Aus dem Immaculata-Archiv:


Die Königin des hl. Rosenkranzes

in Valle di Pompei

Eine Hoffnung der Hoffnungslosen

Nihil obstat: J. Dévaud, libr. censor.; Imprimatur: Friburgi Helv., 30 Septembris 1928 L. Ems, vic.gen.


Drei Novenen zu Ehren der Rosenkranzkönigin
Danksagungs-Novene


Alle diejenigen, welche die Zeichen der Zeit verstehen, blicken mit Bangen in die Zukunft und sind übereinstimmend der Ansicht, daß wir schweren Prüfungen entgegengehen. Die heilige Kirche, welche von Gott die Bestimmung erhalten hat, alle Völker zu allen Zeiten zu beglücken, hat auch stets das richtige Heilmittel in Bereitschaft, um die Übel einer Zeitepoche zu heilen. Wir brauchen nur die Arznei zu nehmen, welche sie uns anbietet, und eine solche Arznei ist in unseren Tagen der Rosenkranz. Unsere Zeit hat in mancher Hinsicht große Ähnlichkeit mit jenen stürmischen Tagen, in denen der heilige Dominikus den Rosenkranz predigte, als letztes Mittel, um der Menschheit den Frieden wieder zu bringen. Das Rosenkranzgebet war die Rettung der damaligen Zeit. Aber die Aufgabe des heiligen Dominikus war mit seinem Tode noch nicht vollendet. Der heiligen Katharina von Siena wurde einst die Größe und Herrlichkeit des heiligen Dominikus gezeigt und ihr geoffenbart, daß derselbe bis ans Ende der Welt predigen werde. Seit mehr als 20 Jahren ist sozusagen die Stimme des heiligen Dominikus durch alle Welt gedrungen und hat zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Im Jahre 1878 gab Gott der Kirche in Leo XIII. einen Papst, ganz im Geiste des heiligen Dominikus. Schon bei seiner Wahl wollte es Gott offenbaren. Eine hochbegnadigte Nonne sah den neugewählten Papst in einem Gesichte, wie der heilige Dominikus neben ihm stand. Zwanzig Rundschreiben über den Rosenkranz hat Papst Leo XIII. an die Bischöfe der Welt gerichtet und die Christenheit zu diesem Gebete aufgefordert. Das ist die Waffe, welche der große Papst in unseren Tagen den Kindern der Kirche gab gegen die Wut der Hölle, welche die Kirche Christi vernichten will. Aber auch die wunderbaren Ereignisse in Valle di Pompei bei Neapel in Italien sind wie eine Stimme des heiligen Dominikus durch die ganze Welt gedrungen und haben alle Nationen und Völker der Erde zum Rosenkranzgebet aufgefordert. Maria hat daselbst ein Heiligtum, einen Gnadenort vom heiligen Rosenkranz gegründet, der die ganze Welt in Staunen setzt. Sie hat dadurch der Welt zu erkennen gegeben, wie sie als Königin des Rosenkranzes verehrt werden will und was für Gnaden jene erlangen, welche sie unter diesem Titel anrufen. Das beweisen die vielen Wunder, Bekehrungen, Krankenheilungen und Gebetserhörungen in der ganzen Welt. Die Novene zur Rosenkranzkönigin in Pompeji, in verzweifelten Anliegen, wurde in 16 Jahren in 21 Sprachen übersetzt, 184 Auflagen gaben 2.280.000 Exemplare. So sehr ist die Andacht zur Königin des Rosenkranzes in Pompeji in der ganzen Welt verbreitet. Maria blickt mit besonderer Huld auf jene, welche sie unter ihrem bevorzugten Titel "Königin des heiligen Rosenkranzes im Tale von Pompeji" anrufen, und, sei es auch von Ferne, ihre Werke in diesem Gnadenort unterstützen. In der Erscheinung der Muttergottes von Pompeji, die sich im Jahre 1884 in Neapel im Hause des Commendatoren Agrelli ereignete, würdigte sich die himmlische Mutter zu offenbaren, wie sie angerufen werden wolle. Sie sagte zu der leidenden Fortuna Agrelli: "Wer immer Gnaden von mir will, halte drei Novenen mit dem Gebete des Rosenkranzes von 15 Gesetzen und 3 Novenen zur Danksagung." Unzählige Gnaden sind schon durch diese Andachten erlangt worden. Es ist aber nicht verlangt, daß man alle Tage 3 Rosenkränze bete, sondern z.B. am ersten Tage den freudenreichen, am zweiten den schmerzhaften, am dritten Tag den glorreichen; so betet man in den 3 Novenen 9mal alle 3 Rosenkränze. Man muß sie aber mit Andacht und mit Betrachtung der 15 Geheimnisse beten, wenn möglich vor einem Bilde Unserer Lieben Frau von Pompeji. Dieses Bild ist an sehr vielen Orten aufgestellt und bringt viele Gnaden wie die Lourdesgrotten, die überall errichtet sind. Damit die Gläubigen immer mehr zum hl. Rosenkranzgebet entflammt werden und mit Vertrauen zu Unserer Lieben Frau von Pompeji in ihren Anliegen flüchten, sollen im folgenden die Herrlichkeiten dieses Gnadenortes geschildert werden. Möge die Rosenkranzkönigin dazu ihren Segen geben!

 

Das Heiligtum der Rosenkranzkönigin

Im Rosenkranzmonat des Jahres 1872 ging ein angesehener Rechtsgelehrter, namens Bartolo Longo, durch das einsame Tal von Pompeji. Trostlosigkeit, fast eine Art Verzweiflung, umgab seine Seele. In dieser peinlichen Gemütsstimmung hörte er eine innere Stimme: "Wenn du gerettet werden willst, so tue etwas für die Verbreitung des Rosenkranzes." Das ist eine Verheißung, welche die Muttergottes dem heiligen Dominikus gab. Der Gedanke: wenn ich den Rosenkranz verbreite, bin ich gerettet, war wie ein Blitz in finsterer Nacht. In großer Aufregung, Gesicht und Hände zum Himmel erhoben, richtete er an die allerseligste Jungfrau die Worte: "Wenn es wahr ist, was du dem heiligen Dominikus versprochen hast, daß derjenige, welcher deinen Rosenkranz verbreitet, so leicht selig wird, so werde ich meine Seele retten, und ich werde diese Gegend nicht verlassen, ohne hier den Rosenkranz eingeführt zu haben." Da wurde es ruhig in seiner Seele, er hörte das Ave-Glöcklein, fiel auf seine Knie und betete das Ave-Maria. Bald nach diesem Vorfall fing er an, bei den armen Leuten des Tales, es sind ungefähr 300 Bauern, das Rosenkranzgebet zu verbreiten und schenkte ihnen Rosenkränze und Medaillen. Aber er hatte große Schwierigkeiten, die Leute waren sehr unwissend und viele kannten nicht einmal das Ave-Maria. Drei Jahre lang wirkte er so unter ihnen, sah aber wenig Früchte. Im Jahre 1876, am 13. Februar, gelang es ihm, die Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes einzuführen; darum wollte er in dem armen Pfarrkirchlein einen Rosenkranzaltar errichten. Der Bischof von Nola, in dessen Sprengel die Pfarrgemeinde lag, bat ihn jedoch, den armen Leuten eine neue Kirche zu bauen und versprach ihm 500 Fr. Zu diesem Zwecke fing er an, Beiträge zu sammeln; es gab jedoch berghohe Hindernisse; aber Maria kam ihm zu Hilfe. In Neapel wurde ein krankes Mädchen plötzlich geheilt, nachdem es der Gottesmutter versprochen hatte, einen Beitrag zur neuen Rosenkranzkirche in Valle di Pompei zu geben. Dieses Wunder geschah am Tage, wo daselbst die Rosenkranzbruderschaft errichtet wurde, und machte in Neapel großes Aufsehen. Ein Wunder für ein Landkirchlein, für Bauern! Bald geschah ein anderes Wunder an einer Kranken, nachdem sie versprochen hatte, etwas für die neue Kirche zu opfern. Zahlreiche Gebetserhörungen fanden statt, wenn man eine Gabe für diese Kirche versprach. Auf diesem Wege sandte die Himmelskönigin dem Bartolo Longo Millionen. Maria gab durch fortgesetzte Wunder zu erkennen, daß sie an dieser Stelle keine neue Pfarrkirche, sondern ein Weltheiligtum wolle, wo sie als Rosenkranzkönigin verehrt und angerufen werde. Fünfzehn Jahre wurde an dem herrlichen Tempel gebaut, der in Gold und Marmor glänzt. Im Mai 1891 wurde dann diese Rosenkranzkirche durch Kardinal La Vallette eingeweiht, umgeben von 74 Bischöfen, Erzbischöfen und Kardinälen. Weil diese Basilika aus den Opfern der Gläubigen der ganzen Welt gebaut wurde, hat der Gründer, Bartolo Longo, alles dem Heiligen Vater Leo XIII. geschenkt, es ist jetzt Eigentum des Apostolischen Stuhles. Leo XIII. hat dieses Heiligtum mit Ablässen und Privilegien bereichert, wie sie keine andere Kirche der ganzen Welt hat. In dieser Kirche darf die heilige Messe bis 2 Uhr nachmittags gelesen werden; und jeder Priester, der dahin wallfahrtet, darf täglich die Messe vom Rosenkranze lesen, damit so täglich das Rosenkranzfest wiederholt werde. Leo XIII. hat den Gründer Bartolo Longo mit dem herrlichsten Schreiben beehrt und in Audienz empfangen, um so vor der ganzen Welt seine Billigung auszusprechen.

