Aus dem Immaculata-Archiv:


Die Wundertätige Medaille

Ein Gnadenpfand der Gottesmutter für unsere Zeit

Ludwig M. Suchy, C.M.

Graz 1962


Ein Wort zuvor

Als ein Lazarist im Jahre 1930, dem Jubliläumsjahre der Wundertätigen Medaille, in einer großen und berühmten Kirche über diese predigte, sagte ihm ein Professor nach der Andacht: "Schön alles; aber wie kann man heutzutage über so etwas predigen!" - Diese Ansicht steht nicht vereinzelt da. Muttergottesverehrung und erst recht das Vertrauen auf ihre Mitteilungen und Mahnungen, die frommeVerehrung von Medaillen scheint vielen zumindest ewas Nebensächliches zu sein, das in einer Zeit so großer Probleme und weltbewegender Anliegen keinen Raum hat. Es mögen sich die damit beschäftigen, die zu einfältig sind, um die großen Aufgaben unserer Gegenwart zu erfassen, oder in das Wesen unserer christlichen Frömmigkeit noch nicht vorgedrungen sind.

Es ist wahr: der ordentliche Gnadenweg des Christen beginnt beim Worte Gottes in der Hl. Schrift und führt uns durch die hl. Sakramente und die Liturgie zu Gott, und jeder, der zur Erkenntnis des Heiles gelangt ist, muß diesen Weg gehen, denn "niemand kommt zum Vater, als duch ihn". Aber Gottes Barmherzigkeit und Liebe weiß sich auf mannigfache Weise den Menschen zu offenbaren. Am liebenswürdigsten tut er es in der Liebe der Gottesmutter. Immer wieder erneuert sich die Mittlerschaft Mariens, die in der jungfräulichen Empfängnis und Geburt Jesu Christi unseres Erlösers angefangen und unter dem Kreuz ihre Vollendung gefunden hat, durch ihre Gnadenvermittlung, ihre Fürbitte, ihre sorgende Mutterliebe an uns. Wer aber darf der Mutterliebe Grenzen setzen? Ist es etwas Unverständliches, daß die himmlische Mutter ihren Kindern ihr Bild gibt und sie zum Vertrauen ermutigt? Wir brauchen um unsere Frömmigkeit, in deren Mitte Christus stehen muß, nicht bangen. Wer Maria zur Mutter hat, hat Christus zum Bruder; Maria führt jeden, - wie sie es bei Jesus gemacht, zum Kreuz, in die Mitte unseres christlichen Daseins.

Durch mehr als hundert Jahre hat die Medaille ihre Aufgabe erfüllt, an Millionen von Menschen ist Maria durch sie Gnadenmittlerin gewesen. Einen neuen Siegesweg hat die Wundertätige Medaille in den letzten Jahrzehnten angetreten, und überall dort, wo man sie aufgenommen, überreichen Segen gespendet.

Möge sie auch zu uns kommen! Diese Aufzeichnungen sollen ihr den Weg bereiten!

 

Katharina Labouré, die heilige Botin der Gottesmutter

Im Jubel des Herrn, als er im heiligen Geist frohlockte: "Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du dies vor den Weisen und Klugen verborgen und den Kleinen geoffenbart hast", steht auch ein französisches Landmädchen aus dem Burgunderland, das der himmlische Vater die jungfräuliche Schönheit und mütterliche Liebe Mariens schauen ließ: Zoé - Katharina Labouré.

Sie war Novizin der Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul, als ihr die Gottesmutter erschien. Nichts Außergewöhnliches war im Leben dieses hochbegnadeten Mädchens, das ihre Auszeichnung vorbereitet hätte.

Als im Jahre 1814 seine Mutter starb, ließ sie eine große Familie von 11 Kindern und die achtjährige Zoe als neuntes davon zurück. Daß Zoe nun mit zwei Schwestern das große Hauswesen versorgen mußte, wäre nicht das größte Übel gewesen. Aber sie verlor mit der Mutter die feine Frau, die einer adeligen Familie entstammte und vor ihrer Verehelichung Lehrerin war. Sie war auch die einzige Katechetin ihrer Kinder. - Das Heimatdorf Fain-les-Moutiers hatte keinen selbständigen Seelsorger. - Nun sprach niemand mehr in die Seele des empfänglichen Mädchens. Katharina muß das gespürt haben. Sie umarmte die Statue der Gottesmutter in der Wohnstube: "Maria, du bist nun meine liebste und einzige Mutter!"

Wie innig sie diese Mutterliebe spüren und erleben durfte, wird uns ihr weiterer Lebenslauf zeigen.

In einem wunderbaren Traumgesicht berief der heilige Vinzenz Katharina in die Versammlung der Barmherzigen Schwestern. Der Vater machte zuerst Schwierigkeien; besonders, weil die ältere Schwester schon in diese Genossenschaft eingetreten war. Ja, er schickte das unerfahrene Kind nach Paris, wo es in einer Schenke helfen sollte, die Gäste bedienen. Aber auch dieses gefährliche Unternehmen kann ihr nicht schaden. Ihr Entschluß, Barmherzige Schwester zu werden, wird nur noch fester. Die letzte Vorbereitung zum Eintritt erhielt sie durch ihre Tante Gontard, die in Chatillon-sur-Seine ein Mädchenpensionat leitete. Dort ist auch eine Anstalt der Barmherzigen Schwestern, deren Oberin sie sich rückhaltlos anvertraute. Diese bittet auch für sie um Aufnahme im Pariser Mutterhaus.

Da nun alles für den Eintritt geregelt ist, und der Vater in die glückstrahlenden Augen seiner Tochter sieht, gibt auch er seine Erlaubnis zu ihrem Eintritt.

Nach einem kurzen Postulat in Chatillon erhält Katharina am 21. April 1830 das Kleid der Seminarschwestern des heiligen Vinzenz v. Paul.

Im selben Jahr noch hat sie die großen Erscheinungen. Nach dem Noviziat wird sie in ein Altersheim für Männer geschickt; in einem Vorort von Paris, in Enghien, dient sie über 40 Jahre in der Küche, bei der Wäsche, im Pfortenzimmer und in den Stuben der Greise, erfüllt vom Geiste des heiligen Vinzenz.

Alle Welt spricht von der Wundertätigen Medaille und den Gebetserhörungen; man spricht von der Seherin in der Rue du Bac, nur die schlichte Schwester im Altersheim schweigt. Erst nach ihrem Tode, am 31. Dezember 1876, eröffnen die Obern der Versammlung der Barmherzigen Schwestern ihr großes Geheimnis.

Am 28. Mai 1933 wurde sie selig gesprochen und am 27. Juli 1947 nahm sie Papst Pius XII. in die Schar der Heiligen auf. Die Lazaristen und die Barmherzigen Schwestern feiern ihr Fest am 28. November.

 

Die Medaille, das Gnadenpfand der Gottesmutter

Schon in den ersten Tagen ihrer Seminarzeit darf Schwester Katharina mit dem Herrn in innigste Gemeinschaft treten; sie sieht ihn oft während der Gebetszeiten und besonders während der heiligen Messe als König und Hohenpriester. Immer häufiger werden die Gebetsgnaden dieser Beschauungen. - Aber sie schweigt darüber. Vielleicht hält sie in ihrer kindlichen Einfalt diese außergewöhnlichen Gnaden für etwas Selbstverständliches, das jede gottgeweihte Seele erleben darf.

Drei Tage vor dem Reliquienfest des hl. Vinzenz erlebt sie die erste bedeutende Vision. Sie sieht über dem Reliquienschrein das Herz des heiligen Stifters. Am ersten Tage ist es weiß und wie verklärt, am nächsten Tag blutrot und zum letztenmal dunkelrot. Gerade diese letzte Erscheinung bedrückt sie, denn sie erkennt, daß dieses Dunkelrot großes Unglück ankündet, das über ganz Frankreich hereinbrechen wird.

Ihr kindlich frommes Sehnen geht aber darnach, die Gottesmutter zu sehen. Ein Vortrag vor dem Feste des heiligen Vinzenz über die Verehrung der Heiligen und besonders der seligsten Jungfrau bestärkt sie so im Vertrauen, daß sie mit dem Bewußtsein zur Ruhe geht, in der Nacht Maria zu schauen.

Um halb 12 Uhr in der Nacht auf den 19. Juli, dem Festtag des hl. Vinzenz, wird die Schwester wach. Sie hört dreimal ihren Namen rufen und sieht ihr Bett in einem hellen Schein. Als sie ihren Vorhang zurückschiebt, gewahrt sie einen überirdisch schönen Knaben, der sie auffordert, mit ihm in die Kapelle zu gehen: "Die Mutter Gottes wartet auf dich!" - Auf ihren ängstlichen Gedanken, man könnte ihr Aufstehen und Fortgehen merken, antwortet der Knabe, den sie als ihren Schutzengel erkennt: "Es wird dich niemand hören; komm!" Nun zieht sie sich eilends an und folgt dem Kinde über Stiegen und Gänge. Und überall ist es hell und alle Türen öffnen sich. Auch in der Kapelle brennen die Lichter. An der Kommunionbank kniet Schwester Katharina nieder und wartet. In ihr demütiges und schweigendes Warten rauscht ein Seidenkleid und der Himmelsknabe sagt: "Die heilige Jungfrau! Sie ist da."

Maria hat auf dem Stuhl, den der geistliche Direktor bei den Konferenzen an die Schwestern einnimt, Platz genommen. Ihr Kleid ist weiß und gelb und ihre Erscheinung von himmlischer Anmut und Liebenswürdigkeit. Schwester Katharina kniet sich hin und legt ihre Hände in den Schoß der Mutter. Von dem vertraulichen Zwiegespräch zwischen Mutter und Kind ist uns wenig erhalten. Es waren Dinge, die nur die Heilige selbst angingen, über ihre Seelenführung und ihre Tröstungen im Verkehr mit dem göttlichen Heiland. Maria kündet ihr noch eine große Aufgabe an, die sie ihr mitteilen wird. Die Heilige weiß nicht, wie lange sie bei der Mutter war. Unbeschreibliches Entzücken erlebte sie wie niemals zuvor oder später in ihrem Leben. Als der Engel sie zurückbegleitet hatte, schlug die Uhr die zweite Morgenstunde.

Vier Monate später, am 27. November 1830, einige Zeit nach der Abendbetrachtung, vernimmt Schwester Kaharina wieder das ihr bereits bekannte Rauschen des Seidenkleides der Gottesmutter. In der Höhe des Altarbildes sieht sie die Gesalt der Himmelskönigin, die sie ihrem Beichtvater, dem Missionspriester Aladel, ungefähr so beschreibt: Maria stand aufrecht, ihr Kleid war von rosenfarbenem Weiß wie der strahlende Morgen. Es hatte weite Ärmel. Ein weißer Schleier bedeckte das Haupt und fiel bis zu ihren Füßen nieder. Ihre Füße ruhten auf einer weißen Halbkugel, um die sich eine grünlich-weiße Schlange wand. In den Händen hielt Maria eine goldene Kugel, um sie Gott darzubringen, das Symbol der Welt. Immer wieder schaute sie die Erdkugel an und erhob dann ihre Augen zum Himmel. Dann sah die Schwester Ringe an den Fingern, die mit Edelsteinen besetzt waren. Aus diesen ergossen sich Lichtbündel auf die Erde. Dabei sprach Maria: "Diese Kugel, die du siehst, stellt die ganze Welt dar, besonders Frankreich und jeden einzelnen Menschen. Das ist das Bild der Gnaden, die ich über jene ausgießen will, die mich darum bitten. Die Edelsteine, von denen kein Strahl ausgeht, sind die Gnaden, die man zu erflehen versäumt."

Während die Begnadete den Worten der Mutter lauscht, sieht sie einen ovalen, goldenen Rahmen um die Gestalt Mariens. In ihm stehen in halbkreisförmiger Anordnung die Worte: "O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen!" Der goldene Erdball ist aus den Händen Mariens entschwunden. Sie hält nun die Hände nach unten gesenkt und huldvoll ausgebreitet. Ein Bild unendlich liebenswürdigen Anerbietens, Liebe und Erbarmen zu schenken. Und wieder hört die Schwester die Stimme der Gottesmutter: "Laß nach diesem Muster eine Medaille prägen! Die Menschen, welche diese Medaille tragen, werden große Gnaden erlangen. Für die, welche Vertrauen haben, werden die Gnaden überfließend sein!" In diesem Augenblick wendete sich die Erscheinung und es wurde die Kehrseite der Medaille sichtbar; ein M, das von einem Kreuz überragt ist. Unter diesem Zeichen fand Schwester Katharina die beiden heiligsten Herzen; das Herz Jeus von der Dornenkrone umrankt, das Herz Mariens vom Schwert durchbohrt. Während die Seherin noch darüber nachdenkt, was diese Symbolik bedeute, sagt ihr die Stimme der Mutter: "Das M und die Herzen sagen genug."

Schon am folgenden Tag begibt sich Schwester Katharina zu ihrem Beichtvater, dem Missonspriester Aladel, um ihm die Erscheinung und die Aufträge der Gottesmutter mitzuteilen. Es ist fast nicht anders möglich, als daß der erfahrene Seelenführer eine fromme Selbsttäuschung bei der jungen Schwester vermuten muß. Sie ist ja wirklich jung und in der ersten Begeisterung des heiligen Berufes. So geht er äußerst kritisch und vorsichtig vor. Er ermahnt die Schwester, zu einer nüchternen Verehrung der Gottesmutter und versucht Abweisung und Strenge. Inzwischen hat die Heilige noch zwei Erscheinungen Mariens. Die eine im Dezember desselben, die andere im März des darauffolgenden Jahres. Diese war die letzte. Die Gottesmutter selbst sagte ihr, daß sie nun nicht mehr kommen wird.

Die einfache und ungekünstelte Frömmigkeit der Schwester Katharina, ihr demütiges Schweigen und stilles Warten ließen Herrn Aladel an die Glaubwürdigkeit der Mitteilungen seines Beichtkindes glauben. Als er dem Erzbischof von Paris bangend davon berichtet, ist dieser nicht im geringsten abgeneigt, die Medaille nach den Angaben der Schwester herstellen zu lassen. Was soll denn daran Verdächtiges sein, eine Medaille zu prägen? So hat Aladel am 30. VI. 1832 die ersten Medaillen in seinen Händen; vierhundert behält sich der Erzbischof, eine bekommt die Seherin, die sie strahlenden Auges nimmt und küßt. In den nächsten vier Jahren wurden zweieinhalb Millionen verteilt. Die Medaillen trugen die Umschrift in französischer, deutscher, italienischer, spanischer und flämischer Sprache. Wer aber kann die Millionen von Medaillen zählen, die ein Jahrhundert hindurch ausgeteilt wurden, und wer die Gnaden, die durch sie zu den Kranken, Armen, Sündern und Verlassenen kamen?

 

Gnadenstrahlen

Der Erzbischof von Paris war der erste, der die Verheißung der Gottesmutter, denen, die großes Vertrauen haben, mit Hilfe der Medaille überreiche Gnaden zu geben, erfahren durfte. Der Bischof von Mecheln, Msgr. de Pradt, hatte sich von der Kirche getrennt. Nun lag er auf dem Sterbebett. Seine freidenkerischen Freunde bestärkten ihn in seinen abtrünnigen Gedanken und warteten heiß darauf, mit einem prunkvollen heidnischen Begräbnis eines ehemaligen Kirchenfürsten und dementsprechenden Reden der Kirche einen schweren und - wie sie glaubten - vernichtenden Schlag versetzen zu können. Mit der Medaille in der Hand ließ sich der Pariser Erzbischof bei seinem unglücklichen Mitbruder anmelden. Aber die ungläubige Umgebung und der Kranke selbst verweigerten jeden Versuch eines geistlichen Zuspruches. Unverrichteter Dinge mußte der Prälat das Palais velassen. Kaum aber war er nach Hause zurückgekehrt und hatte sein Vertrauen auf die Fürbitte der Gottesmutter erneuert, als ihm ein Eilbote gemeldet wurde, der ihn bat, schnell wieder zum sterbenden Bischof zurückzukehren. Dieser bekannte weinend seine Schuld und bat öffentlich um Verzeihung wegen des großen Ärgernisses, das er gegeben hatte. Immer wieder küßte er die Medaille und empfing die Absolution und die Sterbesakramente der heiligen Kirche. Noch in der darauffolgenden Nacht stirbt er in den Armen seines bischöflichen Freundes und Mitbruders.

"Jetzt muß man sie verteilen", hatte Schwester Katharina gesagt, als Herr Aladel ihr die erste Medaille in die Hand gegeben hatte.

Überall, wo Barmherzige Schwestern und Missionspriester des heiligen Vinzenz wirkten, wurden Medaillen verteilt. In den ersten zehn Jahren sind an die vielen Millionen verschenkt worden. Immer größer wurde ihr Wirkungskreis, der bald die ganze Welt umspannte. Krankenheilungen, Bekehrungen, Schutz in Gefahren, Tröstungen im Leid wurden ununterbrochen als Gnadenbeweise der himmlischen Mutter gemeldet. Bald sprach das Volk von der "Wundertätigen Medaille". Wir können nur einige ganz wenige Gebetserhörungen schildern.

 

Der Jude Ratisbonne

In Straßburg lebte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die vornehme Judenfamilie Ratisbonne. Von den acht Kindern bekehrte sich ein Sohn zum Katholizismus und wurde Priester und später Vikar an der Kathedrale Notre-Dame von Paris.

Dieser Abfall vom Judentum war für die Familie ein schwerer Schlag, insbesonders für Alfons, einen Sohn, auf den der Vater seine ganze Geschäftshoffnung setzte. Ein kinderloser Onkel trug noch ein Übriges dazu bei, um Alfons zu einem Weltmann reinster Art zu machen. Alfons war es auch wirklich; glaubenslos, genußsüchtig, verschwenderisch.

Im Jahre 1842 machte er eine Reise nach Rom. Dort traf er den Bruder seines Freundes, Baron Bussieres; dieser bat mit größtem Vertrauen die Gottesmutter um die Bekehrung dieses freidenkerischen Juden. Er trug Ratisbonne eine Medaille an und bat ihn, sie ihm zu Liebe zu tragen und täglich einen Lobspruch des heiligen Bernhard an die Gottesmutter zu sprechen.

Ratisbonne wollte seine Überlegenheit über solch läppische Dinge zeigen und ging auf die Marotte seines Freundes ein. Als er eines Tages in Begleitung des Barons auf diesen vor einem Kloster längere Zeit warten mußte, ging er aus Langeweile in eine nahe Kirche. Es war die Kirche des hl. Andreas delle Fratte und der 20. Jänner. Plötzlich erhellte ein überirdisches Licht die Kapelle und umhüllte ihn. Mitten im Lichtmeer sieht er Maria in königlicher Anmut und liebenswürdiger Schönheit. Ratisbonne kniet nieder und es ist ihm, als ob die Gottesmutter ihm alle Zweifel und Bedenken gegen die Religion wegnähme. In diesem Augenblick ist er ein anderer geworden. Unter Freudentränen erzählt er dies seinem Freund.

Schon am 31. Jänner empfängt er aus der Hand des Generalvikars von Rom die hl. Taufe, bereitet sich auf die Priesterweihe vor und wird nach fünf Jahren zum Priester geweiht. Mit seinem Bruder gründete er eine Kongregation, die er "Unserer Lieben Frau vom Berge Sion" weihte und die die Bekehrung der Juden zur Hauptaufgabe hat.

 

Bekehrung eines Mittelschullehrers

In einer großen Studienanstalt Österreichs unterrichtete ein junger und sehr tüchtiger Professor. In seiner Jugend war er religiös, hatte aber im Laufe der Studien und im Verkehr mit unguten Kameraden seinen Glauben und auch allen sittlichen Halt verloren. Seine Familie war darüber tief traurig und seine Schwester, eine eifrige Marienverehrerin, gab ihm eine kunstvoll gearbeitete Wundertätige Medaille mit der Bitte, diese als Andenken an sie immer bei sich zu tragen. In den nächsten Monaten scheint alles verloren. Mit dem jungen Mann ging es immer mehr abwärts. Doch war auch hier das vertrauensvolle Beten der Familie nicht umsonst. Die Medaille erwies sich als Wundertätige. In der Oktav des Medaillenfestes fand der junge Mann zum Glauben und zur Kirche zurück. Heute ist er ein überzeugter und lebendiger Tatkatholik und ein inniger Marienverehrer.

(Aus dem Archiv des Mutterhauses der Barmherzigen Schwestern in Graz, Mariengasse.)

 

Rettung aus Kriegs- und Bombennot

Mit großer Dankbarkeit gegen Unsere Liebe Frau las ich heute den Bericht eines mir nahestehenden jungen Mannes. Dieser hielt sich mit seiner Frau vorübergehend in der Stadt Freiburg i.Br. auf. Eines Tages erlebten beide eine furchtbare Bombardierung. Alles stürzte zusammen, ringsum nichts als Funken, Splitter und Staubwolken. Und das Haus des jungen Paares?

Mitten im Bombenregen blieb es unversehrt stehen. Vor Jahren schon hatten sie beim Tor die Wundertätige Medaille angebracht. Nicht genug damit: auf dem Bahnhof hatten meine Bekannten drei Wagen mit wertvollen Möbeln gelagert. Diese sollten auf ihr Landgut befördert werden. Aber auch der Bahnhof wurde ein Opfer der Bomben und eine Stätte der Zerstörung. Als aber die jungen Leute dorthin eilten, fanden sie die drei Wagen vollkommen unversehrt. Sie hatten in den Laden der Kästen Medaillen verstreut. - Wenn schon Maria die irdischen Güter ihrer Kinder so mächtig unter ihren Schutz nimmt, wie sollte sie nicht deren Leib und Gesundheit und erst recht die Seele in den größten Gefahren retten können? (1944).

Ein Herr erzählt ebenfalls vom wunderbaren Schutz durch die Medaille bei einer Bombardierung. Er stand zufällig beim offenen Fenster und legte die Medaille vor sich hin. Plötzlich, ohne Warnung, wurden in der nächsten Nähe etwa 70 Bomben abgeworfen. Alles in der Umgebung stürzte zusammen; einzig der Teil des Hauses, wo die Medaille lag, blieb verschont (1944).

(Werner Durrer: "Siegeszug der Wundertätigen Medaille", Freiburg, Schweiz, 1848)

 

Die heilsgeschichtliche Bedeutung der Medaille

In den Aufträgen und Aufgaben, die Maria in den Erscheinungen der hl. Katharina gegeben hat, wächst die Bedeutung dieser Stunde weit über die einer bloßen Privatoffenbarung hinaus. Maria machte die Seherin zur Botin ihrer unbefleckten Schönheit und mütterlichen, gnadenvermittelnden Liebe an die ganze Welt, an alle Menschen.

Zunächst verlangte Maria von der Heiligen, sie solle nach dem, was sie geschaut hat, eine Medaille prägen lassen und für deren Verbreitung sorgen. Maria will also haben, daß wir ihr Bild immer vor unseren Augen haben. So wie Maria uns erscheint, frei von der Sünde, schön und reich an Tugenden, eingehüllt in die Gnade, gottverbunden, will Gott jeden Menschen haben. So herrlich ging der erste Mensch aus der Hand Gottes hervor; diese Herrlichkeit erlangte er strahlender und reicher als "neuer Mensch in Christus" durch die Erlösung.

Nur dann, wenn der Mensch durch Christus am Leben Gottes Anteil hat, steht er in der Würde und im Adel des Menschen. Alle andern Versuche, den Menschen zu retten, sind eitel und werden zu seinem Untergang, wenn sie mit gottwidrigen Mitteln versucht werden.

Das 18. und 19. Jahrhundert bringt die Bedrohung des Menschen: heidnischer Humanismus, satanische Verirrungen in der französischen Revolution, gottloser Materialismus; die apokalyptischen Erlebnisse und Geschehnisse der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts werden in Philosophie und Politik vorbereitet. In diese finstere Zeit kommt Maria zu den armen Menschen, will bei ihnen bleiben in ihrem Bild, das sie in Erz zeichnen läßt und ihnen ans Herz legt. Ihr Bild auf der einen Seite der Medaille und die Sinnbilder der Erlösung auf deren Kehrseite sollen die beständige Mahnung der Mutter an ihre Kinder sein, die Gnade Gottes zu wahren, der Erlösung würdig zu leben und in der Erfüllung des heiligsten Willens Gottes nach christlicher Vollkommenheit zu streben.

Im Medaillenbild erscheint Maria aber auch als die Vermittlerin aller Gnaden. Diese Gnaden werden durch die von ihren Händen ausgehenden Strahlen versinnbildet, die sich über die ganze Welt verbreiten. Maria fordert uns auf, um diese Gnaden zu bitten und weist traurig auf lichtlose Edelsteine hin, auf Gnaden, um die niemand bittet.

Maria ist die große Helferin der Christenheit, die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Betrübten, das Heil der Kranken. In allen seelischen und leiblichen Nöten zeigt sie sich als unsere Mutter. Ihre Fürbitte erwies sich in tausenden Fällen wunderbar. Es scheint, daß mit der ersten Erscheinung der Unbefleckten das Marianische Zeitalter seinen Anfang nahm und Maria als die Mittlerin der Gnaden von da an immer lebendiger in das Bewußtsein der christlichen Frömmigkeit kommt.

Maria beauftragte die Heilige auch, einen "Verein von Kindern Mariens" zu gründen, in dem die weibliche Jugend der Gottesmutter geweiht werden soll. Maria soll den Mädchen Vorbild reiner Gottesliebe und eifriger Sorge für das Reich Gottes in den Werken des Laienapostolates sein. In diesem Streben nach christlicher Lebenshaltung in Frömmigkeit, Liebe, Demut und Reinheit sollen die Marienkinder "die Elite der allerseligsten Jungfrau und der heiligen Kirche" (Papst Pius XI.) sein.

 

Novene zu Unserer Lieben Frau von der Wundertätigen Medaille

Wenn die Novene in der Kirche oder bei gemeinsamen kirchlichen Zusammenkünften gehalten wird, wird folgende Ordnung eingehalten:

Wir singen ein Marienlied.

Es werden einige besondere Gebetsmeinungen oder allgemeine Anliegen des Gottesreiches genannt und angegeben und einige auffallende und wunderbare Gebetserhörungen verkündet.

Wir beten ein Gesetzlein des Rosenkranzes.

Anrufungen

Pr.: O Maria, ohne Sünde empfangen
Alle: Bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.
Pr.: Herr Jesus Christus, du hast die seligste Jungfrau Maria, deine makellos empfangene Mutter, durch unzählige Wunder verherrlicht, laß uns, die wir ihre Fürbitte anrufen, zur ewigen Herrlichkeit gelangen. Der du lebst und herrschest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Pr.: Gedenke
Alle: O mildreichste Jungfrau Maria...
Novenengebet: O Maria, ohne Sünde empfangen - Mutter unseres Herrn Jesus Christus - und unsere Mutter - beseelt von innigstem Vertrauen auf deine mächtige und wirksame Fürbitte - die du uns schon so oft durch die Wundertätige Medaille gezeigt hast - bitten wir dich, - erlange uns die Gnade, um die wir dich in unserer Not bitten, - wenn es unserer unsterblichen Seele und jenen, - für die wir bitten, zum Heile ist.

Wir schweigen eine kurze Zeit. Jeder bringt nun seine besonderen und persönlichen Anliegen im Vertrauen durch Maria zu Gott.

Gebet zu Unserer Lieben Frau von der Wundertätigen Medaille

O Unsere Liebe Frau von der Wundertätigen Medaille, du bist der heiligen Katharina Labouré als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen erschienen, erhöre mich, ich flehe dich an.

In deine mütterlichen Hände lege ich alle meine zeitlichen und geistlichen Anliegen und vertraue dir die Gnaden an, die ich von deiner Güte zu erflehen wage. Demütig bitte ich dich, mit deinem göttlichen Sohne darüber zu reden und ihn um Erhörung zu bitten, wenn dies seinem Willen entspricht und meiner Seele zum Heile ist.

Nachdem du deine flehenden Hände zum Herrn erhoben hast, würdige dich, o mächtige Jungfrau, sie zu mir zu neigen, mich in deine Gnadenstrahlen einzuhüllen, damit meine Seele im Lichte und in der Wärme dieser Strahlen sich von allem Sündigen loslöse, sich reinige und freudig deinen Tugenden nachfolge bis zu dem Tage, da du mich an der Himmelspforte aufnehmen wirst. Amen.

Weihe der Familie an das Unbefleckte Herz Mariä

O Jungfrau Maria, deinem Unbefleckten Herzen weihen wir heute unser Heim und alle, die in ihm wohnen.

Gib, daß unser Haus gleich deinem Hause in Nazareth durch die Erfüllung des göttlichen Willens, durch die Werke der tätigen Liebe und durch unbegrenzte Hingabe an die göttliche Vorsehung eine Wohnstätte des Friedens und des bescheidenen Glückes sei.

Wache über alle, die in unserem Hause wohnen, hilf ihnen stets christlich zu leben, umfange sie ganz mit deinem mütterlichen Schutz und gewähre uns, o Jungfrau Maria, in deiner Güte die große Gnade, daß wir unser diesseitiges Heim, das wir hier für immer deinem unbefleckten Herzen geweiht haben, einmal im Himmel vollenden können. Amen.

Wir singen noch ein Marienlied und schließen die Novene mit dem hl. eucharistischen Segen.

Wenn man eine Novene allein halten will, kann man die Gebete aus dieser Andacht verwenden.

Aus der Geschichte der Wundertätigen Medaille

Vor über 20 Jahren faßte ein Priester in den USA in seinem großen Vertrauen auf die Macht der Wundertätigen Medaille den Gedanken, eine Novene zur seligsten Jungfrau von der Wundertätigen Medaille zu halten. Diese Novene hatte einen so großen Erfolg, daß man sie bis auf den heutigen Tag fortsetzt. Daher kommt auch der auf den ersten Blick etwas wunderliche Name "Immerwährende Novene".

In Philadelphia (USA) hält man sie seit zwanzig Jahren ohne Unterbrechung. Man schätzt, daß hier jeden Montag gegen 16.000 Menschen an ihr teilnehmen. Schon an 5000 Pfarren haben in den USA diese Novene eingeführt, und beten sie wöchentlich, manche sogar an einem Tag drei- bis viermal. Ebenso haben auch die Südamerikanischen Staaten diesbezüglich so viel geleistet, daß man einmal eine wunderbare Geschichte darüber wird schreiben können. Von Irland, wo am Abend der Novene die Kinos geschlossen bleiben, kam die Novene über den Kanal nach Holland, Belgien und andere Staaten Europas. Im marianischen Jahre wurde sie auch in Frankreich und anderen Staaten eingeführt. Und überall, wo diese Andacht geübt wird, ist sie von großem Segen und außerordentlichen Gnaden begleitet.

Halte auch du diese Novene zur Wundertätigen Medaille - sie kann öffentlich und privat gehalten werden - und hole dir in deinen Anliegen vertrauensvoll Hilfe bei Unserer Lieben Frau von der Wundertätigen Medaille.

Ablässe

Jeder, der die Wundertätige Medaille von einem bevollmächtigten Priester empfangen hat, und sie fromm trägt, kann folgender Ablässe teilhaftig werden:

Einen vollkommenen Ablaß: 1. am Tage, an dem er die Medaille empfängt; 2. am Feste der Wundertätigen Medaille (27. November), wenn er in einer Kirche der Lazaristen oder in einer allgemein zugänglichen Kapelle der Barmherzigen Schwestern auf die Meinung des Papstes betet; 3. am 8. Dezember; 4. am Ostersonntag; 5. auf dem Sterbebette, wennn er den heiligsten Namen Jesus reumütigen Herzens anruft.

Einen Ablaß von 100 Tagen jedesmal, sooft er die Anrufung betet: "O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen!"

Ein Wort zum Schluß

Die Gottesmutter sagte zur heiligen Katharina: "Meine Augen sind immerfort auf euch gerichtet!" Welcher Trost liegt in dieser Zusicherung mütterlicher Sorge auch für uns.

Die Muttergottes bietet uns ihre Liebe an und ihr Symbol, die Medaille. Nimm Maria auf in dein Lieben! "Die Personen, die meine Medaille tragen, werden viele Gnaden erhalten, besonders jene, die Vertrauen haben."


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell