Aus dem Immaculata-Archiv


Weltende und Weltgericht

von Anna Krankenedl, Graz

Aus "DAS ZEICHEN MARIENS" Nr. 1, 2. Jahrgang, 23. Mai 1968
(Auch als Separatdruck Nr. 3 erschienen)


Ein Weltgericht wird es einst geben,
so wahr wie wir auf Erden leben,
so wahr Gott Sohn, Herr Jesu Christ,
für uns am Kreuz verblutet ist;
so wahr wird Er einst wiederkommen
mit großer Kraft und Herrlichkeit,
zu scheiden Böse von den Frommen
für eine ganze Ewigkeit.

Daß dieser Morgen einstens tagt,
hat Christus selbst vorhergesagt.
Propheten, falsche, sich erheben,
um sich für Christus auszugeben.
Es werden kommen Himmelszeichen;
Gestirne treten aus den Bahnen,
daß alle Völker jäh erbleichen,
die schreckerfüllt das Ende ahnen.

Vom Himmel werden Sterne fallen,
Blitze zucken, Donner hallen;
der Mond wird seinen Schein nicht geben,
die ganze Erde rings erbeben.
Winde werden heulend sausen,
Weltenmeere zischend sieden,
sturmgepeitschte Wogen brausen,
dergleichen nie geschah hienieden.

Berge werden stürzend krachen;
stolze Häuser werden fallen,
aufgezehrt vom Feuerrachen,
Hilferufe laut erschallen.
Feuer fällt vom Firmamente;
toben werden Elemente.
Ja, alle Kräfte der Natur
verlassen die gewohnte Spur.

Verwirrung, Schrecken, ringsumher,
daß alles fliehet kreuz und quer.
Ach, Trübsal herrscht an jenen Tagen,
daß selbst Gerechte fast verzagen.
Da bei dem Jammer hier auf Erden
auch der Gerechten große Zahl
nimmer könnte selig werden,
wird abgekürzt die Zeit der Qual.

Und Jesus Christus wird erscheinen
als Richter auf dem Wolkenthron,
zum Schreck der Bösen, Trost der Reinen;
Maria weilt bei ihrem Sohn.
Die Mutter Christi, unsres Herrn,
als hohe Himmeskönigin
wird wie ein wunderbarer Stern
nach allen Seiten strahlen hin.

Das heilge Kreuz als Siegeszeichen
wird funkeln, leuchten, ohnegleichen,
daß alle die es glänzen sehn,
vor Furcht verschmachten, fast vergehn.
Und schuldbewußt, mit fahlen Wangen
blickt auf das Kreuz die böse Schar,
woran der Herr imTod gehangen,
zu retten, was verloren war.

Als Weckruf wird Posaunenschall
durch alle Gräber furchtbar dringen,
erschreckend laut ihr Widerhall
am ganzen Erdenrund erklingen.
Aus allen Gräbern werden kommen
hervor die Bösen und die Frommen.
Die winzigsten Stäubchen als Menschen erstehen,
um hin vor den Richter der Welten zu gehn.

"Sei mir gegrüßt", die Guten sagen,
die ihren Leib voll Schönheit schaun;
die Bösen aber, die nicht wagen,
ihn anzusehn, erfaßt ein Graun;
denn jeder ihrer Leiber trägt
des Lasters Schandmal eingeprägt.
O, das Gewissen wird zur Pein
so manchem argen Bösewicht,
daß er zermalmet möchte sein,
als hin vors strenge Weltgericht.

Und Christus wird den Engeln winken,
zu Seiner Rechten und zur Linken
aufzustelln die Menschemassen,
zum Lieben, -- und zum ew'gen Hassen.
O, welcher Jubel zwischen Jenen
in dieser großen ernsten Stunde,
die sich nun sehn mit Freudentränen;
geheilt ist jede Trennungswunde.

O, welch ein Bild; zur linken Seite
steht händeringend Satans Beute.
Wie furchtbar ist das Wiedersehn
bei denen, die verloren gehn!
Die sich geliebt, gehaßt hienieden,
von Engelshänden nun geschieden.

Wer andre unterdrückt, geknechtet,
verleumdet schwer und auch entrechtet
und er's gebüßt auf Erden nicht,
mit dem geht Gott streng ins Gericht.
Wo selbst die Guten kaum bestehn,
wie wird's den Übeltätern gehn?

Jetzt wird der Vorhang weggezogen
von langverhüllter, böser Tat;
wer seinen Nächsten hat betrogen,
hier weiß er sich mehr keinen Rat.
Gehimstes wird jetzt abgelesen,
sei's auch verborgen lang gewesen.
Hier gibt es mehr kein Irreführen;
hier herrschet nur Gerechtigkeit,
des Richtes Aug' durchforscht die Nieren,
und Zeugen stehen rings bereit.

Sie stehn vor Dem, -- der sie erschaffen,
Der alles sah, was sie verschuldet,
entblößt von ihrer Lügen Waffen,
Der nicht den Hauch des Unrechts duldet.
Zu denen links, die nie im Leben
um ihrer Seele Sorg' getragen
und auf Vergeltung nichts gegeben,
wird Jesus Christus strenge sagen:

"Was habt ihr nun von Mord und Streit,
von Haß und Unversöhnlichkeit,
von Unzucht, Bosheit, Neid und Gier;
nun steht ihr als Verworfne hier.
Ihr habt gedient nur eurem Leib,
nach eitler Weltlust nur getrachtet;
ihr liebtet flotten Zeitvertreib,
habt mein Gesetz verlacht, verachtet."

"Was hab' ich nicht für euch getan,
daß ihr erwacht aus eurem Wahn!
Ich löste eure Sündenketten
und stieg ans Kreuz, um euch zu retten.
Ich ließ euch warnen oft im Leben,
daß ihr nicht ewig geht verloren,
den schlechten Wandel aufzugeben;
man predigte nur tauben Ohren."

"Als Guter Hirt ging Ich euch nach
gar oft, um liebend euch zu suchen.
Ich erntete nur Hohn und Schmach; --
es war umsonst; jetzt mögt ihr fluchen.
Ihr ließet euch den heilgen Glauben
durch schlechte Freunde gerne rauben,
habt meine Diener abgewiesen,
die Ich gesandt; nun müßt ihr's büßen."

"Ihr habt gelebt in Lug und Trug;
ihr bliebt verstockt und bliebt verdorben;
ja, kein Gewinn war euch genug
und seid in schwerer Sünd' gestorben.
Und dennoch hab Ich euch geliebt,
obwohl ihr Mich nur stets betrübt!
Ich trug euch an all' Meine Gnaden;
ihr nahmt sie nicht, zu eurem Schaden.
Verriegelt ist das Tor der Zeit;
ihr wolltet ja verloren sein;
geht ein zur Qual der Ewigkeit;
nehmt hin den Lohn, -- die Feuerspein!"

Und schüchtern stammeln nun die Knecht:
"Ja, Herr, dein Urteil ist gerecht."
"Hinweg von Mir, ihr Bösen, Schlechten",
und wendet sich zu den Gerechten.
Erfreut an diesem schönen Bilde
neigt Er sein Antlitz ihnen zu;
mit einem Blick so wundermilde
spricht Er voll himmlisch-heil'ger Ruh:
"War hungrig; ihr habt Mich gespeiset,
war durstig; ihr habt Mich getränkt,
beherbergt, wenn Ich gereiset,
Mich Nackten mit Kleidern beschenkt."
"Wann hätten, o Herr, wir gesehen
Dich hungrig, als Gast Dich erkannt,
Dich jemals mit Speisen versehen
und Dir geschenkt ein Gewand?"

"Was ihr in euerem Leben
habt Meinen Brüdern gegeben,
das habet ihr Mir getan,
von einem Trunk Wasser an.
Seid Mir gesegnet, ihr Getreuen
und nehmet in Besitz das Reich;
ihr sollt für ewig euch erfreuen",
spricht Jesus Christus sanft und weich.

"Ihr habt das Kreuz mir nachgetragen
nach steilen Höhn auf Golgotha,
und habt gelitten ohn' Verzagen;
nun ist der Ostermorgen da!"
Ein unbeschreiblicher Jubelchor
dringt brausend nun zum Herrn empor
samt allen heil'gen Engelschören,
wie nie auf Erden war zu hören.

In Seiner Gottheit Strahlenkleide
blickt auf die auserwählten Scharen
der Herr dann lächelnd, voll der Freude,
die Seine treuen Diener waren.
Ein Einzug wird gehalten werden
der sel'gen Reihen hold und traut,
zum Himmelstor, wie nie auf Erden
so Herrliches ein Aug' geschaut.

Den ungezählten Legionen
der Engel schließen sich dann an,
die Heil'gen all' in Prozessionen,
mit Jesus Christus dort voran.
Der Gottesmutter Lichtgestalt,
von ihres Sohnes Glanz umflossen,
schwebt hin, vom Glorienschein umstrahlt,
wer hätt' solch Anblick je genossen?
In duftender Klarheit, wie Blumen so schön,
der Seligen Leiber sind anzusehn.
So schweben im verklärten Schimmer
die Guten ins verheißne Land,
zur ew'gen Freude nun für immer,
die Siegespalme in der Hand.
Sie folgen all' dem Gotteslamme,
das sie erlöst am Kreuzesstamme
in den geschmückten Himmelssaal,
zu halten ew'ges Hochzeitsmahl.

All die Verdammten müssen sehen,
die fluchend blieben dort zurück,
wie Jene, ach, zur Freude gehen,
mit ganz verstörtem, wilden Blick.
Der große Spender alles Lebens
verschwand; -- Er litt für sie vergebens!

"Weil wir gegeizt, nach Geld gestrebt,
stets glaubenslos und flott gelebt;
weil wir geübt nie ein Erbarmen,
kein Mitleid hatten mit den Armen;
weil wir dem Nächsten nicht vergaben,
den Haß vermehrten und die Wut;
weil Feindschaft wir gestiftet haben,
soll'n brennen wir in ew'ger Glut.

O, hätten wir die Schuld bereut",
so rufet der verworfne Haufen,
"als wir noch lebten in der Zeit"
und jammernd sich die Haare raufen.

Der Boden jäh beginnt zu schwinden;
auf tut sich da ein Feuerschlund,
der sie verschlingt -- und sie sich finden
in bodenlosem Höllengrund,
den böse Geister ganz erfüllen
und laut vor Schmerz wie Tiere brüllen.

Geschlossen ist das Himmelstor,
an das sie schauten noch empor.
"Was haben, Toren, wir getan;
für uns ist alles jetzt vorbei";
sie stieren sich verzweifelt an
und brechen aus in Raserei.

Hier sind sie nun, die sie belogen
und um ihr ew'ges Glück betrogen!
"Für ein paar Jahre Lustbarkeit,
für eine Handvoll Sündengeld,
was wir auf Erden nie bereut,
ein solches Los uns zu jetzt fällt.
Weil wir der Kirche nicht geglaubt;
weil manche Unschuld wir geraubt;
weil wir gemordet zornentbrannt,
sind wir für ewig jetzt verdammt."

"O, diese Qualen, diese Flammen;
an uns verloren Gottes Huld;
mit allen Teufeln nun zusammen,
aus eigner Schuld, aus eigner Schuld!"
Kein Gottesherz zu dem man fleht;
sie haben es erkannt zu spät.
Zu heulen nun in höchster Pein,
jetzt ewiglich verurteilt sein!
O Schmerzen, die kein Mund nicht nennt,
und nie mehr möglich, zu entweichen;
wie das Gewissen folternd brennt;
o Marterqualen ohnegleichen!

Sie hatten einst verlacht, verhöhnt,
die Christus glorreich hat gekrönt.
Auch sie hat einst der Herr berufen,
an Seines Gottesthrones Stufen.
Sie, --die beharrlich einst verschmäht
die Gnade der Barmherzigkeit,
an ihnen in Erfüllung geht
das Urteil der Gerechtigkeit.

Willst stehen du zur rechten Seite,
rüst' dich zur Umkehr, Freund, schon heute
Sag nicht, zum Beichten sei's noch Zeit,
daß dich's nicht ewig bitter reut;
kennst du den Tag, wo du mußt sterben?
Stürz dich nicht selber ins Verderben.
So Mancher, der noch heut gelacht,
ist morgens nimmermehr erwacht.
Verzeih dem Nächsten, zürn ihm nicht;
denk an das Letzte Weltgericht.
Mach frei dich von der Sünde Bande,
daß nicht an deinem Grabesrande,
wo keine Gnadensonn' mehr scheint,
man als "verloren" dich beweint.

Nur Christi Kreuz führt hin zum Licht;
ein andrer Weg bestehet nicht.
Wer büßend seine Schuld bereut,
an dem übt Gott Barmherzigkeit.


Lesen Sie hiezu vor allem das Kapitel der "12. Schau: Der Tag der großen Offenbarung" aus dem Buch "Wisse die Wege - Scivias" von der hl. Hildegard von Bingen.


Die Ewigkeit

Es ist ein Artikel des Glaubens, daß alle mit Vernunft begabten Seelen, die seit 5000 bis 6000 Jahren erschaffen worden, noch immer leben und unsterblich sind; es ist ein Artikel des Glaubens, daß ich und ihr nach 10000, 20000, 100000 Jahren noch existieren werden. Aber wo werden wir sein? Im Hause unserer Ewigkeit! Der Mensch wird in das Haus seiner Ewigkeit gehen. (Eccl. 12.) Die Ewigkeit, sie ist jenes unermeßliche Land, in das der Mensch eingeht, sobald er von dieser Welt scheidet; das große Land der Ewigkeit, und zwar der Ewigkeit der Glorie, wenn er ein frommes Leben geführt, der Ewigkeit der Stafen, wenn er unglücklicherweise in der Sünde gestorben ist! Dies alles ist Glaubensartikel; und wer im Glauben an eine so hochwichtige Wahrheit wankte, wäre ärger als ein Jude, als ein Häretiker, ja als ein Heide, da die meisten Heiden die Unsterblichkeit der Seele annehmen und glauben, nach diesem Leben gebe es eine Ewigkeit. Mit welch größerer Festigkeit sollen wir es glauben, die wir als unfehlbar jenen Ausspruch unseres Gottes und Herrn anbeten. "Diese werden eingehen in die ewige Qual, die Gerechten aber in das ewige Leben." (Matth. 25.)

Fasset nun die Ewigkeit ins Auge, wenn ihr den Mut dazu habt. Sie ist ein Niemals, das immer anfängt, und ein Immer, das niemals ein Ende nimmt. Ach, hiefür haben wir kein Maß! Ziehet von irgendeiner geschaffenen Quantität einen Teil ab, so wird sie kleiner, fügt etwas hinzu, so wird sie größer: ziehet ihr aber von der Ewigkeit 100000 Jahre ab, so wird sie deshalb nicht um einen Punkt kleiner, füget ihr eine Million Jahrtausende hinzu, so wird sie um keinen Augenblick länger; die Ewigkeit ist unbeweglich, unermeßlich, keiner Vergrößerung oder Verkleinerung fähig... Kommet mit mir in die Wüsten Aegyptens, der Thebais und Plästinas; dringet in die schauerlichen Orte dieser Einöden und sehet dort eingeschlossen in jener Höhle einen Hilarion, in der andern einen Makarius, daneben einen Pachomius, hier einen Paulus, dort einen Hieronymus; übersteiget die Berge und sehet in jener Schlucht eine Maria von Aegypten, in der andern eine Thais, hier eine Pelagia, dort eine Theodora. Fraget diese strengen Büßerinnen, fraget jene heiligen Einsiedler, wer sie in diese Wüsten geführt, wer sie mit diesem harten Bußgewande bekleidet, wer sie in diese Höhlen begraben, wer sie gezwungen, ein so englisches Leben zu führen, ihre Zeit so gut zu benützen? Alle werden antworten mit David: "Ich gedachte der alten Tage und hatte die ewigen Jahre im Sinne." (Ps. 76.) O Ewigkeit, Ewigkeit, die du so mächtig bist, die Lebenden zu begraben, bist du weniger mächtig, die Toten zu erwecken, jene Toten, die der Gnade durch die fluchwürdige Sünde erstorben sind?

Es gibt eine Ewigkeit, geliebte Sünder, ja es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit lachet und scherzet und lebet ihr leichtsinnig in den Tag hinein? Es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit buhlet und prasset und spielet ihr und treibet Kurzweil? Es gibt eine Ewigkeit! Und im Angesichte dieser Ewigkeit speiet ihr Flüche und Lästerungen aus, nähret ihr Haß und Feindschaft, verunreinigt ihr euch mit schlechten Gedanken, schändlichen Begierden, bösen Taten und lebet als Feinde Gottes?

Der hl. Leonard von Porto Mauritio


Transkipt von Paul O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell