Pfarrei ernannt. Das altehrwürdige Wallfahrtskirchlein zum hl. Kreuze hat eine neue Krone erhalten, es ist Pfarrkriche geworden.

Damit hebt eine neue Epoche seiner Geschichte an, die noch der Zukunft angehört. Mit freudiger Begeisterung haben die gläubigen Ahnen das heutige Werk geschaffen; unter nicht geringen Opfern hat es die Ortsgemeinde Rotmonten erhalten. Dieser Eifer darf jetzt nicht erkalten, wo es gilt, eine neue, größere Wallfahrts- und Pfarrkirche zu erbauen, da das jetzige Kirchlein den Anforderungen bei weitem nicht mehr genügt. Wenn das Heiligtum des hl. Kreuzes in neuem Glanz ersteht, dann wird auch die Verehrung des wundertätigen Gnadenbildes aufs neue erblühen und sein Segensstrom wird weiterfließen für und für. In diesem freudigen Ausblick auf die Zukunft legt der Chronist des hl. Kreuzes seine Feder nieder; er rechtfertigt seine Arbeit mit den Worten Pater Iso Walsers: "Das ganze Absechen dieses Werkes ware die Ehre des gekreuzigten Heilands, der bey dieser seiner Bildniß viele Gnaden erwiesen hat; und die dankbare Gedächtniß seines heiligsten Leydens, so kein christliches Herz mißbilligen kan."


Literatur-Verzeichnis.

I. Ungedruckte Quellen.

II. Gedruckte Quellen.


Gebete

für den frommen Walfahrer zum hl. Kreuze.

(Die folgenden Gebete sind entnommen dem Wallfahrtsbüchlein P. Iso Walser's, betitelt: Christliches Handbüchlein, Das ist: Andächtige Wallfahrt zu dem Heiligen Kreuz auf den Kalvariberg etc. Gedruckt, und zu finden im Fürstlichen Gotteshaus St. Gallen, 1782.)

Gute Meinung eines frommen Wallfahrers.

Herr Jesus Christus, der Du am heiligen Kreuze deine liebevolle Güte und unermeßliche Barmherzigkeit gegen das Menschengeschlecht gezeigt hast, du würdigest dich, deine Gnaden bei diesem heiligen Kreuzesbild denen mitzuteilen, die mit festem Glauben und lebendigem Vertrauen in ihren Anliegen dich anrufen. Ich komme, um dein heiliges Kreuz andächtig zu besuchen, dein bitteres Leiden und Sterben dankbar zu verehren, und deiner Erbarmungen teilhaftig zu werden.

Denn, o mein gekreuzigter Erlöser, ich gluabe an dich, als meinen Gott und Herrrn, der mich mit seinem Blute erlöst hat. Ich hoffe mit voller Zuversicht auf deine erbarmende Güte. Du hast alle zu dir gerufen, die mit Jammer und Elend beladen sind, und hast ihnen Erquickung und Trost verheißen. Deine Liebe zieht mich an dich, da ich an deiner heiligen Seite das eröffente Herz und in demselben deine Liebe zu mir sehe.

In diesem Glauben, in dieser Hoffnung und Liebe komme ich, o Jesu, um dich wahren Gott und meinen einzigen Heiland anzubeten. O Jesu, sieh mich an mit deinen barmherzigen Augen und erbarme dich meiner!

Verehrung des heiligen Kreuzes.

Sei gegrüßt, o heiliges Kreuz! Du stellst mir Jesus Christus, den Sohn Gottes, dar, der mit grausamen Nägeln angeheftet, dich durch sein kostbares Blut geheiligt hat. Ich falle auf die Knie nieder, um dich zu verehren als den geheimnisvollen Baum des Lebens, an dem Jesus Christus drei Stunden lang gehangen, den Tod überwunden und durch seinen Tod die Welt erlöst hat.

O ehrwürdiges Kreuz, das unser Heiland Jesus Christus zum Altar seines Versöhnungsopfers erwählte, und auf dem er sich selbst dem himmlischen Vater für die sündige Welt geopfert hat! Durch dich ist uns Armen das Heil gekommen. Mit welchem Lob soll man dich erheben! Durch dich hat uns Jesus den Himmel eröffent und das ewige Leben vorbereitet. Wer soll dich nicht ehren!

Dein heiliges Kreuz verehren wir wegen dir, o Herr. Denn siehe! wegen des Kreuzesholzes ist Freude gekommen in die ganze Welt.

O gebenedeites Kreuz! Du hast die Fülle des göttlichen Segens an dich gezogen, da Jesus an dir den Zorn des Vaters besänftigt und die Menschen durch sein Blut mit ihm versöhnt hat. An dir hat er das Wohlgefallen des Vaters erfüllt und ist so allen, die ihm gehorchen, die Ursache des ewigen Heiles geworden. Darum hat Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, uns durch dich mit allem geistlichen Segen und mit himmlischen Gaben gesegnet. Wer soll sich nicht mit tiefer Ehrerbietigkeit zur Erde niederwerfen vor dem wunderbaren Zeichen des Heiles, durch welches uns Gott vor den Feinden bewahrt, und welches er auf Erden verherrlicht hat!

Ich ehre dich, o heiliges Kreuz, du trägst den Wert der Welt, Jesus Christus, den teuren Erlöser. O süßes Holz! o süße Nägel! die ihr eine so süße Bürde traget. Du bist erhaben über alle Zederbäume. An dir hängt das Heil der Welt. Sei gepriesen ohne End!

Sehet an das Holz des Kreuzes, an dem das Heil der Welt gehangen ist! Kommt, lasset uns anbeten!

Heiliger Gott! Heiliger starker, heiliger unsterblicher Gott! Erbarme dich unser!

Gebet in eigenen Krankheiten.

Göttlicher Heiland, Jesus Christus, den ich in diesem heiligen Gnadenbild verehre, du hast deine Allmacht und Barmherzigkeit gegen Kranke und Armselige durch viele wunderbare Heilungen erwiesen. Ich komme in lebendigem Glauben und zuversichtlichem Vertrauen zu deinem heiligen Kreuze. Herrr, wenn du willst, kannsts du mich gesund machen. Ach, deine Güte hat sich jenes Gichtbrüchigen bei dem Teiche Bethesda zu Jerusalem erbarmt, welcher acht und dreißig Jahre krank gelegen. Er seufzte zu dir: Herr, ich habe keinen Menschen, der mir helfen würde. Du hast ihn mit wenigen Worten gesund gemacht und zu ihm gesprochen: Steh' auf, nimm dein Bett und geh'.

Jesus, mein Gott und Erlöser am heiligen Kreuze! Sieh' mein Elend und meine Armseligkeit! Ich habe keinen Menschen, der mir helfen könnte. Ach, erbarme dich meiner durch deine Schmerzen, durch deine Wunden, durch deinen heiligen Tod am Kreuze und gib mir die Gesundheit wieder, wenn es dein heiligster Wille und mir zum ewigen Leben ersprießlich ist. Ich bin zwar nicht würdig, diese Gnade zu erlangen; aber deine Erbarmungen sind groß und deine Macht hat keine Schranken. Verherrliche dein heiliges Kreuz, damit alle erkennen, daß du unser Gott und liebevoller Heiland bist, der seine Gnaden wie bei dem Teiche Bethesda, so auch bei seinem Gnadenthrone des Kreuzes erteilt, der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.

Gebet für fremde Krankheiten.

Jesus Christus, liebreichster Erlöser, ich werfe mich nieder zur Erde vor dem heiligen Kreuze und verehre dein heiligstes Leiden und den bittern Tod, den du für uns Arme am Kreuze ausgestanden hast. Laß die Kraft deines kostbaren Blutes und die unendlichen Verdienste deines bis in den Tod betrübten Herzens über deinen in Krankheit, Schmerzen und Gefahr liegenden Diener kommen, der zu dir, gekreuzigter Heiland, in seiner Not Zuflucht nimmt; du hast dein Blut für ihn vergossen und deine Liebe gegen ihn bewiesen durch deinen schmerzlichen Kreuzestod. Siehe, den du lieb hast, der ist krank!

Erbarme dich seiner, o Herr, und verleihe ihm die Gesundheit wieder, wie du den Glauben des kananäischen Weibes angesehen und ihre Tochter gesund gemacht hast. Du hast ja auch das Mägdlein des Obersten auf seine Bitte hin durch die Auflegung deiner Hand vom Tode erweckt. O Jesus! Ich glaube an deine götltliche Kraft, ich vertraue auf deine erbarmende Güte. Erhöre mich, da ich mit allem Eifer meines Herzens zu dir rufe und deine Barmherzigkeit anflehe. Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich unser; wir glauben, daß du uns retten kannst.

Gebet aus den sieben Worten Christi um einen guten Tod.

O Jesus, der du am heiligen Kreuze liebreich für deine Feinde betend sprachst: "Vater, verzeihe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun", durch diese deine Liebe bitte ich dich, verzeihe auch mir jetzt und in meiner Sterbestunde alle meine Sünden. Erhalte mich in deiner Gnade und laß mich mit dem bußfertigen Schächer diese Worte hören: "Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein."

Laß mich in meiner letzten Angst die gnadenreiche Fürbitte deiner liebsten Mutter erfahren, die du am heiligen Kreuze deinem liebsten Jünger Johannes anbefohlen hast. Verlaß mich nicht, o Jesus, in der letzten Not, der du am Kreuze gerufen: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Erquicke mich in meinem letzten Ende mit deiner Gnade, der du in deinem Durste mit Essig und Galle getränkt worden bist. Laß mich in deiner Liebe und in deiner Gnade mein Leben vollbringen, der du am Stamme des heiligen Kreuzes das große Werk unserer Erlösung vollbracht hast.Gedenke, o mein Jesus, der großen Liebe, mit welcher du dich in die Hände des himmlischen Vaters empfohlen hast, da du sprachst: "Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist." Ach, nimm meine Seele in der Stunde meines Todes in jene heiligen Hände auf, welche du am Kreuze ausstreckest und führe mich zum ewigen Leben.

Litanei von Christus Jesus am heiligen Kreuze.

V. Jesus Christus! Wir beten dich an und benedeien dich.

A. Denn durch dein Kreuz hast du die Welt erlöst.

Lasset uns beten! Liebreichster Heiland, Jesus Christus, du wahrer Trost der Betrübten und unsere Hilfe in allen Anliegen, der du an dem heiligen Kreuze für uns unaussprechliche Schmerzen und den bittersten Tod hast ausstehen wollen; wir rufen zu dir, erbarme dich unser in unseren Nöten; erlöse uns von allem Übel; verleihe uns die Gesundheit des Leibes und der Seele, damit wir unter dem Schatten des heiligen Kreuzes, von den Nachstellungen des Teufels bewahrt, in deiner aufrichtigen Liebe bis an das Ende verharren und durch deine unendlichen Verdienste einen seligen Tod erlangen, der du lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.

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Transkription: P. O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell