Aus dem Immaculata-Archiv:


Der blutende Christus von Asti

Nach authentischen Quellen übertragen von

P. J. J. Schons O.S.B.

Mit einem Geleitwort von

P. Odo Staudinger O.S.B.

Schriftleiter des "Benediktus-Boten"

Imprimi potest: + D. Jos. Odo Alardo, Abbas Claravallensis, 12. Aprilis 1934
Imprimatur: Nr. 926/22. Apostolische Administratur Innsbruck, den 11. Mai 1934. Urban Draxl, Provikar


Geleitwort

Der Verfasser dieser Schrift, ein sehr hochgeschätzter Mitarbeiter vom "Metzer Kath. Volksblatt", der "Schildwache" und des "Benediktus-Bote" wünscht ein Geleitwort von mir. Nach Lesung vorliegender Arbeit erschien mir ein solches überflüssig, wenigstens aus meiner Feder. Doch bei den Zweifeln und dem Unglauben, denen die Kunde von wunderbaren und wunderähnlichen Ereignissen zu begegnen pflegt, dürfte es angebracht sein, etwas auf die Geschichte der Mystik zu verweisen. Diese erzählt uns von mehr als einem blutenden und sprechenden Kruzifix. In seinem wertvollen Buch "Vom verborgenen Heldentum", Aufzeichnungen aus dem Leben der stigmatisierten Dominikanernonne Columba Schonath (Görres-Verlag, Aschaffenburg) berichtet Hochschulprofessor Dr. Ludwig Fischer: "Erstmals ist von einem blutenden Kruzifix zur Zeit Konstantins die Rede. Es ist das blutende Kruzifix von Beirut, das im römischen Martyrologium unter dem 9. November aufgeführt wird. Beryti in Syria commemoratio imaginis salvatoris, quae a iudaeis crucifixa tam copiosum emisit sanguinem, ut orientales et occidentales ecclesiae ex eo ubertim acceperint (ed. Piana p. 339). Es ist gar kein Grund gegeben, diese geschichtliche Nachricht anzuzweifeln und sie erscheint dem glaubhaft, der den ganzen Komplex dieser Erscheinungen genau studiert. Bei Marie Julie Jahenny bluteten zwei Bilder des Gekreuzigten und zwei Kruzifixe (Imbert-Gourbeyre II, 120) ähnlich wie bei Columba. Franziska vom Kreuz (gest. 1600) dachte einstmals vor einem Muttergottesbild über das Leiden Christi nach. Das Bild fing plötzlich zu leuchten und mit ihr zu reden an und sagte, sie solle in den Chor gehen; dort werde sie finden, wonach sie verlange. Im Chor sah sie aus den Wunden des dort befindlichen Bildes des Gekreuzigten eine solche Menge Blut fließen, daß der Boden davon überschwemmt ward (Imbert-Gourbeyre II, 122). Blutende Kruzifixe finden sich nach Imbert-Gourbeyre bei folgenden Stigmatisierten: Raniero, Margareta Agullona, Isabella von Medina, den beiden Schwestern Pudentiana Zagnoni. Der hl. Gerhard Majella bekehrte einen hartnäckigen Sünder, indem er ihn auf das Kruzifix hinwies, das in diesem Augenblick zu bluten anfing...

Auch eine Anzahl sprechender Kruzifixe ist bezeugt. Noch heute wird im Zellengang des Klosters der Franziskanerinnen zu Kaufbeuren das Kruzifix gezeigt, das zur sel. Kreszentia gesprochen hat. Die Schwestern haben seinerzeit eidlich die Versicherung abgegeben, daß der Mund des Kruzifixes vor dem Sprechen geschlossen war. "Vom Kreuze herab hatte sie die Versicherung vernommen, daß sie als eine Braut des Herrn im gottgeweihten Hause leben werde ihr Leben lang. Darin fand sie zugleich eine Andeutung ihres Leidensganges und eine Aufforderung ihrem himmlischen Bräutigam auf dem Wege des Kreuzes in aller Treue nachzufolgen. Der Mund des Bildes, von dem diese Versicherung kam, war ehevor nach der einstimmigen Erklärung aller Zeugen geschlossen gewesen. Von jener Stunde an, da die fromme Weberstochter die Worte vernahm: "Hier wird deine Wohnung sein!" blieb der Mund des gekreuzigten Heilandes geöffnet, wie jeder sich davon überzeugen kann, bis auf den heutigen Tag" (Jocham II, 493). Sprechende Kruzifixe finden sich weiterhin im Leben von Margareta von Cortona, Emilia Bicchieri, der beiden Schwestern Pudentiana Zagnoni, Katharina von Ricci." Es würde zu weit führen, hier alle beglaubigten Fälle zu nennen. Wer sich für blutende Kruzifixe, Bilder und Statuen initeressiert, lese Ribet, La mystique divine distinguée des contrefaçons diaboliques et des analogies humaines, A. I.-III., Paris 1879/1883 und das gelehrte Bollandistenwerk: Miracula in imaginibus Christi: Bibliotheca hagiographica latina antiquae et mediae aetatis, ed. socii Bollandiani, Brüssel 1898-1901, I. 626-629, Nr. 4216-4241.

Das neueste blutende und sprechende Kruzifix ist das von Asti. Wir dürfen das glauben. Denn nachdem die Wissenschaft das Ihrige getan, hat der zuständige Bischof verkündet: Es handelt sich ohne Zweifel um ein Wunder. Alle Hypothesen wurden geprüft und alle als unrichtig erkannt." Wir danken dem Hochwürdigsten Herrn für seine Entschlossenheit. Er fordert zur Buße auf. Der bekannte Oratorianer P. Friedrich Wilhelm Faber bemerkt in seinem Buche "Das kostbare Blut", daß schon öfters Kruzifixe Blut geschwitz haben, um allgemeines Unheil anzukündigen oder das Mitgefühl des Heilandes mit seiner leidenden Kirche anzudeuten.

Denken wir an das Gottlosentum, an die vielen schweren Sünden der Gegenwart! Der Hebräerbrief nennt die Untat der Todsünde "Christus in uns kreuzigen" (VI. 6) Befreien wir Christus vom Kreuze durch Buße für uns und andere! "Beim Beichten muß man verstehen, was man tut. Das bedeutet eigentlich: man löst unseren Heiland von den Nägeln los..." (Der hl. Pfarrer von Ars.)

Beten und sühnen wir für die Bekehrung der Sünder! Wie würde es den Heiland freuen, wenn jeder Leser dieser Schrift zum Dank für den neuen Beweis der göttlichen Liebe in Asti die Anregung des P. Faber befolgte, die da heißt: "Wenn wir jede Nacht, bevor wir schlafen gehen, die heilige Jungfrau bitten würden, Gott das kostbare Blut ihres teuren Sohnes für die Gnade darzubringen, irgendwo in der Welt in dieser Nacht eine Todsünde zu verhindern, und wenn wir dann dasselbe Gebet am Morgen für die Stunden des Tages erneuerten: gewiß, ein solches Opfer und von solchen Händen dargebracht, müßte unfehlbar die erbetene Gnade erlangen, und dann könnte jeder von uns leicht 730 Todünden im Jahre verhüten; und wenn Tausend von uns diese Gebete darbrächten und 20 Jahre darin verharrten, was keinem von uns Mühe kostete, nichts zu sagen von dem Verdienste, das wir daraus gewinnen würden, so wären mehr als 14 Millonen Todsünden verhütet. Ach, wie würden auf diese Weise die Interessen Jesu in der Welt gedeihen, und wie glücklich, wie unaussprechlich glücklich würden wir sein!"

Mutter der göttlichen Gnade, verhilf doch durch diese Schrift dem lieben Heiland und vielen, vielen Lesern zu diesem unbeschreiblichen Glück!

P. Odo Staudinger O.S.B.


Ein Kruzifix, das blutet!

Das Heilige Jubeljahr, das so reich an übernatürlichen Ereignissen und Gnaden allerort war, brachte auch allerlei wunderähnliche Begebenheiten mit sich, die uns so sehr offenbarten, daß Gott den Gnadengestus des Hl. Vaters voll und ganz approbierte. Neben dem Jubeljahr der Erscheinungen in Lourdes erlebten wir auch recht packende Begebenheiten in Belgien die - wie wir hoffen - recht bald ins richtige Licht gestellt werden.

Nun konnten wir die letzten Wochen in der Pariser Zeitung "La Croix" und im "Metzer Katholischen Volksblatt" folgendes großartige Ereignis lesen:

Das "Jubeljahr", das "Heilige Jahr", hat seine Tore geschlossen.

Während dieser gnadenreichen Zeit neigte sich der Himmel zur leidenden Menschheit hernieder, um ihr gleichsam Dank zu sagen für die Einsetzung der zweifachen Zentenarfeier: Christus-Erlöser, Christus-Hostie!

Fanden doch in diesen Monden auffallende, wunderbare Ereignisse statt, welche die Allmacht und Liebe Gottes zu den Menschen bekundeten und viele in Staunen und Sinnen versetzten.

Eine solche wunderbare Tatsache ereignete sich vorigen Sommer zu veschiedenen Malen auf italienischem Boden und zwar in Asti, in der Provinz Piemont.

Daselbst befand sich eine arme Frau, mit Namen Therese Tartaglino, welche wegen Herzmuskelentzündung ins St. Josephs-Spital gebracht worden war. Eines Nachmittags nun, es war am 11. August, verließ die Kranke nach dem Mittagessen ihr Lager, verrichtete einige Gebete vor ihrem Kruzifix und vereinigte ihre Leiden mit den Todesqualen des sterbenden Heilandes.

Plötzlich sieht die Kranke, wie Leben in das Christusbild kommt, wie es atmet und wie es aufseufzt. Zugleich hört sie auch folgende Worte: "Meine Tochter, schau in welchen Zustand mich die Gotteslästerungen versetzten, und wie sie meine Leidenspassion immer und immer wieder erneuern!"

Und o Wunder, während dieser Worte öffnete sich die Seitenwunde des Christusbildes, und es strömte rotes Blut aus derselben heraus, zu gleicher Zeit bedeckten sich die Wundmale an Händen und Füßen mit Blutstropfen, und aus dem halbgeöffneten Munde sickerte ebenfalls Blut, welches die Unterlippe benetzte.

Therese Tartaglino meldete voll Angst der pflegenden Schwester sowie dem Spitalgeistlichen das Vorkommnis und zeigte beiden das blutende Kruzifix.

Am folgenden 27. September wiederholten sich die Blutungen, wobei fünf Priester und vier Ordensschwestern als Zeugen zugegen waren. Alle konnten mit ihren Fingern oder mit Linnen oder Watte das Blut abwischen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde von dem Geschehnis und die ganze Stadt wollte das Wunder sehen, welches zum Tagesgespräch geworden war.

Aus Vorsicht und Klugheit verordnete der Bischof von Asti, die eidlichen Aussagen der Zeugen zu sammeln. Auch ließ er das wunderbare Christusbild durch die modernsten Analysen auf der Universität von Turin untersuchen, und bald konnte er die Echtheit und Wahrheit der wunderbaren Ereignisse verkünden.

Daraufhin wurde die Angelegenheit von der Kirche weiter verfolgt und geprüft. Ganz Asti horchte auf, als sein Bischof in dem letzten Fastenhirtenbriefe die Mitteilung machte, die wunderbaren Tatsachen entsprächen der Wahrheit und hätten übernatürlichen Charakter. Der Oberhirte eiferte ferner seine Diözesanen an, dem Welterlöser den Tribut des Dankes und der Verehrung abzustatten.

Als Antwort auf die außerordentlichen Zeichen des Christusbildes fand in Asti eine große Volksmission statt, während welcher der Bischof, es war am 9. März letzthin, die Inthronisation des blutenden Kruzifixes in der Spitalkirche des hl. Joseph vornahm. An der erhabenen Feier nahmen viele Gläubige teil, und alle waren von dem einen großen Gedanken beseelt, dem leidenden Heiland in dankbarer Sühneliebe treues Gefolge zu leisten bis ans Ende, damit Christi Reich immer größere Ausbreitung finde!

Die bestbekannte Zeitschrift "Die Schildwache" brachte dieser Tage folgenden ähnlich lautenden Bericht:

In Asti (westlich von Alessandria, Oberitalien), einer Stadt mit 25.000 Einwohnern, ereignete sich, wie die Zeitungen melden, ein eigenartiger Vorfall. Am 11. August 1933 strömte dort zum ersten und am 27. September zum zweiten Male aus der Seitenwunde eines kleinen Kruzifixes in einer Klosterherberge Blut hervor, das sich bei chemischer Prüfung einwandfrei als Menschenblut erwies. Die bischöfliche Behörde hat nunmehr nach eingehender Ermittlung aller Umstände ein Dekret folgenden Inhaltes erlassen: 1. Das Geschehnis ist wahrhaft und wirklich und von zahlreichen, durchaus glaubwürdigen Zeugen bestätigt. 2. Das aus dem Kruzifix geflossene Blut hat sich bei der chemischen Kontrolle als Menschenblut herausgestellt. 3. Jede Möglichkeit einer Täuschung oder einer Simulation ist sowohl durch die Umstände wie durch die Bekundungen aller Zeugen ausgeschlossen. 4. Das Geschehnis muß als außerordentlich und auf natürliche Weise nicht erklärbar betrachtet werden. Eine gewaltige Volksmenge ist nach dem Dekret der Diözesanbehörde zur Verehrung des Kruzifixes herbeigeströmt. Der Entscheid der bischöflichen Behörden stützt sich auf ein Gutachten der Mitglieder der Medizinischen Fakultät Turin und auf eine Radiodurchleuchtung des Kruzifixes durch einen bekannten Radiologen.

Um diese Berichte zu ergänzen und zu begründen, sandte die belgische Zeitschrift "Les Annales de Beauraing et de Banneux", welche so sehr um die belgischen Marienerscheinungen besorgt ist und keine Mühe scheut, um der Wahrheit zu ihrem Rechte zu verhelfen, einen eigenen Berichterstatter nach Asti um dort an Ort und Stelle der Wahrheit entsprechende offizielle Erkundigungen einzuziehen. -

Im folgenden geben wir nun den Bericht wieder, den Herr Daniel Goens in Asti mit Hilfe der geistlichen Autorität, insbesondere mit Hilfe seiner Exzellenz des hochwüridgsten Herrn Bischofs Msgr. Umberto, zusammenstellte.

 

Eine große Nachricht!

Ein Leser der "Annales de Beauraing et de Banneux", Domherr Mauritius Barosso, Rektor des Heiligtums "Unserer Lieben Frau von Portone (Porta Paradisi) zu Asti, hielt uns mit einem wunderbaren Ereignis, mit dem er innig verbunden war, auf dem laufenden. Von einer mystischen Seele zu Asti sprechend, schrieb er uns:

"Im Velauf einer Vision, die ihr einen Schauplatz der Sünde vorführte, am 11. August 1933, um 13 Uhr, während ihre Augen dem Kruzifix, das bei ihrem Bette hing, zugekehrt waren, trat frisches Blut aus der Seite hervor und sie hörte gleichzeitig die Worte:

"Mein Leiden wird vollständig erneuert!"

Durch diese wunderbare Kundgebung in Schrecken versetzt, wusch sie unverzüglich die Seitenwunde und tilgte die Blutspuren. Aber die Erscheinung offenbarte sich um 15 Uhr von neuem. Die Unmöglichkeit einsehend, diesem Schauspiel zu widerstehen, rief sie eine ihrer Nachbarinnen, um das Kruzifix wegzutragen. Da man es bald darauf zurückbrachte, offenbarte es sich gegen 17 Uhr zum dritten Mal. Die Neuigkeit verbreitete sich rasch wie der Wind, wurde aber bald wieder erstickt, besonders wegen der zu befürchtenden Kritiken und ungläubigen Ansichten. Da ich bemerkte, wie das geronnene Blut nach und nach auf dem Christuskörper aus Gips austrocknete und hängen blieb, photographierte ich im Einverständnis mit der Bevorzugten das Kruzifix.

Später, am 27. September 1933, um 14 Uhr, während das Kruzifix in ein Linnen eingewickelt sich in einem Kleiderschrank befand, fühlte sich die Begnadete durch Jesus gerufen. Er gab ihr seinen Wunsch kund, für das neue Wunder, das er wirken wolle, möchte er viel mehr Zeugen haben. Sie öffnete nun einen Türflügel des Schrankes und sah wie das Wäschestück ganz mit Blut durchtränkt war. -

Mehrere Personen eilten auf ihren Ruf herbei und bemerkten zu ihrem großen Schrecken das aus der Seite quellende Blut. Auch ich wurde bald gerufen und photographierte unverzüglich das Kruzifix; doch das Blut trat nicht mehr hervor. Dann nahm ich das Kruzifix in die Hände. Ich sah nun wie die Seitenwunde sich von neuem klar und deutlich öffnete und wie ein rötlicher Bluttropfen hervortrat.

Das war die letzte Kundgebung!

Alle diese Einzelheiten und viele andere wurden uns privatim mitgeteilt. Es sollte vorläufig nichts davon der Öffentlichkeit übergeben werden, um der kirchlichen Behörde die Untersuchung in der Stille zu ermöglichen.

Unsere Freude war umso größer, als wir vor einigen Tagen hörten, daß Se. Exz. Msgr. Humbert Rossi, Bischof von Asti, diese Tatsache öffentlich als Wunder anerkannte und selbst das Kruzifix in feierlicher Prozession zum Heiligtum brachte, wo es zur Verehrung durch das Volk ausgestellt bleiben soll.

 

Beim Domherrn Barosso

Freitag, den 9. März, kamen wir in Asti (zwischen Turin und Genua gelegen) an. Unser erster Besuch galt unserem Freunde, dem Domherrn Barosso. Bevor wir bei ihm eintraten, bewunderten wir das schöne Heiligtum, dessen eifriger Rektor er seit ungefähr vier Jahren ist. Ein schöner, freier Platz befindet sich davor, der links eine schmucke, kleine Lourdesgrotte aufweist. Er öffnet sich in eine breite Straße, die rechts und links mit Stationen des Kreuzwegs umsäumt ist. Der Rahmen dieses alten Heiligtums eignet sich ganz prächtig zu den großen religiösen Zeremonien. Eine ausgedehnte Krypta kann sogar im Notfall eine große Anzahl Pilger aufnehmen. Seit mehreren Monaten veröffentlicht Domherr Barosso in einer Marienzeitschrift, die er leitet, lange Artikel über die Erscheinungen in Belgien, und hält öffentliche Vorträge über dieses Thema. Wir beglückwünschten ihn zu dem Eifer, mit dem er in Italien die außergewöhlichen Ereignisse, die sich in Belgien folgen, bekanntmacht.

In Anwesenheit von Seminaristen, die bei ihm weilten, um sich Photographien des wunderbaren Kruzifixes zu verschaffen, bat er uns, über die Erscheinungen in Belgien zu sprechen, und wir willfahrten freudigen Herzens seinem Wunsche.

Dann erzählte er uns ebenso gerne die Einzelheiten des außergewöhnlichen Ereignisses, dessen glücklicher Zeuge er selbst war:

"Als ich meinen Apparat zum Photographieren richtete, sah ich einen Bluttropfen, der langsam aus der Seite hervortrat, ein wenig fließen und alsdann inmitten der blutig befleckten Zone sich festsetzen. Aus Furcht, noch mehr Blut hervorsprudeln zu sehen und durch die Aufregung meiner Umgebung verwirrt zu werden, beeilte ich mich, die betreffende Aufnahme zu machen.

Nach dem Photographieren nahm ich das Kruzifix in die Hände, um es noch besser beobachten zu können. Ich bat innerlich den Herrn, auch mir ein äußeres Zeichen des sicheren Wunders zu geben, indem ich in meinem Herzen sprach: "Herr, wenn du mich liebst, so gib mir ein neues Zeichen dieses Wunders!"

Während dieser Zeit hatte ich die Augen auf die Seitenöffnung gerichtet, die mir viel größer als vorher erschien. Ich bemerkte, ohne mir Rechenschaft zu geben, auf welche Weise sie sich gebildet hatte, eine feine, wie mit dem Rasiermesser hergestellte Linie frischen Blutes, die sich von dem schwärzlichen Grunde der Seitenöffnung loslöste. Ich sah alsdann wie ein feines Butgebilde die Öffnung wiederum selbst schnitt; alsdann gewann dieses rötliche Gebilde langsam an Dicke - wie Blut, das leicht aus einer feinen Ritze hervortritt - bis es die Seitenwundentiefe ganz ausfüllte und ihr ein frisches rotes Aussehen gab. Es erweckte bei mir den Eindruck frischen Blutes, wie es im Falle einer Verwundung hervorquillt. Überzeugt von dem, was es war, weil ich es im Gegensatz zu den anderen Teilen der befleckten Zone glänzen sah, hatte ich die Versuchung es mit dem Finger zu berühren; doch ein Gefühl der Ehrfurcht hielt mich zurück. Alsdann forderte ich jene, die zugegen waren, auf, das Phänomen festzustellen."

Der Domherr zeigte uns die Negative seiner Photographien. Auf jener, die zwei Tage vor der zweiten Blutung des Kruzifixes hergestellt wude, bemerkt man die Öffnung mit den unregelmäßigen Umrissen nicht, aber auf der Photographie, die nach dem zweiten Wunder genommen wurde, ist der geöffnete rote Ritz mit den Umrissen deutlich sichtbar.

Das wunderbare Kruzifix

In dem Mutterhause der Oblaten vom heiligen Joseph, wo wir nun hingingen, wurden wir durch den Oberrektor empfangen. Er erlaubte uns, das wunderbare Kruzifix nicht nur aus nächster Nähe zu betrachten, sondern auch zu berühren. Es hat eine Höhe von 52 cm; der Christuskörper ist aus Gips, während das Kreuz und der Fuß aus schwarz gestrichenem Holze sind. Das Kruzifix ist an verschiedenen Stellen blutrot gefärbt, um Blutflecken nachzuahmen; es weist da und dort kleine Löcher und Schrammen auf, die in Hellrot koloriert sind, um blutige Wunden darzustellen.

Dieses Kruzifix ist gewiß schon an und für sich ein religiöses Kunstwerk. Der neue dunkelrote Blutfleck gestaltet es nur noch eindrucksvoller. Es handelt sich um einen schwärzlich roten Flecken, der etwas über der Brust beginnt und bis zum Lendentuch herabreicht und sogar die Falten des Linnens bedeutend befleckt. Was die Breite betrifft, so beginnt sie ungefähr in der Mitte der Brust und reicht zur Seite bis dorthin, wo das Rückgrat beginnt. In Ziffern ausgedrückt, beträgt die Länge ungefähr 5 cm und die Breite 2-2 1/2 cm. Was die neue Seitenwunde betrifft, so mißt sie etwas mehr als 1/2 cm im Durchmesser. Eine deutliche Unterscheidung zwischen dem Blute des ersten und des zweiten Ausströmens ist nicht erkennbar.

In der Höhe der Seitenwunde stellt der Blutfleck eine bedeutende Verlängerung gegen das Rückgrat dar, bis zu einem Punkte, wo sich das Blut dick anhäufte, loslöste und auf das Holz des Kreuzes floß, das in horizontaler Lage dalag. Und weil das Kreuz an dieser Stelle mehr als 1/2 cm vom Körper entfernt war, so bildete das Blut einen dicken knotenförmigen Streifen, der das Kreuz mit dem Körper verband. In dem Augenblick, da das Blut zum Gerinnen kam, brach diese Bindeschnur und ließ zwischen dem Christuskörper und dem Kreuz einen Freiraum von mehr als einem Millimeter und bildete auf dem Kreuz eine Art stumpfen Kegel. Das Blut am Kreuz selbst verlängert sich in einen zwei bis zweieinhalb Zentimeter großen Flecken von unregelmäßiger Form.

Andere kleine Flecken befinden sich noch an verschiedenen Stellen, besonders an den Händen, an den Füßen und am Kopfe. Die Flecken echten Blutes unterscheiden sich leicht von denen, die durch den Künstler gemalt sind. Wenn man das Kruzifix dem Licht aussetzt, es in eine zweckmäßige Stellung bringt, so bemerkt man, daß ihr Farbenglanz total verschieden ist.

Das blutige Linnen.

Im Augenblick des zweiten Blutergußes war das Kruzifix in ein weißes Linnen eingehüllt, das nun auch selbst Blutspuren trägt. Es ist eine kleine Serviette von 60 bis 70 cm, die in ihrer Mitte fünf große Flecken von roter Farbe hat. Dieselben sind von unregelmäßiger Form und verschiedener Größe. Es sind nicht nur einfache Flecken, sondern sie bilden in ihrer Gesamtheit, da die einen mit den anderen zusammenhängen, einen großen formlosen Blutflecken. Zwei davon haben des weitern noch eine dünne Blutkruste, gleich jener des Kruzifixes. Außer diesen Hauptflecken gibt es noch ein Dutzend anderer. Wir sahen beinahe dreißig Baumwoll- oder Gazeflocken, die mit dem kostbaren Blute durchtränkt und zum Photographieren zusammenglegt worden waren.

 

Unablehnbare Zeugnisse

Die Bevorzugte, der das Kruzifix gehört, Maria Tartaglino, erzählte selbst unter eidlicher Versicherung, wie sie das Wunder beobachtet hat. Wir übersetzen ihre schlicht niedergeschriebene Aussage und lassen derselben ihr eigenartiges Gepräge.

"Ich weiß nicht wie, mein Blick ruhte an der Seite Jesu; ich sah sie glänzen und Bluttropfen daraus fließen. Ich war erschrocken und glaubte zu träumen. Ich rührte den Finger daran und zog ihn mit Blut befleckt zurück; ich trocknete ihn mit dem Taschentuch ab und schaute von neuem hin. Mit Schrecken sah ich, daß immer noch Blut floß. In aller Eile, aus Furcht, daß jemand in mein Zimmer käme, nahm ich ein Stückchen Stoff, tauchte es ins Wasser, wusch und trocknete das Kruzifix ab; doch ich sah, daß es immer noch blutete. Dann ging ich in das Zimmer der Frau Mortera, die schlief. Ich weckte sie und bat sie, schnell in mein Zimmer zu kommen. Und als ich sah, daß sie sich nicht rührte, bestand ich darauf, daß sie schnell komme, indem ich ihr sagte, ich sei entsetzt. Ich zitterte wie ein Blatt. Da ihr nichts anderes übrig blieb, kam sie und sagte:

- Nun wohl! Was gibt es?

Legen Sie Ihren Finger an die Seite Jesu, sagte ich, und Sie werden etwas sehen. Sie legte ihn hin und zog ihn blutbefleckt zurück. Alsdann holte sie Papier und zog es gleichfalls befleckt zurück. Bald darauf ging sie in die Kirche beten. Gegen drei Uhr kam sie wieder und sagte zu mir:

"Es ist besser, wenn Sie das Kruzifix in meinem Zimmer lassen; ich werde eine Stunde im Gebete zubringen, denn ich befürchte, daß sich der Vorgang wiederholt."

Ich antwortete, daß ich es nicht hoffe. Ich wollte das Kruzifix selbst behalten, da ich gewohnt war, von drei bis vier Uhr die Heilige Stunde zu halten - und sie ließ es mir. Alsdann nahm ich einen Stuhl und setzte mich, da ich nicht knien konnte, und begann die Heilige Stunde. Doch statt zu beten, war ich wie versteinert vor Schmerz und betrachtete meinen Jesus.

Genau um drei Uhr sah ich von neuem die Wunde Jesu bluten.

Ich nahm wieder mehrere kleine Stücke Baumwollzeug und trocknete die Wunde ab; alsdann versuchte ich von neuem, sie zu waschen. Doch da das Bluten nicht aufhörte, nahm ich ganz schmerzerfüllt das Kreuz und trug es in das Zimmer der Frau Mortera. Ich sagte ihr:

"Nehmt und behaltet es, denn ich kann es nicht mehr aushalten". Aus Furcht, man könne seine Abwesenheit bemerken, ging ich es um 4 1/2 Uhr wieder holen. Ich bracht es an seinen Platz und ging zu Bett.

Ich wartete ein wenig und nahm aldann wieder mein Kruzifix zur Hand. Ich hielt es in meinen Armen und hielt eine Betrachtung.

Bald darauf sah ich von neuem Blut hervortreten. Ich wusch es ab, aber fast im gleichen Augenblick trat Frau Mortera in mein Zimmer ein. Da sie das Kruzifix in diesem Zustand sah, nahm sie es wieder und trug es in ihr Zimmer zurück."

Die Erklärungen der Frau Mortera (sie ist die Mutter zweier Missionare) bestätigen ganz und gar die Aussagen der Maria Tartaglino. In ihrem Zimmer nahm nun Frau Mortera in Gegenwart einer Novizenschwester, die von ihr über den Sachverhalt unterrichetet worden war, das Kruzifix und legte es in horizontaler Lage nieder. Doch gleich hörte es auf zu bluten. Diese Schwester erklärte, mit dem Finger den noch weichen Blutstropfen, den sie habe fließen sehen, berührt zu haben, und der Finger sei blutbefleckt gewesen.

Vom 16. August bis zum 20. September war Maria Tartaglino durch Personen, die sich für sie interessierten, auf das Land eingeladen. Während dieser Zeit wurde das Kruzifix Frau Mortera anvertraut.

Wir wollen wiederum Maria Tartaglino das Wort lassen, um uns das zweite Wunder zu erzählen:

"Am 20. September kam ich vom Lande zurück. Den gleichen Tag fühlte ich mich angetrieben, meiner lieben Pflegeschwester, die damals abwesend war, das Ereignis des 11. August zu offenbaren. Doch konnte ich mich nicht richtig dazu entschließen, zumal man mir Stillschweigen auferlegt hatte. Aber am 23. befand ich mich in großer Not, und eine innere Stimme sagte mir:

"Es ist mein Wille, daß du sprichst. Und warum willst du meine Braut einer so großen Gnade berauben? Sie ist es doch, die dir letzten Endes beisteht, und ich wünsche, daß sie von allem unterrichtet werde."

Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, besiegte meinen Widerwillen und teilte ihr die Sache mit.

Die Schwester sagte, sie bedauere, nicht auch dabei gewesen zu sein, sie hoffe und wünsche jedoch, daß Gott ihr diese Gnade gebe. Sie betete darum und bat, mich mit ihr im Gebete zu vereinigen. Ich sagte ihr, daß es sich schwerlich wiederholen werde. Um die Wahrheit zu sagen, ich betete nicht, und ich dachte nicht mehr daran.

Aber am 27., unmittelbar nach dem Essen, als ich damit beschäftigt war, ein Schutzmäntelchen anzufertigen, um es auf das Kruzifix zu legen, fühlte ich mich unvermutet angetrieben, die Schwester zu rufen. Aber ich vescheuchte sogleich diesen Gedanken wie eine Versuchung, weil ich mir selbst sagte:

Weshalb soll ich die Schwester, die noch zu Tische ist, stören? Ich bedarf doch ihrer Hilfe nicht.

Aber der Ruf wurde dringender und dringender; ich hörte innerlich folgende Worte:

"Beeile dich! rufe meine Braut, es ist die letzte Offenbarung; ich wünsche, daß mehr Zeugen gegenwärtig seien!"

Alsdann fühlte ich mich angetrieben, den Schrank zu öffnen, und zu meinem größten Schrecken sah ich das Linnen, womit das Kruzifix bedeckt war, mit Blut befleckt. Ich begriff sogleich, um was es sich handelte. Ich schloß den Schrank und ging die Schwester rufen. Doch hatte ich nicht mehr den Mut, in das Zimmer einzutreten und wartete draußen auf die Schwester. Wir traten zusammen ein.

Die Schwester öffnete den Schrank, entnahm ihm zitternd das Kruzifix, von dem Blut herabfloß, legte es aufs Bett und ließ die Mutter Vikarin rufen, die eilig herbei kam. Nach der Mutter liefen noch vier Priester des Hauses herzu, und wurden auf diese Weise Zeugen des Ereignisses. Kaum waren sie eingetreten, so verließ ich das Zimmer."

Diese verschiedenen Zeugen bestätigten alle unter eidlicher Versicherung die Erklärungen der Maria Tartaglino. Wenn man diese Aussagen leugnen wollte, so müßte jedwedes Zeugnis geleugnet werden, und alsdann wäre das menschliche Leben unmöglich.

Es war also gegen drei Uhr dreißig Minuten, als Domherr Barosso das Kruzifix photographierte und Zeuge des letzten Fließens des Blutes war. Er tat es in dem Augenblick, da noch fünf andere Personen sich in dem Raume befanden.

Glänzende Bluttropfen

Es gibt noch ein letztes Ereignis, das diese Wunderserie vervollständigt. Dieses zeigt uns, wie kostbar dieses Blut ist, das durch das wunderbare Kruzifix vergossen wurde. Folgen wir noch der sehr einfachen Erzählung der Maria Tartaglino:

"In der Nacht vom 27. auf den 28. September, nachdem ich mich niedergelegt und das Licht ausgelöscht hatte, sah ich auf meinem Bett zur obersten rechten Seite auf der Decke zwei leuchtende, strahlende Punkte wie glänzende Perlen, der eine dicker und der andere kleiner. Ich dachte, es seien zwei Johanneswürmchen oder andere kleine phosphoreszierende Lebewesen. Ich suchte sie abzuschütteln, jedoch vergeblich. Ich zündete nun das Licht an, aber sogleich verschwand der Glanz. Ich forschte und suchte nach allen Seiten hin, aber ich fand nichts. Da ich das Licht auslöschte, glänzten die zwei Punkte wieder wie vorher. Ich schaute aufmerksam, ob nicht durch Zufall irgendein Lichtstrahl durch das Fenster eindringe und derart auf das Bett falle, daß er diese beiden leuchtenden Punkte bilde; aber kein Strahl drang durch das Fenster und diese beiden leuchtenden Punkte blieben während der ganzen Nacht.

Als am Morgen eine Person, die von allem nichts wußte, mir das Bett machen half, machte sie mich aufmerksam, daß auf der weißen Decke sich zwei Bluttropfen befänden. Ich erinnerte mich, daß diese Flecken genau an der Stelle waren, wo am vorhergehenden Tage das bluttriefende Kruzifix gelegen war. Ich begriff, daß sie von diesem Kruzifix herrührten und daß sie es waren, die während der Nacht wie leuchtende Punkte strahlten.

Bald darauf sprach ich meiner Pflegeschwester davon und zeigte sie ihr. Zunächst riet diese mir, sie zu waschen. Alsdann ging sie fort, kam aber schon nach einigen Minuten wieder, um ein kleines Stück Stoff auf die Flecken zu nähen und sie zu schützen. Ich hatte inzwischen den kleinsten davon mit einem nassen Linnenzipfel angefeuchtet und gerieben, so daß er verschwunden war, und ich hätte es mit dem anderen ebenso gemacht, wenn nicht die Schwester gekommen wäre, um mich auf Befehl der Mutter Vikarin daran zu verhindern. Auf den zurückgebliebenen Flecken nähte man also das kleine in Frage kommende Stück Stoff."

Eine Stunde bei Maria Tartaglino

Freitag schon begaben wir uns zu Maria Tartaglino; aber wie alle Freitage, besonders in der Fastenzeit, litt sie schrecklich und hatte beinahe das Bewußtsein verloren. Den andern Tag jedoch waren wir glücklicher. Wir konnten eine ganze Stunde in dem kleinen, ärmlichen Zimmer, wo sie wohnt, verbringen. Dieses Zimmer befindet sich in dem Hostpital "Sta. Klara", das ein Zufluchtsort nach der Art des Werkes des sel. Benedikt Cottolengo zu Turin ist.

Schon als Kind, da Maria ihre Eltern verlor, wurde sie in dieses Hospiz gebracht, wo sie seitdem blieb. Sie ist klein und mager, ist gegenwärtig 42 Jahre alt, und scheint deren 50-60 hinter sich zu haben.

Wenn auch noch bettlägerig, so nahm sie doch an unserer Unterhaltung teil. In den Augen der Welt scheint sie nur elendes menschliches Strandgut zu sein; sie ist ohne Anziehung und ohne Reiz; aber wir wissen, daß der Herr bei den Kleinen und Demütigen seine Wonnen findet.

Bis jetzt gelang es ihr, ihr sühnendes Opferleben für die Sünden der Welt zu verbergen. Ihr Beichtvater, der zahlreiche Schriften und andere Zeugnisse von ihr besitzt, ist noch zurückhaltender. Außer ihm wissen nur wenige Personen etwas von dieser Sühnebraut Christi und ihrem heroischen Opferleben. Wir hatten das Glück, mit einer Schwester, einer intelligenten Person, die sie seit 20 Jahren kennt und seit 12 Jahren vertrauliche Mitteilungen von ihr empfängt, zu sprechen. Sie lieferte uns kernige Beweise ihrer Tugenden, besonders ihrer Demut und Liebe. Der große Wunsch dieser Seele ist, in Frieden gelassen zu werden.

Die Untersuchung des Blutes

Zwei Blutkrusten wurden vom Kruzifix abgenommen und versiegelt an das Medizinische Institut in Turin zur Untersuchung geschickt. Das Protokoll der Untersuchung lautet: Mit den beiden Blutkrusten in der Tube erhält man eine Lösung, die, mikroskopisch untersucht, ein Absorptionsspektrum zwischen Rot und Grün ergibt. Mit Piperidin und schwefelsauerem Ammoniak behandelt, nimmt die Substanz eine charakteristische Färbung ins Kirschrote an und zeigt bei mikroskopischer Untersuchung ein lebhaftes und deutliches Absorptionsspektrum, das für den Blutfärbestoff charakteristisch ist.

Mit denselben Blutkrusten bereitet man eine Lösung und während beide eingeweicht werden, läßt man aus einem der beiden Leichmann-Kristalle entstehen, die als solche bei mikroskopischer Untersuchung an ihrer charakteristischen Form und Farbe erkennbar sind.

Auf Grund dieser Untersuchungen kann man mit Bestimmtheit sagen, daß in der untersuchten Substanz Hämoglobin enthalten ist, d.h. daß es sich um wirkliches Blut handelt.

Mit der eingeweichten Blutkruste stellt man eine Lösung im Verhältnis 1-1000 zu Vergleichs- und Überprüfungszwecken her. Diese Lösung wird in zonale Reaktion mit Serum gebracht, was als Niederschlag menschliche Albuminstoffe ergibt. Eine Gegenprobe wurde mit Menschenblut und Rattenblut gemacht.

Innerhalb 5 Minuten zeigt sich die Reaktion deutlich. Sie ergibt einen ringförmigen Niederschlag bei der Gegenprobe mit menschlichem Blut und bei den zu untersuchenden eingeweichten Blutkrusten. Die Gegenprobe mit Rattenblut ergibt keinerlei Reaktion. Auf Grund dieser Reaktion ist man zu dem Schluß genötigt, daß die untersuchte Substanz menschliche Eiweißstoffe enthält. Da, wie schon bewiesen diese Substanz wirkliches Blut ist, muß man schließen: Die Substanz der untersuchten Blutkrusten ist menschliches Blut. Gelesen, gebilligt und unterzeichnet: Georg Canuto, Ludwig Trossarelli, Johannes Parato.

Erst nachdem die chemische Untersuchung des Blutes abgeschlossen war, wurde der Leiter der Untersuchung, Prof. Canuto, zu seiner großen Verwunderung von der wunderbaren Herkunft des untersuchten Blutes in Kenntnis gesetzt. Was die Blutflecken in dem blutigen Linnen betrifft, so wurde festgestellt, daß sie von demselben Blut herrühren.

Radiographie und Readioskopie

Das Kruzifix wurde von einem Radiologen, dem Ritter von Capra untersucht. Sein Ergebnis lautet:

"Die radiographische Untersuchung, die in Gegenwart von Dr. Pecchio gemacht wurde, zeigte auf Gevaert-Film im Format 24x30 deutlich drei Metallstücke, eines als obere, ein anderes als linke untere Stütze und das Vorhandensein von drei Metallnägeln. Auf der rechten Seite bemerkt man eine kleine Vertiefung, die aber nicht nach innen durchgeht. Aus ihr dürfte das Blut hervorgegangen sein.

Über den ganzen Leib hin gewahrt man kleine Flecken, die Folgen des ungleichartigen Stoffes und der Unregelmäßigkeiten der Gipsmasse sind. Es lohnt sich, darauf aufmerksam zu machen, daß die verschiedenfarbige, rundförmige Zone um den Brustkorb auf die stark verschiedenartige Dichte des Gipses an dieser Stelle zurückzuführen ist.

Die radiographische Untersuchung, die durch eine radioskopische ergänzt wurde, gestattet mir die Behauptung, daß im Innern des untersuchten Kruzifixes kein Hohlraum ist, der geeignet wäre, irgendeine Substanz aufzunehmen, am wenigsten Blut. Ebensowenig sind Anzeichen von Vertiefungen da, die mit dem Innern in Verbindung ständen".

Asti, die Erde der Wunder

In dem Hirtenbrief, den der Bischof von Asti seinen Diözesanen gelegentlich der Fastenzeit sandte, erinnert er vor Bekanntgabe seines Urteils betreffs des wunderbaren Kruzifixes an eine Reihe von Heiligen, die seit dem hl. Secundus, dem ehrwürdigen Patron von Asti, der im 2. Jahrhundert den Martertod erlitt, bis zu den neueren: Dominikus Savio, Joseph Cafasso, Benedikt Cottolengo und Johannes Bosco, welche für die Heiligkeit der Christenheit in Asti Zeugnis ablegten. Er erinnert auch an drei Wunder, deren Jahrhundertfeier im Jahre 1935 begangen wird.

Am 25. Juli des Jahres 1535 zelebrierte ein Priester im Kolleg des hl. Secundus am Kreuzaltar die hl. Messe. Im Augenblick des Brechens der hl. Hostie sah er Blut daraus hervortreten, das in den Kelch und auf die Patene floß. Verwundert wandte er sich hin zum Volk, verkündete das Wunder und zeigte ihm die mit Blut befleckte Hostie.

Im Jahre 1735, gegen Ende des Karnevals, wurde ein Bild des "Ecce Homo", das heute noch verehrt wird, von Gott dem Herrn dazu ausersehen, eine Quelle vieler Gnaden zu werden.

In einer Gasse sahen wir ein anderes Bild, das der Bevölkerung sehr teuer ist. Dort liest man diese Inschrift:

Ecce Homo

Gegen dieses alte wunderbare Bild wurde der Überlieferung gemäß durch eine sakrilegische Hand ein Stein geschleudert, der aber mit Wucht nach der gegenüberstehenden Mauer zurückgeschleudert wurde.

Dieser Stein ist noch immer in der Mauer zu sehen und ist der Gegenstand einer großen Verehrung.

Im Jahre 1835 endlich wurde infolge des vielen Betens der Bürger und eines Gelübdes des Stadtrates auf die Fürsprache des hl. Secundus die Stadt von der Cholera befreit.

Beinahe zwei Jahrhunderte nach dem ersten eucharistischen Wunder fand in einer Kapelle der Stadt ein zweites ähnliches Wunder statt. Der betreffende Kelch, der das kostbare Blut Christi enthielt, wird noch heute dort aufbewahrt.

Die bischöflichen Schlußfolgerungen

Das letzte wunderbare Ereignis verlängert so die Zahl der Wunder und der Bischof spricht in folgenden Worten von den neuen Vorkommnissen: "Als Bischof von Oberhirte genügt es mir, von meinem pastoralen Gesichtspuntk aus zwei wesentliche Dinge festzustellen:

  1. Die absolute Wahrheit und das Übernatürliche der Tatsachen.
  2. Den Zweck der Tatsachen und die Pflichten, die für uns daraus fließen.

Die absolute Wahrheit der Tatsachen wurde festgestellt durch zahlreiche, unbestreitbare, unter eidlicher Versicherung gesammelte Zeugnisse. Dieselben wurden mit ängstlicher Genauigkeit im Verlauf von zwei Prozessen festgestellt, von denen der eine auf meine persönliche Intervention hin von dem Superior der Oblaten von St. Joseph, der andere in juristischer Form von der bischöflichen Kurie geleitet wurde.

Den Wert solcher Zeugnisse leugnen zu wollen, wäre ebenso schwer, wie das Licht des Tages zu leugnen, und mithin ergibt sich ein klares Urteil über das Übernatürliche des Falles oder das Wunder.

Wenn mehrere Zeugen das Blut aus der Seite fließen sahen und wenn das Kruzifix, wie sich jeder davon überzeugen kann, nur ein einfaches Gipskruzifix ist, das im radiographischen Examen und im Berühren das absolute Nichtexistieren irgendeiner Höhlung offenbart, wie kann man dann noch mit der Aufstellung sonderbarer Hypothesen seine Zeit vergeuden, um nicht zuzugeben, was auf eine solch klare Weise daraus gefolgert werden muß, nämlich ein Wunder?

Was den Zweck der Ereignisse betrifft, so ist er ein doppelter: der besondere betrifft uns Priester und sagt uns, in welchen Gesinnungen und in welchem Geiste wir die heilige Messe zelebrieren sollen; der andere, allgemeine, will uns allen sagen, daß wir die Sünde fliehen, besonders aber das Sakrileg, den wahren Henker unseres Herrn Jesu Christi, durch das sein Leiden erneuert wird, und daß wir für uns selbst und unseren Nächsten sühnende Buße leisten müssen, um so das heiligste Herz Jesu zu trösten.

Ich wünschte, daß diese verschiedenen Zwecke allen gegenwärtig seien, und den ganzen Kultus, der hinfort dem wunderbaren Kruzifix im Heiligtum von St. Joseph zuteil wird, eingeben und leiten sollen.

Ich verurteile nicht etwa die Bitten um materielle Gnaden; ich bitte vielmehr Jesus, den Gekreuzigten, seine Gnaden allen Unglücklichen und Leidenden, die ihn anrufen, in reichlichem Maße zu verleihen; aber man gedenke, daß die Gnaden materieller Art nur Mittel sind, durch die Jesus uns mehr an sich ziehen und veranlassen will, daß wir die Sünde aufgeben, büßen und meiden, um immer mehr in seiner Liebe und in der christlichen Vollkommenheit zu wachsen.

Und da ich von dem Kultus des wunderbaren Kruzifixes sprach, wird es gut sein, zu bemerken, daß dieser Kultus nicht von dem verschieden sein soll, dem wir jedem anderen Kruzifix erweisen, daß es nämlich ein relativer Kultus sein soll, d.h. einer, der nicht bei dem materiellen Kruzifix stehen bleibt, sondern in Beziehung steht zur Person und dem anbetungswürdigen Blut Jesu Christi.

Was sollen wir von diesem vergossenen Blute halten, von dem Blute, das nach der chemischen Prüfung die gleichen Bestandteile wie das menschliche Blut aufweist?

Es ist wunderbares Blut, aber kein Blut Jesu, kein göttliches Blut. Darum sprach ich vom relativen Kultus. Dem echten Blute Jesu dagegen wird der Kult der Anbetung erwiesen.

Dies für die Reinheit des Glaubens und des Kultus bemerkend, will ich dadurch die Begeisterung, mit der die Gläubigen sich zum wunderbaren Kruzifix angezogen fühlen, nicht vermindern."

Mehr als 10.000 Personen jubeln Jesus, dem Gekreuzigten zu

Freitag abends gegen acht Uhr kamen wir in der von Menschen vollgepfropften Kirche St. Joseph an. Schon um in die Kirche zu gelangen, hatten wir eine dichte Volksmenge durchschritten, und nun mußten wir uns durch groß und klein hindurchschlängeln, um das hohe Chor zu gewinnen, wo der Bischof von zahlreichen Priestern, Ordensgeistlichen und Seminaristen umgeben, sich eben anschickte, den Kreuzweg zu beginnen. Da wir uns nichts von diesem Schauspiel und den Zeremonien entgehen lassen wollten, nahmen wir in der ersten Reihe, in der Nähe des Hochwürdigsten Herrn, Platz. Wir durchschritten inmitten einer dichten Menge, die betete und sang, die verschiedenen Stationen des Kreuzweges.

Zum Hauptaltar zurückgekommen, wurde der Bischof, die Mitra auf dem Haupte, den Stab in der Hand, prozessionsweise über den geräumigen innern Hof des Mutterhauses der St.-Josephs-Oblaten zu der Nische geführt, wo das Kruzifix ausgesetzt war. Mit dem Schultervelum bekleidet, nahm der Bischof das Kruzifix in die Hände und die Prozession stieg in den 1. Stock des Hauses und durchschritt mit der hl. Reliquie den kreisförmigen Balkon. Dort richtete der würdige Prälat einige Worte an die im innern Hof versammelte Menge und segnete sie mit dem wunderbaren Kruzifix. Das Volk applaudierte nach italienischer Art und die Heilig-Kreuz-Prozession stieg herab, umschritt den Vorhof der Kirche und kehrte in die St.-Josephs-Kapelle zurück.

Auf dem ganzen Wege betrachtete eine gesammelte Menge mit Inbrunst das Kruzifix und während militärische und faschistische Salutschüsse sich folgten, bekreuzigten sich die Kinder und Burschen, die sich an einer Straßenlaterne oder an einem Fenster ein Plätzchen erobert hatten.

Vor dem Eintreten in die Kirche wandte sich der Bischof der Menge zu und wiederholte seine Ermahnungen. Dann gab er den dreifachen bischöflichen Segen. Kaum hatten wir die Schwelle des Heiligtums überschritten, schlossen sich die Pforten hinter uns, und wir wurden mit dem Bischof an der Spitze bis zum Hauptaltar "gestoßen". Die italienische Frömmigkeit paßt sich sehr gut solchem Volkstumult an und wird ohne Schwierigkeit zugeben, daß die Unordnung "ganz harmonsich" zum religiösen Volksjubel paßt.

Nach einem letzten Segen am Hauptaltar wurde das Kruzifix auf dem blutbefleckten Tuche liegend in eine Seitenkapelle gebracht, wo es so lange verbleibt, bis es endgültig in einer besonderen Kapelle, die zur rechten Seite des Hauptaltars nach der Straße zu errichtet wird, verehrt werden kann.

Ein flammender bischöflicher Aufruf

Bevor diese schöne religiöse Kundgebung durch den Sakramentssegen und den Gesang des Te Deum beschlossen wurde, bestieg Se. Exz. Msgr. Rossi die Kanzel. Wir bringen hier den wesentlichen Inhalt der flammenden Predigt, die er an sein Volk richtete:

"Zur Befestigung unseres Glaubens benötigen wir kein neues Wunder. Er beruht auf den Wundern Jesu Christi und den trotz aller Verfolgungen so zahlreichen Wundern der Kirche.

Das Blut Jesu Christi war der Preis unserer Erlösung. Wir finden dieses Blut im Opfer der Messe wieder, wo sich übrigens Jesus seiner Gottheit und Menschheit nach ganz befindet. Dort ist sein wahres Blut, wertvoller noch als das Blut, das von dem wunderbaren Kruzifix geflossen ist. Durch die Einsetzung der Eucharistie und des Priestertums hat uns Jesus seine unendliche Liebe gezeigt. Und wenn wir auch kein neues Zeichen benötigten, so war es dazu dienlich, um unseren Glauben neu zu beleben und zu vermehren.

Es handelt sich ohne Zweifel um ein Wunder. Alle Hypothesen wurden geprüft und alle als unrichtig erkannt.

Diesen Morgen erhielt ich einen anonymen Brief, in dem ein Arzt mir ein neues Verfahren vorschlägt. Ach, wie sehr bedaure ich, daß dieser Brief nicht unterzeichnet ist; ich hätte seinem Urheber antworten können, daß dieses Experiment bereits geprüft und überprüft wurde und als untauglich befunden wurde.

Verschiedene Personen sahen zu wiederholten Malen das Blut fließen! Aber in dieser Gipsbrust ist nichts zu verbergen und nichts verborgen gewesen. Wir müssen das Wunder zugeben.

Möge sich doch unser Glaube befestigen und durch lebendige Taten sich bekunden. Möge er besonders bei denen wieder aufleben, die gleichgültig geworden waren! Meidet doch die Sünde mit verdoppeltem Eifer! Beweinet eure Sünden vor diesem Kruzifix, tuet Buße und leget alle schlechten Gewohnheiten und andere Fehler ab.

Das Blut, das geflossen ist, wurde für die Sünden im allgemeinen, besonders aber für die gegen die heilige Eucharistie, vergossen. Wenn ihr es verehrt habt, so tretet zum Sakramentsaltar und betet dort zum Herrn.

Nur dann werden wir glücklich sein, wenn wir auf die Stimme des Herrn hören, der vorübergeht. Andernfalls aber wird unsere Verantwortung umso größer sein. Jesus zeigte schon zu sehr seine Vorliebe für unsere Stadt. Erkennen wir sie an und seien wir nicht undankbar. Mögen die Eltern diese Gefühle den Herzen ihrer Kinder einprägen und möge diese Stadt sich nach so vielen empfangenen Gnaden treu zeigen, damit alle sich einst in der himmlischen Stadt wiederfinden!"

Geistige Früchte

Tags darauf begegneten wir einem guten Kapuzinerpater, dem Fastenprediger an der Kathedrale, der uns mitteilte, daß die Gläubigen während der ganzen Nacht in die St. Josephskirche strömten, wo während der Woche eine Mission abgehalten wurde. Nach der Schlußzeremonie fand unter der Leitung des Bischofs eine nächtliche Anbetung und eine Mitternachtsmesse statt, in deren Verlauf drei Priester außerordentlich viele Kommunionen austeilten.

Wir berechneten, daß die Menge am Tag vorher 10.000 Personen überschritt. Diese Ziffer wurde uns später auf dem Polizeikommissariat bestätigt, wo man in dem amtlichen Schreiben 10.000 bis 12.000 Personen angab. Das hinderte die Tageszeitungen nicht, sich gegenseitig abzuschreiben und von mehr als 30.000 zu sprechen.

Unser Kapuzinerpater versicherte uns, infolge des Wunders ein ernstliches Wachsen des Eifers im Gebete und im Beichten beobachtet zu haben.

Es gibt inzwischen und es wird immer noch "große" Geister geben, die den Tatbestand nicht annehmen und nicht an das Wunder glauben wollen. Beklagen wir sie!

Ein alter Priester aus Asti vertraute uns an, daß es selbst im Schoß der bischöflichen Kurie einige gibt, die noch nicht glauben wollen... Aber Gott ist gut und zwei schöne Bekehrungen wurden uns schon gemeldet. Dank dem Flehen eines Priesters zu Jesus, dem Gekreuzigten, beichteten unter außergewöhnlichen Umständen zwei Sterbende auf dem Sterbebett. Der eine wurde durch Domherrn Barosso und der andere durch den Oberrektor der Oblaten von St. Joseph auf diese Weise bekehrt.

Eine Audienz bei Se. Exz. Msgr. Rossi

Der Bischof von Asti ist ein energischer und sehr kluger Mann. Im Laufe der Audienz, die er uns gewährte, sprach er von seiner Freude, zu sehen, daß das Wunder, das sich in seiner Diözese ereignet, in Belgien und anderen Ländern veröffentlicht würde. Wir dankten ihm für seine so wohlwollende Aufnahme und beglückwünschten ihn für die so entschlossene Führung der kirchlichen Untersuchung. Dank der behördlichen Raschheit ist es schon jetzt möglich, überall diese von Gott zur Bekehrung der Sünder bewirkten Wunder zu veröffentlichen. So kann das Talent des Evangeliums, anstatt törichterweise vergraben zu werden, reichliche Früchte der Erlösung in den Seelen bewirken.

Der Bischof hieß uns in seine Kanzlei eintreten und zeigte uns die Zeugnisse, die es ihm erlaubten, die Tatsachen festzustellen.

Wie er uns mitteilte, schlug der Arzt, auf den er in seiner Aussprache am Freitagabend anspielte, vor, auch noch das Blut der Maria Tartaglino zu untersuchen. Doch wozu diente solch ein Verfahren? Angenommen, es könne mit dem des Kruzifixes als identisch erkannt werden, so erklärte das uns doch nichts. -

Wir fragten ihn noch, ob ihm nicht die eine oder die andere Heilung bekannt sei.

Und er antwortete: "Man sprach uns von zwei oder drei Heilungen zu Turin, doch ich weiß noch nichts Genaues. Ich habe gebeten, mir Dokumente zu schicken." Er kündigte uns hierauf an, daß das nächste Jahr einen eucharistischen Kongreß in den Mauern von Asti vereinigt sehe, um die Dreijahrhundertfeier zu begehen, von denen er in seinem Hirtenbrief gesprochen habe! Dann gab er uns auf unsere Bitte hin bereitwilligst seinen Segen.

Mögen an diesem Segen alle Anteil haben, die tapfere Werbeapostel des wunderbaren Kruzifixes von Asti werden wollen!

Man muß immer beten!

Im folgenden sei auf die Lehre aufmerksam gemacht, die Se. Exz. Msgr. Rossi aus den Ereignissen zieht. Nachdem Seine Exzellenz hervorgehoben hat, daß sie ruhmvoll das Jahr der Erlösung in's Gedächtnis rufen, fügt er noch allerlei Belehrungen bei, die wir hier im Wortlaut wiedergeben:

"Wenn irgend einer meiner Söhne trotz allem dem Rufe Gottes taub bleiben sollte, so wird er, mit den Augen des Glaubens betrachtet, als der Unentschuldbarste gelten müssen, wie einer, der keinen Beweisen der Wahrheit, keiner Einladung zu einem besseren Leben Gehör schenkt, als einer, der Gott, Jesus Christus, die Seele, ein ewiges glückliches Leben und die reinsten Herrlichkeiten des Jenseits verachtet.

Ich bitte Gott, daß keiner meiner geistigen Söhne eine solche Torheit begehe und sich zu solchem Grade der Undankbarkeit erniedrige.

Im Gegenteil, wenn wir von so zahlreichen, mächtigen Einladungen vernehmen, die uns zu unserer Bekehrung und Heiligung vom Himmel selbst zuteil werden, so wollen wir sie, dem Zweck der Fastenzeit entsprechend, im Geiste der geistigen und körperlichen Abtötung, der Wiedergeburt und der Heiligung, auf die vortrefflichste Weise aufnehmen. Für diese Zeit, die ja zum größten Teil schon verflossen ist, habe ich auch nichts anderes zu empfehlen, als was der Heilige Vater in seinem Antwortschreiben auf die Wünsche des Hl. Kollegiums der Kardinäle gelegentlich des Weihnachtsfestes diesen innig ans Herz legte:

Betet! Und was bleibt euch an zweiter Stelle zu tun? Beten!

Und das dritte?

Noch einmal: Beten. Mit einem Worte, man muß das tun, was der göttliche Erlöser sagte: Oportet orare semper et nunquam deficere.

Glücklich werden wir sein, wenn wir diese große Wissenschaft des Gebetes erfaßt haben.

Beten wir also für unsere persönlichen Interessen, seien es geistige, die den ersten Platz, seien es materielle, die den zweiten Platz einnehmen sollen. Beten wir doch für die Heiligkeit unserer Familien, auf daß das Gesetz des Herrn in so vielen Beziehungen zwischen den Eheleuten so gut wie in der christlichen Erziehung der Kinder seine Erfüllung finde. Beten wir für das sichtbare Reich Jesu Christi auf der Erde, die katholische Kirche, unsere Mutter, unsere Führerin, für den Papst, den Stellvertreter Christi auf Erden, für die ganze Hierarchie, für die Priester, auf daß sie zahlreich und heilig seien, für die Missionare, für alle religiösen Orden und Kongregationen, die die Kirche durch die Befolgung der evangelischen Räte mit dem Tugendwohlgeruch erfüllen, für alle Mitglieder der Katholischen Aktion, auf daß sie wahrhafte Apostel seien. Beten wir für alle unsere Brüder in Jesus Christus, besonders für die, die es am meisten benötigen: die Sünder, die Ungläubigen, die Häretiker, die Schismatiker, die Armen, die Schwachen, die Sterbenden, die Armen Seelen des Fegfeuers. Beten wir für unser teures Vaterland, für unseren erhabenen Herrscher, für den Regierungschef - nach der Definition des regierenden Papstes - den Mann der Vorsehung in dieser Zeit der moralischen, politischen und wirtschaftlichen Krise. Beten wir für alle anderen Autoritäten: zivile, politische, administrative, juristische, militärische, gedenkend, daß das Gebet für alle gesetzmäßigen Autoritäten eine Pflicht ist aus dem gleichen Grund wie der Gehorsam."

Gebet zu Jesus, dem Gekreuzigten

O du gekreuzigter Jesus, der du in deiner unendlichen Liebe dein kostbares Blut für uns vergossen hast, um uns der Hölle zu entreißen und der du durch ein neues, wunderbares Ausströmen von Blut das Gedächtnis deines Blutes in unserer Mitte erneuern wolltest, um die Menschen zur Buße und Reue zu rufen, wir flehen dich an, gib, daß dein göttliches Blut auf uns als eine Quelle der Gnade, wie eine Taufe des Heiles, als ein Unterpfand des ewigen Lebens herabkomme. Und weil du für so viele Beleidigungen, die begangen werden, Genugtuung verlangst, so bitten wir dich, unsere schwachen Huldigungen, unsere Leiden, unsere Opfer und unsere Genugtuungen für die Beleidigungen deines heiligen Namens, für die Sakrilegien, die Entweihung der Festtage, den Abfall vom Glauben, für so viele Ärgernisse und Abscheulichkeiten, womit deine göttliche Majestät beleidigt wird, annehmen zu wollen.

O Herr, wir erweisen dir Ehre, Liebe und Genugtuung durch unser Flehen, insbesondere aber durch das Versprechen eines christlichen Lebens in der Erfüllung deines heiligen Gesetzes.

Du gekreuzigter Jesus, bestätige durch deine Gnade die demütige Opfergabe unserer Wünsche. Wir stellen deinem göttlichen Vater erneut deine heiligen Wunden vor und opfern ihm dein göttliches Blut, auf daß durch deine Verdienste sein gerechter Zorn besänftigt werde und er seine Barmherzigkeit über uns erstrahlen lasse.

O Herr, laß alle Menschen die unendliche Sanftmut deiner Liebe erkennen, auf daß alle dich loben, dich lieben, und dich benedeien auf der Erde, um dich einst ewig im Himmel zu verherrlichen. - Amen.

Wir genehmigen die Veröffentlichung dieses Gebetes und verleihen allen denen, die es andächtig verrichten, 50 Tage Ablaß.

Asti, den 24. Februar 1934. gez. Umberto, Bischof

Nutzanwendung

Wir Christen sind "Menschen in Christus, dem Haupte der Menschheit" (Col. 1,18). Und darum sind wir Mitchristen durch die Zugehörigkeit und Beziehung wechselseitiger Gliedschaft miteinander verbunden, "bilden alle zusammen einen Leib in Christus, die einzelnen sind aber untereinander Glieder" (Röm. 12,5). Das Verhältnis der wechselseitigen Gliedschaft muß es nun mit sich bringen, daß wir in Christus geistigerweise beisammen und einander gegenwärtig seien.

Unsere wechselseitige Gliedschaft an ein und demselben geheimnisvollen Leibe schließt uns nun in und mit Christus zu einer übernatürlichen Ziel- und Interessen-, Lebens-, Gebets-, Sühne- und Arbeits-Gemeinschaft zusammen (1 Cor. 12,21-25).

Wenn dem so ist, dann dürfen wir nicht nur im einzelnen für uns, sondern auch im Ganzen für alle den Appell Christi zum Verherrlichen seines Kreuzes, zum Gebete, zur Buße und zur Sühne erfassen.

Wie eine Magdalena sollen wir in Liebe den Arm um den heiligen Kreuzesstamm schlingen und unser eigenes Kreuzlein oder dasjenige der vielen mit jenem des Gekreuzigten vereinigen.

Seitdem der Große am Pranger sein Leben geopfert hat und seitdem die Purpurwelle seines kostbares Blutes sühnend und erlösend sich über die Welt ergossen hat, sind Jahrhunderte dahingegangen. -

In jedem Menschenleben erhebt sich, ihm nach, ein Golgatha. Dieses ist geblieben und geblieben das Kreuz, das wie ein ewiges Erbstück von Hand zu Hand weitergegeben wird, seinen Weg behauptet von Geschlecht zu Geschlecht und seinen Platz einnimmt in jeder Familie und in jedem Leben. Aber wie oft reißen wir an den Nägeln, zerren an den Stricken und reiben uns an dem rauhen Marterholze die Gelenke blutig.

Ich möchte aber einem jeden zurufen, was das "Asti-Kreuz" ihm zurufen möchte: Reiß nicht an den Stricken, zerre nicht an den Nägeln, klage nicht, frage nicht, jammere nicht, ringe nicht mit dem Leiden, sprich vielmehr dem armen Schächer ähnlich: O Herr, gedenke meiner!

Besteige dein Kreuz neben dem Kreuz des Golgathakönigs...

Vernimmst du nicht aus der verwundeten Tiefe seiner Herzenswunde die Klänge einer geheimnisvollen Musik? Das Lied seiner gekreuzigten Liebe für dich und für deine Seele?

Und wenn in Asti Blut von einem Kreuze floß, so geschah es nur, um der Welt von neuem Christi Erlöserliebe blutigerweise zu bekunden und ihr die schauerliche Vision des Golgathahügels in Erinnerung zu bringen.

Betrachte denn das blutige Kreuz deines Heilandes, betrachte wie er in erhabener Leidensstille in göttlich majestätischer Segnung seine Arme ausbreitet, um vom Thron des Kreuzes aus unter den entsetzlichsten Qualen sein Volk einem neuen Leben zuzuführen.

Sei nicht von denen, die ihn lästern oder die in Gleichgültigkeit, Kälte, Abneigung oder sogar in Haß an ihm vorbeieilen. Betrachte vielmehr mit feuriger Seele und liebendem Herzen seine Wunden, rot von Blut, sein dir geöffnetes Herz und höre auf seine Stimme, die dir sterbend zuruft: "Es ist vollbracht". Für dich...

Und wenn du dieses Geheimnis deiner Opferliebe erfaßt hast, so folge ihm nach - kreuztragend - weltrettend - weltbefriedend - weltverklärend.

In einemfort und ohne Unterlaß schau zu ihm - deinem Führer - auf! Lebe - arbeite - leide - bete - für ihn - opfere - ruhe - stirb - im Schatten des Kreuzes! - Im Frieden! - Amen.


Transkription: P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell