Aus dem Immaculata-Archiv:


Die heilige Ottilia
erste Äbtissin von Hohenburg im Elsaß

 

Abstammung der heiligen Ottilia

Viele Eheleute, deren Verbindung kinderlos blieb, nahmen ihre Zuflucht von jeher zum Gebet - in Demut ihres Herzens. Gott erhört aber das Gebet der Demütigen.

Wie das inständige Flehen einer Hanna, eines Zacharias Gnade vor Gottes Thron fand, so ward auch das ununterbrochene Gebet Bereswindens, des heiligen Leodegarius, Bischofs von Autun, Mutterschwester, erhört.

Bereswinda war vermählt mit Adalrich (Attich oder Etticho), dem Herzog vom Elsaß. Ihre Ehe war kinderlos. Allein die gottselige Gemahlin erflehte vom Himmel ein Kind. Dieses Kind, die hl. Ottilia (im Elsaß stets Odilia genannt), war die Frucht ihres Gebetes und sie wurde der Ruhm des Elsaßes, die Zierde ihres Jahrhunderts und ein Edelstein der Kirche Jesu Christi.

Die Verwerfung der hl. Ottilia

Ihre Geburt, welche um das Jahr 662 nach Christus fällt, war der Anfang harter Prüfungen für Mutter und Kind. Der Vater - Herzog Adalrich - hatte sich nämlich mit der Hoffnung geschmeichelt, daß ihm ein Sohn würde geboren werden, auf den sich sein Name und sein Reichtum vererben würde. Bei der Nachricht, daß ihm eine Tochter, und zwar eine blinde Tochter, geboren wäre, geriet er in außerordentlichen Zorn. In einer ersten Wut gab er sogar den Befehl, das arme Kind zu töten; als er aber wieder zu sich gekommen war, erklärte er, sie sei nicht seine Tochter, sich einbildend, ein solches Kind müsse eine Familie, wie die seine, notwendigerweise, entehren; auch wollte er sich niemals als dessen Vater anerkennen.

Solche Härte von seiten eines Vaters war die Folge der Vorurteile und der Sitten der damaligen Zeit.

Aufenthalt der hl. Ottilia in dem Kloster Palma in Burgund; ihre Taufe

Die Menschen verwarfen die heilige Ottilia, Gott aber nahm sie an Kindesstatt an. Bereswinda, die Mutter der heiligen Ottilia, teilte die Vorurteile ihrer Umgebung nicht. Sie war vielmehr der Ansicht, daß ein Kind, welches blind war, nur desto größere Ansprüche auf ihre Zärtlichkeit habe und vertraute daher ihre Tochter der Obsorge einer Amme an, die ihr sehr zugetan war. Man kam überein, sie zu Scherweiler bei Schlettstadt zu erziehen. Allein, so sehr man ihre Geburt zu verbergen suchte, so durchschaute man doch dieses Geheimnis. Die Herzogin war in Angst, ihr Gemahl könnte in Erfahrung bringen, daß das Kind - der Gegenstand seines Hasses - in seiner Nähe wohne, und diese Nachricht eine zweite Ursache sein, seine Wut zu entflammen; deshalb ließ sie ihr liebes Kind in das Kloster Palma bringen, welches in Hochburgund, sechs Stunden von Besançon, liegt.

Die Äbtissin des Klosters, welche mit Bereswindens Familie verwandt war, pflegte nun ihre Base. Einige Zeit nachher führte die Vorsehung die heiligen Hidulphus und Erhardus, deren der erstere den erzbischöflichen Stuhl von Trier verlassen hatte, und der andere Bischof in der Gegend von Regensburg war, in dieses Gotteshaus. Der eine taufte Adalrichs Tochter und der andere war ihr Pate. Infolge ihres gemeinschaftlichen Gebets: "O Jesu, du wahres Licht, der du einen jeden in diese Welt Kommenden erleuchtest, schütte deinen Tau, deine Barmherzigkeit über deine Dienerin aus und verleihe ihr das Licht der Seele und des Leibes", und mit der Taufgnade erhielt das Kind auch das Augenlicht, daher ihr Name Ottilia, welcher so viel heißt als - Tochter des Lichtes.

Beim Abschied sprach der heilige Bischof zu Ottilia und den Anwesenden, welche durch die Frömmigkeit dieser Männer so sehr erbaut waren, folgende Worte: "O daß doch meine liebe Tochter und wir alle durch die Barmherzigkeit Gottes einander wieder sehen möchten in jenem Reiche, wohin Er uns alle berufen hat und wo Er unser wartet".

Das Leben der hl. Ottilia

Die junge Ottilia wußte die Größe der Wohltat, welche sie vom Himmel empfangen hatte, wohl zu schätzen. Sie mißbrauchte das Augenlicht, das ihr der Vater alles Lichtes geschenkt hatte, nicht - wie so viele - zur Augenlust, sondern beschloß ihre Dankbarkeit dadurch zu bezeugen, daß sie der Welt und ihrer Pracht entsagte, um dem Herrn - Gott, ihrem höchsten Wohltäter - ganz anzugehören. Sie blieb im Kloster Palma, wo sie der Herr mit Trost überhäufte. Mit schnellen Schritten wandelte sie jene Wege, von denen die hl. Schrift sagt: "Selig sind diejenigen, die meine Wege wandeln". - Ihre Wege waren die Wege der Reinheit, der Demut und Geduld, der Liebe und Sorge für ihre Mitmenschen, mit einem Worte: die Wege der Vollkommenheit. Sie leuchtete der ganzen Genossenschaft als ein lieblicher Stern der Tugend voran. Auf diese Weise bildete sie die Vorsehung Gottes zu ihrem Vorhaben. Die Wege Gottes sind oft rauh und wunderbar, aber sie führen zum Heile. -

Ottilia kommt in das väterliche Haus zurück

Gott beschenkte den Herzog Adalrich und seine Gemahlin Bereswinda mit noch mehreren Kindern, welche den Zorn des Herzogs über seine Erstgeborene stillten. Indessen blieb Ottilia beim Vater nicht weniger in Ungnade und obschon sie das Gesicht erhalten hatte, so durfte es doch niemand wagen, dieselbe in das väterliche Haus zurückzurufen.

Ottilia wußte sich hierüber zu trösten; sie hatte einen anderen Vater gefunden, von dem geschrieben steht: "Und sollte auch eine Mutter ihres Kindleins vergessen, so will ich doch deiner nicht vergessen", spricht unser Gott. An diesen himmlischen Vater wandte sie sich und schloß sich an ihn an mit unzertrennlichen Banden.

Graf Hugo, einer der Söhne Adalrichs, machte jedoch den Versuch, des Vaters hartes und barbarisches Herz zur Milde zu stimmen, allein er bekam eine abschlägige Antwort; dessenungeachtet ließ er sich nicht abschrecken. Mit der süßen Hoffnung sich tröstend, der Vater würde auf bessere Gesinnungen kommen, wenn er seine Tochter sehen würde, schrieb Hugo heimlich an Ottilia und deutete ihr an, sie sollte ihren Vater besuchen.

Ottilia gehorchte; denn welche Tochter sehnt sich nicht nach ihren geliebten Eltern? Schon nahte sie sich dem Schlosse Hohenburg, in welchem Adalrich seinen Wohnsitz hatte, als der Herzog die kleine Schar sah, welche den Berg heraufkam. Er fragte, was dies wohl sein könnte, und Hugo, dem es bekannt war, eröffnete nun, daß Ottilia käme, und daß er selbst seiner Schwester Rückkehr veranstaltet habe. Jeder andere als der grausame Adalrich würde sich beeifert haben, seine geliebte Tochter, das Kind des Wunders, in seine Arme zu schließen; allein Adalrich, voll Wut entbrannt, goß seinen Zorn über seinen verwegenen Sohn aus und schlug ihn so derb, daß er bewußtlos zu Boden sank. Dieses schreckliche Ereignis stellte nun dem Herzoge seine allzugroße Heftigkeit und seine Ungerechtigkeit in seinem ganzen Abscheu dar: er erkannte seinen Fehler, verabscheute sein Verbrechen, zu dem ihn seine Roheit verleitet hatte und nahm seine Tochter mit väterlicher Liebe auf.

Ottilia wurde durch ihre Liebenswürdigkeit und ihre herrlichen Eigenschaften die Zierde des väterlichen Hauses.

Ottilia entfernt sich aus der väterlichen Burg, um der Vermählung auszuweichen

Gerade diese Liebenswürdigkeit und die herrlichen Eigenschaften der heiligen Ottilia waren es, welche alle Herzen an sie fesselten. Ihr Reichtum, ihre Schönheit, der Adel ihrer Geburt, sowie insbesondere ihr Seelenadel übten auf die vornehmsten Edelleute eine solche Macht, daß viele derselben, unter ihnen ein Herzog, der heiligen Ottilia eine eheliche Verbindung antrugen. Allein ihr Entschluß, Gott allein zu dienen, war festgewurzelt in ihrer heiligen Seele. Sie hatte das Wort, welches der Heiland zum reichen Jüngling im Evangelium sprach, begriffen, jenes Wort: "Willst du vollkommen sein, so verlasse Alles und folge mir nach". Sie konnte die tiefe Wahrheit dieses Wortes erfassen und war in ihrem Innersten überzeugt, daß die Freude an Gott alle irdischen Freuden bei weitem übertreffe.

Ottilia suchte nach reichlich gemachtem Entschlusse, allen diesen Zumutungen durch die Flucht zu entgehen. Sie eilte am Rheinstrome aufwärts, ließ sich über denselben hinüberfahren und gelangte an jene Stelle, wo im Jahre 1120 Berthold III., Herzog von Zähringen, die schöne und liebliche Stadt Freiburg erbaute - 398 Jahre nach Ottiliens Tode. Ahnend, ihr Vater könnte sie auf der Flucht verfolgen, schlug sie den Weg nach Ebnet ein, welches den alten Freiherren von Sickingen gehörte und bog oberhalb der Kartaus in den Wald ein. Nachdem sie noch eine Viertelstunde bergaufwärts durchs Gestrüpp sich mühsam fortbewegt hatte bis zum Mußbach unterhalb des hohen Roßkopfes, glaubte sie einen Ort der Sicherheit gefunden zu haben. Allein auch ihr Vater verfolgte sie auf schnellem Rosse mit seiner Begleitung. Als Ottilia sich überall eingeschlossen sah, flehte sie voll innigstem Vertrauen zu Gott, und wie der Herr einstmals das israelitische Volk durch das geteilte Meer trockenen Fußes führte und errettete, ward Ottilia gerettet, indem sich, wie die Sage berichtet, ein großer Felsen spaltete und die Hartbedrängte an sicherm Orte verbarg. Hier fließt aus jenem Felsen eine Quelle, der Ottilienbrunnen genannt, dessen Wasser gegen Augenbeschwerden gebraucht wird. An dem Orte ihrer Rettung steht seit uralten Zeiten eine Kapelle, welche am Ende des elften Jahrhunderts verschönert wurde.

Ottilia kommt wieder nach Hohenburg zurück und stiftet eine Gemeinschaft adeliger Fräulein und baute Klöster und Kirchen

Der Herzog fand zu Hause ohne seine Tochter keine Freude mehr. Die Eigenschaften seiner vortrefflichen Tochter, ihre kindliche Liebe, ihr reiner unschuldiger Lebenswandel, ihre Gottergebenheit weckte in dem Vaterherzen, welches durch selbe gerührt war, eine große Sehnsucht nach der fernen Tochter. Er ließ daher allenthalben bekannt machen: "Seine liebe Tochter möge wieder nach Hause zurückkehren, all ihr Begehren, all ihre Wünsche sollten erfüllt werden".

Ottilia kehrte zurück und fand ihren Vater zu allem Guten bereit.

Er trat ihr zum Ersatz seiner begangenen Ungerechtigkeit das Schloß Hohenburg ab, in welchem Ottilia eine Genossenschaft frommer Jungfrauen gründete, welche sie durch ihr Beispiel und ihre Tugenden der Welt zu entsagen bewogen hatte. Dieses Stift, das erste Frauenkloster im Elsaß, war der seligsten Jungfrau geweiht. Adalrich überhäufte es mit Wohltaten. Nachdem er später seine Güter unter seinen Kindern verteilt hatte, setzte er Ottilia zur Erbin aller jener Besitzungen ein, deren lebenslänglichen Genuß er sich vorbehalten hatte und die noch sehr beträchtlich waren.

Er zog sich gegen sein Lebensende in das Kloster zurück, woselbst er am 20. Februar 690 verstarb.

Ottilia, die nun an der Spitze einer zahlreichen Genossenschaft stand, spornte dieselbe durch ihre Beispiele stets mehr zum Guten an. Man befolgte anfangs keine bestimmte oder geschriebene Regel, denn der Wandel der heiligen Äbtissin diente zum Muster der strengsten Nachahmung. Indessen wollte Ottilia ihre Stiftung ergänzen. Zu diesem Zwecke versammelte sie ihre Mitschwestern, um sich mit ihnen zu verstehen, welche Regel für sie die angemessenste wäre, die kanonische oder die klösterliche. Ihr Eifer sprach sich für die Strenge des Klosterlebens aus, weil sie sich einbildeten, das Strengste wäre auch das vollkommenste. Ottilia lobte zwar diesen Eifer, wollte aber indessen gegen ihre Töchter Schonung gebrauchen und so erwählte sie die kanonische Regel.

Unter Ottiliens weiser Leitung gedieh die fromme Genossenschaft, welche sich bald durch ihre Regelmäßigkeit und ihren Eifer auszeichnete.

Die Gründung der Stiftsdamen erhöhte noch den Glanz ihrer Tugenden und deren Zahl stieg bis auf hundertunddreißig. Die Heiligkeit strahlte aus dem ganzen Betragen der liebenswürdigen Stifterin hervor; ihre Andacht hatte etwas so anziehendes, so sanftes, daß sie aller Herzen gewann. Von jenem echten Geiste des Christentums durchdrungen, war Ottilia stets mehr mit anderen als mit sich selbst beschäftigt und in der Schule der göttlichen Liebe herangebildet, entwarf sie den Plan, ein großes Haus erbauen zu lassen, um in dasselbe Arme und Kranke aufzunehmen und zu verpflegen.

Es war einer Religion, welche der Himmel selbst der Erde mitgeteilt hat, vorbehalten, in den Herzen dieses lebhafte Mitgefühl für die Unglücklichen zu erzeugen. Das Christentum erleichtert den Geist und erwärmt das Herz durch seinen milden Einfluß, da es alle Menschen unter dem Kreuze des Heilands, diesem Quell aller Liebe, vereinigt, belehrt es dieselben, als Brüder, als Glieder einer Familie, deren Haupt Christus ist, zu betrachten. In seinem Auge gibt es weder Grieche noch Barbar, weder Römer noch Scythe; das Blut Christi hat alle Menschen geadelt und ihnen die nämlichen Rechte auf Gnade des Heils und das Erbteil des Himmelreichs erworben. Dieses Gefühl der sittlichen Vereinigung aller Sterblichen dieses gemeinschaftlichen Ursprungs und dieser Bestimmung ist es, welches in den ersten Zeiten des Christentums diesen Geist der Verbrüderung erzeugte, den selbst die Heiden nicht umhin konnten, zu bewundern.

Ottilia verwandte einen Teil ihres Vermögens zur Gründung eines Spitals, das dem heiligen Nikolaus geweiht und am Fuße des Berges gegen Mittag hin gelegen war. Sie hatte diese Stelle ausgewählt, um den Armen die Mühe, bis zum Kloster hinaufzusteigen, zu ersparen, und verfügte sich täglich in dasselbe, sie zu verpflegen. Ihre Gefährtinnen, welche diese Hingebung erbaute, wünschten auch an dem Guten, das Ottilia bewirkte, Anteil zu nehmen und schlugen ihr vor, neben dem Spital ein zweites Kloster zu erbauen, in welchem eine gewisse Zahl von ihnen wohnen würde, um der leidenden Menschheit desto leichter beispringen zu können. Ottilia willigte in die Bitte ihrer Schwestern ein und erfüllte, was ihr schon ihr Vater empfohlen hatte. Dieses neue Kloster, Niedermünster genannt, wurde ums Jahr 700 gegründet. Da die heilige Äbtissin zwei Genossenschaften bildete, behielt sie sich vor, beide Häuser bis an ihren Tod allein zu verwalten; um aber allen Streitigkeiten vorzubeugen, verteilte sie alle ihre Güter in zwei Teile unter dieselben mit Ausnahme des herzoglichen Hofes von Oberehnheim, der unzerteilt und beiden Klöstern gemein blieb, um dadurch ihre innige Verbindung und Gleichheit anzudeuten. Diese Teilung war der Gegenstand einer Art Testamentes, welches die Heilige um das Jahr 708 machte.

Durch ein so verdienstvolles Leben erwarb sich Ottilia außerordentliche Gnaden. Obschon ihre Gesundheit ihr oft lebhafte Schmerzen verursachte, so ließ sie doch nie eine Klage hören. Nie entschlüpfte ihren Lippen ein Wort, das man hätte tadeln können; nie machte eine Entschuldigung, ein geringer Wille ihre Tugend verdächtig. Das Lob des Herrn war ihre stete Beschäftigung, und während sie sich in Ausübung einer tätigen Liebe zu heiligen suchte, heiligte sie zugleich auch noch andere.

Ottilia sollte nun im Himmel die verdiente Belohnung ihrer Tugenden erhalten. Da ihre Leibesschwäche ihren baldigen Hintritt ankündigte, so ließ sie sich in die Johanneskapelle tragen.

Da versammelte sie ihre sämtlichen Schwestern um sich und ermahnte dieselben, alle Tugenden ihres Standes mit Eifer auszuüben. Unter den versammelten Schwestern befanden sich nicht nur die heilige Eugena und Gundelinda, sondern auch die heilige Attala, Äbtissin des Stiftes St. Stephan zu Straßburg, alle drei ihre Nichten und Schülerinnen. Ottilia schickte dann ihre geistlichen Töchter in die Kirche, um dort für ihre bald scheidende Seele zu beten. "Weinet nicht", sagte sie ihnen, als sie hingingen, "denn eure Tränen werden die Reihe meiner Lebensjahre nicht um einen Tag verlängern; freuet euch vielmehr, daß nun die Stunde herannahet, wo ich für meine Treue im Dienste Gottes einen überaus großen Lohn empfangen werde".

Kaum hatte sich die Genossenschaft entfernt, um die letzten Befehle ihrer Mutter zu vollziehen, fiel die Heilige in eine Ohnmacht, oder besser zu sagen, in eine Verzückung, welche ihr einen Vorgeschmack der überirdischen Freude verschaffte. Als sie wieder zu sich gekommen war, verlangte sie noch einmal, mit dem heiligen Fleisch und Blute des Herrn versehen zu werden. Ottilia genoß die Engelspeise, sagte ihren Töchtern ein letztes Lebewohl, faltete ihre Hände und entschlief sanft im Herrn den 13. Dezember, am Tage der hl. Lucia, in einem hohen Alter um das Jahr 720.

Die heilige Äbtissin wurde zu Hohenburg in der Johanneskapelle beigesetzt, die seitdem Ottilienkapelle heißt. Ihr Leichnam ist daselbst von den Feuersbrünsten, den Kriegen, den gottesschänderischen Freveln der Schweden des 17. Jahrhunderts verschont geblieben und der Revolutionsmänner der letzten Zeit glücklich entgangen.

Die Verehrung der hl. Ottilia steigt beinahe bis in die Zeit ihres Hinscheidens hinauf, denn ihr gleichzeitiger Lebensverfasser legt ihr den Namen einer Seligen bei und das alte Martyrologium des 8. Jahrhunderts setzt den Tag ihres Todes unter die Zahl der feierlichen Feste, die man damals im Bistum Straßburg beging. Die hohe Meinung, die man von ihrer Heiligkeit hatte, wurde bald bestätigt durch zahlreiche Wunder, deren zu allen Zeiten bei ihrer Grabstätte gewirkt wurden.

Das Frauenkloster auf der Höhe des Berges, der seit dem 15. Jahrhundert den Namen Odilienberg führt, bestand unter verschiedenen Wechselfällen bis 1547. Dann kamen Prämonstratenser (weiße Chorherren des heiligen Norbert), die 1661 ein Priorat errichteten und allmählich die Wallfahrt zu hoher Blüte brachten. Sie wurden 1789 durch die Revolution vertrieben. Erst 1853 kamen die Gebäude in das Eigentum des Bistums Straßburg, das seitdem die Wallfahrt durch zwei Weltpriester, die Bewirtschaftung durch Kreuzschwestern aus Straßburg besorgen läßt.

Weit verbreitet und volkstümlich ist die Verehrung der hl. Ottilia in Süd- und Mitteldeutschland bis nach Sachsen und Lübeck, in Oberbayern, Tirol und der Schweiz.

In unserer Erzdiözese sind ihr noch 12 Gotteshäuser, 9 Pfarrkirchen und 7 Kapellen geweiht, Wallfahrten zu ihr bestehen in Randegg im Hegau, dessen Kirche ihr seit 1214 als zweite Patronin neben der Mutter Gottes in ihrer Himmelfahrt gewidmet ist. Ebenso zu Oberhomberg im Amt Überlingen, wohin am 6. Januar 1811 die in eine Holzbüste eingeschlossene Kopfreliquie der Heiligen aus der Klosterkirche Rugacker übertragen worden war. Das Hauptfest fand am Dienstag nach Dreifaltigkeit unter großem Zulauf statt. Eine noch größere Wallfahrt blühte von 1473 bis zur Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts auf dem Ottilienberg 1 Stunde von Eppingen, von dessen zerfallener Kirche der schöne spätgotische Chor mit Turm noch heute steht.

St. Ottilia

Sah'st du der Ströme König, den Rhein, wie er sich zieht
Durch grüne Sonnenhügel, wo hell die Traube glüht?
Sah'st du die stolzen Städte im Spiegel seiner Flut,
Die Gärten, Wiesen, Dörfer, von Herden dicht umruht?
Dort wo vor grauen Jahren ein wilder Tannenforst,
Der Eule finstere Wohnung, der Adler freier Horst;
Wo brausend durch's Gesträuche der Gießbach reißend floß
Und über Felsenwände mit Donnerton sich goß.
Auf hoher Berges Spitze stand dort ein Schloß erhöht,
Von Rab' und Weih' umflattert, vom Sturmwind stets umweht,
Das schwärzliche Gemäuer von Epheu rings umrangt,
Aus dessen grünen Schleier ein einsam Bäumlein schwankt.
Wie seine Feste, düster, wohnt' hier ein Rittersmann,
Der war in seinem Glauben den Götzen zugetan,
Da weit schon in dem Lande der Christen Lobgesang,
Und mancher Kirche Glöcklein zum blauen Himmel drang.
Wohl öfters fiel er raubend ins flache Tal hinein;
Man nannte ihn drum immer den Raubgraf an dem Rhein.
Da haust' er wild und schrecklich und wilder noch sein Troß,
Und führte Gut und Menschen als Beute in sein Schloß.
Und dann nach kühnem Jagen im alten Vatersaal,
Kreist durch der Gäste Reihen der eherne Pokal,
Nicht schallte hier die Zither zum fröhlichen Gesang,
Nein, Lärm und Schlachtgesänge, und voller Becher Klang,
Er hatte eine Tochter, in nichts sein Ebenbild;
Sie, wie ein Täublein milde, er, wie ein Eber wild;
Sie, wie die Sonne lieblich, er, wie der Mond so bleich;
Sie einem schönen Maitag, er, einer Sturmnacht gleich.
In ihrer stillen Kammer, von keinem Aug bewacht,
Saß sie oft betend, weinend, bis in die tiefe Nacht;
Sie war dem Christusglauben im stillen zugetan,
Und ihre schöne Seele zog stets sie himmelan.
Doch wenden nicht Gebete des Vaters grausen Sinn,
Das Rauben war sein Leben, zum Zechen zog's ihn hin;
Und traf er seine Tochter in ihrer Kammer dort,
So sprach er ob des Weinens mit ihr manch' hartes Wort.
Drum suchte sie, der Feste des Vaters zu entflieh'n
Und nach des Schwarzwald's Höhen in's Kloster hinzuzieh'n.
Sie hat es lang ertragen, die Schmerzen und die Qual;
Das Maß war überschritten, endlos der Tränen Zahl.
Still war die Nacht, nur leise rauscht fort des Waldes Bach,
Von sanftem Wind durchbetet, neigt sich der Eiche Dach;
Der Sterne milde Fackeln erglüh'n am Horizont:
Gleich einem treuen Wächter durchwandelt sie der Mond,
Und weiße Wölklein schwimmen im Blau, wie Wasserschaum.
Da flieht Ottilia einsam herab am Forstessaum.
Der Himmel ihr Begleiter, der Himmel nur ihr Ziel,
Sucht sie in fremden Mauern ein friedliches Asyl.
Bald glänzt die Morgenröte am matten Himmelsblau
Und spiegelt tausendfarbig sich in der Wiese Tau.
Des Schwarzwalds hohe Tannen erglüh'n im Morgenschein,
Da tritt Ottiliens Vater in's stille Kämmerlein - - -
Doch sie war nicht zu finden, da faßt ihn grimm'ger Zorn,
Er rennt nach Schwert und Panzer, stößt in sein Jägerhorn;
Auf, auf, zu Pferd, mein Täubchen entfloh mir diese Nacht;
Auf, meine jungen Aare, mir nach zur schnellen Jagd;
Der Hufschlag tönt, die Peitsche knallt lauter noch darein,
Der Staub fliegt auf, mit Hurrah geht's über Stock und Stein.
Der Graf war stets der Erste und pfeilschnell hinterher
Kam wie der Wind gesauset der Ritter wildes Heer.
Wie folgen sie mit Jauchzen, Halloh und Hörnerklang
Den aufgeschwoll'nen Rasen hinab am Bergeshang!
Wie unter ihren Hufen des Weges Länge schwand,
Wie flogen da zur Rechten, zur Linken Dorf und Land!
Wo brausend jetzt die Dreisam in ihrem Bette schäumt,
Von grünen Wiesen, Triften und Gärten eingesäumt;
Manch' Häuschen schaute friedlich in ihrer Wellen Tanz
Und malet seine Wände im hellen Wasserglanz.
Daneben stehen Bäume, gereift am Sonnenstrahl,
Und munt're Bächlein plätschern hinab ins schmucke Tal,
Von dichten Weidenbäumen und Pappeln eingehüllt,
Dort sahen die Verfolger ihr lang gehetztes Wild.
Ottilia eilt mit Beben, wie ein gehetztes Reh,
Durch Fluren und durch Wälder, durch Tal und über Höh',
Und hinterher der Vater auf schaumbedecktem Roß,
Gefolgt von wildem Lärmen, von seinem Ritter-Troß.
Doch plötzlich hemmen Felsen von rechts und links die Flucht,
Und vor ihr gähnt entgegen eine tiefe Bergesschlucht.
Kein Sprung führt sie hinüber, kein sich'rer Wegessteg,
Und hinter ihr verschließet der Vater ihr den Weg.
Da sinkt sie auf die Knie und betet bang und laut:
"O rette, Gott, o rette, die stets auf Dich gebaut!
Hier himmelhohe Felsen und dort der Feinde Schar;
O öffne Deine Erde und biete Zuflucht dar!"
Und kaum hat sie geendet ihr letztes Hilfewort,
Da spaltet sich ein Felsen und bietet sichern Hort.
Ottilia, gottvertrauend, sie eilet schnell hinein,
Die Felsen schließen gnädig die Hartbedrängte ein.
Der Vater sieht das Wunder und starret sprachlos hin;
Da faßt's ihn an ganz eisig und Nacht wird's rings um ihn;
Er sinkt zur Erde nieder, er sinket starr und kalt:
Die Ritter flieh'n erschrocken zurück zum dichten Wald.
Ottilia stand gerettet auf hohem Felsgestein,
Vom Abendrot umgeben, wie einem Heiligenschein.
Und Gott, der in Gefahren jetzt Hilfe ihr gebeut,
Ihm war fortan ihr Leben zu seinem Dienst geweiht.
Ein Kirchlein steht noch heute im dunklen Waldesschoß,
Wo rettend einst der Felsen Ottilia umschloß.
Ein Wunderborn durchrieselt die tiefe Felsenkluft,
Und wenn das helle Glöcklein am frühen Morgen ruft,
So tönt des Nachhalls Stimme aus jedem Busch hervor
Als klängen viele Glocken zum feierlichen Chor:
Die Vöglein auf den Zweigen vereinen ihren Ton
Und schmettern Jubellieder hinauf zum Himmelsthron.

 

St. Ottilien bei Freiburg

Wie aus vorstehender Legende der hl. Ottilia hervorgeht, ist die Heilige zur Zeit ihrer Flucht aus dem väterlichen Hause in die Gegend von Freiburg gekommen. Zu jener Zeit, ca. 345 Jahre vor Erbauung Freiburgs, berichtet die Sage, daß die hl. Ottilia an der Stelle, an welcher sie in der Felsenkluft Schutz vor ihren Verfolgern fand, selbst eine Kapelle erbaute. Durch fromme Leute soll die Kapelle unterstützt und erhalten worden sein. Es hat sich auch im Laufe der Zeit durch Gaben und Opfer wohltätiger Menschen ein Fond zur Unterhaltung der Kirche und des seitwärts stehenden sogen. Bruderhauses gebildet. Über dem Eingange der Sakristeitüre steht die Jahreszahl 1503. Daraus kann man schließen, daß der jetzige Bau des Kirchleins in jener Zeit entstanden ist. Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts versahen ehelose, fromme Männer (Eremiten) im klösterlichen Gewande die Stelle des Kirchendieners oder Küsters und wohnten in einem seitwärts stehenden Gebäude.

Im Jahre 1713, zur Zeit der Belagerung Freiburgs, hat auch die Ottilienkirche von den feindlichen Heerscharen viel zu leiden gehabt, so daß die Gebäulichkeiten, insbesondere die Quelle, neu aufgeführt werden mußten. Die Ottilienkapelle war fortwährend ein Gegenstand frommer Aufmerksamkeit, und Bedrängte und Unglückliche besuchten das waldumgrenzte Kirchlein mit seiner Felsengrotte und klaren Quelle.

Die stille Waldeinsamkeit, die ringsumher herrscht, verbreitet einen milden Zauber und gibt dem Gemüte eine höhere Stimmung: die Natur selbst ladet den Wanderer ein zum frommen Gebete. Zu jeder Jahres- und Tageszeit trifft man hier Andächtige in stiller Wehmut vor den Stufen des Altars, um Gott die geheimen Anliegen und Wünsche ihres Innern zu offenbaren und durch ihr Gebet getröstet und erleichtert, den Wallfahrtsort zu verlassen.

Besonders zahlreich aber wird St. Ottilien besucht am Montag in der Bitt- und Kreuzwoche, wo die Gemeinde Ebnet und am Pfingsmontage, wo die Pfarrgemeinde Wiehre ihre Bittgänge dahin halten. Ebenso an den Festtagen der hl. Ottilia, 13. Dezember und des hl. Wendelin, 20. Oktober, zu welchen Zeiten feierliche Hochämter unter vorzugsweiser Teilnahme der ländlichen Bevölkerung abgehalten werden.

Der Hochaltar in der Kapelle ist der hl. Ottilia, jener der Evangelienseite der Himmelfahrt Mariä und derjenige auf der Epistelseite dem hl. Wendelin, dem Patron und Beschützer der Viehherden, geweiht.

Gebete zur hl. Ottilia

O hl. Ottilia, wie gern möchte ich deinem heiligen Beispiele folgen, dir in der Liebe zu den Eltern und zu allen Menschen nachkommen und Alles aus Liebe zu Jesus Christus ertragen! Aber meine Schwäche und mein Leichtsinn hindert zu oft meinen guten Willen; ja, ich muß gestehen, daß ich Vater und Mutter und manchen meiner Nebenmenschen statt Gutes zu erweisen, Unrecht getan und sie beleidigt habe. Darum, hl. Ottlia, erflehe mir von Gott die Gnade, daß ich nicht nur künftig weder meinen Eltern, noch meinem Nächsten etwas Böses zufüge, sondern ihnen vielmehr Gutes erweise; durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen.

Jesus Christus, du Sohn des lebendigen Gottes, Du wahrhaftes ewiges Licht, erbarme dich meiner, der du dich über deine Dienerin Ottilia erbarmt hast, die Blindheit von ihr genommen und sie völlig sehend gemacht hast, erleuchte mich auf ihre Fürbitte und heile doch meine Augen der Seele und des Leibes, erhalte mir solche stets gesund, damit ich allezeit mit reinen Augen dich ansehe, erkenne und ewig lobe. Amen.

Litanei zu Ehren der hl. Ottilia

Herr, erbarme dich unser!
Christus, erbarme dich unser!
Herr, erbarme dich unser!
Christus, höre uns!
Christus, erhöre uns!
Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser!
Gott heiliger Geist, erbarme dich unser!
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser!
Heilige Maria, du Königin der Jungfrauen, bitte für uns!
Heilige Ottilia, du Blindgeborene und in der heiligen Taufe Erleuchtete, bitte für uns!
Du Kind des wahren Lichtes, ...
Heilige Ottilia, du hochedles herzogliches Kind, ...
Du Schwester großer heiliger Fürsten, ...
Du Schutz und Schirm unseres Vaterlandes, ...
Du lebendige Schule und Lehre der Jungfrauen, ...
Du Form und Richtschnur der Geistlichen, ...
Du Stifterin von Klöstern und Gotteshäusern, ...
Du richtige Lebensregel für das Weltliche, ...
Du Spiegel aller Tugenden, ...
Heilige Ottilia, du lebendiger Brunnen der andächtigen Zähren, ...
Du Brunnen des lebendigen Wassers, ...
Du heilsamer Brunnen der Wunderwerke Gottes, ...
Du Brunnen des Trostes, ...
Du vollkommene Verachterin der Welt, ...
Du vorgestellter Leuchter der Klarheit, ...
Du hellbrennende Lampe in der Kirche Gottes, ...
Du wahre Liebhaberin der Reinheit, ...
Du würdige Vorsteherin der Jungfrauen, ...
Du wundertätige Jungfrau, ...
Du mitleidige Mutter der Armen, ...
Du Erleuchterin der blinden Augen, ...
Du kräftiger Trost der Betrübten, ...
Heilige Ottilia, du sichere Hilfe der Kranken, ...
Heilige Ottilia, du wahres Heil der Seelen im Fegfeuer, ...
Heilige Ottilia, du mächtige Fürsprecherin und Beschützerin, ...
Heilige Ottilia, du starke Zuversicht derer, die dich ehren, ...
Jesus Christus, du Bräutigam der heiligen Ottilia, erbarme dich unser!
Durch ihre tiefe Demut, erbarme dich unser!
Durch ihre große Geduld in der Trübsal, ...
Durch ihre Bußfertigkeit, ...
Durch ihr strenges Fasten, Beten und Wachen, ...
Durch ihre heißen Zähren, ...
Durch ihr Mitleid mit den Kranken, ...
Durch ihre Tröstung der Betrübten, ...
Durch ihre Freigebigkeit gegen die Armen, ...
Durch die Liebe, womit du sie von Ewigkeit her zur Gnadenwahl bestimmt hast, ...
Durch die Liebe, womit du sie als Flüchtling im Felsen beschützt hast, ...
Durch die Liebe, womit du ihre Reinheit wunderbar erhalten hast, ...
Durch die Liebe, womit du sie durch Wunderzeichen groß gemacht hast, ...
Durch die Liebe, womit du ihr viele übernatürliche Gnaden erteilt hast, ...
Durch die Liebe, womit sie auch dich geliebt hat, ...
Durch die Liebe, womit du dich selbst ihr durch den Engel als Wegzehrung gegeben hast, ...
Durch die Liebe, womit du sie mit einem seligen Ende erfreut hast, ...
Durch die Liebe, womit du sie und alle Heiligen im Himmel liebest und erfreuest, ...
Jesus Christus, Sohn Gottes, ...
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, verschone uns, o Herr!
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr!
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme dich unser, o Herr!
Herr, erbarme dich unser! Christus erbarme dich unser! Herr, erbarme dich unser! Vater unser usw.
Bitte für uns, o heilige Ottilia!
Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi!

Gebet

O Gott, du wahres Licht, der du die selige Jungfrau Ottilia von ihrer angeborenen Blindheit wunderbarer Weise geheilt hast, verleihe, daß wir nach ihrem Beispiele und durch ihre Fürbitte unsere Augen von dem eitlen Wahn der Welt abwenden und dich, den alleinigen Gott, in der Herrlichkeit des Himmels von Angesicht zu Angesicht zu schauen gewürdigt werden, durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen.

Gebet um die Fürbitte der hl. Ottilia

Allmächtiger, barmherziger Gott! Wir waren durch unsere Geburt Kinder des Zornes und wandelten in den Finsternissen der Unwissenheit und Sünde. Durch deine Gnade sind wir Kinder des Lichtes und Erben deines ewigen Reiches geworden. O Gott im Himmel! Eröffne durch die Fürbitte der heiligen Ottilia, deiner demütigen Magd und unserer geliebten Schutzpatronin, die Augen aller jener, die noch in dem Schatten des Todes liegen und in der Nacht des Irrtums schmachten; laß in ihrem Verstande und in ihrer Seele die Strahlen der Erkenntnis leuchten, wie du in deiner grenzenlosen Güte deiner heiligen Dienerin Ottilia das Augenlicht erteilt hast. Führe durch das Wunder deiner Erbarmung die Verirrten alle in das väterliche Haus, in die Arme der Kiche zurück, gib uns allen den festen Willen und die unverdiente Gnade, unter den über uns wachenden und flehenden Augen der Beschützerin unseres Vaterlandes den Schoß unserer gemeinsamen Mutter durch Früchte des Lichtes zu erfreuen, uns gegenseitig zu erbauen und zu ermuntern durch Werke der Demut, Keuschheit, Geduld und Liebe, durch die Einigkeit des Geistes und die Bande des Friedens, auf daß wir am Ende eines abgetöteten und gottgefälligen Lebens durch die Fürsprache der heiligen Ottilia zum Mitgenusse der ewigen Glückseligkeit gelangen mögen, durch die unendlichen Verdienste unseres Herrn und Heilands Jesus Christus. Amen.


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell