Aus dem Immaculata-Archiv:


IGNAZ KOSUBEK

 

Das Geheimnis der Wunder
von Konnersreuth

 

THERESE NEUMANN
in Dankbarkeit gewidmet

 

1957

Mit kirchlicher Druckgenehmigung des erzbischöfl. Ordinariats Freiburg i. Br. vom 11. April 1947 Nr. 5444. Der Generalvikar: Dr. Hirt


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Therese Neumann, geb. am Karfreitag 9.4.1898

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Meine Unterredung mit Pfarrer Naber in Konnersreuth am 22. Oktober 1946
3. Die letzten Feststellungen aus "La Croix" vom 29. Mai 1946. Die Wunden und Stigmata der Therese Neumann
4. Die Leiden der Therese an den Freitagen
5. Meine Unterredung mit Therese Neumanns Eltern
6. Meine erste Unterredung mitTherese Neumann am 7. November 1946
7. Brief an Pfarrer Naber am 18. Dezember 1946
8. Meine zweite Unterredung mit Therese Neumann
9. Mein vierter Besuch in Konnersreuth am 21. Februar 1947
10. Angriffe auf Therese Neuamann
11. Worin besteht das Geheimnis der Wunder von Konnersreuth?
12. Was versteht man unter dem Begriff Wunder?
13. Konnersreuth im Lichte der Bestrebungen zur Wiedervereinigung im Glauben
14. Kurzes Nachwort
15. Vision der Therese Neumann über die Aufnahme Mariens in den Himmel

 

Zur Einleitung

Wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, besonders an meine Schul- und Lehrzeit von 1902 bis 1914, und die damalige Zeit mit der heutigen vergleiche, so stelle ich einen Unterschied fest, wie er zwischen Tag und Nacht, Glück und Unglück, Segen und Fluch besteht. In der damaligen Zeit lebten die Menschen fröhlich und glücklich, in Liebe und Zufriedenheit. Die jetzige Jugend kennt leider solche Verhältnisse nicht. Es ist daher notwendig, die Jugend von heute mit den damaligen Verhältnissen vertraut zu machen, damit sie in enger Zusammenarbeit mit den älteren Männern und Frauen die Vorbilder der guten, alten Zeit wiedergewinne. Im damaligen Deutschland erhielt das Kind in der Schule einen Unterricht, durch welchen es in erster Linie zum charaktervollen Menschen erzogen wurde. Gern denke ich an meinen Lehrer zurück, als er uns das Lied lehrte: "Üb' immer Treu' und Redlichkeit bis an dein kühles Grab, und weiche keinen Finger breit von Gottes Wegen ab." Seine Erklärung über die Begriffe von Treue, Redlichkeit und den Wegen Gottes ging uns derart zu Herzen, daß ich es bis heute nicht vergessen habe, weil die Grundsätze der Religion in jedes Hauptfach mit eingeflochten wurden. Ein anderes Lied möchte ich hierbei noch erwähnen: "Vor allem eins, mein Kind, sei treu und wahr, laß nie die Lüge deinen Mund entweihn. Von alters her im deutschen Volke war der höchste Ruhm, getreu und wahr zu sein." Auf diese Art wurden wir zu den Tugenden der Treue und Wahrheit erzogen, die sich im späteren Berufs- und Standesleben zum Segen für Familie und Staat auswirkten. Wenn man sich aber fragt, wo die Quelle der Erziehung in der Tugend der Treue und Wahrheit zu suchen sei, dann bleibt uns nichts anderes übrig, als den Katechismus aufzuschlagen und nachzulesen, was Sünde und was nicht Sünde ist; dort wird auf die Folgen der Treulosigkeit und der Lüge hingewiesen. Ohne Religion gibt es keine charaktervollen Menschen, ohne Gottesfurcht kein Verantwortungsgefühl. Dann kam leider der Krieg 1914 bis 1918. Nach dem Kriege wurde Deutschland eine Republik, der Klassenkampf begann zu triumphieren. Die Menschen wurden immer mehr in das Materielle gestoßen. Wenn vorher nach dem Grundsatz "Bete und arbeite" gelebt wurde, so nachher nach dem Grunsatz "Arbeite und arbeite".

Dann kam der Nationalsozialismus und mit ihm der Fall des deutschen Volkes. Und heute?

Heute leben wir in einer Zeit, in der der Menschen leichtsinniges Denken, übles Bereden und böswilliges Handeln Triumphe auf dieser Welt feiern, in der anstatt der wahren, von Gott gewollten menschlichen Freiheit ein unverantwortlicher Mißbrauch dieser Freiheit die Menschen glücklich machen soll; in der die Wahrheitsliebe kaltherzig beseitigt und die Lüge in raffinierter Weise unter der Maske der Wahrheit mit offenen Armen aufgenommen wird; in der die Wärmestrahlen der göttlichen Liebe den Herzen der Menschen, ganz besonders der heranreifenden Jugend, planmäßig entzogen werden; in der der Menschenhaß die Völker entzweit und weltanschauliche Lebensfragen katastrophale Folgen heraufzubeschwören drohen; in der die Menschenliebe verstoßen wird und der Heiland daher schwer beleidigt auf uns niederschaut.

Trotzdem hat uns der Heiland nicht vergessen und gibt uns Menschen mit seinen unbegreiflichen Wundern Zeugnis seiner steten Anwesenheit unter uns. Sein Wille ist es, daß in dieser schweren Zeit an einem bescheidenen charaktervollen Bauernmädchen, an Therese Neumann in Konnersreuth, Wunder geschehen, die bereits seit 26 Jahren immer noch andauern, und deren Ausmaß die Köpfe aller Menschen in größte Spannung und Aufmerksamkeit versetzt. Die Gelehrten aller Stände und Berufe, gleich, ob der Medizin, Sprachwissenschaft, Philosophie oder Theologie, stehen hier vor einem Rätsel, welches eine natürliche Erklärung der Vorgänge in Konnsreuth bis jetzt noch nicht gefunden hat und auch nie von Natur aus finden wird. Die einzige Antwort auf das Kopfzerbrechen dieser Menschen erteilt uns Therese selbst. Nicht aus sich erteilt sie die Antwort auf die ihr gestellten Fragen, sondern es ist der Heiland, der durch ihre Zunge redet, wenn sie in der Ekstase befragt wird. Es ist sonderbar, daß der Heiland sich ihr immer so zeigt, wie er von den Toten auferstanden ist, und niemals anders. Bei reiflicher Überlegung müssen wir, wenn wir nicht hartherzig sein wollen, zu dem Entschluß gelangen, daß der Heiland hier in Konnersreuth einen bestimmten Zweck verfolgt, den wir Menschen des 20. Jahrhunderts, die wir doch genügend im Glauben und Unglauben unterrichtet sind, von selbst feststellen müßten. Dazu sind wir ja als denkende Geschöpfe auf diese Welt gekommen und dürfen solchen Vorgängen, wie wir ihnen in Konnersreuth bis heute begegnen, unsere Augen nicht verschließen.

Im Laufe der letzten 26 Jahre kamen sehr viele Menschen zu Therese. Es kamen Bischöfe und Priester, Katholiken und Protestanten, auch Juden, Gläubige und Ungläubige. Unter den letzten befanden sich Journalisten und Schriftsteller, um sich mit Therese über alle Fragen des natürlichen und übernatürlichen Lebens zu unterhalten und um über das Leben und Leiden Christi und seine Auferstehung Aufschluß zu erhalten, ferner, um über das Leben der Mutter Gottes und aller Heiligen unterrichtet zu werden.

Viele von den Besuchern suchten bei Therese Rat und Trost, andere wollten sie in Ekstase und Visionen beobachten, wieder andere wünschten, über ihre Person selbst unterrichtet zu werden. Sie erfuhren und hörten vieles von ihr, auch das, was sie nicht hören wollten. Die Wissenschaftler lernten vieles von ihr, und es bot sich ihnen die glänzende Gelegenheit, ihre Lücken in der Wissenschaft auszufüllen. Die Journalisten und Schriftsteller, welche das Glück hatten, sie zu sehen und zu sprechen, bemühten sich, genaue und gewissenhafte Berichte über ihre Fragestellungen in Konnersreuth zu veröffentlichen. Es gab aber auch Journalisten und Schriftsteller, die zwar bis nach Konnersreuth kamen, aber unter dem Druck ihres unreinen Gewissens es nicht wagten, mit Herrn Pfarrer Naber oder mit Therese selbst zu sprechen, einige von diesen Gewissenlosen betraten nicht einmal das Dorf. Die einen und die anderen brachten aber den erstaunlichen Mut auf, über Konnersreuth die unglaubwürdigsten und frechsten Gerüchte in die Welt zu streuen sowie Tatsachen zu entstellen und zu leugnen. So gelang es ihnen, Disteln unter den Weizen zu säen und viele Gläubige, sogar einige Geistliche, zu verwirren und zur Abkehr von Konnersreuth zu bewegen. Die Geschichte lehrt uns, daß, wo der Herrgott seine Kirche, der Teufel zugleich seine Kapelle baut. So ist es auch hier in Konnerseuth. Mit den Angriffen der Gottlosen müssen wir uns daher abfinden, denn dieselben sind uns vom Heiland vorausgesagt worden. -- Andererseits ist es erfreulich, festzustellen, daß gerade die klügsten Männer der Medizin, der Philosophie und Theologie, der Sprachwissenschaft und der Presse, mit ihnen zugleich alle tiefdenkenden, einfachen Menschen an Konnersreuth weiter festhalten. Alles das, was diese Männer in Konenrsreuth erlebt, gehört und gesehen haben, ist nach ihrer Meinug nur auf einen übernatürlichen Eingriff des Heilandes zurückzuführen.

Beantworten wir uns daher folgende Fragen selbst: Ist es auf eine natürliche Art und Weise zu erklären, daß

1. Eine den Naturgesetzen unterworfene, hilflose Person, die während vier Jahren völlig blind gewesen ist, ihr Augenlicht plötzlich wiedererlangt, und dies gerade am Feste der Seligsprechung der hl. Theresia vom Kinde Jesu (29. April 1923)?

2. Dieselbe Person am Feste der Heiligsprechung der hl. Theresia, am 17. Mai 1925, von einem weiteren schweren, unheilbaren Leiden, von einer Verrenkung der Wirbelsäule, durch welche sie sechseinhalb Jahre an das Krankenbett gefesselt war, plötzlich vollkommen gesundet?

3. Wiederum dieselben Person an einer schwseren Blinddarmentzündung nochmals erkranken muß, um noch einmal durch die Fürsprache der hl. Theresia gesund zu werden (13. Nov. 1925)?

4. Gerade diese Person die Wundmale des Heilandes erhalten muß, welche bereits seit 1926 an den Freitagen, ganz besonders an den Freitagen in der Fastenzeit und vor allem am Karfreitag, bluten?

5. Dieselbe Person ohne Speise und Trank seit September 1927 bis heute lebtund sogar imstande ist, Kranke zu besuchen und zu pflegen sowie Garten- und Feldarbeit zu verrichten?

Mögen die Menschen hierzu Stellung nehkmen, wie sie nur wollen, an der Echtheit dieser Feststellungen ist nichts zu ändern; im Gegenteil: je ungläubiger die Menschen werden, um so unglaubhafter erscheinen ihnen die Wunder, die der Heiland in heutiger Zeit wirkt. Fürdie Gerechten des 20. jahrhunderts, welche wegen der Ungerechtigkeit und der Lieblosigkeit heutiger Menschen viel Elend und Entbehrung ertragen müssen, wird dieses Leiden um so leichter, denn es wird mitdem heiland zu gleicher Zeit getragen.

Der Herausgeber


Meine Unterredung mit Pfarrer Naber in Konnersreuth
am 22. Oktober 1946

Es war am Dienstag, dem 22. Oktober 1946, als ich in den Morgenstunden, von Bamberg über Bayreuth kommend, auf dem Bahnhof in Groschlattengrün eintraf. Zu meinem Glück befand sich vor dem Bahnhof eine Kutsche, mit welcher Flüchtlinge, die in Konnersreuth wohnten, zur Abreise befördert wurden. So kam es, daß ich mit demselben Wagen nach Konnersreuth mitfahren durfte und mir dadurch einen Fußweg von 11/3 Stunden erspart blieb. Der Fahrer, ein Ostflüchtling aus Schlesien, unterhielt sich unterwegs sehr lebhaft mit mir über die von Gott so begnadete Therese Neumann. Alle seine Aussagen über Therese erhielt ich dann im Laufe des Tages von der Konnersreuther Bevölkerung bestätigt.

Die Fahrt verging schnell, und erst als er kurz vor der Kirche anhielt und von mir Abschied nahm, musterte ich mit flüchtigen Blicken die Straßen und Bauerngehöfte von Konnersreuth, die mir nicht besonders gefallen haben. Zu allererst begab ich mich in das Gotteshaus, um mir besondere Gnaden für den Tag zu erbitten. Meine Gedanken waren leider zerstreut und weniger beim Gebet als bei Therese selbst, wenn ich sie bis jetzt auch noch nicht persönlich kannte. Alsbald verließ ich die Kirche und begab mich in das Pfarrhaus. Die Pfarrwirtin führte mich in das Sprechzimmer und ging zu Herrn Pfarrer Naber, um mich anzumelden. Kaum, daß ich einige Minuten wartete, erschien die ehrwürdige Gestalt des in der ganzen Welt bekannten Pfarrherrn. Dieser 76jährige,schneeweiße Greis empfing mich mit derart liebvollen und herzlichen Worten, daß mich der Gedanke überkam, es hier mit einem Priester zu tun zu haben, mit welchem man sich ruhig und überlegt aussprechen darf. In der Tat hinterließ die dreieinhalbstündige Unterredung mit diesem von Gott gleichfalls begnadeten Priester einen nie erlöschenden Eindruck seiner echten Frömmigkeit und Wahrheitsliebe in meiner Seele. Es waren dies Stunden der Schöpfung größter himmlischer Gnaden für mein Seelenleben. Ich unterrichtete ihn, daß ich nicht aus Neugierde nach Konnersereuth gekommen sei, um Therese in ihrer Ekstase leiden zu sehen, weshalb ich nicht an einem Freitag, sondern an einem Dienstag käme, daß es aber trotzdem mein sehnlichster Wunsch sei, mich mit Therese persönlich zu unterhalten, wenn auch nur für kurze Zeit. Da ich über die vielen übernatürlichen Gnaden, die der Heiland Therese zuteil werden ließ, mit einer glaubensstarken Überzeugung gehört und gelesen habe, wäre ich gern bereit, mich für die Verbreitung dieser Wahrheit schriftlich und müdlich einzusetzen. Daraufhin erteilte mir Herr Pfarrer Naber folgenden Bericht:

