Aus dem Immaculata-Archiv:


Der Wallfahrtsort

Maria Lankowitz

in Steiermark

Selbstverlag des Franziskaner-Ordens-Konventes
Druck von Eberle, Kälin & Cie., Einsiedeln (Schweiz)


Die Weisheit hat ein Haus gebaut
Der makellosen Gottesbraut,
Vierhundert Jahr ist Lankowitz
Maria's reichster Gnadensitz.
Unzähl'ge Wunder fort und fort
Geschahen hier am Gnadenort;
Gedruckt sind viele aufbewahrt:
Verwund'te, Kranke jeder Art.
Erhielten Hilf in großer Not,
Errettung Viel' vom schnellen Tod.
In Wasser und in Feu'rs Gefahr
Maria stets die Rettung war.
Gefangenen im Türkenland
Hat mütterlich Sie Hilf gesandt.
Beseß'ne hergebracht ins Haus,
Die bösen Geister fuhren aus.
Gar Vielen - in der Sünd' ergraut
Geholfen ward, weil sie vertraut.
Bedrängte, kommt zur Mutter her,
Ihr findet hier ein Gnadenmeer;
O klaget euren bittern Schmerz,
Maria tröstet jedes Herz.
Wie glücklich ist doch Lankowitz,
Der reinsten Jungfrau Gnadensitz!

I.

Maria Lankowitz,

ein von der göttlichen Vorsehung seit vielen 100 Jahren auch durch Vorhersagungen verherrlichter Gnadenort

Auf alten Maria Lankowitz-Bildern sieht man

  1. im Schnabel eines fliegenden Vogels ein hl. Antlitz Christi-Bild, das jetzt noch über dem Tabernakel des Gnadenaltares angebracht ist (zum Beweise von dessen uralten Verehrung alldort);
  2. einen Ochsenkarren mit der Mutter Gottes-Statue - und
  3. einen vor einem Kruzifix an einem Lindenbaum betenden Jüngling.

Der Geschichtsschreiber Plazidus Herzog erzählt von diesem Jünglinge, ausgezeichnet durch Sittenreinheit, Gebet, Nachtwachen und Fasten, daß er manchmal durch drei Tage nicht die mindeste Nahrung genoß; auch habe er die Armut geliebt und geübt, so daß er niemals Geld annahm, wenn man es ihm auch aufdrängen wollte. Mitunter wurde er freilich vielfach verlacht, verspottet und beschimpft, was ihm aber zum größten Troste gereichte. Dieser kam nun oft nach Lankowitz zum obgenannten Lindenbaume und brachte ganze Nächte daselbst im Gebete zu. Als man ihn fragte, warum er denn gerade hier so gern und so lange bete, antwortete er: "Hier wird einst zur Ehre der Mutter Gottes ein großer Gnadenort entstehen, Mönche werden hier wohnen in braungrauen Kleidern; anfangs zwar wenige, dann aber immer mehrere, die zur Ehre Gottes und zum Lobe Marias wirken werden, bis sie durch eine neue, gottlose Lehre (Ketzerei) vertrieben werden, worauf dann dieser Gnadenort öde und über 20 Jahre verwüstet dastehen wird; - endlich aber werden die Mönche doch wieder zurückkehren und bleiben bis ans Ende der Welt." - Dieser Jüngling (Thomas Weiß) hat verschiedenes andere in prophetischem Geiste vorausgesagt z.B. die blutigen Türkenkriege, die Zerstörung der Stadt Voitsberg, die so heillose Ketzerei Luthers usw. - Einst begegnete ihm der vornehme Ritter von Greißenegg (und später auch von Lankowitz Grundherr; ein solcher Greißenegg wurde auch mit dem anfangs getreuen, später aber vom Kaiser und den ungarischen Rebellen abtrünnigen Baumkirchner enthauptet). Dieser sagte spottweise zu ihm: "Du Prophet! sage mir, von welchem Geschlecht und von welcher Farbe wird das Füllen meiner Stute sein, - und an welcher Todesart werde ich sterben?" - Thomas sprach: "Mein Herr! Mit solchen Dingen soll man nicht spotten und Gott nicht versuchen; dennoch will ich aber beide Fragen beantworten." Er nannte dann Geschlecht und Farbe des Füllens (wie es später wirklich eintraf); "und was Ihre Todesart anbelangt, so wird Ihnen durch Henkershand der Kopf abgeschlagen werden." Diese Antwort wurde mit Lachen aufgenommen, ist aber in Erfüllung gegangen. Denn als dieser Herr einmal nach Graz ritt und stolz durch die Stadt sprengte, geschah es, daß ein Weib - mit Zwillingen gesegnet - unter die Füße des Pferdes geriet und augenblicklich tot blieb. - Wegen dieses dreifachen Totschlages wurde dem übermütigen Herrn nach damaliger Sitte ein kurzer Prozeß gemacht - durch Henkershand wurde er enthauptet. - Thomas Weiß machte alljährlich eine Wallfahrt nach Maria Zell. Von einer solchen Wallfahrt zurückgekehrt, sagte er Tag und Stunde seines baldigen Todes voraus. - Und zur nämlichen Stunde starb er.

II.

Ankunft der Gnadenmutter Maria

Als die Türken auch nach dem Jahre 1418 von Herzog Ernest dem Eisernen über sie erkämpften Siege ihre Einfälle in das steiermärkische Gebiet noch öfter wiederholten, wurden auf einem solchen Raubzuge im Jahre 1426 auch die Schätze der Pfarrkirche zu Warth samt der wertvoll geschmückten Frauenstatue von ihnen erbeutet. Auf der Flucht vor den ihnen nachsetzenden Christen warfen die Türken das Bild, nachdem sie zuvor alle Kostbarkeiten davon genommen, bloß mit einem feinen Kleidchen (welches noch in der Schatzkammer zu Lankowitz gezeigt wird) bekleidet, in einen Dornbusch, wo es durch sieben Jahre verborgen lag.

Nach Verlauf so geraumer Zeit geschah es, daß ein Hirt, der im Walde, wo dieser Dornbusch stand, sein Hornvieh weidete, einst zur Zeit des Abtriebes bemerkte, daß einige Stücke seiner Herde fehlten. Er durchsuchte nun den Wald und fand sie zu seinem Erstaunen vor einem Dorngebüsch mit knienden Vorderfüßen ruhen; da er sie aller angewandten Mühe ungeachtet nicht von der Stelle bringen konnte, was ihn noch mehr befremdete, so besichtigte er den Dornbusch genauer und entdeckte endlich in demselben die geraubte Marienstatue. Hocherfreut über diesen glücklichen Fund, wollte er das Bild aus dem Gebüsche erheben, war aber nicht imstande, selbes von der Stelle zu bringen. Er eilte nun so schnell als möglich in das Dorf hinein und berichtete dem Pfarrer, daß er das Liebfrauenbild in einem Dornbusche gefunden habe, und auf welche Weise dies geschehen sei. - Das war ein Jubel im ganzen Dorfe; man eilte hinaus, um selbst alles zu sehen, was der Hirt erzählt hatte.

Der Pfarrer wollte das liebe Bild selbst in die Kirche zurücktragen, wo es vor sieben Jahren so schmählich geraubt worden war. Er konnte das Bild wohl aus dem Dornbusch herausheben, aber dasselbe weiter zu tragen vermochte er nicht; da erklärte er den Leuten, Gott müsse mit diesem Bilde eine besondere Absicht haben. In Erinnerung an jene vorbildliche Bundeslade, die einst von zwei Kühen aus dem Philisterlande frei und geraden Weges nach Bethsames gezogen ward, ließ der fromme Seelsorger das "Liebfrauenbild" auf einen Karren setzen, zwei von jenen knienden Ochsen anspannen, um so die Weiterfahrt dem freien Zuge der friedlichen Tiere zu überlassen. - Zur größten Verwunderung der Anwesenden wendeten sich die Zugtiere an einem Scheidewege nach jener Seite hin, wo die Straße nach der obern Steiermark führt. Mit Gewalt wollte man die Tiere zurückhalten und zur Pfarrkirche hinlenken, damit das geliebte Bild wieder am alten Platze beigesetzt würde, wo es früher seit langer Zeit hochverehrt wurde, und wo schon damals gar viele Hilfe und Trost gefunden hatten. - Gar wehmütig schauten die Dorfbewohner dem Zuge nach; ihre große Freude über das Wiederfinden des geliebten Bildes war von so kurzer Dauer. "Ach, wir sind nicht wert, einen so großen Schatz zu besitzen" - klagten manche weinend. - Die zwei Zugtiere schritten mit der kostbaren Bürde ganz frei und ungehindert drei Tage lang ohne Futter zu nehmen und ohne daß man sie anführte, längs der Mur und der Kainach bis zwischen Voitsberg und Köflach, wo die Ochsen ein wenig gerastet (daselbst steht jetzt die der Mutter Gottes geweihte sogenannte Gradner-Kapelle, welche von den Gläubigen fleißig und vertrauenvoll besucht wird). Die Ochsen blieben endlich am Fuße der Stubalpe vor dem Lindenbaume, an dem das Bildnis des Heilandes angebracht war, stehen.

III.

Kirchenbau-Hindernisse
Ab- und Zunahme der Wallfahrt

Die beiden Ochsen waren auf keine Weie von dem Lindenbaum weiter zu bringen. - Hier wollte die hl. Maria ihren Gnadenthron aufstellen. - Das Bild wurde 1433 mittlerweile am Baume angebracht, wo es einige Jahre hindurch blieb.

Infolge der Gebetserhörungen, die da stattfanden, wurde das Bild bald berühmt. Nun ließ einstweilen Kaiser Sigismund eine Kapelle für dasselbe errichten mit der Absicht, bei Friedenszeit eine Kirche zu bauen. Durch verschiedene Hindernisse, worunter der Tod des genannten Kaisers (1437), war der Bau einer Kirche unterblieben. Im Jahre 1456 endlich wurde von einem gewissen Ritter Georg Gradner eine solche samt Kloster für die Franziskaner erbaut, wozu Kaiser Friedrich III. in einer Urkunde seine Erlaubnis erteilte. Dieser Kaiser zeigte sich auch späterhin sehr wohltätig gegen diesen Gnadenort. Darauf hin begann der Wallfahrtsort immer mehr und mehr aufzublühen, und die Pilger kamen so zahlreich, daß man auf Vergrößerung der Kirche bedacht war. Dieser Plan kam jedoch wegen eines traurigen Zwischenfalles nicht zur Ausführung; ja die Wallfahrt nach Lankowitz wurde für längere Zeit unterbrochen, und ihr fernerer Bestand kam gar sehr in Zweifel. Der Protetantismus nämlich schlug in jener unruhigen Zeit leider auch in Steiermark Wurzeln und fand da viele mächtige Anhänger. Diese unterdrückten die Katholiken wo sie nur konnten, plünderten deren Kirchen und Klöster und richteten ihre Wut besonders gegen die katholische Geistlichkeit. Die Protestanten bemächtigten sich der Kirche und des Klosters zu Lankowitz. - Die Mönche wurden (1566), nachdem sie über ein Jahrhundert lang gar segensreich gewirkt hatten, unter Zurücklassung von Hab und Gut aus dem Kloster gejagt. Nun ging der rechte Unfug von Seite der Protestanten los. Die Kirche wurde geplündert und entweiht; mit dem Gnadenbilde, das man darin belassen hatte, trieb man seinen Spott. - Die Rache Gottes blieb nicht aus. - Eine adelige Dame, welche am Muttergottesbilde ihren Mutwillen durch Nadelstiche, Ausspucken usw. ausgelassen hatte, wurde schnell darauf von einer entsetzlichen Krankheit befallen und starb daran.

Allein nicht lange sollten die Protestanten ihr Unwesen in Steiermark treiben. Der damalige Herzog Karl II. sah das Unheil, das sie anstifteten, und jagte sie zum Teil aus dem Lande und führte wieder allgemein die katholische Religion ein; somit konnten also auch die Franziskaner wieder unbelästigt in ihr friedliches Kloster zu Lankowitz zurückkehren. Da aber Kirche und Kloster (1588), wie wir schon sagten, ausgeplündert waren, mußten die armen Mönche ihren Unterhalt bei den umwohnenden Leuten betteln; daß sie bei dieser Gelegenheit an mancher Schwelle statt mit Lebensmitteln mit Schimpf und Spott abgefertigt wurden, läßt sich leicht begreifen, war ja doch damals die Hochachtung und Ehrfurcht für die Diener der katholischen Kirche bedeutend gesunken. Die Ordensleute ließen es sich jedoch nicht verdrießen und arbeiteten nebenbei fleißig an der Reinigung und Ausschmückung des ehrwürdigen Gotteshauses. - Zu bemerken wäre noch, daß die Linde, welche seit der Vertreibung der Mönche zu verdorren begann, - (gleichsam um ihre Trauer über die Verlassenheit und Verwüstung des Gnadenortes kundzugeben) - jetzt frisch wieder grünte und regelmäßig blühte. Ist das nicht ein auffälliger Fingerzeig Gottes und Aufmunterung zur Verehrung der seligsten Jungfrau Maria?

Als durch die Bemühungen der Ordensleute die Kirche zur Abhaltung des Gottesdienstes wieder geeignet war, kamen auch wieder mehr Pilger dahin, und damit stand das Aufblühen der Gnadenstätte in Verbindung. Der Zuzug wurde jetzt immer größer und größer, zumal da auf die Fürsprache der Gnadenmutter viele Pilger wunderbare Erhörung in ihren Anliegen fanden. Auf Anregung Kaiser Ferdinands II. und III., welche auch große Verehrer des Gnadenbildes von Lankowitz waren, wurde auf Kosten des Grafen von Saurau ein neuer Gnadenaltar errichtet, welcher vom damaligen Seckauer Bischof Johann Markus der heil. Anna zu Ehren eingeweiht wurde 1651. Darauf fand unter dem Andrange einer großen Volksmenge die feierliche Übertragung der benedizierten Statue der Mutter Gottes auf den neuen Anna-Altar statt. Infolge der vielen Gebetserhörungen, die hier geschahen, erklärte der vorerwähnte Bischof nach genauer Untersuchung der Wunder das Frauenbild in einer Urkunde für "gnadenvoll", Miraculosa (Papst Innoz. XII.). Papst Klemens XII. privilegierte den Hochaltar.

Die Vergrößerung der Wallfahrtskirche wurde nun ein dringendes Bedürfnis; wuchs ja auch immer mehr und mehr die Zahl der Hilfesuchenden, die von nah und fern hieher ihre Zuflucht nahmen. Diesem Bedürfnisse wurde in der Tat im Jahre 1681 nach dem Verschwinden der Pest, die damals in Steiermark ausgebrochen war, abgeholfen. Die Mittel zum Baue gab größtenteils der Fürst von Eggenberg, Johann Siegfried, her. (Dessen Herz in einer vergoldeten Kapsel in der St. Anton-Kapelle ruht, wo auch die Gebeine des Sigismund von Herbenstein und dessen Familie ruhen und deren getreues Abbild in dem daselbst hangenden Bild ersichtlich ist. Im Jahre 1684 ist auch der Altar des hl. Josef eingeweiht worden, die Reliquien des hl. Klemens kamen erst 1734 dahin.) Allgemein war die Freude, als die Kirche nach 3 Jahren erweitert und mit einem neuen schönen Hochaltar versehen dastand. Nun wurde diese jetzige Kirche samt dem neuen Hochaltar von Johann Ernest, damaligen Bischof von Seckau, zur Ehre der "seligsten Jungfrau Maria von den Gnaden" konsekriert und das Gnadenbild feierlich auf den neuen Hochaltar übertragen (1684). Mit der Zunahme der Pilger waren auch mehr Seelsorger erforderlich. (30 Priester waren von nun an zeitweise da.)

Im Jahre 1712 wurden auf der Epistelseite zwei geräumige und hohe Kapellen erbaut, deren eine, mit dem sogenannten Kreuz-Altar, dem Anna-Altar gegenüber, vom sel. Herrn Peter Graßl, Gastwirt zu Graz, errichtet ward; der zweite, näher an dem Hochaltar gelegene, mit dem Altar des hl. Ordensstifters Franziskus Seraphikus, der edlen Freigebigkeit der sel. Frau Maria Barbara Moll, gebornen von Jell, ihr Entstehen verdankt. Beide wurden im Jahre 1714 vom dem hochwst. Herrn Josef Dominikus, Grafen von Lamberg, Bischof von Seckau eingeweiht, bei welchem Anlasse 3336 Firmlinge daselbst das hl. Sakrament der Firmung erhielten.

Im Jahre 1729 wurde in der Schatzkammer, welche sich ob der Sakristei rückwärts vom Hochaltare befindet, durch Beiträge von Wohltätern ein zierlicher Altar zu Ehren der hl. Barbara errichtet, und von dem hochwst. Herrn Bischof Jakob Ernest, Grafen von Liechtenstein, konsekriert, worauf der hochw. Herr Kilian, Abt des Benediktinerstiftes zu St. Lambrecht, der ein besonderer Gönner der Minderen Brüder war, die erste hl. Messe las. Papst Klemens XII. bestätigte den durch Wunder erlangten Ruf dieses Gnadenortes und gewährte für immerwährende Zeiten allen Christgläubigen, die dahin wallfahrten, einmal in jedem Jahre einen vollkommenen Ablaß.

Im Jahre 1733 waren zur achttägigen III. Jubiläumsfeier der Ankunft der Gnadensstatue in Lankowitz über 33200 Kommunikanten (also täglich über 4000); da waren bei 50 Priester beschäftigt. - Bald kam aber eine traurige Zeit. - Kirchenfeinde kamen zur Herrschaft. In den 1770er Jahren, zur Zeit der Aufhebung der Klöster und Wallfahrten, wollte man dies auch in Lankowitz. - Man verbot den Gottesdienst, währenddem dieser in Köflach gehalten wurde, wohin Lankowitz gehörte bis 1786, wo der Wallfahrtsort zu einer selbständigen Pfarre ohne Pfründe und Dotation erhoben wurde - aber das Volk ließ sich durchaus nicht abhalten. - Da wurde nun ein anderes Mittel ausgedacht, um die Wallfahrt nach Lankowitz abzubringen - unglaublich, aber wahr: Man beschloß einfach, das Gnadenbild von Lankowitz nach Köflach zu übertragen; das fürstbischöfliche Ordinariat zu Graz gab seine Zustimmung. Der Tag der Übertragung war bestimmt; am Hochaltar zu Köflach war ein Thron für das Gnadenbild gerichtet; eine feierliche Prozession mit Kreuz und Fahnen zog herauf, geführt von einem hochgestellten Priester aus Graz, der den Auftrag hatte, das Gnadenbild zu übertragen. Für das gläubige Volk in Lankowitz war diese Prozession eine höchst betrübende Erscheinung; sie sollten nun den kostbaren Schatz, die Gnadenmutter verlieren. Viele weinten, andere schrien und flehten. "O Mutter der Gnaden, Trösterin der Betrübten! Verlaß uns nicht!" Die Volksmenge stand da voll Erwartung, was nun kommen werde; der hochgestellte Priester war bereits beim Gnadenbilde angelangt und schon im Begriffe, dasselbe zu erheben und fortzutragen. Die Mutter Gottes wollte aber ihren auserwählten Gnadenthron nicht verlassen; der hohe Priester stand einige Zeit vor dem Bilde, ein großer Kampf ging in seinem Innern vor; was ihm die Mutter Gottes gesagt und womit sie ihm gedroht hat, wurde nicht bekannt; wichtig muß es jedenfalls gewesen sein; denn als er sich ein wenig erholt hatte, rief er mit feierlicher Stimme:

"O Mutter! bleib auf deinem Throne
Mit deinem vielgeliebten Sohne!"

Nach kurzer andächtiger Verehrung des Gnadenbildes entfernte er sich; den Leuten aber sagte er, mit der Übertragung wird nichts, die Gnadenmutter bleibt in Lankowitz. - Beschämt zog die Prozession von dannen. Aber nach und nach kamen durch kirchenfeindliche Verordnungen, durch Verbot der Prozessionen, durch Lostrennung der Klöster von Rom, Kriege, Todesfälle usw. dahin, daß im Jahre 1826 bloß nur zwei Patres in Lankowitz lebten - o wohl eine traurige Zeit! - auch durch Naturereignisse.

Am Patroziniumsfest, 2. Juli 1823, hat ein großes Ungewitter einen furchtbaren Wolkenbruch gebracht und richtete ringsum großen Schaden an. Deshalb beschloß der damalige Pfarradministrator, mit der Pfarrgemeinde von nun an den 2. Juli feierlich zu begehen. - Gott hat denn in seiner Erbarmung einen weisen und frommen Mann erweckt, der ganz erfüllt war mit heiligem Eifer für die Ehre Gottes und der allerseligsten Jungfrau und für das Wohl des Nächsten, und der alles aufbot, um den Wallfahrtsort Lankowitz wieder aufblühen zu machen. Es war dies der berühmte Franziskaner-Provinzial P. Antonius Ortner (+1828), der noch im seligen Andenken gar vieler lebt. - Während seiner sechsjährigen Regierung wurden 28 Jünglinge in den Orden aufgenommen, und so kamen bald mehrere Patres zu dem großen Wirkungskreis am Wallfahrtsorte zu Lankowitz, besonders zur Zeit der IV. Säkularfeier 1837 und zur Zeit der Heiligsprechungsfeier der japanesischen Martyrer aus dem Orden des hl. Franziskus, welche durch 8 Tage dauerte im Jahre 1863, wobei über 100'000 Kommunikanten waren; sonst sind es jährlich 60'000.

Da am 12. Mai 1839 die zwei Klöster von Steiermark zeitweilig mit der nordtirolischen Franziskanerprovinz vereinigt wurden, so erhielt auch Lankowitz wieder mehrere Patres. Auch der III. Orden des hl. Vaters Franziskus lebte neuerdings auf und zählt gegenwärtig sehr viele Mitglieder.

Im Jahre 1855 wurde das ehemalige Schloßgebäude in eine k.k. Strafanstalt verwandelt für weibliche Sträflinge und Zwänglinge unter der Leitung der Töchter der christlichen Liebe vom hl. Vinzenz von Paul; die Seelsorge daselbst ist den Franziskanern übergeben; die Kapelle ist eingeweiht worden unter dem Titel "Zur unbefleckten Empfängnis Mariä."

Im Jahre 1858 (August und September) wurde unter dem Guardianate des P. Wolfgang Rauchbart der Hochaltar renoviert.

Von 1861 and bis 1867.
Ein unterirdischer Brand von Steinkohlen breitete sich immer weiter aus, so daß man für Kirche und Kloster und für die dem Feuer noch näher gelegenen Wohnungen in großer Besorgnis war. Großes Aufsehen machte ein Artikel im Grazer Volksblatt anfangs Juli 1867, betitelt: "Der berühmte Gnadenort Maria Lankowitz auf einem brennenden Vulkan." (Bekanntlich birgt die ganze Gegend von Voitsberg, Köflach und Maria Lankowitz die schönsten Steinkohlen-Lager, deshalb wurde auch die Graz-Köflacher Zweigbahn erbaut und am 3. April 1860 eröffnet, - die auch den Pilgern die Wallfahrt nach M. Lankowitz erleichtert, da vom Bahnhofe bloß eine Viertelstunde Entfernung ist und daher an Sonn- und Festtagen die per Bahn um neun Uhr Ankommenden noch zum Spät-Gottesdienst nach M. Lankowitz gelangen können.) Viele kamen hieher, um sich selbst zu überzeugen; andere auch aus weiter Ferne, erkundigten sich schriftlich; wieder andere wagten es nicht mehr, bei so gefährlicher Lage nach Lankowitz zu wallfahren; und endlich hier im Orte selbst blickten viele mit großer Furcht der Zukunft entgegen.

"Um den Gnadenort ist es geschehen", so seufzten viele Gutgesinnte, so frohlockten manche Freigeister. Doch die Furcht und der Schrecken sollten noch größer werden. Es war im nämlichen Jahre 1867 am Rosenkranzsonntage (1. Sonntag im Oktober); das immer weiter greifende Feuer hatte eine Zwischendecke durchgebrannt und kam so in den untern Schacht, die Kirche und die Maria Lankowitzer Gegend wurde plötzlich in Rauch eingehüllt. Es erschien eine Kommission, um die ganze Sachlage zu untersuchen und die gehörigen Maßregeln zu treffen, geleitet vom Herrn Berghauptmann Weinegg, der sich wirklich um die Sache mit größtem Fleiße annahm. Vor allem wurde angeordnet, dahin zu wirken, daß das Feuer nicht mehr weitergreife, und dasselbe endlich ganz abzubauen; dieser Plan wurde jedoch abgelehnt, weil derselbe für die Besitzer des Bergbaues mit ungeheuren Kosten verbunden gewesen wäre.

Bereits verging wieder ein Jahr, da kam eine zweite Kommission, welche zu beschließen für gut fand, den Steinkohlenbau auf eine gewisse Strecke im Umfange hier gänzlich einzustellen und alle Zugänge fest zu verschließen, damit das Feuer endlich ersticken müsse; und so ist es 1868 auch geschehen. Ob das Feuer gänzlich gelöscht sei oder nicht, kann mit Gewißheit nicht gesagt werden; wenigstens hat das Feuer die große Wirkung gebracht, daß das schöne Kohlelager, worauf Kloster und Kirche stehen, bis auf eine gewisse Entfernung im Umkreise unberührt bleiben muß. Wäre das Feuer nicht entstanden, wer weiß, wie dann der unterirdische Bau geführt worden wäre; es gibt allerdings Berggesetze, die recht gut sind und die vollste Sicherheit gewähren, wenn sie nur auch genau gehalten würden! -

1870 wurde der Grundstein zum neuen Turm gelegt, 1872 das Turmkreuz aufgezogen.

Für den neuen Turm wurden auch zwei neue größere Glocken angeschafft bei Ignaz Hilzer in Wiener Neustadt. Am 5. Oktober 1872 kam der hochwürdigste Fürstbischof von Seckau, Johannes Baptista, nach Lankowitz, um am folgenden Tage, Rosenkranzsonntag, die Weihe der Glocken vorzunehmen. Nach der Weihe und dem Aufzuge der Glocken hielt der hochwürdigste Fürstbischof Predigt und Pontifikalamt.

Die größere Glocke, zur Ehre der unbefleckten Empfängnis Mariä geweiht, hat ohne Schwengel 28 Zentner 11 Pfund. Mit majestätischem Tone ruft sie hinaus: EWIges Lob ersChaLLe Der MakelLLosen IVngfraV!

Seit dem Jahre 1891 bis zur gegenwärtigen Stunde wird fortwährend gearbeitet an der Renovierung der Kirche. Es wurde die Orgel neu hergerichtet, das Kirchenpflaster durch ein neues ersetzt, neue Kirchenstühle gemacht, die ganze Kirche ausgemalt, zum Teil auch in Fresko, und der ganze Hochaltar einer sorgfältigen Auffrischung unterzogen. Das alles mit den freiwilligen Gaben der frommen Verehrer Mariens aus der Nähe und Ferne. Noch bleibt aber vieles zu tun übrig.

Wunderbare Erhörungen

Ein eifriger Verehrer der allerseligsten Jungfrau Maria war unter vielen anderen der Franziskanerordenspriester P. Martin Boog, dessen Leib in der Totengruft zu Lankowitz ruht. Durch viele Jahre verwaltete er rühmlichst verschiedene höhere Ordensämter; dabei aber suchte er überall die Andacht zu Maria zu fördern; all seine Werke und Arbeiten, und sich selbst ganz und gar, hatte er der allerseligsten Jungfrau geweiht. Dafür aber half auch Maria diesem eifrigen Diener auf wunderbare Weise, wie er es selbst eigenhändig aufschrieb und als Urkunde hinterließ. Am Feste der unbefleckten Empfängnis Mariä 1682 zog er sich vermöge seines Berufes in Graz ein großes Übel zu, an dem er über ein halbes Jahr furchtbare Schmerzen litt und für seine Geschäfte unfähig wurde. "Am Vorabend von Mariä Heimsuchung (Worte aus seiner Urkunde) mich erinnernd über das Fest, welches zu Lankowitz als Schutzpatronin begangen wird, mit Herz und Mund demütigst bittend, habe ich mich, obwohl abwesend, der Gnadenmutter empfohlen, darauf Erlaubnis begehrt, die Gnadenmutter heimzusuchen"; - Er kam zur Gnadenmutter nach Lankowitz am Patroziniumsfeste, betete mit möglichster Andacht vor dem Gnadenbilde, wenn es anders Gottes Wille wäre, ihm wieder die Gesundheit zu erbitten, um in seinem Berufe zur Ehre Gottes und Marias wirken zu können. Und Maria half wunderbar; von diesem Augenblicke an war er ganz geheilt.

Eine fromme Jungfrau, namens Franziska Bayer, Schmiedstochter von Graz, ging einst in Geschäften ihres Vaters eilends durch den Hof, daselbst unterhielten sich die Schmiedgesellen, da Freiertag war, mit Kegelschieben. Nun wollte einer die Kugel mit aller Gewalt auf die Kegel werfen, traf aber nicht diese, sondern den Kopf der vorübereilenden Jungfrau. Diese dachte schnell an die Gnadenmutter zu Lankowitz und fiel dann wie tot zur Erde. Groß war der Schrecken der Gesellen und das Wehklagen der herbeigeeilten Eltern. "O armes, liebes Kind", seufzten sie, "kein Leben ist mehr in dir; o heilige Maria, hilf uns doch in dieser größten Not, wir wollen eine Wallfahrt nach Lankowitz unternehmen." Zur Verwunderung aller fing die Jungfrau wieder an, Atem zu schöpfen, empfahl sich mit anmutigen Seufzern der Gnadenmutter und stand ganz gesund auf. Mit innigster Dankbarkeit verrichteten sie die gelobte Wallfahrt nach Lankowitz. Später überschickte der glückliche Vater eine Votivtafel und bestätigte die empfangene Wohltat durch seine Namensunterschrift. Die Tochter Franziska aber wurde von nun an eine recht innige Verehrerin der Mutter Gottes, wollte sich ganz dem Dienste Gottes und Mariä weihen und deshalb in den Orden der hl. Klara im Kloster zu Judenburg eintreten, wo sie auch reich an Verdiensten starb.

Die hochgeborne Frau Anna Eusebia, Gräfin aus dem Geschlechte der Breuner, Oberin des fürstlichen Stiftes der regulierten Chorfrauen bei der Himmelspforte zu Wien, litt 30 Tage lang furchtbare Magen- und Kopfschmerzen, so daß man schon alle Hoffnung aufgab und ihr nahes Ende erwartete. Ganz betrübt standen die geistlichen Töchter am Schmerzenslager ihrer geliebten Mutter. Weil menschliche Hilfe nichts mehr ausrichtete, nahmen sie in gläubigem Vertrauen ihre Zuflucht zu Maria. Sie hatten auch gehört von dem wundertätigen Gnadenbilde zu Lankowitz. Da machten sie nun einstimmig ein feierliches Gelöbnis, einen Boten mit Opfer nach Lankowitz zu senden, um von der Mutter der Gnaden, die mit Recht das Heil der Kranken genannt wird, Hilfe zu erlangen. Maria, die Königin der Jungfrauen, erhörte auch solgeich das demütige Gebet dieser mit ihrem göttlichen Sohne vermählten Jungfrauen; denn kaum war das Gelübde gemacht, so verschwanden die bisherigen Schmerzen, die zum Tod kranke Frau Oberin stand vollkommen gesund auf und lebte noch viele Jahre.

Sebastian Wilhelm von Kainach führte ein sündhaftes Leben, verschob die Buße von einer Zeit auf die andere; deshalb fiel er immer tiefer; aber auch der böse Feind bekam immer größere Macht über den Unglücklichen. Oft erschien er ihm in sichtbarer, häßlicher Gestalt, zwang ihn dann zu laufen an abgelegene Orte, in einsame Wälder und Schluchten, auf hohe Felsen oder zu tiefem Wasser unter fortwährender Einflüsterung, er solle sich selbst das Leben nehmen, er sei ohnehin für die ewige Hölle bestimmt, und für ihn gebe es keine Rettung mehr. In dieser vezweiflungsvollen Lage wird ihm geraten, Maria anzurufen, die ja die Zuflucht der Sünder, die Mutter der Barmherzigkeit sei. Er machte daher eine Wallfahrt nach Mariazell unter großen Beschwernissen, die ihm hie und da der böse Feind bereitete. In der Gnadenkirche wollte er sich auf eine gute Beicht vorbereiten. Allein eine schreckliche Angst überfiel ihn beim Hinblicke auf sein früheres Leben, und als er zum Beichtstuhle hinzutreten wollte, war er an den Füßen gleichsam gelähmt; bei aller Anstrengung konnte er nicht vorwärts, wohl aber wieder rückwärts. Der Verzweiflung nahe, verließ er den Gnadenort; zwei Tage und Nächte eilte er fort auf unwandelbaren Wegen, durch Wälder, über gefährliche Berge, unter beständigem Zureden des Verführers, er solle sich selbst umbringen. Doch Maria verließ diesen armen Sünder nicht. Hatte er ja doch ihr zuliebe die beschwerliche Wallfahrt nach Mariazell gemacht. - Ganz trostlos und erschöpft, fiel der arme Mann endlich auf die Erde hin und schlief ein. Da endlich wurde es licht in seinem Innern. Er sah das Bild unserer lieben Frau gar freundlich und huldvoll, und er meinte die Worte zu vernehmen: "Gehe nach Lankowitz, dort wird dir geholfen werden." Beim Erwachen fühlte er sich gestärkt; voll Vertrauen eilte er nach Lankowitz zur Gnadenmutter. Seit langer Zeit konnte er wieder zum erstenmal recht andächtig beten. Durch eine aufrichtige, reumütige Lebenssbeicht mit Gott ausgesöhnt und durch würdige Kommunion vereinigt mit ihm, dankte er unter vielen Freudentränen der allerseligsten Jungfrau für seine Bekehrung. Unsagbar glücklich kehrte er heim.

Andreas, ein Bauer in Kärtnen, spielte mit drei andern Bauern. Nachdem er viel verspielt hatte, begann er zu lästern und zu verwünschen; unter anderm schrie er: "Komm, Teufel, bring Geld, so gib ich dir meine Seele!" Aus gerechter Strafe ließ es Gott zu, daß der Teufel erschien, und zwar ohne Geld, und in den Lasterhaften fuhr, worauf der Arme schecklich zu wüten begann. Die Mitspieler mußten augenblicklich die Flucht ergreifen, um nicht von dem Rasenden übel zugerichtet zu werden. Wie schecklich war dieser Anblick! Alle flohen vor diesem vom bösen Geiste besessenen Menschen. Nur den beherztesten Männern gelang es endlich, den Wütenden zu binden und an einem sichern Orte zu verschließen. Was sollen sie nun weiter machen? Endlich kam ihnen der Gedanke, den Unglücklichen nach Lankowitz zu bringen, auf daß ihm die Mutter Gottes helfe. Und so geschah es auch. Als man mit dem Besessenen nach Edelschrott kam, von wo aus man die Gnadenkriche zu Lankowitz sieht, da fing der Satan im Unglücklichen furchtbar zu wüten an, so daß man ihn fast nicht vorwärts bringen konnte; nur im Vertrauen auf Maria und unter Anrufung ihres heil. Namens gelang es endlich. Am folgenden Tage brachte man den Wütenden in die Gnadenkirche und stellte ihn vor den Altar Mariens. Die Leute riefen die Hilfe Mariens an, und nicht umsonst. Der Satan mußte ausfahren; der nun Befreite fiel auf seine Knie und konnte kaum Worte finden, den schuldigsten Dank auszusprechen; bitterlich beweinte er seine Sünden, drei Tage blieb er im Kloster und brachte den größten Teil dieser Zeit in der Gnadenkirche zu. Er legte auch eine reumütige Beicht ab und sagte der allerseligsten Jungfrau fortwährend Dank. Aus Furcht, es möchte der böse Geist wieder von ihm Besitz nehmen, konnte er kaum überredet werden, den Gnadenort zu verlassen. Im Namen Jesu und Mariä kehrte er endlich doch in seine Heimat zurück.

Die Schloßfrau von Rainach, Dorothea Tirntlin, Witwe, beschreibt selber den Zustand ihrer Tochter, die von der roten Ruhr befallen war; sie litt schon beinahe vier Wochen lang an dieser Krankheit, und die Doktoren erklärten sie für unheilbar. Sie wurde deshalb mit den hl. Sterbsakramenten versehen und erwartete mit Ergebung ihre letzte Stunde. Die betrübte Mutter betrachtete ihre sterbende Tochter, das Herz wollte ihr brechen vor Schmerz, "Mein geliebtes Kind, noch so jung, soll schon sterben!; Auf einmal kam der Mutter ein guter Gedanke: Maria, die Gnadenmutter, kann helfen" sie machte deshalb voll Vertrauen das Gelöbnis nach Lankowitz, und - siehe - die dem Tode nahe Tochter wurde vollkommen gesund. Ein Arzt, der die Kranke behandelte, bezeugte schriftlich, daß diese Heilung nur auf wundebare Weise erfolgen konnte.

Die rote Ruhr wütete fürchterlich in der Pfarre Hirscheck. Viele lagen krank darnieder, und täglich fielen ihr einige zum Opfer. Der damalige Pfarrer von Hirscheck, ein frommer Priester aus dem Benediktinerorden von St. Lambrecht, wandte sich in dieser großen Not an das "Heil der Kranken" und veranstaltete mit seiner Pfarrgemeinde eine Bittprozession nach Lankowitz. Dieses Vertrauen belohnte Maria, indem sie die Bitte erhörte. Nachdem nämlich die Prozession zurückgekehrt war, erholten sich die Kranken und die Gesunden blieben verschont.

Ein trauriges Jahr war das Jahr 1680 wegen der furchtbaren Pestkrankheit, die damals überall wütete und gar viele Menschen dahinraffte. In der Pfarre Edelschrott wohnten in einem Bauernhause 16 Personen. Fünfzehn davon erkrankten und starben auch in kurzer Zeit; nur eine Person blieb vollkommen gesund, was sie dem besonderen Vertrauen zur Lankowitzer Gnadenmutter zuschrieb, wohin sie dann auch voll des Dankes wallfahrtete. - Auch im Hause des Schulmeisters in Edelschrott erkrankten vier Personen an der Pest; doch durch feierliches Gelöbnis nach Lankowitz wurden alle wieder gesund.

Im Jahre 1713 wurde das Haus des Johann Zollner, Bürger und Schneidermeister in Obdach (Obersteier), von der Pest heimgesucht; ein Sohn und eine Tochter starben an dieser Krankheit; darüber gerieten die Marktbewohner in Furcht und Schrecken. Damit diese Seuche sich ja nicht verbreite, wurde dieses Pesthaus von der Obrigkeit gesperrt, so daß niemand hinein oder heraus konnte. Und so befanden sich in diesem Hause Vater und Mutter mit fünf Kindern. In dieser großen Not nahmen sie ihre Zuflucht zur Gnadenmutter von Lankowitz und gelobten, dahin zu pilgern, falls sie gerettet würden. Als nun das Haus nach bestimmter Zeit wieder geöffnet wurde, fand man alle 7 Personen ganz gesund. Diese statteten ihren Dank durch eine Wallfahrt nach Lankowitz ab.

In Graz erkrankte ein Bürger an der Pest; endlich gab er kein Lebenszeichen mehr von sich; man hielt ihn für tot und trug ihn zu Grabe. Der Scheintote, in diesem Zustande befand er sich, verlobte sich in Gedanken zur Gnadenmutter in Lankowitz, wenn er gerettet würde. Und Maria half; die Pestbeulen sprangen auf und nun konnte er geheilt nach Hause gehen. Er erfüllte dankbar sein Versprechen.

Eine Gräfin lag bereits in den letzten Zügen. Deren Schwester, die am Krankenlager stand, wurde durch den schweren Todeskampf der Sterbenden mit innigstem Mitleid erfüllt, legte auf die Brust der Kranken ein Bildchen der Gnadenmutter von Lankowitz und gelobte, eine Person als Wallfahrerin zu Fuß nach Lankowitz zu schicken, wenn Maria Hilfe leisten würde. Dies geschah. In dem Augenblicke nämlich, in welchem das Bild auf die Brust der Sterbenden gelegt wurde, erholte sich diese und genas in kurzer Zeit. Sie übernahm nun selber die gelobte Wallfahrt.

Die edle Frau Sara Kloß war schwer krank. Kein Mittel wollte mehr helfen, die Ärzte gaben sie deshalb schon auf. Sie war stets in kindlicher Verehrung der Gnadenmutter von Lankowitz zugetan und nahm nun in diesem Zustande zu Maria ihre Zufllucht. Sie sandte fünf Frauen mit Opfergaben nach Lankowitz, um entweder eine glückselige Sterbestunde oder aber die Gesundheit zu erlangen. Maria belohnte dieses Vertrauen, indem sie der Kranken die Gesundheit wieder zurückgab.

Graf und Gräfin Herberstein, dem berühmtsten und ältesten Adelsgeschlechte Steiermarks angehörig, erkrankten zu gleicher Zeit an derselben Krankheit. Von den Ärzten aufgegeben, empfingen sie mit großer Andacht die hl. Sterbsakramente. Sie waren beide große Verehrer der Mutter Gottes; deshalb schickten sie jetzt in ihrer Krankheit mehrere Untergebene nach Lankowitz, um dort die Erhörung ihrer Herzenswünsche zu erflehen. Und nicht umsonst! In kürzester Zeit erhielten sie ihre volle Gesundheit wieder. Aus Dankbarkeit sandten sie ein kostbares Geschenk an den Gnadenort.

Herr Georg Siegfried, Freiherr von Jöchlingen und Propst des Chorherrenstiftes des hl. Augustin in Stainz, lag in Graz an einer schweren Krankheit darnieder. Man gab ihn hoffnungslos auf und traf schon Anstalten zum Begräbnis. Eine nahe Verwandte des Propstes, die von dessen Krankheit gehört hatte, versprach für ihn barfüßig eine Wallfahrt nach Lankowitz zu machen. Seit diesem Versprechen besserte sich der Zustand des Kranken, bis er endlich ganz gesund wurde.

Im Ferdinandeum zu Graz brach (1677) unter den Zöglingen eine gefährliche Fieberkrankheit aus. Vierzig Studierende wurden davon ergriffen. In dieser Bedrängnis verlobte sich P. Petrus Mercas, Regens dieses Institutes, mit den Studenten nach Lankowitz. Augenscheinlich half Maria; denn bloß zwei starben, während alle übrigen gesund wurden.

Herr Jakob Brändel, Ratsherr von Radkersburg, wurde vom hitzigen Fieber ergriffen und litt furchtbare Schmerzen; alle angewandten Mittel blieben fruchtlos. Da gelobte die Frau des Kranken feierlich die Wallfahrt nach Lankowitz. Und siehe, in kurzer Zeit darauf konnte der vollkommen Genesene selbst mit seiner Frau den schuldigen Dank bei der Gnadenmuter zu Lankowitz abstatten.

Bei einem Einfalle der Türken in Steiermark kamen diese auch nach Radkersburg und nahmen mehrere Kaufleute gefangen, unter denen sich auch der Kaufmann Michael Jeleschitz befand. Als dessen Frau die traurige Kunde vernahm, eilte sie nach Lankowitz und flehte die Gnadenmutter inständig um die Befreiung ihres Mannes an. Dieser befand sich, während seine Frau so betete, in einem Kerker, angetan mit Fesseln. Auf einmal bemerkte er, daß diese locker würden; er benützte die Gelegenheit, streifte die Fesseln ab und entkam glücklich in seine Heimat. Das Lockerwerden der Fußeisen geschah zu gleicher Zeit, während seine Frau in Lankowitz betete.

Lorenz Gefeller war 13 Wochen lang von der Tobsucht befallen. Niemand war vor ihm sicher; es gelang endlich, des Tobenden Herr zu werden und ihn mit Stricken und Riemen zu binden; allein diese Bande zerriß er und wurde noch wütender. Jetzt fesselte man ihn unter größter Anstrengung mit Ketten. Unter fürchterlicher Wut arbeitete er so lange, bis endlich auch die Ketten brachen. Nun schmiedete man ihn mit starken Ketten in einem Winkel der Stube an und machte aus festen Brettern einen Verschlag um ihn herum. Darin verblieb er drei Wochen unter beständigem Wüten und Schreien. Wie sollte man dem Zustande dieses Unglücklichen abhelfen? Nach vielen fruchtlos versuchten Mitteln kam man endlich auf den Gedanken, ihn zur Gnadenmutter nach Lankowitz zu bringen. Unter großer Mühe und Anstrengung wurde er dahin gebracht. Vor dem marianischen Gnadenbilde fingen die Leute vertrauensvoll zu beten an; und, o Wunder, der Tobende war im Augenblicke geheilt; alle Narrheit war plötzlich verschwunden und der volle Verstand zurückgekehrt. Der Geheilte weinte Tränen der Freude und lobte Maria.

In St. Ruprecht an der Raab in Steiermark lebte ein totaler Krüppel. Sowohl in Bezug auf den Leib als auch in Bezug auf den Geist konnte man ihn krüppelhaft nennen. Er war ganz taub und lahm und dazu noch närrisch. Ein schreckliches Leben sowohl für ihn selbst, als für seine Eltern. Da machten sich diese eines Tages auf den Weg nach Lankowitz, und als sie nach hause zurückkehrten, fanden sie ihren Sohn bereits gesund.

Ein Wirt in Graz wurde plötzlich von einer schweren Krankheit befallen und verlor dabei die Sprache. Der herbeigeholte Franziskaner konnte dem Kranken nicht die Beicht hören und gab deshalb dessen Angehörigen den Rat, die Lankowitzer Gnadenmutter anzurufen und ihr ein Opfer zu geloben, falls der Sterbende die Sprache erhielte. Und richtig: Nach einer Stunde begann der Kanke zu sprechen, wurde bald ganz gesund und vollbrachte das Gelöbnis selber.

Matthias Kreus, Pfleger zu Lankowitz, bekam die Fraisen. Er wurde mit der Zeit so schwach, daß sein Ende nahe schien. Da nahmen seine Mutter und seine Gattin ihre Zuflucht zu Maria, welche das Flehen erhörte. Der Kranke erwachte vom Todeskampfe und wurde ganz gesund.

Ein gewisser Thomas von Voitsberg, "Voitsberger Thomerl" genannt, trieb gewöhnlich Ochsen zu den Fleischhauern nach Graz, und das dafür gelöste Geld brachte er dann den Verkäufern der Ochsen. Als er nun auch wieder einmal mit vielem Gelde von Graz nach Hause zurückkehrte, wurde er von einem Räuber überfallen und tödlich verwundet. Er schleppte sich nun in das nächste Haus und wurde mit den hl. Sterbsakramenten versehen. Er starb jedoch nicht an seinen Wunden, sondern erhielt vielmehr die Gesundheit wieder, was er der Gnadenmutter von Lankowitz zu verdanken hatte. Der Räuber wurde nach acht Tagen eingefangen und hingerichtet.

Frau Katharina Rainer hatte die Fallsucht. Alle versuchten Mittel blieben erfolglos. Nun träumte ihr öfters, sie solle nach Lankowitz wallfahren, wenn sie gesund werden wolle. Sie fragte zuerst ihren Beichtvater hierüber und unternahm dann die Wallfahrt. Sie wurde dafür von Maria erhört und blieb fortan von der Fallsucht befreit.

Vor Szegedin kämpften 30 Österreicher gegen einen Haufen Türken. 29 Österreicher waren bald niedergemacht und es entkam nur einer und zwar unverletzt. Dies hatte er der Gnadenmutter von Lankowitz zu verdanken, die er in den Gefahren angerufen.

Rudolf Graf von Saurau erhielt nach eigener Aussage drei große Gnaden von der Gnadenmutter zu Lankowitz. Nämlich: Erstens die Befreiung von der Traurigkeit und Melancholie, in die er gefallen; zweitens Beistand in einem wichtigen Geschäft und drittens endlich die Genesung seines dem Tode nahen Söhnchens.

Herr Michael Metais, Fechtmeister von Innerösterreich, ritt überdie schneebedeckte Stubalpe nach Judenburg; das Pferd wurde auf einmal scheu und wild und warf den Reiter ab, so daß dieser unter das Pferd geriet. In dieser Not rief er die Lankowitzer Gnadenmutter an. Und diese half. Er kam ganz unverletzt davon.

Herr Johannes Resch, Schneidermeister in Graz, war lange Zeit des Gehöres beraubt gewesen; als er einmal in einer Nacht unerträgliche Schmerzen hatte, da gelobte er, in Lankowitz eine hl. Messe lesen zu lassen. Da verspürte er ein Krachen in seinen Ohren und augenblicklich befand er sich besser.

Zur Pfarre Lankowitz gehört auch die freundliche Filialkirche St. Johann Bapt. auf dem Kirchenberge in nördlicher Richtung von Lankowitz gelegen. Sie ist wohl viel älter als die Pfarr- oder Klosterkirche. - Dort wohnt eine Familie von drei Personen: der Vater, die Mutter und der Sohn Johannes, rechtschaffene fromme Christen, besonders war der Hansl ein einfriger Diener an der Filialkirche zu St. Johann. Diese Familie wurde vielfach belästigt und beunruhigt durch nächtliches Gepolter und verschiedene Erscheinungen, mitunter auch durch häßliche Stimmen, besonders vor hohen Festtagen. Der Sohn hatte in seiner Schlafkammer einen Altar aufgerichtet mit einem Muttergottesbilde, ähnlich dem Gnadenbilde zu Lankowitz; gegen diesen Altar ließ der böse Feind am öftesten seinen Unmut aus und schrie auch manchmal: "Hinweg mit diesem Bilde" usw. Viele Leute von der Nähe und von der Ferne gingen auf den Berg hinauf, um ihre Neugierde zu befriedigen. Von weltlichen und geistlichen Behörden wurden öfters Untersuchungen abgehalten, und auch mit höherer Erlaubnis Benediktionen vorgenommen. Auf kurze Zeit war es ruhig, aber desto ärger fing dann der Lärm wieder an. Wie es schon in der Welt zu geschehen pflegt, verfiel man auf den Verdacht, der Sohn selbst könnte der Urheber dieser Unruhen sein, um von seinem Vater den Grund recht bald und wohlfeil zu bekommen und heiraten zu können; er wurde deshalb auf einige Wochen in Voitsberg eingesperrt, aber dann als schuldlos entlassen, weil auch während dieser Zeit die Geistereien fortgedauert hatten. Die arme Familie litt dabei ungemein viel, betete aber auch viel und eifrig bei der Gnadenmutter zu Lankowitz, um endlich einmal von diesen unheimlichen lästigen Unruhen befreit zu werden. Es wurden auch auf diese Meinung am Gnadenaltare zu Lankowitz heilige Messen gelesen. Vier Jahre lang dauerten diese Geistereien; endlich kam die langersehnte Befreiung. - Auf welche Weise? Die drei Personen erzählten gemeinschaftlich folgendes: Es war an einem Vormittage in der Fastenzeit (1844), alle Drii waren in der Stube mit Arbeiten beschäftrigt; da klopfte es an der Tür; sie sagten "herein", die Tür ging auf, aber niemand war zu sehen! sie hörten nun eine hohle Stimme sprechen: "Gelobt sei Jesus Christus!" Alle drei antworteten: "In Ewigkeit. Amen." Der Geist sagte dann weiter: "Verzeiht mir, ich bin schuld, daß der böse Fiend euch durch mehrere Jahre beunruhigt hat; ich bin Zimmermanmn in der Gößnitz gewesen, habe Hans geheißen und bin 85 Jahre alt geworden. Hundertfünfunddreißig Jahre habe ich bereits im Fegfeuer gelitten, und zwar aus diesem Grunde: So oft ich als Zimmermann irgend eine Arbeit vollendet hatte, habe ich den unseligen Spruch getan: Ich bin nun fertig, jetzt, Teufel, kannst einziehen; ich hab das meinige getan, tue du das deinige. Diesen Spruch habe ich nicht für Sünde gehalten und darum auch nie gebeichtet. Deshalb wurde ich nach meinem Tode, aus gerechter Strafe Gottes verurteilt, so lange im Fegfeuer zu bleiben, bis alles, was ich gemacht habe, zugrunde gegangen sein wird. Von allen meinen Arbeiten ist bloß diese Stubentür hier mehr übrig. Der böse Feind hat diese letzte Zeit benützt, um sein Unwesen zu treiben, insoweit es Gott zugelassen hat. Ich bitte euch also, entfernt diese Tür und lasset zwei heil. Messen für mich lesen." Alle drei versprachen es. Alles dies wurde sogleich dem damaligen Guardian P. Josef Maria Mair berichtet. Die hl. Messen wurden am Gnadenaltare gelesen; P. Guardian gab die Läden her für die neue Stubentür, die alte Tür wurde in der Nacht vor dem Ostersonntage auf dem Frohfeuer verbrannt. Noch einmal erschien der Geist und bedankte sich für die Erlösung.

Im Jahre 1857 stieg Johann Piner zu Obdach (Obersteiermark) auf einen acht Schuh hohen Heubarn, um Futter herabzuwerfen. Beim Herabsteigen fiel er auf die unten angelehnte Heugabel, deren Stiel 15 Zoll tief ihm in den Leib drang. Fürchterlich war der Schmerz, den er darüber empfand. Er zog sich nun die Gabel aus dem Leibe und empfahl sich der Gnadenmutter von Lankowitz durch ein Gelübde. Seine Bitte wurde erhört, indem er von seiner Wunde genas. Zur dankbaren Erinerung weihte er die mit geziertem Wachs umwundene Heugalbel der Gnadenkriche zu Lankowitz, die noch jetzt dort zu sehen ist.

Ein Knecht arbeitete mit zwei Ochsen in Maria Trost auf dem Felde. Diese wurden plötzlich scheu, warfen den Knecht zu Boden und eilten mit der umgekehrten Egge von dannen. Die Bäuerin, die dieses sah, warf sich schnell vor einem Marienbilde, welches Mariä Heimsuchung darstellte, nieder und flehte zur Mutter der Gnaden um Hilfe in dieser Gefahr. Durch die Fürbitte Mariens blieben alle unverletzt. - Dafür kam dieses schöne Mariä Heimsuchungs-Bild nach Lankowitz.

Stephan Hädler war drei Jahre lang närrisch, nachdem er aber nach Lankowitz verlobt worden war, kam er wieder zum vollkommenen Verstande.

Ein kleines Kind fiel so unglücklich zu Boden, daß seine Zunge sich spaltete. Die Ziehmutter suchte bei den Ärzten Hilfe, allein umsonst. Da nahm sie ihre Zuflucht zur Gnadenmutter von Lankowitz. Und wirklich, die Zunge des Knaben fing an, nach und nach zusammenzwachsen, so daß er später ganz gut sprechen konnte.

Eine Frau in Radkersburg hatte Fußleiden. Da verlobte sie sich nach Lankowitz. Wunderbar wurde ihr geholfen. Sie ging nun nach Lankowitz und opferte dort einen silbernen Fuß.

Margareta Pämerin von Gratwein war ein ganzes Jahr an beiden Augen blind; das gleiche Schicksal kam über ihren Sohn. Da verlobten sie sich nach Lankowitz. Ihr Vertrauen wurde belohnt; beide erhielten das Augenlicht wieder und brachten deshalb der Gnadenmutter ihren schuldigsten Dank dar.


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell


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