IMMACULATA-GEBETS-SCHATZ


Der heiligste Name

JESUS

als Heilmittel in unsern Krankheiten

IHS

Von Ulrich Vig. Biart, Kloster-Spiritual in Cazis
(Gest. 23. April 1918)

Motto: Möge Gott in unsern Tagen die unvergleichliche Kraft des Namens Jesus, welche bloß die Gleichgültigkeit der Menschen zur Untätigkeit verurteilt hatte, zu neuem Leben erwecken. (Hl. Bernardin von Siena)

Die Herrlichkeit des Namens "Jesus" besteht in der Bedeutung. Er bedeutet "Gott ist Heil, Heiland" und bezeichnet so voll und kräftig das Amt, die Aufgabe des Gottmenschen. Es ist also "Jesus" der persönliche und volle Name des Gottmenschen. Deshalb klingt er auch überall wieder; er wird genannt bei seiner Wiege, und er steht über seinem Kreuz. - Der heilige Name Jesus ist ein heiliger majestätischer Name. Er ist der Name des unendlich herrlichen Gottes, vor dem Himmel und Erde sich neigen; er ist vom himmlischen Vater selbst ausgewählt, von einem heiligen Engel vekündet. Es ist der Name, von dem der heilige Paulus schreibt: Im Namen Jesu sollen sich alle Knie beugen. Darum sollen wir ihn verehren. Der Name Jesus ist ein süßer, lieblicher Name. Dieser süße Name erinnert uns, wie sehr uns Gott geliebt, daß er seinen eingebornen Sohn für uns hingegeben; wie sehr der Sohn Gottes uns geliebt, daß er um unsertwillen ein armes, kleines Kind geworden, ein Leben voll Leiden und Mühen geführt und zuletzt am Kreuze sein Blut für uns vergossen hat. Er erinnert uns, daß wir in diesem Namen selig werden (Apg. 4,12), wieder in den Himmel kommen können. Darum lieben wir diesen süßen Namen. Der Name Jesus ist ein mächtiger Name. Es ist ja der Name des allmächtigen Gottes, dessen, der den Satan überwunden hat. Darum sollen wir ihn andächtig gebrauchen, und wir werden Hilfe an Leib und Seele erfahren.

"Im Namen Jesu Christi von Nazareth stehe auf und gehe", sprach Petrus und heilte den armen, lahmen Mann an der Tempelpforte (Apg. 3,5); durch die Kraft des Namens "Jesus" treibt Paulus zu Philippi den Teufel aus einer Besessenen. Der Apostel sprach zum Geist: "Ich befehle dir im Namen Jesu Christi, von ihr auszufahren." Und in derselben Stunde fuhr er aus (Apg. 16,18). In diesem heiligen Namen haben die Heiligen die Versuchungen des Satans überwunden und ihn vertrieben, und wir wollen uns bewahren vor den Fallstricken des Teufels, der "unaufhörlich wie ein brüllender Löwe uns umschleicht und sucht, uns zu verschlingen" (1. Petr. 5,8). Wollen wir überhaupt in allen unsern Krankheiten der Seele ein sicheres Heilmittel haben, so rufen wir den heiligen, süßen und mächtigen Namen Jesus mit Liebe und Andacht an; denn der liebe Heiland selbst hat uns gelehrt: was wir im Namen Jesu bitten, werden wir sicher bekommen (Joh. 16,23). Daher lehrt der heilige Bernhard, dieser große Verehrer dieses heiligsten Namens: "Dieser Name ist unser Licht, unsere Speise, unsere Arznei; er erleuchtet, wenn er gepredigt, er nährt, wenn er betrachet, er lindert, tröstet, und heilt, wenn er angerufen wird... Nein, es gibt nichts, was besser geeignet wäre, den Ungestüm des Zornes zu brechen, die Wunden des Neides zu heilen, unreine Lust zurückzuhalten, das Feuer der Schmähsucht auszulöschen, den Durst des Geizes zu stillen und überhaupt alle schädlichen und ungeordneten Neigungen in ihre Schranken zurückzuweisen." Daher ermahnt der heilige Chrysostomus: "Wenn du issest, wenn du trinkest, wenn du verreisest, so tue alles im Namen Jesus, das heißt, rufe Ihn an. Alles tue im Namen des Herrn, und alles wird gelingen. Wenn du mit Glauben den Namen Jesus anrufest, so wirst du die Krankheiten verscheuchen und die Teufel in die Flucht schlagen. Und wenn du auch die Krankheiten nicht vertreiben kannst, so geschieht es nicht aus Ohnmacht dieses Namens, sondern weil es so nützlicher ist. Durch diesen Namen ist der Erdkreis bekehrt, der Teufel unter die Füße getreten und der Himmel geöffnet worden." So dürfen wir sicher annehmen, daß unser Seelenheil aus der andächtigen Anrufung des Namens Jesus Nutzen zieht, und auch der Leib, der von so vielen Krankheiten, als den Folgen der ersten Sünde heimgesucht wird, kann durch Anrufung dieses heiligsten Namens die frühere Gesundheit erlangen.

In Krankheiten und Leiden der Seele und des Leibes - wobei aus Zulassung Gottes nicht selten der böse Geist bedeutenden Einfluß hat; denken wir nur an Job - ist der andächtige Gebrauch des heiligen Kreuzzeichens sehr zu empfehlen. "Mach dieses Zeichen", ermahnt der heilige Emphräm, "auf Stirne, Mund und Herz. Bei Tag und bei Nacht und an allen Orten decke dich mit diesem Panier, und kein Übel wird dir nahen; denn beim Anblick dieses Zeichens flieht zitternd die Macht der Hölle." Und der heilige Cyrill sagt: "Dieses Zeichen heilt die Krankheiten bis auf die jetzige Stunde."

Ein weiteres Mittel ist das Weihwasser. Dasselbe bewirkt nicht nur Linderung den Armen Seelen im Fegfeuer und uns Nachlaß der kleinen Sünden und zeitlichen Strafen, sondern hat auch die Kraft, Krankheiten zu heilen. Daher betet die Kirche bei der Wasserweihe: "O Gott, gieße aus über dieses Element die Kraft deines Segens, damit es die Macht empfange, die bösen Geister zu vertreiben und die Krankheiten zu verscheuchen."

Besonders möchte ich dich, lieber Christ, noch auf das gesegnete Öl aufmerksam machen. Die Heilige Schrift erzählt uns: "Und Er (Jesus) berief die Zwölfe und begann sie auszusenden, je zwei und zwei, und gab ihnen Macht über unreine Geister. Und sie gingen aus und predigten, daß man Buße tun solle. Und sie trieben viele böse Geister aus und salbten mit Öl viele Kranken und heilten sie" (Mark. 6,13). Dieses Öl, von dem hier die Rede ist, ist nicht jenes Öl, das beim hl. Sakrament der Letzten Ölung gebraucht wird. Es ist, nähmlich wie das Weihwasser, ein besonderes Sakramentale, das von Christus dem Herrn selbst zur Krankenheilung angeordnet ist. Die Kirche des Morgen- und Abendlandes hat diese Segnung des Öles stets beibehalten. In der Weiheformel für dieses Öl macht die Kirche Anspruch darauf, daß das durch sie gesegnete Öl eine Fortsetzung jenes durch Christus selbst gesegneten und den Aposteln übergebenen Öles sei, womit diese Kranke heilten. "Würdige Dich, heißt es im Weihegebete, dieses Öl, das Du aus dem Safte der Oliven ausgeschieden und mit dem Du die Kranken zu salben befohlen hast, zu + segnen und zu + heiligen."

Dieses Olivenöl kann dir jeder Priester weihen. - Was nun die Kirche vom gesegneten Öle glaubt und welche Kraft sie durch die Segnung erzielen will, ersiehst du am besten aus den Gebeten, welche sie bei dieser Segnung anwendet. Da heißt es wörtlich: "Jede Kraft des Widersachers, jede Heerschar des Teufels, jeder Anfall und jedes Blendwerk des Satans soll mit der Wurzel ausgerottet werden und entfliehen von diesem Öle, damit es allen, die es gebrauchen, zum Heile an Leib und Seele gereiche." Und im zweiten Gebete bei der Öl-Segnung bittet die heilige Kirche Gott: "daß diejenigen, welche dieses Öl, das wir in Deinem Namen + segnen, gebrauchen, von allem Siechtum und aller Krankheit und von allen Nachstellungen des bösen Feindes befreit werden und alle feindlichen Mächte von Deinem Geschöpfe ferngehalten werden."

Wozu also das gesegnete Öl da ist und was es wirken kann, wenn man es fromm und gläubig gebraucht, das ersieht man aus den angeführten Worten. Zu allen Zeiten ist es in der katholischen Kirche üblich gewesen, das geweihte Öl gegen gewöhnliche, aber auch gegen unerklärliche Krankheiten anzuwenden. Darum sagt auch Papst Benedikt XIV.: "Es sei ein uralter Kirchengebrauch, Patienten, besonders solche, die mit teuflischen Anfällen geplagt sind, mit dem geweihten Öl zu salben."

Die heilsamen Wirkungen des gesegneten Öles haben im Verlaufe der Zeiten Unzählige erfahren; es gibt selbst Protestanten, welche es vertrauensvoll mit Erfolg und dankbar gebrauchen. Leider gibt es zuweilen Katholiken, die von der Kraft des geweihten Öles kaum eine Ahnung haben. In ihrer Not und ihrem Elend gehen sie lieber hinter dem Rücken ihres Seelsorgers zu allerlei Leuten, die durch Sympathie und allerlei abergläubische Mittel helfen zu können vorgeben. Solche Katholiken verlassen die klare Quelle in der Nähe, welche sie heilen könnte: sie schöpfen lieber aus einer vergifteten Pfütze, zahlen diese noch mit gutem Gelde und beschweren ihr Gewissen.

Das gesegnete Öl hat seine Kraft aus dem Blute und den Verdiensten Jesu Christi und aus dem Gebet der Kirche.

Wie wird es gebraucht? Nach der Vorschrift der Kirche muß das Öl, welches geweiht werden soll, Olivenöl sein. Es kann in ganz kleinen Portionen (ein paar Tropfen) innerlich eingenommen oder äußerlich auf dem kranken Körperteil eingerieben werden, längere Zeit hindurch. Je nach der Krankheit sollen, wie Doktor Bischofberger in seinem Exorzistat sagt, täglich einigemale die Herzgrube, die Schläfe und Pulse mit einem Tropfen geweihten Öles eingerieben werden. Wer es gebrauch will, soll im Stande der Gnade sein oder doch den festen Willen haben, durch eine gute Beicht in diesen Stand zu gelangen. Dann soll man vertrauen auf die Kraft und Güte Jesu Christi: es ist daher gut, vor dem Gebrauch jedesmal einen innigen Akt der Reue, ein frommes Vater unser oder die Litanei vom süßen Namen Jesu zu beten. Durch fortgesetztes Gebet und tägliche Anwendung des geweihten Öles wurden schon oftmals Krankheiten, gegen welche die Arzneikunde wenig vermag, z.B. Gicht und fallende Sucht, geheilt. - Bei kranken Kindern zeigt das gesegnete Öl ganz auffallende Wirkungen. Die im zehnten Jahrhundert von der Kirche getrennten Russen haben den Gebrauch des gesegneten Öles bis auf heute bewahrt; auch das russische Mitlitär nimmt bei Fieber, Wunden, Rheumatismen u.s.w. schnell seine Zuflucht zum gesegneten Öle.

Die Kirche hat keinerlei Formel vorgeschrieben bei Einreibungen mit diesem Öle. Am besten spricht man dabei: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." Oder: "Im Namen Jesu Christi entfliehe jeder Schmerz u.s.w." Es kommt nicht so sehr auf die Worte an als auf das Gottvertrauen.

Du tust also klug daran, wenn du ein Fläschchen geweihten Öles in deinem Hause aufbewahrst und in Krankheitsfällen fromm und gläubig das heilige Öl gebrauchst. Sollte dir je dadurch geholfen werden so vergiß nicht den Dank gegen den lieben Gott.

Um auch sonst der Wohltaten der kirchlichen Segnungen teilhaftig zu werden, muß der Mensch folgende Bedingungen erfüllen:

  1. Gebrauche die gesegneten und geweihten Sachen vor allem mit lebendigem Glauben und mit innigem Vertrauen auf die Macht und Güte Gottes, von dem jeder Segen, jede gute Gabe kommt.
  2. Gebrauche sie mit heiliger Andacht und in gottgefälliger Weise.
  3. Gebrauche sie mit kindlicher Ergebung in Gottes heiligen Willen.
    Stelle es vollkommen Gott anheim, ob er dir die gewünschten Wohltaten verleihen will oder nicht.
  4. Gebrauche sie mit reinem oder wenigstens bußfertigem Herzen (inniges Reuegebet vorher): denn je heiliger deine Seele ist, desto eher wird Gott geneigt sein, mit Gaben und Wohltaten dich zu beglücken.

Wenn du mit dieser Gesinnung die gesegneten und geweihten Sachen gebrauchst, dann werden sie dir ohne allen Zweifel mannigfache Wohltaten für dein zeitliches und ewiges Wohl vermitteln.


ANHANG

Latanei vom heiligsten Namen Jesu

1) Erbarme Dich unser!
2) Erlöse uns, o Jesus!

Lasset uns beten!

Herr Jesus Christus, Du hast gesagt: Bittet, und ihr werdet empfangen; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan. Wir bitten Dich inständig, erfülle uns mit Deiner göttlichen Liebe, auf daß wir Dich lieben mit ganzem Herzen, mit Wort und Werk, und nimmer lassen von Deinem Lobe.

Deinen heiligen Namen, o Herr, laß uns immerdar fürchten und lieben zugleich, weil Du ja niemals Deine Führung jenen entziehst, die Du fest begründet hast in Deiner Liebe, der Du lebst und herrschest in Ewigkeit. Amen.

7 Jahre Ablaß. Vollkommener Ablaß unter gewöhnlichen Bedingungen, wenn man die Litanei mit der Oration einen ganzen Monat lang jeden Tag andächtig betet. (Ablaßbuch, Rom 1950, Seite 52).

Gebet zum süßen Namen Jesus

Allergütigster Jesus! schreibe deinen allersüßesten Namen Jesus in mein Herz, auf daß Jesus allezeit sei in meinem Munde, in meinem Sinne und in meinem Herzen. O lieber Name Jesus, Du süßer Name! Denn was heißt Jesus anders als ein Heiland? Und was ist Jesus anderes als ein Seligmacher? Darum, o Jesus, sei mein Jesus, wenn ich wache! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich schlafe! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich bete! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich arbeite! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich angefochten bin! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich in Sünden gefallen bin! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich in Nöten bin! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich in Ängsten bin! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich krank bin! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich in Todesgefahr bin! O Jesus, sei mein Jesus, solange ich lebe! O Jesus, sei mein Jesus, wenn ich sterbe! O Jesus, sei in meinem Munde, wenn mein Geist ausfährt, auf daß mein letztes Wort sei Jesus! Jesus! Jesus! Amen.

Glaube, Hoffnung und Liebe

Reue und Vorsatz

O mein Gott, alle meine Sünden reuen mich vom Grunde meines Herzens, weil ich von Dir Strafe verdient habe. Ganz besonders verabscheue ich sie, weil ich Dich, meinen besten Vater, meinen gütigsten Erlöser, das höchste und liebenswürdigste Gut beleidigt habe. - Mit Deiner Gnade nehme ich mir fest vor, nicht mehr zu sündigen und die nächste Gelegenheit zur Sünde zu meiden.

Gebet

Verleihe, wir bitten Dich, Herr, unser Gott, daß wir, deine Diener, uns der beständigen Gesundheit der Seele und des Leibes erfreuen und durch die glorreiche Fürbitte der seligsten und immerwährenden Jungfrau Maria von der gegenwärtigen Trübsal befreit werden und einst die ewige Freude genießen mögen. Durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Mit kirchlicher Druckerlaubnis des Bischöflichen Ordinariates Chur vom 2. März 1956


Transkription P.O. Schenker, © by Immaculata-Verlag, CH-9050 Appenzell