"In der letzten Nacht mußte Therese sehr viel leiden. Es war die Nacht nach der Kirchweihe, besser gesagt, Kirchentweihe. Die jungen Leute, die nur Sportgedanken im Kopf haben, für Glauben und Kirche aber nur wenig oder gar kein Interesse aufbringen, benutzten das Kirchweihfest zum Sportfest. Ausgerechnet am Kirchweihfest kamen die Sportvereine von anderen Ortschaften hierher, um Kirchweihe nach ihrer Art und Weise zu feiern. Sport war ihnen nur Mittel zum Zweck, denn er dauerte nur kurze Zeit. Dieser Sport ist ja auch kein Sport mehr und schon lange nicht mehr gesundheitsfördernd, so wie das früher gewesen ist, denn gegen einen echten, gesunden Sport habe auch ich nichts einzuwenden. Leider Gottes wurde nach dieser kurzen sportlichen Veranstaltung den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht bis in die Morgenstunden in frevelhafter Weise in einem Lokal getanzt und gesündigt. So wurde Kirchweihe unter der Jugend zur Kirchentweihe. Der Beleidigungen wegen, die dem Heiland in der Sonntagsnacht zugefügt wurden, wollte Therese in der darauffolgenden Nacht büßen. Sie ist infolgedessen heute sehr schwach und nicht imstande, Besuche zu empfangen. Aber Sie können in der Mittagszeit versuchen, bei ihr vorzusprechen."

"Wie kam Therese zu den Wundmalen", fragte ich, "erflehte sie diese im Gebet?"

"Nein, sie erflehte diese nicht im Gebet. Man muß ihre Leiden und ihren Charakter kennen. Als ich nach Konnersreuth kam, war Resel 10 Jahre alt. Nun sind es schon 39 Jahre her, seitdem ich sie kenne und ich Pfarrer von Konnersreuth bin. Ich erteilte ihr Unterricht wie allen anderen Kindern. Im Lernen war Therese ein Durchschnittskind, sie lernte sehr nachdenklich und fleißig. Auch half sie mir im Garten und pflegte mit einer ganz auffallenden Liebe die Blumen und Pflanzen. In jedem Blümelein, das sie begoß, sah sie zuerst den unsichtbaren Schöpfer und dann erst die sichtbare Blume. So blieb sie auch nach ihrer Schulentlassung. Sie arbeitete nicht wie die anderen meist gedankenlos und nur, damit die Zeit vergeht, nein, sie arbeitete mit einer ganz besonderen Freude und verband jede Arbeit mit einer begeisterten Bewunderung für den Schöpfer. Als sie 19 Jahre alt wurde, trat eine Wendung in ihrem Leben ein. In einer Nacht brach in einem Nachbardorf ein Brand aus, und Therese nahm übermenschlichen Anteil an dem Löschen dieser Feuersbrunst. Sie hatte Wasser in Eimern gereicht und zog sich infolge Überanstrengung eine Verrenkung der Wirbelsäule zu. Von diesem Tage an kränkelte sie. Mangels eines Röntengerätes im Krankenhaus Waldsassen konnten die Ärzte keine einwandfreie Diagnose stellen, wodurch sie eine ungeeigente Behandlung einleiteten. So war Therese 6½ Jahre an das Krankenbett gefesselt, vollkommen ergeben in den Willen Gottes.

Nicht genug an dem Leiden der Wirbelsäule, war sie 4 Jahre während dieser Krankheit völlig erblindet. Alle Einwohner von Konnersreuth und Umgebung sahen Theresens Erlösung nur im Tode. Doch Therese dachte anders. Für die Sünden der Mitmenschen wollte sie mit ihrem Heiland leiden, mit dem sie durch die heilige Eucharistie immer verbunden war. Ganz besonders verehrte sie die hl. Theresia vom Kinde Jesu. Das mußte dem Heiland gut gefallen haben, denn am Feste der Seligsprechnung der hl. Theresia vom Kinde Jesu wirkte der Heiland das erste Wunder an ihr. Sie wurde von ihrer Blindheit befreit. Später, am Feste der Heilgsprechung der hl. Theresia vom Kinde Jesu, als sich Therese in die Feierlichkeiten in Rom vertiefte, sah sie plötzlich in ihrem Zimmer ein helles Licht und hörte eine Stimme, die ihr zurief: "Therese, möchtest du nicht gesund werden?" Therese antwortete: "Ob gesund oder nicht gesund, ob leidend oder nicht leidend, so wie es der Heiland haben will, so soll es sein."

Darauf die Stimme: "Willst du, Therese, denn nicht wenigstens aufstehen?" Sie antwortete wieder: "Ob aufstehen oder nicht aufstehen, so wie der Heiland es haben will, so will ich es auch."

Dann sagte ihr die Stimme: "Weil du, Therese, so bescheiden bist, sollst du wieder aufstehen und gesund werden!"

Im selben Augenblick verschwand das Licht, und Therese fühlte, wie ihre Gesundheit wiederkam. Voller Freude teilte sie mir dies mit, und ich war sprachlos, Therese in geradem Zustand wiederzusehen. Wir dankten alle Gott und freuten uns gemeinsam über dieses Wunder, das der Heiland an ihr gewirkt hatte. Nun waren Ärzte und Professoren gekommen, um festzustellen, wie diese Heilung erfolgen konnte. Das Ergebnis war für die menschliche Kunst allerdings gering, denn unzweideutig stellte man fest, daß diese Heilung auf eine natürliche Weise nicht zu erklären war. Somit war von der medizinischen Seite aus das Eingreifen Gottes in die Natur des Menschen einwandfrei bestätigt. Das waren die ersten Wunder an Therese. Doch der Heiland hatte noch mehr mit ihr vor. Nicht lange durfte sie sich ihre Gesundheit erfreuen. Ein neues Leiden mit heftigen Schmerzen kam über sie. Eine Blinddarmentzündung mit starker Vereiterung wurde von ärztlicher Seite festgestellt. Der herbeigerufene Arzt verlangte sofortige Einlieferung Theresens in das Krankenhaus und zweifelte sehr an ihrer Gesundung. Die Mutter ahnte nichts Gutes. Sie bat ihre Tochter, ihre Zuflucht beim Heiland selbst zu suchen und seine Gnade für eine wunderbare Heilung ohne Operation zu erflehen. Dieser starke Glaube der tiefbetrübten Mutter rührte dermaßen das Herz Theresens, daß sie die hl. Theresia in heißem Gebet anflehte, sie möchte nicht ihretwegen, sondern der Mutter zuliebe ihre Heilung ohne Operation beim Heiland erbitten. Der Heiland erhörte ihr Gebet, und sie spürte in sich eine plötzliche Wendung zum Guten. Die Heilung trat sofort ein, und der Transport in das Krankenhaus erübrigte sich. Der Arzt stand wiederum vor einem Rätsel, das ihm Gott gestellt hatte. Auch diese Heilung war natürlich nicht zu erklären.

Es verging eine gewisse, doch nur kurze Zeit. In der Nacht vom 4. zum 5. März 1926 hatte Therese eine Vison. Sie sah den Heiland im Garten von Gethsemane, wie er Blut schwitzte. Es war dies ihre erste Leidensekstase, in welcher sie an den Leiden des Heilandes teilnahm. Während dieser Vision verspürte sie einen heftigen Schmerz in ihrer Seite. Es bildete sich eine Wunde, aus welcher viel Blut floß. Dies war die erste Wunde der Stigmatisation, die Seitenwunde. In der darauffolgenden Vision am Karfreitag nahm sie an dem ganzen Leidensweg des Heilands teil. Vom Ölberg angefangen bis zur Kreuzigung sah sie den Heiland an diesem Tage leiden. Es bildeten sich Wundmale an ihren Händen und Füßen mit gleichzeitiger Blutung. So war Therese stigmatisiert. Seit dieser Zeit leidet sie mit dem Heiland an fast allen Freitagen, vor allem an den Freitagen der Fastenzeit und ganz besonders am Karfreitag. An diesem Karfreitag kamen unter anderen Besucher sehr viele amerikanische Offiziere zu ihr, um sie in der Ekstase und dem furchtbaren Leiden zu beobachten. Sie waren alle tiefgerührt über das, was sie an diesem Karfreitag feststellen konnten."

"Und wie stellt sich Therese ihr Leben ohne Essen und Trinken vor?" fragte ich.

Auf diese Frage bekam ich in einer sehr feierlichen Ausdrucksweise folgende Worte zu hören: "Mein Leib ist wahrhaft eine Speise!" Diese Worte des ehrwürdigen Seelsorgers übten eine so stark überzeugende Wirkung auf mich aus, daß ich den Eindruck gewann, ich hörte sie von dem göttlichen Heiland selbst.

"Der Heiland selbst war es, der durch die hl. Theresia in einer Vision ihr den Auftrag gab, auf Speisen und Trank zu verzichten und nur von der heiligen Hostie zu leben", fuhr Pfarrer Naber fort. "Als mir Therese von diesem Auftrag des Heilandes berichtete, ordnete ich an, man solle ihr täglich wenigstens etwas Wasser reichen. Therese nahm die paar Tropfen Wasser, aber nur mit Widerwillen und nur kurze Zeit. Sie konnte sie nicht vertragen. Als ich nach einiger Zeit sah, daß es tatsächlich ohne Trinken ging und sie sich immer in derselben geistigen und leiblichen Frische befand, hielt ich es für richtig, ihr die paar Tropfen Wasser, die ihr doch keine Stärkung brachten, nicht mehr zu reichen. -- Ich kann Ihnen versichern, daß Therese seit September 1927 ohne jegliche Speise und ohne jeglichen Trank lebt und sogar imstande ist, körperliche Arbeiten zu verrichten. Die Worte des Heilandes: 'Mein Leib ist wahrhaft eine Speise!' gehen an Therese buchstäblich in Erfüllung."

"Aus dieser Schilderung muß ich entnehmen", erwiderte ich, "daß der Heiland mit seinen Wundern an Therese einen bestimmten Zweck verfolgt. Dieser liegt wahrscheinlich in der Wiedervereinigung der protestanischen Kirchen mit der römisch-katholischen Mutterkirche." "Es ist möglich", sagte Pfarrer Naber. "In der letzten Zeit bereiste ich mit Therese die Diaspora-Gemeinden. Wenn wir an einer katholischen Kirche vorbeigingen, blieb sie stehen und sagte: 'Herr Pfarrer, hier müssen wir hineingehen, das ist eine katholische Kirche.' Gingen wir aber an einer evangelischen Kirche vorbei, so machte sie keine Bemerkungen. Auf meine Frage, woran sie eine katholische Kirche erkenne, gab sie mir zur Antwort: 'Wenn ich an einer katholischen Kirche vorbeigehe, zieht es mich hinein, gehe ich aber an einer evangelischen Kirche vorbei, merke ich nichts.'"

"Hier kann man also doch sehen", sagte ich, "daß der göttliche Heiland seine Absicht sehr deutlich zum Ausdruck bringt. Die Gegenwart Christi in der heiligen Hostie bei Tag und Nacht im Tabernakel ist unbestreitbar. Christus hatte bei der Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes, als er über das Brot die Worte sprach: "Das ist mein Leib!" sie nicht bildlich, sondern wirklich gemeint. Wenn nun der göttliche Heiland seine Lehren und sein Vermächtnis uns schwer geprüften Menschen des 20. Jahrhunderts in Konnersreuth aufs neue bestätigen will, dann kann diese Bestätigung nicht besser zum Ausdruck gebracht werden, als in dem Existierenkönnen Theresens allein durch den Empfang der heiligen Hostie." Herr Pfarrer Naber erzählte mir weiter, daß in den letzten Jahren auch sehr viele evangelische Geistliche zu Therese kamen. Sie unterhielten sich sehr lebhaft mit ihr über das Geheimnis der Gegenwart Christi in der Eucharistie. Diese Diskussionen nahmen zeitweise erregte Formen an. Fragte sie dann einer von den Herren: "Soll ich katholisch werden?" antwortete sie: "Das müssen Sie am besten wissen, ob Sie wirklich bereit sind, den katholischen Glauben anzunehmen."

Ferner berichtete Pfarrer Naber, daß Therese wegen ihrer Schluckbeschwerden gewöhnlich nur ein kleines Partikelchen der hl. Hostie empfängt. Wenn ihr aber an besonderen Festtagen eine ganze Hostie gereicht wird, so verschwindet diese wunderbarerweise von ihrer Zunge vor den Augen des Priesters, ohne daß Therese eine Schluckbewegung tut. Sie nimmt den Heiland so in ihr Herz auf, wie er sich ihr in den Visionen zeigt, so, wie er von den Toten auferstanden ist.

"Was sagt denn die Kirche zu den Vorgängen in Konnersreuth?" fragte ich weiter. "Eine amtliche Stellungnahme", erwiderte er, "kann von der Kirche noch nicht erwartet werden, da die Menschen selbst die Möglichkeit haben, die Vorgänge in Konnersreuth zu beobachten, zu prüfen und zu beurteilen. Die Kirche selbst setzt ebenso ihre Beobachtungen weiterhin sorgfältig fort. Sie schaut dabei nicht nur auf Therese, sondern auch auf die Gläubigen und Ungläubigen. Trotzdem kann an der Echtheit der wunderbaren Heilungen an Therese, an ihrer Stigmatisation, an ihren Freudens- und Leidensekstasen und selbst an ihrer Enthaltsamkeit von Speise und Trank nicht gezweifelt werden, so ungern auch die Menschen diese Feststellung als Wahrheit anzunehmen bereit sind. Gerade ihr andauerdes Fasten können die Menschen, vom rein natürlichen Standpuntk aus gesehen, nicht verstehen. Auch können viele die ständige Gegenwart Christi in der hl. Eucharistie nicht begreifen. Ich bedauere es, daß sogar einige Geistliche von Konenrsreuth abrücken und zwar nur deswegen, weil Theresens Vater nicht bereit ist, seine Tochter in eine neutrale Klinik zur weiteren Beobachtung überweisen zu lassen. Therese selbst ist nicht abgeneigt, auf das Drängen der ärztlichen Wissenschaft einzugehen. Daß aber ihr Vater den Wünschen der Mediziner hartnäckig gegenübersteht, wird wohl im Willen Gottes selbst zu suchen sein, dessen Wille stärker ist als der Wille aller Menschen zusammen. Der Vater steht auf dem felsenfesten Standpunkt, daß, wenn seine Tochter bereits einmal während 14 Tagen und Nächten im Jahre 1927 unter vereidigtem Personal auf das gewissenhafteste beobachtet und untersucht wurde, dies der medizinischen Wissenschatt genügen müsse. Wenn die Mediziner nach diesen Beobachtungen kein festes Vertrauen zueinander beweisen, dann werden sie es in neuen Beobachtungen, selbst in einer neutralen Klinik, auch nicht geiwnnen. Es werden sich immer wieder andere Ärzte finden, die Therese auch weiterhin verdächtigen werden und womöglich eine Beobachtung in anderen Erdteilen beantragen, so daß die Untersuchungen und Beobachtungen gar kein Ende nehmen werden.

Das sind alles so tiefliegende Gründe, die ihn in seinem gefaßten Entschluß bestärken, Therese nicht wiederholt den Medizinern aus dem Hause zu geben."

"Wie verlebt Therese ihre Zeit, wenn sie nicht in Ekstase oder Leiden ist?" fragte ich.

Darauf berichtete er mir von dem unaufhörlichen Fleiß Theresens bis zum heutigen Tag.

"Sie befaßt sich meistens mit der Krankenpflege, denn schon als Mädchen drückte sie häufig den Wunsch aus, in ein Kloster zu gehen, um Krankenschwester zu werden. Damals stieß sie auf viele Schwierigkeiten. Dann wurde sie selbst krank. Ihr Wunsch ging daher nicht in Erfüllung. Sehr gern arbeitet sie im Garten und auf dem Felde. Bei den Erntearbeiten hat sie mitgeholfen. Da sie eine große Naturfreundin ist, will sie in ihrem Zimmer Blumen, Pflanzen und Vögel haben, die sie täglich sorgfältig pflegt. Wenn sie beschäftigt ist, empfängt sie nicht gern Besuche, da ihr die Zeit zu kostbar ist. Sie hat sich aber schon damit abgefunden, ihre Arbeit unterbrechen zu müssen, und sieht den göttlichen Willen darin. In ihren Antworten ist sie ziemlich herb. Sie ist nun einmal ein einfaches und bescheidenes Wesen, und in ihren Augen sind Reiche und Arme, Gebildete und Ungebildete gleichwertige Geschöpfe. Sie will auch nicht, daß man über sie viel schreibt, denn die meisten verstehen alles das, was der Heiland mit ihr vorhat, noch nicht. Einmal erlaubte sich ein Schriftsteller, ein Buch über sie zu schreiben, worin alle Tatsachen auf den Kopf gestellt wurden. Bei ihm war alles Hysterie, obgleich er vorher weder mit Therese, noch mit mir selbst gesprochen hatte. Ich fand keine Worte, wie man es nur wagen konnte, einwandfreie Feststellungen und Wahrheiten nicht nur zu verdrehen sondern sogar zu veröffentlichen. Andere Schriftsteller versuchten, ihre Berichte auf Grund menschlicher Klugheit zu verschönern und schadeten auf diese Weise nur der Wahrheit selbst, wieder andere unterließen das Wichtigste ihrer Feststellungen in ihren Schriften und berichten nur das, was weniger von Bedeutung war."

"Und was sagen die Ungläubigen", fragte ich weiter, "wenn sie Therese in der Ekstase gesehen haben?"

"Da ist einer auf dem Konenrsreuther Friedhof beigesetzt. Es ist der Apotheker Rothschild, ein weitläufiger Verwandter des Millionärs Rothschild aus Amerika, der in Bayern lebte", sagte er, "der gleich zu Anfang hierher kam, um den Schwindel aufzudecken, wie er sich damals unzweideutig äußerte. Er besuchte mich und erzählte, daß Sensationsnachrichten über Therese Neumann aus Konnersreuth veröffentlicht wurden. Den Presseberichten nach soll Theres in Ekstasen fallen, mit dem Heiland und den Heiligen Visionen haben, von unheilbaren Krankheiten wunderbar geheilt worden sein, weder essen noch trinken und doch weiterleben. Deshalb müsse er sich persönlich davon unterrichten, und es sei ihm daher nicht schwer gefallen, nach Konnersreuth zu kommen, um sich von der Wahrheit der Berichte zu überzeugen."

"Es ist recht", sagte ich ihm, "daß Sie hierher kommen, um die Wahrheit zu suchen, denn wer die Wahrheit wirklich sucht, der wird sie auch finden." Und so kam es auch. Rothschild hatte das Glück und die Gnade, Theres in ihren Leidens- und Freudensekstasen zu beobachten und so die Wahrheit zu studieren. Er sah und überzeugte sich, daß kein Mensch auf dieser Welt in der Lage sein kann, ein solches Leiden künstlich nachzuahmen, um so den Zuschauern zu gefallen. Auch der Einwand modernster Wissenschaftler, daß solche Stigmata und Ekstasen bei Personen auftreten können, wenn sie sich zu tief in das Leiden des Heilands hineindenken, galt für Rothschild als völlig entkräftet. Für ihn schlug jetzt die Stunde der Gnade Gottes. Er beschloß, den katholischen Glauben anzunehmen und Priester zu werden. Seitdem verzichtete er auf weltlichen Ruhm und Wohlstand und lebte von da an nur in der Sehnsucht, mit dem göttlichen Heiland einmal vereint zu werden. Als er den Heiligen Abend 1932 in Konnersreuth verleben wollte, traf ihn beim Einsteigen in den D-Zug in Nürnberg ein Herzschlag. Seinem Wunsche entsprechend ist er auf dem Konnersreuther Firedhof beigesetzt worden. Auf seinem schlichten Grab trägt ein Holzkreuz die Inschrift:

Hier ruht in Gott
der hochwürdige
Priesterkonvertit
BRUNO ROTHSCHILD
gest. am Hl. Abend 1932
im 33. Lebensjahre

So sterben die Menschen, die die Wahrheit suchen; denn "Wer sucht, der findet!" sagt der göttliche Heiland. Wenn alle Gottsucher es so ehrlich meinten wie Rothschild, würden sie einen viel größeren Reichtum gewinnen, als den Reichtum auf dieser Welt. Doch die meisten suchen nicht die Wahrheit, sie belächeln und verspotten die Guten und geben vor, die Klugen zu sein."

Herr Pfarrer Naber erzählte mir dann von einem zweiten Grab auf demselben Friedhof. Es ist das Grab eines 16jährigen, unschuldigen Mädchens namens Weiß. Im Juli 1930 kam eines Abends dieses Mädchen zu Therese und sagte: "Mein Vater liegt im Sterben. Was sollen wir acht unversorgten Kinder ohne unseren Vater anfangen? Die Mutter und alle meine Geschwister weinen bitterlich und sind untröstlich. Geht denn das nicht, daß mein Vater gesund wird und ich für ihn sterbe?" Therese wurde von den liebevollen Worten des Mädchens derart ergriffen, daß sie sich sofort mit der Bitte des Kindes an den Heiland wandte. Schon nach einigen Minuten sagte sie zu dem Mädchen: "Ja, es läßt sich machen. Dein Vater wird gesund, und du darst dich auf den Tod vorbereiten." --

Der Vater, der an Bauchfellentzündung mit völliger Vereiterung des Blinddarms litt und vom Arzt aufgegeben war, wurde schon am nächsten Tage gesund, seine Tochter starb kurze Zeit darauf. So stark war die Liebe eines Kindes für seine Eltern und Geschwister, daß sie fast mit der Liebe des Heilandes für uns Menschen verglichen werden kann.

Auch dieses Grab ist schlicht und trägt folgende Inschrift:

Hier ruht in Gott
JUNGFRAU KAROLINE WEISS VON HÖFLAS
ein Muster von Unschuld, Bescheidenheit,
Eltern- und Geschwisterliebe

Da ich Terziar bin, machte mir Pfarrer Naber auch die Mitteilung, daß auch Therese dem 3. Orden des hl. Franziskus angehört. "Der Herr Provinzial der Kapuziner in Eichstätt", erzählte er weiter, "hat persönlich die Aufnahme vorgenommen. Therese ist eine große Verehrerin des hl. Franz von Assisi, nicht so sehr seiner Wundmale wegen, denn davon spricht sie kein Wort, als der überaus großen Liebe wegen, die dieser Heilige für seinen Heiland bewiesen hat. Auch hatte sie Visionen mit dem hl. Franziskus, bei denen auch italienische Worte von Theresens Lippen kamen, die sie von ihm hörte. Es ist überhaupt interessant, sie zu belauschen, wenn sie Sätze in der Muttersprache der Heiligen wiederholt, mit welchen sie Visionen hat, ebenso, wenn sie die sieben letzten Worte des Heilandes in der aramäischen Sprache unwillkürlich nachspricht. Am Sterbetag der hl. Theresia vom Kinde Jesu konnte sie die letzten Stunden und das Sterben dieser Heiligen verfolgen und sogar die Zimmertemperatur angeben. Genau und sicher beantwortet sie auch Fragen, die man ihr stellt, wenn sie sich während der Leidensekstasen im Zustand der gehobenen Ruhe befindet. So mancher Sprachwissenschaftler hat Therese, die keine Fremsprache gelernt hat, bei dieserGelegenheit bewundern müssen.

So wirkt der Heiland, der Zeit entsprechend, seine Wunder. Die Welle des Unglaubens, die die Menschen von heute zu umschlingen droht, läßt den Heiland nicht stillschweigend an uns vorübergehen. Er liebt uns und ist immer bei und unter uns. Seine unerforschlichen Wege sind wunderbar."

Zu schnell vergingen die Stunden mit Herrn Pfarrer Naber, die stets in meiner Erinnerung bleiben werden.

(Fortsetzung folgt)


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