Aus dem Immaculata-Archiv:


Die
Wallfahrt nach Trier
zum
heiligen Rock des Herrn.

Ein Büchlein zur Belehrung und Erbauung

für die frommen Pilger

von
A. Stöck, Rektor.

Mit mehreren Abbildungen und einem Plan von Trier.

 

Mit Genehmigung der bischöflichen Behörden von Münster und Trier.
Imprimatur. Treveris, die 30. Junii 1891. C. Henke, Vic. in spirit. gen.
Imprimatur. Monasterii, die 19. Junii 1891. Dr. Giese, Vicarius Generalis.


Vorwort.

Vorliegendes Büchlein will den frommen Pilgern zum heiligen Rock in Trier Belehrung und Erbauung bieten, auf daß die Wallfahrt, mit frommem Sinne unternommen, eine recht gnadenreiche für sie werde. -- Die Gebete können auch zur Vorbereitung auf die Wallfahrt schon zu Hause öfters verrichtet werden, um besonders eine heilige Ehrfurcht und ein großes Vertrauen in den Herzen zu erwecken.

Möge das Büchlein ein Weniges dazu beitragen, daß die Wirkungen der Wallfahrt, ähnlich wie bei den früheren Ausstellungen, so auch bei der diesjährigen recht segensreiche und nachhaltige werden.

Trier, am Feste des hl. Antonius v. Padua, 1891.

Der Verfasser.


Vom grünen Moselstrome,
Vom alten, heil'gen Trier,
Von seinem hohen Dome
Bricht eine Kund' herfür.

Die sprüht, wie Blitzesfunken,
Weit in die Welt hinaus,
Der jubelt freudetrunken
Ein jedes Christenhaus.

Und wo noch Herzen schlagen
In Lieb' zum Gottessohn,
Und wo noch Lippen sagen:
"Preis Dir, o Menschensohn!" --

Da gibt's ein Wiederhallen
Und brennende Begier,
Auch gläubig hinzuwallen
Zum heil'gen Rock nach Trier! --

Ja, kommt und schaut die Hülle,
Die unser Heiland trug,
O denkt der Liebesfülle,
An's Herz, das d'runter schlug.

O seht das Kleid, d'rin betend
Gekniet Er manche Nacht,
Da Er zum Vater redend,
Für unser Heil gewacht.

Das Kleid, darin gegangen
Er manchen harten Pfad,
Die Sünder zu umfangen
Mit Liebe, Huld und Gnad';

Das Kleid, das Ihn umgeben,
Als Er die Kranken heilt',
Als jedes Schmerzes Beben
Er tröstend hat getheilt;

Als, "liebend bis zum Ende",
Er Nachts vor seinem Tod
Durch Segen seiner Hände
Verwandelt' Wein und Brod;

Das Kleid, das schneeig leuchtet'
Auf Tabor's lichten Höh'n,
Das blutig ward befeuchtet
Bei heißem Oelbergsfleh'n,

Und als man wund geschlagen
Den großen Schmerzensmann,
Als Er das Kreuz getragen
Den steilen Berg hinan; --

Das Kleid, das Er gegeben,
Als Er zum Sterben ging
Für unser Heil und Leben,
Da nackt am Kreuz Er hing!

Laß tausendmal dich grüßen,
Du theures, heil'ges Kleid,
Uns sinken dir zu Füßen
Voll Dank und Reueleid!

O Herr! -- und wenn wir finden
Dein heil'ges Kleid, -- zur Stund'
Tilg' alle alten Sünden
Aus uns'rer Seele Grund!

Hilf uns, daß wir anlegen
Der Tugend neues Kleid,
Dazu gib uns den Segen,
Der heimwärts uns begleit',

Daß wir fortan Dir leben,
In Freud' und Leid und Noth,
Dir Lieb' um Liebe geben,
Getreu bis in den Tod! --

Wenn so in frommen Schauern,
In Andacht ganz versenkt,
Hin zu des Domes Mauern,
Ihr eure Schritte lenkt:

Dann strömt ihr Millionen
Herbei zum heil'gen Trier,
Kommt her aus allen Zonen: --
Das Heil ihr findet hier.

Trier. A.M.

 

I. Veranlassung und Zweck der Wallfahrt.

Am 7. Juni ds. Js. wurde das alte Trier und die ganze Trierische Diözese, ja die gesammte christliche Welt in freudige Erregung versetzt. Was seit Jahren ersehnt und erhofft, und während der letzten Monate als nahe bevorstehend mehr oder weniger bestimmt in Aussicht gestellt wurde, ist an diesem Tage zur freudigen Gewißheit geworden. Auf allen Kanzeln der Diözese ward es verkündigt, und Zeitungen und Telegraphen trugen alsbald die Kunde weithin bis an die Grenzen der Erde: Der heilige Rock unsers Herrn soll in diesem Jahre wiederum ausgestellt werden.

In einem herrlichen, von innigster Liebe zu unserm Heilande und von heiligem Eifer für dessen Ehre durchglühten Hirtenschreiben hat Bischof Michael Felix von Trier seinen Diözesanen die freudige Kunde gebracht. "Die Erinnerung an die herrliche Kundgebung des katholischen Glaubens bei der letzten Ausstellung des heiligen Kleides im Jahre 1844", so schreibt er, "hatte gleich bei meiner Berufung auf den Stuhl des heiligen Eucharius in mir das Verlangen geweckt, einst mit euch, geliebte Diözesanen, die heilige Reliquie schauen zu dürfen, welche die Trier'sche Kirche nach altehrwürdiger Überlieferung als das heilige ungenähte Gewand unsers Heilandes verehrt. Allein die Zeitverhältnisse schienen noch nicht dazu geeignet, ein Freudenfest zu veranstalten. Nachdem aber durch Gottes gnädige Fügung bessere, ruhigere Tage eingetreten sind, will ich nicht länger den Wünschen des gäubigen Volkes widerstehen; der mir anvertrauten Heerde glaube ich nicht länger die Segnungen einer solchen Feier vorenthalten zu dürfen. Es ist mir ein Trost, euch jetzt zu dieser Feier einladen zu können. Möge sie, wie die früheren Ausstellungen, unsern Glauben kräftigen, unsere Liebe zu Christus und seiner Kirche vermehren und das christliche Leben entfalten."

Ja, das und nichts anderes soll, wie der Bischof in beredten Worten im weiteren Verlaufe des Hirtenschreibens ausführt, der Zweck und die Frucht der Ausstellung des heiligen Rockes und der Wallfahrt nach Trier sein: Belebung des Glaubens und der Liebe zum göttlichen Heilande und Befestigung in einem christlichen Lebenswandel. Wie sehr bedarf es all' dessen gerade in unserer Zeit! -- Der Glaube hat abgenommen; in immer weitere Kreise, nach oben und nach unten, dringt der Unglaube, und es nimmt der Abfall von Christus, dem Sohne Gottes und Heiland der Welt, in erschreckender Weise zu. Man leugnet seine Gottheit, ja man leugnet seine Existenz. Wie sehr thut es daher noth, daß der Glaube im christlichen Volke belebt und befestigt werde all' den drohenden Gefahren gegenüber, die unsere Zeit bietet! Das soll die Ausstellung dieses heiligen Kleides bewirken. Tausende, ja Millionen werden herbeiströmen, das heilige Gewand zu schauen und zu verehren und denjenigen anzubeten, der in unendlicher Erniedrigung seiner selbst in demselben gewandelt; und sie alle werden feierlichen Protest erheben gegen die Stimmen des Unglaubens und im gemeinsamen, öffentlichen Bekenntnisse ihres Glaubens an Christus in diesem Glauben befestigt werden und erstarken.

Und mit dem abnehmenden Glauben ist die Liebe erkaltet. Genußsucht und Habgier bemächtigt sich der Herzen mehr und mehr und ein wahnsinniges Jagen nach Genuß und Besitz gibt dem Leben der meisten Menschen ein ganz irdisches Gepräge. Dadurch schwindet wie der Glaube, so auch die Liebe zu Christus, unserm Heiland und Erlöser, dem alle Herzen gehören und den alle lieben sollen über alles. Die Ausstellung seines heiligen Kleides soll dieses heilige Feuer der Liebe in den Herzen entzünden. "Dieses heilige Kleid spricht uns von dem Erlöser, es verkündet laut seine unendliche Liebe. In diesem Kleide ist er unter den Menschen gewandelt, und indem er die verlorenen Schäflein in der Erdenwüste suchte, hat er es mit seinem Schweiße, seinem Blute benetzt. Dies heilige Kleid umhüllte den Leib, der für uns blutig gegeißelt wurde, bedeckte die Schulter, die das schwere Kreuz getragen, unter diesem Kleide schlug sein göttliches Herz, dieses Kleides wurde er beraubt, als man ihn für uns ans Kreuz geschlagen. Welche mächtige, eindringliche Predigt hält uns also diese heilige Reliquie, wie verkündigt sie uns laut das zärtliche Erbarmen, die Güte, die alles übersteigende Liebe unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. Darum soll dies Fest ein Fest wie des Glaubens, so auch der dankbaren Gegenliebe sein, ein gewaltiges Sursum corda, himmelwärts die Herzen! zu Christus, dem eingeborenen Sohne Gottes, dem Erlöser der Welt." (Bischöfl. Hirtenschreiben.) -- Ja, das will, und das wird -- so hoffen wir zu Gott -- die bevorstehende Ausstellung des heiligen Rockes bewirken: die Herzen der Christen hinziehen zu Christus, die Liebe zu ihm in den Seelen entzünden; und wenn der Glaube belebt, die Liebe entzündet ist, dann wird das ganze Leben sich wieder christlicher gestalten in Frömmigkeit und treuer Pflichterfüllung, in wahrhaft brüderlicher Liebe und Barmherzigkeit, in geduldigem Ertragen von Armut und Leiden, die nun einmal aus dem menschlichen Leben nicht zu bannen sind.

"Die letzte Ausstellung des heiligen Rockes im Jahre 1844 war für Trier, für die Diözese, ja für ganz Deutschland und die angrenzenden Länder eine segensreiche Zeit, in welcher das katholische Leben einen neuen, mächtigen Aufschwung nahm, in welcher man hätte meinen können, die Zeiten seien zurückgekehrt, in welchen das gläubige Volk sich um den Heiland drängte, um den Saum seines Kleides zu berühren. Und der Herr segnete damals diesen frommen Sinn durch viele wunderbare Vorfälle und noch viel größere geistige Wohlthaten." (Bischöfl. Hirtenschreiben) -- Das erwarten wir mit Zuversicht auch jetzt bei der bevorstehenden Ausstellung des heiligen Rockes im Jahre 1891, und wir erhoffen es von der Gnade Gottes in erhöhtem Maße, weil zu erwarten steht, daß die Wallfahrt zum heiligen Rocke bei den erleichterten Verkehrsmitteln einen viel größeren Umfang wie damals annehmen, und die heilsamen Wirkungen derselben in viel weitere Kreise sich fortpflanzen werden! Darum auf! ihr lieben Christen aus der Nähe und aus der Ferne, eilt in heiligem Eifer hin zu dem alten, heiligen Trier, das das heilige Kleid eures Heilandes seit Jahrhunderten für euch treu bewahrt und in diesem Jahre feirlich euch zeigen wird. Auf nach Trier!

II. Das alte, heilige Trier.

Trier, als Stadt, zählt unstreitig unter die ältesten Städte Europa's, und Trier als Bistum ist zweifellos die älteste Kirche diesseits der Alpen. Schon Julius Cäsar fand die civitas Treverorum als eine mächtige und angesehene vor; seit Kaiser Augustus war sie eine wichtige Militärstation zum Schutze des römischen Reiches gegen die überrheinischen Völker, und nachdem unter Diocletian das Reich zwei Kaiser erhalten, wurde Trier (i. J. 287) kaiserliche Residenz für das Abendland, wurde ausgestattet mit all' jener Pracht und Herrlichkeit, die die Würde eines römischen Imperators erforderte. Ganz nach dem Muster von Rom erhielt es seinen Senat, Paläste, Thermen, Basiliken, Tempel, Circus, Amphitheater, so daß es mit Recht "das zweite Rom" genannt wurde. So heißt Trier gewiß mit Grund das alte Trier, aber auch mit ebenso viel Grund das heilige Trier.

Die wohlverbürgte Überlieferung erzählt, daß schon der heilige Petrus Glaubensboten nach Trier entsendet, und zwar die heiligen Eucharius, Valerius und Maternus, welche die ersten Bischöfe der Trier'schen Kirche wurden, und daß durch deren Predigt schon im ersten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung der Glaube im Trier'schen Lande feste Wurzel gefaßt und weite Verbreitung gefunden. So war Trier durch das Licht des Evangeliums bereits erleuchtet und ein großer Teil seiner Einwohner durch die Gnade des Erlöses schon geheiligt, als Deutschland und Gallien im Großen und Ganzen noch in der Finsterniß des Heidentums lagen. Und wie Trier durch Gottes gnädige Fügung frühzeitig zum wahren Glauben gelangt war, so hat es auch die Probe seiner Glaubenstreue in blutiger Verfolgung glänzend bestanden und sich als Stütze des Glaubens in schwerer Zeit bewährt. Unter dem Kaiser Maximianus brach im Jahre 286 eine heftige Verfolgung der Christen in Trier aus, in welcher zahllose Einwohner der Stadt, hoch und niedrig, um des Glaubens willen freudig den Martertod erduldeten und mit ihrem Blute Zeugniß ablegten für Christus, den Sohn Gottes und Heiland der Welt. Der Boden Triers ist mit Martyrerblut getränkt und geweiht, und bis jetzt hält die Stadt und Diözese das Andenken der "unzähligen Trier'schen Martyrer" in hohen Ehren.

Als die Irrlehre des Arius, der die Gottheit Christi leugnete, die christliche Kirche verwüstete und Unzählige zum Abfall brachte, da waren es die Trier'schen heiligen Bischöfe Maximinus und Paulinus, welche sich der Irrlehre standhaft widersetzten und den durch die Ränke der Arianer vertriebenen großen heiligen Athanasius in Trier liebevoll aufnahmen und so eine mächtige Schutzwehr wurden für den wahren Glauben gegen den Andrang der Irrlehre.

Große Heilige verherrlichten Trier durch ihre zeitweilige Anwesenheit und segensreiche Thätigkeit: so der heilige Athanasius, Bischof von Alexandrien, der heilige Paulus, Bischof von Konstantinopel, der heilige Hieronymus, der heilige Ambrosius, welcher in Trier geboren ist, der heilige Martinus, der heilige Willibrordus, der heilige Bonifacius, der Apostel Deutschlands, und der heilige Bernardus. Zwei Päpste ehrten Trier durch längeren Aufenthalt daselbst: Papst Leo IX. im Jahre 1049 und Papst Eugen III. im Jahre 1147.

Bedeutende und heilige Bischöfe regierten zu verschiedenen Zeiten die Trier'sche Kirche, unter denen besonders Agritius, Maximinus, Paulinus, Nicetius als Heilige verehrt werden, und andere, wie Balduin, Richard von Greifenklau hochberühmt sind. -- Gleichzeitig mit Rom und Mailand ist in Trier das klösterliche Leben frühzeitig in Aufnahme gekommen und hat sich durch die Jahrhunderte hindurch lebenskräftig erhalten und segensreich gewirkt. Zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts zählte das Erzstift Trier 16 Benediktiner-Abteien, 5 Augustiner- und Karthäuser-Priorate, 3 Dominikaner-, 17 Franziskanerklöster, 12 Kapuziner-Konvente, 7 Karmeliter- und 3 Minoritenklöster und 48 Frauenklöster der verschiedensten Orden.

Das ist das alte, heilige Trier, geheiligt durch die frühzeitige Annahme des Christentums, durch das heldenmütige Bekenntnis des Glaubens seitens zahlloser Martyrer, durch den Aufenthalt großer Heiligen, durch das Leben und Wirken vieler heiligen Bischöfe, durch die Frömmigkeit und den Bußeifer zahlloser Ordensleute, geheiligt auch insbesondere durch den Besitz vieler und großer Heiligtümer und Reliquien, vor allem des unvergleichlichen Heiligtums, zu dessen Beschauung und Verehrung die bevorstehende Ausstellung des heiligen Rockes die Christenheit einladet. Darum noch einmal: auf nach Trier, dem alten, heiligen Trier zur Verehrung des heiligen Kleides unsers Herrn!

III. Die heilige Helena, Patronin der Stadt und der Wallfahrt nach Trier.

Das hohe Glück, das heilige Kleid unsers Herrn zu besitzen, verdankt die Stadt Trier der heiligen Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin des Großen.

Dieselbe wurde geboren um die Mitte des dritten Jahrhunderts, entweder in Trier oder in Britannien, oder zu Drepanum in Bithynien. Nach dem heiligen Ambrosius soll sie eine Gastwirtin gewesen sein und den Konstantius Chlorus, als er noch Offizier war, durch ihre Schönheit und Liebenswürdigkeit so sehr eingenommen haben, daß er sie zu seiner Gemahlin erhob. Als solche wurde sie im Jahre 274 die Mutter Konstantins. Ebenso wie ihr Gemahl gehörte sie damals noch dem Heidentum an. Als im Jahre 292 Konstantius Chlorus durch den Kaiser zum Cäsar von Gallien, Spanien und Britannien ernannt wurde, hatte diese Erhöhung ihres Gemahls für Helena gar schmerzliche Folgen; denn der Kaiser verlangte, daß Konstantius seine Gemahlin verstoße und Theodora, die Stieftochter des Kaisers, heirathe. Helena zog sich in die Verborgenheit zurück, bis nach dem Tode des Konstantius Chlorus ihr Sohn Konstantin von dem Heere zum Kaiser ausgerufen wurde. Jetzt begann auch Helenas Glücksstern wieder zu steigen. Da der Kaiser mit inniger Liebe an seiner Mutter hing, so zog er sie aus dem Dunkel wieder hervor und berief sie an seinen Hof nach Trier, welche Stadt er zu seiner Hauptresidenz sich erwählt hatte. Hier lebte er mit ihr wahrscheinlich vom Jahre 306 bis 316. Er umgab sie mit der ganzen Pracht der kaiserlichen Würde und überwies ihr einen eigenen Palast zur Wohnstätte. Auch erhob er sie zur Würde einer Augusta (Kaiserin) und gab ihr das Recht, Münzen mit ihrem Bildniß prägen zu lassen, von denen man jetzt noch achtzig verschiedene Arten besitzt. Als Maxentius, der Sohn des ehemaligen Kaisers Maximian, gegen Konstantin zu Felde zog, kam es zwischen den Truppen beider an der Milvischen Brücke in der Nähe von Rom am 28. Oktober 312 zur entscheidenden Schlacht, in welcher Konstantin trotz der Übermacht seines Gegners einen glänzenden Sieg errang. Diesen Sieg verdankte Konstantin einer wunderbaren Hülfe von oben, da, wie er selbst erzählte und mit einem Eidschwure es bekräftigte, vor dem Beginn des Kampfes ihm am Himmel ein gläzendes Kreuz erschien mit der Umschrift: "In diesem wirst du siegen", und der Heiland in einem Traumbild ihm aufgetragen, jenes Zeichen auf das Banner seines Heeres zu setzen. Dieser Sieg steigerte die Geneigtheit des Kaisers für den christlichen Glauben, dem er fortan die weitgehendsten Begünstigungen zu Theil werden ließ. In diese Zeit (312) fällt nun auch der Übertritt seiner bis dahin noch heidnischen Mutter Helena zum Christentum. Obschon Konstantin selbst den Empfang der heiligen Taufe noch verschob, so ist doch wohl kein Zweifel, daß er seine Mutter zur Annahme der christlichen Religion bewogen habe, da Eusebius berichtet, er habe sie "so fromm gemacht, daß es schien, als sei sie von dem Heilande selbst unterrichtet worden". Nach dem Siege über Maxentius verlegte Konstantin seine Hauptresidenz nach Rom, wohin ihm auch seine geliebte Mutter folgte, die sich dort ganz den Werken der Frömmigkeit und des Wohlthuns widmete, so daß sie, nach dem Ausspruche Gregors des Großen, das Feuer der christlichen Liebe, von welchem sie selbst erglühte, auch in den Herzen der Römer entflammte. Mit großer Bestimmtheit behauptet die Trier'sche Tradition, daß auf Helenas Wunsch damals (313) der Antiochenische Priester Agritius vom Papste Sylvester zum Bischofe geweiht und nach Trier entsandt worden sei. Da Konstantin ihr die Schätze des Reiches in freigebigster Weise zur Verfügung stellte, war es ihr möglich, in vielen Provinzen christliche Kirchen zu erbauen und auszustatten. Besonders aber darf ihrer besondern Fürsorge sich rühmen Trier, die Stadt, in der die Kaiserin früher gewohnt und auch nach ihrem Übertritte zum Christentum wohl mehrmals geweilt hat. Gemäß uralter Überlieferung soll Helena dem Bischof Agritius ihren Palast überwiesen, und dieser denselben zur Kirche eingerichtet haben.

Nachdem Konstantin im Jahre 324 seinen Schwager Licinius besiegt und infolge dessen auch Herr des Morgenlandes geworden war, wendete er seine Fürsorge dem heiligen Lande zu, indem er auf der allgemeinen Kirchenversammlung zu Nicäa dem Bischof Makarius von Jerusalem den Auftrag gab, an der heiligen Stätte, wo Christus für uns den Kreuzestod erlitten, eine prachtvolle Kirche erbauen zu lassen. Begeistert von diesem Plane, entschloß sich die Kaiserin Helena, trotzdem sie beinahe achtzig Jahre alt war, nach Jerusalem zu reisen, um das Werk selbst in die Hand zu nehmen und insbesondere auch das Kreuz, an welchem der Heiland gestorben war, aufzufinden: ein Verlangen, dessen Erfüllung ihr Gott auch gnädig gewährte. Im Vereine mit dem Bischof Makarius ließ Helena den Kalvarienberg, auf welchem der Kaiser Hadrian einen Venustempel hatte erbauen lassen, von allen Spuren des Götzendienstes reinigen, und sie hatte das Glück, die Felsengruft des heiligen Grabes zu entdecken, sowie auch nahe dabei drei Kreuze aufzufinden sammt den Nägeln, womit der Heiland an das Kreuz geheftet war. Durch die wunderbare Heilung einer todkranken Frau infolge der Berührung mit einem dieser drei Kreuze erkannte man dasselbe als das wahre Kreuz Christi, von welchem Helena einen Theil nebst zwei Nägeln an ihren Sohn Konstantin nach Konstantinopel schickte. Ebenso dürfen wir wohl annehmen, daß Helena während ihres Aufenthaltes im hl. Lande auch den ungenähten Rock des Herrn suchte und fand; und wie die uralte Überlieferung berichtet, übersandte sie dem Bischofe Agritius für die ihr so theure Trier'sche Kirche dieses unschätzbare Kleinod nebst andern kostbaren Reliquien, nämlich einem heiligen Nagel, den Gebeinen des heiligen Matthias, einem Zahne des heiligen Petrus, den Sandalen des heiligen Andreas, dem Haupte des heiligen Papstes Kornelius. u.a. Außer dem Kalvarienberge suchte Helena auch alle andern heiligen Orte auf, die Christus durch seine Gegenwart geheiligt hatte, und erbaute an verschiedenen derselben prachtvolle Kirchen, so insbesondere in Bethlehem über der Geburtsstätte des göttlichen Kindes und auf dem Oelberge, wo der erstandene Heiland gegen Himmel aufgefahren ist.

Im Jahre 327 kehrte Helena aus Palästina zu ihrem Sohne zurück, wahrscheinlich nach Nikomedien. Achtzig Jahre alt, starb dann die Kaiserin eines seligen Todes (i.J. 330) und schied von dieser Welt in dem frohen Bewußtsein, daß Gott sie und ihren Sohn als besondere Werkzeuge zur Ausbreitung der christlichen Religion erwählt hatte. "Ihre Leiche", so berichtet Eusebius, "wurde mit ansehnlichem Kriegsgefolge nach der Hauptstadt gebracht und in dem königlichen Grabmal beigesetzt." Diese Hauptstadt dürfte wohl keine andere, als die alte Weltstadt Rom sein, wo noch jetzt an der uralten Via Labicana eine einsame Ruine sich findet, die von der Überlieferung als das ehemalige Grab der heiligen Helena bezeichnet wird. Um das Jahr 849 erfolgte die Übertragung eines Theiles ihrer Reliquien nach der Abtei Hautvilliers in der Diözese Rheims, wo nach der Erzählung des Mönches Almannus bei den Reliquien der heiligen Helena mehrere Wunder geschahen, von welchen er selbst Augenzeuge war. Zur Zeit der französischen Revolution wurden die hl. Reliquien nach Paris geflüchtet, wo sie noch jetzt in der Kirche des heiligen Lupus aufbewahrt und in hohen Ehren gehalten werden. Ein Theil der Reliquien, der zu Rom zurückgeblieben war, wird jetzt noch in der Marienkirche Ara Coeli auf dem Kapitol zu Rom verehrt. Das Haupt der heiligen Helena aber befindet sich als kostbare Reliquie in der Schatzkammer des Domes zu Trier, und wird zusammen mit dem Haupte des heiligen Matthias in einer kunstvollen, aus dem zwölften Jahrhundert stammenden Kassette daselbst aufbewahrt. Mit Recht genießt die heilige Helena, diese große Wohlthäterin der Trier'schen Kirche, in Stadt und Diözese eine große Verehrung, und auch alle die frommen Pilger, welche zur Ausstellung des heiligen Rockes kommen, mögen der heiligen Kaiserin in Verehrung und Dankbarkeit gedenken, weil auch sie derselben das hohe Glück verdanken, das Kleid des Herrn schauen zu dürfen. D'rum Ehre und Preis der heiligen Helena, der Patronin der Wallfahrt zum heiligen Rock des Herrn!

IV. Geschichte des heiligen Rockes und der bisherigen Ausstellungen.

a. Der heilige Rock, einst getragen von unserm Heiland.

Zur Zeit Christi bestand gemäß dem Zeugnisse der Altertumskunde die Kleidung der Männer aus höheren Ständen aus drei Theilen: einem Unterkleid, einem Oberkleid (tunica) und einem Überwurf oder Mantel. Das Unterkleid war ein eng anliegender Leibrock, eine Art Hemd. Das Oberkleid aber war weit und faltenreich und fiel bis auf die Füße herab und konnte durch einen Gürtel fest angeschlossen und über demselben in die Höhe gezogen werden. Der Mantel war ein großes, viereckiges Stück Tuch zum Überwerfen über die Schulter. Demgemäß haben wir uns auch die Kleidung des Herrn während der drei Jahre seines öffentlichen Lebens zu denken, während deren er als Rabbi die Kleidung der höheren Stände trug: also Unterkleid, Oberkleid und Überwurf.

Der heilige Evangelist Johannes berichtet uns über die Kleidung des Herrn, indem er erzählt: "Nachdem die Soldaten Jesum gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider (und machten vier Theile daraus, für jeden Soldaten einen Theil) und den Rock (tunica). Der Rock aber war ohne Naht, von oben an durchaus gewebt. Sie sprachen also zu einander: Wir wollen ihn nicht theilen, sondern über ihn das Los werfen, wem er sei. Damit die Schrift erfüllt werde, die da spricht: Sie haben meine Kleider unter sich getheilt und über mein Gewand das Los geworfen." (Psalm 21, 19.)

Von diesem ungenähten, von oben bis unten gewebten Gewande des Herrn berichtet uns eine alte Tradition, daß seine jungfräuliche Mutter mit eigener Hand dasselbe gewebt habe: eine Meinung, welche große Wahrscheinlichkeit für sich hat, da im Altertum nicht nur bei den Juden, sondern auch bei andern Völkern die Sitte herrschte, daß die Frauen Kleider und Gewebe für Männer und Kinder verfertigten, und Maria, die Mutter des Herrn, nach dem aus dem Anfange des 2. Jahrhunderts stammenden apokryphen Protoevangelium des heiligen Jakobus, im Weben besonders geübt und geschickt gewesen sein soll, und deshalb mit Recht angenommen werden darf, daß sie als Ausdruck ihrer zärtlichen Liebe mit eigener Hand ihrem göttlichen Sohne das Kleid gewebt, in welchem er unter den Menschen lehrend und tröstend wandeln wollte.

Dieses Oberkleid des Herrn, die ungenähte, ganz gewebte Tunika, ist es nun, welche nach der ehrwürdigen Überlieferung die Trier'sche Kirche als ihr kostbarstes Kleinod zu besitzen behauptet, das Kleid, das die Soldaten nicht getheilt, sondern ungetheilt gelassen und unter sich verlost haben. Denn das Gewand, das die Trier'sche Kirche besitzt, entspricht durchaus nach Maß und Stoff den damals in Palästina üblichen Oberkleidern der Juden. Dasselbe mißt in der Länge vorne 1,48 Meter, auf der Rückseite 1,57 Meter; in der Breite am untern Theile 1,09 Meter, oben 0,70 Meter, während die Ärmel 0,46 Meter lang und 0,31 Meter breit sind. Ebenso erscheint Technik und Stoff der Reliquie jenem Oberkleide des Herrn entsprechend. Von jeher wurde hervorgehoben, daß man keine Naht an dem heiligen Gewande entdecken könne, und was den Stoff betrifft, so haben die angstellten Untersuchungen ihn allem Anscheine nach als Leinen oder Baumwolle ausgewiesen.

So haben wir also nach der Trier'schen Überlieferung in dieser Reliquie, welche demnächst zur Ausstellung kommt, jenes heilige Kleid vor uns, das der Herr in seinem Erdenwandel, besonders in seinem öffentlichen Leben getragen, in welchem er predigend, Wunder wirkend umherzog, jenes heilige Kleid, das auf dem Tabor in wunderbarem Lichtglanz erstrahlte und weiß ward, wie der Schnee, jenes Kleid, von welchem eine Kraft ausging, die Kranken zu heilen, dessen Saum das blutflüssige Weib nur zu berühren brauchte, um sofort gesund zu werden; jenes heilige Kleid, in welchem der Herr das Denkmal seiner Liebe, das heiligste Sakrament des Altars, eingesetzt, in welchem er gefangen genommen und von Richterstuhl zu Richterstuhl geschleppt wurde, das ihm von seinen heiligen Schultern mit roher Gewalt abgerissen wurde, als er gegeißelt werden sollte, das seinen heiligen von tausend Wunden zerrissenen, mit Blut überronnenen Leib wieder deckte und von seinem heiligen Blute getränkt wurde, als er das Kreuz auf seine Schulter nahm, um den letzten schwersten Gang für uns zu machen, hinauf, auf die Höhe von Kalvaria; das heilige Kleid, das ihm dort zum zweitenmale mit roher Gewalt von seinem heiligen Leibe abgerissen wurde, damit er ohne Kleid, in äußerster Armut und tiefster Schmach sein blutiges Sterbebett, das Kreuz, besteige und an demselben sterbe für das Heil der Welt; das heilige Kleid, das die Soldaten ihm raubten und unter sich verlosten, daß einer von ihnen es besitze, das aber der Herr sterbend als teures Vermächtniß der Christenheit hinterlassen wollte, auf daß es sei und bleibe ein dauernder Beweis seines einstigen Wandels hier auf Erden, ein ergreifendes Zeichen seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen, und ein mahnendes Symbol der Einheit und Einigkeit seiner heiligen Kirche gemäß dem schönen Worte des heiligen Cyprian: "Das Geheimniß der Einheit, das Band der unzertrennlichen Eintracht wird dargestellt, wenn in dem Evangelium der Rock des Herrn nicht getheilt, nicht zerschnitten, sondern bei dem Losen darum als ganzer, als unversehrter und ungetheilter Rock in Besitz genommen wird."

Mit welcher Ehrfurcht und Dankbarkeit werden wir also aufschauen zu diesem heiligen Gewande, das der Heiland einst getragen, und das uns so eindringlich erinnert an seine Liebe zu uns und so nachdrücklich uns mahnt zur Liebe gegen ihn, sowie zur Einigkeit und Eintracht mit denen, die in Christo unsere Brüder sind!

b. Der heilige Rock, aufbewahrt in der Trier'schen Kirche.

In Folge der Theilung der Kleider des Herrn unter die Soldaten, die an der Kreuzigung theilgenommen, war der heilige Rock zunächst in den Besitz eines der Soldaten gekommen. Aber ganz gewiß dürfen wir annehmen, daß derselbe nicht im Besitze des Soldaten geblieben, sondern daß die Mutter des Herrn und der heilige Johannes, sowie die frommen Frauen nebst den angesehenen und reichen Freunden Jesu, Nikodemus und Joseph von Arimathäa, dieses kostbare Kleinod um Geld, das sie den Soldaten boten, an sich gebracht und sorgfältigst bewahrt haben. Ebenso dürfen wir gewiß mit der größten Wahrscheinlichkeit annehmen, daß dieses heilige Gewand in der ersten Christengemeinde von Jerusalem treu verwahrt und andächtig verehrt worden und sich dort während der ersten christlichen Jahrhunderte von Geschlecht zu Geschlecht als kostbarer Schatz vererbt hat, bis die heilige Helena nach Palästina kam und wie nach dem heiligen Kreuze, so auch nach dem heiligen Kleide suchte und dasselbe durch göttliche Fügung fand. Die uralte Trier'sche Tradition versichert uns nun, daß die heilige Helena nebst andern kostbaren Reliquien auch den heiligen Rock dem Trier'schen Bischofe Agritius für die Domkirche von Trier übergeben habe. Daß die Heilige gerade der Stadt Trier dieses kostbare Kleinod geschenkt, dürfte um so weniger auffallend erscheinen, als Trier damals nach Rom die bedeutendste Stadt des Reiches war, und die heilige Helena, wie oben erzählt, wenn nicht durch ihre Geburt in Trier, so doch sicher durch längeren Aufenthalt daselbst in naher Beziehung zu dieser Stadt gestanden, und eine besondere Vorliebe für dieselbe haben mußte. Und gewiß, das heilige Trier, das so früh das Christentum angenommen, dessen Boden mit dem Blute zahlloser Martyrer geweiht worden, war wohl dieser hohen Auszeichnung würdig, das heilige Kleid des Herrn besitzen und für die ganze Christenheit bewahren zu dürfen!

Ganz sichere geschichtliche Zeugnisse über diese Schenkung der heiligen Helena und über die Aufbewahrung des heiligen Rockes in der Trier'schen Domkirche in jenen ältesten Zeiten besitzen wir nicht. Es darf dieses aber durchaus nicht befremden, da ja bekannt ist, daß Trier in der Zeit der Völkerwanderung viermal vollständig zerstört und dem Erdboden gleich gemacht worden ist, so daß die geschichtlichen Zeugnisse und Dokumente in dieser mehrmaligen Zerstörung zum größten Theile notwendig verloren gegangen sind. Zudem darf nicht übersehen werden, daß in den ersten Jahrhunderten nach dem Zeugnisse Papst Gregors des Großen die heiligen Reliquien insgesammt aus Ehrfurcht nicht erhoben, nicht berührt, und nicht öffentlich ausgestellt werden durften, sondern an verborgenen Orten fest verschlossen aufbewahrt blieben. Damit dürfte es auch zu erklären sein, daß wir in dem ersten Jahrtausend der christlichen Zeitrechnung von einer öffentlichen Ausstellung des heiligen Rockes nichts hören.

Die erste zuverlässige Erwähnung des hl. Rockes finden wir in den Gesta Trevirorum (Edit. Wyttenbach und Müller, pag. 304), welche berichten: "Am Tage der Weihe der Domkirche, welche auf das Fest der Apostel Philippus und Jakobus fällt, weihte der Erzbischof Johann I. den Hochaltar (im Ostchore des Domes) mit großer Feierlichkeit ein und legte die Tunika des Herrn mit großer Ehrfurcht und Verehrung am selben Tage in den Altar des hl. Petrus im Jahre 1196 nach der Geburt des Herrn." --

Dort blieb die heilige Reliquie 300 Jahre lang verschlossen, bis in der Charwoche des Jahres 1512 der Kaiser Maximilian mit vielen deutschen Reichsfürsten nach Trier kam, um das Wohl des Reiches zu beraten. Der Kaiser verlangte dringend, den heiligen Rock zu schauen, und auf seine wiederholten Bitten entschloß sich der damalige Erzbischof Richard von Greifenklau, das heilige Gewand aus seiner Verborgenheit hervorzuziehen und der öffentlichen Verehrung auszusetzen. Der Zusammenfluß der Gläubigen war außerordentlich groß, und die Wirkungen der Ausstellung waren so segensreich, daß Papst Leo X. zwei Jahre später die Anordnung traf, daß in Zukunft alle sieben Jahre der heilige Rock zur Verehrung ausgestellt werden sollte und zwar in Verbindung mit der brereits länger bestehenden Heiligtumsfahrt zu Aachen, und er gewährte durch eine Bulle vom 26. Januar 1514 einen vollkommenen Ablaß allen Christgläubigen, welche nach würdigem Empfange der heiligen Sakramente zur Verehrung des heiligen Kleides nach Trier wallfahrteten. In der Folge wurde der heilige Rock öfters ausgestellt; so besonders in den Jahren 1531, 1545, 1553, 1585, 1595. Nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges wurde der heilige Rock im Jahre 1655 wiederum ausgestellt unter großem Zudrang des gläubigen Volkes, das herbeiströmte, um Gott dem Herrn für den nach schrecklicher Drangsal wieder geschenkten Frieden laut und öffentlich Dank zu sagen.

Zwei Jahre nach dieser feierlichen Ausstellung ließ der damalige Kurfürst von Trier, Karl Kaspar, den heiligen Rock aus Furcht vor einem Überfall der Franzosen nach Ehrenbreitstein bringen, und es verblieb daselbst der heilige Rock mit kurzen Unterbrechnungen bis zum Jahre 1794, in welchem nach dem Ausbruch der französischen Revolution der Erzbischof Klemens Wenzeslaus das heilige Kleid nach Bamberg bringen ließ, von wo dasselbe im Jahre 1803 nach Augsburg übertragen und in der Sakristei der Hofkapelle beigesetzt wurde.

Als für die Religion wieder bessere Tage zurückgekehrt waren und die verwaiste Trier'sche Kirche einen neuen Bischof in der Person des hochwürdigsten Herrn Karl Mannay erhalten hatte, verlangte dieser die aus der Domkirche geflüchteten Schätze und vor allem den heiligen Rock von der französischen Regierung für seine Domkirche zurück. Seinen fortgesetzten Bemühungen gelang es endlich im Jahre 1810, den heiligen Rock wieder zu erhalten, und er ließ ihn durch zwei Abgesandte von Augsburg nach Trier überführen. Am 9. Juli wurde die heilige Reliquie unter größter Feierlichkeit, in herrlichem Triumphzuge nach Trier und in die Domkiche zurückgebracht, und alsbald wurden Anstalten getroffen, dieselbe zur öffentlichen Verehrung auszustellen. Vom 8. bis zum 27. September dauerte die feierliche Ausstellung, während welcher über 227'000 Menschen aus der Nähe und aus der Ferne herbeieilten und mit großer Frömmigkeit und inniger Rührung das heilige Kleid verehrten.

Ehe wir zur Beschreibung der letzten feierlichen Ausstellung im Jahre 1844 übergehen, wollen wir zunächst auf Grund der bisherigen Darstellung die Frage beantworten, ob die Verehrung für die heilige Reliquie der Trier'schen Domkirche begründet sei und ob wir dieselbe wirklich für das ungenähte Gewand unsers Herrn halten müssen.

c. Die Echtheit der heiligen Reliquie.

Zur Beantwortung dieser Frage wollen wir dem hochwürdigsten Herrn Bischofe das Wort lassen, der in dem bereits erwähnten Hirtenschreiben mit folgenden klaren und überzeugenden Worten auf diese Frage Antwort gibt.

"Vor allem müssen wir festhalten", so schreibt der Bischof, "daß hier nicht von einem Glaubenssatze die Rede sein kann. Allerdings darf kein Katholik, ohne im Glauben Schiffbruch zu leiden, daran zweifeln, daß wir den Reliquien des Herrn und der Heiligen Ehrfurcht schulden und ihnen mit Fug und Recht diese Verehrung erweisen. Wenn es sich aber im einzelnen um die Echtheit einer bestimmten Reliquie handelt, so ist es jedem unbenommen, nach vernünftigen Gründen sein Urteil zu bilden. Sollte auch jemand leichtfertig ohne zwingenden Beweis die Echtheit einer Reliquie in Zweifel ziehen oder sogar verwerfen, so würde er dadurch vielleicht anmaßend und pietätlos handeln, aber noch nicht gegen den Glauben selbst sich versündigen. Die Echtheit einer Reliquie stützt sich, wie jede andere geschichtliche Thatsache, auf das Zeugnis der Menschen; die Authenticität keiner Reliquie, auch nicht der vornehmsten in den ältesten Kirchen der Chrisenheit, fällt unter irgend eine Vorschrift des katholischen Glaubens.

Nach der Bestimmung des Konzils von Trient sollen die Bischöfe bei Bestätigung und öffentlicher Ausstellung von Reliquien "den Rat frommer und gelehrter Männer einholen und dann diejenige Entscheidung treffen, welche der Wahrheit und Frömmigkeit entsprechend ist". Die Wahrheit erheischt aber, daß wir der altehrwürdigen, beständigen Überlieferung unserer Kirche vertrauen, daß wir nicht ohne überzeugende Beweise unsere Vorfahren der Leichtgläubigkeit oder gar des Betruges bezichtigen. Und solche Beweise sind noch nicht erbracht worden. Wie könnte ich annehmen, daß meine Vorfahren auf dem Stuhle des heiligen Eucharius in einer so hochwichtigen heiligen Sache bei der Prüfung der Echtheit einer solchen Reliquie es trotz der wiederholten feierlichen Vorschriften der Kirche an der nöthigen Sorgfalt und Wachsamkeit fehlen ließen, oder zu einem bewußten Betrug geschwiegen hätten? Gerade in den Zeiten, wo diese Reliquie wieder mehr die Aufmerksamkeit auf sich zog, zierten die Kirche Triers durchweg ausgezeichnete Kirchenfürsten, Männer wie Egbert, Poppo, Eberhard, Udo, Bruno, Söhne der edelsten Familien, fromme, ja heiligmäßige Erzbischöfe, ebenso hervorragend durch hohe Bildung, wie durch wahrhaft priesterliche Tugenden. Und diese hätten bei Verehrung der vornehmsten Reliquie ihrer Domkirche alle kirchlichen Vorschriften bei Seite gelassen und wären leichtsinnig und gewissenlos gewesen! Nein, die Pietät, die einfache Billigkeit, welche wir dem makellosen Andenken dieser Kirchenfürsten schulden, sträubt sich gegen einen solchen Verdacht.

Ich bin mir bewußt, und ihr möget mir verzeihen, wenn ich dies beteuere, daß ich um keinen Preis in der Welt zu einem solchen Betruge, zu einer solchen Täuschung der Andacht meines Volke mitwirken würde; und diese meine Vorfahren im bischöflichen Amte -- ich darf es ohne falsche Demut und mit gerechtem Stolze sagen -- waren besser, als ich. Als Wächter der urtalten Traditionen meiner Kathedralkirche und der Ehre ihrer Oberhirten, muß ich an der Überzeugung festhalten, daß diese Überlieferungen auf Wahrheit beruhen, daß die Erzbischöfe Triers weder sich getäuscht haben, noch auch sich täuschen ließen. Wahrlich, ich müßte fürchten, mich an der Kirche Triers zu versündigen, wenn ich diese Reliquie, welche die Vorfahren als ihr höchstes Kleinod betrachtet haben, wie eine wertlose Sache preisgäbe. Diese meine Überzeugung, geliebte Diözesanen, glaube ich rückhaltlos aussprechen zu müssen, ohne sie jemanden aufdrängen zu wollen.

Um aber allen billigen Forderungen nachzukommen und etwaige Zweifel zu zerstreuen, habe ich eine sorgfältige Untersuchung des heiligen Gewandes vor der feierlichen Ausstellung veranlaßt. Im Beisein des hochwürdigsten Domkapitels und einiger Sachverständigen fand diese Prüfung im Laufe des verflossenen Sommers statt, und nahm mehrere Tage in Anspruch. Sie ergab, "daß nichts entdeckt werden konnte, was mit den uralten Traditionen der Trier'schen Kirche in Widerspruch sich befindet."

"Es fordert aber auch", so fährt der hochwürdigste Herr Bischof fort, "die Frömmigkeit und der geistliche Nutzen für das christliche Volk, an diesem Kleinod unserer Kirche festzuhalten." Ja gewiß, wenn irgend etwas überzeugender Beweis für die Echtheit der heiligen Reliquie sein kann, so dürfte dies der Geist der Frömmigkeit, der lebendige Glaube sein, der bei jeder der früheren Ausstellungen und ganz besonders bei derjenigen vom Jahre 1844 sich so wunderbar offenbarte, sowie auch die segensreichen Wirkungen, die jedesmal unverkennbar hervortraten.

Bei jeder Ausstellung wurde es offenbar, daß von diesem Kleide eine geheimnißvolle Kraft ausgeht, die Seelen zu rühren, den Glauben zu wecken, bußfertige Gesinnung und opferwillige Liebe zu Jesus hervorzurufen. Wer könnte denken, daß Gott, der Herr, an eine unechte Reliquie solche außerordentlichen Gnadenerweisungen und solche wunderbaren Wirkungen zum Heile der Seelen geknüpft hätte, und dies zwar jedesmal, so oft auch unter den veschiedensten Zeitverhältnissen dieselbe zur Verehrung ausgestellt wurde? Auch hier gilt des Herrn Wort: "An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen."

d. Die Ausstellung des heiligen Rockes i. J. 1844, als Vorbild der diesjährigen.
(Nach Marx, Ausstellung des heiligen Rockes im Jahre 1844. Trier, Lintz.)

Von allen bisherigen Ausstellungen hat sich die des Jahres 1844 am großartigsten gestaltet und am segensreichsten erwiesen, weshalb sie bis jetzt noch allen, die Zeuge derselben gewesen, in lebendiger Erinnerung geblieben. Nachdem am 28. Juni die feierliche Erhebung der heiligen Reliquie durch den hochwürdigsten Herrn Bischof Wilhelm Arnoldi stattgefunden, verkündete am Vorabende des 18. August die große Helenaglocke des Domes mit ergreifenden Klängen den Beginn der Feierlichkeit. Am 18. und 19. August zogen der Klerus und die Pfarreien der Stadt und Vororte betend an dem heiligen Rock vorüber und schon am selben Tage war die Stadt von Fremden überfüllt, und sie prangte am Abend in festlicher Beleuchtung zur Verherrlichung des Festes und zum Ausdruck der allgemeinen Freude über die nunmehr eröffnete Ausstellung des heiligen Kleides. Unermeßlich groß war der Zudrang der Pilger aus der ganzen Diözese, aus ganz Deutschland und den angrenzenden Ländern. Alle Wege, die nach Trier führten, waren während der sechs Wochen, welche die Ausstellung dauerte, beständig mit betenden und singenden Pilgern belebt, welche entweder sehnsuchtsvoll nach Trier, dem Ziele ihrer Wallfahrt, hinzogen, oder hochbeglückt und freudestrahlenden Antlitzes von dort in die Heimat zurückeilten, nachdem sie das Kleid des Herrn geschaut. Es war ein ergreifend schöner Anblick, die Prozessionen der Pilger mit ihren wehenden Fahnen, geführt von ihren Pfarrgeistlichen, von allen Höhen herabsteigen, auf allen Landstraßen hinpilgern und auf reichbeflaggten Schiffen den Moselstrom hinauf- und hinabfahren zu sehen, allüberall begrüßt durch feierliches Geläute der Ortschaften, an denen sie vorüberzogen. Wie mächtig schlugen die Herzen, wie leuchteten die Augen und füllten sich mit Freudenthränen, wenn dann nach langer mühevoller Wanderung die frommen Pilger am späten Abende in der Ferne die hohen Thürme der Domkirche und die auf der Spitze des Glockenthurmes wehende mächtige weiße Fahne mit dem roten Kreuze erblickten, und sie sich nun dem Ziele ihrer Sehnsucht und ihrer Wanderung nahe wußten!

Es waren nach möglichst genauer Schätzung 1'100'000 Pilger, welche an der heiligen Reliquie vorbeizogen, und unter diesen große Pilgerzüge aus entfernten Diözesen. So trafen aus den Diözesen Speier, Mainz und Limburg Prozessionen von über 26'000 Pilgern, aus Nancy, Metz und Straßburg an 30'000, aus der Erzdiözese Köln 22'000 und aus dem benachbarten Luxemburg 24'000 Pilger mit dem Oberhirten der Diözese an ihrer Spitze in Trier ein. Elf fremde Bischöfe hatten sich zur Verehrung der heiligen Reliquie eingefunden. Durch die ganze Diözese ging ein fortwährendes Beten, und die weite Umgegend von Trier schien zu einer großen Kirche umgewandelt, in welcher Tag und Nacht Gesang und Gebet nicht verstummten.

Im höchsten Grade aber gab sich die Frömmigkeit und die Lebendigkeit des Glaubens kund in der Domkirche selbst beim Anblick des heiligen Gewandes. Trotz begreiflicher Ermüdung ließen die frommen Schaaren der Gläubigen es sich nicht verdrießen, stundenlang vor der Domkirche des Augenblicks zu harren, wo sie Einlaß in dessen geschmückte Hallen erlangen sollten, und wenn dann die Thore sich öffneten und wenn sie eintretend von ferne die heilige Reliquie schauten, dann war alle Müdigkeit vergessen und nur ein Gedanke erfüllte und bewegte mächtig die Seelen aller: "Hier ist das Kleid, das mein Heiland auch für mich getragen und auch meinetwegen mit seinem Blute befeuchtet hat." Vor Ehrfurcht und reumütiger Zerknirschung wagten sie kaum die Augen zu dem Heiligtume aufzuschlagen, und von heiligem Schauer ergriffen, sanken sie weinend auf ihre Kniee, denjenigen anzubeten, der in diesem Kleide für uns gewandelt ist. Selbst solche, die kalt und gleichgültig oder gar ungläubig dahergekommen, vermochten sich des überwältigenden Eindruckes nicht zu erwehren und sanken tiefergriffen auf ihre Kniee und kehrten in Reue und Buße wieder zu Gott zurück. Mit solchen Gesinnungen zogen Tag für Tag von der Frühe des Morgens bis zum späten Abende die Tausende an dem heiligen Kleide vorüber, sich glücklich schätzend, nur wenige Augenblicke in der Nähe desselben weilen und ihre Rosenkränze an dasselbe anrühren lassen zu dürfen.

Es war ein großartiges religiöses Schauspiel, das sich in jenen Tagen der erstaunten Welt darbot. Es war eine Begeisterung, ähnlich jener, die einst die Kreuzzüge ins Leben gerufen, eine Begeisterung, die alle Kreise erfaßte, und welcher selbst solche, die sonst dem religiösen Leben fernstanden, sich zu entziehen nicht im stande waren. Und wie diese ganze Bewegung staunenswert und über alles Erwarten großartig war, so auch die Wirkungen, die dieselbe allenthalten hervorgerufen. Alle Augenzeugen sind voll des Lobes über die musterhafte Haltung aller Pilger, über die Ruhe und Ordnung, die trotz der großen, sich überall drängenden Menschenmassen allzeit herrschte, so daß selbst die Polizeibeamten versicherten, sie hätten während dieser Zeit weniger Arbeit gehabt, als sonst, und selbst die allergewöhnlichsten Ausschreitungen hätten sich vermindert. Ebenso bewunderswürdig und hoch erfreuend war die wahrhaft christliche Liebe, mit welcher diese weitherkommenden Pilger in den Ortschaften, die sie durchzogen, freundlichst aufgenommen und vielfach unentgeltlich bewirtet wurden, so daß man glauben konnte, die Zeiten der ersten Christenheit seien wiedergekehrt, in welchen die Heiden staunend auf die Christen hinweisen konnten mit dem Ausruf: "Seht, wie die Christen einander lieben!"

Die kostbarste Frucht der Ausstellung aber war die geistige Erneuerung, die Befestigung des christlichen Lebens, welche dieselbe bewirkte. Die frommen Pilger reinigten durch würdigen Empfang der heiligen Sakramente, sei es in der Heimat oder in Trier, zuerst ihre Seelen, bevor sie hinzutraten vor das heilige Kleid desjenigen, vor dessen Richterstuhl einst alle erscheinen müssen, und wagten es nicht, mit schuldbewußtem Herzen dem Heiligtume sich zu nahen. Um aus unzähligen nur einige Beispiele hier zu erwähnen, so erschien eines Tages ein Pilger, der eine nicht unbedeutende Summe wiederzuerstatten hatte, an der Domkirche; schon stand er im Begriffe, einzutreten, als der Gedanke an seine Schuld ihm schwer auf die Seele fiel. Sofort kehrte er um, reiste nach Hause, gab das ungerecht Gut zurück und machte seine Wallfahrt von neuem. Ein anderer Pilger stand tief bewegt vor dem heiligen Gewande. Auf einmal ging er einige Schritte seitwärts zu einem Manne aus seiner Heimat, reichte ihm die Hand und sprach: "So lange gehe ich dir schon nach, und du wolltest mir nie verzeihen; willst du auch nun hier mir nicht vergeben?" "Ja", erwidert der andere tief ergriffen, "hier verzeihe ich dir", und mit diesen Worten reichten sie sich die Hände zum Zeichen der Versöhnung. So wirkte die Wallfahrt in der ganzen Diözese, und die einstimmigen Berichte nach der Ausstellung gingen dahin, daß dieselbe einen unverkennbaren Aufschwung des religiösen und sittlichen Lebens hervorgerufen, die Bekehrung vieler verstockter Sünder bewirkt, mit einem Worte, eine große, segensreiche Volksmission gewesen sei. -- Aber auch äußere wunderbare Wirkungen, außerordentliche Gebetserhörungen und wunderbare Heilungen in nicht geringer Zahl wurden beobachtet, deren Wahrheit die glaubwürdisten Zeugen uns verbürgen. Ein durchaus gewissenhafter und bedeutender Trier'scher Arzt, Namens Hansen, hat eine aktenmäßige Darstellung wunderbarer Heilungen herausgegeben, in welcher er achtzehn Fälle solcher Krankenheilungen beschreibt und durch die Aussagen eidlich vernommener Zeugen deren Wahrheit beglaubigt. Am meisten Aufsehen erregte die Heilung der neunzehnjährigen Gräfin von Droste-Vischering aus Münster, welcher seit zwei Jahren durch eine Krankheit das recht Bein so verzogen war, daß es im Knie beinahe einen rechten Winkel bildete. Unterstützt von ihrer Dienerschaft, kam sie, auf zwei Krücken gehend, in die Domkirche zum heiligen Kleide, berührte dasselbe mit ähnlichem Vertrauen, wie das kranke Weib im Evangelium, und siehe, im selben Augenblicke berührte auch ihr Fuß zum erstenmale wieder die Erde, und dankerfüllten Herzens ging sie von dannen, während ihr Diener zum Staunen aller Pilger die Kürcken ihr nachtrug. Die junge Gräfin blieb geheilt, so daß sie in den Orden der barmherzigen Schwestern eintreten konnte, um die Kranken zu pflegen zur Danksagung für ihre Heilung von langer schmerzlicher Krankheit. Mit Recht konnte zum Schluß der erhabenen Feier am 6. Oktober Bischof Arnoldi in der Freude seines väterlichen Herzens ausrufen: "Auch leibliche Wunder sind geschehen! Ja, ich verkünde es von dieser heiligen Stätte: der Herr hat gezeigt, daß seine Rechte nicht aufhört, durch Wunder den armen Sterblichen zu Hülfe zu kommen, und daß er in der katholischen Kirche diese barmherzige Kraft will leuchten lassen bis an das Ende der Zeiten. Und ist nicht einem jeden Trost geworden, der diesem Orte genahet ist? Oder hat nicht ein jeder seinen Nächsten noch in größerem Leid gesehen? -- Nur der Herr weiß es, wie viele Wunder geschehen sind; denn gerade der größten Wunder, der unsichtbaren, sind die meisten gewirkt worden. Oder ist es nicht ein größeres Wunder, an der Seele, als am Leibe zu genesen? O wie viele Sünder sind bekehrt worden, und wie viele und große Freuden haben die Engel Gottes gesehen in diesen Wochen!" Darum rief der fromme Bischof zum Schlusse hochbegeistert zum Himmel auf: "Ich danke Dir, o Gott, für die unzähligen Wunder Deiner heiligen Gnade, die Du in den Herzen der Gläubigen gewirkt, und für die leiblichen Tröstungen, Linderungen und Heilungen, die Du uns hast angedeihen lassen!"

So schloß die Ausstellung des heiligen Rockes im Jahre 1844, und ihr würdiger und segensreicher Verlauf macht sie zu einem herrlichen Vorbilde für die bevorstehende feierliche Ausstellung, zu der bereits vor vier Jahren auf der Katholikenversammlung in Trier der gegenwärtige Oberhirte der Trier'schen Diözese das katholische Deutschland eingeladen hat mit den begeisterten Worten: "Kommet und betet denjenigen an, der dies Kleid an seinem heiligen Leibe getragen, der es mit seinem Blute benetzt und uns hinterlassen hat, als Zeichen seiner unzerstörbaren Liebe und als Sinnbild der Einheit seiner heiligen Kirche!"

V. Vorbereitung zur Wallfahrt.

Gleiche Ursachen, gleiche Wirkungen! Wir haben gesehen, mit welch' frommem Sinne und wech' heiligem Eifer in früheren Zeiten, insbesondere im Jahre 1844 die Gläubigen zum heiligen Rocke in Trier gepilgert, und wie segensreich deshalb auch die Wirkungen der Ausstellung gewesen sind. Soll dieselbe in diesem Jahre ähnliche Wirkungen haben, so müssen die Gläubigen mit derselben Gesinnung und mit demselben Eifer die Wallfahrt unternehmen. "Lasset uns", so mahnt der Oberhirte der Trier'schen Diözese in seinem Hirtenschreiben, "unser Fest mit den Gesinnungen der Vorfahren halten. Nicht aus Neugierde oder Vergnügungssucht wallten sie zu unserer Domkirche; nein, sie folgtem dem Antrieb der Gnade, um ihren Glauben zu bekennen und durch Verehrung des heiligen Gewandes unserm Heilande ihre Liebe und Dankbarkeit zu bezeugen. So lade auch ich euch nicht zu einem weltlichen Feste ein, sondern zu einer frommen Kundgebung des Glaubens und der Liebe gegen unsern Heiland. Die sechs Wochen der Ausstellung sollen eine Gnadenzeit werden für die ganze Diözese, und diese Gnade müssen wir uns erbitten durch eifriges Gebet und Werke christlicher Bußgesinnung." -- Diese ernst mahnenden Worte gelten allen, die zur Wallfahrt sich entschließen. Darum, ihr lieben Christen alle, die ihr nach Trier pilgern werdet, das heilige Kleid zu schauen und zu verehren, kommet in der rechten Absicht, kommet in der rechten Weise, auf daß die Wallfahrt eine gnadenreiche, eine segensvolle für euch werde.

Kommet in der rechten Absicht! Eure Absicht bei der Wallfahrt sei keine andere, als die, euren Glauben zu bekennen und zu befestigen, eurem Heilande eure Liebe und Dankbarkeit zu beweisen, ihm Sühne zu bieten für den Unglauben unserer Zeit und so euch seiner Gnaden und Erbarmungen würdiger zu machen.

Kommet in der rechten Weise! Reiniget in aufrichtiger Bußgesinnung und mit ernsten Entschlüssen der Besserung im heiligen Bußsakramente eure Seelen, um mit reinem Herzen vor dem Kleide dessen erscheinen zu können, der in diesem Kleide in Todesqual um eurer Sünden willen Blut geschwitzt, und in diesem Kleide beladen mit der Last eurer Sünden, den Weg zur Richtstätte gegangen, um Buße zu thun und Sühne zu leisten für eure Missethaten, und der, mit Macht und Herrlichkeit umkleidet, einstens auf den Wolken des Himmels kommen wird, zu richten die Guten und die Bösen.

Kommet in der rechten Weise! Kommet, betend und singend, in heiliger Sammlung und erbaulicher Ordnung, in christlicher Liebe einer dem andern helfend, einer den andern ertragend. Ferne bleibe aus den Reihen der Pilger alle Unordnung und jedes Ärgernis, auf daß einer den andern erbaue, und die allgemeine Andacht alle erhebe, alle stärke und aufrecht erhalte in den Beschwerden der Wallfahrt, und sich erfülle in allen Prozessionen die Verheißung des Herrn: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen."

Kommet mit großem, mit unbegrenztem Vertrauen! Ihr kommet ja zu dem heiligen Kleide, von dem einst, da der Herr es auf Erden getragen, eine wunderbare Kraft ausging, alle zu heilen, die sich ihm nahten, zu dem heiligen Kleide, von dem, so oft es im Laufe der Zeiten der öffentlichen Verehrung ausgestellt war, dieselbe wunderbare Kraft ausging, nicht bloß leibliche Krankheiten zu heilen, sondern auch die Seelen zur Buße und Besserung des Lebens zu erwecken und die Herzen zu entzünden mit der Liebe zu Jesus, dem Heiland der Welt. -- Ihr kommet zu Demjenigen, der mit einem Herzen voll unendlicher Liebe vor das unermeßliche, vielgestaltige Elend der Welt sich hinstellte, und ausrief: "Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." Ihr kommet zu dem, der mit unermeßlichem Erbarmen in den Tagen seines Erdenwallens die Kranken geheilt, die Betrübten getröstet, die Sünder begnadigt hat, dessen Liebe seitdem nicht abgenommen, dessen Arm nicht verkürzt ist, der heute, wie gestern und in Ewigkeit derselbe Christus, der Heiland und Seligmacher aller armen Menschenkinder ist, mit derselben unendlichen Liebe und derselben göttlichen Macht. Ihr kommet zu dem, der das lebendige Vertrauen nicht täuschen, und der demütigen Bitte nicht widerstehen kann, den die Thränen der trauernden Wittwe in Naim zum Mitleid und die Klagen der Schwestern des Lazarus zu Thränen bewegt, der die hungernde Volksschaar in der Wüste nicht sehen konnte, ohne tiefergriffen auszurufen: "Mich erbarmet des Volkes!" und dasselbe sättigte mit freigebiger Hand. Ihr kommet zu dem, der allen helfen kann und allen helfen will. O, so kommet denn mit unbegrenztem Vertrauen! Gewiß an allen wird sich dann erfüllen das Wort, das er so oft gesprochen: "Sei getrost, mein Sohn, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen!" Kommet mit jenem Vertrauen, mit dem die Schaaren der Kranken und Hülfsbedürftigen ihn einst umdrängten in den Städten Palästinas, und gewiß! es wird geschehen, was damals geschah und was das Evangelium erzählt mit den Worten: "Es kam viel Volk zusammen, um ihn zu hören und geheilt zu werden von ihren Krankheiten. Und die Kraft des Herrn war da, um sie zu heilen. Und Staunen ergriff sie alle und sie lobten Gott. Und sie wurden erfüllt von Furcht und sprachen: "Wir haben heute Wunderdinge gesehen." -- (Luk. V, 26.)

VI. Andachtsübungen zur Verehrung des heiligen Rockes.

a. Gebete beim Beginn der Wallfahrt vor dem Auszug der Prozession.

Lied: "An Dich glaub' ich..." Seite 116.

V. O Gott, wir werfen uns vor Dir auf unsere Kniee und beten Dich an in tiefster Ehrfurcht unserer Seele. Wir danken Dir von Grund des Herzens, daß Du in unendlicher Liebe und Erbarmung Deinen eingeborenen Sohn für uns dahingegeben, auf daß kein Mensch verloren gehe, und alle durch ihn gerettet würden. -- O Jesus Christus, unser Herr und Heiland, wir glauben und bekennen, daß Du bist der Sohn des lebendigen Gottes, Gott, hochgelobt in Ewigkeit, und danken Dir, daß Du Dich selbst entäußert und Knechtsgestalt angenommen und den Menschen gleichgeworden, daß Du Dich selbst erniedrigt und gehorsam geworden bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Siehe, wir stehen im Begriffe, zu jenem heiligen Kleide zu pilgern, das Du in Deiner Erniedrigung an Deinem heiligen Leibe getragen, und mit Deinem Schweiße und Blute zu unserm Heile befeuchtet hast. Wir verlangen durch diese Wallfahrt unsern Glauben an Dich und Deine Gottheit öffentlich und feierlich vor aller Welt zu bekennen, und die Liebe zu Dir in unserm Herzen zu entzünden, auf daß wir in lebendigem Glauben und inniger Liebe Dir, unserm Gott und Heiland, in Zukunft treuer und vollkommener dienen bis zum Ende unseres Lebens. Siehe gnädig herab auf diese Gesinnung unseres Herzens und nimm wohlgefällig auf die Opfer der Liebe und der Buße, welche wir Dir bringen. Wir opfern Dir auf die Mühen und Beschwerden dieser Wallfahrt zu Deiner größten Ehre, zur Sühne für unsere und aller Menschen Sünden, zur Erlangung Deiner Gnaden und Hülfe in allen unsern Anliegen und Nöthen. Segne, o Herr, unsere Wallfahrt, auf daß sie uns und allen unsern Angehörigen zum Heile gereiche. Schütze und leite uns auf unserer Reise, und nimm die Unserigen in Deine Obhut; führe uns wohlbehalten und reich begnadigt zurück in unsere Heimat. Dann wollen wir Deinen Namen preisen und Dir lobsingen, der Du lebest und regierest mit Gott dem Vater in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Das kirchliche Reisegebet.

Ant. Auf den Weg des Friedens und des Heiles geleite uns der allmächtige und barmherzige Herr; der Engel Raphael begleite uns auf der Reise, auf daß wir mit Friede, Heil und Freude zurückkehren zu unserm Eigentum. Herr, erbarme Dich unser!
A. Christe, erbarme Dich unser! Herr, erbarme Dich unser.
V. Vater unser...
V. Hilf Deinen Dienern, die auf Dich, mein Gott, vertrauen.
A. Sei uns, o Herr, ein fester Schutz gegen den Feind.
V. Nichts soll uns der Feind anhaben.
A. Und nimmermehr soll uns der Ungerechte schaden.
V. Gepriesen sei der Herr Tag für Tag!
A. Glückliche Reise gebe uns der Gott unsers Heiles.
V. Zeige uns, o Herr, Deine Pfade und lehre uns Deine Wege!
A. Mögen unsere Schritte gerichtet sein, um zu befolgen Deine Satzungen!
V. Was krumm ist, soll gerade, was uneben ist, soll ebener Weg werden!
A. Seinen Engeln hat Gott Deinetwegen befohlen, daß sie Dich behüten auf allen Deinen Wegen.
V. Herr, erhöre mein Gebet,
A. Und laß mein Rufen zu Dir kommen.
V. Lasset uns beten:

O Gott, der Du die Söhne Israels trockenen Fußes durch die Mitte des Meeres gehen ließest, und den drei Weisen des Morgenlandes unter Führung des Sternes den Weg zu Dir bereitet hast, schenke uns, wir bitten Dich, eine glückliche Reise und günstige Witterung, auf daß wir, von Deinem heiligen Engel begleitet, dorthin, wohin wir jetzt pilgern, und endlich in den Hafen des ewigen Heiles glücklich gelangen mögen.

O Gott, der Du den Abraham aus Chaldäa herausgeführt und auf all' seinen Wanderungen unversehrt bewahrt hast, wir bitten Dich, beschütze uns, Deine Diener; gewähre uns, o Herr, bei Aufbruch frohen Muth, Erquickung auf dem Wege, Schatten in der Hitze, Schutz bei Regen und Kälte, Stärkung bei Ermüdung, in jeglicher Drangsal Schutz, damit wir, von Dir geführt, dorthin, wohin wir jetzt pilgern, glücklich gelangen und endlich unversehrt zurückkehren zu unserm Eigentum.

Neige, o Herr, wir bitten Dich, gnädig Dich zu unsern Bitten und lenke den Weg Deiner Diener in Heil und Wohlergehen, damit unter allen Wechselfällen dieser Reise und unseres Lebens wir durch Deine Hülfe allezeit beschützt werden.

Verleihe, allmächtiger Gott, daß Deine Familie auf dem Wege des Heiles dahinziehe, und, die Mahnungen des heiligen Johannes, des Vorläufers unseres Herrn, befolgend, glücklich zu dem gelange, den er vorausgesagt, zu unserm Herrn Jesum Christum, Deinem Sohne, der mit Dir lebt und regiert in Einigkeit des heiligen Geistes Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Unter Deinen Schutz und Schirm...
V. Lasset uns ziehen in Frieden.
A. Im Namen des Herrrn. Amen.

Beim Auszug: Lied: "Eilt mit flammender Begierde..." Seite 199; oder: "Vom grünen Moselstrome..." Seite 199.

b. Gebete während der Wallfahrt.

Es werde der dreifache Rosenkranz gebetet und abwechselnd eines der Lieder gesungen, die am Ende des Büchleins folgen. Der Rosenkranz werde geschlossen mit der Litanei vom süßen Namen Jesus, oder zur Mutter Gottes, oder von allen Heiligen. Seite 79 ff.

c. Gebete in Trier in einer Pfarrkirche vor dem Einzug in den Dom.

O Jesus, mein Gott und Heiland, der Du hier im heiligsten Sakramente des Altars wahrhaft und wirklich gegenwärtig bist, ich bete Dich an in tiefster Ehrfurcht meiner Seele und danke Dir, daß Du auf der Pilgerfahrt mich gnädig behütet und vor jedem Unfall mich bewahrt hast. Unter Deinem mächtigen Schutze bin ich glücklich angelangt an dem Ziele meiner Wallfahrt und dem Gegenstande meiner Sehnsucht nahe gekommen. O mein Gott und Heiland, nur noch wenige Augenblicke, und ich werde die unverdiente Gnade haben, in die Nähe des heiligen Kleides zu treten, das Du, mein Heiland einst für mich getragen und mit Deinem heiligen Blute zur Sühne für meine Sünden gerötet hast. Mit inniger Sehnsucht und heißem Verlangen sehe ich diesem gnadenvollen Augenblick entgegen. Doch ich erkenne und bekenne es in Demut und Reue, daß ich nicht würdig bin, mich diesem Heiligtum zu nahen, und meine sündhaften Augen zu dem heiligen Gewande zu erheben, auf welches einst Dein reinstes, heiligstes Auge gerichtet war, das geweiht ist durch Dein heiliges Leben und geheiligt durch Dein kostbares Blut. O Herr, reinige mich um der Verdienste deines heiligen Lebens und Deines bitteren Sterbens willen, reinige meine Seele in Deinem kostbaren Blute von aller Makel der Sünde, die ich von Herzen bereue; reinige mein Herz von allen eitlen und irdischen Gedanken, auf daß ich jetzt an nichts anderes denke, als an Dich, meinen liebevollsten Gott und Heiland, und an das Übermaß Deiner Liebe zu mir, deren Denkmal ich in diesem heiligen Gewande bald schauen werde. Flöße meinem Herzen ein die Gesinnungen wahrer Reue und aufrichtiger Zerknirschung; denn ein reumütiges und gedemütigtes Herz wirst Du, o Herr, nicht verschmähen! Entzünde durch den Andblick dieses heiligen Kleides mein Herz mit dem heiligen Feuer Deiner Liebe und durchdringe es mit dem lebhaften Verlangen, von nun an Deinem Dienste mein ganzes Leben zu weihen und Dir allein anzugehören, der Du allein der Liebe aller Deiner Geschöpfe unendlich würdig bist.

Schenke mir in dem Augenblicke, da ich vor Deinem heiligen Kleide stehen werde, alle die Gnaden, deren ich bedarf, gewähre mir Erhörung in allen meinen Anliegen, laß mich erfahren die wunderbare Kraft, die von diesem heiligen Kleide ausgegangen, und auch jetzt wieder ausgeht, zu heilen und zu stärken alle, die demselben sich vertrauensvoll nahen.

O mein Heiland, der Du gesagt hast: "Kommet zu mir, die ihr mühselig und beladen seid", siehe, ich komme zu Dir, beladen mit der Schuld meiner Sünden und seufzend unter den Mühseligkeiten dieses Lebens; ich komme mit unbegrenztem Vertrauen auf Deine unendliche Liebe und Erbarmung, ich komme zu Dir mit dem Vertrauen des Aussätzigen, der zu Dir sprach: "Herr, wenn Du willst, kannst Du mich reinigen", mit dem Vertrauen der büßenden Magdalena, die trotz ihrer Sünden es wagte, Deine heiligen Füße zu berühren. Siehe, ich komme, vertrauend auf Deine Güte, trotz meiner Sünden, ja wegen meiner Sünden, denn Du bist es, der die Sünder allzeit so liebreich aufgenommen und begnadigt hat. O nimm auch mich armen Sünder jetzt gnädig auf und erfülle an mir Deine Verheißung: "Ich will sie erquicken." Sprich auch zu meiner Seele: "Sei getrost! Dein Glaube hat Dir geholfen." Und dann werde ich frohlockend wieder von dannen ziehen und Deine Barmherzigkeit preisen und kund thun alle Deine Erbarmungen.

O Jesus, ich glaube an Dich, o Jesus, ich hoffe auf Dich, o Jesus, von Herzen liebe ich Dich. -- O Jesus, sei mir gnädig, o Jesus, sei mir barmherzig, o Jesus, verzeihe mir alle meine Sünden. -- O Jesus, Dir lebe ich, o Jesus, Dir sterbe ich, o Jesus, Dein bin ich tot und lebendig.

O Maria, meine liebe Mutter, die du mit deinen reinen Händen dieses heilige Kleid gewebt und mit den Thränen deiner Liebe und deines Schmerzes dasselbe benetzt hast, o erflehe mir die Gnade, daß ich würdig zu demselben hinzutrete und durch den Anblick desselben zu inniger Reue über meine Sünden erweckt, mit heißer Liebe zu deinem Sohne entzündet und der segensreichen Früchte des Anblickes dieses heiligen Kleides in vollem Maße theilhaftig werde.

"Gib, o Mutter, Quell der Liebe,
Daß ich mich mit dir betrübe,
Mich erschüttere dein Weh'!
Laß mich mit recht heißen Trieben
Meinen Gott und Heiland lieben,
Daß er gnädig auf mich seh'!"
(Stabat mater.)

O heilige Helena, die du dies heilige Kleid mit großer Sorgfalt einst gesucht und durch Gottes Gnade gefunden, und dasselbe der Trier'schen Kirche als kostbares Kleinod übergeben hast, bitte jetzt für mich und alle Pilger, auf daß wir in frommer Gesinnung und mit inniger Liebe dasselbe schauen mögen.

Ihr heiligen Trier'schen Bischöfe, die ihr dieses heilige Kleid so treu behütet, ihr heiligen Trier'schen Martyrer, die ihr für Christus euer Blut vergossen, o bittet für uns, daß wir würdig werden, sein heiliges Kleid zu schauen.

O heilige Engel, begleitet uns und betet mit uns euren König an, dem ihr einst, da er in diesem heiligen Kleide auf Erden wandelte, in Demut und Freude gedient.

O alle Heiligen Gottes, bittet für uns, auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi! Amen.

d. Einzug in die Domkirche.

Beim Auszug aus der Pfarrkirche, von welcher die Prozession ausgeht, kann gesungen werden:

"Eilt mit flammender Begierde..." (Seite 119).

Auf dem Wege zum Dome mögen die Pilger möglichst vollkommen die äußere Ordnung, sowie die innere Sammlung zu bewahren suchen und vor der Domkirche, ohne sich zu drängen, in aller Geduld betend den Augenblick erwarten, wo sie Einlaß erhalten. Der eine Gedanke erfülle und beherrsche alle: "Bald werde ich vor dem Kleide meines Heilandes stehen!"

Eingetreten in die Domkirche, nahe dich andächtig betend mit größter Ehrfurcht der heiligen Reliquie, die im hohen Chore über dem Hochaltare ausgestellt ist, und halte die anzurührenden Gegenstände in der Hand bereit. Erwecke nochmals einen Akt des lebhaftesten Vertrauens und flehe mit aller Inbrunst um diejenige Gnade, nach welcher du am meisten verlangst, gerade so, als wenn du dem Heilande selbst dich nahen würdest. Ein einziges Gebet, voll unbedingten Vertrauens, kann in solch' heiligem Augenblicke Wunder der Gnade wirken. Und wenn du vor dem Heiligtume stehst, dann rufe mit der ganzen Inbrunst deines Herzens mit dem Blinden zu Jericho: "O Jesus, Sohn Davids, erbarme Dich meiner!"

Von der Inbrunst und dem Vertrauen, womit du in diesem Augenblicke betest, hängt zum großen Theil die gnadenreiche Wirkung deiner Wallfahrt ab. Darum "lasset uns hinzutreten mit der Fülle des Vertrauens zu dem Throne der Gnade, damit wir Barmherzigkeit erlangen zur Zeit, da wir der Hülfe bedürfen"!

So wie sich dir die Gelegenheit bietet, verrichte entweder in der Domkirche oder in einer naheliegenden Pfarrkirche mit möglichster Sammlung folgende Andachtsübungen.

e. Begrüßungen der heiligen Reliquie.

V. Sei uns gegrüßt, sei hochverehrt, du heiliges Kleid, das mit jungfräulicher Hand die heilige Mutter dem göttlichen Kinde kunstreich gewebt und mit den Thränen ihrer Liebe und ihres Schmerzes benetzt hat.

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, das einst den heiligen Leib des Herrn bedeckte und von demselben Kraft empfing, zu heilen alle, die es berührten.

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt, sei hochverehrt, du heiliges Kleid, in dem der Herr gewandelt in Armut und Erniedrigung, in welchem er gelehrt und Wunder ohne Zahl gewirkt, in welchem er gebetet zum Vater in stillen Nächten um unseres Heiles willen!

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid des Herrn, das mit seinem Schweiß befeuchtet ward, als er umherzog, frohe Botschaft zu bringen den Menschen, die des Heiles harrten, zu suchen und selig zu machen alles, was verloren war!

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, das einst die Kranken zu berühren suchten, um geheilt zu werden, von welchem eine Kraft ausging, zu heilen alle, die sich vertrauensvoll ihm nahten!

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt, sei hochverehrt, du heiliges Kleid, das, auf dem Tabor mit dem Herrn verklärt, hell leuchtete und glänzte, wie frischgefallener Schnee, und dessen Anblick dort die Jünger mit seligster Freude erfüllte!

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, o heiliges Kleid, das einst benetzt ward von den Tränen des Herrn, die er, von Schmerz bewegt, geweint hat über Jerusalems Verstocktheit und über unsere Sünden, die er, von Mitleid tief ergriffen, vergossen an dem Grabe seines Freundes Lazarus!

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, o heiliges Kleid, in dem der Herr in unbegrenzter Liebe am heiligen Abend vor seinem Tode das Denkmal seiner Wunder stiftete und seinen heiligen Leib und sein heiliges Blut uns hinterlassen hat zur Nahrung unserer Seelen!

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, das in dem Garten, wo der Herr die Sündenschuld der ganzen Welt auf sich genommen und in Todesangst den blutigen Schweiß vergossen, mit seinem heiligen Leibe in den Staub gesunken, mit seinen zitternden Gliedern erschüttert und von seinem heiligen Blute befeuchtet ward!

A. O heiliges Kleid, sie ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, das von Stricken und Banden umwunden ward, als unser Herr gefangen und nach Jerusalem geschleppt wurde, das überdeckt ward mit dem Spottgewand, in dem Herodes den Herrn verspottet und durch Jerusalem geführt hat.

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, das unserm Herrn von seinem Leibe abgerissen wurde, als er gegeißelt ward, und dann sein heiliges Blut getrunken, das bei der Geißelung aus seinen Wunden strömte.

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, in dem der Herr mit seinem schweren Kreuze den Berg hinaufgegangen, in dem er dreimal niedersank zur Erde hin, du heiliges Kleid, das von seinem heiligen Leibe abgerissen, die Wunden alle wieder öffnete, welche die Geißelung ihm geschlagen.

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, über das am Fuß des Kreuzes das Los geworfen wurde, und das der Herr als Denkmal seiner Liebe uns hinterlassen und dieser Kirche als kostbarstes Kleinod anvertraut hat, es zu bewahren zum Heil der Christenheit!

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Sei uns gegrüßt und hochverehrt, du heiliges Kleid, das ungenäht und ungetheilt, in einem Stück gewebt von obenan bis unten, ein Sinnbild ist der Einheit und der Einigkeit, die ungetheilt und unversehrt in Christi Kirche herrschen soll allimmerdar bis zum Ende der Zeiten.

A. O heiliges Kleid, sei ehrfurchtsvoll gegrüßt!

V. Lasset uns beten. O Gott, der Du das ungenähte Gewand unsers Erlösers nicht zerreißen und nicht zertheilen lassen wolltest, verleihe uns, daß wir, die wir in der Taufe Christum angezogen haben, durch die Einheit des Glaubens und die Gemeinschaft der Liebe alle eins sind in demselben Christo, unserm Hern, der mit Dir und dem heiligen Geiste lebt und regiert gleicher Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

f. Fromme Erwägungen vor dem heiligen Kleid.

O mein Herr und Heiland Jesus Christus, ich werfe mich in tiefster Ehrfurcht vor Dir nieder und bete Dich an als den eingeborenen Sohn Gottes, den König des Himmels und der Erde. Ich danke Dir von ganzem Herzen für die unaussprechlich große Gnade, deren Du mich armen Sünder heute gewürdigt, daß ich das heilige Kleid, in welchem Du auf Erden in den Tagen Deiner Niedrigkeit gewandelt, schauen und verehren darf. O möge der Anblick dieses heiligen Kleides mein Herz erwecken zu inniger Reue über meine Sünden und es entzünden mit glühender Liebe zu Dir, meinem liebenswürdigsten Heiland und Erlöser!

1. Dieses heilige Kleid erinnert mich an Deine unendliche Liebe, in welcher Du, der wesensgleiche Sohn des ewigen Vaters, für uns und um unseres Heiles willen vom Himmel herabgestiegen, Knechtsgestalt angenommen, den Menschen gleich geworden und im Äußern wie ein Mensch erfunden wurdest; es erinnert mich an jene Liebe, mit der Du dreiunddreißig Jahre unter den Menschenkindern in tiefster Armut und Erniedrigung umhergewandelt bist, Wohlthaten spendend; an jene Liebe und Erbarmung, mit der Du das geknickte Rohr nicht brechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen wolltest, sondern alle, die mühselig und beladen waren, zu Dir gerufen hast, um sie zu erquicken; es erinnert mich an jene Liebe, die der hungernden Volksmenge sich erbarmt, die weinende Wittwe getröstet, mit den trauernden Schwestern des Lazarus selbst auch geweint hat, an Deine Liebe, mit der Du die Unwissenden gelehrt, die Trauernden getröstet, die Kranken geheilt und auch der armen Sünder erbarmungsvoll Dich angenommen und sie begnadigt hast. O Übermaß der Liebe meines Herrn, an die das heilige Kleid mich mahnt, o Liebe, die sich nicht begnügt, das ihrige zu geben und Gnaden auszuspenden in reichster Fülle, -- o Liebe, die vielmehr sich selber gibt, sich selber opfert, die Menschen zu beglücken! "Da Du die Deinen geliebt, liebtest Du sie bis ans Ende", und gabst am Ende Deines Lebens als höchstes Zeichen Deiner Liebe Dich selber hin im heiligen Sakramente zur Nahrung unserer Seele und dann im bitteren Tode zum Opfer für unsere Sünden. -- O Liebesglut des Herzens Jesu, das einst geschlagen unter diesem heiligen Kleid, entzünde doch mein Herz mit heiliger Liebe, entzünde doch die Herzen aller, die dieses heilige Kleid, das Denkmal Deiner Liebe, in diesen Tagen hier betrachten. O Jesus, mein liebevollster Gott und Heiland, o möchten Dich doch alle Menschen lieben, und aller Herzen in Liebe mit Dir vereinigt sein, daß alle mit Deinem heiligen Apostel in Wahrheit sprechen könnten: "Wer wird uns scheiden von der Liebe Christi? Ich bin versichert, daß weder Leben, noch Tod, weder Engel, noch Mächte, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges es vermag, uns zu scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in Christo Jesu!"

2. Dein heiliges Kleid, o Herr, erinnert mich an meine Sünden und die Menge meiner Missethaten. -- Um meiner und aller Menschen Sünden willen hast Du, der Allerheiligste und Höchste, die Natur der Menschen angenommen und bist uns in allem gleich geworden, die Sünde allein ausgenommen, hast mit diesem heiligen Kleide Deinen Leib bedeckt, den Du im blutigen Tode als Sühnopfer hingeben wolltest zur Tilgung unserer Schuld. In diesem heiligen Kleide sehe ich Dich, o Jesu, weinend stehen vor Jerusalem und sehe die Thränen schmerzlichster Trauer herniederträufeln auf dasselbe ob der Sünden Deines Volkes und auch ob meiner Sünden; in diesem heiligen Kleide sehe ich Dich im Garten Gethsemani von Schmerz gebeugt, in Todesangst und Todesqual zur Erde hingesunken, zitternd und bebend, blutigen Schweiß vergießend um meiner Sünden willen, -- in diesem heiligen Kleide sehe ich Dich gefesselt und gebunden, von Richterstuhl zu Richterstuhl geführt, verspottet und mißhandelt zur Buße für meine Missethaten. Ich sehe dieses heilige Kleid von Deinem heiligen Leibe gewaltsam abgerissen an der Geißelsäule, und schaue Dich bedeckt mit tausend Wunden, als den Mann der Schmerzen, gehüllt in das Purpurkleid des eigenen Blutes, zur Buße für meine Missethat. -- Ich sehe Dich in diesem heiligen Kleide, das von Deinem Blute befeuchtet und gerötet ist, zum Tode verurteilt, das Kreuz auf Deinen Schultern tragend hinaufziehen nach Kalvaria, beladen mit meiner Schuld, und dreimal niedersinken in den Staub, zusammenbrechend unter meiner Sündenlast. -- Ich sehe Dich, des heiligen Kleides von roher Henkershand zum letztenmal beraubt, ans Kreuz geheftet, bedeckt von Blut und Wunden, und am Kreuze sterbend, als Opferlamm zur Sühne für meine Sünden. -- Ich sehe Dein heiliges Kleid in den Händen Deiner Henker, mißachtet und verlost, nach Deinem heiligen Willen aber für uns bestimmt als Denkmal Deiner Liebe, als Zeichen unserer Schuld. -- O Du mein Herr und Gott, der Du für meine Sünden so schwer gebüßt: von Schmerz durchdrungen und tief beschämt ob meiner Missethaten, sinke ich nieder vor diesem heiligen Kleide und bereue meine Sünden, und flehe Dich an, durchdringe meine Seele mit dem lebhaftesten Reueschmerz und mit dem festen Vorsatz, der Sünde nunmehr abzusterben und Dir allein zu leben, der Du für meine Sünden in unendlicher Liebe gestorben bist. Vor Deinem heiligen Kleide beteuere ich, o Jesu: ich entsage jetzt der Sünde, besonders dieser..., durch welche ich bisher so oft schon Dich beleidigt habe, und will, so viel ich's nur vermag, auch die Gelegenheiten meiden, welche so oft zu dieser Sünde mich geführt haben.

3. Dein heiliges Kleid erinnert mich an Dein heiliges Leben, das Du in diesem Kleide hier auf Erden geführt uns allen zum Vorbild, auf daß wir Dir nachfolgen, und Dir ähnlich werden möchten in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Ich sehe Dich, o Jesus, in diesem heiligen Kleide in bitterer Armut und in tiefster Demut, in mühevoller Arbeit und in beständigem Gebete, in Sanftmut und Geduld auf Erden wandeln, uns allen Dein Beispiel hinterlassend, auf daß, wie "Du gewandelt, so auch wir auf Erden wandeln mögen". O Herr, wie umstrahlte einst -- als dieses arme Kleid Deinen heiligen Leib bedeckte, -- die höchste Heiligkeit Dein ganzes Wesen, wie leuchtet sie vor unserer Seele jetzt beim Anblicke dieses Kleides! O, daß doch Dein Leben auch unser Leben sei, daß wir den alten Menschen mit seinen sündhaften Gelüsten ablegen, den neuen Menschen anziehen möchten, der nach Gott geschaffen ist in Heiligkeit und Gerechtigkeit! O, daß wir Dich, unsern Herrn Jesum Christum, anziehen würden, und allezeit geschmückt mit dem Gewande der heiligmachenden Gnade, nach Deinem Beispiele wandelnd, zunehmen möchten von Tag zu Tag in aller Tugend und Vollkommenheit! O Herr, umkleide uns mit dem Gewande Deiner Heiligkeit, daß wir, die Du berufen hast zum Anblick Deines heiligen Kleides, Dir gleichförmig hier auf Erden und würdig seien, einst auch umkleidet zu werden mit dem Lichtgewande Deiner Herrlichkeit.

4. Dein heiliges Kleid erinnert mich an Deine Verherrlichung und Glorie, die Du durch Deine Erniedrigung und Deine Heiligkeit auf Erden Dir erworben. Ich sehe Dich in diesem heiligen Kleide auf dem Taborberge verklärt in himmlischem Glanze, ich sehe Dein Angesicht leuchten wie die Sonne, und sehe das heilige Kleid selbst an Deiner Verklärung Antheil nehmen, leuchtend und strahlend, weiß, wie der Schnee; ich höre die Stimme des himmlischen Vaters, die da ruft: "Dieser ist mein vielgeliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe." Ich schaue empor zum Himmel, wo Du sitzest jetzt zur Rechten des Vaters und sehe Deine heilige Menschheit umkleidet von dem Lichtgewande der ewigen Herrlichkeit: die Wonne und Freude der Engel und der Heiligen. O Jesus, mein Herr und Gott, ich freue mich und frohlocke ob Deiner Verherrlichung und sage Dir Dank wegen Deiner großen Glorie und stimme jubelnd ein in den Lobgesang der Engel: "Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen!"

O mein Heiland, Du König der ewigen Ehren, um der unendlichen Liebe willen, mit der Du dieses heilige Kleid für mich getragen, um der Verdienste willen, die Du in diesem heiligen Kleide für mich erworben, laß mich einst im Himmel, nachdem ich das Kleid dieser Sterblichkeit abgelegt, umkleidet von dem Gewande der Glorie, Dein heiligstes Angesicht schauen und in ewiger Seligkeit mit Dir vereinigt werden, damit ich dort mit allen Engeln und Heiligen Deine Barmherzigkeit preisen könne in alle Ewigkeit. Amen.

g. Flehentliches Bittgebet zum göttlichen Heiland.

V. O göttlicher Heiland Jesus Christus, der Du in den Tagen Deines irdischen Wandels in unendlicher Liebe aller dich erbarmt hast, die mit lebendigem Vertrauen Hülfe suchend sich Dir nahten, siehe, auch wir erscheinen vor Dir in diesem Heiligtum, das Du erwählt hast, um allda den Reichtum Deiner Gnaden auszugießen über alle, die in demselben vertrauensvoll Deine Barmherzigkeit erflehen. O schaue gnädig auf uns herab, und neige Dein Ohr zu unsern Bitten und erhöre uns nach dem Übermaße Deiner Liebe und Erbarmung!

O göttlicher Heiland, Du Urheber und Vollender unseres Glaubens, der Du den heiligen Petrus wegen des gläubigen Bekenntnisses Deiner Gottheit selig gepriesen hast: wir glauben und bekennen mit ihm, daß Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes, und rufen anbetend mit Thomas aus: "Mein Herr und mein Gott! -- O möchten doch alle Menschen Dich erkennen als ihren Gott und Heiland und sich vor Dir beugen die Kniee aller, die im Himmel, auf Erden und unter der Erde sind!

A. O Jesus, wir glauben an Dich! Vermehre unsern Glauben!

V. O Jesus, Du Heiland und Erlöser aller Menschen, in dem allein wir selig werden können, der Du das Vertrauen des heidnischen Hauptmannes gelobt und durch die wunderbare Heilung seines Knechtes belohnt hast: Du allein bist unsere Hoffnung und unsere Zuversicht, und all' unser Vertrauen ruht auf Deiner unermeßlichen Barmherzigkeit und Deinen unendlichen Verdiensten. -- O erhalte in uns und in aller Christen Herzen dieses Vertrauen, auf daß wir in allen Drangsalen und Leiden nicht verzagen, sondern allezeit voll Zuversicht sprechen: "Auf Dich, o Herr, habe ich gehofft; ich werde nicht zu Schanden werden in Ewigkeit!"

A. O Jesus, wir hoffen auf Dich, stärke unsere Hoffnung!

V. O Jesus, Du Gott der Liebe, Du höchstes Gut, Du Heil der Welt, der Du von Magdalena die Beweise ihrer Liebe gnädig angenommen und ihre Liebe vor aller Welt lobend anerkannt hast: -- o Jesus, Dich wollen wir lieben von ganzem Herzen, Dir wollen wir unser Leben weihen und einzig Dir angehören. -- O entzünde in unsern Herzen Deine Liebe, daß wir in Wahrheit mit dem Apostel sprechen können: "Wer wird mich scheiden von der Liebe Christi?"

A. O Jesus, wir lieben Dich! Vermehre unsere Liebe!

V. O Jesus, Du Heiland der Welt, der Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, der Du in Deinem sterblichen Leben uns das Beispiel aller Tugenden gegeben, und uns den Weg gezeigt hast, auf dem wir wandeln sollen zum ewigen Leben, der Du den reichen Jüngling gemahnt hast: "Willst Du vollkommen sein, so verleugne dich selbst und folge mir nach": -- siehe, wir wollen Dir folgen und uns selbst verleugnen, wir wollen nach Deinem Beispiel leben in Heiligkeit und Gerechtigkeit.

A. O Jesus, wir wollen Dir folgen, wohin immer Du gehest! Hilf uns durch Deine Gnade!

V. O Jesus, der Du in den Tagen Deines irdischen Wandelns in unendlicher Liebe und Erbarmung die Sünder nicht verstoßen, sondern liebreich aufgenommen und begnadigt hast, der Du die Magdalena nicht von Dir gewiesen und dem Zachäus hast Heil widerfahren lassen, der Du den Petrus gnädig angeblickt und dem reumütigen Schächer das Paradies verheißen: -- o milder Hirt der verlorenen Schäflein! erbarme Dich unser und aller armen Sünder; verwirf uns nicht um unserer Sünden willen, sondern schenke uns und allen, die sich vertrauensvoll in diesen Tagen Deinem heiligen Kleide nahen, den Geist der Buße und wahre Zerknirschung des Herzens, damit wir, Deiner Verzeihung würdig, aus Deinem Munde das trostvolle Wort vernehmen: "Gehe hin in Frieden, deine Sünden sind dir vergeben."

A. O Jesus, vergib uns unsere Sünden und erbarme Dich aller armen Sünder!

V. O Jesus, Du Licht und Leben der Welt, der Du gekommen bist, zu erleuchten alle, die in diese Welt eintreten, der Du einst selber den Schaaren des jüdischen Volkes Dein göttliches Wort verkündigt und Deine Apostel ausgesandt hast, Dein Evangelium zu predigen allen Geschöpfen, auf daß alle zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen und selig werden: -- wir danken Dir für die unverdiente Gnade, daß wir durch Deine heilige Kirche Deiner Wahrheit teilhaftig geworden, und wollen auf ihr Wort hören und nimmer von ihrer Lehre weichen. Wir bitten Dich, o Herr, laß Dein Licht leuchten allen Völkern, laß Deine Kirche sich ausbreiten über die ganze Erde, daß alle Deinen Namen preisen und in Deiner Wahrheit und Gnade ewiges Heil finden.

A. O Jesus, erleuchte die Ungläubigen und Irrgläubien mit dem Lichte Deiner Wahrheit!

V. O Jesus, Du unser Trost und unsere einzige Hoffnung, der Du in den Tagen Deines sterblichen Lebens die Betrübten getröstet und die Thränen der Weinenden getrocknet hast, der Du zu der trauernden Wittwe von Naim gesprochen: "Weine nicht", und die Trauer der Schwestern des Lazarus in Freude verwandelt hast: -- o schaue voll Mitleid und Erbarmen auf uns und alle herab, die in der Trübsal ihres Herzens zu Dir kommen und Deine Barmherzigkeit anflehen. O erbarme Dich unser: tröste die Betrübten und heile, die zerschlagenen Herzens sind. Laß niemand ohne Trost von Dir gehen, damit alle inne werden, daß Du ihr Heiland bist, und alle dankerfüllten Herzens ausrufen: "Der Herr hat alles wohl gemacht!"

A. O Jesus, tröste die Trauernden und Betrübten, erquicke alle, die mühselig und beladen sind.

V. O Jesus, Du Heil der Kranken, der Du voll unermeßlichen Erbarmens einst alle geheilt, die sich vertrauensvoll Dir nahten, der Du diejenigen gesund gemacht, die nur den Saum Deines Kleides berührten: o mildreichster Erlöser! schaue gnädig herab auf die Kranken, die voll Vertrauen sich Deinem heiligen Kleide nahen. Laß ausströmen aus demselben die wunderbare Kraft, die einst den Kranken die Gesundheit wiedergegeben, sprich nur ein Wort, und sie sind geheilt und werden Deine Barmherzigkeit preisend von dannen ziehen. Und wenn es Dir nicht gefallen sollte, denselben die Gesundheit wiederzuschenken, o so laß sie doch nicht ungetröstet von Dir gehen; laß sie erkennen, daß ihre Krankheit ihnen zum Heile ist und stärke sie, dieselbe mit Ergebung in Deinen heiligen Willen zu ertragen.

A. O Jesus, erbarme Dich der Kranken und der Leidenden!

V. O Jesu, der Du uns das Gebot gegeben, daß wir einander lieben, wie Du uns geliebt hast, und die liebevolle Sorge des heidnischen Hauptmannes um seinen kranken Knecht gelobt und belohnt hast: wir flehen zu Dir für unsere Angehörigen, die wir zu Hause zurückgelassen und die Dein heiliges Kleid nicht schauen können. O erbarme Dich auch ihrer, segne sie von diesem Heiligtume aus, erhöre sie in allen ihren Anliegen, die sie unsern Gebeten empfohlen haben, und schenke ihnen Deine Gnade so, als wenn sie selbst hier gegenwärtig wären.

A. O Jesus, erbarme Dich unserer Eltern, Brüder und Schwestern und aller unserer Angehörigen!

V. O Jesus, der Du die Auferstehung und das Leben bist und durch Deinen bitteren Tod uns die Gnade eines seligen Todes erworben hast, erbarme Dich -- wir flehen zu Dir -- unser und aller unserer Angehörigen in der Stunde unseres Todes. O dann verlaß uns nicht mit Deiner Gnade, sondern um Deiner unendlichen Verdienste willen, die Du in diesem heiligen Kleide lebend und am Kreuze sterbend für uns erworben hast, laß uns nicht unvorbereitet sterben, sondern schenke uns die Gnade, daß wir nach würdigem Empfange der heiligen Sakramente in lebendigem Glauben, in zuversichtlicher Hoffnung und innigster Liebe unsere Seele in Deine Hände empfehlen und aus Deinem Munde das trostvolle Wort vernehmen: "Heute noch wirst du bei mir sein im Paradiese."

A. O Jesus, erbarme Dich der Sterbenden und schenke uns allen die Gnade einer glückseligen Sterbestunde, auf daß wir Dich, dessen armes Gewand wir jetzt in Andacht betrachten, auch einst in Deiner Herrlichkeit frohlockend schauen und ewig loben und preisen mögen. Amen.

VII. Die Domkirche und ihre Reliquien

Die Domkirche ist in ihrem mittleren Theile ein römisches Bauwerk, und war nach einer nicht unwahrscheinlichen Ansicht ursprünglich ein Kaiserpalast, welchen Kaiser Konstantin seiner Mutter Helena für ihren Gebrauch überließ, und der von dieser dem heiligen Bischof Agritius geschenkt und zur Kirche umgebaut wurde. Von den Franken theilweise zerstört, wurde der Dom vom Erzbischof Nicetius(532-561) wiederhergestellt, im elften Jahrhundert vom Erzbischof Poppo nach Westen erweitert und von Udo mit der Apsis und zwei Thürmen versehen. Durchgreifender noch ward die Domkirche umgebaut durch den Erzbischof Hillin (1152-1169), welcher den östlichen Chor und unter demselben die schöne Krypta erbaute. Im siebenzehnten Jahrhundert wurde endlich noch durch Erzbischof Hugo von Orsbeck die kreisrunde Schatzkammer an dem östlichen Chore hinzugefügt.

Die Domkirche hat eine reiche Geschichte. Bis in das dritte Jahrhundert zurückreichend, hat sie theilgenommen an allen Umwälzungen und großen Ereignissen, die sich in Trier zugetragen; sie ist verherrlicht durch den Besuch vieler Heiligen, und durch die Anwesenheit von zwei Päpsten, Leo IX. und Eugen III., welche mit großer Pracht in der Domkirche feierlichen Gottesdienst gehalten in den Jahren 1049 und 1147; sie ist endlich geheilgt durch den Besitz der kostbarsten Reliquien und Heiligtümer. Unter diesen steht an erster Stelle der heilige ungenähte Rock unsers Herrn, der jetzt die frommen Christen zu Millionen in die Domkriche zieht, sodann einer der vier heiligen Nägel, mit denen unser Herr ans Kreuz geschlagen war, den ebenfalls die heilige Helena der Trier'schen Kirche geschenkt, und der auch in diesen Tagen in der Krypta zur Verehrung ausgestellt ist. Außerdem besitzt die Domkirche eine große Kreuzpartikel in neuem Reliquiar, einen Zahn des heiligen Petrus, und zwei Ringe von dessen Kette, Reliquien des heiligen Paulus, das Haupt des heiligen Apostels Matthias und der heiligen Helena, Gebeine und Sandalen des heiligen Andreas, die Gebeine des heiligen Maternus, des dritten Bischofs von Trier, in neuem kostbaren Reliquienschrein, Reliquien von der heiligen Mutter Anna, der heiligen Barbara und die Häupter des heiligen Papstes Cornelius und des heiligen Blasius, ebenfalls in einem neuen Reliquiar.

Betrachte und verehre andächtig die heiligen Reliquien, die in der Krypta der Domkirche ausgestellt sind, besonders den heiligen Nagel, der die Hand des Herrn durchbohrt hat, mit seinem Blute besprengt und das Werkzeug deines Heiles war.

Bete vor demselben andächtig die 5 Wunden, d.i. 5 Vater unser mit dem Zusatz:

O Jesus, durch die heilige Wunde Deiner rechten (linken) Hand, -- Deines rechten (linken) Fußes, -- Deiner heiligen Seite, erbarme Dich unser!

(Fortsetzung folgt)


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell (Schweiz)