Hofmann
F. Hanfstaengl, München

«Wer mich vor den Menschen bekennt,
den werde ich vor meinem Vater bekennen.»

 

 

BEKENNTNIS ZU JESUS

 

von

 

Gertrud Maassen

 

 

 

[Druck B. Kühlen Kunst- und Verlagsanstalt M. Gladbach
Verleger und Drucker des Hl. Apostolischen Stuhles]
1933

Imprimatur.
Aquisgrani d. 20. m. Oct. 1933.
+ Sträter vic. gen.

J.-N. 1555 II. 33.

 

 

 

Meiner geistigen Mutter,
der heiligen Kirche,
in Ehrfurcht und Dankbarkeit.

 


Exemplar im Besitze von Paul O. Schenker,
IMMACULATA-Verlag, CH-9050 Appenzell

geerbt vom
Frauenkloster St. Catharina in Wil, Kanton St. Gallen


 

Inhalt

 

Überall bist du

Segnungen

Aus dem Glauben

Ich habe den Glauben an dich

Gebet

Wunsch

Gott aller Völker

Alle sind dir nahe

Die Stimme des Herrn

Weisheit im Herrn

Wie unerfaßbar bist du in deiner Weisheit

Im Antlitz der Welt

Bekenntnis

Herr, mache uns sehend

Wie meine Schuld

Wie arm, Herr, ist mein Beten

Deine Erbarmnisse

Dank

Vertrauen

Hoffnung

Das Selbst-Begreifen

Das Sehnen nach dem Licht

Aus der Enge unseres Nichts

Gebet aus der Tiefe

Aus der Vernichtung

Beuge du den Wipfel

Erlöse mich

Beim Gericht

Nur dieses

Auf daß wir gläubig werden

Verborgenheit

Verbundenheit

Her, du bist gut

Vor Glück

Keine Grenzen

In der Prüfung

Mein Gott, sind das die Tage der Not

Karfreitag

Aus dem Blute deiner Wunden

Das purpurne Geheimnis

Glaube und Liebe

Laß es so sein

Du forderst das lebendige Opfer

Unter Schleiern

Mit dem Kreuze gesegnet

Gefolgschaft

Zuflucht

Gebet2

Begnadungen

Gnade

Vor dem Kindlein in der Krippe

Maria

Du Schmerzensreiche

Mariä Heimfahrt

Königsbraut

Du Gekrönte

Gebenedeit seist du

Feuer des Heiligen Geistes

Die heilige Kirche

Vom Leben der Kirche

Das nächtliche Beten der Kirche

In den Weihrauch deiner Gebete

Von der Liebe der Kirche

Dank gegen die Kirche

Da bist auch du

Die dich verfolgen

Stilles Geloben

Der Tag im Herrn

Vor dem Heiligtum

Vorbereitung

In Erwartung

Erstaunen

Alles ist klein vor dir

Eucharistie

Glaube

Im schimmernden Brote

Die Engel

Du segnest

Bleibe bei uns

Bitte

Das Wunder des Herrn

Bei der Prozession

Mit dem Blicke der Liebe

Wir jubeln dir zu

Cor Jesu, flagrans amore

Aus deinem Herzen

Nächtlicher Versehgang

Auf dem Heimweg

Herr, segne mich

Du bist gut

Du liebst wie keiner

Deine Liebe

Um die Jahreswende

Am Abend des Lebens

Das Lied der Liebe

An die Engel

Nur dieses vermögen wir

Hingabe

Alle mögen dich lieben

Die kleine Herde

Dank

Letzte Erfüllung

Abendgebet

Letztes Wünschen

 

Gehe zum Ende


 

 

 

Überall bist du!

 

Deine Liebe geht ins Uferlose. Brücken baut sie über die Gebirge der Wolken und heilige Wege über die Fluten der Meere. ——

In der Einsamkeit der Wüste traf ich deine Kirchen und aus den Schiffen im schäumenden Ozean wächst dein Segen;

denn überall bist du in deiner Verborgenheit. Kein Tag ist ohne dich!

Und wo man dich nicht ahnt, da segnest du, und wo man dich verachtet, da liebst du tausendfach...

 

 

Segnungen

 

Deine Liebe flutet von Seele zu Seele, und deine Feuer flammen von Gipfel zu Gipfel.

Rosen weckst du in der Wüste und Lilien zwischen Dorn und wucherndem Geranke.

Wo du schreitest, blüht dein Segen auf, und wo du segnest, wächst die Kraft.

Dein ungeblendetes Licht strahlt auch in die Dunkelheiten der Nächte. Die Tiefen der Berge macht es helle und die Finsternisse der Schluchten.

Keiner ist unter uns, der nicht durch dich seine Kräfte trüge, und keiner hat ein Leuchten in seiner Seele, das nicht durch dein Licht entzündet wäre.

Wer ist dir gleich, du großer Gott? — —

Alle müssen sich vor dir beugen, und wäre es erst am hohen Tore der Endlichkeit.

 

 

Aus dem Glauben

 

Aus unserm Glauben laß die Liebe wachsen, wie du die Blüte werden läßt aus dem schwellenden Geknospe.

Gib ihr Heimstatt in unserm Selbst, daß sie alle unsere Tage durchläute.

Laß sie wie eine Königin sein, die unter schwellenden Wipfeln wandelt...

Laß sie wie ein Kindlein sein, das durch seidenweiche Halme tastet...

Laß sie wie das Opfer sein, das durch die Armut der Wüste schreitet...

Laß sie lieben, was du liebst! Die Dornen unter deinen  Händen und das weiße Geblüte deiner Lilien.

 

 

Ich habe den Glauben an dich...

 

Herr, ich trage zu dir mein Sehnen und mein Hoffen!

Noch ist es wie ein Geknospe an den Sträuchern meines Gartens, aber deine Liebe wird es zu  Blüten wandeln, die den Tau der Frühe tragen und den warmen Kuß der strahlenden Sonne.

Herr, ich trage zu dir mein Sehnen und mein Hoffen, und mein Gebet ist dies: Laß es zu einem starken Vollbringen werden, zu einem Läuten aller Glocken, zu einem Rauschen aller Wasser, zu einem Jauchzen aller Lieder, zu einem Blühen aller Wipfel.

Herr, ich habe den Glauben an dich, und in diesen Glauben berge ich mein Sehnen und mein Hoffen.

 

 

Gebet

 

... und wie das Geknospe der Zweige sich öffnet unter dem Kusse der Sonne, so laß unsere Seele aufblühen unter dem Kusse der Gnade.

Wie das Gejauchze der Vögel laß sie sein und wie das Rauschen deiner Meere. Wie das Säuseln der Winde und wie das Wogen deiner Felder voller Ähren.

Laß sie immer voll Hoffnung sein; denn das Hoffen wächst aus dem Glauben.

Laß sie immer voll Liebe sein; denn ohne Liebe trägt kein Geblüte die segnende Frucht.

Laß sie immer voll Demut sein; denn die Demut ist vor dir wie ein Gebet unter Opfern.

Laß sie immer voll Stille sein; denn nur im Schweigen faßt sie deine Rede und umtönt sie dein Geläute.

 

 

Wunsch

 

Laß unsere betenden Hände wie Flügel werden, die jedes Weinen unserer Seele zu dir hinauftragen und jedes Aufjauchzen im Glück.

Laß unser Herz wie die Saite einer Harfe werden, daß wir dir unter dem Purpur der Schmerzen singen und unter dem Blühen der Rose und unter dem Kosen der Winde und unter den Stürmen des Herbstes.
— — — Denn unsere Tage sollen vor dir sein wie ein Beten unter deinem Antlitz.

 

 

Gott aller Völker

 

Völker trafen sich vor deinem Gezelte, die heute nicht mehr sind. Sie umjauchzten dein Geheimnis im goldenen Schrein, so wie heute deine Getreuen.

Du warst ihnen die Speise ihrer Tage und die Labung auf ihrer Heimfahrt. —

Und so schwebten ihre Seelen aufwärts  wie die weißen Flügel eines Vögleins, das sich müde gesungen auf Dorn und auf Gezweige.

Ihre Augen sehen nun das unverhüllte Licht, ihre Sehnsucht ward Erfüllung, und ihr Glaube ward zum seligen Schauen.

— — — Du Gott aller Völker, die gewesen, du Gott aller Völker, die kommen werden! Du Licht, das alles durchstrahlt, du göttliches Licht auf unsern Altären, wir jauchzen dir zu!

 

 

Alle sind dir nahe...

 

Keiner ist ferne von dir, du verborgener Gott, alle sind dir nahe, und wohnten sie auch auf den Gipfeln der Berge, dein Auge schaut ihre Taten; und schmachteten sie in der Verlassenheit der Wüste, du weißt um ihre Werke; und hungerten sie in der Dürre der Steppe, du weißt um ihre Sehnsucht.

Denn alle hast du berufen, du verborgener Gott, und alle willst du um deinen Thron scharen und sie krönen mit dem Purpur deiner Liebe.

 

 

Die Stimme des Herrn

 

Alle Sprachen der Menschen zerbrechen an der einen, die auch im Schweigen bis zu allen Seelen dringt, alle Tore durchbricht und alles Gemäuer. Die in den Einsamkeiten aufzittert und in den Notstunden der Nächte uns ganz nahe ist: Vor der heiligen Stimme des Herrn.

 

 

Weisheit im Herrn

 

Herr, wir bitten dich nicht um die Klugheit der Welt, um ihre Gedanken, die ohne Tiefe sind, um ihre Freuden, die keine Ufer haben, und um ihre Liebe, die ohne Seele ist.

— — Herr, wir bitten dich um die Weisheit in dir. — —

— — Und ist's auch kein Wissen im Antlitz der Weltnis, wir senken die Häupter, wir schließen die Lider,

dann trägst du im Schweigen das Tiefste uns zu...

 

 

Wie unerfaßbar bist du in deiner Weisheit!

 

Herr, der du uns mit dem kreuze segnest und aus Dornen den Brand der Liebe entzündest, der du unsern Stolz zersplitterst wie Glas, auf daß wir unser Nichts begreifen und auf diesem Nichts deine Gesetze aufbauen,

du großer Gott, wie unerfaßbar bist du in deiner Weisheit...

 

 

Im Antlitz der Welt

 

Toren sind alle im Antlitz der Welt, die dein Kreuz umjubeln, o mein Gott!

Deine Herrlichkeit ist ihren Augen verborgen.

Dein Licht umgibt sie wie Finsternis, und deine Liebe ist für sie wie ein Geheimnis voller blutender Siegel. Sie sehen nur deine Schleier, aber nicht das wundersame Licht, das diese durchglutet. Sie sehen nur deine Schwachheit, aber nicht deine Stärke.

Durch deine Verborgenheit erkennen sie nicht deine Herrlichkeit...

... und Toren nennen sie alle, die dein Kreuz umjubeln, o mein Gott...

 

 

Bekenntnis

 

... aber je lauter die Welt deiner spottet, desto jubelnder wollen wir dich bekennen unter den Schleiern deiner Verborgenheit.

Alles Lob wollen wir dir zutragen ,das auf unseren Lippen brennt, und jedes Opfer dir zu Füßen legen, das auf unsern Schultern drückt.

Wir wollen dich bekennen in den Ängsten der Notstunden und in der Stille und unter den Sternen der Nacht.

Wir wollen dich bekennen in der Verborgenheit und dich bekennen unter den höhnenden Lippen deiner Feinde.

Wir wollen dich bekennen im Schweigen und bekennen in der Rede...

... wir wollen dich bekennen unter dem Schwerte, Herr, wenn du uns also begnadest.

 

 

Herr, mache uns sehend!

 

Herr, fällt ein Strahl von deinem Licht in unsere Kammern, dann baut sich groß und hell das Hoffen in uns auf. Und auch die Nächte tragen noch ein Leuchten, und aus der  Dürre hebt sich noch die Frucht, und hinter jedem Schatten blüht die Sonne und jede Stunde wächst hinauf zu dir, und alles Schaffen ist doch wie ein Ruhen.

— — —

Herr, darum gib uns Licht von deinem Licht! Entzünde alle Kerzen in den Kammern und hilf, daß keine wir voll Blindheit löschen!

— — —

Herr, mach uns sehend!

Herr, umschatte uns!

 

 

Wie meine Schuld

 

Herr, meine Blumen tragen kein Geknospe und meine Felder stehen ohne Frucht.

Mein Fuß brennt heiß vom Gange durch die Wüste und wund ward er, als er die Schlucht  durchmaß.

Wie Flüstern klingt's wie Weinen aus der Wildnis und wie ein Bitten aus den Grüften dort,

— — wie Stimmen, die um meine Armut wissen, wie Kläger, die wohl meine Schuld gesehn.

— — —

Herr, ich bin arm vor deinem Antlitz, und meine Armut ist wie meine Schuld.

 

 

Wie arm, Herr, ist mein Beten

 

... und wie armselig ist mein Beten vor dir, o Herr! — Wie Schatten, der mich umgibt, und wie ein Nebel, der auf den Fluren lastet, so ist es vor dir.

— — —

Das Jauchzen der Vöglein im Geäste ist hell und rein, aber mein Stammeln verklingt vor dir wie das Weinen eines Kindes.

Und will ich mich sammeln in dir, dann fliegen meine Gedanken umher wie Wolken, die Stürme jagen. Und will ich zu dir meine Liebe tragen, dann klage ich dir mein Leid, und sollte ich mich in dein Gezelte bergen, dann irre ich durch Dornen und durch Wildnis.

Und doch will ich hauptgeneigt vor deinem Geheimnis mich beugen, die Augen lidverhängt, und in die Fülle deines Lichtes mich tauchen und lieben — — lieben...

 

 

Deine Erbarmnisse

 

Wie das goldene Abendrot über unsern Häuptern, so umstrahlt uns das Leuchten deines Herzens in unserer dunkelsten Not;

denn deine Erbarmnisse durchbrechen alle Grenzen, die Menschenmaße ziehen.

Die purpurglühenden Strahlen deiner Liebe wecken aus der Vernichtung das köstlichste Leben, der Welt um uns wie ein Geheimnis.

 

 

Dank

 

Herr, deine Winde kosen auch die wilde Rose und deine Liebe liebt das ärmste Kind.

 

 

Vertrauen

 

Herr, was ich wider deinen Willen tat und dann bereute, das tauche ich in deine Liebe ein wie ein großes Vergessen.

Niemals will ich es wieder hineinrufen in das Leuchten meiner Tage und in die Gespinste langer Nächte.

Niemals will ich es wecken, daß es aus überblühten Gräbern aufsteige wie die Nacht aus dem Tag.

Aber wie ein Kindlein will ich sein, und wie ein Kindlein dir vertrauen; — — — denn kann die Liebe die Dämmerung verdunkeln und das Vergessene aufpeitschen wie der Sturm das ruhende Meer? —

— — —

Die Liebe meines Gottes kann nur segnen...

 

 

Hoffnung

 

So berge ich meine Schuld in die Gluten deines Herzens. Seine Flammen mögen in mir ausbrennen, was wider deinen Willen ist, und der Himmel deiner Gnade möge sich über mir wölben wie ein schützendes Dach.

— — —

Herr, in das Uferlose deiner Barmherzigkeit, bette ich meine Schuld.

 

 

Das Selbst-Begreifen

 

Du, o mein Gott, bist wie das rauschende Meer unter dem Leuchten der Sterne, aber wir sind wie Gewächse voller Dürre unter dem Gluthauch sengender Wüstenstürme.

Du bist wie das Strahlen der Sonne um die Helle des Mittags, wir sind wie die schwere Dunkelheit der Nächte, die Wolken jagt und Stürme treibt.

Du bist die liebliche Ruhe, du bist die segnende Stille,

doch wir sind voller Unrast und voll dunkler Not. — —

Und aus dieser Not rufen wir zu dir, wie Kinder rufen, die sich an die Mutter ketten:

Nimm alle Unrast von uns und gib uns Ruhe von deiner Ruhe und gib uns ein Leuchten aus deinem Licht und gib uns Tiefe von deiner Tiefe...

 

 

Das Sehnen nach dem Licht

 

Herr, unsere Liebe ist vor dir wie das Öl in der Enge einer Kammer, das jeder Luftzug löscht und das in sich verflackert. —

Aber deine Liebe ist wie die Morgensonne, die alle Düsterkeit überflutet, und wie das wogende Meer, das von Ufer zu Ufer spült, und wie die strömenden Wasser, die keine Quelle wissen und ohne Mündung sind.

Aber unsere Liebe kniet sich ein in den Staub, sie verschlingt alle Kräfte in uns und flügellahm sucht sie sich selbst.

Aber du, o mein Gott, der du die Liebe bist aus deiner Liebe, du wirst unsere Schwachheiten durchbrechen wie Nebel, die über dem Tale brüten und über welche die Sonne siegreich ist.

 

 

Aus der Enge unseres Nichts...

 

Aus der Enge unseres Nichts laß uns treten und aus den Tiefen unserer Armut hilf uns steigen zu den Höhen, die du segnest...

Denn keine Ruhe ist in uns, wenn nicht dein Licht un sättigt und deine Kraft uns Stärke wird.

— — Denn was ist die Welt mit ihrem Reichtum? — Armut ist sie, di nur müde macht...

 

 

Gebet aus der Tiefe

 

Herr, laß uns unsere bittersten Stunden lieben, wie die leuchtenden, die viele Lichter tragen.

Vor dem Kreuze hilf uns die Knie biegen. — Unter deinen Qualen wollen wir alle Furcht abstreifen und allen Stolz niederlegen wie welkendes Gras und verdorrtes Geblüte.

— — Und aus der Tiefe steigt dieses Gebet:

Jede Qual des Geistes laß uns lieben,

jeden Schmerz der Liebe hilf uns lieben,

jede Not der Stunde lehr uns lieben. — — —

— — Denn was die Welt Qual nennt, das ist keine Qual.

Hundertfältig knospet aus durchblutetem Erdreich die Liebe...

 

 

Hofmann
F. Hanfstaengl, München

«Ich bin der Weg, die Wahrheit
und das Leben»

 

 

Aus der Vernichtung

 

Dein Kreuz wollen wir umknien mit deinen Getreuen und an die Quellen deiner blutenden Wunden unsere dürstenden Lippen schmiegen.

Allen Stolz wollen wir vor dir niederlegen, abwelken soll er wie Unkrautgeblüte unter dem Brennen der glutenden Sonne.

Alle Wipfel unserer Bäume sollen sich vor dir neigen, als bräche der Sturm durch ihr schwankendes Gezweige.

Und unsere Schwachheit wollen wir ertragen, als wäre sie eine Stufe zu deinem Thron.

— — —

Herr, aus der Tiefe unserer Vernichtung laß Leben blühen...

 

 

Beuge du den Wipfel...

 

Herr, wehe allen Stolz aus meinen Kammern, wie welke Blätter, die der Herbstwind bricht.

Laß mich mit bloßen Sohlen meine Wege wandeln und hauptgeneigt, die Augen lidverhängt.

Herr, ich bin stolz,

brich du die kranke Frucht aus meinen zweigen, beug du den Wipfel,

— — Herr, du kannst es nur...

 

 

Hofmann
F. Hanfstaengl, München

Herr, hilf mir!

 

 

Erlöse mich!

 

Herr, meine Zweige tragen kein Geblüte, sind windzerzaust und herbstlichwelk und matt. Und meine Äcker tragen Dorn und Distel, sind wohl wie Wüstensand, der nichts gebiert. —

Herr, was ich zu dir trage, das ist Not und Armut!

Herr, was ich vor dir schaffe, es ist Spreu und Sand!

Herr, was ich wirke in dem Licht der Tage, erträgt die Dunkelheit der Nächte nicht.

Zersplittert ist die Kraft in meinen Händen, — — Herr, ich bin arm, doch du erlöse mich!

 

 

Beim Gericht

 

... wenn die Stunde einmal über mich kommt, da alle Not der Seele heraufgespült wird wie Unrast, den schäumende Wellen treiben,

wenn das Erkennen über mich kommt und mein Selbst sich aufrollt wie ein Gewebe, das unter Schleiern lag,

wenn alles Geleuchte sich in Dunkelheit kleidet, und die Dunkelheit die schwere Finsternis der Nächte webt,

wenn die Feuer lodern und aus dem Brande, den die Ewigkeit entzündet, dein Antlitz strahlt, — — Herr, dann laß dein Erbarmen überm ich kommen, wie ein schützendes Dach.

Wie das Blau des Himmels sich über mir wölbt, so möge deine Güte mich überstrahlen, damit deine Gerechtigkeit mich nicht zu erweisen braucht von den goldenen Toren deines Reiches.

 

 

Nur dieses — —

 

... nur dieses laß mich wollen, Herr, daß ich dich liebe und in dir alle, die mir Brüder sind ...

— — denn deine Liebe gräbt so tief und weit, läßt alle Einsamkeit voll Frohsinn tragen, gibt allen Wünschen heiligen Verzicht, gibt allem Wachstum Flammen der Beseelung, gibt jedem Schaffen Kraft, die aus dir strömt und wieder zu dir fließt, wo sie dich findet...

— — denn an der Liebe mißt sich keine Kraft. — —

Sie ist das Schweigen und der Sturm.

Sie ist die Tiefe und die Höhe.

Bewegung ist sie und auch Ruhe.

Die Flut ist sie und wieder Stille. — — —

Ja, an der Liebe mißt sich keine Kraft...

 

 

Auf daß wir gläubig werden...

 

... unter Schleiern schreitest du in tiefster Verborgenheit. Deine Gottheit wirkte dieses Wunder, auf daß wir sehend werden ohne zu sehen, und gläubig werden aus dem Glauben

 

 

Verborgenheit

 

Die Unendlichkeit strahlt aus der Hülle der Zeitlichkeit und der Gewaltige ist so erhaben, daß er klein ward kleiner als ein Kind...

— — —

Und wir Menschen erheben im Stolze die Häupter, wollen stark sein und taumeln in Schwäche, wollen groß sein und besitzen nicht das Größte, die gläubige Einfalt, die mehr vermag als die Gelehrsamkeit der Denker und das verblendete Wissen in umdunkelten Stirnen.

 

 

Verbundenheit

 

Alle unsere Tage wollen wir durchlieben, als wären sie ein einziges Beten unter deinem Antlitz.

Den Preisgesang der Liebe stimmen wir an im Dämmer der Frühe, und unter den purpurnen Gluten der abschiednehmenden Sonne jauchzen wir unser Gelöbnis.

Und überwältigt uns die Dunkelheit der Nächte, dann tauchen wir unser Beten in das glutende Geheimnis deiner Liebe. Die Wogen ihrer flammenden Meere, die keine Ufer dämmen, bergen auch uns in ihre schützende Einsamkeit.

— — Denn die Liebe braucht Tiefe und Schweigen. —

Die Liebe kostet Tränen und Blut.

Die Liebe lebt nur durch Liebe.

 

 

Herr, du bist gut!

 

Du nahmst die Bangigkeit aus meinem Herzen, du hauchtest alle Not aus meinen Kammern, und wo nur graue Öde mich umschlang, da wächst das Licht und füllt die tiefsten Räume,

— — Herr, du bist gut,

denn Schutt und Asche hast du noch gesegnet. Das trockne Astwerk ward zum grünen Wipfel, der Sand der Wüste ward zum Beet voll Rosen und aus dem Neste jauchzt das Lied der Amsel,

— — Herr, du bist gut...

 

 

Vor Glück

 

Laß mich daheim sein in dir, o mein Gott; denn lieben will ich dich in deiner strahlenden Schönheit und lieben unter dem Purpur deiner Schmerzen,

lieben will ich dich in deiner Verkennung und lieben unter dem Blute deiner Wunden,

lieben bis an den harten Fuß deines Kreuzes, lieben auch in deiner bittersten Schmach. — —

— — Denn alle Not wird einmal von uns fallen.

Wie ein zärtliches Geheimnis deiner Liebe wird sie dann sein, und wenn die Schleier sich heben werden,

— — erbeben wir im Glück.

 

 

Keine Grenzen

 

.. und zogst du unserm Schaffen die engsten Grenzen, in die Weite kann es wachsen unter deinem Blick. —

Denn was wir Menschen Enge nennen, es kann doch Weite sein, und was wir Armut heißen, es kann Reichtum sein,

— — denn vor deinem Antlitz zerfällt jede Gewandung, die nicht deine Maße trägt.

— — —

Du kannst verherrlichen, was wir Menschen demütigen, und was wir in die Sonne heben, kannst du in den Staub beugen, und was wir Helle nennen, kann doch dunkel sein vor deinem Blick...

... und die Grenzen, die du uns ziehst, sind doch keine Grenzen,

— — denn ins Uferlose kann die Liebe wachsen, wenn du sie segnest...

 

 

In der Prüfung

 

Du kommst in den Stürmen der Nächte unter Schleiern, die wie Schatten sind...

Du kommst unter dem Leuchten der Blitze und unter dem Getöse der Donner, das uns erschreckt...

Du schreitest daher wie unter brausenden Winden und weist uns Wüstenwege, die uns die Sohlen brennen...

— — —

Herr, du kannst hart sein, wenn du uns segnest,

Herr, du kannst hart sein, weil du uns liebst...

 

 

Mein Gott, sind das die Tage der Not?

 

Es wurde die Dämmerung zur Dunkelheit, und das letzte Licht verglimmte wie der müde Tag in die Schwüle der Nacht.

Da brannten die Wunden. Es tropfte der Kelch von Tränen und die Einsamkeit wob alle ihre Schleier. Und die Nähe wuchs zur Ferne, und für die Ferne schien es keine Maße zu geben und keine Grenzen.

Das Fenster meiner Kammer blieb vergittert, und die Gasse zu meinen Füßen war schwül von dem Atem vieler. —

Mein Gott, sind das die Tage der Not,

die Stunden, die keine Helle tragen, die Nächte, die keine Lichter wecken? —

 

 

Karfreitag

 

Wie Schleier sind deine Wunden geworden, darunter sich deine Gottheit verbirgt, die wir nur noch aus dem Glauben erschauen...

Aber aus deinem Blute blühen Rosen: Die roten voll Glut und die weißen voll Schmelz...

Aus seinem Blute wächst jeder Kraft in deinen Getreuen.

Die Tränen der Nächte sind wie stärkender Wein, und die Bitterkeiten des Alltags werden wie rankendes Geblüte, das zu den Sternen wächst...

— — —

Dein Blut begnadet alles...

 

 

Aus dem Blute deiner Wunden

 

Herr, daß ich es erkenne darf: Die Tage unserer Heimfahrt sind nur Weg zum Ziel, und die wir in Schmerzen geboren sind, wir sollen aufblühen aus dem Blute deiner Wunden und aus den Dornen deiner Schmacht und aus der Kraft und der Herrlichkeit deines Kreuzes...

 

 

Das purpurne Geheimnis

 

Herr, hilf uns das purpurne Geheimnis deiner Liebe durchdenken!

Laß uns alle Furcht abstreifen und alle Bangigkeit und hilf, daß wir unter dem kalten Hauch der Grüfte noch deine Liebe schauen, und in den Stürmen, die uns umbrausen, und in dem Geranke, das unsere Wege umwuchert, und in der Verkennung, die über uns kommt, und in der Schwachheit, die uns zu Boden drückt.

Herr, in den Nachtstunden, die schleierumhangen uns jedes Blickfeld trüben, laß uns dein Kreuz umknien, eingehüllt in unsere Not und gebeugt durch unserer Schwachheit, hilf uns das purpurne Geheimnis deiner Liebe durchdenken...

 

 

Hofmann
F. Hanfstaengl, München

Da wurden ihreAugen aufgetan

 

 

Glaube und Liebe

 

Wir wollen glauben auch in den Dunkelheiten der Nächte.

In den Bangigkeiten und Finsternissen, da wollen wir dich bekennen.

Aus der Tiefe und aus der Stille soll unsere Liebe wachsen, und hinaufblühen soll sie zu dem umbluteten Stamm deines Kreuzes.

 

 

Laß es so sein...

 

Herr... und wenn wir bluten müßten, um die Tiefen der Liebe zu erfassen,

laß es so sein...

— — Und willst du uns kreuzigen, wie du deine Menschheit kreuzigtest,

dann geschehe mit uns so, wie du willst...

— — —

— — Denn es lebt in dir die Weisheit über jede Weisheit...

 

 

Du forderst das lebendige Opfer

 

Unsren Willen wollen wir biegen unter deinen durchbohrten Händen und unsern Stolz vernichten zwischen den Dornen deiner Krone.

Denn was gilt unsere Liebe vor dir, wenn sie nicht erblüht wie die Sterne des Feldes und sich nicht entknospet wie die Glut der Rose? —

Herr, sie wird welken und sich entblättern unter dem Flüstern unserer Lippen; denn du forderst das lebendige Opfer...

 

 

Unter Schleiern

 

Ob du uns entgegentrittst im Purpur der Schmerzen oder in den leuchtenden Gewändern der Verklärung, ob du uns den Kelch der Bitterkeiten reichst oder den Wein, der Labsal ist,

— — immer bist du der gleiche Gott, der uns segnet, und immer ist es deine Liebe, die uns umstrahlt, wenn auch ihre Schleier über uns wehen wie ein Geheimnis.

 

 

Mit dem Kreuze gesegnet...

 

... die Speise, die wir bedürfen, die gibst du uns, o mein Gott...

— — Denn wer ist weiser als du, und wer sieht tiefer als die Augen deiner Allwissenheit? —

Und der du uns unter dem Kreuze segnest, was muß es nichtiges um die Wünsche unseres Herzens sein...

 

 

Gefolgschaft

 

Herr, wir sollen mit dir leiden. — —

Und die wir vorm Kreuze erblassen und es umzittern, wir wollen unsere Träume vor dir niederlegen und unsern Glauben dir entgegentragen. Wir wollen alle Furcht in uns auslöschen und uns unter dem Schatten deines Kreuzes bergen wie unter den schützenden Händen unserer Mutter.

Herr, wir wollen glauben, auch wenn du uns hineinträgst in die Einsamkeiten deiner Nächte.

Herr, wir wollen dich lieben ,auch wenn du Opfer von uns forderst, die wie ein Schleier sind über deinem Geheimnis.

Herr, wir wollen dir treu sein auch auf deiner dunkelsten Spur.

 

 

Hofmann
F. Hanfstaengl, München

«Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder...»

 

 

Zuflucht

 

Nun berge ich mich in die blutenden Wunden deines Kreuzes, wie ein Kind sich birgt in den schützenden Arm seiner Mutter. —

Du dreimal Heiliger,

groß ist meine Armut, größer meine Not, doch am tiefsten sind die dunklen Brunnen meines Nichts.

Die Stunden meiner Nächte sind voll Finsternis und die Stunden meiner Tage tragen keine Helle.

Endliches wob ich in das Schaffen meiner Hände, und wie ein wirres Gewebe, so umflattern mich die wilden Vögel meiner Gedanken.

Herr, wohin soll ich gehen? — Nur du weißt um die Qualen meiner Stunden.

Nur du, o Herr, läßt dennoch nicht dein Kind...

 

 

Gebet

 

Senkst du den Samen des Schmerzes in die Furchen unseres Ackers, dann laß ihn nicht ersterben, sondern aufblühen hinter dem goldenen Tore der Ewigkeit.

 

 

Begnadungen

 

Alle, die zu dir kommen, durchströmst du mit den Gluten deiner Liebe. Du schöpfst aus tiefen, die dir allein gehören, Menschenhände können sie nimmer wecken.

Und so flutet deine Leibe von Seele zu Seele, wie der Wind da draußen, der mit Halm und Blüte kost, und wie das Lichtmeer der Sonne, das alle segnet.

Keiner wird ärmer durch dich, alle nur reicher.

Keiner wird schwächer durch dich, alle nur stärker.

— — —

Du Gott alles Reichtums, du Gott aller Kraft, du königlicher Gott der königlichen Liebe, wir jauchzen dir zu...

 

 

Gnade

 

Wie das Wehen der sanften Winde, die das Gezweige der Bäume küssen, so küßt uns dein Erbarmen...

Und wie der sprudelnde Quell, der durch die Tiefe eilt, Blüte und Getier um sich labt, so labt uns das rauschende Wasser deiner Gnade...

— — Denn all dein Geben ist ein Liebe, dein Schenken ist ein heiliges Erbarmen, und die Fluten deiner Gnade sind wie ein starkes Durchströmen in deinen Getreuen...

... denn es ist die Liebe wie ein gewaltiges Feuer...

 

 

Vor dem Kindlein in der Krippe

 

Das ungeblendete Licht aus den seligen Räumen des Himmels zittert auf deinem Antlitz, o Kindlein.

Arm scheinst du in der Enge einer schmalen Wiege, und aller Reichtum ist doch dein...

Allmacht ist dein Wille, Liebe ist dien Atem, Güte ist dien Segen...

Und wo du bindest, da löst du Ketten, und wo du nimmst, da gibst du tausendfach.

Die Dunkelheit deiner Nächte ist Helle in dir, und dein Leuchten ist der Himmel auf Erden...

 

 

Hofmann
F. Hanfstaengl, München

Herr, gib uns deinen Segen!

 

 

Maria

 

Blume in der Wildnis bist du und Quelle im Staube der Wüste und Lerchengejauchze unter Millionen schweigender Kehlen.

Wer singt dir ein Lied, du Schöne, du Reine, die der Himmel geboren? —

Wir können es nimmer; denn wir wissen nicht um den rechten Ton; denn du bist die blendende Lilie, die purpurne Rose, die goldene Ähre,

Mutter, du bist die brennende Liebe...

 

 

Du Schmerzensreiche

 

Ein Kranz spitziger Dornen umglühte deine Stirne.

Du wardst gegeißelt mit deinem Kinde und starbst auf Golgatha im Brande der Mittagssonne.

Alle Becher hast du mit deinem Sohne geleert und alle Bitterkeiten bis auf den Grund getrunken.

— — —

Mutter ,du littest in den Tiefen der Seele...

 

 

Mariä Heimfahrt

 

Nun hebt dich die Liebe des Sohnes über die Wolken zur Rechten seines Thrones.

Alle Chöre der Engel beugen sich vor deinem Antlitz. Licht aus deiner Gewandung spielt sich in dem Gold ihrer Flügel.

Du aber biegst das Schmale deiner Hände einer Schale gleich zu Gottes Herzen hin.

Und nun strömt die Liebe durch dich und alle Gnade durch dich,

Quelle bist du geworden, daraus wir alle trinken...

 

 

Königsbraut

 

Dein Antlitz spiegelt die Liebe des Königs wider, dein Auge strahlt Tiefe und Seligkeit.

Du singst das hohe Lied der Liebe durch alle Räume des Himmels, von deinen Lippen quillt es, köstlicher als alle Lieder der Menschen.

Cherubim umschweben dich, und das Gold ihrer Flügel streift die Säume deiner Gewänder,

du Königsbraut.

 

 

Du Gekrönte

 

Auf deinem Haupte erstrahlt in dem Lichte aller Farben der Kranz der Gekrönten.

Und es brennt in deinem herzen das Geheimnis der Liebe, wie ein Feure, das keiner löschen kann.

Und es fließen aus deinen Händen nach dem Willen des Schöpfers alle Ströme seiner Gnaden bis an die Grenzen der Menschheit.

— — —

Wie muß dich Gott lieben, du Gekrönte!

 

 

Hofmann
F. Hanfstaengl, München

Maria hat den besten Teil erwählt

 

 

Gebenedeit seist du!

 

Nun will ich dir noch ein Lied singen, du Schöne, du Reine, die du Gnade  empfingest aus der Hand des Herrn für uns alle, damit uns der Weg der Seligkeiten werde zu ihm.

— — Die du zu einem Herd der Liebe entbranntest, um die Liebe zu gebären,

die du zu einem Schatz der Tugend erblühtest, um das Heilige zu tragen,

die du zu einem Abgrund der Demut wurdest, um Gott der harrenden Menschheit zu schenken.

Du Schöne, du Reine, ein Lied will ich dir singen, das dich umjubeln soll, doch meine Lippen vermögen es nicht.

Aber den Preisgesang des strahlenden Engels trage ich dir zu: Voll der Gnaden bist du... und gebenedeit unter den Weibern... und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesu.

Amen — Alleluja.

 

 

Feuer des Heiligen Geistes

 

Du heiliges Feuer, das aus dem Blau des Himmels zündet und wie Flammen niederstrahlt in die schmale Enge der Menschenherzen,

... daß du der Weisheit Fülle trägst und die Tiefen alles Wissens,

daß du die Seele durchbrennst und durchglühst und ihr Flügel leihst, daß sie alle Höhen durchmißt und alle Akkorde durchjauchzt und alle Tiefen überwölbt und alle Berge umreist.

Du Feuer, das in allen Getreuen unseres Gottes flammt!

Du heiliger Brand der Erkenntnis, der du demütig machst und klein,

der du weise machst und klug,

der du stille machst und tief,

der du alles Vollbringen bist in uns, der Anfang und das Ende, die Morgenröte und das Abendglühn,

du flammendes Feuer, durchflamme auch uns...

 

 

Die heilige Kirche

 

Du blühender Baum an rauschenden Wassern, du fruchtgeschwellte Ähre unter kosenden Winden, du glutende Sonne unter lichtlosen Sternen, du leuchtender Pokal zwischen zerbrechlichen Scherben, du Felsen von Erz unter Bergen von Sand.

Du heilige Kirche, die du das Haupt erhebst und doch voll Demut bist,

die du durch Dornen schreitest mit unversehrten Sohlen,

die du Leben zündest, wo niemand es wecken kann. —

Du große Kirche, du Vermächtnis unseres Herrn, der Schwur der Treue zittert von unseren Lippen.

 

 

Vom Leben der Kirche

 

Deine Tage sehen kein Ende, und deine Nächte tragen noch die Helle des Mittags.

Dein Segen ist wie das Flammen von Feuern, und deine Liebe ist wie die Liebe einer Mutter.

Deine Treue blüht bis über den Tod und deine Kraft wächst bis in die feuchte Kühle der Gräber.

er mißt sich mit deiner Stärke? Wer segnet wie du?

Wer weckt aus der Asche noch strahlende Flammen, wer bricht aus der Wildnis noch Rosen voll Glut? —

— — —

Nur du, meine Mutter!

 

 

Das nächtliche Beten der Kirche

 

Aus dem tiefen Schweigen der Nächte steigt deine Stimme auf wie Lerchengejauchze um die Helle des Mittags.

Aus den Verborgenheiten stiller Kammern treten königlich Geschmückte unter dem Schleier der Armut.

Und ein Lied bebt von einsamen Lippen durch die Schatten nachtschwarzer Stunden, das ist wie ein Jauchzen in Demut und wie ein Weinen in Freude und wie ein Sühnen in Liebe.

— — —

Und um der wenigen willen, die sich opfern, segnet Gott eine ganze Welt...

 

 

In den Weihrauch deiner Gebete

 

In den Weihrauch deiner Gebete, der unbegrenzt durch das Blau des Himmels steigt, betten wir das Stammeln unserer Lippen; denn so, wie es sich aus unserm Herzen hebt, ist es nimmer ein Lobpreis für den großen Gott, den du umjubelst in einem Meer von Psalmen und Hymnen und brennenden Opfern.

Aber tragen uns die Flügel deiner Gebete, dann schwebt unser Stammeln sicher in das Uferlose allen Lichtes und wie ein Echo küßt uns der Segen des Herrn.

 

 

Von der Liebe der Kirche

 

Die in der Not einer schweren Stunde fielen und dann zitternd nach den Säumen deines Gewandes tasten, die erhebst du wie Königinnen und machst sie strahlend in deiner Gnade, so daß aus dem Staub der Gasse noch Rosen bluten und das Blau des Himmels sich segnend wölbt; denn es streute deine Liebe ihren Samen.

 

 

Dank gegen die Kirche

 

Aufjubeln will ich in der Freude eines Kindes, daß ich geborgen bin in dir, meine Mutter.

Eingebettet in den Schoß des Ewigen, auf seinen Namen geheiligt im Wasser der Taufe, so hüllst du mich in den Mantel deiner Gnade und schenkst mir Wissen von deinem Wissen.

Du heilige Kirche, im Schoße der Gottheit begründet, aus dem herzen Gottes gezeugt und von des Geistes Liebe überstrahlt, daß ich dich kennen darf, ist Gnade...

 

 

Da bist auch du...

 

Deine Treue umschattet mich wie die Treue einer Mutter und wie die Liebe eines Freundes, die noch über Gräbern blüht.

Deine Flügel sind über meinem Haupte, und wo ich auch bin,

da bist auch du, meine Mutter.

 

 

Die dich verfolgen...

 

... die dich verspotten, kennen dich nicht, und die dich verfolgen, wissen nicht um deine tiefste Verwurzelung in Gott.

— — Denn wenn sie um deine Gottnähe wüßten; ehrfürchtig knieten sie mit gesenkten Häuptern,

demütig wären sie und klein...

 

 

Stilles Geloben

 

Das ist das erste, das wir dir zutragen wollen unter den Schleiern der Frühe, und das ist das letzte, das wir aushauchen wollen unter dem Reigen der Sterne: Herr, daß wir dich lieben... lieben...

 

 

Der Tag im Herrn

 

Ob ein neuer Tag für uns aufstehen wird, wie können wir es wissen. — —

Dunkel umschleiert sind die Stunden, die hinter uns kommen. Tausend Lichter weisen uns nicht den Weg zu ihren Grenzen.

Aber heute blüht uns ja noch der Tag. Wir sahen seinen Anfang, wir sahen seine Mitte und bis zu seinem Entschlummern wollen wir ihn durchlieben im Herrn.

— — Denn nur die Stunden, die die Liebe tragen, blühen auf vor seinem Antlitz.

 

 

Vor dem Heiligtum

 

Die Schuhe will ich lösen von meinen Sohlen und die Gewandung des Alltags abstreifen von meinen Schultern und dich um die Lieblichkeit deines Schmuckes bitten, o mein Gott. Denn wo die weiße Hostie aus der Enge des Tabernakels aufleuchtet, da bist du. Es beugt sich die Ewigkeit zu unserer Zeitlichkeit und der Unendliche streift unsere Endlichkeit. Der Gesang deiner Engel zittert auf im Schatten deines Heiligtums. Lob wird dir aus den seligen Räumen des Himmels.

... und da will ich die Schuhe lösen von meinen Sohlen und die Gewandung des Alltags abstreifen von meinen Schultern, auf daß ich vor dir beten darf aus der Armut meines Herzens; denn groß bist du und heilig, o mein Gott...

 

 

Vorbereitung

 

Herr, der du stärker bist als alle Not in uns, du wirst uns schmücken zu deinem Feste.

Allem Dunkel in uns wird dein Licht wehren, alle Kälte in uns wird deine Wärme aufnehmen, alle Armut in uns wird dein Reichtum überschütten.

Herr, der du uns geladen zu  deinem Feste, — — — du wirst uns auch schmücken...

 

 

In Erwartung

 

... nun zünde das letzte Licht an in den Kammern meiner Seele und biege die Knie in Erwartung und in Hoffnung.

Bette dich tief in Demut; denn es kommt der Gewaltige. — Bette dich aber nochtiefer in Liebe; denn Liebe ist alles...

Jubele im Schweigen, glaube in der Dunkelheit, hoffe in der Verborgenheit und schaue wie unter Schleiern...

 

 

Erstaunen

 

Wie brennt dein Feuer auf unseren Lippen, da du uns umschlungen  hältst mit dem Kusse deiner Erbarmungen!

— — Du dreimal Heiliger, vergaßest du, wer du bist und weißt du, wer wir sind? — — —

— — —

Es flutet Licht von deinem Licht durch die Dunkelheiten unserer Seelen. Es blüht Kraft von deiner Kraft auf in den Schwachheiten unserer Herzen,  es glüht das Siegel deiner Liebe auf unsern geblendeten Stirnen.

Du dreimal Heiliger, du unerschaffenes Licht in deinem Licht, weiß du, wer wir sind? —

 

 

Alles ist klein vor dir...

 

Auch die hohe Stirne des Denkers durchdringt nicht deine Tiefe. Und alle Menschenkräfte zusammen messen sich nicht mit deiner Kraft und alles Leuchten der Sonne ist noch wie ein Dunkel vor deinem Licht, und die Gewalt aller irdischen Kräfte mißt sich nicht mit deinen Gewalten; — — — denn alles ist klein vor deiner Verborgenheit.

Groß bist du allein, o mein Gott!

 

 

Eucharistie

 

Nicht wie wir Menschen uns untereinander lieben, so ist deine Liebe zu uns, o mein Gott! Ihre Tiefen durchmessen nur die goldenen Schwingen deiner Engel, und ihre Höhen umjauchzten die Lobgesänge deiner Cherubim.

— — —

Mein Gott, daß wir diese Liebe ertragen und nicht in Ehrfurcht erbeben vor den Segnungen deiner unerkannten Verborgenheit! —

 

 

Glaube

 

Du Liebe unseres Gottes, die du dich in Liebe hüllst, um uns nahe zu sein, wie danken wir dieses? — — —

Trügen wir das Lobgetön der Engel auf unseren Lippen ,wir jubelten es dir zu. Aber wir müssen verstummen; denn unsere Sprache ist vor dir wie das Geräusch von tönernen Schellen, und unsere Worte sind ärmer wie das Stammeln eines Kindes.

Du großer Gott, der du dich in Liebe hüllst und so auf unseren Altären weilst, wir wissen es, mehr als unser Jubel gilt dir unser Glaube.

 

 

Im schimmernden Brote

 

Mein Gott, der Cherubim umschattet sein Antlitz mit dem Gold seiner Flügel; denn das unerschaffene Licht trägt droben keine Schleier. Ungeblendete flutet es durch die Räume des Himmels und beseligt dot alle Chöre deiner jauchzenden Engel.

Aber unsertwillen ,damit wir dich zu ertragen vermögen in unserer Schwachheit, hüllst du das Licht der Ewigkeit in die armen Schleier unsere Zeit.

— — —

Mein Gott, wie mußt du uns lieben, daß du unserer Sehnsucht Erfüllung wurdest im weißen, schimmernden Brote, das du eingebetet hältst in Verkennung und in Einsamkeit.

 

 

Die Engel

 

Den Thron deiner Liebe umrauschen Millionen von Engeln.

Dein Wille gab ihnen Kraft und Schönheit und Licht von deinem Licht, das aus ihrem Antlitz strahlt wie das morgendliche Leuchten der Sonne. Gold ist das Schmale ihrer Flügel und die Säume ihrer Gewänder zieren Edelgestein.

Das Lied der Liebe ist es, das von ihren Lippen zittert und da durch das Meer ihrer Zeitlosigkeit tönt hinauf zu der Heiligkeit deines Thrones.

— — Und die Gebete der Menschen heben ihre Lippen zu deinem Herzen hin.

— — —

Und du segnest sie um deretwillen ,die das Lied der Liebe singen durch alle Räume des Himmels.

 

 

Du segnest...

 

Im Geheimnis der Armut kommst du zu uns. — Aber aus der weißen Hülle, die dich umschließt, leuchtet den Licht in die Kammern der Seele. Und die Worte, die du sprichst, sind nicht wie Menschenworte, und die Liebe, die aus dir flutet, ist nicht wie Menschenliebe, und die Kraft ,die zu uns strömt, ist nicht wie Menschenkraft. —

Wahrhaftig, du segnest, wie nur Gott segnen kann...

 

 

Bleibe bei uns

 

Nun ruhst du auf der Schwelle unseres Hauses, es umleuchtet der Glanz deiner Stirne die Dunkelheiten unserer Kammer. Es hat sich deine Demut so klein gemacht, daß wir dich in uns tragen und dich doch nicht sehen,  du großer Gott.

Du sprichst zu uns im Schweigen, es flutet deine Rede im Verborgenen.

Unser dunkles Herz wird hell durch dich, du bist uns Erlösung in unserer Pein.

Und der du stärker bist als der Sturm, du weißt um die Bangigkeit in uns, und so kamst du in der heiligen Stille der Frühe.

Du große Gott, wie sollen wir dich preisen? —

Drücke deinen Kuß auf unsere hungernden Lippen und bleibe in uns...

 

 

Bitte

 

O forme uns um, du Gott der Starken, der du die Demut bist auf unsern Altären.

Der du zu Brot werden wolltest in den Händen deiner Priester, um dich in unsere Einsamkeiten zu betten und uns groß werden zu lassen in deiner Größe. —

Wer durchmiß deine Tiefen, o mein Gott? —

Wer umjubelt dich, du Großer, du Starker, in deinen höchsten Höhen? —

Keiner unter uns Sterblichen singt dir ein würdiges Lied,

— — und doch bist du die Demut auf unsern Altären...

 

 

Das Wunder des Herrn

 

Es hat sich die Liebe gebunden wie kein Mensch sich bindet mit seinem Wort.

Unwandelbar ist das Gelöbnis des Herrn, und Erlösung ist es dir und mir und Beseligung in irdischen Tagen.

Wer will da nicht kommen und sich nähren und sich sättigen? — —

Wer will seine Armut nicht betten in seinen Reichtum? — —

— — —

Du Glanz über jedem Glanz, du Licht über jedem Licht, wir bergen unsere Liebe in deine Liebe.

 

 

Bei der Prozession

 

... der du durch die Enge unserer Straßen wandelst in der Verborgenheit deiner Armut.

Der du die wogenden Felder segnest und die schwellenden Wasser und die rauschenden Wälder...

Der du die Sprache der Liebe redest zu jeglichem Wesen...

Der du aus dem Gezweige die Knospe weckst und aus dem Geknospe die Blüte webst und aus dem Geblüte das Reifen formst...

Der du alles Wollen in dir trägst und alles Vollbringen,

staubgebeugt knien wir vor deiner Armut und beten dich an.

 

 

Mit dem Blicke der Liebe

 

Du schaust auf die Blüte der Lilie, auf das dornige Geranke der Rose und auf die fruchtgeschwellte, körnerschwere Ähre.

Und der Blick, der jegliches Geblüte trifft und jedes dornig-spitzige Geranke und jede sonnenwarme Frucht,

— — — ist der Blick der Liebe.

— — —

... denn mein Gott, du bist der Gott aller deiner Kinder.

 

 

Wir jubeln dir zu!

 

Du großer Gott, im Kleide der Demut, wir jubeln dir zu!

Das Lied, das wir singen, soll aus der Tiefe steigen. Die Säume des Himmels soll es umklingen und den Thron deiner Liebe jauchzend umbrausen, denn wir alle, die wir sind, wir leben in dir, und alle Kräfte in uns, die wachsen aus dir, und alle Liebe, die wir schenken, wurzelt in dir...

Du großer Gott, der du die Sterne in ihren Bahnen hältst und der Sonne ihr Leuchten gibst und dem Meere sein Brausen und dem Baume die Frucht,

du großer Gott, du Gott alles Erschaffenen, wir jubeln dir zu.

 

 

Cor Jesu flagrans amore!

 

Herr, nun möchte ich jubeln wie das Kindlein in den Armen der Mutter, wie das Vöglein im maienbelaubten Geäste,

singen möchte ich mit den Lerchen im wonnigen Blau hoch über mir,

und alle meine Worte sollen sein wie ein Lied vor dir, das zu deinem Herzen tönt und dort verklingt wie das Schluchzen der Winde und wie das Rauschen der Wasser.

— Denn dein Herz umleuchtet alle Herzen, und deine Liebe ist aller Liebe Ursprung.

Kein Licht ist außer dir, es wäre denn, du hättest es entzündet, und keine Kraft ist in uns, es sei denn, du hättest sie geweckt.

Du Herz, in dem wir alle leben!

Du Herz, durch das wir alle lieben!

Du goldenes Herz,

Du purpurnes Herz,

Du Herz unseres Königs, wir beten dich an!

 

 

Aus deinem Herzen

 

Aus deinem Herzen blüht dir Liebe wie purpurne Rosen blühen, die nimmer blassen..

Der Stern unseres Hoffens bist du! Deine Güte zieht uns keine Grenzen.

Zu jeder Höhe läßt du uns schreiten, wenn wir es nur wollen...

... und der du deine Engel beseligst, du vergißt nicht um die Nöten in uns.

Du neigst dein Antlitz zu unsern Tränen, daß wir unsern Kummer begraben müssen in tiefen Grüften.

— — Denn deine Liebe muß lieben, und deine Güte muß segnen...

 

 

Nächtlicher Versehgang

 

Du schreitest durch unsere Straßen und mit verborgenen Händen segnest du das Graue unserer Häuser und die Not in unsern Kammern und das Beten unserer Nächte.

Wir wissen nicht, daß du uns nahe bist, aber du — du weißt um uns...

Deine Verborgenheit kennt alles Verborgene, deine Einsamkeit weiß um alles Einsame, und die Flammen, die aus dienen Tiefen steigen, sind wie ein Band, das alle an dich kettet.

— — —

Du Gott der Verborgenheit, nichts ist dir verborgen! Alle Geheimnisse der Menschen liegen vor dir wie der lichthelle Tag.

 

 

Auf dem Heimweg

 

Es neigte sich dein Erbarmen zu dem Flüstern unserer Lippen, und du wardst unserer Sehnsucht Erfüllung in dem purpurnen Geheimnis deiner Liebe.

Du entsiegeltest den Reichtum deiner Schätze, daß aller Glanz der Erde  wie Sand verstäubte vor den Herrlichkeiten deiner Verborgenheit und vor den unbekannten Segnungen deiner Liebe. —

Da schreiten wir dann heimwärts wie Geschmückte;

denn zu unserer Stirne neigte sich das Antlitz des Schöpfers und zu unserer Armut legte er den Reichtum seiner Hände. —

 

 

Herr, segne mich!

 

Herr, segne alle meine Stunden und alle meine Nächte, wie du die blühenden Wipfel segnest und die wogenden Ähren und die Äcker voller Frucht...

Herr, segne mich im Schmerz6e, segne mich in der Freude!

Segne mich im Schaffen und segne mich unter dem Ringen meiner Gebete.

Segne mich im Weinen meiner Nächte, segne mich aus deiner Verborgenheit unter den Schleiern deiner Geheimnisse.

Herr, segne mich aus deiner nahen Ferne, umschatte mich bis zur letzten meiner Stunden mit den Flügeln deiner Gnade.

— — —

Herr, segne mich, wie du die Kleinen segnest, die zur Mutter wollen...

 

 

Du bist gut...

 

Alle Glocken sollen in mir läuten. Beseligt will ich meine Flügel spannen und durch die Nächte in den Tag mich wiegen, — — — Herr, ich will jubeln,

Herr, — — denn du bist gut...

 

 

Du liebst wie keiner...

 

Du schrittest über die Schwelle meines Hauses.

In Armut kamst du und brachtest och Reichtum.

In Kleinheit kamst du und segnetest voll Größe.

In Verborgenheit kamst du und thronst doch in den Himmeln und herrschest dort wie ein König über alle Könige und gebietest allem...

Du starker Gott, der du zu uns kommst im Geheimnis der Verborgenheit,

— — du liebst wie keiner...

 

 

Deine Liebe

 

Mein Gott, deine Liebe ist stärker als alle Liebe der Menschen, die wie Ketten um uns liegt und uns zur Erde zwingt mit eisernen Gewichten.

Deine Liebe ist die Liebe. — —

— — Sie ist stärker als der Tod und freier als die Stürme draußen und zärtlicher als das Kosen der Mutter und leuchtender als das Strahlen der Sterne und wärmender als der Mantel der Sonne. — —

Deine Liebe ist die Liebe. —

— Sie ist die Allmacht des Verborgenen und das ungeblendete Licht des Dreieinen.

Sie ist das Herz im Herzen der Gottheit und die Quelle unserer Beseelung.

Deine Liebe ist die Liebe. —

 

 

Um die Jahreswende

 

Alle meine Tage, die vor mir liegen, breite ich vor dir aus wie ein Ackerfeld, durch das noch keine Pflugschar ging und das noch ohne Saatkorn ist und ohne frohes Gebären.

Und alle Räume meines Hauses öffne ich vor dir. Durchläute ihre Leere mit dem Klange deiner Glocken und deine Siegel hefte über den Bogen meiner Pforte.

— Denn alle meine Tage sollst du segnen, wie die Mutter ihr Kindlein segnet.

Durch meine Stunden sollst du wandeln wie das sonnige Leuchten um die Wende des Mittags und meinen Abenden sollst du segnen mit der starken Kraft aus deinem heiligen Kreuze.

— Denn ich will nur dich in meinem Schaffen, ich will nur dich in meinem Denken. —

Das Fest der Liebe will ich feiern durch alle meine Tage und Stunden.

Ich will dich umjubeln, auch wenn du unter Schleiern wandelst in deiner tiefsten Verborgenheit. Singen will ich aus der Enge meiner Kammern:

— — Gebenedeit seist du und das Walten deiner starken Liebe in uns allen...

 

 

Am Abend des Lebens

 

Wenn das Leben verblaut wieder Tag in der Nacht, wenn uns Nebel umgeistert und Sturm uns umjagt, wenn der Schmerz uns durchwühlt, unsre Notdurft uns quält, wenn wir in Blöße und Armut uns sehn... Wenn Fieber wie Feuer den Körper durchglüht, — —

— — dann komme und laß uns noch einmal frohlocken! Alles Endliche tauchen in das Meer der Unendlichkeit, alles Zeitliche lösen wie Staub von den Sohlen, und im Einssein uns lieben, Herr, nichts als nur lieben...

 

 

Das Lied der Liebe

 

Dem König wollen wir lobsingen, aber nicht auf Harfen und Posaunen, nicht auf Zymbeln und Schalmeien, sondern unser Lied soll im Verborgenen erklingen:

Im Schweigen der Nächte und im Opfer, das uns wehe tut, und in der Not, die in der Seele brennt, und im Vergessen ,das Verzeihen ist.

— — —

Unser Lied, das im Schweigen zu dem König tönt, ist das Lied der Liebe, danach er dürstet.

 

 

An die Engel

 

Ihr Engel jauchzt es weiter durch alle Räume eurer Seligkeiten, das Lob, das von unsern Lippen zittert und dann vor dem Tore der Ewigkeit verstummt, wie das Weinen eines Kindes.

Ihr Engel, seid unsere Sänger vorm Herrn!

Jubelt das Lob der Geschöpfe hinauf zu dem König!

 

 

Nur dieses vermögen wir

 

Aufjauchzen möchte ich und muß doch schweigen; denn meine Stimme hat nicht Klang vor dir. —

Wo sich der Fittich des Cherubs neigt und Engel jauchzen in seligen Liedern, wer darf es wagen, dich da zu umjubeln?

— — Nur stammeln, Herr, das können wir, so wie ein Kind in der Mutter Armen, so wie ein Kind, das dir Blumen bringt, so wie ein Kind, das im Glauben lächelt, — —

— — Herre, nur dieses vermögen wir...

 

 

Hingabe

 

Nun singe ein Lied, wie du noch keines sangest!

Jubele aus der Tiefe und frohlocke unter de Kusse des Herrn!

Schenke ihm das Opfer, das am heißesten unter deinem Herzen brennt...

Schenke ihm den Willen, der dir der liebste ist...

Schenke ihm das Erwachen deiner Tage und dein Einschlummern unter den Sternen...

Schenke ihm dein Frohsein und deine Bangigkeit...

— — —

Seele, schenke ihm alles... alles...

 

Hofmann
F. Hanfstaengl, München

Hosanna dem Sohne Davids

 

 

Alle mögen dich lieben...

 

O möge der Tag einmal aufblühen, da alle Herzen zu dir erbrennen wie ein gewaltiges Feuer. Da der Jubel der Erde hineintönt in den Jubel deiner Cherubimen, — —

— — möge dieser Tag einmal aufblühen, o mein Gott.

 

 

Die kleine Herde

 

... aber wir wissen es, o Herr, es wird nur immer eine kleine Herde sein, die dich aus der Tiefe liebt und in deinem Blute.

Dein Kreuz überschattet nicht die Gärten ihrer Seele, und das geheimnisvolle Leuchten deiner Verborgenheit durchglänzt nicht die Stunden ihrer Tage.

— — —

Aber du, o Herr, der du alles vermagst, spanne ihre Flügel und hebe sie hinein in das Unbegrenzte deines Glückes.

 

 

Dank

 

Meine Seele juble deinen Dank, läute ihn hinaus in alle Räume, trag ihn jauchzend deinem Schöpfer zu...

— — —

... der dich schuf, weilt jetzt in deiner Mitte. Sehnsucht zog ihn in dein kleines Haus, seinen Reichtum trug er dir entgegen, seine Hände halten dich umschlungen,

— — meine Seele, juble deinen Dank...

 

 

Letzte Erfüllung

 

Alles ist erschaffen, nur du bist unerschaffen, und aus deiner Unerschaffenheit zieht alles sein Leben.

Jede Weisheit quillt aus dir und jedes Licht, jedes Verzeihen und jeder Trost, jedes Opfer und jede Größe.

... und die für dich in den Kampf ziehen, die umgürtest du...

Du bist die Kraft in jeder Kraft und die Liebe in jeder Liebe.

Du bist unseres letzten Wunsches Erfüllung, wenn die staubige Gewandung des Alltags sich von unsern Schulten löst, und die Liebe zum Schauen wird, und das Schauen nur noch Liebe ist...

 

 

Abendgebet

 

Liebe unseres Gottes, nun laß dich umjubeln von den Lippen deiner Kleinen!

Laß den Weihrauch unserer Herzen zu dir aufsteigen! Nimm aus unseren gefalteten Händen unser schwaches Lob!

Liebe unseres Gottes, wir tragen z u dir unsere Liebe!

Sie brennt auf unseren Herzen, sie quillt von unseren Lippen,

— — tiefste Seligkeit ist sie in uns.

Sie umhüllt unsere Notdurft, sie umleuchtet unsere Schmerze, sie bettet uns tief in das Erbarmen deines Herzens; seine Flammen brennen unsere Flecken aus.

Liebe unseres Gottes, du unserer Sehnsucht Erfüllung! Du goldenes Abendrot über unsern Häuptern! Unsere Schuhe streifen wir von unsern Sohlen und hauptgeneigt knien wir in deinem Gezelte.

Wir umjubeln deine Liebe, tiefste Seligkeit ist sie in uns.

 

 

Letztes Wünschen

 

Wandele du an unserer Seite und sei das Licht, das sich nimmer verlöscht auf der Diele unseres Hauses.

Sei du das goldene Glöcklein an der Pforte unserer Kammern und der leuchtende Stern über unserm Haupte.

Sei du die Quelle, danach wir dürsten, das Brot, danach uns bangt, sei du die Sehnsucht unserer hungernden Lippen.

Sei du die Liebe unserer Liebe und die Flamme aller Beseelung.

Sei du uns alles in allem — —

— Amen.

 

 

Meinen Frieden gebe ich euch

 

— ENDE —

 

Gehe zum Anfang


© Transkription von Paul O. Schenker, Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell (Schweiz)