 

Das Gnadenbild der Rosenkranzkönigin

Bei der Errichtung der Rosenkranzbruderschaft in Valle di Pompei im Jahre 1876 schien es Bartolo Longo notwendig, ein Bild der Rosenkranzkönigin anzuschaffen, um es in der Kirche aufzustellen. Er ging in dieser Absicht nach Neapel, eines zu kaufen. Als man ihm aber für ein solches 400 Franken verlangte, sagte ein Priester zu ihm: "Ich habe vor einigen Jahren der Ordensschwester Maria Coreta im Rosenkranzkloster bei der Porta Medina, ein altes Rosenkranzbild geschenkt, welches ich bei einem Trödler für 3.40 Fr. gekauft habe. Gehe hin und siehe es dir an; wenn es dir gefällt und du es trotz seines abgenutzten Zustandes für passend findest, so bitte sie darum. Für das Landvolk von Pompeji wird es schon genügen." Er nahm diesen Rat an und ging ins Kloster. Als ihm aber die Schwester das Bild brachte, erschrak er; denn es war ein altes, verdorbenes Gemälde und unschön gemalt; er war unschlüssig, ob er es mitnehmen sollte. Aber die Schwester drang sehr in ihn, mit dem sanften Vorwurf: "Nehmen Sie das Bild nur mit, so wie es ist, zum Beten eines Ave-Maria genügt es doch." Er nahm das Bild, welches 1.40 Meter hoch und 1 Meter breit war und ließ es auf einem Wagen nach Pompeji bringen. Nachdem es besser gemalt war, wurde es in der Pfarrkirche zur Verehrung ausgestellt und von dieser Zeit an knüpfte Gott und die allerseligste Jungfrau viele Gnaden und Wunder daran. Am 8. Juni des Jahres 1876 erschien Maria zum erstenmal einer kranken Mutter, in der nämlichen Gestalt wie sie auf dem Bilde ist, mit den Worten: "Die Jungfrau des Rosenkranzes von Pompeji hat dich geheilt." Das Bild stellt die Rosenkranzkönigin auf einem Throne dar, vor dem der heilige Dominikus und die heilige Katharina von Siena knien, welche den Rosenkranz empfangen. Später ließ es Bartolo Longo durch einen berühmten Maler in Neapel nochmals restaurieren. Das völlig neue Bild wurde in einen Rahmen von vergoldeter Bronze gefaßt, der allein 800 Mk. kostete. Fünfzehn bronzene Medaillons, die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes darstellend, umgeben den Rahmen. Das Gemälde ist schon ganz mit Brillanten bedeckt, die auf Leinwand befestigt sind und die von Personen aller Nationen aus eigenem Antrieb geopfert wurden, zum Zeichen der Dankbarkeit für Erlangung irgendeiner Gnade. Der Rosenkranz, den Maria der heiligen Katharina gibt und das Jesuskind, das sie dem heiligen Dominikus reicht, sind aus feinen Perlen. Maria trägt ein Halsband aus Brillanten, welche das Wort "Rosario" bilden. Ihre Sandale ist ganz aus Gold und Diamanten, kostbare Perlen funkeln auf ihrem Mantel; andere bilden am Fuße des Thrones die Inschrift: "Ave Maria". Der ganze Schmuck hat einen Wert von 400.000 Franken. Vier herrliche Smaragde sind Opfergaben von zwei Juden. Am 8. Mai 1887 wurde das Gnadenbild von Kardinal La Vallette mit einer Krone von Brillanten gekrönt, die aus allen Ländern als Beweise ebenso vieler Gnaden, die Unsere Liebe Frau von Pompeji gewährt hat, zusammenkamen. Papst Leo XIII. wollte eigenhändig die Krone segnen, welche bestimmt war, die Stirne der unbefleckten Gottesmutter zu schmücken. Bei der feierlichen Umhertragung des gekrönten Gnadenbildes waren 15.000 Pilger anwesend; es war ein triumphartiger Einzug der Rosenkranzkönigin in den herrlichen Tempel und auf den Thron. Was den Beschauer am meisten fesselt, ist der große, aus Marmor und Bronze verfertigte königliche Thron, auf welchem das Gnadenbild sich befindet; er hat mehr als 10.000 Pfund Sterling gekostet. 15 goldene Lampen brennen Tag und Nacht vor dem Gnadenbilde, als eine beständige Erinnerung an die 15 Geheimnisse. Viele Verehrer unterhalten beständig eine Lampe. So heilig und zur Andacht stimmend ist die Gnadenstätte, daß viele Pilger schon in der Vorhalle der Kirche die Schuhe und Strümpfe ausziehen, und barfuß bis in die Nähe kommen, wo sie sich vor dem Gnadenaltare niederwerfen, den Boden küssen und dann auf den Knien dem Throne der Rosenkranzkönigin nahen; andere weinen laut, wenn sie das wunderbare, prächtige, liebliche Bild sehen. Es ist etwas Geheimnisvolles darin. Allen, die das Heiligtum besuchen, fällt der himmlische Ausdruck des Bildes auf, der ihnen Vertrauen, Liebe und Andacht einflößt. Ein Strahl von Schönheit, Milde und Majestät leuchtet aus den Wimpern der Jungfrau für jene hervor, die gläubig vor dasselbe treten. Von dem Tage an, wo das Bild übertragen wurde, leuchtet aus dem Angesichte der Himmelskönigin eine Schönheit und eine Vertrauen erweckende Milde, die man früher nie gesehen. Bartolo Longo sagte: "Ich bin überzeugt, daß Maria selbst wunderbarerweise ihr Anlitz verklärt hat." Vor diesem Bilde empfindet die Seele im Gebete die feste Hoffnung auf Erhörung und jene unsagbare Süßgikeit, die nur denen verständlich ist, denen sie verliehen wird. Hören wir noch, was Papst Leo XIII. über dieses Bild an Bartolo Longo geschrieben hat: "Gott hat sich dieses heiligen Bildes, das in der Wallfahrtskirche zu Pompeji verehrt wird, bedient, um Hunderttausende von Gläubigen zu der überaus heilsamen Übung des heiligen Rosenkranzes zurückzuführen." Ferner: "Dieses heiligen Bildes hat sich Gott ebenfalls bedient, um jene vielen und großen Gnaden zu spenden, die in der ganzen Welt Aufsehen erregt haben."

 

Eine Erscheinung der Rosenkranzkönigin

Eine der größten und wunderbarsten Heilungen der Rosenkranzkönigin in Pompeji ist die der Fortuna Agrelli, Tochter des Commendatoren von Neapel. Ihre Leiden waren so groß, daß man 13 Monate lang die schmerzlichen Rufe der Kranken in der Nachbarschaft hörte, welche ihr die lang anhaltenden und qualvollen Krämpfe auspreßten. Bei ihrem Anblick hätte man glauben können, sie sei aus dem Grabe gestiegen; auf ihrem Antlitz sah man die Spuren furchtbarer Leiden. Der Körper war ganz gekrümmt; die berühmtesten Ärzte gaben sie auf. Am 16. Februar 1884 gab ihr ein Förderer der damals im Bau begriffenen Rosenkranzkirche in Pompeji eine Medaille und ein Novenenbüchlein zur Rosenkranzkönigin. Sogleich wurde von der Kranken und ihren Angehörigen die Novene begonnen. Es war am 3. März, als sie wieder wie gewöhnlich von Krämpfen befallen worden war; sie kam gegen 3 Uhr nachmittags auf wenige Augenblicke wieder zu sich. Während dieser Zeit sah sie die allerseligste Jungfrau, die Rosenkranzkönigin von Pompeji. Bei deren Erscheinen machte sie das Kreuzzeichen. Maria hatte auf ihrem Schoße das göttliche Kind und in ihrer Hand den Rosenkranz und saß auf einem hohen Throne, rings von Lichtgestalten umgeben; beide waren mit einem goldgestickten Kleide angetan. Maria war vom heiligen Dominikus und der heiligen Katharina von Siena begleitet und trug auf ihrem Haupte eine Krone, die von kostbaren Edelsteinen schimmerte. Der Thron war mit Blumen reich geschmückt. Die Schönheit Marias war wundervoll. Sie blickte die Kranke mit mütterlicher Zärtlichkeit an, und diese begrüßte sie mit den Worten: Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, sei mir gewogen, mache mich gesund, ich habe mich schon an dich gewendet mit einer Novene, aber ich habe deine Hilfe noch nicht erfahren. O Maria! ich möchte so gerne gesund werden. Da sprach Maria zu ihr: "Kind, du hast mich unter verschiedenen Titeln angerufen und von mir immer Gnaden erlangt; jetzt, da du mich unter dem mir so angenehmen Titel der Königin des heiligen Rosenkranzes angerufen hast, kann ich dir die erflehte Gnade nicht länger versagen, weil mir ja dieser Name vor allen andern lieb und teuer ist; halte drei neuntägige Andachten und du wirst alles erhalten." Noch einmal erschien ihr die Rosenkranzkönigin und sprach zu ihr: "Wer immer neue Gnaden von mir erhalten will, halte 3 Novenen mit dem Gebet des Rosenkranzes und 3 Novenen zur Danksagung." Endlich, am 8. Mai sagte die Kranke zu ihrer Schwester: "Heute erlangt mir die Muttergottes gewiß eine Gnade; denn ich habe gelesen, daß die Rosenkranzkönigin von Pompeji an diesem Tage viele Gnaden spendet." An diesem Tage wurde sie auch wirklich vollständig gesund, und am 18. Juni kam die Geheilte nach Valle di Pompei, um der Rosenkranzkönigin zu danken.

 

Fortgesetzte Wunder der Rosenkranzkönigin

Die menschliche Gesellschaft schwebt heute in großer Gefahr, den Glauben gänzlich zu verlieren; da eilt die siegreiche Königin den Gefährdeten mitleidsvoll zu Hilfe. Mit der Macht, die sie von ihrem göttlichen Sohne erhält, errichtet sie einen Leuchtturm des Glaubens; damit alle, die fern vom rechten Wege sind, in diesem Heiligtum ihre Blicke zu ihr wenden. Obwohl jetzt die Wallfahrtskirche fertig ist, für die Maria zahllose Wunder gewirkt hat, hat die allerseligste Jungfrau nicht aufgehört, denen reichliche Gnaden zu spenden, die sie als Königin des Rosenkranzes von Pompeji anrufen; besonders huldvoll zeigte sich Maria dem Gründer gegenüber. Bartolo Longo hatte von dem Gelde, das ihm Maria aus der ganzen Welt gesandt, noch Wohltätigkeitsanstalten gegründet bei dem Heiligtume, wo sich fast eine kleine Stadt erhebt. Anfangs gab Bartolo Longo für die Grundlegung der Kirche wöchentlich 100 Fr. aus, die er am Samstag immer hatte; um den Bau weiter zu führen, brauchte er wöchentlich 500-1000 Fr.; am Samstag, zur Zeit der Arbeitersauszahlung waren sie da. Später brauchte er nicht mehr 1000 Fr. per Woche, sondern 1000 Fr. per Tag, um die Waisenkinder zu ernähren, die anderen Anstalten zu erhalten, die Arbeiter zu bezahlen, die Kosten des in- und ausländischen Baumaterials, die Spesen für die Eisenbahnstationen, für die Kaserne der Karabinieri und für das Post- und Telegraphenamt zu bestreiten; denn alle diese Einrichtungen hatte er ins Dasein gerufen, und das nötige Geld dazu kam jeden Tag. Nachher unterhielt Bartolo Longo ganze Kollegien von Knaben und Mädchen mit ihren Präfekten, Erziehern, Musikern und Mechanikerlehrern; er bestritt den reichen, prunkvollen Gottesdienst, der einem Weltheiligtum gebührt; später brauchte er wöchentlich 15.000, oft auch 20.000 Fr., und Maria sandte sie ihm. Als im Jahre 1899 der Präfekt von Neapel alles mit Staunen besichtigte und den Gründer fragte, wo er diese Summen hernehme, antwortete dieser: "Ich weiß es nicht, die Königin des heiligen Rosenkranzes weiß es; wenn ich größerer Hilfe bedarf, wirkt sie ein auffallenderes Wunder und die Gaben fließen reichlicher; wenn ich dagegen darauf sinne, weniger auszugeben und die Wohltätigkeitsanstalten einzuschränken, geht weniger Geld ein. Habe ich neue Verpflichtungen, kommen zur Zeit der Auszahlung auch neue Geldmittel, allerdings bleibe ich nach dem Auszahlungstag oft ohne Heller; doch immer auf den Glauben an die Vorsehung und auf den Schutz der Wunder der Rosenkranzkönigin gestützt, schlafe ich sorglos und erhebe mich ruhig in der Sicherheit, daß ich am Ende der Woche oder des Monats so und so viele Arbeiterfamilien auszahlen kann." Auch als das Heiligtum fertig war, fuhr Bartolo Longo dennoch fort, den Rosenkranz zu verbreiten, und das ist sein großes Apostolat, das unermeßliche Segnungen nach sich zieht. Im Jahre 1899 verteilte er 1.780.000 Bilder der Jungfrau von Pompeji, er versandte im gleichen Jahre 34 Zentner Rosenkränze und ließ 1.500.000 Medaillen der Rosenkranzkönigin prägen, und ausländische und einheimische Firmen haben ihm 30.000 Gemälde der heiligen Jungfrau geliefert. Die Auslagen für die Missionen kosteten ihn jährlich 589.000 Fr.

Bartolo Longo war auch Redaktor von Büchern und Zeitschriften, die den Rosenkranz verbreiten. Seine Zeitschrift "Rosario" geht gratis in Hunderttausenden von Exemplaren durch die Welt. - Außerdem verschenkte er jährlich 100.000 Kalender, welche die Jahresgeschichte der pompejianischen Einrichtungen brachten. Und die ganze Welt erwiederte ihm darauf mit ihren Almosen, die ihm verantwortungs- und rechnungsfrei zugeschickt wurden. Hören wir noch einmal Bartolo Longo, wenn er sagt: "Ich überschwemme die Welt mit Mitteilungen, welche die Ausbreitung des Rosenkranzes und die Verherrlichung der Jungfrau vom Rosenkranze in ihren Gnaden und in den um des Rosenkranzes willen verliehenen Wundern zum Zwecke haben, und die Welt ist mir dankbar für die Stärkung des Glaubens, die sie aus diesem Tale empfängt und für die Gnaden, die ihnen die Jungfrau von Pompeji durch die Gebete der Waisenkinder spendet."

 

Die 15 Verheißungen der Rosenkranzkönigin

Die allerseligste Jungfrau hat dem heiligen Dominikus fünfzehn Verheißungen gemacht für das Rosenkranzgebet; und diese sind bei Bartolo Longo in Erfüllung gegangen; schon bei seiner Berufung im Jahre 1870 wird er innerlich auf diese Verheißungen hingewiesen. Hören wir, was er zum Präfekten von Neapel sagte: "An dieser Küste von Valle die Pompei, die noch vor 24 Jahren öde und verlassen dalag, wollte ich in Erfahrung bringen, ob die Versprechungen der Himmelskönigin, die sie im 13. Jahrhundert dem heiligen Dominikus gemacht, wahr seien, als sie ihn für die Kirche eine neue Andacht lehrte, durch welche die Bekehrung der Völker und der Familien zu erwirken wäre, nämlich die Andacht des heiligen Rosenkranzes; und in 24 Jahren, während ich hier arbeite, und mit allen Mitteln die Rosenkranzandacht über die Welt zu verbreiten suchte, haben mir die täglich gesteigerten und vermehrten Wunder an Individuen und ganzen Genossenschaften diese Versprechen als wahr bewiesen." Diese Verheißungen sind folgende:

  1. Diejenigen, welche meinen Rosenkranz beharrlich beten, erlangen eine besondere Gnade.
  2. Ich verspreche jenen, die andächtig den Psalter meines Rosenkranzes beten, große Gnaden und meinen besonderen Schutz.
  3. Der Rosenkranz ist ein mächtiger Schild gegen den höllischen Feind; er vernichtet das Laster, verhindert die Sünde und rottet die Irrlehre aus.
  4. Der Rosenkranz bewirkt das Wiederaufblühen der Tugend und Werke der Gottseligkeit. Durch ihn wird den Seelen die Fülle der göttlichen Erbarmungen zuteil; indem sie sich von der eitlen Anhänglichkeit an die Güter dieser Welt losschälen, werden sie erfüllt von dem Verlangen nach den ewigen Gütern: viele Seelen werden durch den heiligen Rosenkranz gerettet.
  5. Die Seele, welche in rechter Weise durch meinen Rosenkranz ihre Zuflucht zu mir nimmt, geht nicht verloren.
  6. Alle diejenigen, welche andächtig den Rosenkranz beten, und dabei die Geheimnisse betrachten, werden vom Unglücke nicht niedergebeugt und vor dem unvorhergesehenen Tode bewahrt bleiben. Sind sie in Sünden, so werden sie die Gnade der Bekehrung erlangen; die Gnade der Beharrlichkeit aber, wenn sie gerecht sind, und sie werden würdig befunden werden des ewigen Lebens.
  7. Die Gläubigen, welche eine wahre Andacht zu meinem Rosenkranze haben, werden nicht ohne Empfang der heiligen Sakramente sterben.
  8. Ich will, daß jene, die meinen Rosenkranz andächtig beten, während ihres Lebens und im Augenblicke ihres Todes der Fülle göttlicher Erleuchtungen und Gnaden teilhaftig werden, sowie der Verdienste der Heiligen Gottes.
  9. Jeden Tag befreie ich aus dem Fegfeuer die Seelen, welche in ihrem Leben die Andacht des heiligen Rosenkranzes beharrlich gepflegt haben.
  10. Denen, die wahrhaft andächtig meinen Rosenkranz beten, wird im Himmel eine besondere Glorie zuteil werden.
  11. Alles, was man mich vermittelst des hl. Rosenkranzes bittet, wird man erhalten.
  12. Diejenigen, welche an der Verbreitung meines Rosenkranzes arbeiten, werden in all' ihren Nöten meine Hilfe erfahren.
  13. Ich habe von meinem göttlichen Sohne die Gnade erlangt, daß alle, welche der Bruderschaft vom heiligen Rosenkranze einverleibt sind, die glückseligen Bewohner des Himmels zu ihren Brüdern und Schwestern haben, während ihres Lebens und in der Stunde des Todes.
  14. Diejenigen, welche meinen Rosenkranz beten, sind meine bevorzugten Kinder und Brüder Jesu Christi, meines eingeborenen Sohnes.
  15. Die Andacht zum hl. Rosenkranz ist ein besonderes Merkmal der Auserwählung.

Diese Verheißungen gelten für die Rosenkranzandacht von den 15 Geheimnissen, die man betrachten muß. Auch ist es ein großer Fehler, wenn man alle Andacht zu Maria nur in die Nachahmung ihrer Tugenden setzt; die Nachahmung ihrer Tugenden ist nur eine Frucht dieser Andacht. Das Wesen der Andacht zu Maria besteht nach Pater Gallifet in der Hochachtung, in der Liebe und in dem Vertrauen zu ihr, und dises kann oft beim Sünder größer sein als beim Gerechten. Wieviele Sünder, oft tief gefallene Seelen, sind zur Bekehrung gekommen oder im Tode noch gerettet worden, weil sie noch eine Andacht zu Maria festhielten, oft nur ein Ave-Maria täglich beteten; unzählige Seelen gehen verloren, weil sie nicht zu Maria geführt werden.

 

Einladung der Rosenkranzkönigin

Im Jahre 1876 wurde in Valle di Pompei die Rosenkranzbruderschaft feierlich errichtet und zählt mehr als 3 Millionen Mitglieder in ganz Italien, ja auf der ganzen Welt, darunter Bischöfe, Kardinäle, Fürsten, Königinnen und den größten Mann der neueren Zeit, Papst Leo XIII. sel. Andenkens. Schon der heilige Dominikus hat die erste Bruderschaft vom heiligen Rosenkranze gegründet und die allerseligste Jungfrau hat ihm 30 Vorzüge geoffenbart und ihm gesagt, daß diese Bruderschaft die vortrefflichste sei. 200 Jahre später sandte Gott zur Weckung dieser Bruderschaft den seligen Dominikaner Alanus, dem viele himmlische Offenbarungen über dieses Gebet zuteil wurden; die allerseligste Jungfrau legte ihm in einer Erscheinung eine Kette um den Hals, in welcher 150 Edelsteine und 15 Rubinen gefaßt waren und sprach zu ihm: Dieses will ich allen gestiger Weise tun, welche meinen Psalter andächtig beten, und im Himmel werden sie besondere Freuden haben. Maria offenbarte ihm auch, ein einziges Ave-Maria sei kostbarer als alles Zeitliche unter der Sonne, als alle Güter des Leibes und des Geistes. Auch der göttliche Heiland sprach zu ihm: "Mein Sohn, du weißt nicht, was für ein köstliches Ding du meiner Mutter opferst, wenn du zu ihr ein andächtiges Ave-Maria sprichst; darum erscheine ich dir sichtbar, um es dich zu lehren." Dann zählte er ihm 72 Vorzüge auf, so in dem Ave-Maria einbegriffen sind. Auch schrieb der sel. Alanus, daß einmal ein Diener Gottes in den Himmel verzückt gewesen sei, dort habe er ein großes glänzendes Buch gesehen, worin alle Namen der Brüder und Schwestern der Rosenkranzbruderschaft ganz zierlich geschrieben standen, und es wurden immer mehr vom heiligen Dominikus und vom heiligen Franziskus geschrieben; welch ein Trost! Der selige Alanus hat 65 Jahre lang diese Bruderschaft mit so großem Erfolge verbreitet, daß in einem Verzeichnis im Dominikanerkloster zu Köln 1475, mehr als 100.000 Mitglieder aufgezeichnet waren. Papst Leo XIII. hat in seinem Rundschreiben vom 12. September 1897 ganz von dieser Bruderschaft gehandelt, und mit sehr rührenden Worten zum Eintritt ermahnt. Der Heilige Vater bat die Priester, das Volk über die hohen Vorzüge dieser Bruderschaft zu unterrichten; er ist dem Beispiele seiner Vorgänger gefolgt. Nicht weniger als 28 Päpste haben die Rosenkranzbruderschaft durch ihre Konstitutionen, Bullen, Breven usw. gutgeheißen und mit Ablässen bereichert. In die Gesellschaft Jesu wurde früher keiner aufgenommen, der sich nicht vorher in die Rosenkranzbruderschaft hatte einschreiben lassen. Die Mitglieder haben Anteil an allem Guten, das im Dominikanerorden geschieht, an den Verdiensten aller Heiligen und Seligen dieses Ordens, welcher bereits 265 heilig- und seliggesprochene Mitglieder und mehr als 26.000 Märtyrer besitzt, dann der vielen Mitglieder; durch den Beitritt in diese Bruderschaft werden wir Erben ihrer Verdienste. Nach dem Tode werden viele heilige Messen für sie aufgeopfert und viele Millionen Rosenkränze von Brüdern und Schwestern für sie gebetet. Der selige Alanus schreibt: Viele Brüder und Schwestern im Herrn haben mir eidlich bezeugt, daß ihnen während des Rosenkranzgebetes viele Seelen erschienen seien und ihnen dankend versichert hätten, es gäbe nach dem heiligen Meßopfer kein kräftigeres Hilfsmittel für die Armen Seelen im Fegfeuer als den heiligen Rosenkanz, und es würden dadurch alltäglich viele Seelen erlöst, welche sonst noch viele Jahre darin hätten verbleiben sollen. Wer sollte noch zögern, in diese Bruderschaft einzutreten, da man nur jede Woche alle drei Rosenkränze zu gelegener Zeit zu beten hat? Zur gültigen Aufnahme ist erfordert, daß man seinen Namen in ein Bruderschaftsbuch einschreiben läßt. Maria ladet alle dazu ein; die Bruderschaft ist ein Wagen zum Himmel.

 

Die Kinder der Rosenkranzkönigin

Maria wollte schon im vorigen Jahrhundert, wo sie bei ihren Erscheinungen in La Salette und in Lourdes Kinder erwählte, der Welt unter anderm die Lehre geben, wie man die Kinder zu ihr führen und retten soll; denn die Welt ist angefüllt mit Herodes, welche die Kinder geistig morden. O, möchten wir doch den hohen Adel eines Kindes kennen! Pater Hubi schrieb: "Ein Kind, das durch die heilige Taufe der Gnade Gottes teilhafig geworden ist, trägt ein Kleinod in sich, das wertvoller ist, als alles Gold und alle Edelsteine, glänzender als die Sonne und reizender als alle natürliche Schönheit der Engel und Menschen auf Erden." Ja, er hat recht; denn durch die Taufe ist es ein Kind des Königs von Himmel und Erde geworden; ein Tabernakel Gottes; denn Gott selbst wohnt im Herzen des Kindes. Die heiligen Engel umgeben, beschützen, führen und leiten es. Der göttliche Heiland hat die Kinder auf seinen Schoß genommen und ein furchtbares Wehe über jene ausgesprochen, die ihrer Seele schaden. Auch bei der wunderbaren Gründung des Heiligtums in Pompeji hat Maria die Welt auf die Kinder hingewiesen. Sie hat keine Ordensfrau erwählt, keinen hohen Würdenträger der Kirche, sondern einen Vater, einen Gatten. Ihre erste Erscheinung als Rosenkranzkönigin galt einer Gattin, einer Mutter in Neapel. Bartolo Longo hat die Königin des Himmels verstanden und ihrer Stimme Folge geleistet. Am 9. Mai 1887, an dem die wundertätige Jungfrau vom heiligen Rosenkranz gekrönt in ihren Tempel einzog, um von dem Hause ihrer Erwählung Besitz zu nehmen, beschloß der Gründer, neben dem Denkmal des Glaubens ein Denkmal der Liebe zu stiften, welches ihm Maria gegeben hatte. Er wollte den Thron der Rosenkranzkönigin mit einem lebendigen Rosen- und Lilienkranz umgeben, bestehend aus einer Schar unschuldiger Waisenmädchen, die unter dem Mantel der Jungfrau von Pompeji ihren Schutz fanden. Diese Kinder sollten den Hofstaat der Königin bilden und sie jeden Morgen und Abend mit dem Gruße des Engels begrüßen und zu ihren Füßen den Rosenkranz für ihre Wohltäter beten. Zur Linken des Rosenkranzheiligtums in Valle di Pompei erhebt sich ein Mädchenwaisenhaus, das von Bartolo Longo und seiner Gemahlin, Gräfin Marianne de Fosco, gegründet ist. Am Rosenkranzfeste 1887 wurden die ersten 15 Waisen, die in den Straßen gefunden wurden, aufgenommen. So entstand der erste lebendige Rosenkranz. Ein Jahr später kam ein zweiter dazu und im Oktober 1890 waren es schon 5 Rosenkränze oder 75 Waisen. Jedes Jahr steigerte sich die Zahl. Alle diese Waisen werden unentgeltlich aufgenommen und allein von den Gaben der Gläubigen auf der ganzen Welt unterstützt und erzogen. Es ist ein rührender Anblick, die elternlosen Kinder blühend und frisch ihr Mahl einnehmen zu sehen, das sie allein der christlichen Liebe aller Weltteile verdanken. Ein tägliches Wunder der Liebe. Viele reiche christliche Familien gehen in das Waisenhaus und nehmen solche an Kindes Statt an. Im Jahre 1894 fanden 20 Waisen der Jungfrau ein Asyl in Privathäusern.

Die Rosenkranzkönigin hat den Gründer aber noch zur Rettung anderer Kinder bestimmt, es sind die Söhne der Gefangenen, der Verbrecher. Mit den Waisenkindern hat man noch eher Mitleid; aber die Kinder der Sträflinge sind der Abweisung und Verachtung ausgesetzt. Das Mal der Schande, das sie, obgleich sie unschuldig sind, auf der Stirne tragen, verschließt ihnen alle Türen und verbietet ihnen jeden Zutritt in die Gesellschaft. Am 29. Mai wurde feierlichst der Grundstein gelegt zu dem neuen Institut. Noch war kein Jahr verflossen, als dasselbe schon 25 Kinder zählte. Briefe, Telegramme und Zeitungen munterten Bartolo Longo auf, für diese Unglücklichen etwas zu tun; denn für diese Klasse von Kindern war noch nie eine Anstalt gegründet worden. Im Jahre 1897 waren es schon 100 Zöglinge, von denen keiner müßig ist; jeder hat sein Handwerk, seinen Beruf. Wie es im Mädchenwaisenhaus gehalten wird, so geschieht es auch in dem Hospiz der Sträflingssöhne, es wird ihnen eine gute Erziehung gegeben.

 

Eine Bitte der Rosenkranzkönigin

Wenn Maria bei der Gründung des Gnadenortes die christlichen Eheleute so hoch geehrt hat und ihren königlichen Thron in Pompeji mit einem Hofstaat von unschuldigen Kindern umgab und so wunderbar für sie sorgte, wollte sie der Welt und den christlichen Eltern die Lehre geben, wie man die Kinder zu ihr führen soll. O, daß doch christliche Mütter ihre Kinder der Gottesmutter weihen würden! Eine solche Weihe ist von unglaublicher Wirkung; ein solches Kind geht, wage ich zu sagen, nicht verloren, und sollte es später vom rechten Wege abirren, Maria wird ihr verirrtes Kind wieder suchen. Das beweisen unzählige Bekehrungen, welche auf die Weihe der Mutter zurückzuführen sind, auch wenn die Mutter jahrelang im Grabe ruhte. Die gottselige Anna Katharina Emmerich erzählte von einem großen Sünder, dem die Mutter Gottes drei Jahre vor seinem Tode erschien und ihm offenbarte, seine Mutter habe ihn ihr bei seiner Geburt geweiht, er solle sich jetzt bekehren. Er führte noch drei Jahr ein frommes Einsiedlerleben und starb selig, nachdem ihm Maria im Tode noch einmal erschienen war. Die heilige Mechtildis sah ein Kind im Himmel unter die Klosterfrauen versetzt, weil seine Mutter es für den Ordensstand bestimmt hatte. Solche Wirkung hat das Gebet einer frommen Mutter. Wie schön wäre es, wenn man alljährlich an einem Marienfeste die Kinder der himmlischen Mutter weihte, und ihnen als Andenken eine Medaille, ein Bild, ein Buch oder ein Skapulier gäbe. Das wäre die beste Vorbereitung auf den Weißen Sonntag. Man lasse Maria die Kinder vorbereiten, und halte sie an, recht viel zur Mutter Gottes um eine würdige heilige Kommunion zu beten. Unzählige Kinder würden dem zeitlichen und ewigen Verderben entrissen, wenn man das Samenkorn der Andacht zu Maria ihnen ins Herz pflanzen würde.


Drei Novenen
zu Ehren der Rosenkranzkönigin

Gebet zur Königin des heiligen Rosenkranzes in Pompeji

Wenn man die drei Novenen macht, so versetzt man sich im Geiste in das Heiligtum von Pompeji und verrichtet mit Andacht und Vertrauen vor jedem Rosenkranz folgendes Gebet. Die gottselige Katharina Emmerich sagt: "Das Wunderwirkende beim Gebet ist das Vertrauen."

O heiligste und unbefleckte Jungfrau, Königin des heiligen Rosenkranzes, du hast in diesen Zeiten des toten Glaubens deinen Sitz in Pompeji aufgeschlagen und deine Kinder in der ganzen Welt aufgefordert, dir an dieser Stätte ein Heiligtum zu errichten. Unzähligen auf der ganzen Welt bist du zu Hilfe gekommen, welche dich in diesem Gnadenbilde verehren. Siehe, gute Mutter, auch ich verehre dich im Geiste an dieser Gnadenstätte und rufe zu dir, o glorreiche Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, komme mir zu Hilfe. Du hast denen, die dich mit dem heiligen Rosenkranz verehren, so große Gnaden verheißen. Siehe, mit dem Rosenkranz in der Hand rufe ich zu dir. Du bist die Trösterin der Betrübten, das Heil der Kranken, die Zuflucht der Sünder, die Hoffnung der Verzweifelten, du bist die Ausspenderin der Gnaden und Erbarmungen Gottes. O segne mich von deinem Throne aus in Pompeji! (Dreimal) Du Königin des heiligen Rosenkranzes von Pompeji, bitte für uns!

Lasset uns beten!

O Gott, dessen eingeborner Sohn durch sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung uns die Belohnung des ewigen Lebens verdient hat, verleihe uns, wir bitten dich, daß wir, die wir die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes der allerseligsten Jungfrau ehren, was sie enthalten, nachahmen und dadurch erlangen, was uns in denselben verheißen ist, durch unsern Herrn Jesum Christum. Amen.

 

Novene zu Unserer Lieben Frau vom heiligen Rosenkranze in Neu-Pompeji,
um in großer Bedrängnis, sowie in Leibes- und Seelennot Gnade und Hilfe zu erlangen.

V. O Herr, merke auf meine Hilfe!
R. Herr, eile mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater, usw.

O heilige Katharina von Siena, du meine Beschützerin und Lehrerin, die du vom Himmel aus deinen Verehrern beistehst, wenn sie den Rosenkranz Mariä beten, stehe mir in dem gegenwärtigen Augenblicke bei und würdige dich, mit mir zusammen die Novene zur Königin des Rosenkranzes zu beten, die im Tale von Pompeji ihren Gnadenthron aufgeschlagen hat, damit ich durch deine Fürbitte die erwünschte Gnade erlange. Amen.

1. Gebet

O unbefleckte Jungfrau, Königin des heiligen Rosenkranzes! Du hast in diesen Zeiten des Unglaubens und der triumphierenden Bosheit deinen Sitz als Königin und Mutter aufgeschlagen über den Ruinen des alten heidnischen Pompeji. Von jener Stätte, wo ehemals Satan und die Götzen angebetet wurden, gießest du heute als Mutter der göttlichen Gnade die Schätze deiner Barmherzigkeit überallhin aus. Ach, von jenem Throne, wo du barmherzig dich erweisest, wende, o Maria, deine gütigen Blicke auch mir zu und habe Erbarmen mit mir, denn ich bedarf Deiner Hilfe gar sehr. Zeige dich auch mir, wie du dich schon so vielen gezeigt, als Mutter der Barmherzigkeit, während ich von ganzem Herzen dich grüße und dich anrufe als meine Gebieterin und Königin vom heiligen Rosenkranze.

Salve Regina

Sei gegrüßt, o Königin! Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Süßigkeit, unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir seufzen wir, trauernd und weinend in diesem Tale der Tränen! O wende, unsere Fürsprecherin, deine mitleidigen Augen uns zu und zeige uns nach diesem Elende Jesum, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

2. Gebet

Niedergeworfen zu den Füßen deines Thrones, o erhabene und glorreiche Herrin, verehre ich dich mit Herz und Mund. In den Ängsten und Nöten, in welchen ich mich befinde, erhebe ich vertrauensvoll meine Augen zu dir. Du hast dich gewürdigt, zur Wohnung die Gegend eines armen, verlassenen Hirtenvolkes zu wählen. Von dort aus, gegenüber der alten Heidenstadt und dem Amphitheater, dem Orte der einstigen heidnischen Vergnügungen und Lustbarkeiten, dem Tale des Todes und des ewigen Schweigens, hast du als Königin vom Siege deine mächtige Stimme erhoben und von allen Seiten Italiens und der katholischen Welt deine Kinder herbeigerufen, um dir alldort einen Tempel zu erbauen.

O, habe endlich Erbarmen mit meiner Seele, die von schweren Leiden niedergedrückt, im Staube liegt. Erbarme dich meiner, o meine Gebieterin, erbarme dich meiner; denn ich bin arm und verlassen und mit Schmach überhäuft.

Du hast dem Satan den Kopf zertreten. Verteidige und beschütze mich gegen seine Nachstellungen! Du Helferin der Christen, befreie mich von den Leiden und Kümmernissen, in welchen ich schmachte; siege über den Tod, der in gegenwärtiger Gefahr meine Seele bedroht. Gib mir wieder Ruhe und Frieden, Liebe zu Gott und dem Nächsten und heile meine Seele und meinen Leib. Amen. - Sei gegrüßt, o Königin, usw.

3. Gebet

Schon viele sind von dir geheilt und getröstet worden, weil sie mit Glauben und Vertrauen dich um Hilfe angefleht haben. Das erfüllt mein Herz mit neuer Kraft und neuem Mute, um von dir Trost und Beistand zu erbitten. Du hast schon dem heiligen Dominikus versprochen, daß, wer immer eine Gnade wünscht, vermittelst des heiligen Rosenkranzes solche erlangen könne. Deshalb erinnere ich dich, o Mutter, mit dem heiligen Rosenkranz in der Hand, an die Erfüllung deines mütterlichen Versprechens.

Noch mehr - in unseren Tagen wirkest du beständig Wunder und hast deine Kinder angetrieben, dir einen Tempel in Pompeji zu errichten. Du willst also unsere Tränen trocknen, unsere Schmerzen lindern! - So rufe ich denn mit lebendigem Glauben zu dir, liebste Mutter, süßeste Mutter! hilf mir! Mutter und Königin des heiligen Rosenkranzes, zögere nicht länger, mir deine mächtige Hand zu reichen und mich aus meiner Drangsal zu retten!

Wenn du mich verlassest, werde ich dem Verderben anheimfallen. Amen. - Sei gegrüßt, o Königin, usw.

4. Gebet

Zu wem sollte ich mich wenden, wenn nicht zu dir, du Zuflucht der Unglücklichen und Verlassenen, du Stärke der Schwachen, du Trösterin der Betrübten! Ich bekenne es dir, meine Seele ist elend und arm, mit vielen und großen Sünden behaftet; sie ist nicht würdig, Gnaden zu empfangen; sie verdiente ewig in der Hölle zu brennen. Doch du bist die Hoffnung derjenigen, die keine Hoffnung mehr haben, du bist die große Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, unsere Fürsprecherin am Throne Gottes, die Zuflucht der Sünder. Nur ein fürbittendes Wort bei Jesus, deinem Sohne, und er wird dich erhören. O erlange mir denn von deinem göttlichen Sohne die Gnade, um welche ich dich so innig anflehe und deren ich so sehr bedarf (man nennt die Gnade, die man zu erhalten wünscht); du allein kannst sie mir erhalten, du meine einzige Hoffnung, mein Trost, meine Freude, mein Leben! Also hoffe ich, also sei es! Amen. - Sei gegrüßt, o Königin, usw.

5. Gebet

O Jungfrau, o Königin vom heiligen Rosenkranze, Tochter des himmlischen Vaters, Mutter des Sohnes Gottes und Braut des Heiligen Geistes! Du mächtige Fürsprecherin am Throne der allerheiligsten Dreifaltigkeit, du mußt mir die Gnade erbitten, deren ich so notwendig bedarf, insofern die Erlangung derselben nicht ein Hindernis meines ewigen Heiles ist. (Man nennt die Gnade, welche man erhalten möchte.)

Ich bitte dich darum bei deiner unbefleckten Empfängnis, bei deiner göttlichen Mutterschaft, um deiner Freuden, Schmerzen und Glorie willen. Ich verlange diese Gnade um des Herzens Jesu, deines Sohnes willen, um jener neun Monate willen, während welchen du das fleischgewordene Wort in deinem mütterlichen Schoße getragen, um der Armut und Mühen seines Lebens, um seines schmerzlichen Leidens und seines Todes am Kreuze willen, bei seinem heiligsten Namen und um seines kostbaren Blutes willen. Endlich bitte ich dich, versage mir deine Hilfe nicht, um deines süßesten Namens willen, o Maria, Stern des Meeres, mächtige Herrscherin, Pforte des Himmels und Mutter der Gnaden! Auf dich setze ich mein ganzes Vertrauen, von dir hoffe ich alles. Du mußt mich retten. Amen. - Sei gegrüßt, usw.

V. Würdige mich, dich zu loben, o heilige Jungfrau!
R. Gib mir Kraft und Stärke widerdeine Feinde!

Gebet

O Gott, dessen eingeborner Sohn durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung uns die Belohnung des ewigen Lebens verdient hat, verleihe uns, wir bitten dich, daß wir, indem wir die Geheimisse des heiligen Rosenkranzes der allerseligsten Jungfrau ehren, was sie enthalten nachahmen und dadurch erlangen, was uns in denselben verheißen ist. Durch unsern Herrn Jesus Christus. Amen.

Danksagungs-Novene
zur allerseligsten Jungfrau von Pompeji, für erhaltene Gnaden

V. O Gott, merke auf meine Hilfe!
R. Herr, eile mir zu helfen!
Ehre sei dem Vater, usw.

1. Gebet

Niedergeworfen zu deinen Füßen, erhebe ich meine Augen zu dir, o unbefleckte Mutter unseres Herrn Jesu Christi! Du freuest dich, als Königin vom heiligen Rosenkranze im Tale von Pompeji angerufen zu werden.

Mit frohem, dankerfülltem Herzen komme ich zu Dir, meine hocherhabene Wohltäterin, meine gütige Frau und Gebieterin meines Herzens; du hast dich mir als Mutter erwiesen, die mich wahrhaft liebt; ich war betrübt, und du hast mich getröstet. Angst und Kummer beugten mich darnieder, und du hast mir den Frieden wiedergegeben; Schmerz und Todesqual umgaben mich von allen Seiten, und du, liebste Mutter, hast von deinem Throne in Pompeji mit einem Blick voll Güte und Erbamen alles Leid von mir gewendet.

Wer hat je vertrauensvoll seine Zuflucht zu dir genommen, ohne erhört worden zu sein! - O, daß die ganze Welt es wüßte, wie du gütig und barmherzig bist gegen alle, die da leiden! Alle Geschöpfe würden zu dir kommen, um bei dir Hilfe und Rettung zu suchen.

O Jungfrau und Königin vom heiligen Rosenkranze, sei allezeit gelobt, gepriesen und verherrlicht von mir und allen Menschen und den heiligen Engeln, von Himmel und Erde! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, usw.

2. Gebet

Dem Herrn sei Dank und dir, o göttliche Mutter, für die neuen Beweise der Güte, welche durch deine Barmherzigkeit mir zugeflossen sind! Was wäre aus mir geworden, wenn du mein Seufzen und meine Tränen nicht erhört hättest.

Es mögen statt meiner dir danken und dich loben alle Scharen der heiligen Engel, die Chöre der Apostel, der Martyrer, der Jungfrauen und der Bekenner. In meinem Namen sollen dir danksagen so viele sündige Seelen, welche du vom Verderben errettet hast, und welche nun im Himmel den Anblick deiner unsterblichen Schönheit genießen. - O, daß mit mir alle Geschöpfe dich liebten und daß die ganze Erde widerhallen möchte von dem Echo meiner Dankesworte!

Was kann ich dir geben, o Königin voll Barmherzigkeit und Herrlichkeit? Mein ganzes übriges Leben sei dir geweiht; nach Kräften werde ich deine Ehre, o Jungfrau vom heiligen Rosenkranze von Pompeji, zu verbreiten suchen; denn da ich zu dir rief, hat die Gnade des Herrn mich heimgesucht. Überall werde ich von der Barmherzigkeit erzählen, die du mir erwiesen hast, und die Andacht des heiligen Rosenkranzes nach Möglichkeit zu fördern trachten; allen werde ich sagen, wie gütig du an mir gehandelt hast, damit auch die Unwürdigen, gleich wie ich, und die Sünder vertrauensvoll sich zu dir wenden. Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

3. Gebet

Welchen Namen, makellose Friedenstaube, werde ich dir geben, mit welchen Ehrentiteln dich anrufen! Dich nennen die heiligen Kirchenlehrer Königin der Schöpfung, Pforte des Lebens, Tempel Gottes, Wohnung des Lichtes, Glorie des Himmels, Heilige unter den Heiligen, Wunder der Wunder Gottes, Wonne des Allerhöchsten. Du bist die Schatzmeisterin der Gnaden, die alles vermögende Fürbitterin, die Barmherzigkeit Gottes selbst, welche den Unglücklichen zu Hilfe eilt. Ich weiß, daß du Wohlgefallen daran hast, als Königin vom heiligen Rosenkranze angerufen zu werden; indem ich diesen geheimnisvollen Namen anrufe, empfinde ich die Lieblichkeit desselben, o Himmelsrose, verpflanzt in dieses Tal der Tränen, um die Leiden zu versüßen, die uns verwiesene Kinder Evas allenthalben umgeben. Herrlich blühende Rose der Liebe, wohlriechender als alle Wohlgerüche des Libanon! Mit himmlischer Anmut führst du in deinem von dir bevorzugten Tale die Seelen der Sünder zum Herzen Gottes zurück. Unvergleichlich, ewig blühende Rose, begossen von den Strömen der Himmelsgnade hast du deine Wurzeln in einer vom Feuerregen ausgedorrten Gegend befestigt; Rose von fleckenloser Schönheit, hast du im Tale des Todes dem Herrn einen Garten der Wonne und der Freude gepflanzt.

Erhöht und gebenedeit sei der Herr, unser Gott, der deinen Namen, o Jungfrau, so wunderbar gemacht! Lobet alle Völker den Namen der Königin vom heiligen Rosenkranze von Pompeji; denn die ganze Welt ist voll von ihrer Barmherzigkeit! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

4. Gebet

In den Stürmen, in denen mein Lebensschifflein zu versinken drohte, erhob ich meine Augen zu dir, neuer Hoffnungsstern, erschienen in unsern Tagen über den Ruinen des Tales von Pompeji.

In meiner Bitterkeit erhob ich aus tiefer Seele meine Stimme zu dir, o Königin vom heiligen Rosenkranze in Pompeji, und ich erfuhr die Macht dieses so teuren Namens. Wer wird den neuen Ruhm deines heiligen Rosenkranzes, wer die Siege deiner Krone würdig besingen?

Du hast der Welt, welche daran ist, sich den Armen Christi zu entwinden und Satan anheimzufallen, das Heil eröffnet in eben jenem Tale, wo einst unzählige Seelen dem ewigen Verderben anheimgefallen sind. Siegreich hast du den heidnischen Tempel zertreten und über den Ruinen des Heidentums den Sitz deiner Herrlichkeit aufgeschlagen. Den Ort der Verwüstung hast du zu neuem Leben erweckt, und wo der höllische Feind das Zepter führte, errichtetest du eine Zufluchtsstätte, von wo aus du die Völker dem göttlichen Erlöser zuführest. Aus allen Teilen der Welt haben deine Kinder dir daselbst einen Thron errichtet, als Denkmal deiner Wunder und als Zeichen deiner Barmherzigkeit.

In Ewigkeit seien deine Werke gepriesen, o meine Gebieterin und Mutter, und gesegnet seien die Wunder, die im Tale der Verwüstung auf deine Fürbitte geschehen! Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

5. Gebet

Deinen Ruhm, o Königin sollen verkünden alle Zungen, und der Abend trage auf den Morgen über die Harmonie unserer Lobpreisungen. Alle Nationen preisen dich selig; selig rufen dich aus alle Teile der Erde samt den glücklichen Scharen der Himmelsbewohner. Dreimal selig preise auch ich dich mit den Engeln, Ezengeln und Fürstentümern; dreimal selig rufe auch ich mit den himmlischen Mächten, den Kräften und Herrschaften; stetig bekenne ich dich mit den Thronen, den Cherubim und Seraphim! O du meine hocherhabene Rettung, wende deine barmherzigen Augen auf diese Familie, auf dieses Volk, auf diese Nation, auf die ganze Kirche! Insbesondere versage mir nicht die größte deiner Gnaden, daß nämlich in meiner Schwachheit ich mich niemals von dir abwende. Gib, daß ich bis zu meinem letzten Atemzuge in dem Glauben und der Liebe verharre, von denen meine Seele in diesem Augenblicke entzündet ist. Laß alle, die zur Zierde deines Hauses beitragen, durch deine mächtige Fürbitte zur Zahl deiner Auserwählten gehören.

O Rosenkranz der heiligen Jungfrau! Mit der größten Verehrung halte ich dich in meinen Händen und küsse dich mit Ehrfurcht. Du bist das große Mittel, du der Weg, auf dem der Christ in den Besitz aller Tugenden gelangt, ein reicher Schatz von Verdiensten für den Himmel, das Unterpfand meines ewigen Heiles, die starke Kette, die den Feind meiner Seele bindet, die Quelle des Friedens für alle, die während ihres Lebens dich ehren, Siegeszeichen denen, die im Tode dich festhalten. In meiner Sterbestunde hoffe ich auf deinen Beistand, o Mutter; dein Erscheinen ist mir das Zeichen meiner Rettung. Dein heiliger Rosenkranz öffne mir die Pforten des Himmels. Amen. Ehre sei dem Vater, usw. Sei gegrüßt, o Königin, usw.

V. Bitte für uns, o Königin vom heiligsten Rosenkranze.
R. Auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten!

O Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi! Du hast uns gelehrt, vertrauensvoll zu dir unsere Zuflucht zu nehmen und dich mit dem süßen Namen Vater zu nennen: Vater unser, der du bist in dem Himmel. Gütigster Herr und Vater, welchem es eigen ist, Barmherzigkeit zu erweisen und zu verzeihen, auf die Fürbitte der unbefleckten Jungfrau Maria, erhöre uns, die wir uns rühmen, Kinder des hochheiligen Rosenkranzes genannt zu werden. Verleihe unseren Dankgebeten für die erhaltenen Gnaden ein geneigtes Ohr. Den Thron aber, den du zu ihrer Ehre in Pompeji errichtet hast, laß auch in Zukunft täglich glorreicher werden, durch die Verdienste Jesu Christi, unseres Herrn. Amen.

In Anliegen kann man der Mutter Gottes versprechen, eine Anzahl dieser Schriften zu verbreiten; denn dadurch werden auch andere zu dieser Andacht geführt, was der lieben Mutter Gottes sehr wohlgefällig ist.


Transkription von P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell